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Fanfiction

Eine zweite Chance - Verraten

von Kate Flemming

Liebe Suschi, Karla und Severuss,

vielen, vielen Dank für Eure Reviews!!! Ich freue mich jedes Mal, wenn Ihr etwas schreibt und schaue jeden Tag nach, ob jemand einen Kommentar hinterlassen hat.
Die vielen Cliffhanger sind gemein, ich weiß. Aber es wird bald besser, nicht gleich, aber bald!

**********************************

Der Schmerz setzte wieder ein, sobald sie sich bewegte. Also ließ sie es. Dann versuchte sie, die Augen zu öffnen. Auch das schmerzte. Sie stöhnte. Jemand legte etwas Kaltes auf ihre Stirn. Das war angenehm.
Eine leise Stimme sagte: „Trinken Sie das, dann wird es bald besser.“
Ihr kam die Stimme vage bekannt vor. Vorsichtig öffnete sie die Augen und erkannte Madam Pomfrey. Sie trank, das Schlucken tat auch weh. Dann wurde es wieder dunkel.

Als sie das nächste Mal erwachte, war sie auf die Schmerzen vorbereitet. Sie kamen, aber nicht mehr so heftig. Langsam öffnete sie die Augen. Das Licht war nur sehr gedämpft. Sie öffnete die Augen weiter. Offensichtlich lag sie im Krankenflügel von Hogwarts und es war immer noch dunkel. Eine kleine Lampe tauchte den Raum in ein Halbdunkel. Kate bewegte vorsichtig den Kopf. Am Ende des Raumes lag eine weitere Person in einem Bett. Sie konnte nicht erkennen, wer es war. Da kam Madam Pomfrey wieder herein und trat an ihr Bett.
„Sie sind wach, wie schön.“ Sie legte ihr die Hand auf die Stirn und sagte leise: „Wie fühlen Sie sich?“
Kate krächzte mit rauer Stimme: „Schrecklich.“
Mitfühlend nickte Madam Pomfrey. „Der Cruciatus-Fluch. Wir wussten nicht, wie er sich auf einen Muggel auswirkt. Aber anscheinend wirkt der Zaubertrank auch bei Ihnen. Zum Glück. Professor Dumbledore und ich waren sehr besorgt um Sie.“
„Was ist passiert?“ Kates Stimme gehorchte ihr nur schwer.
„Sie wurden schon erwartet. Es muss ihm Orden einen Verräter geben. Es war ein harter Kampf. Erst als der Schulleiter kam, konnte der Angriff abgewendet werden.“ Sie schüttelte Kates Decke auf und fuhr dann fort: „Professor Dumbledore ist furchtbar wütend.“
Kate schaute zu dem anderen Patienten: „Wer ist das?“
Sie hatte Angst, den Namen des Mannes zu hören, den sie liebte. Er war mitten im heißesten Gefecht gewesen und hatte sie beschützt.
Madam Pomfrey sah ebenfalls hinüber und sagte leise: „Das ist Bill Weasley. Er wurde von Fenrir Greyback gebissen.“ Auf Kates fragenden Blick fuhr sie fort: „Er ist ein Werwolf. Aber Mr. Weasley hatte Glück im Unglück. Der Werwolf war nicht verwandelt, also wird Mr. Weasley sich nicht verwandeln.“
Kate war erleichtert. Also war Severus nichts passiert!
„Wie spät ist es? Es muss doch bald hell werden.“
Madam Pomfrey sah sie ernst an und sagte: „Der Angriff war vor drei Tagen. Es ist jetzt mitten in der Nacht.“
Kate war entsetzt, drei Tage fehlten ihr im Leben, drei Tage, die sie nicht mitbekommen hatte. Madam Pomfrey gab ihr etwas zu Essen und wieder einen Zaubertrank. Kate schlief wieder ein.

Als sie am nächsten Morgen erwachte, waren die Vorhänge um ihr Bett herum zugezogen. Von der anderen Seite waren gedämpfte Stimmen zu hören. Anscheinend hatte Bill Weasley Besuch. Kate lag eine Weile still im Bett. Es ging ihr schon viel besser. Die Schmerzen waren zwar vorhanden, aber sehr gedämpft. Sie bewegte vorsichtig die Arme und Beine. Es war zu ertragen. Ihr Magen knurrte. Das war ein gutes Zeichen. Kate richtete sich auf. Das ging auch wieder. Ihr war ein wenig schwindelig. Kein Wunder, wenn sie seit drei, nein, inzwischen vier Tagen hier lag.
Sie überlegte gerade, ob sie aufstehen sollte, da öffnete sich der Vorhang einen Spalt und Madam Pomfrey kam herein.
„Guten Morgen, meine Liebe. Wie geht es Ihnen heute?“ Sie sah Kate prüfend an
„Schon viel besser. Ich habe sogar Hunger, das ist doch sicher ein gutes Zeichen, oder?
Madam Pomfrey nickte eifrig: „Ganz sicher. Ich hole Ihnen das Frühstück. Aber stehen Sie lieber noch nicht auf.“
Sie verschwand wieder durch den Vorhang. Kurz darauf kam sie mit einem Tablett zurück, stellte es auf den kleinen Tisch neben dem Bett und richtete das Kopfteil des Bettes auf. Während Kate aß, arrangierte die Krankenschwester die Blumen, die in einer Vase auf dem Tisch standen neu.
Auf Kates fragenden Blick sagte sie: „Von Dobby und Winky!“ Kate lächelte.
Als sie mit dem Essen fertig war, nahm Madam Pomfrey das Tablett und sagte: „Professor Dumbledore kommt Sie nachher besuchen. Vorher machen wir Sie noch ein wenig frisch.“

Etwa eine Stunde später trat Professor Dumbledore durch den Spalt im Vorhang. Er lächelte Kate an und sagte: „Meine Liebe, ich bin so froh, Sie so munter zu sehen.“
Sie lächelte zurück und meinte: „Es geht mir schon viel besser.“
Er setzte sich langsam auf den Stuhl, der neben dem Bett stand. Dann sah er sie eine Weile prüfend an. „Sie wissen, was passiert ist?“
Kate sah ihn aufmerksam an. Wieso hatte sie das Gefühl, dass da etwas nicht stimmte?
„Nur so ungefähr. Wir apparierten in der Nähe dieser Heulenden Hütte und platzten mitten in einen Kampf hinein. Es waren viele Todesser, der Orden hatte Schwierigkeiten, sich zu wehren. Dann wurde ich von etwas in die Seite getroffen und …“
Dumbledore nickte mitleidig: „Der Cruciatus-Fluch! Wir hatten große Angst um Sie. Schon für einen Zauberer oder eine Hexe ist das sehr gefährlich. Viele Muggel sind nach Anwendung des Fluches gestorben.“
„Danach weiß ich nichts mehr.“
„Dem Orden gelang es, die Angreifer in die Flucht zu schlagen. Wir wurden verraten. Den Verräter haben wir schon ausfindig gemacht. Es war Mundungus Fletcher. Wir haben ihn schon eine Weile beobachtet und hätten ihn schon viel früher unschädlich machen sollen.“ Dumbledore schüttelte traurig den Kopf.
Dann hob er wieder den Kopf und seine blauen Augen schienen bis auf den Grund ihrer Seele zu blicken. „Wir hatten noch einigermaßen Glück. Wie Sie wissen, wurde außer Ihnen nur noch Bill Weasley verletzt.“
Wieder machte er eine Pause und Kate spürte mit einer plötzlichen Klarheit, was kommen würde.
Sie sah ihn durchdringend an und fragte dann leise: „Und Professor Snape? Auf ihn haben sich die Angreifer konzentriert. Sie wissen jetzt, dass er auf unserer Seite ist, nicht wahr?“
Dumbledore sagte nichts, sah sie nur unverwandt an. Nein! Ihr Herz schlug so schnell, dass ihr schlecht wurde. Sie schüttelte unbewusst den Kopf.
„Nein!“
Dumbledore griff ihre Hand und sagte: „Soweit wir wissen, lebt er noch. Sie haben ihn überwältig und mitgenommen. Und ja, sie wissen jetzt, dass er die ganze Zeit auf unserer Seite war.“
Kate vernahm seine Worte nur noch von Ferne. In ihrem Kopf und in ihrem Herz war nur noch Platz für Schmerz.
Severus!
Sie würden ihn töten. Und vorher würde er büßen müssen. Die Tränen rannen ihr über die Wangen, ohne dass sie es wusste. Sie sah sein Gesicht so deutlich vor sich, als wenn er vor ihr stehen würde. Dann wurde ihr schwarz vor Augen und die Dunkelheit umhüllte sie gnädig.

Die nächsten Tage gingen an Kate vorüber, ohne dass sie Einzelheiten davon mitbekam. Geradezu fanatisch konzentrierte sie ihre Gedanken und Gefühle auf Severus, als ob sie ihm damit Kraft und Durchhaltevermögen schicken konnte. Sie reagierte kaum, wenn sie angesprochen wurde. Sie konnte nicht schlafen und aß nur das Nötigste. Sie war so fokussiert, dass sie die wechselnden Besucher von Bill Weasley nicht mitbekam. Mrs Weasley und Charlie gaben es bald auf, mit ihr sprechen zu wollen. Außer Dumbledore wusste keiner, was mit ihr los war und alle dachten, es wären immer noch die Auswirkungen des Fluches, der sie getroffen hatte.
Nach zwei Tagen kam Minerva McGonagall aus St. Mungos zurück und musste noch einige Tage im Krankenflügel bleiben. Auf Anraten von Dumbledore legten sie sie in das Bett neben Kate. Dumbledore war äußerst besorgt über den Zustand Kates. Er sprach mit Minerva, bevor sie in das Krankenzimmer gebracht wurde und sie waren sich einig, dass man Kate im Moment nicht alleine lassen sollte. Stündlich erwartete der Schulleiter schlechte Nachrichten über Snape. Der gesamte Orden war auf der Suche nach ihm. Voldemort würde die Ermordung Snapes mit Sicherheit öffentlich machen, zur Abschreckung. Miss Flemming musste davon unbedingt abgeschirmt werden.
Minerva schaffte es zwar einige Male, zu der jungen Frau durchzudringen. Aber schließlich sah sie ein, dass sie Kate nicht davon abhalten sollte, dass zu tun, was auch immer sie tat. Sie bekam mit, dass Kate durchaus nicht apathisch war.

Es war in der vierten Nacht, acht Tage nachdem sie in die Falle der Todesser getappt waren.
Kate schreckte aus ihrem Dämmerschlaf hoch und schrie mit aller Vehemenz auf: „Nein!!!“
Sie sprang aus dem Bett auf und sah sich gehetzt um. Minerva war aus dem Schlaf hochgeschreckt und Bill stand mit dem Zauberstab in der Hand vor seinem Bett und sah sich nach der vermeintlichen Gefahr um. Madam Pomfrey kam hereingerannt und zog dabei ihren Bademantel über.
„Was ist passiert?“ Sie sah sich schnell um und konnte keine Gefahr erkennen. Dann lief sie zu Kate herüber und wollte sie am Arm ins Bett zurück dirigieren.
Kates Augen waren schreckgeweitet und sie war panisch. Sie spürte, dass Severus dabei war, sich aufzugeben, sie spürte es einfach. Sie war eingeschlafen, sie hatte ihn alleingelassen. Es war ihre Schuld!

Die junge Frau entzog Madam Pomfrey ihren Arm und wirbelte herum. Bevor irgendjemand sie daran hindern konnte, war sie zur Tür hinaus und rannte mit bloßen Füßen durch die kalten Flure, zum Treppenhaus und die Treppen zum Astronomie Turm hinauf. Sie rannte, so schnell sie konnte. Es war lebenswichtig, dass sie sich beeilte. Mit rasendem Herzen und stoßweisen Atmen kam sie endlich oben an und hielt sich mit bebenden Händen am Geländer fest. Ohne die dicken Mauern zwischen ihnen hatte sie das Gefühl, den Kontakt wiedergefunden zu haben. Sie konzentrierte sich so sehr, dass sie Kopfschmerzen bekam.
Hinter ihr tauchte Dobby auf. Madam Pomfrey hatte die Hauselfen verständigt, um Kate in dem riesigen Schloss schnell zu finden. Er wollte Kate am Arm greifen, um sie in den Krankenflügel zu bringen, aber sie wies ihn brüsk ab: „Lass mich!!“ Sie durfte die Verbindung nicht abreißen lassen. Und es gab eine Verbindung, dass spürte sie genau. Gerade jetzt brauchte er sie am meisten.
Minerva hatte Dumbledore verständigt, er hatte geahnt, dass so etwas geschehen würde. Er hatte es ihr erklärt, bevor er sich ebenfalls auf die Suche begeben hatte: „Dadurch, dass er ihr das Leben gerettet hat, sind sie miteinander verbunden. Sie sind sich bisher dieser Verbindung nicht bewusst gewesen. Miss Flemming hat sie jetzt wohl entdeckt.“

Dumbledore betrat die Plattform des Astronomie-Turmes und trat zu der jungen Frau, deren Blick starr in die Ferne gerichtet war. Er spürte ihre Konzentration und störte sie nicht. Nach einer Stunde zuckte Kate heftig zusammen und drehte sich panisch um. Ihre Augen trafen Dumbledores.
„Er ist da, Sie müssen ihn holen. Vor dem Tor. Er kann es nicht alleine. Beeilen Sie sich, er wird verfolgt!“
Ohne ein Wort wirbelte Dumbledore kurz um sich und verschwand in einem weißen Blitz, der vom Turm in Richtung Tor zuckte.
Kate lief wie in Trance zur Treppe.
Dobby ergriff ihre Hand und sagte: „Dobby bringt Miss Flemming in den Krankenflügel.“
Kate nickte und sie apparierten. An der Tür zum Krankenzimmer warteten Madam Pomfrey und Minerva.
„Professor Dumbledore holt ihn gerade. Es geht ihm schlecht. Er ist verletzt und schwach.“ Kate brachte die Worte müde und schleppend heraus. Die letzten Stunden hatten ihre Kräfte aufgebraucht. Madam Pomfrey fragte nicht weiter und richtete ein Bett in einem Nebenraum, der für schwerere Krankheiten vorgesehen war.
Da erklangen auch schon Dumbledores Schritte vor der Tür. Minerva öffnete und Dumbledore dirigierte Snapes Körper mit einem Schwebezauber in das Zimmer und auf das Bett.
Kate trat langsam näher und ihr Blick glitt über seinen geschundenen Körper zu seinem Gesicht. Er war bewusstlos. Sie hob ihre Hand und strich ihm sanft die Haarsträhnen aus dem blutverkrusteten Gesicht. Madam Pomfrey hatte Zaubertränke, Verbände und allerlei andere Dinge magisch herbeigeholt und wollte Kate gerade verscheuchen, um den Patienten zu versorgen. Doch eine Handbewegung von Dumbledore ließ sie innehalten.
Sie folgte dem Blick des Schulleiters und Minervas. Als sie bemerkte, was da am Krankenbett vor sich ging, ging ein Lächeln über ihr Gesicht. So war das also!
Sie ließen Kate noch ein wenig Zeit, dann dirigierte Minerva sie sanft, aber energisch ins Bett: „Sie können ihm jetzt nicht weiter helfen. Poppy und Albus werden sich um ihn kümmern. Schlafen Sie ein wenig, Sie haben in den letzten Tagen Großartiges geleistet. Aber nun müssen Sie ausruhen, wieder zu Kräften kommen. Ich verspreche Ihnen, dass ich Sie persönlich wecke, wenn etwas passiert.“
Kate ließ sich ins Bett fallen und schlief augenblicklich ein.

Zwei Tage war Severus Snape noch bewusstlos. Zwei Tage, bevor klar war, dass er seine schweren Verletzungen überleben würde. Zwei endlos lange Tage, die Kate nur mit kurzen Unterbrechungen an seinem Bett verbrachte. Sie war es, die ihm die kalten Kompressen auf die Stirn legte und das schweißnasse Gesicht abwusch. Sie träufelte ihm unendlich geduldig Flüssigkeit in den Mund, trug ihm gemeinsam mit Madam Pomfrey Salben auf seine unzähligen Wunden auf. Als Poppy die Verbände das erste Mal wechselte, half Kate ihr dabei. Sie war entsetzt, als sie die Schwere seiner Verwundungen sah. Die Tränen traten ihr in die Augen, als sie die flache Schüssel hielt, in die die Heilerin die blutbefleckten Binden warf.
Er hatte Unvorstellbares erlitten. Zahllose Schnitte, Wunden die von Flüchen kamen und Brandwunden bedeckten seine Brust, seine Beinen und den Rücken. Am schlimmsten sah sein linker Unterarm aus. Dort fehlte an großen Stellen die Haut. Die restliche Haut war verbrannt. Es brauchte jedes Geschick von Madam Pomfrey und Dumbledore, um diese Wunde mit der Zeit zu verschließen. Auf Kates Fragen erklärte ihr Dumbledore, dass Snape an dieser Stelle das dunkle Mal gehabt hatte, das Zeichen der Todesser. Nachdem sie ihn als Verräter entlarvt hatten, hatten sie versucht, es zu entfernen.
Als sie ihn versorgt hatten, saß Kate still an seinem Bett und versuchte, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Madam Pomfrey hatte es nach einem Wink von Dumbledore aufgegeben, Kate vom Krankenbett vertreiben zu wollen und ließ sie allein. Kate hielt Snapes Hand in der ihren und strich gedankenverloren immer wieder über seinen Handrücken. Dabei sah sie in sein angestrengtes Gesicht. Es war kein friedlicher Schlaf, in dem er lag. Sein Unterbewusstsein schien die Schmerzen zu spüren und gegen die Ohnmacht anzukämpfen.
Langsam hob Kate seine Hand zu ihrem Mund und hauchte einen Kuss darauf. Eines war ihr in den letzten Tagen klar geworden: sie liebte Severus Snape. Es war keine Schwärmerei, keine Verliebtheit. Sie konnte sich nicht vorstellen, ohne ihn zu sein, ihr Herz klopfte schneller, wenn sie ihn nur ansah. Es war, als ob er ein Teil von ihr wäre. Wenn sie die Augen schloss, dann sah sie sein Gesicht vor sich. Diese außerordentliche Verbindung, die sie gespürt hatte und immer noch spürte, die musste auch er bemerkt haben.
Sie lächelte und dachte an die Wortgefechte, die sie sich immer wieder geliefert hatten. Und an ihre gemeinsamen Tänze, bei denen sie perfekt harmoniert hatten. Schon damals hätte sie es wissen müssen, aber sie hatte sich selbst nicht getraut. Jetzt, als sie schon dachte, ihn zu verlieren, da war es ihr klar: sie liebte ihn mit jeder Faser ihres Herzens!
Sie stand auf und wechselte den kühlenden Umschlag auf seiner Stirn. Versonnen strich sie mit ihren Finger über seine Wangen. Dann beugte sie sich vorsichtig näher und küsste ihn auf die Wange. Dabei dachte sie so intensiv sie konnte: Ich liebe Dich!
Als die Heilerin eine Stunde später hereinkam, war Kate auf dem Stuhl eingeschlafen, seine Hand in den ihren und auf ihrem Gesicht lag ein Lächeln.

Erst nach zwei Tagen konnten Poppy und Dumbledore Entwarnung geben: Snape würde es überleben und in den nächsten Tagen aufwachen.
Kate war erleichtert und am Ende ihrer Kräfte. Sie kehrte von der Krankenstation in ihre Wohnung zurück und genoss die vertraute Umgebung und die Friedlichkeit um sie herum. Dann fiel sie ins Bett und schlief zwölf Stunden am Stück.

Snapes Erwachen war nicht gnädig. Kein langsames Sich-Erinnern. Mit einem Schlag und mit aller Macht kamen ihm alle Einzelheiten wieder in den Sinn. Doch er betrachtete es mit eine seltsamen Entfernung. Es war grauenvoll und unendlich schmerzhaft gewesen. Immer wieder hatten die Todesser und Voldemort ihn gefoltert und gedemütigt. Ihm war schon vorher klar gewesen, dass er unter den Todessern viele Feinde hatte. Sie neideten ihm seine gute Stellung beim Dunklen Lord. Aber jetzt erst bekam er am eigenen Leib zu spüren, wie stark ihr Hass war. Und der Dunkle Lord hatte jede Minute genossen. Jeder neue Einfall war von allen begeistert begrüßt worden. Doch Snape hatte Glück im Unglück.
Immer wieder war die Folter unterbrochen worden, weil der Orden die Todesser angriff, wo immer sie konnten. Außerdem war Voldemort unterwegs gewesen, warum auch immer. In diesen Zeiten brachten sie Snape unsanft in eines der Verließe und überließen ihm seinen Schmerzen und seinen dunklen Gedanken.
Und die waren schlimmer als alle körperlichen Qualen. Immer wieder sah er in seinen Gedanken, wie er von Miss Flemming getrennt wurde und ihre schreckgeweiteten Augen, als der Fluch sie traf. Ihren hilflos zuckenden Körper und sein Unvermögen, sie zu beschützen. Bevor er sie erreichen konnte, hatte ihn ebenfalls ein Fluch getroffen und er war erst wieder im Verlies der Malfoys erwacht.
In ihm brannte die Schuld, stärker, als sein Körper schmerzte. Sie musste tot sein, denn Muggel überlebten so einen massiven Einsatz des Fluches nur selten. Bellatrix und ein weiterer Todesser hatten den Fluch gleichzeitig auf sie abgefeuert. Er hatte sie im Stich gelassen. Sie hatte ihm vertraut, ihm ihr Leben anvertraut. Und er hatte sie verraten.
In den letzten Tagen als Gefangener der Todesser hatte er sein Denken eingestellt. Dank der Okklumentik hatte er alles ausschalten können. Und doch war da eine Präsenz gewesen, die ihn vor dem Aufgeben bewahrt hatte. Dann waren die Todesser und Voldemort für zwei Tage verschwunden gewesen und Wurmschwanz hatte sich um ihn gekümmert. Was hieß, dass er ihn trat und misshandelte, wann immer er in den Kerker kam. Ohne Zauberstab war Snape hilflos gewesen und, geschwächt durch die Folter, auch unfähig, sich anders zu wehren.
Mitten in der Nacht war die Kerkertür geöffnet worden und jemand hatte ihm seinen Zauberstab in die Hand gedrückt. Snape hatte nicht erkennen können, wer es war, denn es war dunkel gewesen in seinem Verlies. Dann war sein Retter verschwunden und hatte die Tür offen stehen lassen. Snape versuchte, sich zu erheben. Sein Körper gehorcht ihm nicht! Es war sowieso alle sinnlos, sein ganzes Leben. Sinnlos. Verschwendet. Vorbei. Er ließ sich wieder auf den widerlich dreckigen Boden sinken. Wozu sollte er sich retten?
Gerade, als er wieder in die friedliche Fast-Bewusstlosigkeit hinüberdämmert, hatte ihn ein vehementes „Nein!“ aufgeschreckt.
Er hatte nicht gewusst, woher es kam, und nicht von wem. Aber er hatte sich aufgerafft. Mit seinem Zauberstab hatte er die Schwellung seiner Augen etwas eindämmen können. Die schlimmsten Wunden brachte er dazu, nicht mehr zu bluten. Wurmschwanz hatte sie mit viel Vergnügen offen gehalten. Dann hatte er sich unendlich langsam aufgerichtet und war leise die Treppe hinaufgeschlichen. Wurmschwanz saß als Wache auf einem Sessel an der Tür, die zu den Kerkern hinunterführte.
Er musste sich sehr sicher fühlen, denn er schlief tief und fest. Snape schockte ihn mit einem Zauber, nahm dessen Zauberstab und bewegte den leblosen Körper mit Zauberkraft nach unten vor die geöffnete Kerkertür. So würde es so aussehen, als hätte er Wurmschwanz überwältigt und sein unbekannter Retter würde nicht verdächtigt werden. Dann verließ er unter Schmerzen und mit viel Mühe das imposante Gebäude. Nur eine weitere Wache war zu sehen und er schockte auch diese.
Vor dem Tor disapparierte er. Seine Kraft reichte nicht für große Entfernungen, so musste er kleinere Sprünge machen und dazwischen immer wieder ausruhen. Mehrfach dachte er, dass er nicht weiterkönnte. Doch jedes Mal hatte ihn etwas angetrieben und motiviert. So war er vor dem Tor von Hogwarts gelandet. Endgültig am Ende seiner Kräfte, hatte er es nicht mehr fertiggebracht, das Tor mit Zauberkraft zu öffnen und sich auf die sicheren Gründe zu retten. Er war zusammengebrochen und nahm nur noch wahr, dass Dumbledore plötzlich auftauchte. Danach hüllten ihn die Dunkelheit und seine schwarzen Gedanken ein.

An diesem Punkt der Erinnerungen war er angekommen, als Dumbledore an sein Bett trat.
Der alte Mann sah ihn besorgt und prüfend an und sagte leise: „Das war knapp Severus. Wir hatten Angst, Sie zu verlieren.“ Er räusperte sich und sah ihn aufmerksam an. „Was ist passiert, wie konnten Sie entkommen?“
Mit einer emotionslosen Stimme erzählte Snape kurz, was geschehen war, ohne auf die Einzelheiten einzugehen. Auch seine Flucht schilderte er in kurzen Worten.
„Seltsam“, sagte Dumbledore „wer mag es gewesen sein, der Ihnen die Flucht ermöglicht hat?“
„Ich konnte ihn nicht erkennen.“
Dann schwiegen sie eine Weile. „Dann ruhen Sie sich noch ein wenig aus, Severus. Es wird bestimmt nicht lange dauern, bis Miss Flemming wieder hier auftauchen wird. Sie hat Sie die letzten Tage kaum alleine gelassen. Wir mussten ihr fast befehlen, sich hinzulegen.“
Snape schaute ihn an, als würde er seinen Ohren nicht trauen. „Sie lebt?“
„Oh ja, sie hat sich erstaunlich schnell erholt. Sie war den Flüchen nicht lange ausgesetzt und besitzt mehr Reserven, als wir es vermutete haben. Sie war drei Tage bewusstlos, aber als sie aufwachte, kam sie zusehends wieder zu Kräften.“ Dumbledore lächelte verschmitzt. „Wir können nur froh sein, dass Poppy sie mag. Sonst hätte es an Ihrem Bett die ein- oder andere Auseinandersetzung gegeben. Poppy hat es nicht so gerne, wenn man sie von ihrem Platz verdrängt. Aber Miss Flemming kann sehr stur sein.“

Damit verabschiedete sich Dumbledore und überließ Snape seinen Gedanken.
Sie lebte. Hatte es wunderbarerweise unbeschadet überstanden. Und jetzt? Wie würde es weitergehen? Nach allem, was sie gemeinsam erlebt hatten, was würde nun kommen? Hatte sich etwas geändert?
Dumbledore hatte gesagt, dass sie die ganze Zeit bei ihm gewesen war. Also waren es doch ihr Hände gewesen, die er gespürt hatte. Er hatte es als ein Hirngespinst angesehen, als eine Ausgeburt seiner Phantasie. Sie lebte.
Wenn sie jetzt zu ihm kommen würde, was erwartete er? Sie hatte sich persönlich um ihn gekümmert. Wahrscheinlich sah sie das als eine Pflicht an, das war so ihre Art, ein Teil ihres Wesens. Sicher mochte sie ihn. Er war sich sicher, dass sie die Zeit mit ihm manchmal genossen hatte. Nicht immer. Und sie hatte die Spannung auch gespürt. Sie sah ihn als Freund an, mehr nicht! Er durfte nicht mehr hineininterpretieren, auch wenn er sich noch so sehr danach sehnte.
Fakt war, als es darauf angekommen war, da hatte er versagt. Er hatte sie nicht beschützen können, hatte ihr Vertrauen verraten. Er starrte an die Decke und seine Augen brannten. Sie hatte Besseres verdient. Er konnte und durfte sich nicht länger nach Dingen sehnen, die nicht für ihn gedacht waren.
Nach ihr. Er würde ihr klar machen, dass er ihre Freundschaft und ihre Fürsorge nicht wollte. Es würde ihr im ersten Moment wehtun, aber auf die Dauer war es die einzige Lösung.

Es dauerte noch eine Stunde, bis Miss Flemming auftauchte. Er spürte ihre Anwesenheit schon, als sie noch im Flur war. Dann hörte er sie kurz mit Madam Pomfrey reden. Kurz darauf ging die Tür auf und sie kam herein. Sie sah ihn im Bett sitzen und ein Leuchten ging über ihr Gesicht. Nie war sie ihm schöner vorgekommen. Die folgenden Minuten würden schwer werden. Aber er durfte nicht versagen. Wenigstens das konnte er für sie tun.
„Professor Snape, ich bin froh, dass es Ihnen besser geht.“ Sie stand neben dem Bett und sah ihn aufmerksam an. Als sie von Madam Pomfrey gehört hatte, dass er schon vor Stunden aufgewacht war, da war sie so glücklich gewesen. Er würde wirklich wieder gesund werden. Sie hatte ihn nicht verloren. Nun würde alles anders werden.
Doch sein ernstes, fast genervtes Gesicht passte nicht zu ihrer Vorstellung. Er musterte sie kalt und ihr jagte einen kleinen Schauer über den Rücken. Was war los?
„Ist alles in Ordnung mit Ihnen?“ Ihr Ton wurde besorgt: „Haben Sie Schmerzen? Soll ich Ihnen etwas holen?“ Die letzten Worte waren merklich zögernder geworden.
Er öffnete den Mund und sagte heiser: „Miss Flemming, es ist wirklich sehr nett, dass Sie so besorgt sind. Aber ich denke, Madam Pomfrey versteht es besser als Sie, sich um ihre Patienten zu kümmern.“
Ihre Augen waren bei seinen Worten groß geworden. Er fuhr mit festerer Stimme fort: „Sie als Muggel dürften wohl kaum etwas von magischer Wundheilung wissen, und es wäre mir lieber, wenn ich hier meine Ruhe hätte. Sie müssen nicht glauben, dass wir nun, nur weil wir diese Mission gemeinsam gemeistert haben, die besten Freunde sind.“ Er zog die Augenbrauen finster zusammen und starrte sie mit funkelnden Augen an. „Ich suche mir meine Freunde gerne selbst aus und ich kann nicht erkennen, welche Basis wir für eine Freundschaft, egal welcher Art, hätten.“ Jedes Wort war für sie wie ein Schlag ins Gesicht. Er sah sie zusammenzucken. Trotzdem fuhr er fort: „Wenn Sie mich jetzt bitte alleine lassen könnten. Ich möchte mich ein wenig ausruhen.“ Damit lehnte er sich wieder nach hinten auf sein Kissen und drehte den Kopf von ihr fort.

Kate fühlte sich wie betäubt. Ihre Füße trugen sie mechanisch aus dem Raum und sie schloss die Tür leise hinter sich. Sie verließ den Krankenflügel und lief immer weiter. In die Eingangshalle. Durch das Portal hinaus. Über die Wiese. Erst am Ufer des Sees hielt sie an. Sie sank auf die Wiese und fühlte nur die Leere in sich. Nach endlosen Minuten füllte sich diese Leere mit Schmerz, als seine Worte endlich in ihrem Verstand ankamen.
Er wollte sie nicht! Sie war ihm lästig. Er hatte keine Verbindung gespürt. Nur wegen der Mission war er einigermaßen umgänglich gewesen.
Dann setzte das Denken ganz aus, weil der Schmerz sie überwältigte.


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