
von selliiWeasley
Danke sarahogwarts für das Kommi :) Ist echt cool von dir, dass du schon so viel liebe kritik schreibst, obwohl du ja nur den Prolog lesen konntest :) Ich hab das erste Kapitel in zwei Teile geteilt, weil es doch ziemlich lang war. Den zweiten Teil muss ich allerdings noch überarbeiten, deswegen kommt hier erst Teil 1:
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Jocelyn
Liebe zukünftigen 7.Klässlerinnen,
Ich hoffe euer Sommer ist gut. Ich schreibe euch diese Zeilen von meinem winzigen Zimmer in Brighton aus. Ich glaube „winzig“ ist noch eine maßlose Untertreibung.
Meine Mum hat es mal wieder nicht als ihre Pflicht angesehen, mich den Sommer über zu sich zu nehmen, und mich kurzerhand in ein, wie sie es nennt „bildende-Zukunftseinblick-gewährende-Fortbildung-und-Erweiterung-der-persönlichen-Fähigkeiten-Dings“ geschickt.
Ihre ganzen Argumente, dass sie es nur gut mit mir und meiner Zukunft meint, kaufe ich ihr nicht ab. Sie hat jetzt Brian, ihren wunderbaren, nichtmagischen und vollkommen langweiligen neuen Ehemann, da braucht sie mich nicht mehr. Ich bin nur ein überflüssiges Anhängsel.
Er hat sie geschwängert. Brian meine ich. Jetzt können sie eine glückliche neue Familie werden.
Also bin ich jetzt hier bei meinem Lehrgang. Es ist eine Art Journalismus-Workshop für Muggel und ich lerne hier Tag ein Tag aus langweilige Zeitungsartikel über aristokratische Politiker, das neue Bowlingteam der Stadt, den Senjorennachmittag und die neuste Entdeckung über den kleinsten Mistkäfer der Welt zu schreiben.
Und das schlimmste: Diese langweiligen, vorschriftsbesessenen Muggelkinder! Solche Streber gibt es selbst bei den Ravenclaws nicht!!!
…“ Bist du Jocelyn Sykes?“
Sie zog das „o“ in Jocelyn derart abartig in die Länge, dass Jo am liebsten gleich wieder rückwärts die steile Treppe hinunter gerannt wäre. Doch sie war so außer Puste, ihren schweren Koffer hier hoch zu hieven, dass sie es nicht über sich brachte, den Weg noch einmal auf mich zu nehmen.
„Jaa??“, fragte sie vorsichtig, als würde sie etwas schlimmes erwarten.
„Super, dann bist du ab heute meine Zimmerschwester“.
Auf dem Gesicht des fremden Mädchens war echte Freude zu sehen, in ihrem Mundwinkel sammelten sich Speichelfäden, als sie mich breit angrinste.
Jo stöhnte. Als sie ihren Freundinnen ihre Pläne für die Sommerferien erzählte, hatte sie mit keinem Wort erwähnt dass sie vorhatte, neue Freundschaften zu schließen?
Jo wollte ihre Ruhe. Zeit zum Nachdenken, schreiben, meditieren. Für sich selbst da sein. Stattdessen fand sie sich nun in einem winzigen Zimmer mit einer vor Freude quickenden „Maren“ wieder. „Machst du auch so gerne Pyjamapartys, wie ich? Ich liebe es mit meinen Freundinnen zu quatschen und Filme zu gucken…“
Maren redete am laufenden Band. Das einzige, was Jo sich von Marens Geschwafel behalten konnte, war ihr Sprachfehler. Sie lispelte und jedesmal, wenn sie versuchte „sssss“ zu sagen, spuckte sie.
„Hey, ehhm…“, begann Jo, Marens Monolog zu unterbrechen. Sie sahen sich an.
„Ich würde gerne ein wenig die Gegend erkunden. Ein wenig frische Luft schnappen. Ist das okay?“ Marens Lächeln gefror ein wenig, doch sie nickte.
Jo trat aus der Herberge in die Sonne. Keine Frage, Brighton war wunderschön. Wäre sie aus einem anderen Grund hier, und in anderer Gesellschaft, könnte sie sich keinen schöneren Ort vorstellen um ihre Sommerferien zu verbringen. Aber nicht SO.
Am Strand war nicht viel los, es war ja auch noch sehr früh. Nur vereinzelt waren Familien mit Kleinkindern dort, die sich den besten Sonnenschirm sichern wollten. Jo sah eine Gruppe kleiner Jungs, die Steine auf dem Meer springen ließen.
Jo lachte. Sie erinnerte sich daran, wie sie und ihre Freundinnen in der fünften Klasse einmal versucht hatten, Steine auf dem See springen zu lassen. Nur dummerweise gab es einen Riesenkraken im See von Hogwarts, der die Steine wieder zurück warf. Einer davon hatte ihr Klassenkamerad Peter Pettegrew am Kopf getroffen und alle Beteiligten hatten Bauchschmerzen vor Lachen, als er sich den Hinterkopf rieb. Der arme Peter hat echt immer Pech.
Um halb elf traf sich die Schreibgruppe und Jo musste wieder zurück in die Pension. Einige regionale Journalisten waren dabei, die trotz ihres Alters versuchten cool und kumpelhaft rüber zu kommen. Sie saßen in einem Stuhlkreis, mitten eines großen Versammlungsraumes und hörten sich langweilige Vorträge über das Arbeitsleben eines Journalisten an.
Während Jo so dasaß und ihren Gedanken nachging, überlegte sie, dass ihre Mutter echt naiv sein musste um zu glauben, dass Jo einmal für eine Muggelzeitschrift schreiben würde. Sie wollte die großen News schreiben. Die weltbewegenden. Aus IHRER Welt.
Sie wusste, wenn das jemand verstehen würde, dann ihre Freundinnen. Mit einem mal bekam sie einen heftigen Klos im Hals, wenn sie an Lily, Caroline, Scarlett und Anna dachte, die wohl gerade die besten letzten Sommerferien verbrachten, während sie auf ihrem langweiligen Muggelworkshop einging.
Meine Lieben Schwestern. Jetzt sitze ich schon ganze drei Tage hier und fühle mich, wie in einem Gefängnis. Ich kann es nicht erwarten, euch alle wieder zu sehen.
In Liebe, Jo
XXXXXX
Caroline
Liebe Schwestern,
Möge euer Sommer gesegnet sein. Meiner ist es nicht.
Kevins Familie hasst mich. Und ja, ihr werdet denken, dass ich mal wieder übertreibe, da ich, wie immer, alles zu theatralisch sehe. Aber diesmal ist es ernst. Ich schwöre!
Und ich schwöre, dass ich wirklich total aufgeschlossen und freundlich war. Es liegt also verdammt noch mal nicht an mir. Wie auch immer, ich werde euch alles berichten.
Als Kevin und ich kurz vor den Ferien unseren Jahrestag gefeiert haben, haben wir beschlossen, dass es an der Zeit ist, dass ich seine Eltern kennen lerne. Ich habe euch davon nichts gesagt, da ich nicht gedacht habe, er meint das ernst. Ich meine, immerhin ist es Kevin. Große Töne spucken und prahlen gehört eben einfach zu ihm, doch dafür liebe ich ihn… Egal, ich schweife ab.
Ich habe nunmal einfach nicht gedacht, dass er das so ernst sieht, mit unserer Beziehung. Doch nachdem er das gesagt hatte, war ich mir hundertprozentig sicher, dass wir zusammen gehören. Bis ich mir über unsere Zukunft im klaren wurde…
„Wie kommst du hin?“, fragte die blonde Frau abwesend, während sie mit ihrem Zauberstab einen Pinsel dirigierte, der ihre Nägel lackierte.
„Mum! Ehrlich mal, ich erzähle dir, dass ich die Eltern meines festen Freundes kennen lerne und das erste, was dir einfällt ist zu fragen, wie ich dort hin komme?“
Elisabeth Forks sah ihre Tochter kurz an und schob ihre Unterlippe vor, eine Angewohnheit, die Caroline von ihr hatte.
„Entschuldigung. Ich wollte nur sicher gehen, dass du da oben auf Wolke sieben noch realitätsnah genug bist, um dich über solche Sachen zu kümmern.“
Die blonde Caroline verdrehte die Augen. „Flohpulver“, murmelte sie kurzangebunden. Caroline seufzte und setzte sich neben ihre Mutter auf das Sofa. „Ich habe einfach angst, was sie von mir halten könnten. Ich meine, was ist, wenn ich etwas falsches sage, oder tue?“
Es kommt wirklich sehr selten vor, dass Caroline einmal mit ihrer Mum über ihre Ängste redete. Sie war nun mal nicht die Art Mutter, der man etwas anvertraute.
„Wieso sollte das denn passieren?“
Caroline machte es rasend, dass sie nur da saß, ihre Nägel lackierte und sie nicht einmal ansah, wenn sie mit ihr redete. „Muuum!“, sagte Caroline entrüstet.
„Kannst du mir nicht einmal zuhören? Du weißt, wer seine Eltern sind und ich will einen Ratschlag von dir, damit ich mich besser fühle.“
Sie sah sie an, lächelte.
„Na schön, Süße, was willst du von mir hören?... Kevin Sorcery, richtig? Also seinen Vater kenne ich aus dem Ministerium. Großartiger Mann. Kandidiert er nicht als Zaubereiminister?“
„Äh, ja? GENAU DAS IST JA MEIN PROBLEM!! Wie kann ich diese einflussreiche, wohlhabende und zivilisierte Familie nur für mich gewinnen?“
Jetzt lachte Elisabeth. Caroline tobte innerlich. Als hielte ihre Mutter sie für ein kleines süßes Mädchen, das irgendwas dummes gesagt hat. Anscheinend merkte sie, was sie damit erreichte.
„Sie mal, Caroline. Du kannst von niemandem verlangen, dass er dich einfach so mag. Es wird dir nicht jeder Mensch, dem du begegnest, Puderzucker in den Arsch blasen“.
Jetzt lachte Caroline. Das war einfach die Art ihrer Mutter, sich auszudrücken.
„Aber wenn Kevins Eltern genau das in dir sehen, was ich in dir sehe, nämlich das wunderbare, aufgeschlossene und hilfsbereite tolle Mädchen, das du bist, dann werden sie nicht anders können, als dich zu lieben.“
Carolines Hals schnürte sich seltsam zu.
„Danke. Mum“
Als sie jedoch in dem beeindruckenden Kamin herumwirbelte, und die vier Augenpaare bemerkte, die sie anstarrten, kamen Caroline die Worte ihrer Mutter leichtgläubig vor. Wenn nicht sogar kindisch.
Sie hustete und fegte die gröbsten Ascheflecken von ihrer Kleidung. Staunend sah sie sich in der riesigen Empfangshalle um. Goldverzierte Kronleuchter prangten von der Decke, riesige Vasen mit orientalischen Blumen standen an jeder Ecke und die Wand zierte ein Teppich mit dem Familienwappen der Sorcerys.
Erst jetzt begann sie die Menschen um sich herum ein wenig genauer in Augenschein zu nehmen. Kevins Vater war älter, als Caroline erwartet hatte. Er war weißhaarig und hatte fast ebenso helle Haut. Sein Blick wirkte ernst und starr, so als könnte er nicht lächeln.
Neben ihm stand seine zweite Frau, die er nach dem Tod von Kevins Mutter kennen lernte. Sie war zig Jahre jünger als ihr Mann, doch auch sie wirkte sehr kühl und distanziert, obwohl sie versuchte, herzlich zu lächeln. Sie hatten einen gemeinsamen Sohn, Phillipe, Kevins Stiefbruder. Er wurde von seiner Mutter zu Hause unterrichtet und nach Kevins Beschreibungen war er ein kleines, verwöhntes Muttersöhnchen.
Als Kevin Caroline von seiner Familie erzählte, hatte sie sich Phillipe immer als ein etwas pummeligen, Aufmerksamkeit suchenden dreizehnjährigen Jungen vorgestellt, doch das war eine Untertreibung.
Phillipe trug einen purpurnen Mantel und hatte die schwarzen Haare milimetergetreu an seiner Stirn mit Gel fixiert. Er war blass und dünn und wirkte wie eine Echse, die in einer dunklen Kellerecke hauste. Er sah Caroline mit einem dermaßen abschätzigen Blick an, dass sie glaubte, er war ihr-wisst-schon-wer persönlich und hielt sie für eine Muggelstämmige.
Die winzige Sekunde, die Caroline diesen Jungen nun kannte, reichte ihr, um ein Urteil über ihn zu bilden. Sie hasste ihn!
„Guten Tag“, flötete Caroline freundlich, wie es ihre aufdringliche Art nun mal ist.
„Ich bin Caroline Forks“
Zur Begrüßung hielt sie zunächst Mr. Sorcery die Hand hin.
Er nahm sie einen Moment lang in Augenschein, als würde er Gutachten von ihrem pinken Nagellack anfertigen, und nahm sie dann schließlich in seine.
„Jaahh“, er zog es lang und nasal, als wüsste er nicht, wie er sich vorstellen sollte.
„Sir Niclaus Sorcery“, sagte er schließlich und Caroline stutzte. ‚Sir??‘ fragte sie sich im stillen. Für was hielt dieser Mann mich? Caroline war sich sicher, dass ihr Dad Kevin niemals aufgefordert hatte, ihn ‚Sir‘ zu nennen.
Doch sie blieb höflich und erwiderte: „Sehr erfreut.“
Seine Frau wirkte auf einmal ein wenig herzlicher, als noch vor einigen Sekunden. Sie begrüßte sie und Caroline war erleichtert, dass sie sie nicht ‚Madam‘ nennen musste, sondern bloß Juliet. Phillipe ignorierte sie und sie machte sich nicht die Mühe, auf ihn zu zugehen.
Vornehm, wie es sich gehörte, begrüßte Kevin seine Freundin zuletzt, mit einem Kuss auf die Wange. Es war gruselig. Den Kevin, den Caroline bis dato gekannt zu haben glaubte, schien in diesem Monstrum von Haus überhaupt nicht zu existieren. Er war so… anders.
Juliet brachte sie auf ihr Zimmer, während sie mit ihrem Zauberstab Carolines Gepäck vor uns in der Luft dirigierte.
„ich hoffe, du wirst eine schöne Zeit hier verbringen“, sagte Juliet, um das Schweigen zu unterbrechen. Carolines Mund war wie ausgetrocknet und sie schenkte ihr nur ein nettes Lächeln.
Das Gästezimmer war umwerfend. Ihr eigenes Zimmer hätte mindestens fünf mal hineingepasst, dachte Caroline, als sie ihren Blick über die hohen, goldüberzogenen Vitrinen, das stattliche Himmelbett und die fliederfarbenen Vorhänge gleiten ließ, die die riesigen geschwungenen Fenster umschmeichelten.
„Ich lass dir erst mal etwas Zeit für dich“, sagte Juliet und verschwand.
Caroline ließ sich rücklings in die dutzend weichen seidenen Kissen fallen.
Von dort aus hatte sie einen märchenhaften Ausblick über die Ländereien der Socerys, die sich von den Pferdekoppeln über den See mit hunderten bunter Seerosen, bis zu einem Garten mit riesigen exotischen Pflanzen erstreckte.
Es wirkte so idyllisch, so perfekt.
Caroline wusste nicht, ob sie das recht hatte sich hier wohl zu fühlen. Sie wusste nicht, was sie von Sir Socery und Phillipe halten sollte, die sie bei der Begrüßung sehr eingeschüchtert hatten.
Sie wollte, dass Kevins Familie sie mochte. War es nicht ihr Traum, für immer mit ihm zusammen bleiben zu können?
Nach dem Sommer würde er eine Zeit lang reisen, die vielen Ferienvillen seiner Familie erkunden, die in den bedeutendsten Zauberregionen der ganzen Welt verteilt waren, bis er sich hier einen Job im Ministerium suchte.
Caroline hatte gehofft, eine wunderbare, vorerst letzte gemeinsame Zeit mit ihrem Freund zu verbringen, bevor sich ihre Wege trennten.
Sie seufzte.
An der Tür hörte sie ein leises Klopfen. Caroline setzte sich aufrecht und sagte zaghaft: „herein?“
Es war Kevin. Ohne ein Wort stürmte sie auf ihn zu und warf sich in seine starken, muskulösen Arme. Mühsam hielt sie die Tränen zurück.
„Hey, hey, Care.“, sagte er behutsam und hielt sie so weit von sich gestreckt, um ihr in die Augen sehen zu können.
„Was ist denn los?“
Sie wandte den Blick ab.
„Nichts…“, begann sie mit piepsiger Stimme, doch ihr Freund zog eine Augenbraue hoch. Kevin wusste sofort, wenn etwas mit ihr nicht stimmte.
„Es ist nur, jetzt da ich hier bin, fühlt es sich alles so endgültig an. Du wirst weg sein, ich in Hogwarts. Die ganze Zeit war es noch so unwirklich und ich war mir nie im klaren, was das bedeutet, doch jetzt?“
Ihre Tränen konnte sie nun nicht mehr zurück halten.
Sanft zog er sie an sich.
„Du weißt, es ist nicht für immer. Es ist nur eine kurze Zeit, die wir getrennt sind. Ich liebe dich, und ich will mit dir zusammen sein.“, beschwichtige er sie.
Doch Caroline fühlte sich nicht besser. Ihr Freund konnte sagen, was er wollte. Ein Jahr war eine verdammt lange Zeit, wenn es den dabei blieb. Erst Recht in den Zeiten, in denen sie lebten.
Jeder spürte es, dass die Stimmung der gesamten Zauberwelt knisterte. Man sprach von einem Zauberer, der böser war, als jeder zuvor. Er wartete im Verborgenen auf den richtigen Moment und scharte alle möglichen Gefolgsleute um sich.
Doch wo blieb da ihre eigene persönliche Realität in einem Jahr? Wo blieben Caroline und Kevin?
Machte sie sich zurecht sorgen?
XXXXXX
Lily
Anna, Scarlett, Caroline, Jocelyn.
Mein Sommer verlief wie vorhergesehen. Petunia versucht nicht alleine mit mir in einem Raum zu sein und spricht nur das nötigste mit mir. Es macht mich traurig, zu sehen, dass ich meine einzige Schwester verloren habe.
Wenn es eine Möglichkeit gäbe, ein klärendes Gespräch mit ihr zu führen, damit sie mich versteht und alles wieder so wird wie früher, glaubt mir, ich würde es tun.
Einmal bin ich dem jungen Snape begegnet. Auch mit ihm habe ich nicht gesprochen. Und das wird sich wohl auch nicht ändern. Er kann mir gestohlen bleiben, seit er mich so genannt hat.
Vielleicht ist euch aufgefallen, dass ich geschrieben habe, mein Sommer ‚verlief‘ wie vorhergesehen.
Wir haben neue Nachbarn....
Lily Evans lag auf einer Decke im Vorgarten und las die Briefe ihrer besten Freundinnen, als sie den markerschütternden Schlag hörte, der ihre Idylle zerriss.
Bestürzt rappelte sie sich hoch und erblickte in ihrer Einfahrt einen riesigen Möbellastwagen. Zwei Männer standen um einen riesigen Holzhaufen herum, der wohl Sekunden zuvor noch ein Schrank gewesen sein musste.
Sie bekamen neue Nachbarn.
Anscheinend war Mrs Purkin von nebenan gestorben oder im Altersheim, denn die Familie, die jetzt die übrigen Kisten und Möbel ins Haus räumte und die Überbleibsel des alten Schrankes in einen Container warf, würde wohl in ihr Haus ziehen.
Lily schürzte die Lippen und hegte vehement einen Groll gegen die Friedensstörer.
Eine Weile beobachtete sie die Muggel, die sich an ihren Habseligkeiten abschleppten und kicherte. Wie einfach war doch das Leben mit Zauberei.
Es war eine Kleinfamilie, dachte Lily. Der Junge, der etwa drei Jahre jünger war, als sie, sah der gelockten Frau und dem gebräunten Mann sehr ähnlich.
„Tyson, holst du noch die letzte Kiste?“, rief die Frau dem jungen Mann zu, den Lily jetzt erst bemerkte.
Sie sah nur seinen Rücken. Er hatte das T-Shirt ausgezogen und trug es nun lässig über der Schulter. Seiner Hautfarbe her, schloss sie, dass er wohl der ältere Sohn sein musste.
Tyson drehte sich um und Lily sah sein Gesicht.
Er sah sehr gut aus. Seine Kinlangen, dichten Locken umrahmten sein dunkles Gesicht.
Er hatte hellblaue Augen, die zu seinem Teint einem interessanten Kontrast bildeten. Und seinen Oberkörper zierten durchtrainierte Muskeln.
Als er den Kopf hob, sah er Lily, die ihn fortwährend anstarrte.
„Ah Hallo“, sagte er freundlich und Lily fand, seine Stimme hatte einen tiefen melodischen Klang. Er grinste schief, als Lily immer noch in ihrer Trance verharrt blieb.
„Hast du einen Sonnenstich?“, fragte er belustigt.
Lily schrak auf.
„Was? Oh nein. Nein, nein….“, stammelte sie spitz.
Der junge Mann namens Tyson lachte.
„Alles klar, man sieht sich sicher mal“, verabschiedete er sich und trug den letzten Karton ins Haus.
Lily stöhnte und ließ sich ins weiche Graß fallen. Wieso musste sie sich immer so dämlich benehmen, wenn sie jemanden wirklich gut fand, was nicht sehr oft vorkam. Lily war sehr wählerisch, was Jungs angelangte, zumindest sagten das ihre Freundinnen, auf die sie sich stets verließ.
Es war nur so, dass immer die Sorte Jungs auf sie stand, der sie liebend gerne bei lebendigem Leibe den Kopf abgerissen hätte.
James Potter war das perfekte Beispiel dafür, dachte Lily grimmig.
Manchmal glaubte Lily, er wäre nur ein äußerst dummer, verwandelter Stier, der in Wahrheit bloß hinter ihrem roten Haar her war, wie in einem Stierkampf.
Und so Typen bildeten sich dann ein, sie würden auf sie stehen.
Grimmig blickte sie noch einmal zu dem Haus rüber, in dem Tyson gerade verschwunden war.
Na toll, dachte Lily. Jetzt hielt der wahrscheinlich einzige coole Typ in der ganzen Stadt sie auch noch für eine Witzfigur.
Betrübt rappelte sie sich auf, nahm ihre Decke und die Briefe und ging zurück ins Haus.
Es roch nach Kuchen. Lilys Mutter tänzelte gut gelaunt in der Küche herum, in ihren Händen trug sie ein heißes Blech frischer Blaubeermuffins.
„Mum?“, begann Lily zögernd, lehnte sich mit dem Rücken an die Anrichte und pustete eine feuerrote Strähne aus ihrem Gesicht.
Ihre Mutter lächelte sie fragend an.
„Was ist mit Mrs Purkin von nebenan passiert?“, versuchte sie das Gepräch in die richtige Richtung zu lenken.
Ihre Mutter guckte betrübt.
„Sie ist vor einigen Wochen an einem Herzinfakt gestorben. Arme Frau. Ihr Sohn zieht mit seiner Familie gerade ein.“
„Und, kennst du die Purkins?“, fragte Lily betont beiläufig.
„Nicht gut. Dein Dad und ich waren ein paar mal bei Mrs Purkin zum Tee eingeladen. Einmal waren ihre Enkel auch dort. Benjamin und wie hieß der andere noch gleich?“
„Tyson?“
Ihre Mutter sah sie fragend an. Lily wurde rot.
„Seine Mutter hat ihn vorhin so gerufen. Er kann auch anders heißen. Tyler oder Trevor oder Simon…“, redete sie fieberhaft.
Mrs. Evans lachte.
„Du hast wohl Gefallen an ihm gefunden!“, triezte sie ihre Tochter und zeigte mit einem Schneebesen auf sie, den sie gerade abgewaschen hatte.
„Auf wen steht sie?“, hörten sie eine abschätzige Stimme.
Petunia stand im Türrahmen und verschränkte die Arme.
Bevor Lily eine Ausrede erfinden konnte, wurden sie alle von der Haustürglocke abgelenkt. Lily, die der Tür am nächsten stand, murmelte: „Ich gehe schon.“
Sie öffnete die Haustür und blickte in zwei wunderschöne Himmelblauen Augen.
„Ähhhh… ja?“, fragte Lily und ärgerte sich selbst. Sie wusste, dass sie gerade sehr unterbelichtet klang, doch war es, als würde dieser Tyson sie tatsächlich daran hindern, einen klaren Satz zu formulieren.
Auf seinem Gesicht erschien wieder sein spöttisches schiefes Grinsen.
„Hey, ich bin Tyson. Wir sind nebenan eingezogen.“, er hielt ihr die Hand zur Begrüßung hin.
„Wer ist denn da an der Tür?“, rief Mrs Evans neugierig.
„Niemand wichtiges“, rief Lily spitz über die Schulter. Sie blickte wieder zu Tyson, der nun wirklich lachte.
„Ach komm, willst du mich beleidigen? Wieso soll ich denn unwichtig sein?“, fragte er amüsiert.
„Das bist du nicht, nein, ich meine..“, doch weiter kam Lily nicht. Tyson hielt sich nun den Bauch vor Lachen. Lily bemerkte seine schneeweißen Zähne.
Dann verlor sie ihre Geduld und somit auch ihre Hemmungen.
„BITTE WAS VERDAMMT NOCH MAL IST SO LUSTIG?“, fuhr sie ihn an und stemmte die Hände in die Hüften. Auf einmal war sie ganz die Vertrauensschülerin, die mal wieder dabei war, rotzfreche Erstklässler zurecht zu stutzen.
„Hey, alles cool“, erwiderte Tyson lässig und hob die Hände, als wollte er einen bissigen Hund besänftigen.
„Was ist das Problem?“, Lily warf sich das lange rote Haar über die Schulter, immer ein ungutes Zeichen.
„DU BIST DAS PROBLEM! DENKST DU BIST HIER DER TOLLSTE UND MEINST DICH HIER HINSTELLEN ZU KÖNNEN UND MICH AUSZULACHEN, NUR WEIL ICH MAL EIN WENIG BEFANGEN BIN. ICH MEINE SO OFT KOMMT ES AUCH NICHT VOR, DASS JEMAND SO GUTAUSSEHENDES IN UNSERER STRAßE… Ich meine…“, als Lily bemerkte, was sie da gerade geschrien hatte, wäre sie am liebsten im Erdboden versunken.
Tyson wirkte nun noch belustigter.
„So, so, der kleine Feuerteufel findet mich also gutaussehend“
Er sagte es mit solch einer Selbstsicherheit, dass Lily schon empört etwas erwidern wollte.
„Eigentlich war ich hergekommen, um mich für die Lärmbelästigung in der Mittagsruhe zu entschuldigen-“, Lily machte ein abschätziges Geräusch
„-aber so wie es aussieht , werde ich jetzt mit einem Date mit der hübschen Nachbarstochter belohnt.“, schloss er.
„Ein Date?“
„Wieso nicht? Du kannst mir ein wenig die Gegend zeigen“
Lily überlegte. Sofort kam ihr in den Sinn, abzusagen, ihn auf irgendeine Art zu beleidigen und die Tür vor seiner arroganten Nase wieder zu zuschlagen. Doch was hatte sie eigentlich zu verlieren?
Sie stolzierte an ihm vorbei und lief die Zufahrt hinunter.
„Also was stehst du da noch rum?“, fragte sie mit einem kleinen Gefühl des Triumpfes. Ihre Schlagfertigkeit also hatte sie gottseidank wieder gefunden.
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