
Erinnert ihr euch noch daran, als ich gesagt habe, dass ich es schlimm fand, dass meine Eltern Todesser waren?
Haltet euch fest, das war bei Weitem nicht das Schlimmste, was mir je passiert war. Die Situation in der ich mich jetzt befand, war schrecklich, doch es sollte noch schlimmer kommen.
Also, die Treppen runter rannte: Draco. (War ja klar, nicht wahr?)
Ich hatte ihn noch nie so sehr gebraucht, wie in diesem Moment.
Er hatte etwas in der Hand. Es sah aus wie ein Laib Brot.
"Ist das Brot?", fragte ich und wusste nicht, wie ich fühlen sollte. Sollte ich froh darüber sein, überhaupt etwas zu essen zu bekommen? Oder sollte ich enttäuscht sein 'nur Brot' zu bekommen?
Ich entschied mich dafür, froh zu sein.
"Ja, es ist Brot. Aber kein Gewöhnliches.", sagte Draco. Ich blickte ihn ahnungslos an.
"Erzählt es niemandem, eigentlich ist es verboten, dass ich es dir gebe. Es ist nämlich immer erneuerbares Brot. Das soll bedeuten, dass es nie endet. Du hast immer was davon."
Gierig streckte ich eine Hand durch das Gitter und nahm das Brot entgegen.
Ich nahm einen Bissen und tatsächlich, dort wo ich abgebissen hatte, erneuerte sich das Brot.
Ich legte das Brot beiseite und lehnte mich mit dem Kopf an die Wand und schloss die Augen. Ich atmete tief durch und dachte nochmal darüber nach, wie es überhaupt so weit kommen konnte.
Ich dachte über das Gerücht nach, wie alle mich ignorierten, alle mich hassten, was Pansy für eine Schlange war, wie ich Harry Potter geschlagen hatte, wie Draco mir sein Liebesgeständnis machte, wie ich ihn für das Gerücht verantwortlich gemacht hatte, wie ich Harry im Astronomieturm fand, wie Draco Dumbledore bedrohte, wie ich zu ihm laufen wollte, mich aber Bellatrix mit dem Zauberstab drohte, wie sie mich festnahm...
Ich öffnete meine Augen. Draco hatte sich neben mich auf den Boden gesetzt. Einzig das Gitter trennte uns noch.
Ich berührte das Gitter mit meiner linken Hand, Draco führte seine Hand zu meiner, ich erschrak ab seiner kalten Handfläche, doch ich nahm meine Hand nicht weg. Wir verschränkten unsere Finger ineinander und blickten uns in die Augen.
"Ich wünschte, das Gitter wär' nicht da.", flüsterte ich.
"Ich wünschte, wir wären an einem sicheren Ort, wo wir allein sein könnten.", sagte Draco.
"Ich liebe dich, Draco Malfoy.", sagte ich mit zitternder Stimme und wischte eine Strähne aus meinem Gesicht.
"Ich liebe dich, Vanessa McCoy."
Blaise rollte mit den Augen und sagte: "Leute, das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für Liebesgeständnisse. Schon vergessen? Wir sind hier in einem Kerker und du bist eingesperrt, Vanessa!"
"Mensch, Blaise, reg' dich mal ab.", konterte ich.
"DRACO!", schrie jemand von oben.
"Oh, das ist mein Vater. Ich muss gehen." Draco stand auf und warf mir einen letzten leidenden und dennoch liebenden Blick zu. Dann ging er die Trepe rauf und verschwand.
Ich seufzte. Wie lange würde ich wohl noch hier eingesperrt bleiben müssen?
"Weisst du, ich würde dich so gerne rauslassen, aber ich kann nicht. Immer wenn ich dich hier drin sehe, tut's mir im Herzen weh."
Blaise setzte sich und fuhr fort: "Aber ich wette, du kommst bald hier raus."
Schritte rannten die Treppe runter, aber es waren nicht Draco's Schritte.
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