Es ist nicht immer leicht ich zu sein! - Ein mutiger Slytherin!
von September1st
So, hier das nächste Kapitel. Viel Spaß beim lesen.
@ Astoria Malfoy: Danke für den Review. Es freut mich sehr das es dir gefällt.
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Ein mutiger Slytherin
„Pass gut auf dich auf, ja? Wir wollen doch stolz auf dich sein können.“, besorgt schaut Mutter mir direkt in die Augen, ehe sie mir den obligatorischen Abschiedskuss auf die Wange drückt.
Reichlich genervt ringe ich mir ein zuversichtliches Lächeln ab. Der Bahnsteig ist schon halb leer. Wenn das so weiter geht, fährt der Zug noch ohne mich. Doch ich sage nur: „Mach dir keine Sorgen. Weihnachten bin ich wieder zu Hause.“
„Du hast ja Recht. Ich kann kaum glauben, wie groß du schon bist.“
Ich lache und löse mich aus ihrer Umarmung. „Bis Weihnachten dann.“
Vater hilft mir noch, den Koffer in den Zug zu hieven, dann steige ich auch schon ein und schließe die Tür.
Langsam gehe ich durch die engen Gänge des beschleunigenden Zuges und spüre, wie sich mit jedem Schritt die beklemmende Last des Sommers von meinen Schultern hebt. Ich war frei! Frei von permanenter Kontrolle. Frei vom ständigen Vergleich mit meinen Schwestern.
Als ich endlich Andromeda finde, setzte ich mich zu ihr. Von Bella habe ich fürs erste mehr als genug. Unsicher lächelt sie mich an. Ich erwidere die Geste und beginne mit dem neuen Band des Lehrbuches der Zaubersprüche.
„Bald wieder Jahrgangsbeste, was?“
„Hoffentlich.“, antworte ich und lese weiter. Ich habe keine Ahnung worüber ich mit ihr reden soll, ohne ihr nicht gleich auf die Füße zu treten.
„Wahnsinn, das mit Bella, was?“
Ich nicke mechanisch, obwohl ich eigentlich schon lange damit gerechnet hatte. Bella war absolut. Was immer sie anfing brachte sie mit manischem Eifer zu Ende.
„Wie hast du's überhaupt rausgefunden?“
Genervt schlage ich das Buch zu. „Sie hat es mir gezeigt.“
„Wie?“
„Ich habe sie provoziert.“, erkläre ich schlicht. Noch bevor Andromeda Luft holen kann winke ich ab. „Frag nichts. Meine Lippen sind versiegelt.“
Enttäuscht verstummt sie tatsächlich, sodass ich schon fast mein Bucht wieder aufschlage, als sie auf ein anderes Thema ausweicht: „Haben unsere Eltern eigentlich noch was zu mir gesagt?“
Ich gab es auf und ließ das Bucht zugeklappt auf meinen Knien liegen. „Neugierig?“
„Du kennst mich doch.“
Ich seufze und begutachte das Abzeichen der Hufflepuffs an ihrem Umhang. Schon damals war es ein kleiner Skandal gewesen, dass sie es nicht ins „Familienhaus“ geschafft hatte. Auch bei mir hatte der sprechende Hut überlegt, ob ich nicht eher nach Ravenclaw gehörte, doch es war anders gekommen...
Als die Stille zwischen uns schon fast peinlich wird, ergreift sie wieder das Wort. „Hör zu.“, setzt sie zögernd an. „Das im Sommer mit Ted...“
„Bitte sag nichts. Du weißt, dass ich es für besser halte, wenn Zauberer unter sich bleiben. Wir gehören nicht in diese Welt, das gilt für mich genauso wie für dich. Du würdest nicht glücklich werden.“
„Das meinte ich doch gar nicht. Ich wollte nur sagen, dass es mir Leid tut. Ich meine, dass du so viel Ärger wegen mir hattest. Das waren nicht gerade angenehme Ferien für dich.“
Schweigend schaue ich sie an, schaue in ihren dunklen Augen, die Bellas so ähnlich sehen und versuche meinen Groll ihr gegenüber zu überwinden. Ich würde ihr gerne von ganzem Herzen verzeihen können, immerhin ist sie meine Schwester. Auf der anderen Seite hatte sie wohlwissend den Zusammenhalt unserer Familie gefährdet, als sie mit diesem Muggel ausgegangen war. Warum hatte sie gerade das mit Füßen treten müssen, was mir so wichtig ist, dass ich ihr fast alles verziehen hätte?
„Cissa, bitte.“, fleht Andromeda mich an. „Du musst das verstehen. Ich...ich...“, doch ich bekomme nicht mehr mit, was sie mir sagen wollte.
„Was zum...“, schreie ich auf, als ein seltsamer Sog mich erfasst.
Mein Blickfeld zerfasert in tausend Fäden. Dunkle und helle Schemen treten langsam aus dem Chaos hervor und nehmen immer deutlicher Gestalt an. Und dann sehe ich sie: Ganz in weiß gekleidet und mit zartvioletten Blumen im Haar schreitet eine helle Gestalt Hand in Hand mit einer dunkleren am Meer entlang. Schließlich, als sie Sonne fast untergegangen ist bleiben sie stehen. Lange schauen sich die beiden an, ehe sie sich silbern schimmernde Ringe anstecken und sich küssen.
Keuchend öffne ich die Augen. Meine Sicht ist immer noch etwas verschwommen, doch das wird sich bald wieder geben.
„Cissa? Was das etwa...“
„Ja.“, bestätige ich nur kurz und versuche das Bild aus meinem Kopf zu vertreiben. Mir war klar, was ich gesehen hatte und wie jedes mal, wenn mich eine Vision heimsuchte wünsche ich mir nichts sehnlicher, als sie wieder schnell vergessen zu können. Ängstlich schaue ich Andromeda an.
„Ging es um mich?“, fragte meine Schwester aufgeregt.
„Ich möchte nicht darüber sprechen. Bitte vergiss das hier schnell.“
„Aber Cissa! Das ist nicht fair. Warum behältst du immer alles für dich? Man könnte meinen du...“
Doch lautes Geschrei vor unserem Abteil unterbricht sie.
„Kommt, gehen wir mal schauen, ob die Kleine sich wirklich nicht für ihresgleichen interessiert.“
„Lass es Lestrange. Sie ist Bellas Schwester. Willst du sie etwa verärgern?“
„Ach, was. Ich tue ihr doch vielmehr einen Gefallen.“
Die Tür fliegt auf und gibt den Blick auf vier ältere Slytherins frei. Lestrange, Lestrange, Rosier und Goyle, die haben mir gerade noch gefehlt. Die Zauberstäbe locker am Körper gehalten mustern sie uns abschätzig. „Hallo Ladies.“, begrüßt uns der ältere Lestrange.
„Was wollt ihr hier?“, frage ich abweisend und bereite mich auf einen Angriff vor. Sollen sie es doch versuchen, immerhin habe ich durch Bella schon einiges an Erfahrung sammeln können.
„Nur mal vorbeischauen. Dachten, ihre wolltet vielleicht ein wenig Unterhaltung.“
„Darauf verzichten wir gern.“ Abschätzig mustere ich sie, wenngleich jeder von ihnen mindestens einen Kopf größer ist als ich - und doppelt so schwer.
Der Gedanke schien ihnen auch gekommen zu sein. Grinsend lehnte Montague sich in den Türrahmen. „Aber Black, du wirst uns doch nicht schon rausschmeißen, jetzt, da wir den Weg auf uns genommen haben. Wir wollen doch nur dein Schwesterherz ein wenig aufmuntern.“
„Danke, aber nein. Wir sind uns selbst genug. Also verlasst dieses Abteil.“
„Also wirklich Prinzesschen!“, rief Lestrange wehleidig, „Wir müssen deiner Schwester doch helfen, dass sie am Ende nicht mit einem Muggel davon zieht. Überleg mal, wie unglücklich sie würde, ohne einen starken Zauberstab in ihrem Leben.“
„Sieh an, welch große Rhetorik! Hätte ich einem Troll wie dir gar nicht zugetraut. Und jetzt verschwindet.“ Drohend richte ich den Zauberstab auf sie.
Nun müssen die vier endgültig lachen. Kein Wunder: Man müsste schon ganz schön dämlich sein als Viertklässlerin einer Meute UTZ-Schüler (und zukünftige Todesser) herauszufordern. „Mach jetzt nichts dummes, Prinzesschen.“, warnt Lestrange mich und schließt konzentriert die Augen.
„Protego.“, rufe ich. Der Schild baut sich auf und schleudert die vier samt dem Zauber, den Lestrange auf mich loslassen wollte rückwärts aus dem Abteil. Schnell hebe ich Lestranges Zauberstab auf. Nur ein Idiot wie er könnte ihn einfach fallen lassen. Verwirrt rappeln sich die vier auf und betrachten erschrocken, wie sich ihr Arme, Hände und Gesichter über und über mit eitrigen Warzen überziehen. Während die drei geschockt beobachten müssen, wie sich ihre Haut immer weiter verwandelt, beginnt Lestrange hektisch in seinem Umhang zu wühlen.
„Hast du etwa was verloren?“, frage ich spöttisch.
Hasserfüllt schaut er auf den Zauberstab in meiner Hand. „Gib ihn her oder...“
„Oder was? Gehst du bei Mami heulen?“, seine Begleiter beginnen laut zu lachen.
„Und ihr drei.“, wende ich mich an sie, „Habt ihr nichts besseres zu tun, als hier rumzustehen? Ich würde mich ja an eurer Stelle mal um diese Pusteln kümmern.“
„Aber mein...mein...“, stammelt Lestrange fassungslos.
„Halt endlich den Mund, du Heulsuse. Und jetzt verschwindet endlich. Madam Pomfrey wird schon wissen, wie man euch wieder halbwegs passabel herrichtet.
„Aber mein...“, setzt Lestrange an.
„Silencio!“, rufe ich und bringe ihn zum Schweigen. „Keine Sorge, ich werde Bella deinen Zauberstab geben. Mal sehen, wie du darum bettelst. Und jetzt verschwindet.“
Das lassen sie sich nicht zweimal sagen. Mit einem letzten Wimmern wandte Lestrange sich, doch unbewaffnet hatte er einfach keine Chance. Sorgsam versiegele ich die Tür und setzte mich wieder.
Erleichtert seufze ich auf. „Das war ganz schön knapp, was?“
Andromeda nickte. „Du hättest sie besser nicht angegriffen.“
Es dauert eine Weile, bis ihre Wörter einen Sinn ergeben. Verständnislos schnaube ich. „Niemanden hab ich angegriffen. Lestrange wollte mir diesen verdammten Warzenfluch auf den Hals jagen, da hab ich mich verteidigt.“
„Oh, deswegen hat er so komisch geguckt.“
Ich verdrehe die Augen, angesichts ihrer Unaufmerksamkeit und hebe mein Buch vom Boden auf. Verärgert begutachtete ich die Knicke in den Seiten und beginne sie zu glätten, während Andromeda mich anstarrt.
„Danke.“, sagt sie schließlich. „Das war sehr mutig von dir, es mit ihnen aufzunehmen.“
Ich lache. Ein mutiger Slytherin, ha, ha! Doch schließlich antworte ich: „Ist schon in Ordnung, du bist doch meine Schwester.“
Während Andromeda weitere Dankesbekundungen hervorbringt, schlage ich das Buch auf und vertiefe mich in die Erklärungen zu verschiedenen Beschwörungsformeln. Die Lektüre beruhigt mich mehr als alles andere: Was auch kommen würde, ich würde mich immer auf die Magie verlassen können.
Langsam merke ich, wie ich ruhiger werde und meine Sorgen wieder auf eine realistische Größe schrumpfen: Wer konnte schon wissen, ob ich tatsächlich Andromeda gesehen hatte? Die wenigsten meiner Visionen waren klar und scharf gestochen wie die Wirklichkeit. Auf jeden Fall würde ich ihr nichts davon erzählen. Warum auch, ich bin doch nicht die Pythia*! Am Ende würde ich noch zum Geburtshelfer meiner schlimmsten Befürchtungen.
Ein Rütteln an der Tür reißt mich aus meinen Grübeleien. Überrascht springe ich auf. Ich hatte völlig vergessen, den Schutzzauber von der Tür zu nehmen.
„Cissa, bist du da drin.“, schallt mir Bellas herrische Stimme entgegen. Obwohl ich sie am liebsten ausgesperrt hätte löse ich schnell die Zauber von der Tür, die mit einem lauten Knall aufspringt. Wütend stapft mein derzeitiges Hassobjekt Nummer 1 in Abteil.
„Was war hier los?“ Überheblich blickt Bella auf Andromeda herab. „Ich hab gehört, du hattest mal wieder Ärger.“
Was auch immer Bella erwartet hatte, es war bestimmt kein hysterische Lachanfall gewesen. Prustend rutscht Andromeda von ihrem Sitz und bringt unter fast schon schmerzerfülltem Kieksen nur noch „Cissy...warsss...hicks, hicks...warsssssss...Warz, Warze!“, heraus.
Besorgt versuche ich ihr aufzuhelfen, doch es nützt nichts. Währen sie langsam blau anläuft, wende ich mich wieder der nun zornesroten Bella zu.
„Kannst du mir endlich erklären, was hier passiert ist?“, keift sie mich an.
Es fällt mir immer schwerer nicht in Andromedas „Warz...Warz...“ Gelächter einzustimmen. Ich war es so Leid vor Bella immer Haltung bewahren zu müssen. Sie erwartete immer, dass ich zu ihr so respektvoll sein sollte wie zu einem Lehrer.
Ohne mir ein Grinsen verkneifen zu können erkläre ich: „Lestrange, Goyle und Montague wollten uns nerven.“
„Und was ist mit den verdammten Warzen? Die wissen kaum noch, wo sie sich zuerst kratzen sollten.“
„Die waren eigentlich für mich bestimmt. Hab sie abgewehrt und Lestrange entwaffnet.“
„Du hast WAS?!“, schrie Bella nun fast.
„Hier.“, sage ich und reiche ihr seinen Zauberstab. „Treib deinen Spaß mit ihm.“ Es gab wohl keine schlimmere Strafe für diesen Trottel, zumal er immer gerne um Bella herumschlich.
„Cissa.“, fährt Bella mich an, „Das waren Siebtklässler! Hast du eine Ahnung, wie gefährlich das war? Du würdest doch auch nicht so dämlich sein, dich mit mir zu duellieren!“
„Du bist auch nicht so dumm und würdest deinen Zauberstab bei der ersten Gelegenheit fallen lassen. Musste ihn nur noch aufheben.“, erkläre ich trotzig. Ich kann es einfach nicht leiden, wenn Bella mich belehrt. Immer macht sie mich runter. In ihren Augen habe ich noch nie etwas wirklich gut gemacht.
„Sei froh, dass du so viel Glück hattest.“
„Ich bin halt ein Glücksschwein.“, halte ich dagegen und strecke ihr in einem infantilen Anfall die Zunge heraus.
„Cissa!“
„Ja, ja. Ist ja gut. Wenn du mir wirklich einen Gefallen tun willst, dann sorge dafür, dass die sich nicht rächen. Ich hab keine Lust jederzeit mit irgendwelchen Angriffen rechnen zu müssen.“
Nachdenklich begutachtet Bella den Zauberstab, lässt ihn durch ihre Hand wirbeln und steckt ihn schließlich in ihren Umhang. Dann lächelt sie mir fast zuversichtlich zu. „Keine Sorge, denen werd ich noch was erzählen, dich anzugreifen. Und danke für den Stab.“
„War mir ein Vergnügen.“
„Dann lass ich dich mit dem Nestbeschmutzer mal wieder allein.“, sagt sie und rauscht nach einem letzten verachtungsvollen Blick davon.
„Ja, hau doch ab zu deinen Todesserfreunden.“, ruft Andromeda ihr wütend hinterher. Ich kann sie nur zu gut verstehen.
Resigniert stütze ich den Kopf in der Hände: „Das halt ich nicht aus.“
„Kopf hoch, Cissy. Wir sind gleich da.“
Erstaunt blicke ich auf. Tatsächlich kann ich in der Ferne winzig klein wie funkelnde Sterne die Lichter des Schlosses erkennen. Erschrocken springe ich auf und beginne in meinem Koffer zu wühlen.
„Was machst du denn da?“
„Halt die Tür zu. Ich hab ganz vergessen mich umzuziehen.“, schnell suche ich die Schuluniform aus dem Gepäck. Wie konnte ich das nur vergessen. Erst letzte Woche habe ich doch die neuen (passenden) Sachen in der Winkelgasse gekauft!
„Habs gar nicht bemerkt.“, stellt Andromeda mit einem Blick auf meine Kleidung fest.
Schnell streife ich alles über und lege sorgfältig den schwarzen Umhang an. Kritisch beäuge ich mein Spiegelbild in der Fensterscheibe und versuche mich zumindest ein wenig zurechtzumachen. Man musste mir die kleine Auseinandersetzung nicht gleich ansehen.
Quietschend kam der Zug zum stehen und entließ die Schüle in die verregnete Nacht.
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*Pythia: Priesterin des Orakels von Delphi im antiken Griechenland, die Reisenden die Zukunft weissagte, benannt nach Python, einer geflügelten hellsichtigen Schlange. Als Apollon Python tötete, soll das Blut der Schlange im Boden versickert sein, wodurch sich Pythons Hellsichtigkeit auf den Ort übertrug.
Die meisten Prophezeiungen der Pythia erwiesen sich als doppeldeutig und selbsterfüllend, d.h. sie wurden erst wahr, weil die Betroffenen sie gehört hatten.
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Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Während der vier Stunden, die ich in dem verspäteten Zug verbrachte, sprudelten mir alle diese Ideen nur so im Kopf herum.
Joanne K. Rowling