
von Kate Flemming
Wieder einmal vielen Dank für meine fleißigen Reviewerinnen Karla und Suschi! Es ist interessant zu sehen, wie manche Ereignisse von Euch gesehen werden und wie Ihr mitfiebert! Danke dafür. Jetzt das nächste Kapitel:
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Er wurde am nächsten Morgen sehr sanft aus dem Schlaf geholt. Da war jemand so unverschämt, kleine Küsse auf seiner nackten Brust zu verteilen. Als er nicht reagierte, glitt ihre Hand langsam aber sicher an ihm herunter. „Es ist unglaublich, was Sie sich herausnehmen, Mrs Snape!“, knurrte er, bevor er sie leidenschaftlich küsste.
Als er ihren Mund kurz freigab, wisperte sie atemlos: „Sie sind selbst schuld, Professor Snape, wenn Sie sich so skandalös leicht bekleidet in dieses Bett legen.“
Entrüstet schaute er sie an: „Es kann ja nicht jeder eingemummt bis an den Hals schlafen gehen!“ Dabei schaute er sehr angelegentlich auf ihr durchsichtiges Nachthemd. „Ich mache Ihnen einen Vorschlag! Sie ziehen das hässliche Teil aus und ich werde über Ihren Überfall keinen Ton mehr verlieren.“
Kate lachte und schon kurze Zeit später hatten sie keine Zeit mehr, sich zu unterhalten.
Es dauerte eine ganze Weile, bis beide wieder Luft bekamen und klar denken konnten. Sie lagen nebeneinander auf dem Bett und konnten nicht fassen, was da eben passiert war.
Kate erholte sich zuerst und richtete sich halb auf. Ihr Atem war immer noch nicht normal, als sie zu ihm schaute: „Das war gar nicht so schlecht, für einen älteren Zauberer.“
Er schnaubte kurz und sah sie an: „Viel älter werde ich auch nicht werden, wenn Du so weiter machst!“
Dann lachten beide und er zog sie in den Arm. Sie küssten sich sanft und er sagte leise: „Ich liebe dich. Wie habe ich es all die Jahre nur ohne dich ausgehalten?“
Sie lächelte und küsste ihn auf die Nase: „So wie ich. Du warst nur eine halber Mensch.“
Er nickte. „Und ich habe es nicht einmal gewusst!“
Jetzt stand sie auf und sagte: „Ich schon. Ich wusste immer, dass da draußen jemand auf mich wartet!“ Dann ging sie duschen.
Der Vormittag war schon fast vorbei, als Kate sich in der Küche schnell einen Kaffee kochte. Außerdem toastete sie einige Scheiben Brot. Nach den Sommerferien hatte sie angefangen, die Küche zu benutzen. Erst hatte sie sich nicht richtig an den riesigen Herd getraut, aber Winky und Dobby zeigten es ihr und bald beherrschte sie das Anzünden des Herdes. Sie kochte manchmal, sehr zur Freude Dumbledores, der sich gerne in der Küche einfand, wenn er in Hogwarts war. Er schaute zu oder half auch, kochen machte ihm ausgesprochenen Spaß. Er entdeckte eine neue Welt für sich. Wenn sie und Severus keine Lust hatten, zum Frühstück oder Abendbrot in die Große Halle zu gehen, dann bereitete sie diese Mahlzeiten hier zu.
Severus kam herein und nahm sich einen der Toasts. Auch seine Haare waren noch nass. Er nahm eine Flasche mit Fruchtsaft aus dem Vorratsschrank und schenkte zwei Gläser ein.
Dann reichte er eins an Kate: „Eigentlich solle ich Dir nicht auch noch Vitamine geben. Sonst gibst du nie Ruhe!“
Sie sah ihn vorwurfsvoll an: „Ich kann dich auch einfach mal zwei Wochen in Ruhe lassen. Du wirst schon sehen, ob dir das besser gefällt!“
Schnell zog er sie an sich. Er flehte mit einem verschmitzten Gesichtsausdruck: „Bloß nicht!“
Sie kicherte noch, als der Schulleiter die Küche betrat. Mit drei Personen wurde es schon etwas eng in dem schmalen Raum. „Oh, entschuldigen Sie, ich wollte nicht stören.“
Severus hielt Kate fest und sagte über seine Schulter: „Sie stören nicht, ich habe meiner Frau nur klar gemacht, dass sie wieder mehr trainieren sollte. Ich befürchte, sie braucht Bewegung. Autsch!“ Er rieb sich den Oberarm, an den Kate gerade gar nicht so sanft geboxt hatte.
„Ich brauche also Bewegung, was? Wo sich Zauberer nur bewegen, wenn sie ihren Zauberstab schwingen.“
Mit diesen Worten verschwand sie aus der Küche. Bis zum Mittagessen war es nur noch eine Stunde und sie wollte wirklich noch ein bisschen trainieren. Nach dem Mittagessen hatte sie ein Tanz- und Spielstunde für die Kleinsten Bewohner des Schlosses organisiert. Sie hatte schon lange nicht mehr mit kleineren Kindern gearbeitet und freute sich darauf.
In den nächsten Tagen sahen sich Kate und Severus nur abends nach dem Essen und zu den Mahlzeiten. Severus durchsuchte mit Ron und Harry das Schloss, sie suchten dem letzten Horkrux. Nach und nach sprachen sie mit den Geistern und machten sich von jedem Gespräch Notizen, die sie am Abend mit Minerva, Hermine und Albus durch sprachen. Dazu trafen sie sich in Snapes Arbeitszimmer, weil das für alle am leichtesten zu erreichen war.
Außerdem gaben Minerva und Severus den drei Jugendlichen Nachhilfe in ihren Fächern. Hermine kam schnell voran, die beiden Jungen brauchten länger. Immer wieder sahen sie sich verwundert an, wenn Professor Snape den Stoff geduldig wiederholte, wenn sie ihn offensichtlich nicht verstanden. Dieser neue Snape machte sie nervös, jederzeit rechneten sie damit, dass er sich so kalt und gehässig benehmen würde, wie sie ihn kannten.
Als sie Neville gegenüber eine Bemerkung machten, lachte dieser: „Ja, seit er mit Miss Flemming verheiratet ist, hat er sich sehr verändert. Er ist nicht wiederzuerkennen, nicht wahr?“
Harry und Ron sahen ihn erst verdutzt an und dann sagte Hermine: „Sehr witzig, Neville. Wir hatten schon bessere Snape-Witze!“
Aber Ron und Harry lachten laut: „Ach Hermine, so schlecht war der gar nicht!“
Fred und Georg kamen den Gang entlang und fragten: „Wer war nicht so schlecht?“
Ron lachte immer noch: „Neville hat gerade einen guten Witz gemacht. Hey, wisst Ihr, mit wem Snape verheiratet ist?“
Fred sah Georg an: „Hast Du es ihnen erzählt?“
Der schüttelte den Kopf: „Nein, ganz vergessen!“ Dann wandten sich beide den Drei zu und sagten aus einem Mund: „Mit Miss Flemming. Jetzt gibt es auf dem Schloss zwei Professoren Snape!“
Hermine winkte unwirsch ab. „Jetzt reichte es aber, wer soll denn das glauben?“
Auch Harry und Ron schüttelten den Kopf. „Das ist wieder einer Eurer Streiche, uns legt ihr nicht rein. Neville, es ist nicht nett, das du da mitmachst!“
Sie drehten sich um und gingen. Neville und die Zwillinge standen da und sahen ihnen nach.
„Ich würde es auch nicht glauben!“, sagte Fred zu Georg und auch Neville schüttelte den Kopf. Bald würden sie es glauben.
Dann kam die Silvesternacht. Wegen der kleineren Kinder sollte es ein erstes Feuerwerk schon am frühen Abend geben. Es sollte in der Großen Halle sein, weil es draußen inzwischen bitterkalt war. Flitwick hatte es akribisch vorbereitet. Danach waren Spiele und später Tanz geplant. Um Mitternacht würde es dann ein etwas größeres Feuerwerk im Vorhof geben, hier war ebenfalls Flitwick seit Tagen an der Planung.
Im Schloss war eine freudige Spannung zu spüren. Jetzt waren schon über 300 Flüchtlinge da und alle Schüler waren aus den Ferien zurück. Deshalb würde der Unterricht schon einen Tag früher anfangen. Aber morgen war noch schulfrei und deshalb freuten sich alle auf die Feier am Abend.
Kate hatte sich für ein dunkelblaues Abendkleid entschieden. Es war mit kleinen silbernen Sternen bestickt und schien ihr wie gemacht für diesen Abend. Es war nur kurz über knielang und leicht ausgestellt. Oben hatte es kleine Ärmel und sie trug lange Handschuhe dazu, die die gleiche Farbe hatten wie das Kleid. Severus hatte sie schon im Schlafzimmer abgefangen und versuchte gerade, sie dazu zu überreden, doch gleich hier zu bleiben.
Sie lachte nur und meinte: „Ich werde doch keine Gelegenheit auslassen, mit meinem Mann zu tanzen. Darauf habe ich schließlich lange warten müssen!“ Auf sein Angebot, doch mit ihr hier zu tanzen, ging sie nicht ein.
Sie gingen hinüber in das Wohnzimmer, wo Albus Dumbledore schon auf sie wartete. Allerdings sah er nicht so aus, wie sonst. Professor Sinistra war leider krank geworden und konnte an der Feier nicht teilnehmen. Mit Hilfe von Vielsafttrank hatte der Schulleiter so die Möglichkeit, bei der Feier dabei zu sein. Kate hatte ihm ein wenig Unterricht in weiblichen Bewegungen gegeben und er trug einen von Sinistras Umhängen. Er fühlte sich nicht so richtig wohl und Kate musste über sein unglückliches Gesicht lachen.
„Professor Dumbledore, jetzt können Sie Ihre weibliche Seite entdecken.“
Severus sah sie entsetzt an, aber der Schulleiter lachte mit ihr.
„Da haben Sie Recht, meine Liebe. Welcher Mann hat dazu schon die Gelegenheit?“
Lachend verließen sie die Wohnung, Severus schloss die Tür und folgte ihnen kopfschüttelnd. Manchmal war seine liebe Frau schon etwas vorlaut!
Als sie oben in der Halle ankamen, waren schon sehr viele Schüler, Lehrer und Flüchtlinge da. Die Kinder liefen lachend in den Gängen zwischen den Tischen herum. Die meisten hatten sich festlich gekleidet und Flitwick hatte einmal mehr die Halle dekoriert. Sein Ideenreichtum schien einfach unerschöpflich. Außer bunten, schwebenden Lichtkugeln in allen Farben, gab es auch Kleeblätter und Partyhüte, Luftschlangen und Luftballons. Sie waren teilweise so groß, dass sogar Hagrid ein Problem damit gehabt hätte, sie zu umfassen. Fröhlich setzen sich alle zum Essen an die langen Tische. Die kleinen Tische konnten sie nicht mehr stellen, dafür wohnten inzwischen zu viele Menschen in Hogwarts. Später sollte es noch ein kleines Buffet geben, denn der Abend war lang.
Professor Dumbledore saß zwischen Minerva und Kate. Die drei „Damen“ waren sehr ausgelassen und der Schulleiter genoss es, mal wieder in der Mitte seiner Lehrer und der Schüler zu sein. Keiner bemerkte in all dem Trubel, dass sich Professor Sinistra heute ein wenig anders benahm, als sonst.
Als das Festmahl vorbei war, wurden die Tische beiseite gezaubert und das Feuerwerk für die kleineren Kinder startete. Sie löschten alle Lichter in der Großen Halle und sangen gemeinsam das Lied ‚Should auld acquaintance will be forgot‘. Kate lehnte mit dem Rücken an Severus, der seine Arme um sie geschlungen hatte. Das alte, sentimentale Lied machte alle vorübergehend nachdenklich, weil ihrer aller Zukunft auch so unsicher war, aber dieser Moment war bald vorbei.
Die Kinder fingen an zu klatschen und dann legte Flitwick los. Es begann mit kleinen, bunten Schmetterlingen, die langsam zur Decke hochstiegen und dort einen Regenbogen bildeten. Der Regenbogen explodierte dann und breitete sich in alle Richtungen aus. Glitzernde Sterne, leuchtende Tiere und Blumen in allen Farben erblühten kurz an der Decke und wurden von allen möglichen Farbeffekten abgelöst. Gut eine Viertelstunde lang standen alle mit offenem Mund da und bewunderten das außergewöhnliche Spektakel. Dann war es vorbei und ein Jubel brach los. Professor Flitwick musste sich viele Male verbeugen und dann hoben ihn die Weasley-Zwillinge auf die Schultern und trugen ihn einmal um die Halle, damit ihn alle feiern konnten. Bald darauf wurden die Kinder ins Bett gebracht.
Minerva ließ am Rande der Halle kleine Tische erscheinen, die jeweils mit sechs Stühlen umgeben waren. Dann setzte die Musik ein und der Tanz war eröffnet. Severus und Kate hatten sich zu Minerva und Dumbledore gesetzt. Flitwick und Madam Pomfrey setzten sich zu ihnen. Bald standen einige Gläser und Wein auf dem Tisch und die Stimmung in der Halle war ausgelassen. Es waren noch gut neunzig Minuten bis Mitternacht.
Der Schulleiter sah amüsiert zu Severus hinüber und sagte dann laut zu Kate: „Ach, meine Liebe. Wären Sie sehr böse, wenn ich nachher Ihren Mann zu einem Tänzchen auffordern würde?“
Kate fing bei der Vorstellung an, so laut zu lachen, dass die Leute an den nächsten Tischen sich umdrehten. Auch die anderen am Tisch lachten laut, nur Severus nicht.
Er sah erschüttert zu Dumbledore und sagte leise: „Nur über meine Leiche!“
Worauf alle noch lauter lachten. Minerva wischte sich nach einer Weile die Tränen aus den Augen und sagte zu Kate und Severus: „Nun geht schon tanzen, Kinder. Wir alten Leute kommen auch ohne Euch klar!“
Flitwick kicherte noch und Madam Pomfrey hatte sich auch noch nicht beruhigt. Severus zog Kate von ihrem Stuhl hoch und meinte dann mit gespielt empörtem Gesicht: „Es wird wirklich Zeit, dass Sie alle erwachsen werden!“ Worauf wieder alle lachten.
Kate konnte nicht aufhören zu lachen, obwohl sie inzwischen auf der Tanzfläche waren und er sie in seine Arme gezogen hatte. Sie kam zwei Mal aus dem Takt und er sah sie sehr vorwurfsvoll an: „Es ist nicht zu fassen, wie albern Ihr alle seid!“
Aber seine vor Vergnügen funkelnden Augen strafen seinem gespielten Ernst Lüge. Sie tanzten ausgelassen und keiner wagte sich, Kate aufzufordern. Zwischendurch tranken sie am Tisch etwas, bevor sie sich wieder auf die Tanzfläche begaben.
Es war voll geworden in den letzten Monaten in Hogwarts. Viele neue Gesichter veränderten das Gemeinschaftsgefühl in der Schule. Außerdem fielen die Schüler zwischen den vielen Erwachsenen nicht mehr so auf.
Dann war es kurz vor zwölf und es wurde feierlich in der Großen Halle. Die Erwachsenen nahmen sich Gläser mit Sekt, um bald anzustoßen. Flitwick ließe eine große Uhr an der Decke erscheinen, deren Sekundenzeiger jetzt Mitternacht zustrebte. Dann fing die Uhr an zu schlagen. Alle erhoben ihre Gläser und dann erklang der zwölfte Schlag. „Frohes Neues Jahr!“ riefen die Menschen und prosteten sich zu. Kate und Severus küssten sich, bevor sie den anderen ebenfalls ein gutes neues Jahr wünschten.
Langsam zogen alle hinaus, um im Vorhof das Feuerwerk zu bewundern. Severus legte einen Umhang um Kates Schultern und zog dann ebenfalls einen an. Als sie aus dem Portal traten, traf sie die Kälte der Nacht. Draußen, wie auch in der Halle, funkelten die Sterne. Kate fing an zu frieren, obwohl der Umhang warm war. Snape zog sie in seine Arme und schlang seinen Umhang auch noch um sie. Sie kuschelte sich an ihn und legte den Kopf an seine Brust. Sie stand auf der obersten Stufe zur Eingangshalle, denn auch von hier würden sie das Feuerwerk gut sehen können. Dann begann es und es war noch größer und schöner, als das Feuerwerk für die Kinder. Immer, wenn sie glaubten, es wäre zu Ende, kamen neue, wundersame Effekte. Weit über eine halbe Stunde übertraf Flitwick sich selbst.
Kate hätte noch viel länger dort stehen können, den Kopf an seiner Brust und seinen Herzschlag an ihrem Ohr, wenn ihre Füße nicht erbärmlich gefroren hätten. Als das Feuerwerk zu Ende war, fing sie an auf der Stelle zu treten. Schnell gingen sie wieder hinein in die warme Halle. Nach und nach strömten die meisten Bewohner des Schlosses wieder hinein.
Nur die jüngeren Schüler gingen zu Bett. Die älteren Schüler ab der fünften Klasse durften heute aufbleiben, so lange sie wollten. Auch die Hexen und Zauberer mit kleineren Kindern zogen sich zurück, denn ihre Kinder würden am Morgen wieder früh wach sein. So wurde es etwas leerer in der Großen Halle, fast wie in Zeiten, als Hogwarts nur eine Schule gewesen war. Kate und Severus zog es wieder auf die nun etwas weniger bevölkerte Tanzfläche.
Sie tanzte gerade zu einem ruhigeren Lied, als Severus Kate leise fragte: „Wem hast Du letztes Jahr dort am Fenster eigentlich zugeprostet?“
Kate sah ihn verwundert an. Ihr war nicht bewusst gewesen, dass er sie damals beobachtet hatte.
„Meiner Freundin Jessica. Ich fühlte mich an diesem Tag so einsam und musste daran denken, wie sie mit meinen anderen Freunden zusammen feiern würde. So wie wir es im Jahr davor gemacht hatten. Mit tausenden von anderen jungen Leuten am Trafalgar Square.“ Ihre Stimme klang traurig.
„Du vermisst sie immer noch!“, bemerkte Severus.
Kate nickte: „Wir sind gemeinsam aufgewachsen, so, als ob wir Schwestern wären. Oft erzähle ich ihr im Gedanken, was mich gerade bewegt, so als ob sie da wäre.“ Sie schluckte und sagte dann leise: „Es tut mir so leid, dass ich ihr nicht sagen kann, dass es mir gut geht. Im umgekehrten Fall würde ich mich vor Sorge um sie verrückt machen. Sie wird es sich nicht erklären können und sich die schlimmsten Sachen vorstellen. Manchmal war ich schon kurz davor, ihr wenigstens einen kurzen Brief zukommen zu lassen. Sie muss ja nicht alles wissen, nur das ich noch lebe.“
Ernst sah er zu ihr runter. Dann nickte er: „Ich denke, das können wir riskieren. Wenn Du ihr nicht zu viel schreibst, dann ist es kein Problem. Es ist dann nur noch die Frage, ob sie dir glaubt. Was willst Du ihr schreiben, wo du die ganze Zeit warst, warum du dich nicht gemeldet hast und so weiter? Außerdem sollte sie nicht zur Polizei gehen.“
Kate lächelte ihn an: „Da fällt mir schon was ein, schließlich überlege ich diesen Brief schon seit mehr als einem Jahr. Und du denkst wirklich, dass ich das machen kann?“
Er lächelte sie ebenfalls an: „Schreib Du den Brief, ich sorge dafür, dass er in die Muggelpost kommt. Ich bin sowieso bald mit den Potter-Doubles unterwegs.“ Kate wurde nicht gerne daran erinnert, dass er sich so bald wieder in Gefahr begeben musste, ihr Gesicht verdüsterte sich ein wenig. Doch die Aussicht, Jessica endlich ein Lebenszeichen geben zu können, heiterte sie bald wieder auf.
Ausgelassen tanzten sie noch eine Weile und überlegten gerade, bald nach Hause zu gehen, als der Tango erklang, den sie an ihrem Hochzeitstag gemeinsam getanzt hatten.
Severus sah ihr tief in die Augen und sagte mit heiserer Stimme: „Ein letzter Tanz, Mrs Snape?“
Sie nickte und flüsterte: „Aber etwas weniger leidenschaftlich, als beim letzten Mal!“
Er lächelte diabolisch: „Ich werde es versuchen!“
Und schon legten sie los. Sie begannen mit den Standart-Grundschritten, aber bald improvisierte Severus wieder und Kate hatte keine andere Chance, als sich darauf einzulassen. So wurde sie von ihm herumgewirbelt und zwischen ihnen stand bald eine Spannung, die man fast mit Händen greifen konnte. Seine Miene war komplett beherrscht und fast unbewegt, nur seine Augen blitzten leidenschaftlich auf, wenn er sie im Ablauf der Schritte in seine Arme zog. Er schleuderte sie fort, nur um sie dann am Arm zu ihm zurück zu holen. Mehrmals strichen ihre Haare über die Tanzfläche, so tief legte er sie in seinen Armen zurück. Am Ende versank sie in einem tiefen Knicks auf der Tanzfläche, während er mit hochmütigem Gesicht vor ihr stand.
Als er ihr die Hand hinstreckte, um ihr aufzuhelfen und sie dann lachend in seine Arme zog, da brandete Beifall um sie herum auf. Erschrocken sah Kate sich um und bemerkte erst jetzt, dass niemand mehr getanzt hatte, weil sie ihnen alle zugesehen hatten. Sie spürte ihre Wangen rot werden und Severus lächelte auf sie herab, als sie versuchte, ihren Kopf an seinen Schultern zu verbergen.
Mit einen Nicken bedankte sich Severus für den Applaus und sagte dann laut: „Falls einer von Euch Schülern jemals so tanzt, dann überdenke ich mein neues Verhalten in Bezug auf Strafen noch einmal. Meine Frau und ich danken jedenfalls für den Applaus und werden uns nun zurückziehen!“
Harry, Hermine und Ron hatten ebenfalls am Rand der Tanzfläche gestanden und das Lehrerpaar mit Verwunderung beobachtet.
Bei Snapes Worten entfuhr es Ron: „Ihre Frau? Sie sind wirklich verheiratet?“ Seine Augen quollen fast aus ihren Höhlen.
Snape ging einige Schritte auf ihn zu und sagte: „Nicht zu fassen, nicht wahr, Mr Weasley? Aber ich kann es auch manchmal nicht glauben.“ Dann grinste er süffisant und meinte: „Wenn sogar ich jemanden finde, Weasley, dann sollten Sie die Hoffnung nicht aufgeben. Manchmal ist die Lösung so naheliegend, dass man sie übersieht.“
Mit einem langen Seitenblick auf Hermine nahm Severus Kates Arm und sagte: „Komm, ältere Leute müssen jetzt ins Bett!“
Sie hatte sich von der Überraschung erholt und sah ihn mit blitzenden Augen an: „Kein Problem, mein Schatz. Wenn Du dann im Bett bist, kann ich ja noch einmal herkommen und weiterfeiern.“
Er sah sie streng an und sagte mit seiner gemeinsten, öligsten Stimme: „Das war’s Snape, das gibt Nachsitzen!“
Mehr als nur ein Schüler zuckte bei dieser Stimme zusammen. Zu deutlich waren die Erinnerungen an die Zaubertrankstunden bei jedem Einzelnen.
Doch Kate streckte sich zu dem sie anfunkelnden Snape und küsste ihn schnell. Mit einem Knurren zog er sie an sich und gab den Kuss zurück.
Dann sagte er mit weicher Stimme: „Glauben Sie nur nicht, dass Sie damit immer durchkommen!“
Kate senkte zerknirscht den Kopf: „Nein, Sir!“
Dann zogen sie lachend davon und ließen die Schüler einfach stehen.
Hermine schüttelte den Kopf: „Wenn mir das jemand erzählt hätte, ich hätte es nicht geglaubt.“
Auch Harry war noch immer geschockt: „Wer ist das, und wo ist der richtige Snape?“
Ron sah ihn an: „Ist doch völlig egal, solange der nicht wiederkommt, oder?“
Dann begann der Schulbetrieb wieder. Die Schüler von Hogwarts stöhnten unter der Last des Unterrichts, dann alle Lehrer hatten das Tempo verschärft. Irgendwie war allen klar, dass es nicht so ruhig bleiben würde und so versuchten sie, so viel Stoff wie möglich durchzuziehen.
Hermine, Ron und Harry bekamen Nachhilfe in allen Fächern, die sie für ihren Schulabschluss benötigten. Hermine war schnell wieder im Schulalltag angekommen, die beiden Jungen brauchten auch hier etwas länger. In ihrer knapp bemessenen Freizeit suchten sie den letzten Horkrux. Langsam machte sich Verzweiflung breit. Wo konnte er nur sein, und was war es eigentlich, das sie suchten? Die meisten Geister hatten sie inzwischen befragt und alle Informationen auf Kärtchen geschrieben, die nun in Kates ehemaligem Arbeitszimmer auf dem großen Schreibtisch lagen. Minerva und Hermine schoben sie immer wieder in neue Gruppen zusammen und auch Dumbledore beschäftigte sich damit, wenn er in Hogwarts war.
Snape und einige andere Mitglieder des Ordens waren als Hermine, Ron und Harry unterwegs, um falsche Fährten zu legen. Damit es keinen Streit gab, wurde ausgelost, wer wen spielen sollte. Außer Tonks gab es keine Frauen im Orden und Lupin weigerte sich, sie auch nur außerhalb des Schlosses zu lassen. Also musste immer ein Mann den Part von Hermine übernehmen. Sie waren erfolgreich. Der Tagesprophet meldete immer wieder die Sichtung der drei Flüchtlinge. Den Todessern entkamen die Verschwörer immer rechtzeitig, ließen sich aber jedes Mal sehen, damit die Todesser es weitermelden konnten.
Snape war nicht jedes Mal mit dabei, weil er ja noch Unterricht halten musste. Noch nie waren die Schüler im Fach Verteidigung gegen die dunklen Künste so aufmerksam gewesen. Außerdem gab er an den Abenden noch Kurse für die Zauberer und Hexen, die nicht so erfahren mit Kämpfen waren. Wenn es tatsächlich eine Schlacht um Hogwarts geben sollte, dann sollten sich auch alle verteidigen können. Es war erschreckend, wie lückenhaft das Wissen vieler älterer Hexen und Zauberer war. Auch Minerva, Flitwick und die anderen Lehrer versuchten zu helfen, wo sie konnten. Kingsley Shacklebolt, Mad Eye und die anderen Mitglieder des Ordens unterrichteten die Fortgeschrittenen. Bald beherrschten alle magische Bewohner des Schlosses Schildzauber und einfache Verteidigungszauber.
Kate organisierte mit einigen Flüchtlingen Unterricht für die Kinder unter elf Jahren, damit diese ihre Schulausbildung nicht vernachlässigten. Es gab magische Schüler und Muggel. Doch alle mussten lesen, schreiben und rechnen lernen. Sie erstellten einen provisorischen Stundenplan und versuchten Räume zu finden, in denen sie die Kinder unterrichten konnten. Kate und Charity reduzierten den Unterricht für Muggelkunde, damit Kate mehr Zeit für die Kinder hatte und so konnte sie am Vormittag in der Halle Sportunterricht anbieten. Außerdem unterrichtete sie die Kleinsten im Lesen und Schreiben. Professor Vektor kümmerte sich um den Mathe-Unterricht und fand es seltsamerweise anstrengender, als den Unterricht für die Hogwarts-Schüler.
Es war eine sehr hektische Zeit, die allen viel abverlangte. Hogwarts war fast an der Belastungsgrenze angelangt, trotzdem kamen an fast jedem Tag neue Flüchtlinge an. Die Hauselfen und einige der Flüchtlinge waren pausenlos damit beschäftigt, weitere Unterbringungsmöglichkeiten für die Flüchtlinge zu organisieren. Leere Kammern und muffige Kerker wurden gesäubert und ausgeräumt, damit dort Flüchtlinge schlafen konnten. Die Zahl der Flüchtlinge war auf über 500 gestiegen, als es Ende Januar geworden war.
Kate saß eines Abends im Wohnzimmer und versuchte ein Buch zu lesen. Eigentlich war sie zu müde dafür, aber da sie im Moment nichts anderes tat, als unterrichten und schlafen, hatte sie das Gefühl, auch mal wieder etwas anderes tun zu müssen. Doch sie konnte sich nicht auf die Wörter konzentrieren. Severus, Dumbledore und die meisten Mitglieder des Ordens trafen sich mal wieder, um Verteidigungsstrategien zu besprechen. Kate hoffte, dass es heute nicht so spät werden würde. Sie hatte das Gefühl, Severus schon seit einer Ewigkeit nicht mehr für sich gehabt zu haben. Ein Abend zu zweit hatte es schon lange nicht mehr gegeben.
Als die Tür geöffnet wurde, sah Kate erstaunt auf.
Severus stand in der Tür und sah sie fragend an: „Kommst Du mit ins Arbeitszimmer, Dumbledore möchte etwas besprechen, wofür wir Dich brauchen“.
Sie sah ihn verblüfft an. Bisher hatte sie mit der Planung des Ordens nichts zu tun gehabt. Severus erzählte ihr zwar fast alles, aber da sie nicht helfen konnte, wurde sie zu den Treffen nicht dazu geholt.
Daher erhob sie sich zögernd und sah ihn fragend an: „Wozu braucht Ihr mich?“
„Keine Ahnung“, er zuckte mit den Schultern. „Dumbledore wollte erst anfangen, wenn Du auch da bist. Ich weiß nicht, worum es geht.“
Gemeinsam gingen sie durch den Flur in das Arbeitszimmer. Fast alle Mitglieder waren da, nur Fred, Georg und Lupin fehlten. Sie waren als die drei Flüchtlinge unterwegs. Auch Harry, Ron und Hermine gehörten jetzt als vollständige Mitglieder zum Orden.
Dumbledore sah auf und lächelte Kate an: „Kommen Sie näher, meine Liebe.“
Sie trat näher und setzte sich auf den ihr zugewiesenen Stuhl. Severus blieb hinter ihr stehen und legte eine Hand auf ihre Schulter. Minerva saß auf der anderen Seite des Schreibtisches und lächelte zu ihr hinüber.
Dumbledore begann zu reden: „Wir haben noch ein großes Problem, das wir lösen müssen, ehe Voldemort angreift. Eigentlich gibt es noch eine Menge Probleme, doch dieses eine können wir wenigstens im Vorfeld abklären. Hogwarts beherbergt eine große Anzahl an unschuldigen Kindern, Schülern und Frauen. Auch eine Menge Muggel sind hier, die uns bei den Kämpfen nicht helfen können. Die müssen sicher untergebracht werden, damit wir uns im Schloss frei bewegen können, ohne sie auch noch beschützen zu müssen.“ Er sah alle ernst der Reihe nach an und fuhr dann fort: „Wir können nur effektiv kämpfen, wenn sie an einem sicheren Ort sind. Einen solchen Ort müssen wir finden oder schaffen!“
Alle sahen sich ernst an und dachten dann nach. Es war sehr still im Raum. Minerva schüttelte den Kopf: „Das wird schwierig. Es handelt sich um ungefähr 350 Personen, zum jetzigen Zeitpunkt. Sie brauchen einen Ort, der gut zu verteidigen ist und nicht so leicht zu finden. Dann muss auch eine gewisse Versorgung gewährleistet sein. Wir wissen ja nicht, wie lange die Belagerung oder die Kämpfe dauern werden. Also muss genug Raum zum Schlafen da sein. Dann das Essen und die Versorgung mit allem anderen“ Sie sah die anderen vom Phoenix-Orden an. Überall ratlose Gesichter.
Kate sah auf und fragte dann: „Ich habe ja nicht so viel Ahnung von Magie, aber kann man nicht einen Raum schützen, damit er nicht von allen gefunden werden kann, so wie das Hauptquartier? Wäre es dann nicht egal, welchen Raum wir nehmen, wenn er nur groß genug ist?“
Severus antwortete: „Rein theoretisch schon, aber in Hogwarts ist so viel Magie, dass die normalen Gesetze nicht gelten. Außerdem müsste der Raum schon sehr groß sein!“
Flitwick warf ein: „Wäre es nicht besser, mehrere kleine Räume zu nehmen? Ein Raum für 350 Personen oder mehr müsste schon sehr groß sein.“
Shacklebolt nickte: „Diese Idee ist auch nicht schlecht. Wobei es schon schwierig genug ist, einen Raum mit Zauber zu schützen.“
Dumbledore sah besorgt aus: „Ich sehe auch keine Chance, einen genügend großen Raum zu finden. Aber mehrere kleine Orte würden uns zu viele Wächter kosten, die uns dann im Kampf fehlen.“
Wieder sahen sie ratlos aus. Doch Minerva nahm es in die Hand: „Gehen wir mal alle Räume durch, die groß genug wären oder magisch vergrößert werden könnten. Dann können wir immer noch weiter überlegen.“
Und das taten sie. Am Ende hatten sie ein nicht allzu lange Liste: die Große Halle, der Saal für Verteidigung gegen die dunklen Künste, Professor Trelawneys Klassenraum, die Küche, den Gemeinschaftsraum der Slytherins, einer der Türme, die Kerkerräume, der verbotene Wald, im See.
Kate schwirrte der Kopf, nicht einer der Räume war wirklich geeignet, dachte sie.
Hermine sah Harry fragend an.
Der nickte ihr zu und sagte dann: „Es gibt einen geeigneten Raum in Hogwarts: den Raum der Wünsche. Dort haben wir vor zwei Jahren unsere DA-Treffen abgehalten.“
Ron nickte eifrig: „Das stimmt, der Raum ist Klasse. Was immer man sich wünscht, dass erscheint dort. Man muss seine Wünsche nur genau aussprechen.“
Die anderen sahen sich skeptisch an.
Minerva sagte langsam: „Ich habe von diesem Raum gehört, aber habe ihn noch nie gesehen. Existiert er wirklich?“
Wieder nickten die Drei. Hermine sagte: „Im siebten Stock ist der Eingang, wenn man einen exakten, wirklich dringenden Wunsch äußert, dann erscheint er in der Form, die man benötigt.“
Dumbledore nickte langsam: „Als ich einmal sehr dringend eine Toilette benötigte, da erschien plötzlich eine, ich habe sie danach nie wieder gefunden!“
„Professor Trelawney versteckte da immer ihre Schnapsfl… Dinge, die sie nicht mehr benötigt“, stotterte Ron und bekam einen roten Kopf.
„Aber wir sind dort verraten worden. Hundertprozentig sicher ist der Raum dann wohl nicht!“ warf Harry ein.
Dumbledore sah nachdenklich aus: „Da könnten wir mit Schutzzaubern nachhelfen, denke ich. Wir sollten uns diesen Raum einmal anschauen, damit wir uns einen Eindruck machen können. Ich schlage vor, dass wir uns morgen Abend dort treffen. Danach können wir mehr sagen.“ Alle stimmten zu und dann war das Treffen vorüber.
Als die Mitglieder nach und nach das Arbeitszimmer verlassen hatten, zogen sich auch Dumbledore, Severus und Kate ins Wohnzimmer zurück.
Sie setzten sich in die Sitzgruppe am Fenster und Kate sah Dumbledore an: „Warum sollte ich bei diesem Teil der Sitzung anwesend sein?“ fragte sie ihn. Dumbledore hatte sich ein Glas Wein eingeschenkt und genussvoll einen Schluck davon gekostet.
Er sah auf und antwortete: „Sie verbringen viel Zeit mit den Frauen und Kindern und kennen vielleicht die Bedürfnisse der Familien etwas besser. Außerdem werden die kommenden Ereignisse für die Muggel sehr besorgniserregend sein. Ich dachte, wenn Sie in die Planung einbezogen werden, können Sie auch eher vermitteln, sollten Missverständnisse auftauchen.“
Kate sah gedankenverloren auf ihre Hand hinunter, die in Severus Hand lag. Nach einer Weile sagte sie leise: „Es gibt keine Chance mehr, dass Voldemort besiegt wird, bevor er Hogwarts angreifen kann, oder?“
Sie konnte Dumbledore nicht ansehen. Über ihren Kopf hinweg sahen sich der Schulleiter und Severus an. Dann antwortete der alte Zauberer langsam: „Nein, die Chance besteht nicht. Der Kampf um Hogwarts wird stattfinden“. Er machte eine Pause und fuhr dann ernst fort: „Ich persönlich bin der Meinung, dass es bald sein wird. Voldemort wird bald erkennen, dass wir immer stärker werden, je länger er wartet. Dann wird er losschlagen.“
Kate nickte ergeben. Ihr Stimme zitterte ein wenig, als sie schließlich sagte: „Das habe ich befürchtet. Es schien immer noch so fern zu sein. Aber die Spannung steigt von Tag zu Tag. Die Vorbereitungen sind so in den Vordergrund getreten, dass man sie nicht länger übersehen kann.“
Severus legte einen Arm um ihre Schulter und sie sah ihn an. Er sagte leise: „Wir alle wussten, dass dieser Tag kommen wird. Durch die vielen Flüchtlinge ist Hogwarts für den dunklen Lord eine noch größere Provokation geworden. Die letzte Bastion. Ich denke auch, dass er bald angreifen wird. Sonst verliert er an Glaubwürdigkeit. Außerdem denkt er, dass Hogwarts nur schwach verteidigt werden wird.“
„Alles hängt davon ab, wie schnell wir diesen Horkrux finden. Es wird sehr schwer werden, Voldemort und seine Todesser zu besiegen, wenn der Horkrux unbeschädigt ist. Wir können die Todesser besiegen und töten, aber nicht Voldemort. Außerdem ist er sehr stark geworden.“ Dumbledore sah besorgt aus. „Allerdings haben wir auch einige Vorteile. Voldemort sieht sich selbst als unbesiegbar, aber das ist er nicht. Er ist nur unsterblich. Dann weiß er nicht, dass ich noch lebe. Er rechnet nicht wirklich mit einer starken Gegenwehr. Und noch eine wichtige Sache kann er nicht einschätzen.“
Er sah Kate und Severus an und lächelte das erste Mal wieder: „Mit all diesen Familien im Schloss, den Kindern, deren Eltern und all den Paaren gibt es in diesem Schloss so viel Liebe. Und diese Liebe kann die Menschen unglaubliche Dinge vollbringen lassen. Voldemort herrscht durch Hass, Schrecken und Angst, Unterdrückung und Folter. Seine Gefolgsleute misstrauen sich gegenseitig, sie hassen sich teilweise. Sie werden von der Angst vor ihm zusammengehalten. Und weil er ihnen genügend Abwechslung in Form von Gewalt und Grausamkeiten bietet.“
Dumbledore machte eine kurze Pause. „Sie alle werden nicht mit der erbitterten Gegenwehr rechnen, die nur Menschen aufbringen, die lieben. Wie viel härter kämpft man, wenn man seine Liebsten verteidigt, wenn man nichts mehr zu verlieren hat.“
Es war eine ganze Weile ruhig im Raum, nur das Knistern des Feuers im Kamin war zu hören.
„Es wird Verluste auf unserer Seite geben, ist es nicht so?“ fragte Kate.
Dumbledore nickte: „Das werden wir kaum vermeiden können.“
Sie alle hingen ihren Gedanken nach und dann stand Severus auf und sagte: „Gehen wir schlafen. Es ist sehr spät geworden. Morgen sieht alles schon wieder heller aus.“ Er zog Kate auf die Beine, sie wünschten Dumbledore eine gute Nacht und gingen hinüber ins Schlafzimmer.
Nicht lange später lagen sie im Bett und Kate hatte sich in Severus Arm gekuschelt. Gedankenverloren strich sie mit der Hand über seine Brust.
Als er schon dachte, sie wäre eingeschlafen, sagte sie mit leiser Stimme: „Wir beide werden diesen Kampf nicht überleben, nicht wahr?“
Er wusste einen Moment nicht, wie er darauf reagieren sollte. Leise fragte er: „Wie kommst Du darauf?“
Es dauerte eine Zeit lang, bis sie antwortete: „Ich habe es eigentlich die ganze Zeit gewusst, aber erst vorhin ist es mir so richtig klar geworden. Die Todesser und Voldemort werden Dich gnadenlos bekämpfen, nachdem sie wissen, dass Du sie all die Jahre hintergangen hast. Sobald Du also in den Kampf eingreifst, werden sie sich auf Dich konzentrieren.“
Bei der Vorstellung wurde es eng in Kates Kehle. Sie spürte die Tränen in sich aufsteigen. Er zog sie noch näher an sich heran.
Dann sagte er langsam: „Das denke ich auch.“
„Hast Du keine Angst?“, sie musste diese Frage stellen, denn sie hatte Angst.
Er schwieg eine Weile. Dann sagte er nüchtern: „Nicht vor dem Tod, aber vor dem Sterben.“ Wieder machte er eine Pause. „Aber wie kommst Du darauf, dass auch Du sterben wirst?“, fragte er dann.
Es erschütterte Kate, mit welcher Endgültigkeit er die Tatsache hinnahm, dass er bald sterben würde. Sie konnte nicht verhindern, dass die Tränen anfingen zu laufen.
Ihre Stimme gehorchte ihr nicht gut, als sie sagte: „Ich stehe immer noch auf seiner Abschussliste, oder? Außerdem kann und will ich ohne Dich nicht leben. Welchen Sinn hätte das?“
Severus knurrte unwillig: „Das ist doch kompletter Unsinn. Das Leben geht immer irgendwie weiter, das habe ich aus den Ereignissen in meinem Leben gelernt. Man darf sein Leben nicht einfach fortwerfen.“
Kate richtete sich auf und sah ihn an, obwohl es zu dunkel war, um mehr als seine Konturen zu erkennen.
„Und wenn wir nur diese paar Monate zusammen haben werden, weiß ich doch, dass ich ohne Dich nicht sein will. Ich würde zwar überleben, aber nicht mehr leben. Erinnerst Du Dich noch daran, wie abgestumpft und tot Du innerlich warst? So will ich nicht weiterleben. Dann sterbe ich lieber.“
Er wurde wütend: „Du hast keine Ahnung, wovon Du sprichst. Voldemort lässt niemand aus Gnade schnell sterben. Er würde mit Dir spielen und seine Gefolgsleute würden auch noch eine Chance bekommen. Erst wenn Du nicht mehr länger überleben könntest und sich jede Faser Deines Körpers nach der Erlösung sehnt, erst wenn Du um den Tod flehst, dann wird er Dir vielleicht diesen Dienst erweisen. Oder er wird Dich an einen seiner Gefolgsleute weiterreichen.“ Severus war aus dem Bett gesprungen und lief erregt auf und ab. „Ich habe das schon miterleben müssen. Das wünscht man noch nicht mal seinem schlimmsten Feind.“ Er kam zurück zum Bett und packte sie fest an den Schultern: „Versprich mir, dass Du in Deckung bleibst und keinen Unsinn machst, egal was er oder seine Todesser Dir versprechen oder androhen! Versprich es mir!“
Kate schüttelte schwach den Kopf: „Das kann ich nicht.“
Durch einen Tränenschleier schaute sie ihn an: „Du begibst Dich in die gleichen Gefahren und ich soll es einfach hinnehmen. Ich kann Dir nur eines versprechen: ich bleibe im Schutz, solange noch Hoffnung besteht. Sollte aber der schlimmste Fall eintreten und es für uns alle keine Hoffnung mehr geben, dann werde ich tun, was mir mein Herz befiehlt. Mehr kann ich Dir nicht zusagen.“
„Was willst Du denn gegen ihn ausrichten, was würde es noch verändern?“ Severus Stimme klang gepresst, als ob ihm die Vorstellung, wie sie sich Voldemort stellte, körperliche Schmerzen bereitete.
Sie versuchte ihre Gedanken zu ordnen, ihre Gefühle in verständliche Worte umzuwandeln: „Ich weiß es nicht. Einfach bis zum Ende zu Dir zu stehen, Dich nicht alleine zu lassen. Den letzten Weg mit Dir gemeinsam zu gehen.“
Er zog sie in seine Arme und sie konnte ihre Verzweiflung nicht länger zurückhalten: „Ich will nicht, dass wir sterben. Ich will leben, mit Dir. Ich will Kinder von Dir haben und gemeinsam mit Dir alt werden. Warum können wir das nicht haben? Es ist doch nicht zu viel, oder?“
Sie weinte nun hemmungslos. Immer wieder strich er ihr über die Haare und murmelte sinnlose, tröstende Worte. Aber es konnte keine Worte geben, die sie wirklich trösten konnten. Auch er wünschte sich die Dinge, die sie eben voller Verzweiflung ausgesprochen hatte. Und er wusste, dass es diese Zukunft für sie nicht geben würde.
Sie liebten sich in dieser Nacht mit einer verzweifelten Leidenschaft, wohl wissend, dass es nicht mehr viele dieser Nächte geben würde. Erst im Morgengrauen schliefen sie körperlich und seelisch tief erschöpft ein.
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