
von MicheIIe
„Rose Li Maddrey? Mehr ist euch nicht eingefallen?“, ungläubig sah ich Wurmschwanz an und knallte ihm zornig das Stück Papier, mit meinem neuen Namen, auf den Tisch. ‚Verzeiht mir Herrin.’, demütig verbeugte er sich und verließ den Salon. Wieder war ich alleine, ich dachte über den Plan nach, über meinen Vater und an meine Aufgabe.
Wütend ging ich zum Spiegel und schaute mich an. Die entstehende Falte zwischen meinen Augenbrauen strich ich mit den Fingern wieder glatt und zwang mich, mich nicht über das Fehlverhalten der Bediensteten aufzuregen. Mein hübsches, helles Gesicht bildet einen leichten Kontrast gegenüber meinen langen braunen Haaren und geschwungenen Augenbraunen. Meine Haarfarbe war wohl eine Mischung aus den damals schwarzen Haaren meines Vaters und denen meiner Mutter. Die Augen, die im Vergleich zu meinem Vater ein sattes grün wieder spiegelten, hatte ich hundertprozentig von ihr. Aber woher sollte ich wissen wie sie aussieht, wenn sie seit Jahren tot ist und kein Foto existiert? Aber wen kümmert’s, mich jedenfalls nicht.
Es stand fest, ich würde Hogwarts, die Schule für Hexerei und Zauberei besuchen. Ich konnte es selbst nicht fassen, doch nun stand ich hier, am Londoner Bahnhof auf Gleis 9 ¾. Mit Entsetzen stellte ich fest, wie ich neben Blutsverrätern und Schlammblütern stand und wie sie sogar in den gleichen roten Zug, wie ich, einstiegen wollen. Wie sollte ich das nur verkraften?
Jahrelang wurde ich von privilegierten Privatlehrern unterrichtet, allesamt Todesser. Ich wuchs alleine auf, die einzigen Freunde die ich je hatte, waren,… nein Moment mal, eigentlich hatte ich noch nie Freunde. Ich wurde stets wie ein Juwel behandelt. Da wir das Thema Freunde schon mal abgeschlossen haben, wie sieht’s aus mit der Familie? Der einzige, den ich noch habe ist mein Vater. Dennoch bin ich ohne ihn aufgewachsen, bis vorkurzen war eine schräge Kreuzung aus Leben und Tod. Wie vorher erwähnt ist meine Mutter tot, kleine Randinformation: ich hasse es mich wiederholen zu müssen.
Die Todesser sehen mein Vater sozusagen als einen Gott an. Es ist echt merkwürdig, ich weiß. Aber ich hatte dadurch keinen erheblichen Schaden, also sei’s drum. Es bringt nur Vorteile, alle wollen dich zufriedenstellen und beschenken dich, nur damit deine Laune nicht fällt.
„Orientiere dich an den Slytherins, sie tragen schwarz, grüne, silberne Umhänge.“, die Stimme meines Vaters hallte in meinem Kopf und verschloss augenblicklich meinen Geist. „Das kannst du bei Potter machen.“, dachte ich mürrisch.
Ja, Slytherin gegründet von Salazar Slytherin, ein Mitgründer Hogwarts und der wohl bedeutendste Zauberer unserer Geschichte. Die List und der Stolz auf die Abstammung kennzeichnen seine Ideologie und ich bin verdammt stolz, dass mein Vater sein Erbe ist.
Naja, weiter im Text. Nun stand ich hier in mitten von den Pöbel und dem Abschaum der ganzen Zauberergesellschaft. Verächtlich blickte ich mich um. Kinder, die ich verabscheue, wuselten herum. Man müsste meinen, dass nur Kinder zu dumm zum laufen wären, aber nein, ein rothaariges Mädchen hat es geschafft ihre Intelligent genauso weit nach untern zu schrauben und stieß von hinten mit voller wucht gegen mich. Ganz langsam drehte ich mich um und erdolchte sie fast mit meinem Blick. „Oh tut mir fürchterlich leid.“, stammelte das Mädchen unbeholfen. „Das ist auch das Mindeste.“, meinte ich kühl und entfernte mich.
Das war Ginny Wealey, eindeutig. Woher ich das weiß? Tja, ich musste mich vorbereiten. Jeden verfluchten Tag lernte ich von Bildern die einzelnen Personen im näheren Umfeld von Harry fucking Potter kennen. Lernte die jeweiligen Charakter auswendig, um herauszufinden, wie ich an sie heran kommen kann und wo natürlich ihre Schwächen liegen. Musste mir Strategien überlegen, wie wir ‚Freunde’ werden und sie mir ‚vertrauen’, nur um ihnen dann die Dolchstoß zu verpassen. Ob das nicht Grausam ist? Nein, dass sind meine Aufgaben. Außerdem ist es nicht viel grausamer, ein ganzes Volk, welches offensichtlich besser und höher gestellte ist als die unfähigen Muggel, zu unterdrücken und es dazu zwingt im Verborgenen zu leben?
Die Untergebenen meines Vaters vermuten, dass eine alte Bewegung gegen ihn wieder ins Leben gerufen wurde - „Der Orden des Phönix“- schlottern eure Knie auch so wie meine? Der ach so tolle Harry Potter hat nämlich zurzeit kein sehr gutes Ansehen bei den Zauberern; im Tagespropheten wird er verhöhnt, genauso wie Dumbledore. Das heißt wiederum, dass das Ministerium und die weitere dumme Bevölkerung glaubt, dass Lord Voldemort nicht auferstanden sei. Es soll sogar eine Untersekretärin des Ministers Fudge eine Lehrerrolle übernehmen, nur damit sie die Kontrolle über Hogwarts gewinnen, sagen zumindest zuverlässige Quellen. Einfach lächerlich, in hoffentlich naher Zukunft regieren die Todesser so oder so das Ministerium und vor allem Hogwarts. Naja, solange die mir nicht auf dem Sack gehen, kann es mir auch egal sein.
Mittlerweile ging ich zielstrebig auf eine Gruppe von Jungs zu. Vom weiten erkannte ich schon Vincent Crabbe, seine Eltern hängen meinem Vater am Rockzipfel und versuchen ihm alles recht zu machen. Bei verschiedenen Treffen nehmen oft die Todesser ihre Sprösslinge mit, warum auch immer, auf jeden fall häng ich dann immer mit ihnen rum, was jedoch schlimmer sein könnte. Als ich näher herankam, bemerkten sie mich und schenkten mir ihre volle Aufmerksamkeit. „Hey Rose, alles gut.“, lachte Grabbe mich an und ich lächelte schwach zurück, ja auch ich kann auch lächeln. „Ich würde lieber zu Fuß nach Hogwarts gehen, als hier mit dem Gesindel zusammen in einem Zug zu reisen. Einfach widerlich.“, brummte ich missgelaunt. „Wir machen das jetzt schon seit fünf Jahren, man gewöhnt sich dran.“, versuchte mich ein bullig aussehender Zauberer aus Slytherin aufzumuntern. „Toller Trost, Flint.“, ertönte hinter mit die unverkennbare Stimme von Draco Malfoy.
Nach kurzen Begrüßungen von ‚Bekannten’, ging wir zusammen in ein Abteil und machten es uns gemütlich. Kurz vor der Abfahrt stürmte ein schlechtgelauntes Mädchen namens Pansy Parkinson ins Abteil und ließ sich neben Goyle fallen. „Die verdammten Muggel, die ihre Schlammblüter zum Zug bringen, haben nicht einmal den Anstand platz zumachen.“, schnaubte sie wütend, dann bemerkte sie mich. „Pansy, dass ist Maddrey, Rose Maddrey. Ich denke ihr werdet gute Freunde.“, stellte Draco uns gelassen vor, wobei mir nicht entging, dass das eine Aufforderung für die Freundlichkeit ihrerseits war. Auch wenn sie mir von Anfang sympathisch vorkam.
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