
von September1st
Viel Spaß beim Lesen. Ich hoffe die Gechichte wird euch gefallen. Sie handelt ja eher von der "bösen Seite", die in den HP Büchern etwas kurz kommt. Für Kritik, Lob, Anmerkungen Wünsche und allem, was euch sonst zu der Geschichte auf dem Herzen liegt, hinterlasst bitte einen Kommi :).
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Das dunkle Mal
"„Abschaum und Blutsverräter! Eine Schande ist das!“"
Sorgfältig verstaue ich meine Umhänge in dem großen Schrankkoffer, damit sie nicht allzu zerknittert sind, wenn ich in Hogwarts ankomme. Ebenso Socken, Zauberbücher, Trankzutaten, Federkiele, Tinte und einige Bögen Pergament.
"„Abschaum! Wie kann sie es wagen?“"
Schließlich noch zwei Liebeschnulzen und Eulenkekse für Antigone, meine Schneeeule. Zufrieden begutachte ich mein Werk; ich kann Unordnung nicht ausstehen. Ohne meine geifernde Schwester eines Blickes zu würdigen richte ich meinen Zauberstab auf den Schrankkoffer.
"„Locomotor Koffer.“", sage ich und lasse den unförmigen Koloss mit leichter Hand vor mir her die Treppe hinunter schweben. Es hatte zweifellos seine Vorteile in einer Zaubererfamilie zu leben, befreite es einen doch von diesem lächerlichen Zauberverbot in den Ferien. Als ob es eine Schande wäre magische Kräfte zu besitzen.
„"Was soll denn das nun?“", blafft Bellatrix mich an.
"„Wie bitte?“"
"„Hast du mir überhaupt zugehört, Cissy? Einen Muggel! Einen MUGGEL!“"
Schon bereute ich es, sie nicht einfach weiter ignoriert zu haben. Als wüsste nicht jeder in diesem Haus bereits von „dem Muggel“, mit dem „AndrommedaSchandeübersie“ verkehrt. Seit drei Wochen hatte meine sechzehnjährige Schwester nun Hausarrest und musste sich wechselseitig die geifernden Triaden Bellas und die ernsten Ermahnungen unserer Eltern anhören, sie solle ihrer familiären Pflichten gedenken.
Ungerührt gehe ich an ihr vorbei die breite Marmortreppe hinunter ins Foyer. Wehmütig betrachte ich die sonnendurchflutete Halle. Ich liebe das weitläufige Haus meiner Eltern mit seinen bodentiefen Bogenfenstern, den kleinen Alkoven und dem französischen Garten davor. Es ist kein Vergleich zu Hogwarts, mit seinen modrigen Kerkern, in die wir Slytherins verbannt waren.
Doch nichtsdestoweniger bin ich heilfroh, dass die Ferien vorbei sind und ich weiß auch genau, dass die Schuld hierfür nur eine Person trifft, denn die Beziehung zu meinen Eltern ist friedlich wie eh und je. Ich achte ihre Vorstellungen von Anstand und Haltung und sie respektieren meine Privatsphäre. Man benimmt sich eben so wie es sich gehörte. Niemals würden sie so laut und grob werden wie Bellatrix, deren Reden mir um einiges peinlicher sind, als der kleine Lapsus meiner Schwester.
„"Wie kannst du nur, Cissy!"“, schreit Bella mir wütend hinterher und eilt in die oberen Stockwerke. Ich verkneife mir ein Grinsen. Wahrscheinlich hat sie noch gar nicht gepackt, dabei wollen wir doch in einer halben Stunde aufbrechen. Immer noch lächelnd betrete ich die Küche.
„"Guten Morgen, Cissy."“, begrüßt mich meine Mutter und umarmt mich. „"Hat Bella dir wieder zugesetzt?"“
Ich nicke: "„Als hätte sie mich im Dorf mit einem Jungen gesehen.“"
Seufzend schichtet sie einen Stapel Apfelpfannkuchen vor mir auf. Säuberlich zerteile ich den ersten in mundgerechte Stücke und beginne zu essen. Sie schmecken köstlich. Schweigend esse ich weiter und lächle Andromeda aufmunternd zu, die den Rücken durchgedrückt mir gegenüber sitzt. Sie ist Bella wie aus dem Gesicht geschnitten, die dunklen Augen von langen Wimpern umkränzt. Eine nicht zu bändigende Mähne schwarzer Locken umgibt ihren Kopf und viel auf ihre zierlichen Schultern herab.
Bella weiß, dass ich sie ihr trotz aller Muggelgeschichten vorziehe. Ich weiß nicht, ob sie nun tatsächlich eine Beziehung mit diesem Ted Tonks hatte oder ihr nur einfach furchtbar langweilig war und es geht mich auch nichts an. Die ganze Sache ist schließlich nur aufgeflogen, weil Bella jeder von uns beiden permanent hinterher spioniert.
"„Guten Morgen meine lieben.“", begrüßt uns Vater, der gerade zur Küche hereinkommt und mir einen Kuss auf die Wange drückt. Gut gelaunt lässt er sich auf seinen Stammplatz am Kopfende des Tisches nieder und beginnt zu essen.
„"Mhhh, köstlich.“", lobt er und schlingt geradezu. Im Rekordtempo verschwinden drei Pfannkuchen in seinem Rachen. „"Was war das eigentlich für ein Lärm eben?"“, fragt er leicht tadelnd.
"„Bella.“", bermerkt Mutter nur kurz und wendet sich einer Pfanne mit Omeletts zu, während Ikarus unser alter Hauself geschickt mit einem Stapel frisch gespülter Teller an ihr vorbeihuscht.
„"Schon wieder? Also wirklich, ich denke dieser Angelegenheit ist langsam aber genüge getan.“"
"„Ganz meine Meinung. Andromeda hat ihre Lektion gelernt. Außerdem liegt es nicht in ihrer Verantwortung sich darum zu kümmern.“"
"„Na, na. Sie hat schon Recht, wenn sie sich um ihre jüngeren Schwestern sorgt. Wir sind schließlich eine Familie.“"
„"Mag sein, doch ihr Ton gefällt mir nicht. Außerdem bin ich zuversichtlich, dass Cissy uns keine Szene machen wird.“"
„"Wohl kaum.“", erwidere ich und schneide den nächsten Pfannkuchen an. Wenn Bella doch nur endlich kommen und mich von dieser Runde erlösen würde.
„"Auf dich ist eben verlass, meine Kleine."“, stellt Vater fest.
Mühsam versuche ich Haltung zu bewahren, doch ich spüre, wie meine Wangen rot werden. Mir passt es überhaupt nicht, wie ich hier vor meiner Schwester zum tugendhaften Vorbild stilisiert werde. Ich kann es nicht leiden wie ich ständig gegen Andromeda ausgespielt werde.
„"Vielleicht sollten wir sie Weihnachten den Montagues vorstellen. Ihr ältester Sohn ist bei der internationalen Zauberervereinigung tätig.“", schlägt Mutter vor.
„"Eine ausgezeichnete Idee.“", pflichtet Vater ihr bei. „Was meinst du Cissy.“
Erschocken blicke ich auf, hatte ich doch geglaubt, das Gespräch drehe sich immer noch um meine ungebührlichen Schwestern. Schnell versuche ich mir die Montagues ins Gedächtnis zu rufen. Ältester Sohn, ältester Sohn. Vor meinen Augen erscheint ein aufgeblasenes rundes Etwas mit glasigen grauen Glubschaugen. Ein dümmlicher Hufflepuff, der mich über die Hausordnung belehrt. Den hatte ich ganz verdrängt.
"„Du schweigst? Na vielleicht bist du auch noch etwas zu jung. Wir wollen dich ja auch zu nichts drängen. Vielleicht hast du auch längst jemanden in Slytherin kennen gelernt.“"
"„Wohl kaum.“", ertönt es spöttisch von der Tür. Wie eine Königin schreitet Bellatrix zu ihrem Platz und lässt sich schwungvoll auf den Stuhl plumsen.
„"Bella.“", ermahnt meine Mutter sie, doch diese beginnt ungeniert zu essen.
"„Mach dir...nur keine Hoffnungen.“", verkündet sie mit vollem Mund. „"Cissy ist spröde wie sonst was. Seit drei Jahren schon macht jeder anständige Junge ihr Aufwartungen, Rosier, Lestrange, Avery sogar einer von den Prevetts hat sie schon um eine Verabredung gebeten.“"
Bestürzt schauen meine Eltern mich an. „"Und ich habe abgelehnt."“, verteidige ich mich erbost. Natürlich hatte ich keine Verabredung mit Gideon Prewett, obwohl er wirklich gut aussah. Doch die Prewetts galten als Blutsverräter.
„"Wie auch immer. Wenn du so weiter machst, wirst du nie einen Mann finden, der sich um dich kümmert.“"
„"Bella.“", versucht mein Vater sie zu bremsen. „"Sie ist gerade mal 14.“"
"„Und ich kann mich ganz gut um mich selbst kümmern."“, stelle ich trotzig fest.
„"Ach ja? Wer hat dir denn immer geholfen, wenn du mal bei deinen Hausaufgaben nicht weiterwusstest. Oder wenn du dir mal wieder Ärger mit den Mädchen in deinem Jahrgang hattest. Wer hat immer auf dich aufgepasst?“"
„Ich schlucke schwer und schaue sie direkt an. "Das ist jetzt vorbei.“", krächze ich erstickt.
"„Wie bitte?"
"„Ich sagte, es ist vorbei. Du wirst wohl nicht mehr viel Zeit für mich haben, jetzt, da du bei den Todessern bist.“"
Geschockt starren mich alle an. Doch ich halte trotzig den Kopf hoch. „"Na zeig her deinen Unterarm. Oder sollen wir nicht sehen, dass du dem dunklen Lord dienst, dass du für ihn sogar deine eigene Familie ausspionieren würdest?“"
„"Bella, ist das wahr?"“, fragt Mutter geschockt, ihre Hände wandern zu Bellas Umhang.
Wütend steht Bella auf. „"So ein Unsinn. Wie kannst du es wagen, Cissy. Bei allem, was ich für dich getan habe.“"
"„Schweig Bella.“" Bestimmt erhebt Vater sich und richtet den Zauberstab auf sie. "„Deinen Arm."“
„"Bitte.“", sagt Bella trotzig und schlägt den Stoff zurück. In ihre blasse Haut eingeprägt prangt dort einer Trophäe gleich ein tiefschwarzer Totenkopf mit einer Schlange im Mund - das dunkle Mal.
"„Es ist Zeit."“, murmelt meine Mutter tränenerstickt.
Vater nickt. "„Ja, es ist wirklich Zeit."“ Wie ein Leib verlassen sie die Küche. Andromeda und ich folgen schweigend nach und lassen die fassungslose Bella hinter uns. Wir sind schon an der Tür, als sie sich regt.
„"Und was ist mit mir?“", schreit sie hysterisch. „"Was wollt ihr jetzt mit mir tun?“"
„"Komm, der Hogwarts Express wartet nicht.“"
"„Aber ich trage das dunkle Mal.“"
„"Dann sieh zu, dass es niemand entdeckt. Und jetzt hör auf zu zetern und komm endlich.“"
„"Ich bin ein Todesser.“"
Schweigend setzte ich mich neben meine Schwester in den Wagen und beobachte, wie Vater Bellatrix aus dem Haus mit sich schleift.
"„Lass das. Ich diene dem dunklen Lord.“"
"„Ja, wir wissen, wem deine Loyalität gilt. Jetzt hör endlich auf dich hier aufzuspielen.“"
Genervt schalte ich für den Rest der Fahr auf Durchzug und freue mich, Bella bald wieder die meiste Zeit aus dem Weg gehen zu können.
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