Eine zweite Chance - Das Leben geht weiter
von Kate Flemming
Böser, böser Cliffhanger, ich weiß. Aber zum Trost hier das nächste Kapitel!
Nur noch zwei weitere Kapitel bis zum Ende meiner Geschichte!
Vielen Dank für Eure Kommentare, es freut mich, dass ihr der Geschichte mit so viel Aufmerksamkeit und Freude folgt.
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Wie jeden Abend schlüpfte sie zu ihm unter die Decke und legte sich in seinen Arm. Sie weinte immer noch ihren Kummer heraus und es schüttelte ihren ganzen Körper. Doch mit jeder Träne, die aus ihren Augen floss, spülten auch ihre Zweifel fort. Schließlich wurde der Tränenstrom weniger und sie hörte auf, zu schluchzen. Wenn sie ihn wirklich liebte, gab es nur einen Weg: sie musste ihn gehen lassen, das war ihr jetzt klar.
Sie richtete sich auf und küsste ihn sanft auf die Wange. Sie schloss die Augen, denn sie konnte seinen Anblick nicht ertragen und sagte mit ruhiger Stimme: „Ich liebe Dich, Severus. Und wenn Du am Ende Deiner Kräfte bist, dann darfst Du gehen.“
Dann legte sie sich wieder in seinen Arm, fest entschlossen, ihn bis zum Ende nicht alleine zu lassen und bei ihm zu bleiben. Viele Stunden lag sie wach neben ihm und lauschte seinen flachen, hastigen Atemzügen. Doch die Erschöpfung forderte schließlich ihren Tribut und im Morgengrauen schlief sie ein.
Kapitel 28
Das Leben geht weiter
Erschrocken fuhr Kate am nächsten Morgen auf. Sie war eingeschlafen! Sie hatte nicht aufgepasst und ihn alleine gelassen!
Doch nach dem ersten Schreck sah sie, dass sich seine Brust leicht hob und senkte: er atmete noch! Ihr Puls raste und sie musste einige Male tief Luft holen, damit sie sich ein wenig beruhigte. Sie hatte doch bei ihm bleiben wollen! Doch er lebte noch. Dabei war sie so sicher gewesen, dass er die Nacht nicht überleben würde, nachdem sie ihn freigegeben hatte.
Der Schreck saß tief in ihr und wieder fing sie zu weinen an. „Ach Severus, was soll ich nur mit Dir machen? Wenn Du nur sagen könntest, was Du willst. Wenn Du gehen musst, dann geh. Aber das hier kann ich nicht ertragen.“
Sie hatte den Kopf wieder an seine Schulter gelegt, weil sein warmer Körper ihr wenigstens ein bisschen Trost spendete und ließ ihren Tränen freien Lauf.
Und dann, sie hätte es fast überhört: „Nicht weinen!“
Ihr Herz setzte aus und sie traute sich kaum, den Kopf zu heben. Bestimmt hatte sie sich die leise, raue Stimme nur eingebildet. Aber ein Blick auf ihn zeigte ihr, dass seine Augenlider flatterten. Dann verzerrte sich sein Gesicht, offensichtlich spürte er starke Schmerzen. Kate sprang auf und holte den schmerzstillenden Trank, den sie ihm regelmäßig verabreicht hatte. Ihr Herz klopfte immer noch wild. Konnte es wirklich sein, dass er aufwachen würde?
Vorsichtig flößte sie ihm die Tropfen ein und nach kurzer Zeit entspannten sich seine Gesichtszüge etwas. Sie nahm seine Hand in die ihre und streichelte ihn mit den Fingerspitzen der anderen immer wieder sanft über die Wangen. Und dann, nach einer gefühlten Ewigkeit, öffneten sich seine Augen sehr zögernd. Kate konnte nichts dagegen tun, ihr liefen schon wieder die Tränen herunter. Sein Blick war etwas orientierungslos und es dauerte einen Moment, bis sich ihre Augen trafen.
Nach wenigen Augenblicken schloss er sie wieder und hauchte: „Nicht weinen!“ Dann sank sein Kopf langsam zur Seite und seine tiefen, regelmäßigen Atemzüge zeigten ihr, dass er eingeschlafen war.
Es sollte noch bis Mitte April dauern, bevor Severus das erste Mal das Bett verlassen konnte. Er schlief viel, war immer noch sehr schwach und erholte sich nur langsam.
Und er war ein sehr ungeduldiger Patient. Kate hatte alle Hände voll zu tun, um ihn zu beschäftigen und abzulenken. Sobald er nicht mehr so oft schlief, besuchte ihn Dumbledore regelmäßig. Doch die Zeit, in der Kate Unterricht hatte, die waren am Schlimmsten. Winky und Dobby waren oft nur noch Kate zuliebe bereit, sich in der Zeit um den Professor zu kümmern. Alle Bücher, die sie ihm heraussuchte, hatte er schon gelesen oder war in kürzester Zeit mit ihnen durch. Die Fachliteratur beschäftigte ihn schon etwas länger, aber das nutzlose Herumliegen machte ihn wahnsinnig.
Erst als Kate ein Machtwort sprach, riss er sich zusammen. Dann begann Harry, ihn von Zeit zu Zeit zu besuchen. Die gemeinsam erlebten Ereignisse schienen sie näher zusammengeführt zu haben. Sie unterhielten sich stundenlang über alles Mögliche. Oft verstummten sie schlagartig, wenn Kate den Raum betrat. Ihr war klar, dass sie sich auch über die Erlebnisse bei Voldemort im Verbotenen Wald austauschten. Severus war sich nicht im Klaren darüber, dass Kate damals alles mit angehört hatte. Sie freute sich immer wieder, dass Harry und Severus endlich ihren Frieden miteinander geschlossen hatten.
Ab dem Moment, als Severus das Bett verlassen konnte, wurde es schlagartig besser. Er saß stundenlang in seinem Arbeitszimmer und arbeitete an neuen Zaubertränken oder verbesserte schon bekannte. Da Professor Slughorn schon reichlich alt war, hatte er angekündigt, dass er nach den Sommerferien nicht wieder nach Hogwarts zurückkehren würde. Severus war eine Weile hin- und hergerissen gewesen. Aber er musste einsehen, dass er nie wieder ganz der Alte werden würde. Also würde er wieder den Zaubertrankunterricht übernehmen, den das Fach Verteidigung gegen die Dunklen Künste erforderten eine gewisse Wendigkeit und Körpereinsatz. Professor Lupin würde vorerst weiter Verteidigung gegen die Dunklen Künste unterrichten.
Ende April konnte Professor Snape das erste Mal mit Kate zum Mittagessen gehen. Es war ein Samstag und die Schüler waren am Vormittag bei bestem Wetter draußen gewesen. Als Severus und Kate die Treppen aus den Kerkern langsam nach oben gestiegen waren, musste er kurz stehen bleiben, um wieder zu Atem zu kommen. Es war ihm anzusehen, wie sehr er davon genervt war. Dann schlenderten sie langsam durch die Eingangshalle. Die Türen des Portals waren weit geöffnet, um Sonne und Luft ins Schloss zu lassen. Von überall her strömten die Schüler in die Große Halle. Die jüngeren Schüler warfen scheue Seitenblicke auf den gefürchteten Lehrer. Einige grüßten ihn, andere mehr Kate.
Als sie durch die hohen Türen in die Große Halle traten, war Severus anzusehen, dass er sich freute, wieder hier sein zu dürfen. Allerdings war Kate mit Sicherheit die Einzige, der es auffiel. Sie liefen an den Haustischen entlang zum Lehrertisch. Hier und da spürte Kate die neugierigen Blicke der Schüler. Natürlich wusste jeder im Schloss, was mit Professor Snape geschehen war und wie schlecht es lange Zeit um ihn gestanden hatte.
Man sah es ihm auch immer noch an. Seine Wangen waren eingefallen und er war noch bleicher als zuvor. Er war hager geworden und lief leicht gekrümmt. Die Wunde an seiner Brust schmerzte immer noch und war auch noch nicht richtig verheilt. Er selbst hatte in den letzten Tagen einen neuen Zaubertrank zusammengestellt und ausprobiert, der endlich Wirkung zeigte
Harry, Ginny, Ron und Hermine kamen lachend hereingelaufen. Sie entdeckten Kate und Severus und kamen zu ihnen, um sie zu begrüßen. Die Blicke der anderen Schüler waren sehenswert. Potter und Snape zusammen, das war schon eine Sensation. Dass aber Potter ohne Strafarbeit davonkam, das war eher ein Wunder. Dann gingen die Beiden langsam weiter.
Sie waren am erhöhten Teil der Halle angekommen und stiegen die drei Stufen hinauf, um sich dann an den Tisch zu setzen. Die letzten Lehrer kamen und begrüßten ihren Kollegen mit einem freundlichen Nicken. Es tat Severus so gut, wieder in der vertrauten Umgebung zu sein, bemerkte Kate. So viel wie heute hatte er schon lange nicht mehr gegessen. Seine Augen waren nicht mehr so schmerzverhangen und sahen sich wach und interessiert um. Und auch ihr selbst ging es besser. Sie hatte erst eine Weile nachdem er aufgewacht war gemerkt, wie angespannt sie gewesen war. Aber die Sorge um ihn hatte keinen Platz für etwas anderes gelassen.
Nach dem Essen zog sie ihn nach draußen. Sie hatte seine Hand ergriffen und er drückte ihre kurz und lächelte sie an. Als sie im Portal standen, musste Kate unwillkürlich daran denken, was sich hier ereignet hatte. Ihr lief ein Schauer über den Rücken, als sie an Voldemort und seine Anhänger dachte.
Sie hatte Severus nie erzählt, was sich hier abgespielt hatte, aber er hatte es natürlich erfahren. Seine Erinnerung hörte im Verbotenen Wald auf. Als ihm von Dumbledore, Harry, Minerva und den anderen erzählt wurde, was sich in dieser Nacht zugetragen hatte, da wurde er sehr aufgebracht. Doch Kate hatte darauf nicht reagiert und ihm war klar, dass sie es immer wieder genauso machen würde.
Jetzt durchquerten sie den Hof und machten sich langsam auf den Weg zum See. Es wurde ein langer Weg für ihn, und sie machten immer wieder kleine Pausen. Es war ihm unangenehm, dass die Schüler mitbekamen, wie schwach er noch war. Aber er biss die Zähne zusammen und war über jedes Mal froh, an dem Kate anhielt, um ihm etwas in der Umgebung zu zeigen. Sie kannte ihren Mann und versuchte so, ihm unauffällige Pausen zu verschaffen.
Endlich kamen sie am See an und ließen sich auf die Wiese am Hang nieder. Die Sonne schien warm und die Schüler waren an einem flacheren Teil am See. So hatten sie Ruhe und bald wurde Severus müde. Der lange Weg und die ungewohnte Bewegung machten ihn schlapp. Er lag auf dem Rücken, sah in den wolkenlosen Himmel und war schnell eingeschlafen. Kate saß bei ihm und betrachtete das Gesicht, dass in den letzten Wochen selten so friedlich gewesen war. Erst war es ohne Regung gewesen, während er bewusstlos war, dann oft schmerzverzerrt oder ungehalten. Liebevoll, wenn er sie betrachtete. Und oft ernst, mit Grauen in den Augen, wenn er sich unbeobachtet wähnte. Er hatte ihr nicht erzählt, was damals im Verbotenen Wald geschehen war und ihr war klar, dass er das auch niemals tun würde. Und sie würde ihn nicht danach fragen, einmal, weil sie es ja in groben Zügen wusste und auch, weil sie wusste, dass er kein Mitleid von ihr wollte.
Nach zwei Stunden weckte sie ihn sanft. Bald würde es frisch werden und seine Gesundheit war noch so angeschlagen, dass er vorsichtig sein musste. Müde sah er sie an und es dauerte eine Zeit, bis er sich aufsetzte. Sie zupfte ihm einige Grashalme aus den Haaren und musste schmunzeln.
„Was ist so lustig?“ fragte Severus sie leise.
„Ich dachte nur gerade, dass die Schüler sich sicher fragen würden, was wir beiden so getrieben haben, wenn Du mit den Haaren voller Gras ins Schloss zurückkehren würdest.“
Sie musste leise lachen. Sanft zog er sie an sich und küsste sie.
Dann sagte er heiser: „Sie würden denken, dass ich nicht mehr so krank bin, ich aussehe!“
Kate lachte und schüttelte den Kopf: „Nein, Professor Snape, das muss noch ein bisschen warten!“
Sein Lächeln wurde anzüglich: „So, glauben Sie, Miss Flemming? Wir werden ja sehen!“
Der Weg ins Schloss wurde ihm dann sehr lang. Er war sichtlich froh, als sie in ihrer Wohnung zurück waren. Doch die frische Luft und die Bewegung hatten ihm gutgetan. Als sie am Abend im Bett lagen, zog er sie in seine Arme und begann, sie leidenschaftlich zu küssen. Sie wollte sich erst nicht darauf einlassen, aber er konnte sehr überzeugend sein, wenn es darauf ankam. Sie waren sehr vorsichtig, trotzdem fanden beide ihre Erlösung und schliefen äußerst befriedigt ein. In dieser Nacht schlief Severus das erste Mal sechs Stunden am Stück, ohne schweißgebadet aufzuwachen oder zu schreien.
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Mittwoch, 24.05.
Aber ich habe gelernt, auf allen möglichen Arten von Papieren zu schreiben. Die Namen der Hogwarts-Häuser sind auf einer Flugzeug-Kotztüte entstanden - ja, sie war leer.
Joanne K. Rowling