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Fanfiction

Eine zweite Chance - Nach dem Sturm

von Kate Flemming

Liebe Reviewer und Leser. Irgendwie war es mir immer klar, dass die Handlungen der Bücher 6 und 7 parallel zu meiner Geschichte laufen. Also erleben Neville und die Leute der DA ähnliches, wie im Buch. Auch die Szene im Verbotenen Wald läuft genau wie im Buch 7, nur das diesmal unser Tränkemeister Harry begleitet und ihm beisteht. Natürlich überwältigen ihn die Todesser und foltern ihn, wie er es vorher gewusst hat. Schade, wenn ich das nicht so rübergebracht habe.
Jetzt das neue Kapitel, es folgen nur noch 3 weitere, bis die Geschichte zu Ende ist. Habt Hoffnung!

*****************************************


Es dauerte dann doch noch eine Stunde, bis die Heiler aus St. Mungos in Hogwarts auftauchten. Die Meldungen aus Hogwarts waren so widersprüchlich, dass sie dem Frieden nicht getraut hatten. Erst als der äußerst entzürnte Schulleiter seinen Patronus geschickte hatte, machten sie sich auf den Weg. Inzwischen war es später Vormittag.
Minerva geleitete den in einem grünen Umhang gekleideten Zauberer und die Hexe mit den kurzen grauen Haaren sofort in den Nebenraum, als sie ankamen. Besorgt eilte ihnen Madam Pomfrey entgegen, um mit ihnen zu sprechen, bevor Kate sie hören konnte. Beide nickten ernst, als sie Poppys Erklärungen hörten. Dann traten sie an den Tisch und schauten auf den verletzten Körper, der vor ihnen lag. Sie baten Kate, zur Seite zu gehen.
Dann sagte der Heiler: „Das ist hier nicht der richtige Ort für eine genaue Untersuchung. Dieser Raum ist zu zugig und zu kalt. Was ist mit dem Krankenflügel?“
Madam Pomfrey schüttelten den Kopf: „Große Teile sind zerstört, außerdem liegen überall Trümmer herum. Die Hauselfen räumen schon auf, aber es ist überall viel zu tun.“
Die Hexe sah besorgt auf den verletzten Snape. „Er benötigt Ruhe und sollte jetzt nicht mehr so viel bewegt werden. Außerdem wäre es gut, herauszufinden, welche Flüche ihn getroffen haben. Kann man das ermitteln?“
Poppy sah Minerva an, die gerade gekommen war und die letzten Worte gehört hatte: „Das sollte möglich sein. Ich werde Harry und Hagrid befragen, sie haben am ehesten etwas mitbekommen.“
Wieder eilte Minerva fort. Sie sah müde und erschöpft aus. Es waren sehr anstrengende Tage gewesen. Doch nun trug Minerva die Verantwortung für alles. Dumbledore musste sich noch schonen und im Bett bleiben. Sein Büro war nicht zerstört worden und so hatte er sein Schlafzimmer wieder bezogen.
Während Minerva nach Harry und Hagrid suchte, untersuchten die beiden Heiler Snape so gründlich, wie sie es bei den schlechten Bedingungen konnten. Sie wirkten sehr kompetent und ernst. Manchmal murmelten sie Beschwörungen und berieten sich kurz, bevor sie weiter untersuchten. Kate verstand die Dinge nicht, über die sie sprachen. Severus hatte sich immer noch nicht geregt, geschweige denn war er aufgewacht. Er zuckte noch nicht einmal, als der Heiler seinen gebrochenen Armknochen richtete.
Dann sahen sie sich an und erklärten Madam Pomfrey: „Er muss so schnell wie möglich verlegt werden. Den Transport nach St. Mungos würde er nicht überleben, aber er muss dringend Ruhe und Wärme bekommen. Gibt es im Schloss noch intakte Räume?“
Poppy sah etwas ratlos aus. Kate erwachte aus ihrer Erstarrung und stand auf. „Wie sieht es mit unserer Wohnung aus? Wenn sie nicht zerstört wurde, dann hätte er es dort ruhig. Außerdem hilft ihm die gewohnte Umgebung vielleicht.“
Die beiden Heiler sahen sie zweifelnd an. „Davon bekommt er im Moment nichts mit. Aber jeder Raum ist besser, als das hier“, sagte die Hexe und schaute auf den staubigen Raum, dessen Außenwand ein riesiges Loch aufwies.
Kate nickte und sagte: „Ich sehe nach, wie es dort aussieht, das dauert nicht lange!“ Dann eilte sie mit einem besorgten Blick auf Severus hinaus.
Poppy sah die beiden Heiler an: „Seine Frau. Schonen Sie sie bitte, die Wahrheit wäre heute für sie ein bisschen viel. Sie hatte eine harte Nacht, sie musste dem Dunklen Lord gegenübertreten, um ihren Mann zu retten.“

Kate hastete durch die Große Halle, in der immer noch viele Familien, Hexen und Zauberer saßen. Die Schüler der Ravenclaws waren in ihre Schlafräume geschickt worden, die nicht in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Auch ein Teil des Gryffindor-Turmes war bewohnbar, nur der Gemeinschaftsraum war teilweise zerstört. Außerdem konnte man ihn im Moment nicht verschließen. Aber das war egal. Die Huffelpuffs hatten sich erst einmal in den Raum der Wünsche zurückgezogen. In ihren Schlafräumen war gekämpft worden und es würde noch eine Weile dauern, bis sie sie wieder beziehen konnten.
In der Großen Halle wurde aufgeräumt, damit man bald ein Mittagessen zu sich nehmen konnte. Die Menschen waren erschöpft, trotzdem arbeiteten sie verbissen weiter. So schnell wie möglich sollte es wieder einen geregelten Ablauf für alle geben. Einige Familien hatten Hogwarts schon verlassen, sie waren auf dem Weg nach Hause und hofften, dass sie dort keine bösen Überraschungen erwarteten.
Neville sah Kate vorbeilaufen und sprang auf. Dann eilte er hinter ihr her. „Miss Flemming“, rief er, ohne zu beachten, was er gerade gesagt hatte. Sie verlangsamte ihren Schritt, „kann ich Ihnen helfen?“
Neville hatte Schrammen und Beulen im Gesicht, sein Arm war verbunden und an einer Seite des Kopfes fehlten ihm Haare. Doch sonst strahlte er ein Selbstbewusstsein aus, das neu an ihm war.
„Ich muss schauen, wie unsere Wohnung aussieht.“ Mit diesen Worten eilte sie auch schon weiter.
Neville folgte ihr: „Warten Sie, ich begleite Sie. Laufen Sie langsamer, ein Teil der Treppen wurde fortgesprengt und das Geländer fehlt teilweise.“
Vorsichtig tasteten sie sich über die Trümmer die Treppen in die Kerker hinunter. Je weiter sie hinunter kamen, desto weniger Trümmer waren zu sehen. Als Kate in den Korridor bog, von dem der Gang zu ihrer Wohnung abzweigte, konnte man kaum noch erkennen, dass hier gekämpft worden war. Kate erreichte die Tür, sie sah unversehrt aus. Rasch legte sie ihre Hand unter den Türklopfer und schon öffnete sich die Tür. Sie wollte gerade eintreten, als Neville sie entschlossen zurückhielt.
Sie sah ihn erstaunt an und er sagte leise: „Ich werde erst nachsehen, ob die Wohnung sicher ist. Wir haben schon an einigen Orten Anhänger des Dunklen Lords gefunden, die sich versteckt hielten.“
Er hob seinen Zauberstab und ging entschlossen durch die Tür. Kate blieb ihm dicht auf den Fersen. Neville stand in dem kleinen Flur, von dem zwei weitere Türen abgingen. Fragend sah er sie an und sie wies auf die linke Tür. Severus verschloss sein Arbeitszimmer stets gut, es wäre für einen Eindringling fast unmöglich, dort hineinzukommen. Also öffnete der junge Mann die Tür mit einem Schlag und sprang in den Raum.
Er hatte sich geduckt und sah sich aufmerksam um. Kate spähte in das Zimmer. Es schien unberührt. Dann öffnete Neville die Tür zum Flur, durchsuchte das Bad und die Küche. Nichts. Es folgte das Schlafzimmer, auch dort war niemand. Als nächstes war das Wohnzimmer dran. Auch hier weder Zerstörung, noch Eindringlinge. Dann war der zweite Teil der Wohnung dran. Nach einer Viertelstunde war klar, dass die Wohnung in den letzten Tagen nur noch von Severus und Draco betreten worden war. Kate war erleichtert. Sie konnten Severus hierher bringen, hier konnte sie für ihn sorgen.
Schon waren sie wieder auf dem Weg nach oben. Während Kate durch die Große Halle in den Nebenraum hastete, suchte sich Neville einige Helfer, mit denen er die größten Hindernisse forträumen wollte, damit sie den Professor sicher in die Wohnung bringen konnten.
Kate erreichte etwas atemlos den Nebenraum. Dort stieß sie auf die beiden Heiler, Madam Pomfrey und Harry, der gerade von Minerva und den anderen befragt wurde. Sie ging zu Severus und strich ihm sachte über die Wangen. Keiner hatte auf sie geachtet. Es war ihr klar, wie wichtig die Befragung war, deshalb störte sie nicht.
Hagrid kam herein und wurde ebenfalls nach den Ereignissen im Verbotenen Wald befragt. Er und Harry ergänzten ihre Beobachtungen immer wieder. So entstand bald ein relativ genaues Bild von dem, was die Todesser und Voldemort persönlich mit Severus Snape angestellt hatten. Madam Pomfrey und Minerva stießen immer wieder kleine Schreckenslaute aus, als ihnen allen klar wurde, was Snape hatte erleiden müssen. Hagrid hatte nicht eingreifen können, da er gefesselt worden war. Und Harry war eine Weile ohne Bewusstsein gewesen. Danach hatte er seine Tarnung nicht aufgeben können, denn schließlich hatte er Voldemort endgültig besiegen wollen.
Kate hatte entsetzt zugehört. Alles hatte sie nicht verstanden, aber nach der langen Zeit in Hogwarts sagten ihr die meisten Flüche etwas. Es begann in ihren Ohren zu rauschen. Sie konnte kaum glauben, was sie da hörte. Was hatten sie ihm angetan! Die Tränen liefen ihr längst über die Wangen. Hagrid schilderte gerade sehr eindrucksvoll eine besonders grausame Folter, da wurde ihr schwarz vor Augen und sie bekam keine Luft mehr. Ihr Herz pochte so hart gegen ihren Brustkorb, als wollte es zerspringen. Dann wurde es dunkel um sie herum und sie sank in sich zusammen.
Draco war gerade zur Tür hereingekommen und sah, wie sie langsam zusammensank. Er sprang zu ihr und konnte sie gerade noch auffangen, bevor sie den Boden berührte.
Erst in diesem Moment bemerkten die anderen Kates Anwesenheit. Minerva und Poppy wurden leichenblass und Hagrid schlug die Hand vor den Mund. Harry und die Heilerin waren herbeigeeilt. Auf einen Wink der Heilerin trug Draco den zierlichen Körper zu einem der Tische und legte ihn behutsam ab. Sie waren alle entsetzt darüber, dass sie Kate nicht bemerkt hatten und sie so alles mit angehört hatte.
Draco war sehr aufgebracht: „Das war nicht nötig, sie hat heute wirklich genug durchgemacht!“
Doch der Heiler sagte nachdenklich: „Vielleicht war das gar nicht so schlecht. Nun weiß sie wenigstens, wie es um ihn steht. Es wäre ein Wunder, wenn er überlebt. Wie hätten wir ihr das sagen sollen?“
Minerva sah ihn entsetzt an und meinte kalt: „Man hätte das durchaus schonender sagen können. Ich denke, es war nicht nötig, dass sie jede Einzelheit mitbekommen hat. Versetzen Sie sich mal in ihre Lage!“ Der Heiler sah nach dieser Strafpredigt betreten zu Boden.
Poppy verabreichte Kate einige Tropfen zur Stärkung, trotzdem dauerte es eine Weile, bis sie die Augen öffnete. Mit einem Stöhnen schloss sie sie sofort wieder, als ihr klar wurde, dass sie nicht geträumt hatte. Langsam bekamen ihre Wangen wieder etwas Farbe und sie schlug endgültig die Augen auf. Minerva half ihr auf und Poppy gab ihr einen weiteren Trank.
Neville stand bei den beiden Heilern und hatte ihnen wohl von dem Zustand der Wohnung berichtet. Sie nickten und schon schwebte der Schwerverletzte zwischen ihnen zur Tür hinaus. Neville ging voran.
Kate wollte aufstehen, aber Poppy und Minerva hielten sie zurück: „Sie müssen sich einen Moment ausruhen. Später können Sie dann zu Ihrem Mann gehen. Jetzt können Sie sowieso nicht helfen.“
Doch die junge Frau schüttelte entschlossen den Kopf: „Ich werde ihn auf keinen Fall alleine lassen. Außerdem kann ich mich in unserer Wohnung am ehesten ausruhen!“ Es war klar, dass sie sich nicht zurückhalten lassen würde.
Also seufzte Poppy und nickte kurz: „Also gut, ich werde Sie begleiten. Aber Sie werden sich sofort hinlegen und ein wenig schlafen. Und ich werde mich auf keine Diskussionen einlassen.“
Kate nickte matt und versuchte aufzustehen. Ihre Beine waren noch ein wenig schwach. Draco musterte sie besorgt und bot ihr seinen Arm an. Sie ergriff ihn mit einem schmalen Lächeln. Dann folgten sie den Heilern und Severus zu den Kerkern.

Als Kate erwachte, war es dunkel. Sie hatte jedes Zeitgefühl verloren und sah sich orientierungslos um. Dann erkannte sie ihr altes Schlafzimmer. Ihr Kopf fühlte sich sehr benommen an und sie hatte Schwierigkeiten, sich wieder an alles zu erinnern. Doch nach und nach kam ihr Gedächtnis zurück. Die Schlacht um Hogwarts. Voldemort. Und Severus! Er war schwer verletzt!
Bei diesem Gedanken schreckte sie hoch. Sie musste zu ihm. Nur sehr vage konnte sie sich daran erinnern, dass sie in die Wohnung zurückgekehrt war. Die Heiler hatten Severus untersucht und behandelt. Doch das dauerte lange. In dieser Zeit hatte Poppy sie dazu überredet, sich einen Moment hinzulegen und dann hatte sie ihr etwas gegeben. Einen Stärkungstrunk oder so. Es wurde Kate klar, dass es wohl eher ein starkes Schlafmittel gewesen sein musste. Dann ab diesem Moment hatte sie nichts mehr mitbekommen.
Auch jetzt wich die Benommenheit nur langsam. Vorsichtig stand sie auf. Das Schwindelgefühl ließ nicht so schnell nach. Kate musste sich an den Bettpfosten festhalten, damit sie nicht fiel. Jemand hatte ihr die Schuhe ausgezogen. Allerdings trug sie immer noch die schmutzige Kleidung, die sie die ganze Zeit getragen hatte. Langsam hörte das Zimmer auf, sich zu drehen. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihr, dass es sechs Uhr morgens sein musste. Sie versuchte ein paar vorsichtige Schritte und wurde dann mutiger.
Leise öffnete sie die Tür und ging durch den Flur in das Wohnzimmer. Auf dem Sofa lag Madam Pomfrey und schlief. Sachte durchquerte Kate das Wohnzimmer und trat durch den Flur in das Schlafzimmer. Der Heiler war im Sessel eingeschlafen und die Hexe stand am Fenster und schaute in die noch kaum wahrnehmbare Dämmerung hinaus.
Kate schlich zum Bett und sah auf Severus hinunter. Sie hatten ihn ausgezogen und anscheinend gewaschen. Er war zugedeckt und war immer noch ohne Bewusstsein. Sein Atem war flach und hastig. Seine Arme waren mit Blutergüssen und Schnitten übersäht. Die Wunde auf seiner Brust war noch immer nicht ganz geschlossen und Blut sickerte leicht auf eine Kompresse. Kates Herz zog sich bei seinem Anblick schmerzhaft zusammen. Wieder kamen ihr die Worte von Hagrid und Harry ins Bewusstsein. Wie konnte er das nur verkraften, was sie ihm angetan hatten? Wie hatte er es überlebt?
Vorsichtig strich sie ihm über die Stirn und legte dann die Hand auf seine Wange. Mit den Fingerspitzen der anderen Hand fuhr sie ihm sanft durch die Haare.
Die Heilerin bemerkte sie und trat ans Bett. Ihr war der fragende Blick nicht entgangen und sie sah Kate ernst an.
Leise sagte sie: „Wir haben getan, was wir konnten. Den Rest muss er jetzt alleine schaffen“. Ihr Blick schweifte über den Mann im Bett. „Allerdings will ich Ihnen keine großen Hoffnungen machen. Es ist ein Wunder, dass er noch lebt. Wir werden ihm weiterhin verschiedene Zaubertränke verabreichen, damit sich die Wunden schließen und auch welche zur Stärkung. Allerdings sind Fluchwunden immer ein Problem. Wir haben eine recht genaue Vorstellung, welche Flüche er abbekommen hat. Aber deren Wechselwirkung ist schwer einzuschätzen.“ Sie sah Kate mitleidig an: „Sie sollten mit dem Schlimmsten rechnen.“
Kate wurde wieder bleich. Dann schüttelte sie entschlossen den Kopf. Sie sagte so leise, dass die Hexe sie kaum verstand: „Nein, er wird nicht aufgeben, und ich auch nicht. Sein Leben war bisher alles andere als glücklich. Es wäre einfach nicht fair, wenn er jetzt gehen müsste, wo sich endlich alles zum Besseren wendet. Das wär einfach nicht fair.“
Die Heilerin erwiderte nichts. Wie oft hatte sie schon so an Krankenbetten stehen müssen. Doch sie hatte auch die Erfahrung gemacht, dass jenseits der Heilkunst immer noch ein großer Bereich für Wunder war. Sollte dieser Mann die Frau so lieben, wie sie ihn, dann… Man konnte nie wissen.
Die erste Woche nach der Schlacht um Hogwarts blieb allen nur durch einen Nebel von Müdigkeit im Gedächtnis. Dumbledore und Minerva waren sich mit den Lehrern und Eltern einig: der Schulbetrieb sollte so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden. Mit vereinten Kräften beseitigten sie die Schäden am Schloss. Es war eine kräftezehrende Arbeit und immer wieder entdeckten sie neue Schäden. Doch alle halfen mit: Lehrer, Schüler, Eltern und diejenigen Flüchtlinge, die noch nicht wieder nach Hause gegangen waren.
Denn auch außerhalb des Schlosses wurde aufgeräumt. Kingsley Shacklebolt war zum Zaubereiminister ernannt worden und er und sein Team räumten ebenfalls auf. Überall im Land erwachten Hexen und Zauberer, die unter dem Imperium-Fluch gestanden hatten. Oder es behaupteten. Täglich wurden Todesser verhaftet und bis zu ihrem Prozess ins Gefängnis gebracht. Dann stellte Shacklebolt das Ministerium auf den Kopf, entließ korrupte und unfähige Mitarbeiter.
Mr Weasley, Bill und Percy gingen wieder regelmäßig zur Arbeit und Molly Weasley blieb vorerst in Hogwarts, um sich um Fred zu kümmern. Er hatte die schweren Verletzungen nicht so leicht weggesteckt, war aber auf dem Weg der Besserung. Georg wich ihm natürlich nicht von der Seite. Der Rest der Familie half beim Wiederaufbau von Hogwarts.
Von alldem bekam Kate in dieser ersten Woche nicht viel mit. Die Heiler waren abgereist, Dumbledore benötigte sie nicht mehr und auch alle anderen Verletzten waren entweder nach St. Mungo gebracht worden oder Madam Pomfrey konnte sich um sie kümmern. Bei Severus war es etwas anderes. Die Heiler hatten nicht mehr für ihn tun können. Kate lernte, ihm die verschiedenen Zaubertränke zu verabreichen und seine Wunden zu behandeln. Poppy schaute mehrmals am Tag vorbei. Doch ihre Miene wurde von Mal zu Mal ernster. Doch Kate kümmerte das nicht. Sie tat, was sie tun musste und verbrachte jede freie Minute bei Severus. Sie sprach mit dem immer noch Bewusstlosen und las im häufig aus seinen Lieblingsbüchern vor. In der Nacht kuschelte sie sich an ihn und wusste, dass er ihre Anwesenheit spüren würde.
Von Zeit zu Zeit schaute Minerva vorbei. Sie sah immer noch erschöpft aus und gönnte sich kaum Ruhe. Der Wiederaufbau von Hogwarts kostete sie sichtlich Kraft, auch wenn alle mit anpackten. Die Hauptlast lag auf ihren Schultern. Dumbledore konnte zwar mitplanen, sollte sich aber noch sehr schonen. Und seine Kräfte verließen ihn schnell, wie er schon bemerkt hatte.
Eine Woche nach der Schlacht klopfte es wieder einmal an der Tür und Kate öffnete. „Oh, hallo Minverva, komm herein.“ Die alte Hexe trat ein und ließ sich müde auf den ihr angebotenen Sessel sinken. Dankbar nahm sie eine Tasse Tee entgegen. Dabei musterte sie die junge Frau vor ihr scharf. Kate war bleich und hatte dunkle Ringe unter den Augen. Offensichtlich schlief sie zu wenig, wie sie alle. Aus ihren Augen sprach Kummer. Wie Minerva von Poppy wusste, hatte sich Severus Zustand nicht geändert. Zwar hatten die meisten Wunden sich inzwischen geschlossen, aber trotzdem war sein Zustand sehr ernst. Und sie wussten, dass Kate diese Tatsache überspielte. Es war nicht gut für die junge Frau, sich in der Wohnung zu vergraben. Sie musste auf andere Gedanken kommen und sich wieder dem Leben zuwenden.
Deshalb war Minerva an diesem Abend gekommen. Sie erzählte Kate von den Aufräumarbeiten und davon, dass sie alle hofften, den Schulbetrieb in den nächsten Tagen, zumindest eingeschränkt, wieder anlaufen lassen zu können.
„Ich habe mit Winky gesprochen, Kate. Sie würde stundenweise auf Severus aufpassen, damit Du Deinen Unterricht wieder übernehmen kannst. Charity geht es zwar schon besser, aber unterrichten kann sie vorerst nicht.“
Professor Burbage war von einem fallenden Deckenteil getroffen worden, als ein Teil des Treppenhauses eingefallen war. Sie lag auf der Krankenstation und es würde noch eine Weile dauern, bis sie wieder einsatzfähig war.
„Minerva“, sagte Kate zögernd, „ich möchte Severus nicht gerne alleine lassen. Er braucht mich jetzt!“
Doch Minerva schüttelte entschieden den Kopf. „Du weißt, wie wichtig Hogwarts für Severus ist. Er würde seine Pflicht auch übernehmen, wenn er könnte. Winky kümmert sich bestimmt hervorragend um ihn, es wären jeden Tag ja auch nur ein paar Stunden. Der Stundenplan wird nicht im vollen Umfang wieder aufgenommen. Die höheren Klassen helfen beim Unterricht der Erst- und Zweitklässler mit, bis alle Lehrer wieder voll einsatzfähig sind. Du bist Lehrerin Kate, das ist nicht nur ein Beruf, das ist auch eine Verpflichtung.“
Ihr Ton wurde strenger und in diesem Moment war klar, dass sie als stellvertretende Schulleiterin sprach, und nicht als Freundin: „Ich wünsche, dass Du morgen zum Frühstück in der Großen Halle erscheinst und danach wirst Du Dich mit der ersten und zweiten Klasse beschäftigen. Die Schüler sind noch zu klein und unerfahren, uns bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Sie müssen beschäftigt werden. Du kannst Muggelkunde unterrichten, oder Sport. Mein Klassenraum ist fertig, dort könnt Ihr Euch bewegen. Bis zum Mittagessen wirst Du helfen, danach kannst Du Dich wieder um Severus kümmern. Winky wird aufpassen und zwischendurch schaut Poppy nach ihm.“
Kate nickte widerstrebend. Es gefiel ihr nicht, Severus auch nur für ein paar Stunden zu verlassen, aber Minerva hatte Recht: er wäre nicht begeistert, wenn sie nicht ihren Teil zum Schulbetrieb beisteuern würde.
Im Laufe des Abends suchte sie ihre Unterlagen zusammen und bereitete an Severus Bett den Unterricht vor. Muggelkunde in Theorie und Praxis, Sport und ein paar Spiele. Das sollte den Schülern genügend Abwechslung bieten. Als sie sich an diesem Abend vorsichtig an Severus kuschelte, war sie etwas zuversichtlicher.
Der nächste Tag begann für Kate sehr früh. Sie wollte Severus noch versorgen, bevor sie in die Halle zum Frühstück ging. Behutsam wusch sie ihn und gab ihm dann seine verschiedenen Tränke. Da er immer noch nichts essen konnte, musste sie ihm die Tränke mit der Nährlösung einflößen. Die Idee der intravenösen Ernährung der Muggel hatte Poppy schlichtweg abgelehnt. Doch wenn Severus nicht bald etwas zu sich nehmen würde, dann würde er noch schwächer werden. Kate seufzte sorgenvoll. Als sie mit allem fertig war, zog sie sich sorgfältig an. Den Umhang ließ sie weg. Jeder wusste inzwischen, dass sie ein Muggel war, also konnte sie darauf verzichten.
Sie war gerade fertig, als mit einem lauten „Plopp“ Winky erschien. Sie gab ihr genaue Anweisungen und nahm ihr das Versprechen ab, Kate sofort zu informieren, wenn sich am Zustand des Kranken etwas verändern würde.

Dann machte sich Kate auf den Weg zur Großen Halle. Sie hatte die Wohnung seit der Schlacht nicht mehr verlassen. Mit Staunen sah sie, was die anderen in der Zeit geleistet hatten. In den Zugängen zu den Kerkern sah alles aus wie immer und auch im Treppenhaus war von den Schäden kaum noch etwas zu sehen. Langsam schämte sich Kate, dass sie bisher keinen Beitrag geleistet hatte. Je höher sie kam, desto mehr konnte sie sich vorstellen, wie viel Arbeit alle geleistet hatten. Als sie in den Eingangsbereich kam, hingen die Portaltüren wieder ordentlich in ihren Angeln und hielten das schlechte Wetter ab. An den Wänden fehlten einige der Gemälde, die während der Kämpfe beschädigt worden waren. Auch an den Mauern waren einige abgesplitterte Steine zu sehen.
Aus der Halle summten ihr Stimmen und Gelächter entgegen, fast so, wie früher. An der Schwelle blieb Kate stehen und sah sich um. Die Haustische standen wieder an ihren Plätzen und fast alle Tische waren voll besetzt. Nur der Tisch der Slytherins war bis auf ein paar Schüler verwaist. Kate konnte Draco sehen, der mit einer Handvoll Slytherins dort saß. Der Flüchtlingstisch war verschwunden und mit ihm auch die vielen Flüchtlinge mit ihren Kindern. Am Lehrertisch konnte Kate die meisten Lehrer erkennen. Dumbledore fehlte, ebenso Charity. Auch Hagrid war nicht zu sehen und Professor Sprout. Kate konnte sich nicht erinnern, ob sie verletzt worden war. Sie lief durch die Haustische nach vorne. Minerva entdeckte sie und lächelte ihr erfreut zu. Sie setzte sich auf ihren Platz und begrüßte die Professoren Vektor und Sinistra. Dann fragte sie Septima, was mit Pompona war. „Ihr geht es gut. Sie hat eine Verletzung am Fuß und kann nicht so gut laufen. Also bleibt sie lieber bei ihren Gewächshäusern. Zwei von ihnen sind komplett zerstört worden und sie versucht mit Neville und anderen Schülern, die Pflanzen zu retten. Wir bekommen sie kaum zu Gesicht.“
Während des Frühstücks erfuhr Kate, was sich in der letzten Woche in Hogwarts und im ganzen Land ereignet hatte. Minerva hatte die erste und zweite Klasse informiert, dass für sie heute der Unterricht wieder beginnen würde und so waren die Schüler schnell zu ihren Häusern gelaufen, um ihre Schulsachen zu holen. Einige der älteren Schüler sollten Kate helfen. Nach dem Frühstück begab sich Kate in den zweiten Stock. Dort war das Klassenzimmer für Muggelkunde. Kate betrat den Klassenraum und sah sich um. Auch hier waren die Helfer schon fleißig gewesen. Das Unterrichtmaterial und die Anschauungsobjekte waren in die Regale geräumt und die Tische standen ordentlich in der gewohnten Anordnung. Nach Kate kamen Hermine, Hannah Abbot und Dean Thomas herein. Sie besprachen sich kurz mit Kate und planten den Unterricht während die Schüler ihre Sachen herausholten.
Einige Minuten später klopfte es leise und die Tür öffnete sich erneut. Draco Malfoy stand in der Tür und sein Blick fiel auf die anderen älteren Schüler. Sein Gesicht war verschlossen, als er knapp sagte: „Ich soll hier helfen!“
Kate ging auf ihn zu. Sie hatten seit der Schlacht nicht mehr miteinander gesprochen, doch Minerva hatte Kate erzählt, dass alle in Hogwarts wussten, was er in der Schlacht im Verborgenen geleistet hatte. Doch Kate hatte das Gefühl, dass sie seit der Schlacht etwas mit dem jungen Mann verband.
Sie ergriff seine Hand und sagte lächelnd: „Ich freue mich, dass Sie hier sind.“
Er lächelte sein kühles Lächeln zurück, aber sie konnte in seinen Augen ein für ihn ungewohnte Wärme sehen. Dann straffte sie die Schultern und der Unterricht begann.
Später am Vormittag wechselten sie in den Klassenraum für Verwandlung, der viel größer war. Die Tische waren zur Seite geräumt und so konnten sie Sport und Spiele machen. Und schon war der Vormittag herum und sie waren auf dem Weg in die Große Halle zum Mittagessen. Kate aß ein wenig mehr, als in den letzten Tagen, die Bewegung hatte ihr gut getan. Trotzdem war sie froh, als das Essen endlich vorbei war und sie in ihre Wohnung eilen durfte. Dort war alles unverändert.
Winky berichtete: „Der Professor Severus Snape hat sich nicht bewegt. Er ist nicht aufgewacht. Winky hat ihn nicht aus den Augen gelassen. Sie hat ihm pünktlich den Zaubertrank gegeben. Madam Pomfrey war zwei Mal da und hat nach dem Professor und Winky gesehen.“
Dann entließ Kate die Hauselfe und kümmerte sich wieder um ihren Mann. Sie erzählte ihm, wie es im Schloss aussah und was sie so gehört hatte.

So ähnlich liefen die nächsten Tage auch ab. Am Vormittag unterrichtete Kate, den Rest des Tages kümmerte sie sich um Severus. Nach und nach übernahmen immer mehr Lehrer wieder ihren Unterricht. Der Unterricht für Verteidigung gegen die Dunklen Künste wurde teilweise von Harry, Hermine, Ron und Neville übernommen. Die höheren Klassen unterrichteten Minerva und der wieder einigermaßen genesene Lupin. Die fünfte und siebte Klasse wurden wieder gezielter auf die anstehenden Prüfungen vorbereitete. Sie konnten es sich nicht leisten, noch mehr Zeit zu verlieren. Die schwächeren Schüler würden das Schuljahr wiederholen müssen, alle anderen arbeiteten umso härter.

Dann verschlechterte sich Severus Zustand. Sein Körper war nun schon seit zu langer Zeit ohne Nahrung und seine Reserven schwanden zusehends. Kate setzte gegen viele Proteste durch, dass ein Muggelarzt, der mit einer Hexe verheiratete war, Severus auch noch einmal untersuchte und ihm dann endlich Nahrung intravenös zugeführt wurde. Madam Pomfrey beäugte die Prozedur misstrauisch. Doch Dumbledore hatte ein Machtwort gesprochen und so traute sich niemand, offen zu protestieren. Wenigstens stabilisierte sich der Zustand des Kranken etwas. Er wachte trotzdem nicht auf und zeigte keinerlei Reaktionen.
Die Schlacht war nun schon drei Wochen her und das Leben auf Hogwarts hatte sich normalisiert. Der Unterricht wurde nun wieder im vollen Umfang gegeben und die Schüler waren hochmotiviert, das Versäumte aufzuholen. Charity war wieder gesund und auch die anderen Verletzten hatten sich soweit erholt. Auf Anraten von Minerva hatte Kate Teile ihres Tanzunterrichts wieder aufgenommen und Winky saß viele Stunden an Severus Bett. Dessen Zustand hatte sich nicht verändert und Dumbledore hatte ihn mehrmals besucht. Nach einem der Besuche hatten sie nochmals die Heiler aus St. Mungo gerufen. Eine neue Untersuchung brachte keine neuen Erkenntnisse. Die Heiler waren zwar sehr skeptisch wegen der „Muggel-Medizin“, mussten aber zugeben, dass sie dem Professor bisher das Leben gerettet hatte.
Als sie das Krankenzimmer verlassen hatten, und mit Dumbledore auf dem Weg aus den Kerkern waren, teilten sie ihm ohne Umschweife mit, dass es ein Wunder war, dass der Kranke überhaupt noch lebte. Sie waren sich einig, dass er nie wieder gesund werden würde und es allenfalls nur noch eine Frage von Tagen war, bis er sterben würde.
Dumbledore nickte ernst, zu dieser Erkenntnis war er auch schon gekommen. Minerva sah ihn bekümmert an, als die Heiler gegangen waren. Sie saßen in Dumbledores Büro.
Er seufzte: „Jetzt muss nur noch Kate das Ganze akzeptieren. Sie muss ihn loslassen. Nur das hat ihn bisher am Leben gehalten, da bin ich mir sicher.“ Niedergeschlagen nickte Professor McGonagall: „Sie ist immer noch so voller Hoffnung. Sie will die Tatsachen einfach nicht sehen.“
Dumbledore sah sie an: „Ich werde mit ihr sprechen. Sie liebt ihn. Wenn sie einsieht, dass er es nicht schaffen wird, dann wird sie ihn gehen lassen.“
In Minervas Augen standen Tränen: „Es ist so ungerecht! Sie hatten nur so wenig Zeit.“
Darauf konnte Dumbledore nichts sagen, denn auch er war niedergeschlagen. Er hatte Severus auch ein anderes Leben gewünscht, nun da Voldemort endlich besiegt war und die Magische Welt sich grundlegend ändern würde. Die meisten Hexen und Zauberer konnten noch nicht fassen, dass endlich alles vorbei war und sie Jahre des Friedens und der Freiheit vor sich hatten.
Schließlich atmete er tief ein und sagte leise: „Ich werde heute Abend mit ihr sprechen.“ Dann war es Zeit für das Abendessen und sie gingen in die Große Halle. Kate war nicht anwesend, wie so oft abends.
Nach der erneuten Untersuchung der Heiler war Kate sehr niedergeschlagen. Warum wachte Severus nicht endlich auf? Brauchte er die Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten? Oder waren seine Verletzungen wirklich zu schwer? Bisher hatte sie geglaubt, dass er wieder aufwachen würde, wenn er soweit war. Doch jetzt hatte sie das erste Mal Zweifel. Was, wenn er nie wieder aufwachen würde? Was wenn das Unaussprechliche eintreten würde? Tiefe Verzweiflung überkam Kate, als sie in das geliebte, unbewegte Gesicht sah. Mehrmals lief sie im Zimmer auf und ab, bis ihr klar wurde, dass sie dringend für eine Weile aus dem Raum musste. Severus würde ihren Zweifel spüren, das wollt sie nicht.
Also rief sie Winky herbei, die auch sofort erschien. Dann eilte sie aus dem Zimmer, die Treppen hinauf und stand dann vor dem Tanzraum. Ja, ein hartes Training hatte ihr bisher immer geholfen, wenn sie niedergeschlagen oder ratlos gewesen war. Sie zog sich ihre Tanzkleidung an und legte Musik ein. Nach einer kurzen Aufwärmphase ließ sie sich von der Musik gefangen nehmen und tanzte endlich, ohne nachdenken zu müssen.
Zwei Stunden später fand Dumbledore sie hier. Er hatte im Treppenhaus die laute Musik gehört und ihm war klar, wo Kate war. Von ihr unbeachtet öffnete er die Tür und sah ihr eine Weile zu. Ihr Oberteil war durchgeschwitzt und ihre Haare klebten an ihren Wangen. Sie tanzte nach klassischer Musik Ballett. Die Musik wechselte von laut zu leise, von munter zu tragisch. Sie hatte ihn noch nicht bemerkt und tanzte sehr konzentriert. Bisher hatte er sie nur moderne Sachen tanzen sehen und er war beeindruckt, wie umfassend ihre Ausbildung gewesen sein musste, denn er besuchte häufiger Ballettvorführungen in London oder anderen großen Häusern. Die Musik endete und Kate versank in die Abschlusspose.
Der Schulleiter applaudierte leise und sie fuhr herum.
„Oh, Sie haben mich erschreckt. Ich habe Sie nicht gesehen.“
Er kam langsam näher: „Und ich wollte Sie nicht stören. Ich liebe klassisches Ballett und war eben sehr beeindruckt von Ihren Fähigkeiten.“
Kate sah etwas verlegen aus: „Ich danke Ihnen. Aber ich war ein wenig eingerostet. Die Faulen werden sofort bestraft, pflegte meine Ballettlehrerin immer zu sagen.“
Er nickte. Dann wies er auf die Stühle, die am Rand standen und sagte: „Wollen wir uns nicht einen Moment setzten? Das lange Stehen vertrage ich noch nicht so gut.“ Sie schlenderten zu den Stühlen und setzten sich. Kate sah ihn aufmerksam an. Ihr war klar, dass er nicht zufällig vorbeigekommen war.
Er sah sie einen Moment bedachtsam an, dann begann er leise zu sprechen: „Sie können sich sicherlich denken, warum ich hier bin. Es geht um Severus.“
Ihre Augen waren misstrauisch geworden, hatten die Heiler ihm etwas erzählt, dass sie ihr nicht gesagt hatten?
Behutsam fuhr Dumbledore fort: „Sein Zustand hat sich in den letzten drei Wochen nicht verändert, Kate. Es geht ihm immer noch schlecht. Die Heiler können sich nicht erklären, warum er immer noch am Leben ist.“
Kate holte geräuschvoll Luft. Doch der alte Zauberer ergriff ihre Hand und sprach leise weiter: „Wir beide wissen, dass nur Ihre Entschlossenheit und Liebe ihn noch am Leben erhalten.“ Er sah sie sehr ernst an: „Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem Sie ihn gehen lassen müssen!“
Kate entzog ihm ihre Hand und sah ihn entsetzt an: „Wie können Sie so etwas sagen. Ich kann ihn doch nicht einfach aufgeben!“ Sie war bei diesen Worten aufgesprungen und sah ihn aufgebracht an.
Mitfühlend sah er sie an: „Das habe ich auch nicht gesagt. Manchmal müssen wir loslassen, was wir am meisten lieben. Manchmal ist das, was wir wollen, nicht das, was für unsere Liebsten das Beste ist.“
Ihre Schultern sackten langsam nach unten, als seine Worte ihr Herz erreichte und die Anspannung nachließ. Lange Zeit sagten sie nichts. Dann sank Kate wieder auf den Stuhl. In ihren Augen war tiefste Verzweiflung zu sehen.
„Wie soll ich die Kraft dafür aufbringen?“ fragte sie mit gebrochener Stimme.
Dumbledore ergriff wieder ihre Hand. „Weil Sie ihn lieben, werden Sie die Kraft dafür haben.“ Und noch einmal sagte er mit fester Stimme: „Lassen Sie ihn endlich gehen!“

Viel später kehrte Kate in die Wohnung zurück. Dumbledore hatte sie nicht alleine lassen wollen, doch sie brauchte Zeit, um nachzudenken und zu einer Entscheidung zu kommen. Sie duschte und zog sich an. Erst dann ging sie ins Schlafzimmer und erlöste Winky. Lange Zeit stand sie am Bett und betrachtete das unbewegte Gesicht. Dann gab sie ihm seine Zaubertränke und wechselte mechanisch die Infusion.
Sie war tief im Gedanken versunken. Vielleicht hatte Dumbledore Recht. Vielleicht war es egoistisch von ihr, ihn nicht aufgeben zu wollen. Vielleicht konnte er mit dem, was er hatte erleiden müssen, einfach nicht mehr leben.
Bisher war sie in seiner Gegenwart immer stark gewesen, hatte in den vergangenen Wochen nie geweint, doch nun konnte sie ihren Kummer nicht mehr zurückhalten und dann liefen ihr die Tränen über die Wangen und sie überließ sich ihrer Verzweiflung. Wie sollte sie nur ohne ihn leben?
Wie jeden Abend schlüpfte sie zu ihm unter die Decke und legte sich in seinen Arm. Sie weinte immer noch ihren Kummer heraus und es schüttelte ihren ganzen Körper. Doch mit jeder Träne, die aus ihren Augen floss, spülten auch ihre Zweifel fort. Schließlich wurde der Tränenstrom weniger und sie hörte auf, zu schluchzen. Wenn sie ihn wirklich liebte, gab es nur einen Weg: sie musste ihn gehen lassen, das war ihr jetzt klar.
Sie richtete sich auf und küsste ihn sanft auf die Wange. Sie schloss die Augen, denn sie konnte seinen Anblick nicht ertragen und sagte mit ruhiger Stimme: „Ich liebe Dich, Severus. Und wenn Du am Ende Deiner Kräfte bist, dann darfst Du gehen.“
Dann legte sie sich wieder in seinen Arm, fest entschlossen, ihn bis zum Ende nicht alleine zu lassen und bei ihm zu bleiben. Viele Stunden lag sie wach neben ihm und lauschte seinen flachen, hastigen Atemzügen. Doch die Erschöpfung forderte schließlich ihren Tribut und im Morgengrauen schlief sie ein.


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Wer gebeten wird, in einem Harry-Potter-Film mitzumachen, würde niemals ablehnen. Und mir hat die Rolle Spaß gemacht. Bellatrix’ Persönlichkeit ist offenbar ernsthaft gestört. Sie findet es richtig toll, besonders böse zu sein. Wahrscheinlich ist sie in Lord Voldemort verliebt; immerhin hat sie für ihn 14 Jahre im Gefängnis gesessen. Jetzt ist sie wieder draußen und noch fanatischer als je zuvor.
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