
von Mary :-)
Lily betrachtete sich ein letztes Mal im Spiel. Seltsam, obwohl sie nie wirklich mit James ausgehen wollte, war sie aufgeregt. Er war bestimmt nicht aufgeregt! James war schon mit so vielen Mädchen ausgegangen. Ein paar hatte er gefragt, aber die meisten hatten ihn gefragt. Es würde sich wohl nie ändern, dass er der beliebteste Junge der Schule war. Und trotzdem wollte er mit ihr ausgehen… Mochte er sie wirklich? Oder war es einfach so, wie eine Freundin ihr gesagt hatte, dass er nur mit ihr ausgehen wollte, um ihre harte Schale zu knacken um somit zuzeigen, dass er alle Mädchen haben kann? Zu seinen Auftritten in der „Öffentlichkeit“ passte es – da war er arrogant, überheblich und oberflächlich. Doch wenn sie mit ihm allein war, dann war er… einfühlsamer. So, jetzt musste sie aber los… Schnell ging sie runter in den Gemeinschaftsraum und schnappte ihre Tasche, die auf einem Sessel lag. Sie griff aber nicht an den Henkeln, sondern an der Seite, sodass der ganze Inhalt auf dem Boden landete, als sie loslaufen wollte. Schnell bückte sie sich, um die Dinge aufzuheben, als ihr schon ihre Tasche vor die Nase gehalten wurde. Grinsend stand James vor ihr, er hatte die Sachen schon aufgehoben und in die Tasche gestreckt. Lily lief rot an. Stimmt, sie wollten sich im Gemeinschaftsraum und nicht davor treffen. „Kein Grund Rot zu werden“, lachte James. Oh Mist, dachte Lily, jetzt habe ich mich schon in den ersten Minuten blamiert! Offenbar konnte James Gedanken lesen – oder man konnte es ihr einfach im Gesicht ablesen. „Kein Grund zur Sorge“, James hob den Arm, in den sie ich einhaken sollte, „ich erzähle es keinem.“ Er zwinkerte. Lily hakte sich ein und hoffte inständig, dass ihre Gesichtsfarbe wieder normal wurde. So gingen sie hinunter und machten sich auf den Weg nach Hogsmeade. Als sie ein wenig durch die Gegend geschlendert waren, fragte James sie beiläufig: „Sag mal… Warum hast du eigentlich dieses Mal zugesagt?“ Ja, warum hatte sie zugesagt? Sie wusste es selbst nicht. War es wirklich, weil sie Ruhe vor ihm haben wollte, und sie wusste, dass er sie ihr niemals lassen würde? Oder, weil sie ihn irgendwie doch irgendwo mochte? Hatte es etwas damit zu tun, dass sie sich vorher mit Severus gestritten hatte? Seit dem waren die Beiden nicht mehr so dicke gewesen. Er ging ihr aus dem Weg, und sie ihm. Nicht, dass sie jetzt gar nicht mehr miteinander sprachen oder sich beleidigten oder so… Es fiel einfach Beiden schwer, dem anderen in die Augen zu schauen. Severus besonders… James sah sie fragend an. Lily biss sich auf die Unterlippe, sie wusste einfach nicht, was sie antworten sollte… „Sieh mal da“, versuchte Lily abzulenken, „ der Honigtopf. Sollen wir reingehen?“ James grinste, natürlich durchschaute er ihr Ablenkungsmanöver, sie machte es ja schließlich auch nicht besonders unauffällig. „Klar“, sagte er aber nur und hielt ihr die Tür offen. Sie gingen hinein und nach einer Weile kam Lily, der James natürlich wieder die Tür aufhielt, mit einem großen rosaroten Herzen aus einer Art festen Zuckerwatte wieder heraus. James hatte ihr dieses Herz gekauft, obwohl sie sich dagegen gewehrt hatte. Irgendwie fand Lily es jetzt doch süß. Es begann ein wenig zu nieseln und so beschlossen sie in die „Drei Besen“ zu gehen und dort ein Butterbier zu trinken. Sie setzen sich in eine Ecke und gaben ihr Bestellung auf.
Auf der anderen Seite des Raumes saß im Schatten ein Slytherin, der mit hasserfüllten Augen Lily und James zusah. Er wusste, dass sie hier sein würde, Narzissa hatte ihm von ihrer Verabredung erzählt. Severus Snape riss sich zusammen um nicht gleich loszuheulen, als Lily über einen von James Witzen lachte. Ihr Lachen war normalerweise wie Balsam für ihn, doch, da es von einem Lachen über James Späße handelt, traf es ihn heute wie ein Messer in die Brust. Der Zorn, der Hass, und das Lächeln der Beiden ließen ihn den Blick abwenden. Und alles nur, weil Potter ihm einen Trank eingeflößt hat! Doch er war darauf vorbereitet gewesen sie hier zu treffen, sie hier zusammen zu sehen, sie hier auseinander zu bringen. Er stand auf und ging in Richtung Küche, aus der nach und nach Kellner rein- und rausgingen. Ein älterer Kellner, der gerade hinein ging, meckerte ihn an, er dürfe nicht hinein, er solle sich hinsetzen oder gehen. Doch anstatt seinen Anweisungen zu folgen, oder zurück zu meckern, sagte er nur ruhig: „Könnten Sie bitte Alison Smith heraus bitten? Sie erwartet mich.“ Der Mann runzelte die Stirn und ging in die Küche, wenig später stand Alison vor ihm. Ihre braunen fettigen Haare hingen, wie gewohnt, strähnig herab, unter ihren blassblauen Augen waren dunkle Augenringe, ihre Gesicht war dreckig und ihre Lippen rissig. Sie sah so aus wie immer. Alison war vor einem Jahr von Hogwarts gegangen und in dem selben Haus gewesen, wie er. Severus hatte ihr oft geholfen, was Hausaufgaben und Schwindeln nach einer ihrer schlecht durchdachten Streiche angeht. Er mochte sie nicht besonders, irgendwie war sie immer zu ihm gekommen. Doch sie stand in seiner Schuld, wie sie immer sagte, und nun war der Zeitpunkt gekommen, sie zu begleichen. In der Hand hielt Alison ein Tablett mit zwei Butterbieren darauf. Alison lächelte ihn an: „Schön dich wieder zu sehen.“ „Danke“, antwortete Severus nur knapp und holte ein Fläschchen aus seiner Jacke, er kippt den Inhalt in eins der Butterbiere, „das ist für den Jungen.“ Alison nickte, Severus auch. Dann ging sie los und brachte Lily und James ihre Bestellung.
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