
von selliiWeasley
Der erste Sommertag des Jahres brachte den Bewohnern von Hogwarts eine regelrechte Vorfreude auf die langen Sommerferien, die sie von dem kommenden Schuljahr trennte. Das Schloss sah aufgeräumt aus, denn alle Habseligkeiten der Schüler, die sich über das Jahr hinweg an den verwinkelten Ecken des Schlosses angesammelt hatten, waren bereits in ihren zum bersten vollgestopften Koffern verstaut. Frei von dem Druck für die Abschlussprüfungen und die Mengen an Hausaufgaben, genossen fünf junge Mädchen den letzten gemeinsamen Tag für die nächsten Monate.
„Lass doch noch mal ein Stück Kuchen rüberwandern, Anna.“, das Mädchen mit den dunkelbraunen Haaren tat wie geheißen.
„Also Mädels, ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich kann es kaum erwarten, den Sommer endlich hinter mir zu haben.“, sagte Lily, die mit dem Rücken an eine Buche gelehnt, die Sonnenstrahlen auf ihrem Gesicht genoss. Die Freundinnen stöhnten mitleidvoll. Lily, die einzige Muggelstämmige unter den fünf, wurde von ihrer Schwester Petunia gehasst, da sie eine Hexe war. Alle wussten, wie schwer es für Lily war, damit zurecht zu kommen, da sie ihre Schwester trotz allem liebte.
„Wie sieht eure Planung für den Sommer aus?“, fragte die blonde Caroline gutgelaunt in die Runde.
Jocelyn legte für einen Moment die Feder beiseite und überlegte.
„Mum und ihr komischer neuer Mann ziehen zusammen. Ich werde wohl so tun müssen, als sei ich Luft und versuchen die Sticheleien der Zwillinge zu ertragen.“
Erneutes seufzen. Jo hatte es ebenfalls nicht leicht. Ihr Vater, ein angesehener Zauberer, starb, als sie noch ein Baby war. Er hat sich seine Heiltränke stets selbst gebraut, und bei diesem einen schien etwas mächtig schief gegangen zu sein. Ihre Mutter hatte sie seither Muggelgerecht aufgezogen. Seitdem sie die Kinder ihres neuen Mannes adoptiert hatte, fühlte sie sich ihrem Nichtmagischem Leben verbunden und distanzierte sich von ihrer einzigen Tochter.
Caroline sah verärgert drein. „Leute!“, rief sie hysterisch und stand auf. Scarlett sah hinüber zu Lily und beide verdrehten die Augen. Sie wussten, dass Caroline sie jetzt wieder mit einer ihrer Begeisterung suchenden Reden beehrte. Anna kicherte.
„Wir haben das sechste Schuljahr hinter uns“, startete sie mit theatralisch angehobener Stimme. Wenn man sie so reden hörte, erinnerte man sich an die Reihe talentierter Quidditchspieler, die seit Traditionen in ihrer Familie waren, denn diese Begeisterungsfähigkeit konnte nur ein wahrer Quidditchspieler im Blut haben.
„Wir haben, trotz all den Streichen der Rumtreiber, fiesen Anspielungen der Slytherins und immense Verluste in der Quidditchliga, das Jahr hinter uns gebracht.“ Sie schritt bedeutungsvoll vor den vieren her und zählte ihre Argumente an den Fingern ab, um deren Wichtigkeit zu unterstreichen.
„Es ist der erste schöne Tag dieses Sommers, wir sitzen hier am See, um sorgenfrei unseren Gedanken nachzugehen und-„ schloss sie mit Nachdruck in der Stimme, „egal was uns diesen Sommer verdriestlich machen könnte, wir haben uns. Wir werden das überstehen, weil dieser Sommer die schmale Grenze zwischen all der gemeinsamen Vergangenheit, die wir nun haben, und unserem letzten Jahr hier bildet. Also, Kopf hoch, ihr Schlampen!“
Sie setzte sich, während Scarlett und Lily drei mal kurz zum Applaus in die Hände klatschten. Carolines Reden hatten sie ihre Gesamte Schulzeit erdulden müssen, da war weit mehr nötig, um ihren Kampfgeist jetzt noch zu wecken.
„Die Beleidigung am Ende hätte jetzt nicht unbedingt sein müssen, Care“, lachte Anna. Jocelyn hatte sich erneut in ihren Brief vertieft, an dem sie schon den ganzen Tag schrieb, und Scarlett und Lily schlossen wieder die Augen.
„Mein Sommer wir hoffentlich interessant“, sagte Anna und demonstrierte Caroline, dass nicht jeder so eine pessimistische Einstellung hatte. Anna war sehr schüchtern und stets darauf bestrebt, die extrovertierte Caroline zu beeindrucken.
Mit mäßigem Interesse wandten sie sich Anna zu. „Ich lerne meine Verwandten in Kalifornien kennen.“
Jetzt konnte nicht mal mehr Lily verleugnen, dass sie beeindruckt war. Zwei Monate Amerika, dort sollte die kleine Anna ihre Ferien verbringen.
„Großonkel Aiden hat meinen Eltern einen Brief geschrieben, dass er mich seit meiner Taufe nicht mehr gesehen hat und hat mich prompt zu ihm eingeladen. Er besitzt dort wohl eine Orangenplantage und hat drei Stiefkinder.“
„Na seht ihr, so sollte man seine letzten Sommerferien verbringen. So und nicht anders.“, Caroline reckte beide Daumen in die Luft.
„Wie gedenkst du denn, deinen Sommer zu verbringen?“, fragte die schwarzhaarige Scarlett herausfordernd, doch sie bekam nicht sofort eine Antwort. Caroline war hüpfend aufgesprungen und tänzelte nun ohne ein Wort davon. Anna, die dem See den Rücken zugekehrt saß, konnte als einzige sehen, wohin Caroline so schnell verschwunden war.
„Knutschalarm“, flüsterte sie kichernd. Tatsächlich hatte sich ihre blonde Freundin eben gerade in die Arme ihres dunkelhaarigen Freundes gestürzt. Kevin und sie gingen seit den Weihnachtsferien miteinander und seitdem war Caroline noch aufgedrehter und oberflächlicher geworden, wenn das überhaupt möglich war. Aber so war sie eben, ob man sie liebte oder nicht.
Das Paar war in Hogwarts wie ein „Traumpaar“ angesehen. Quidditchkapitän und Sucher der Hausmannschaft von Ravenclaw, verliebte sich in das hübscheste und beliebteste Mädchen der Schule. Ihre Geschichte war Märchenbuchreif, fast schon perfekt.
Kevin und seine Freunde verabschiedeten sich und Caroline eilte wieder zurück.
Sie strahlte.
„ich verbringe meinen Sommer mit ihm. Kevin wird zwei Wochen bei uns wohnen und die übrige Zeit über werden wir uns süße Briefchen schreiben.“
„Wie romantisch“.
Die auf Wolke sieben schwebende Caroline schien den Sarkasmus in Scarletts Stimme nicht zu bemerken.
„Wie sieht es mit dir aus, Scar?“, warf Lily ein.
Die Schwarzhaarige überlegte einen Moment und drehte gedankenverloren an ihren Lippenpiercing.
„Ich weiß nicht genau.“, schloss sie dann. „Wahrscheinlich werde ich eine Weile in London bleiben. Die Muggelseite der Hauptstadt erkunden und so. Meine Mum wollte mir möglicherweise einen Ferienjob besorgen“
Scarletts Mutter, Ella Forks, arbeitete im St. Mungo. Seit sie denken kann, war Scarlett ebenfalls von dem Beruf als Heilerin fasziniert.
Caroline hantierte umständlich an dem Picknickkorb herum, den sie mit Lebensmittel aus der Hauselfenküche gefüllt hatten. Sie zog die fünf letzten Flaschen Butterbier heraus und verteilte sie.
„Also dann, mögen unsere letzten Sommerferien ein unvergessliches Erlebnis bleiben!“
Sie stießen an und tranken und lachten, weil Anna sich bekleckerte und ließen den Tag ausklingen.
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