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Fanfiction

Eine zweite Chance - Letzte Vorbereitungen

von Kate Flemming

So langsam nähern wir uns dem Finalen dieser Geschichte. Ich danke meinen fleißigen Reviewerinnen, dass Ihr mitfiebert und mir mit Euren Kommentaren zeigt, dass meine FF so rüberkommt, wie ich es wollte. DANKE!

***************************************

Inzwischen hatte die siebte Klasse Verteidigung gegen die dunklen Künste. Seitdem Professor Snape nicht mehr so verbissen war, waren die Stunden viel weniger gefürchtet. Die Schüler hatten das Gefühl, so gut wie irgend möglich vorbereitet zu werden. Jeder Schüler in Hogwarts war jetzt fähig, zumindest einfache Schildzauber und Entwaffnungszauber auszuführen. Den nächsten Schritt, Schockzauber und schwierigere Entwaffnungszauber konnten alle Schüler ab dem dritten Schuljahr.
In den letzten Wochen hatte Snape das Tempo deutlich angezogen und verlangte viel von den Schülern. Aber anders als früher, blieb er fair. Und manchmal, allerdings noch selten, lobte er. Allen Schülern war bewusst, dass diese Stunden nicht einfach Schulstunden waren, sondern es um ihr Leben ging. Umso eifriger bemühten sie sich.
Am Ende der Schulstunde, sprach der ehemals so verhasste Professor Snape der siebten Klasse ein Lob aus: „Ihr habt in den letzten Wochen viel gelernt. Was wir durchgenommen haben, ist weit mehr, als für dieses Schuljahr im Lehrplan steht. Ihr habt Euch über die Maßen bemüht. Werdet aber nicht übermütig, wenn es ernst wird. Die Todesser und der Dunkle Lord werden nicht fair kämpfen. Sie werden Flüche verwenden, von denen Ihr noch nicht einmal in Euern schlimmsten Albträumen geträumt habt. Deshalb ist es wichtig, dass Ihr gegenseitig auf Euch aufpasst. Kämpft zu zweit, schützt Euch gegenseitig. Helft mit Schildzaubern, wenn Ihr seht, dass jemand in Bedrängnis ist. Und das, bevor ihr Angriffszauber benutzt. Erst schützen, dann angreifen! Das muss in Euerm Kopf sein.“ Er sah seine Schüler der Reihe nach an und sie nickten ernst.
Dann sagte er leise: „Wir hatten heute unsere letzte Stunde.“
Bei diesen Worten wurden sie still und starrten ihren Lehrer an, der sie gelassen ansah.
Nach einer Weile fragte er leicht lächelnd: „Na, keine Jubelschreie? Nie wieder Snape, dass wünscht Ihr Euch doch seit mehr als sechs Jahren!“
Neville räusperte sich nervös und fragte verwirrt: „Wieso war das unsere letzte Stunde, Professor Snape?“
Snape sah ihn ruhig an und sagte: „Weil uns der Dunkle Lord bald angreift und wir erst wieder in der nächsten Woche Unterricht hätten!“
Sie sahen ihn entsetzt an, nur Harry, Ron und Hermine hatten es schon am Vortag erfahren.
Professor Snape sah sie noch einmal an und sagte abschließend: „Sie sind alle bestens vorbereitet. Halten Sie zusammen und spielen Sie nicht die Helden, dann sollten Sie alle gut durchkommen. Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihre Zukunft. Longbottom, ich möchte Sie noch kurz sprechen!
Die Schüler verließen nach und nach den Klassenraum, nur Neville wartete nervös und man sah Hermine, Ron und Harry an, dass sie ihren Freund nur ungern mit Snape alleine ließen.
Snape räumte das Übungsmaterial zusammen, bis die Schüler verschwunden waren. Dann sah er auf und in Nevilles sichtlich angespanntes Gesicht. Innerlich seufzte er. Noch ein Unrecht, dass er gutmachen musste.
Er seufzte und sah den Jungen lächelnd an: „Mr Longbottom, ich wollte Ihnen nur sagen, dass Ihre Eltern sehr stolz auf Sie wären, wenn sie heute hätten sehen können, wie weit Sie es gebracht haben. Ich war in den sechs Schuljahren nicht wirklich fair zu Ihnen. Das hatten Sie nicht verdient, und es tut mir Leid. Seien Sie versichert, dass Sie Ihren Eltern in nichts nachstehen und wir alle von Ihnen noch Großes erwarten können.“
Neville lächelte verhalten und sah den ehemals verhassten Lehrer noch immer etwas gespannt, aber sehr erfreut an.
Dann sagte Snape zögernd: „Noch eine persönliche Bitte an Sie“, Nevilles Ausdruck wurde wieder nervös, „haben Sie bitte in den nächsten Tagen ein Auge auf meine Frau.“ Snape war sehr ernst, sein Gesicht nur noch eine Maske. „Wenn der Kampf beginnt, werde ich dazu keinerlei Möglichkeit mehr haben. Und sie wird Schutz brauchen. So, Mr Longbottom, jetzt gehen Sie besser, bevor Ihre Freunde vor der Tür eine Rettungsaktion starten.“
Neville öffnet den Mund, dann schloss er ihn wieder. Doch dann riss er sich zusammen und sagte leise: „Ich bin sehr froh, dass es mit Ihnen und Miss Flemming, äh, Ihrer Frau so gekommen ist. Und ich verspreche Ihnen, dass ich sie mit meinem Leben verteidigen werde.“
Bei diesen Worten richtete er sich auf und ähnelte nicht mehr dem eingeschüchterten Jungen, der er sonst immer war. Snape klopfte ihm auf die Schulter, konnte aber nichts sagen. Schließlich wendete er sich ab und Neville war erschüttert. Professor Snape war offensichtlich der Meinung, dass er den Kampf nicht überleben würde. Und Neville war bewegt über die Tiefe der Gefühle, die Snape wohl für seine Frau hegte.

Snape war ans Fenster getreten und sah hinaus. Doch er nahm weder die Landschaft noch das Wetter wahr. Er hatte es sich nicht eingestehen wollen, doch er hatte Angst. Nicht vor seinem Tod oder der Art, wie es geschehen würde. Er erwartete keinerlei Gnade vom Dunklen Lord und er würde sie auch nicht bekommen. Er hatte in seinem Leben schon viele Schmerzen ertragen würden und er wusste, dass das alles nichts gewesen war, gegen das, was ihn in den nächsten Tagen erwartete. Er hatte es akzeptiert. Nein, es war Kate. Er hatte Angst um sie. Und er hatte Angst vor dem Schlimmsten, was ihm passieren konnte: dass er unter Umständen würde mit ansehen müssen, wie der Dunkle Lord sie foltern und töten würde. Denn das genau würde Voldemort und seinen Todessern am meisten Spaß machen, dessen war sich Snape sicher. Oder das sie mitansehen musste, wie er umgebracht werden würde. Das eine wie das andere durfte nicht geschehen. Er fällte eine Entscheidung und drehte sich entschlossen um und eilte in sein Arbeitszimmer.

Am späten Nachmittag fand wieder einer der Alarmübungen statt, die sie in den letzten Tagen verstärkt angesetzt hatten. Bei diesen Alarmübungen ging es darum, dass jeder im Schloss auf schnellstem Weg zu seinem Platz eilte und alle vorbereitet waren. Sie hatten einen Plan erstellt, und jeden für die verschiedenen Dinge eingeteilt. Schon nach den ersten Übungen war das Chaos sichtlich weniger geworden und bald darauf liefen sie ohne Panik ab. Wie es im Ernstfall sein würde, stand auf einem anderen Blatt. Nach der abgeschlossenen Übung gab es Abendbrot. Im Allgemeinen war es nach den Übungen in der Großen Halle sehr unruhig, aber heute Abende war es den Haustischen erstaunlich still. Es war inzwischen überall herum, dass der Angriff unmittelbar bevorstand. Als Professor Snape die Halle betrat, drehten sich viele nach ihm um und folgten ihm mit den Blicken, bis er vorne beim Lehrertisch war. Er setzte sich und runzelte die Stirn, was war denn los?
Kate lächelte ihn verhalten an und er sah sie fragend an. „So, so, Professor Snape!“ Ihr Lächeln wurde verschmitzt: „Sie haben heute Ihre siebte Klasse gelobt? Sie haben es sogar in den Muggel-Nachrichten gebracht!“
Er sah sie mit finsterer Miene an und sie musste lachen. „Sehr witzig, Miss Flemming! Sie können sich heute Abend gleich zum Nachsitzen bei mir melden!“ Sie beugte sich näher zu ihm, damit die anderen Lehrer sie nicht hören konnten und flüsterte: „Loben Sie mich dann auch?“
Er zog eine Augenbraue hoch und gab ebenso leise zurück: „Wenn ich einen Grund dafür habe, dann schon. Aber da müssen Sie schon außergewöhnliche Leistungen vorlegen!“
Sein Grinsen war leicht verschlagen geworden.
Kate sah ihn von oben herab an und sagte arrogant: „Das ist gar kein Problem für mich!“
Dann musste sie lachen und auch er verzog das Gesicht belustigt.
Trotz des Geplänkels blieb die Stimmung am Lehrertisch und an den Haustischen gedrückt. Jedem in der Großen Halle war bewusst, dass jede Mahlzeit ihre letzte gemeinsam sein konnte. In den vergangenen Tagen waren einige der Slytherin-Schüler verschwunden. Sie hatten das Schloss über das Floh-Netzwerk verlassen. Auch darin sahen die Lehrkräfte ein Zeichen, dass der Angriff unmittelbar bevorstand. Sie hatten versucht, die Slytherin-Schüler bei vielen Einteilungen und Besprechungen so weit wie möglich außen vor zu lassen. Aber es war nicht zu vermeiden gewesen, dass sie wussten, wie viele Zauberer und Hexen inzwischen in Hogwarts waren. Natürlich hatten sie auch alle Harry gesehen.
Das Abendessen war beendet und die Schüler zogen sich in die Gemeinschaftsräume zurück. Manche begaben sich noch kurz in die Bibliothek, zu den Schachstunden oder zum Tanzen zu Kate. Es sah so aus, als wollten alle so lange wie möglich den normalen Alltag aufrechterhalten.
Bevor Harry die Große Halle verließ, hielt Snape bei ihm an. Die Schüler zuckten immer wieder zusammen, wenn er sie ansprach. Zu tief saßen die letzten sechs Jahre in ihrem Gedächtnis.
„Harry, kann ich Dich kurz sprechen?“ Harry nickte und sie traten vor das Portal. Es war kalt und windig. Hier waren sie im Augenblick alleine. Harry sah den Professor fragend an. Snape sah einen Moment auf die Berge und wendete sich dann Harry zu. „Du gehst gleich zu Professor Dumbledore?“ Harry nickte. Snape fuhr fort: „Ich weiß, was er Dir heute Abend erzählen wird. Solltest Du mit jemanden reden wollen, ich werde den ganzen Abend in meinem Klassenraum sein. Hast Du das verstanden?“ Eindringlich sah er den Jungen an. „Auch wenn es später werden sollte, egal wann. Schicke mir Deinen Patronus, ich werde für Dich da sein!“ Harry hatte keine Ahnung, was Snape von ihm wollte. Aber da es ihm anscheinend so wichtig war, nickte er.
Dann machte sich Harry nervös auf den Weg zum Büro des Schulleiters. Snape hatte so ernst geklungen, was mochte ihm der Schulleiter mitzuteilen haben, das Snape so besorgt um ihn machte? Hatte es etwas mit seinen Eltern zu tun? Er hatte gedacht, es ginge um seinen Status des „Erwählten“. So oder so, in kurzer Zeit würde er es wissen. Entschlossen stieg er die Treppen hinauf.
Snape sah ihm nach und zweifelte daran, das Harry zu ihm kommen würde. Dazu war der Graben zwischen ihnen einfach zu tief. Er seufzte und machte sich auf den Weg zu seinem Klassenraum. Jetzt hieß es abwarten, ob Harry auf sein Angebot eingehen würde.

Kate gab derweil einigen Schülern aus der fünften und sechsten Klasse Tanzunterricht. Heute hatten sie sich den Tango vorgenommen. Doch die Schüler waren genauso unkonzentriert wie Kate. Nach einer halben Stunde brach Kate ihre Erklärungen ab und ließ die jungen Menschen nach lauter Musik tanzen, was immer sie wollten. Immer wieder sah sie nach der Uhr und wusste, dass Harry im Moment bei Dumbledore war. Wie mochte es ihm gehen. Wie konnte man mit einer solchen Nachricht leben? Ihr Herz zog sich vor Mitleid zusammen. Bei allen anderen war der baldige Tod wahrscheinlich, bei einzelnen sehr sicher. Nur bei Harry war es ein unumstößliches Muss. Und hier tanzten jungen Menschen und waren für den Moment von allen belastenden Gedanken befreit. Und nur einige Meter über ihnen nahm ein Junge, der eigentlich genauso ausgelassen sein sollte wie seine Altersgenossen, sein Todesurteil entgegen.
Es war so ungerecht. Das erste Mal in ihrem Leben verspürte Kate tiefen Hass in sich. Hass auf denjenigen, der Schuld war an allem: Voldemort. Mit welchem Recht nahm er den Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen das Recht auf eine unbeschwerte Zukunft? Auf das Leben, auf die Liebe? Wie konnte aus einem menschlichen Wesen nur so ein Monster entstehen? Sicher, er hatte keine schöne Kindheit gehabt. Aber das hatten viele andere Menschen, auch magische Menschen, schon vor ihm gehabt. Allen voran Harry. Aber das war keine Entschuldigung. Er war in diesen Mauern gewesen, war durch die gleichen Gänge geschlendert und hatte an den gleichen Tischen gesessen, wie die Schüler, die er nun bedrohte. Und wie viele von ihnen würden in den nächsten Tagen sterben? War solche Boshaftigkeit einem Menschen schon in die Wiege gelegt? Steckte es in den Genen, wenn es nicht alleine die äußeren Umstände waren, die Menschen dazu brachte, ihre schlimmsten Seiten zu offenbaren? Steckte ein Teil von Voldemorts Bosheit dann auch in ihr, wo sie doch verwandt waren? Schließlich war sie mit Voldemorts Vater verwandt, der ihn einfach im Stich gelassen hatte, so wie ihr eigener Vater. Wie so oft in den letzten Monaten war sie sehr froh, dass nur wenige Menschen von ihrer Verwandtschaft mit dem Dunklen Lord wussten. Es war wie ein unsichtbares Mal, dass sie trug.
„Professor Snape?“ Kate zuckte zusammen. Eine Schülerin sah sie besorgt an: „Ist alles in Ordnung mit Ihnen?“
Die Frau nickte und zwang sich zu einem Lächeln: „Doch, entschuldigen Sie, ich war wohl abgelenkt!“
Bei einem Blick auf die Uhr schrak sie zusammen. Offensichtlich hatte sie eine ganze Weile des Unterrichtes verpasst. Die Stunde war zu Ende und die Schüler verließen den Klassenraum. Als sich die Tür hinter dem letzten Schüler schloss, überlegte Kate, was sie machen sollte. Severus wartete auf Harry. In die Wohnung konnte sie jetzt nicht gehen, da sie die Stille und das Warten dort nicht ertragen würde. Seufzend drehte sie sich zur Musikanlage und überlegte lustlos, ob sie tanzen sollte. Sie sehnte sich nach Severus, ihnen blieb nur noch so wenig Zeit. Aber sie wusste, dass sie ihn jetzt nicht stören durfte
Also holte sie tief Luft und ließ ihre Finger über die Tasten der Musikanlage gleiten. Bald fand sie das Musikstück, das sie gesucht hatte: ein klassisches Stück, zu dem sie bei ihrer Prüfung hatte tanzen müssen. Sie hatte es damals gehasst und tat es immer noch. Und es passte perfekt zu ihrer düsteren Stimmung. Sie zog ihre Ballettschuhe an und wärmte sich auf. Dann drückte sie auf die Starttaste und begann zu tanzen. Sie beherrschte die Schritte im Schlaf, schließlich hatte sie endlose Wochen damit zugebracht, sie in dem staubigen, kleinen Ballettsaal einzuüben. Sie erinnerte sich nur zu gut an die alte Ballettlehrerin, die niemals mit irgendwas zufrieden gewesen war. Nie hatte sie Kate gelobt, immer nur verbessert und genörgelt. Trotzdem war sie eine sehr gute Lehrerin gewesen und Kate verdankte ihr sehr viel. Oft war sie nahe daran gewesen, einfach aufzugeben. Doch Madam Sandrine ließ es nicht zu. Und so hatte sich Kate durch die Prüfungsvorbereitungen gekämpft und am Ende waren ihre Mühen und Schmerzen belohnt worden. Madam Sandrine war bei der Prüfung anwesend gewesen und hatte am Ende nur gemeint: „Nicht ganz schlecht!“. Das war das größte Lob, dass sie Kate je ausgesprochen hatte. Was sie wohl heute über die Fähigkeiten ihrer Schülerin sagen würde? Bei diesem Gedanken zog es Kate zur Musikanlage. Sie startete das Lied von neuem und fing noch einmal am Anfang an. Madam Sandrine hätte sie gnadenlos kritisiert für ihre Darbietung, diesmal strengte sich Kate mehr an. Nach einer Viertelstunde verharrte Kate in der Abschlussposition und war etwas zufriedener. Sie trainierte noch eine Weile zu anderen Liedern und hatte dann genug. Langsam packte sie zusammen und ging dann in Richtung ihrer Wohnung. Auch wenn sie dort alleine sein sollte, sie erschöpft und niedergeschlagen war. Vielleicht würde ihr die gewohnte Umgebung helfen.

Währenddessen wartete Severus immer noch auf Harry. Er hatte Unterricht vorbereitet, von dem er genau wusste, dass er ihn nicht mehr abhalten würde. Dann hatte er seine Schränke aufgeräumt, in Büchern noch einmal verschiedene Abwehr- und Angriffsflüche nachgeschlagen und am Ende war er reglos am Fenster stehen geblieben und hatte ihn die Nacht geschaut. Ihm war klar, dass Harry nicht kommen würde. Was auch immer im Zimmer des Schulleiters vorgefallen sein mochte, Harry würde seine Ängste niemals mit ihm teilen, dem verhassten Lehrer. Snape konnte es ihm nicht verdenken. Er selbst hatte keine Gelegenheit ausgelassen, den Jungen zu drangsalieren und zu demütigen. So viele verlorene Jahre, so viele verpasste Chancen. Er hatte das Gefühl, erst jetzt die Augen geöffnet zu haben, erst jetzt wieder zu leben. Das schlechte Gewissen regte sich wieder. Hätte er den Jungen nicht nur beschützt, sondern ihm wirklich beigestanden, dann wäre ihr Verhältnis wesentlich besser.
Er nahm eine Bewegung hinter sich wahr und wirbelte mit gezücktem Zauberstab herum. Doch es war nur ein Patronus.
Dumbledores Patronus, der Phönix. „Harry ist fortgelaufen, er ist sehr durcheinander. Helfen Sie bitte, ihn zu suchen.“
Nach diesen Worten löste sich der Patronus auf und Snape eilte mit langen Schritten zur Tür. Fieberhaft arbeitete sein Geist und versuchte, ein mögliches Ziel der Flucht zu ersinnen. Wo könnte Harry hingegangen sein? Zu seinen Freunden? Das konnte Snape sich nicht vorstellen! Auch das Schloss kam nicht in Frage. Sicher wollte er nicht gesehen werden, das Unfassbare erst einmal selbst begreifen.
Snape zog es zum Portal, Harry war bestimmt hinausgelaufen. Es war kalt und windig, um diese Uhrzeit würde dort noch nicht einmal Hagrid unterwegs sein. Als er zur Tür hinaustrat, erfasste ihn eine Windböe und der Umhang schlug ihm um die Beine. Es hatte passenderweise angefangen zu regnen. Er durchschritt den Innenhof, die Arkaden finster musternd. Nein, dort war er nicht.
Von einer plötzlichen Eingebung geführt, ging Snape weiter in Richtung See. So viele Dinge hatten sich an dessen Ufer ereignet. Dinge, die sein und Harrys Leben entscheiden beeinflusst und geprägt hatten. Vielleicht würde sich Harry dort seinen Eltern nahe fühlen. Der Wind heulte und der Regen peitschte Snape ins Gesicht. Innerhalb von wenigen Minuten war er bis auf die Haut durchnässt. Seine Haare klebten ihm im Gesicht und er wischte sie ungeduldig aus den Augen. Er war nun auf dem Hang, der zum See hinunterführte. Durch die Dunkelheit und den dichten Regen war die Sicht sehr eingeschränkt. Nun war Snape fast am See. Harry war nicht zu sehen. Es zog Snape nach rechts, zu der Weide, die am Ufer stand.
Dort hatte sich vor vielen Jahren die Szene abgespielt, die Harry im Denkarium gesehen hatte, in der denkwürdigen letzten Okklumentikstunde im fünften Schuljahr. Als Snape nur noch wenige Meter von der Weide entfernt war, nahm er eine Bewegung war. Unter den Ästen der Weide, an den Stamm gelehnt, stand Harry und sah auf das aufgepeitscht Wasser des Sees hinaus. Er hatte Snape noch nicht bemerkt. Der zögerte einen Moment, er hatte keine Ahnung, was er nun tun sollte. Doch dann straffte er die Schultern, jetzt war nicht die richtige Zeit für Feigheit. Langsam trat er näher und behielt dabei den Jungen im Auge, fast, als hätte er Angst, Harry würde davonlaufen, wenn er ihn erst entdeckte.
Erst als Snape kurz vor Harry war, hob dieser den Kopf und sah ihn an. Es dauerte eine Weile, bevor er den Kopf senkte. Es war dunkel und Severus konnte nur die Konturen des Jungen sehen. Sie standen eine Weile schweigend und sahen auf den See.
Dann, nach einer gefühlten Ewigkeit sagte Harry mit rauer Stimme: „Sie haben es gewusst?“ Es war weniger eine Frage als vielmehr eine Feststellung.
Snape sah zu Boden und antwortete: „Ja, seit vorletztem Jahr.“
Wieder schwiegen sie eine ganze Zeit lang. Dann sagte Snape, gerade laut genug, dass ihn Harry durch das Heulen des Windes hören konnte: „Hast Du Angst?“ Harry schüttelte zögernd den Kopf, und als ihm klar wurde, dass Snape es nicht gesehen haben konnte: „Nein, irgendwie habe ich es schon immer gewusst. Aber es so schonungslos zu hören, das ist dann doch etwas anderes.“
Der Wind nahm an Stärke zu und schien sich langsam zu einem ausgewachsenen Sturm auszuweiten. Die Äste der Weide peitschten um sie herum, aber so dicht am Stamm wurden sie nicht so häufig getroffen.
Snape blickte vom See auf Harry und dann fragte er: „Was hast Du nun vor?“ Harry zuckte mit den Schultern: „Ich habe keine Ahnung. Weitermachen. Es ignorieren, solange es geht. Tun, als ob nichts wäre!“
Snape lächelte leise, wie gut er das kannte! Dann fragte er: „Und Deine Freunde? Wirst Du es ihnen erzählen?“
Harry schüttelte vehement den Kopf: „Nein, das kann ich nicht. Sie wären entsetzt und ich könnte es nicht ertragen, wenn sie Mitleid hätten.“ Sein Kopf senkte sich und er bohrte mit der Schuhspitze zwischen den Wurzeln der Weide herum.
Fest sah Snape ihn an. Dann sagte er mit eindringlicher Stimme: „Aber Du musst es Ginny sagen. Sie hat ein Recht darauf. Und sie wird es mit Dir tragen.“ Harry sah Snape verwundert an. Snape spürte den Blick mehr, als er ihn sehen konnte. Mit einem schmerzlichen Lächeln blickte er den Jungen an: „Ich bin wahrlich kein Experte für Beziehungsfragen, aber eines haben mich die letzten Monate gelehrt: wenn man jemanden liebt, dann kann man alles teilen. Nicht nur das, man muss es auch. Das ist die Verantwortung, die man trägt, wenn man liebt und vor allem geliebt wird.“
Harry dachte einen Moment über das eben gehörte nach. Dann fragte er leise: „Und Ihre Überlebenschancen, wie sehen Sie die? Und wie kommt Ihre Frau damit klar?“
Snape schnaubte kurz: „Meine Überlebenschancen? Ich habe den Dunklen Lord über Jahre hintergangen! Was denken Sie, wie groß meine Chancen sind?“ Seine Stimme wurde zärtlich: „Kate weiß das, und sie kommt nicht gut damit klar. Sie hat es akzeptiert und sie wird mit Sicherheit Dummheiten machen, wenn sie die Gelegenheit dazu bekommt. Aber wir tragen es gemeinsam, das ist wichtig.“
Nach einer ganzen Weile nickte Harry: „Sie haben Recht, ich werde es Ginny erzählen.“
Wieder waren sie beide für eine lange Zeit in ihre Gedanken versunken. Dann setzte Snape leise an: „Wenn es soweit ist, wenn Sie…“, er musste sich räuspern, um weiter sprechen zu können. „Wenn Sie sich ihm stellen, dann werde ich Sie begleiten. Wir stehen das gemeinsam durch.“
Harrys Kopf flog bei diesen leisen Worten herum und er sah Snape fassungslos an. „Aber warum? Das ist Selbstmord! Und es wird nichts ändern!“
Jetzt schüttelte Snape den Kopf: „Da liegen Sie falsch. Man kann Dinge immer richtig oder falsch machen. Ich habe viel falsch gemacht in meinem Leben, aber diese eine Sache muss ich richtig machen. Ich werde Sie nicht alleine lassen. Das bin ich Ihnen und Ihrer Mutter schuldig. Sie würde niemals wollen, dass Sie das alleine durchstehen.“
Seine Stimme zitterte ein wenig, als Harry fragte: „Wird es sehr schmerzhaft werden?“ Er schämte sich, dass er diese Frage stellte, aber das bewegte ihn, seit Dumbledore das Unvorstellbare zu ihm gesagt hatte.
Snape schüttelte den Kopf: „Nein, es wird für Sie sehr schnell gehen. Der Dunkle Lord wird es schnell hinter sich bringen wollen, nach den ganzen Pannen.“
Harry sah ihn weiter an und sagte langsam: „Das gilt nicht für Sie, oder?“
Snapes Miene verschloss sich und er sah fast so unnahbar aus, wie er es sonst immer gewesen war. Harry dachte, er würde keine Antwort auf seine Frage bekommen, als Snape doch noch den Mund öffnete: „Nein. Das gilt nicht für mich!“
Bevor Harry nachdenken konnte, rutschte ihm die Frage heraus: „Haben Sie Angst?“
Snape zuckte zusammen und warf dem Jungen einen überraschten Blick zu. Seine Lippen bewegten sich kaum, als er kurz „Ja!“ sagte.
Harry war erschüttert über Snapes Ehrlichkeit. Und er fühlte sich mit einem Mal nicht mehr so alleine. Ein wenig Zuversicht machte sich in ihm breit. Er würde es irgendwie durchstehen, bis zum bitteren Ende. Und er würde versuchen, es mit ebenso viel Größe durchzustehen, wie der Mann neben ihm.
In diesem Moment sagte Snape mit seiner schlimmsten Lehrerstimme: „Wenn Sie das auch nur einer Person erzählen, dann können Sie sich auf Nachsitzen bis zu Ihrer Pensionierung einstellen, Potter!“ Und weil ihnen beiden klar war, wie unsinnig diese Drohung war, mussten sie beide lächeln.

Viel später öffnete Severus wieder einmal leise die Schlafzimmertür. Er hatte sich im Bad ausgezogen und geduscht, damit ihm wieder warm wurde. Er tastete sich vorsichtig in Richtung Bett und schlüpfte schnell unter die Decke. Dort war es warm und behaglich.
Kate rückte näher und zuckte kurz zusammen, als sie ihn berührte. „Du bist ganz kalt. Warst Du bei diesem Wetter draußen?“
Leise erzählte er ihr, was sich zugetragen hatte. Die Einzelheiten des Gespräches mit Harry ließ er weg. Sie verstand auch so, was ihm dieser Abend mit dem Jungen bedeutete. Lächelnd kuschelte sie sich an ihn, obwohl sein kalter Körper ihr eine Gänsehaut bescherte. Aber es dauerte nicht lange, da wurde ihnen beiden warm.

Danach lagen sie noch eine ganze Weile wach. Sie küssten sich von Zeit zu Zeit, sprachen aber nicht mehr. Kate schlief vor Severus ein und er lauschte ihren tiefen Atemzügen, sich der Tatsache gewiss, dass es das letzte Mal war.
Obwohl sich beide wünschten, dass der nächste Morgen nie kommen würde, dämmerte ein trüber, windiger Tag heran. Angstvoll schaute Kate in das dämmrige Grau und es überfiel sie die Gewissheit. Ihr stockte kurz der Atem und ihre Augen wanderten weit aufgerissen zu seinen.
Sein ruhiger Blick gab ihr die Kraft und sie flüsterte: „Es wird heute passieren, nicht wahr?“ Er sah sie nur an und sie las die Wahrheit in den Tiefen seiner schwarzen Augen. Verzweifelt suchten ihre Lippen die seinen und sie küssten sich, wohl wissend, dass es das letzte Mal war, das sie miteinander alleine sein würden.
Doch sie konnten den Moment nicht ewig dauern lassen, und so standen sie auf. Sie machten sich fertig, zogen sich an und Kate wollte die Wohnung in Richtung Ausgang verlassen, als Severus sie zurückhielt.
Er zog sie zu seinem großen Schreibtisch und sagte: „Warte kurz, es gibt da etwas, dass ich Dir noch geben möchte.“
Verwundert sah sie ihn an und stand neben dem Schreibtisch, während er die oberste Schublade öffnete, und eine Kette mit einem kleinen tropfenförmigen Anhänger herauszog. Der Anhänger hatte eine intensive grüne Farbe und schien von innen leicht zu leuchten. Severus legte den Anhänger auf seine geöffnete Hand, die Kette baumelte herunter.
Kate sah ihn fragend an und er sagte leise: „Diese Kette wirst Du ab heute jeden Tag und jede Stunde tragen. Trage sie unter Deiner Kleidung, damit sie niemand sieht.“
Prüfend sah Kate ihn an: „Das ist nicht nur ein Anhänger, oder?“
Er schüttelte den Kopf: „In diesem Glasanhänger ist ein hochwirksames Gift. Das Glas ist nur hauchdünn, Du musst sehr vorsichtig sein, damit es nicht zerbricht.“ Er sah ihr jetzt tief in die Augen und legte ihr vorsichtig die Kette um. Dann steckte er den Anhänger behutsam in ihren Ausschnitt.
Wieder sah er sie intensiv an. „Hör mir bitte gut zu.“
Sein Blick wurde sehr ernst und sie schluckte. „Wenn das Schlimmste eintreten sollte, und jede Hoffnung zerstört ist, wenn klar ist, dass Dich der Dunkle Lord in der Hand hat und es keine Entkommen mehr gibt, dann nimm bitte diesen Anhänger und beiße kurz auf ihn. Das Gift wird Dich innerhalb von Sekunden töten!“ Sein Blick wurde schmerzerfüllt. „Bitte versprich mir das! Ich weiß, zu welchen grauenvollen Taten der Dunkle Lord und seine Gefolgschaft fähig sind. Das kannst Du Dir nicht einmal in deinen schlimmsten Träumen vorstellen. Dich dem ausgesetzt zu wissen, lenkt mich mehr ab, als ich es mir leisten kann. Also versprich mir, dass Du dieses Gift nutzen wirst, wenn Du abschätzen kannst, dass alles hoffnungslos ist!“ Kate sah ihn fassungslos an und erst auf sein verzweifeltes: „Bitte, Kate!“ nickte sie langsam. Er zog sie langsam und vorsichtig an sich.
Dann sah sie zu ihm auf und flüsterte: „Kannst Du mir nicht das gleiche versprechen? Kannst Du nicht auch eine solche Kapsel bei Dir haben?“
Wie gut er sie inzwischen kannte. Er gab sie frei und seine Finger drehten den letzten Knopf seines Umhanges um. Kate konnte eine kleine Glaskapsel sehen, die innen im hohlen Knopf versteckte war. Sie nickte beklommen und er zog sie wieder in seine Arme.
Seine Miene verzog sich kurz, denn ihm war durchaus bewusst, dass die Todesser im keine Möglichkeit dazu geben würden, rechtzeitig an die Kapsel zu kommen. Aber das würde er Kate niemals sagen. Mit einem letzten sanften Kuss trennten sie sich und begaben sich zu einem letzten Frühstück in die Große Halle.
Kate straffte noch im Gehen die Schultern und schwor sich, die Haltung zu bewahren. Das war sie dem mutigen Mann neben sich schuldig. Wenn er seinem schweren Schicksal ohne eine erkennbare Gefühlsregung entgegen gehen konnte, dann wollte sie seinem Beispiel folgen, und es ihm damit leichter machen. Wie es in ihnen aussah, dass stand auf einem anderen Blatt.
Severus bemerkte ihre veränderte Körperhaltung und lächelte leise. Wie mutig seine Frau plötzlich wirkte. Doch er wusste es besser. Das tat sie nur für ihn und er liebte sie dafür umso mehr. Wäre sie verzagt gewesen und ängstlich, er hätte nicht gewusst, wie er damit hätte umgehen sollen, denn tief in seinem Inneren war er genauso verzweifelt wie sie. Es war so ungerecht. Sie hatten sich doch gerade erst gefunden. Aber er verbot sich diese Gedanken und seiner Miene war unbewegt wie immer.


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