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Fanfiction

Eine zweite Chance - Der Anfang vom Ende

von Kate Flemming

Der nächste Tag war zum Glück ein Samstag, denn Kate und Severus verschliefen. Erst am späten Vormittag erwachten sie, geweckt von der strahlenden Märzsonne, die durch die Scheiben fiel.
Severus öffnete die Augen und erschrak, als er sah, wie spät es schon war. Er hatte sich am Morgen mit Harry und Ron zur Nachhilfe verabredet. Jetzt hatte er es verpasst. Das war ihm noch nie passiert! Mit einem sanften Kuss auf Kates Wange stand er rasch auf und schlich leise ins Badezimmer.
Doch Kate war schon wach gewesen. Sie konnte sich nicht aufraffen, endlich aufzustehen und hatte Angst vor einer weiteren Diskussion mit Severus. Also hatte sie feige die Augen zugelassen und so getan, als ob sie schlief. Als sie die Wohnungstür zufallen hörte, streckte sie sich träge und stand dann auf. Es war schon halb elf und sie überlegte, was sie an diesem Tag so alles zu tun hatte. Eigentlich hatte sie am Morgen trainieren wollen, aber so langsam konnte sie sich nicht mehr dazu motivieren. Wozu auch? Es war egal, ob sie in Form blieb oder nicht. Doch dann verbot sie sich die negativen Gedanken.
Sie zog ihre Sportsachen an und beschloss, draußen auf dem Gelände joggen zu gehen. Die Sonne würde ihre Depressionen vertreiben. Und so war es. Nach einer Stunde intensiven Laufens über die sonnenbeschienenen Grasflächen um den See ging es ihr wieder ein wenig besser. Die Aussichten waren immer noch so trübe, wie am Abend zuvor. Aber ihr angeborener Optimismus hatte wieder Oberhand. Sie beschloss, jeden Tag zu nehmen, wie er kam und dann weiterzusehen.
Als es Zeit zum Mittagessen wurde, hatte Kate sich geduscht und umgezogen. Severus war schon am Tisch und sah ihr Lächeln mit Freude. So gefiel sie ihm schon viel besser. Er war verzweifelt gewesen, weil er dieses Schicksal nicht von ihr abwenden konnte. Sie sah fast wieder so aus wie immer. Er und sie wussten, was kommen würde, aber sie hatte nun akzeptiert, dass es einfach so war. Genau wie er.

Gleich nach dem Abendessen hatte er nun die Nachhilfestunde für Harry, Ron hatte zu dieser Zeit bereits Nachhilfe bei Minerva, deshalb würde nur Harry kommen. Snape hatte einen plötzlichen Termin als Grund für sein Fernbleiben vorgeschoben und keiner hatte es in Frage gestellt. In Verteidigung gegen die dunklen Künste brauchte Harry nicht so viel Hilfe, in Zaubertränken sah es dagegen schon wieder anders aus. Professor Slughorn war zwar der aktuelle Lehrer, aber er war dank des Buches des Halbblutprinzen, das Harry im sechsten Schuljahr benutzt hatte, davon überzeugt, dass Harry ein begnadeter Trankbrauer war.
Die ersten Nachhilfestunden waren merkwürdig gewesen. Die über Jahre auf beiden Seiten gewachsene Abneigung war nicht so ohne weiteres zu überwinden. Snape auf der einen Seite, Harry und Ron auf der anderen. Es war ein komisches Gefühl, plötzlich miteinander zu arbeiten. Heute waren Harry und Snape das erste Mal alleine, seit Harry wieder in Hogwarts war. Als er hörte, dass er alleine zu Snape musste, hatte sich sein Magen schmerzhaft gemeldet. Nur mit Widerwillen war er in die Kerkerräume geschlichen. Er sollte sich mit Snape in dessen Arbeitszimmer treffen. Dort hatten auch die Okklumentik-Stunden stattgefunden, die beide in sehr schlechten Erinnerungen behalten hatten.

Harry klopfte an der Tür und Snape bat ihn herein. Die erste halbe Stunde gingen sie sehr vorsichtig miteinander um und redeten nur sehr sachlich und spärlich. Harry versuchte den Anweisungen des Buches zu folgen und hatte Schwierigkeiten. Mehrmals war er versucht, Snape zu Hilfe zu holen. Aber er unterließ es, weil er befürchtete, dass dieser ihn zurückweisen würde. Professor Snape stand an einem Kessel und bereitete selbst einen Zaubertrank zu. Er und Slughorn brauten Heiltränke auf Vorrat, damit sie ausreichend für die zu erwartenden Verletzten hatten.
Als Snape den aufsteigenden Dampf von Harrys Zaubertrank roch, wurde ihm klar, dass etwas schiefgegangen war. Mit wenigen Schritten war er bei Harry und sah in dessen Kessel. Als Harry die Schritte des verhassten Lehrers hörte, zog er automatisch den Kopf ein. Doch die erwarteten gehässigen Bemerkungen blieben aus. Snape zog das Buch näher, das aufgeschlagen auf dem Tisch lag und zeigte mit seinem Zeigefinger auf eine Zeile.
„Schauen Sie hier, in dieser Zeile haben Sie etwas übersehen.“
Zögernd trat Harry näher und las die Anweisungen in der Zeile nochmals. Dann wurde es ihm klar: „Ich hätte zuerst den Krötenlaich einrühren müssen, dann erst den Extrakt des Fingerhutes!“
Snape nickte: „So ist es. Wenn Sie den Trank noch retten wollen, dann müssen Sie jetzt zuerst neunzehn Tropfen Maiglöckchen-Essenz einrühren. Dann muss es fünfzehn Minuten köcheln, erst dann können Sie den Anweisungen im Buch weiter folgen.“
Snape wendete sich ab und ging zu seinem Kessel zurück. Harry sah ihm nach. ‚Er hat keine gehässige Bemerkung gemacht‘ dachte Harry. Noch vor einem Jahr wäre das ganz anders gelaufen. Snape hätte ihn angefaucht und seinen Trank zum Verschwinden gebracht. Harry beeilte sich nun, die Anweisungen von Snape zu befolgen. Zwanzig Minuten später hatte er seinen Fehler rückgängig gemacht und seinen Zaubertrank gerettet. Eine weitere Stunde arbeiteten sie noch schweigend nebeneinander, als Harry den Trank fertig hatte.
Er zögerte noch einen Moment, dann räusperte er sich und sagte: „Äh, Professor Snape, ich bin fertig mit dem Trank.“ Dann wartete er auf eine Reaktion.
Snape sah auf und sagte: „Einen kleinen Moment noch, ich muss hier noch vier Minuten rühren, dann komme ich.“
Harry wartete beunruhigt die vier Minuten ab. Snape legte den Rührstock zur Seite und kam zu Harrys Tisch. Aufmerksam sah er in dessen Kessel und holte mit einer Schöpfkelle etwas Trank aus dem Kessel. Er roch daran und untersuchte ihn gründlich.
Dann nickte er und sagte: „Einwandfrei. Das haben Sie gut hinbekommen.“
Harry dachte, er hätte sich verhört! Hatte ihn Snape tatsächlich gelobt? Er schluckte und sagte leise: „Danke.“
„Sie können dann Ihre Sachen wegräumen und sind für heute fertig.“ Snape war wieder mit seinem Trank beschäftigt.
Harry säuberte seine Utensilien und räumte die Zutaten weg, die er nicht mehr benötigte. Nach zwanzig Minuten war er fertig und als er sich gerade verabschieden wollte, dreht sich Professor Snape um und sah ihn an. Dann lehnte er sich an den Tisch, der hinter ihm stand und seine Augen sahen Harry durchdringend an. Harry wappnete sich, denn dieser Blick konnte nichts Gutes heißen.
Tatsächlich öffnete Snape langsam den Mund und sagte: „Wenn es Ihnen nichts ausmacht, Mr Potter, hätte ich noch etwas mit Ihnen zu besprechen.“
Harry sah ihn fragend an und nickte dann ergeben: „Sicher, wir müssen erst in einer Stunde oben im siebten Stock sein.“
Snape sagte: „Folgen Sie mir, Potter.“
Er ging zu der Tür, die am rückwärtigen Teil des Arbeitszimmers lag öffnete sie. Harry ging zögernd hinter ihm her und dann gingen sie durch einen dunklen Flur, von dem einige Türen abgingen. Noch nie war ein Schüler im privaten Bereich des Professors gewesen, das war Harry bewusst. Der Professor öffnete eine der Türen und trat in einen gemütlichen Raum, in dem es einen riesigen Kamin gab, ein Feuer brannte wärmend. Harry war eingetreten und sah sich kurz um, während Snape die Tür schloss. Dann wies er mit der Hand auf eine Sitzgruppe, die an eine Fensterfront stand. Zögernd setzte sich Harry und er hatte kein gutes Gefühl bei der Sache. Was konnte Snape nur von ihm wollen? Im Gedanken ging er die letzten Stunden durch, aber er konnte sich an keinen Vorfall erinnern.
Snape blieb stehen, Harry zugewandt. Er sah eine Weile auf den Kamin, dann drehte er den Kopf und sah Harry wieder durchdringend an.
Schließlich begann er zu sprechen: „Mr Potter, es ist nun mehr als sechs Jahre her, dass Sie auf diese Schule kamen. Diese sechs Jahre waren nicht immer leicht für Sie, schließlich haben Sie in dieser Zeit viel erlebt.“
Er senkte den Kopf wieder und verstummte für eine Weile. Harry hatte keine Ahnung, worauf Snape hinauswollte.
Doch der fuhr schon fort: „In dieser Zeit war ich nicht sehr fair zu Ihnen.“ Er lächelte ein bitteres Lächeln: „Und das ist noch sehr nett ausgedrückt.“
Unruhig trat er an das Fenster und sah hinaus, obwohl es schon stark dämmerte. „Wie Sie wissen, war mein Verhältnis zu Ihrem Vater und seinen Freunden nicht gerade ein freundschaftliches. Wir haben uns gehasst, und ließen keine Gelegenheit aus, dass den anderen spüren zu lassen.“ Wieder verstummte er für eine Weile und Harry wusste nicht, ob er jetzt nicht etwas hätte sagen müssen. Aber er wusste nicht, was. Also schwieg er. Da fuhr Snape auch schon fort: „Was Sie nicht wissen, ist, dass ich Ihre Mutter schon aus unserer Zeit vor Hogwarts kannte. Wir lebten im selben Ort und lernten uns kennen. Ich erkannte, dass sie eine Hexe war, bevor sie den Brief aus Hogwarts bekam. Wir freundeten uns an. Diese Freundschaft überdauerte die ersten Schuljahre, obwohl wir in verschiedenen Häusern waren. Doch ich wendete mich den falschen Freunden zu, die dunkle Seite der Magie faszinierte mich. Außerdem begann Ihr Vater, ein brillanter Quidditch-Spieler, sich für Ihre Mutter zu interessieren. Er und seine Freunde waren in Hogwarts überaus angesehen und beliebt, ich dagegen…“ Er verstummte und seine bisher emotionslose Stimme hatte am Ende bitter geklungen. Snape wandte sich wieder Harry zu. Er war sehr bleich im Gesicht, seine Augen hatten einen gequälten Ausdruck. „Ich dagegen liebte Ihre Mutter von dem Augenblick an, an dem ich sie das erste Mal sah.“
Harry schluckte und konnte nicht glauben, was er da eben gehört hatte. Bevor er etwas erwidern konnte, sprach Snape schon weiter, seine Stimme war so leise, dass Harry Mühe hatte, ihn zu verstehen. „Sie wissen, wie die Geschichte weiterging. Ich sagte unverzeihliche Sachen zu Ihrer Mutter und trieb sie damit, unter anderem, in die Arme Ihres Vaters. Ich war voller Hass auf mich und vor allem auf ihn. Was dann folgte, wissen Sie ebenfalls. Ich wendete mich dem Dunklen Lord und den Todessern zu. Dann hörte ich diese Prophezeiung, ohne allerdings zu wissen, um wen es dabei ging. Der Dunkle Lord fing an, Ihre Eltern zu jagen und ließ sich davon nicht mehr abbringen, obwohl ich es, weiß Gott, versucht habe.“ Inzwischen hatte Snape die Augen geschlossen und sah aus, als erlebte er gerade Höllenqualen. „Als er Ihre Eltern ermordete, da habe ich mich von ihm abgewendet und versucht, durch meine Spionage wenigstens einen kleinen Teil der Schuld abzutragen, die ich auf mich geladen hatte.“ Er holte tief Luft. „Als Sie dann nach Hogwarts kamen, da konnte ich an nichts anderes denken, als, dass wäre alle anders gelaufen, Sie mein Sohn hätten sein können. Doch Sie sahen Ihrem Vater so ähnlich, dass es leichter war, den Hass auf ihn an Ihnen auszulassen, als das Bedauern zuzulassen.“
Jetzt sah er Harry wieder an. „Es war Ihnen gegenüber ungerecht und Sie haben es nicht verdient, wie ich Sie in all den Jahren behandelt habe. Damit habe ich Ihre Mutter ein weiteres Mal verraten. Es tut mir mehr leid, als ich es Ihnen sagen kann. Ich weiß, Sie werden mir das nicht verzeihen, aber ich wollte es Ihnen wenigstens sagen.“
Der Junge sah Snape überrascht an. Damit hatte er nicht gerechnet. Er sah nun ebenfalls eine Weile zu Boden und äußerte dann leise: „Als wir damals die Okklumentik-Stunden hatten, und ich Ihre Erinnerungen im Denkarium sah, da war ich sehr geschockt. Ich kannte meinen Vater nicht, und hatte ihn mir ganz anders vorgestellt. Ich konnte nicht glauben, was ich dort sah. Sein Verhalten war unmöglich und ich habe mich für ihn geschämt. Niemals habe ich jemandem erzählt, was ich damals gesehen habe.“
Sie schwiegen eine Zeit lang, dann ergriff Harry wieder das Wort: „Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit. So langsam fange ich an, manche Dinge zu verstehen.“ Er sah Snape an: „Ich habe mich oft gefragt, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn meine Eltern noch leben würden.“
Snape sah ihn an und ein winziges Lächeln erschien in seinen Mundwinkeln. „Ich denke, sie wären sehr stolz auf ihren Sohn. Sie mögen aussehen wie Ihr Vater, aber sonst sind Sie mehr, wie es Ihre Mutter war. Um Ihre Freunde besorgt, mitfühlend, mutig und optimistisch.“ Harry lächelte erfreut bei diesen Worten.
Snape holte tief Luft und meinte dann: „Ich bin froh, dass wir dieses Gespräch geführt haben, es lag mir schon lange auf der Seele. Bevor wir nun diese ganze unselige Geschichte hier in Hogwarts zu einem Ende führen, wollte ich Sie wissen lassen, dass es mir Leid tut, wie ich Sie behandelt habe. Ich werde Sie natürlich weiterhin unterrichten, wenn Sie das noch wünschen. So wie es aussieht, wird das Schuljahr wohl nicht wie gewohnt verlaufen, der Dunkle Lord wird bald angreifen. Trotzdem sollten Sie versuchen, das Pensum aufzuholen. Man weiß nie, wofür es gut ist, was man lernt.“
Endlich setzte er sich auf den zweiten Sessel. Dann schwang er den Zauberstab und zwei dampfende Becher erschienen.
„Ein Butterbier, Mr Potter?“
Harry nickte und nahm einen der Becher. Dann prostete Snape ihm zu und Harry sagte vorsichtig: „Auf einen Neubeginn, Professor Snape?“
Severus sah ihn einen Moment erstaunt an und sagte dann leise: „Auf einen Neubeginn, Harry!“ Er lächelte dem Jungen zu und Harry lächelte zaghaft zurück.

Später gingen sie gemeinsam in Richtung des siebten Stockes.
Sie waren immer noch ein wenig früh dran und Snape sagte: „Ich muss meine Frau abholen, sie wird noch im Tanzsaal sein. Wollen Sie mitkommen?“
Harry nickte und sie bogen im dritten Stock in den Gang ein. Laute Musik schallte ihnen entgegen, als der Professor die Tür öffnete. Harry hatte zwar im letzten Schuljahr auch einige Tanzstunden genommen, aber das war am Nachmittag mit einer Gruppe anderer Schüler gewesen. Abends um diese Zeit war er noch nie hier gewesen und er hatte auch noch nicht so viel mit Miss Flemming, nein Mrs Snape zu tun gehabt. Im sechsten Schuljahr hatte er so viel anderes erlebt, dass er sie erst jetzt langsam kennen lernte. Sie standen an der Tür und die Musik war hier noch um einiges lauter. Richtig melodisch war die Musik nicht. Die Bässe hämmerten einen schnellen Rhythmus und dazu tanzte Kate. Sie hatte ihre beiden Zuschauer noch nicht bemerkt. Ihre Bewegungen waren schnell und kraftvoll, als müsste sie überschüssige Energie loswerden. Harry hatte solche Musik in der Muggelwelt schon gehört: sie nannte sich Techno. Er mochte es nicht so gerne, aber die Bewegungen der Frau sahen dazu stimmig aus.
Snape musste lächeln. So wie seine Frau da tanzte, hatte sie ein Ventil für ihre Angst gefunden. Dann verklang das Lied und in diesem Moment bemerkte Kate ihre Besucher.
Sie kam näher und sagte: „Guten Abend. Für Tanzstunden ist es jetzt aber ein bisschen spät, meine Herren.“
Severus lächelte: „Ach und ich dachte für hoffnungslose Fälle wäre es nie zu spät?“
Kate lachte: „Aber Ihr zwei seid doch durchaus keine hoffnungslosen Fälle, oder? Hallo Harry.“
Harry begrüßte sie, dann machte Kate sich fertig und sie konnten den Weg in den siebten Stock antreten.

Im Korridor des siebten Stockes standen schon einige der anderen Zauberer und Hexen. Harry, Kate und Snape stellten sich dazu. Es war schon spät und die Schüler waren längst in ihre Gemeinschaftsräume oder Schlafsäle zurückgekehrt. Minerva tauchte auf und als sie die Gruppe erreichte, wurde Dumbledore wieder sichtbar. Die Flüchtlinge waren manchmal noch lange wach und immer noch sollte keiner den Schulleiter sehen. Als alle endlich da waren, sahen sie Harry, Ron und Hermine erwartungsvoll an.
Shacklebolt fragte: „Wie funktioniert das mit diesem Raum der Wünsche nun?“ Harry sah Hermine an und diese fing an zu erklären: „Man muss sich genau wünschen, was der Raum genau sein soll. Zum Beispiel, ein Raum um etwas zu verstecken, oder wie bei uns damals, ein Raum in dem wir unsere DA Stunden abhalten konnten. Also müssen wir uns jetzt einen Raum wünschen, in dem sich ca. 350 Personen für eine längere Zeit aufhalten, schlafen und verbergen können. Wenn wir uns das alle gleichzeitig wünschen, sollte bald eine Tür erscheinen.“
Also stellten sich die Zauberer und Hexen in den Korridor, den Blick auf die Wand gerichtet, an der die Tür erscheinen sollte. Alle konzentrierten sich und schon bald erschienen blasse Streifen auf der Wand, die bald die Konturen einer großen Flügeltür annahmen. Immer feiner und detailreicher wurde die Zeichnung auf der Wand, bis zum Schluss eine richtige Tür erschienen war, wo vorher nur eine massive Wand zu sehen gewesen war. Hermine und Harry traten an die Tür und dann legte Harry die Hand auf die Klinke und öffnete die Tür.
Sie schwang nach innen auf und sie traten ein. Offensichtlich waren ihre Wünsche respektiert worden, denn der riesige Raum war in mehrere Bereiche aufgeteilt. Es gab einen Bereich, in dem Tische und Bänke standen, einen anderen Bereich, der mit Vorhängen abgetrennt war und eine große Menge von zwei- oder dreistöckigen Betten bereitstellte. Dann gab es noch eine Menge Schränke und Regale, in dem es Spielzeug, Bücher und alle möglichen Dinge gab. Auch einen „gemütlichen“ Bereich mit Sitzecken fehlte nicht. Mehrere Kamine würden im Ernstfall für Wärme sorgen. Alle sahen sich gründlich um und durchliefen nach und nach die Bereiche.
Dumbledore sah sich um und sagte: „Perfekt! Das sollte zumindest für den Notfall genügen.“
Auch die anderen stimmten ihm zu. Dann beratschlagten sie nur noch, ob und wie sie den Raum vor unliebsamen Besuchern schützen konnten.
Sie verließen den Raum und beendeten ihr Treffen. Minerva, Dumbledore, Harry, Ron, Hermine und Snape wollten noch mit den letzten Geistern sprechen und so begleitete Flitwick Kate zu ihrer Wohnung. Die Unterhaltungen mit den Geistern brachten leider keine neuen Erkenntnisse, aber es fehlten noch der Blutige Baron und die Graue Dame. Sie waren heute nicht erschienen und so würden sie sie morgen Abend suchen müssen.

Die drei jungen Leute und Minerva gingen zum Turm der Gryffindors, Dumbledore machte sich unsichtbar und ging mit Snape den langen Weg hinunter in die Kerker. Da niemand mehr auf den Fluren unterwegs war, unterhielten sich die zwei über die neuesten Erkenntnisse.
Dumbledore bemerkte fast nebenbei: „Sie und Harry verstehen sich jetzt besser, oder?“
Severus wusste, dass Dumbledore niemals etwas nebenbei sagte. Doch er antwortete trotzdem: „Wir haben uns ausgesprochen. Und ich habe mich bei ihm entschuldigt.“
Mit einem Schlag erschien der Schulleiter in seiner ganzen Form vor Snape und sah ihn erstaunt an. Er war stehengeblieben.
„Sie haben was?“ Ihm traten die Tränen in die Augen. „Das war sehr nobel von Ihnen. Dabei wäre es nicht nötig gewesen.“
Snape schüttelte den Kopf: „Doch, das war es. Sollten wir eine Zukunft haben, dann sollten vorher alle Unklarheiten ausgeräumt sein. Und wenn nicht… Dann sterbe ich wenigstens mit reinem Gewissen.“ Er machte eine Pause uns sie liefen langsam weiter. „Sie hatten all die Jahre Recht. Ich habe das Verhalten von James und seinen Freunden auf Harry übertragen. Ich habe dessen Fehler auf den Jungen übertragen. Dabei ähnelt er seinem Vater nur bedingt. Er hält zu seinen Freunden, aber er würde niemals Fehlverhalten oder Ungerechtigkeit tolerieren. Wie seine Mutter. Wie Lily.“
Nach den ganzen Jahren konnte er ihren Namen aussprechen, ohne die Bitterkeit zu spüren. Kate hatte ihn geheilt, sein Herz und seine Seele wieder komplett gemacht. Sicher hatte er Lily mit seinem Verhalten vertrieben. Aber, hätte er es nicht gemacht, hätte sie sich nicht zwangsläufig in ihn verliebt. Niemand wusste, wie es am Ende ausgesehen hätte. Und hätte er Voldemort nicht die Prophezeiung überbracht, dann wäre vielleicht etwas anderes passiert. James und Lily waren beide im Orden des Phoenix gewesen. Vielleicht wären sie auf eine andere Weise zu einer anderen Zeit gestorben. Er hatte Fehler gemacht. Daran gab es nichts zu rütteln. Aber er konnte trotzdem weiterleben und hatte ein Anrecht auf ein wenig Glück und Liebe. Das hatte er sich viele Jahre untersagt. Er würde seine Schuld abtragen und Harry bis zu seinem letzten Atemzug beschützen. Sollte das Wunder geschehen und er und Kate würden überleben, dann hatten sie jedes Recht auf ein gemeinsames, glückliches Leben.
Bis hierher war Severus mit seinen Gedanken gekommen, als Dumbledore leise sagte: „Ich bin sehr stolz auf Sie, Severus. Und ich freue mich sehr, dass Kate in Ihr Leben getreten ist. Genießen Sie Ihr Glück ohne Reue, Sie haben Ihre Schuld schon vielfach zurückgezahlt.“
Severus hatte angehalten und sah Dumbledore ernst an: „Haben Sie dem Jungen schon gesagt, was er wissen muss?“
Der schüttelte ernst den Kopf: „Nein, bisher war noch keine Gelegenheit dazu. Aber die Zeit wird knapp. Ich muss es bald tun.“
Snape nickte: „Keine leichte Aufgabe.“
Dann waren sie an der Wohnungstür angekommen. Doch bevor Snape die Tür öffnen konnte, hielt Dumbledore in zurück: „Wie nimmt Kate die Entwicklung der letzten Wochen und die Pläne für den Angriff so auf?“
Die Mine von Severus verdunkelte sich auf einen Schlag. Er sah Dumbledore flüchtig an und blickte dann auf die Tür. Er schüttelte den Kopf: „Nicht so gut. Wir sind ehrlich zueinander und sie weiß, dass meine Überlebensaussichten nicht so groß sind. Damit kommt sie nicht klar. Ich befürchte, dass sie im schlimmsten Fall sehr leichtsinnig sein wird.“
Dumbledore nickte: „Das denke ich auch. Ich werde die Mitglieder des Ordens teilweise bitten, ein Auge auf sie zu haben.“
Severus war nicht wirklich beruhigt. Er kannte seine Frau. Sie würde einen Weg finden, um zu tun, was immer sie für nötig hielt.

Am nächsten Abend begaben sich Harry und Luna auf die Suche nach der Grauen Dame. Sie war ein sehr scheuer Geist und Luna hatte sich mit ihr angefreundet. Dumbledore war mit Harry übereingekommen, dass es wenig Sinn haben würde, wenn sie zu mehreren den Geist aufsuchen würden. Also hatte sich Harry angeboten, es zu übernehmen. Derweil sprach Dumbledore mit dem Blutigen Baron. Er war der einzige, vor dem der Geist Respekt genug hatte.
Doch bald kam Dumbledore wieder in seine Arbeitszimmer zurück. Das Gespräch mit dem Geist war nicht sehr erfolgreich gewesen. Keine neuen Informationen über den letzten Horkrux! Immer wieder sahen Minerva, Hermine, Shacklebolt und der Schulleiter ihre Informationskärtchen durch. Aber immer wieder kamen sie auf das gleiche Ergebnis: es musste etwas von Gryffindor oder Ravenclaw sein. Nur das machte Sinn. Aber was? In der Bibliothek hatten Minerva, Hermine und auch Shacklebolt und Madam Pince alle in Frage kommenden Bücher durchblättert oder gelesen. Nichts.
Schweigend saßen sie um den Schreibtisch mit den Kärtchen herum und warteten auf Harry. Hoffnungslosigkeit machte sich breit. Welche Informationen sollte das scheue Gespenst schon haben?
Als es klopfte rief Dumbledore: „Herein!“ Die Tür schwang auf und der Rest des Ordens kam herein. Dumbledore hatte sie alle einbestellt, weil sich an diesem Abend entscheiden würde, ob sie gegen einen unsterblichen Voldemort kämpfen würden oder nicht. Inzwischen wusste jeder im Orden, was es mit den Horkruxen auf sich hatte. Es gab keinen Grund mehr, es geheim zu halten. Sie hatten fast alle Möglichkeiten ausgeschöpft, den Horkrux zu finden. Es gab nur noch zwei Chancen und die würden sie heute Abend einschätzen können. Deshalb war klar, dass am heutigen Abend endgültige Entscheidungen getroffen werden mussten. Es war allen klar, was der Abend bringen würde und entsprechen groß war die Spannung um den Tisch. Leise diskutierten die einzelnen Mitglieder miteinander. Die große Frage war immer wieder: was tun, wenn der Horkrux nicht gefunden wurde?
Shacklebolt erhob sich und begann, vor dem Schreibtisch auf und ab zu gehen. „Es bleibt immer noch Plan B. Wir besiegen die Todesser und vertreiben den Dunklen Lord. Dann ist er zumindest so geschwächt, dass wir etwas mehr Zeit haben. Und wir können nur hoffen, dass er keine Möglichkeit findet, weitere Horkruxe herzustellen. Wenn seine Seele jetzt schon so instabil ist, dann wird er es vielleicht nicht überleben.“
Dumbledore schüttelte den Kopf: „Er wird nur immer noch wahnsinniger. Er kann sehr wohl weitere Horkruxe herstellen. Nicht grenzenlos, aber er kann. Und dann fangen wir wieder von vorne an. Dieser Kampf wird nicht nur die Todesser und Voldemort schwächen. Auch auf unserer Seite wird es empfindliche Verluste geben. Ich möchte das nicht riskieren, wenn wir nicht für optimale Vorbedingungen sorgen können. Dazu gehört, dass Voldemort bei dieser Schlacht wieder sterblich ist.“
Es klopfte erneut und nachdem Dumbledore geantwortete hatte, öffnete sich die Tür und Ron und Snape erschienen. Auch sie waren in einer besonderen Mission unterwegs gewesen: sie hatten die Kammer des Schreckens durchsucht, ob Voldemort dort einen Horkrux versteckt hatte. Aber vergebens, es hatte kein Objekt gegeben, das in Frage gekommen wäre. Allerdings hatten sie die Zähne des Basiliken mitgebracht, mit denen man einen Horkrux zerstören konnte. Dumbledore erzählte ihnen, was sie bisher besprochen hatten und das sie noch auf Harry warteten. Shacklebolt vertrat seinen Standpunkt noch einmal und auch Dumbledore wiederholte seine Ansichten.
Snape sah eine ganze Weile im Gedanken versunken auf die Notizzettel, die er von seinem Platz aus nicht lesen konnte. Was er auch nicht musste, weil er sie alle fast auswendig konnte. Es war still im Raum und Dumbledore sah Snape erwartungsvoll an. Ihm lag viel an der Meinung seines ehemaligen Spions. Schließlich holte Snape tief Luft und sah ihn an.
„Im Endeffekt wird es nicht unsere Entscheidung sein, nicht wahr? Wenn alles gut läuft, und wir den letzten Horkrux finden, dann bleibt immer noch die Schlange. Der Dunkle Lord wird sie mehr als nur gut schützen. Diesen Schutz müssen wir erst einmal überwinden. Dazu müssen wir nahe genug an die Schlange herankommen. Dann sollte man nicht unterschätzen, wie stark der Dunkle Lord ist. Er ist ein außergewöhnlicher Zauberer.“ Mit einem Blick auf Dumbledore sagte er: „Das sind Sie auch, in viel höherem Maße, aber auch Sie könnten verletzt werden, oder ausfallen, oder im richtigen Moment nicht am richtigen Ort sein. Das müssen wir einplanen und uns für alle Eventualitäten absichern. Wenn wir diesen letzten Horkrux nicht finden, dann sieht die Situation noch viel schlechter aus. Dann müssen wir die Schlange trotzdem ausschalten und der Kampf ist unvermeidbar. Natürlich kann man den Dunklen Lord und seine Todesser schlagen, nur dann nicht endgültig besiegen. Eins ist klar: es ist egal, ob wir den Horkrux finden oder nicht, der Dunkle Lord wird angreifen. Er weiß, dass wir einige zerstört haben. Er vermutete, dass Sie“, er sah den Schulleiter an „hier in Hogwarts sind. Und er wird auch vermuten, dass Harry hier ist. Und er weiß, wie viele Zauberer und Hexen inzwischen hier versammelt sind, zumindest ungefähr. Je länger er wartet, desto stärker werden wir. Der Dunkle Lord wird uns in den nächsten Tagen angreifen, meiner Meinung nach!“
Ein erschrockenes Raunen ging durch den Raum. Minerva, Hermine und einige andere sahen entsetzt aus. Nur Dumbledore nickte langsam: „Genau das vermute ich auch. Uns bleiben im besten Fall nur noch ein paar Tage, nicht mehr!“
Die Stimmung im Raum war angespannt. Vielen wurde erst jetzt bewusst, dass sie nicht von einem fernen „Vielleicht“ sprachen, sondern von einer Tatsache, die sie in den nächsten Tagen ereilen würde. An einem Ort, der für sie alle bisher der einzige sicher Punkt in einer zunehmend instabilen Welt gewesen war: Hogwarts. Sie sahen sich an und waren sich der Möglichkeit bewusst, dass viele von ihnen den Kampf nicht überleben würden. Jeder von ihnen hatte in den letzten Wochen seine Angelegenheiten geregelt und trotzdem war es jetzt etwas anderes.

Mitten in diese inzwischen sehr nachdenkliche Stimmung platzte Harry, der ohne anzuklopfen in den Raum gestürmt kam.
Seine Miene war siegessicher, als er verkündete: „Ich weiß, was der Horkrux ist: es ist das verschollene Diadem von Rowena Ravenclaw. Ihre Tochter hat es einst gestohlen und in Albanien versteckt, dort hat es Voldemort gefunden. Er hat es dann mit Sicherheit hier versteckt, als er bei Ihnen vorgesprochen hat, weil er Lehrer werden wollte!“
Bei diesen Worten sah er Dumbledore an. Diese sprang von seinem Stuhl auf und ging mit eiligen Schritten auf Harry zu.
„Harry, mein Junge. Du bringst gute Nachrichten. Natürlich, deshalb hat er noch einmal vorgesprochen, nachdem er schon vorher abgewiesen worden war. Aber“, er sah Harry durchdringend an, „hast Du eine Ahnung, wo es sein könnte?“
Harry schüttelte kurz den Kopf: „Nur einen Verdacht. Er muss es auf dem Weg in ihr Büro versteckt haben. Er konnte schlecht stundenlang durch die Gänge schlendern, nicht wahr? Also kommen längst nicht alle Orte in Frage.“
Hermine sah Harry an und sagte langsam: „Eigentlich nur ein einziger: der Raum der Wünsche. Er liegt im siebten Stock und direkt auf dem Weg vom Portal zu diesem Arbeitszimmer.“
Ein Leuchten ging über Harrys Gesicht: „Hermine, du bist genial. Natürlich kann es nur der Raum der Wünsche sein. Ich selbst habe dort schon etwas versteckt, das ich unbedingt loswerden musste!“
Ron, Hermine und Harry dachten an das Buch des Halbblutprinzen, dass Harry im letzten Schuljahr dort versteckt hatte, damit Snape ihm nichts anhaben konnte. Die Zwillinge riefen: „Wir auch, und wir haben es später wieder geholt. Filch konnte uns oft nichts anhängen, weil er uns durchsuchte und nichts fand.“
Dumbledore sah fast vergnügt aus, als er sagte: „Warum gehen wir nicht alle dorthin und suchenden den letzten Horkrux? Wir dürfen nur nicht vergessen, dass wir ihn nicht berühren dürfen. Hat jemand eine Ahnung, wie dieses Diadem aussieht?“
Harry nickte: „Die Statue im Gemeinschaftsraum der Ravenclaws trägt es. Dort kann man es anschauen. Aber ich denke, so viele Diademe werden nicht herumliegen, oder?“
Die anderen stimmten ihm zu und dann brachen sie auf. Um nicht das ganze Schloss aufzuwecken, liefen sie leise die Stufen hinunter in den siebten Stock und blieben im dort vor der massiven Mauer stehen. Gespannt sahen sie sich an, als sie vor der Mauer standen. Dann konzentrierten sich alle und es dauerte nicht lange, bevor feine Linien auf der Mauer erschienen. Sie sahen nicht so aus, wie am Abend davor. Auch die Tür, die erschien war kleiner als gestern und weniger prächtig.
Sobald sie vollständig erschienen war, öffnete Mad Eye sie und dann traten sie ein. Der Raum sah komplett anders aus, als am Abend zuvor. Alte Möbel, Spielzeug, Besen, Teppiche, Bücher und eine unvorstellbare Menge von Nützlichem und Überflüssigem türmten sich in großen Haufen in dem fast endlosen Raum.
Minerva stieß einen Seufzer aus: „Da können wir lange suchen!“
Und so war es. Sie teilten sich auf und suchten jeweils zu zweit. Sie versuchten es mit Magie, aber wie es Dumbledore vorausgesagt hatte, funktionierte es nicht. Zwischendurch kam immer wieder ein erstaunter Ausruf aus verschiedenen Ecken des Raumes, wenn sie etwas Außergewöhnliches gefunden hatten.
Harry hatte ständig das Gefühl, etwas Wichtiges nicht beachtet zu haben. Ihm war, als hätte er das Diadem an diesem Tag gesehen, als er das Buch hier versteckt hatte. Er versuchte immer wieder, sich daran zu erinnern. Nach einer Stunde kam ihm plötzlich das Bild wieder in den Kopf.
Er verstärkte seine Stimme magisch und rief: „Sucht nach einer Büste von einem Zauberer. Er trägt eine alte Perücke und auf dieser ist das Diadem!“
Kurze Zeit später kam das Triumphgeheul von Fred: „Ich habe sie, hier ist sie!“ Dumbledore donnerte: „Nicht berühren. Nur nicht berühren!"
Bald hatten sich alle um den ramponierten Schreibtisch versammelte, auf dem eine alte Vitrine mit verstaubten Scheiben stand. Dort, zwischen einem Haufen verrotteter Bücher stand die Büste mit der Perücke. Oben drauf saß, glitzernd und vom Staub unberührt, das Diadem. Es war fein und zierlich gearbeitet und die Brillanten funkelten im Schein der Fackeln und Zauberstäbe.
Ron löste den Blick von dem Schmuckstück und fragte: „Sollen wir es hier zerstören?“
Dumbledore verneinte: „Wir müssen es an einem Ort zerstören, der nicht so überfüllt ist. Ich denke, wir machen es vor dem Portal. Dort können die Flüche nicht so viel zerstören. Severus, nehmen Sie bitte den Horkrux und dann begeben wir uns alle nach draußen. Harry und ich holen noch etwas und wir treffen uns dann draußen.“
Sie verließen den Raum der Wünsche und während sich die anderen die Treppe hinunter begaben, eilten Dumbledore und Harry in das Arbeitszimmer im Turm. Es gab zwei Möglichkeiten, einen Horkrux zu zerstören, wie sie aus Erfahrung wussten: das Schwert von Gryffindor oder das Gift eines Basilisken. Beides hatten sie da. Dumbledore holte das Schwert von Gryffindor aus seinem Geheimversteck und reichte es Harry. Dann nahm er zwei der Basiliskenzähne.
Sie sahen sich an und er alte Zauberer lächelte den Jungen an. „Harry, ich bin sehr stolz auf Dich. Du hast in den letzten Jahren viel gelernt und bist den Jungen in Deinem Alter weit überlegen.“ Er wurde ernst: „Ich habe viel von Dir gefordert und Dich wissentlich und auch manchmal unwissentlich vielen Gefahren ausgesetzt. Und wir sind noch nicht am Ende! Wenn wir den Horkrux zerstört haben, muss ich Dich noch einmal in Ruhe sprechen. Wir müssen über die nächsten Tage reden, es gibt Dinge, die Du wissen musst. Wir hätten dieses Gespräch schon längst führen müssen. Wenn es jemanden gibt, den Du gerne dabei hättest, dann bringe ihn oder sie mit. Ich bin aber nicht so sicher, ob es nicht besser ist, erst danach zu entscheiden, wer die Informationen mit Dir teilen soll. Treffen wir uns Morgen nach dem Abendessen in meinem Büro.“
Das Gesicht von Dumbledore war sehr ernst geworden und Harry war sich bewusst, dass es um die ganze Sache mit dem „Auserwählten“ ging. Das war nicht so unerwartet und neu für ihn. Darum nickte er und dann verließen sie das Turmzimmer. Als die zwei vor dem Portal ankamen, verstummten die Gespräche der Wartenden. Spannung machte sich breit.
Nur ein paar Wenige waren schon vorher einmal bei der Vernichtung eines Horkruxes dabei gewesen. Professor Snape legte das Diadem auf den Boden und alle bildeten einen Kreis darum.
Dumbledore sah Harry an: „Wie sieht es aus Harry, willst Du es zerstören?“
Harry sah auf das Diadem, dachte kurz nach und schüttelte dann entschlossen den Kopf: „Nein, Professor. Ich bin der Meinung, dass es jemand anderes verdient hat, diese Horkrux mit Gryffindors Schwert zu zerstören.“ Er sah auf das Schwert in seiner Hand und dann lächelte er. „Ich kann kaum glauben, dass ich das jetzt mache.“ Er hob den Kopf und ging auf Snape zu. „Professor, Sie sollen das machen!“
Severus Snape, der Mann, der Harry am meisten gehasst hatte, wurde noch blasser, nur auf seinen Wangen bildeten sich zwei rote Flecken. Er und Harry sahen sich an und dann lächelten sie beide, etwas scheu, aber sie lächelten. Dann reichte Harry das Schwert an Snape, der es zögernd entgegen nahm.
Er nickte Harry zu und drehte sich mit einer geschmeidigen Bewegung um, ging auf das Diadem zu, schwang elegant das Schwert und zerschmetterte das Diadem. Etwas wie ein Schrei kam von dem zerschmetterten Gegenstand und ein Lichtstrahl schoss in den Nachthimmel. Die Umstehenden sprangen einen Schritt zurück und starrten dem Lichtstrahl hinterher. Dann begannen die Weasley-Zwillinge zu jubeln und auch die anderen fielen kurz darauf ein.

Es war Mitten in der Nacht, als Snape leise die Tür zum Schlafzimmer öffnete. Er war vorher im Bad gewesen und hatte geduscht. Nach der Zerstörung des Horkruxes hatte er das Gefühl gehabt, von ihm beschmutzt worden zu sein. Nur mit einem Handtuch um die Hüften schlich er leise zum Bett, er wollte Kate nicht wecken. Vorsichtig hob er die Bettdecke und legte sich ins Bett. Er hätte es sich ja denken können, eine Hand berührte seine nackte Brust und dann kuschelte sich seine Frau an ihn.
Sie flüsterte: „Du bist spät, was habt Ihr so lange gemacht?“
Er küsste sie auf die Stirn und sagte leise: „Wir haben endlich den Horkrux gefunden!“
Mit einem leisen Aufschrei setzte sich Kate auf: „Ihr habt ihn gefunden? Endlich!“
Er zog sie wieder an sich und erzählte ihr alles. Nur als er zu dem Teil kam, an dem ihm Harry das Schwert gereicht hatte, da stockte er. Er konnte es immer noch nicht glauben, was dieser junge Mann getan hatte! Hätte er noch einen letzten Beweis gebraucht, dass Harry so großherzig wie seine Mutter war, seine Tat heute Abend wäre es gewesen. Langsam entlockte Kate ihm die Geschichte und freute sich dann mit ihm. Wieder war eine Last von den Schultern ihres Mannes genommen worden.
Sie fragte ihn leise: „Und, wie geht es Dir damit?“
Es dauerte eine Weile, bis er antwortete. „Ich bin ein bisschen beschämt, dass ich all die Jahre nicht sehen wollte, wie Harry wirklich ist. Immer sah ich nur James in ihm, nie Lily. Ich hätte ihm zur Seite stehen müssen, nicht das Leben noch schwerer machen. Dabei hatte ich doch …“ Er verstummte. Bisher hatte er ihr nicht erzählt, dass er Dumbledore damals geschworen hatte, den Jungen zu beschützen. Aber er hatte den Wunsch, es jetzt zu tun. Fast wie eine Beichte. Severus wusste, dass sie darauf wartete, dass er weitersprach.
Zögernd setzte er an: „Als ich damals am Tod seiner Eltern Schuld war, da schwor ich Dumbledore, dass ich ihm helfen würde, den Jungen vor dem Dunklen Lord und seinen Anhängern zu beschützen. Aber ich wollte nicht, dass es jemand erfährt.“
Kate fragte ruhig: „Warum nicht?“
Stockend sagte er: „Ich war nicht der Meinung, dass ich es verdiene. Es war auch nur ein sehr kleiner Beitrag, meine Schuld abzuarbeiten.“
Kate fragte: „Also weiß Harry nicht, dass Du ihn in den ganzen Jahren beschützt hast, wenn Du es konntest?“
Severus schüttelte den Kopf, obwohl sie es im Dunkeln nicht sehen konnte. Aber sie spürte es. „Ich werde es ihm auf gar keinem Fall sagen, und sonst auch niemand!“
Kate lächelte. Wie kompliziert Männer und ihre Ehre und ihr Stolz manchmal waren. „Das musst Du auch nicht. Es reicht, wenn Du auch in Zukunft für ihn da bist.“
Dann spann sie den Gedanken weiter und Entsetzen machte sich in ihr breit. Sie setzte sich auf und versuchte, ihre Gedanken zu sortieren. „Aber das heißt ja, dass Du ihn auch im bevorstehenden Kampf mit Voldemort mit allen Mitteln beschützen wirst, oder?“
Er schwieg und sein Schweigen war Antwort genug. Kate ließ sich stöhnend in das Kissen zurückfallen. „Wie oft willst Du eigentlich sterben?“ fragte sie mit fast normaler Stimme.
Aber er kannte sie und nahm sie behutsam in den Arm: „Ich habe mein Wort gegeben, Kate. Das kann ich nicht einfach zurücknehmen. Auch wenn mein Tod nichts ändern wird für Harry!“ schloss er bitter.
Kate verstand nicht, was er meinte. Wieso würde das für Harry nichts ändern? Auf diese Frage antwortete er erst, als sie ihn ein zweites Mal fragte. Dann erzählte er ihr mit tonloser Stimme von seinem Gespräch mit Dumbledore im vorletzten Sommer. Das ein Teil von Voldemorts Seele in Harry eingedrungen war und somit ein weiterer Horkrux entstanden war, von dem keiner etwas ahnte, am wenigsten Harry. Und das Harry sterben musste, damit der Dunkle Lord endgültig sterben konnte. Kate war sprachlos. Doch Severus war noch nicht am Ende angelangt. Er erzählte auch von seinem Entsetzen, dass er Harry nur am Leben halten sollte, damit er zur rechten Zeit starb und das Dumbledore es die ganze Zeit gewusst hatte. Kate merkte, wie verzweifelt Severus deswegen war. Es gab nichts, was er tun konnte, denn Voldemort musste besiegt werden. Was war da das Leben eines Einzelnen wert, selbst wenn es Harry war? Noch viel weniger sein eigenes.
Es gab nichts, was Kate hätte sagen können. Also küsste sie ihn und er war froh, dass sie ihn verstand. Beide wollten nicht weiter reden und so trösteten sie sich gegenseitig auf die einzige Art, die das Denken weitgehend ausschloss.

Als sie am nächsten Morgen viel zu früh aufstehen mussten, hielt Kate Severus zurück, bevor er aufstehen konnte. Fragend sah er sie an.
Sie zögerte einen Moment und sagte dann zaudernd: „Bitte sei bei Harry, wenn Dumbledore es ihm sagt. Er wird Angst haben und verzweifelt sein. Sei Du für ihn da, denn er wird Dumbledore dafür hassen, dass er es ihm nicht viel früher gesagt hat.“
Severus sah sie zweifelnd an: „Harry wird nicht wollen, dass ich dabei bin. Nicht nach den Jahren, in denen ich ihn gequält habe.“
Kate schüttelte vehement den Kopf: „Er hat doch niemanden mehr. Seine Freunde können ihm da nicht helfen. Er braucht jemand Erwachsenen, der den letzten Weg mit ihm geht. Du darfst ihn nicht alleine lassen.“ Sie sah ihn verzweifelt an: „Ich kann nicht glauben, dass ich das jetzt sage, aber Du musst bei ihm bleiben, bis zum Ende! Sei ihm der Vater, den er nicht mehr hat.“
Inzwischen liefen ihr die Tränen über die Wangen. Sie sah die Verzweiflung in seinen Augen, als er sie in seine Arme zog und ihr versuchte, etwas Trost zu geben.
„Du bist eine erstaunliche Frau, Kate und ich wünschte, wir hätten uns schon viel früher getroffen. Uns bleibt so wenig Zeit!“
Sie nickte unter Tränen: „Ich weiß, es sind nur noch Tage, nicht wahr?“ Er nickte wortlos.

Als sie an diesem Morgen zum Frühstück in die Halle kamen, hielt Severus Kate an der Hand und sie hielt den Kopf gesenkt, damit niemand ihre geröteten Augen sah, die auch kaltes Wasser nicht hatte verhindern können. Sie schritten ernst den Mittelgang zwischen den Haustischen entlang und begaben sich dann zum Lehrertisch. Der Tag nahm seinen Lauf und der Unterricht verlief fast normal. Die Tanzstunden am Nachmittag waren gut besucht und Kate schaffte es immer wieder, für eine Zeit das Denken auszuschalten. Aber der Tag stand unter düsteren Vorzeichen, die Kate nicht ignorieren konnte.


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