
von spebs-shibs
„Lily!!!!! Komm runter Lily, bitte!!!“. Stille. „Mensch Lily, wir können da jetzt auch nichts dafür, vermiese uns jetzt bitte nicht den Tag!! Vermiese ihn DIR nicht, es ist schließlich dein Geburtstag. Und nicht nur irgendein Geburtstag, es ist dein 17., heute wirst du erwachsen!! Komm jetzt sofort runter!“.
Wieder Stille, eine drückende Stille, und die Stimmung wie auf einem Friedhof. Niedergeschlagen schlurfte Harry in die warme Küche, in der herrliche Düfte ankündigten, dass hier jemand eifrig am kochen und backen war.
Plötzlich wurde er sanft von einer kleinen Hand ins Kreuz gestoßen und der Hauself der Potters, niemand anderes als der gute alte Dobby trippelte aus der Speisekammer hervor. Er lächelte bekümmert, doch sein kleines Gesicht mit den übergroßen Tennisballaugen erhellte sich, als er Harry sah.
„Oh, Master Harry, ich habe sie gar nicht kommen sehen!! Wollen sie ein Glas Kürbissaft, oder ich könnte ihnen ihre geliebt Pastete zubereiten, oder-„ Harry seufzte belustigt.
Nach all dieser Zeit, seit er Dobby in seiner Schulzeit aus den Händen der Malfoys befreit hatte, hatte die Unterwürfigkeit und Anbetung ihm gegenüber des kleinen Elfen nicht nachgelassen.
Im Gegenteil, auf das Angebot das sie ihm nach dem Krieg gemacht hatten, doch bei ihnen zu wohnen und ihnen in den Haushaltsdingen zur Hand zu gehen (Ginny hatte vom Talent Mollys leider nichts geerbt und keiner von ihnen hatte es bis jetzt fertiggebracht ihre Steak und Nieren-Pastete vollständig aufzuessen, ohne Magenkrämpfe zu bekommen), natürlich bei anständiger Bezahlung und freien Tagen, war er sofort (wieder einmal) in Tränen ausgebrochen und hatte mit blitzenden Augen, und einem Gesicht, das fast schon so strahlte wie die Sonne zugesagt, und seitdem betete er die gesamte Familie Potter gerade zu an. „Nein, nein“, versicherte Harry dem erwartungsvollen Dobby, „ich komme aus einem anderen Grund“.
Sein Blick wanderte nach oben und Dobby, der sofort begriff, wies mit einem traurigen Lächeln zu den Köstlichkeinen, die sich am Küchentisch entlangstreckten und von Butterbier mit Vanillearoma (Lilys Lieblingsgetränk) bis zu Harrys geliebter Siruptorte reichten. Inmitten dieser Schätze thronte die dreistöckige Geburtstagstorte, die von einer magisch leuchtenden 17 gekrönt wurde.
Harry lief das Wasser im Mund zusammen, aber er besann sich einer Besseren mit dem Gedanken, dass es heute ein viel wichtigeres Problem gab, als zu überlegen, wie das wohl alles in seinen Bauch passen sollte.
Dobby riss ihn aus seinen Gedanken: „Mistress Ginny war bei Dobby, bevor sie zum Spiel musste, ganz in der Früh, Sir. Sie hat Dobby schon alles erzählt. Aber Dobby hat sich davon nicht abschrecken lassen, und trotzdem weitergearbeitet, wie Master Harry es ihm aufgetragen hat.“ Der Elf sah mit einem hoffnungsvollen Blick zu seinem Meister auf. „Master Harry ist Dobby doch nicht etwa böse, oder?“ „Nein, nein, natürlich nicht, Dobby“, entgegnete Harry zerstreut.
Das Ginny auch ausgerechnet diese Woche mit den Holyed Harpies verreisen musste. Dabei war er es ja gewesen, der ihre Zweifel, ob er denn mit den Kindern eine ganze Woche klarkommen würde, auch noch an Lilys Geburtstag, mit dem Argument beiseitegewischt hatte, dass er das ja schließlich nicht zum ersten Mal mache, und dass sie sich diese Chance nicht entgehen lassen sollte, da es der Durchbruch der Mannschaft werden könnte. Es hatte ja auch keiner damit gerechnet, dass ausgerechnet zu demselben Zeitpunkt Lilys langjähriger Freund mit ihr schlussmachen würde.
Dass dieser Kerl überhaupt die Dreistigkeit hatte, das kurz vor ihrem 17. Geburtstag zu tun. Harry wurde sich bewusst, dass er nichtmal den Namen des Übeltäters kannte, diesen nämlich hatte ihnen Lily all die Zeit geheimnisvoll verschwiegen. Na, jetzt wissen wir ja den Grund, dachte sich Harry.
Ihr wird wohl bewusst gewesen sein, worauf sie sich da eingelassen hatte, und wird es sorgsam vermieden haben, sich auch nur das kleinste Detail entlocken zu lassen. Harry lächelte resigniert. Und na, da hatten sie jetzt das Problem. Nicht nur Dobbys Köstlichkeiten lagen unangerührt auf dem Küchentisch, im Wohnzimmer wartete auch ein großer Stapel Geschenke darauf, ausgepackt zu werden.
Mit den Jungs gibt es nie solche Probleme, dachte Harry bei sich. Die zwei sind in dieser Hinsicht viel unkomplizierter, so etwas wie Liebeskummer hatte es bei ihnen noch nie gegeben. Ha, Liebeskummer!!
Harrys Blick verdüsterte sich noch mehr. Das erregte die Aufmerksamkeit des besorgten Dobby, und mit einem liebevollen Tätscheln holte er Harry wieder aus seinen Gedanken hervor.
„ Ist Master Harry sicher dass er doch nichts möchte?? Oder möchte Master Harry sich aussprechen? Dobby ist immer für Master Harry da da kann sich Master Harry sicher sein!!“ .Der Hauself lächelte Harry breit an. Wider Willen musste Harry lachen. „Dobby, bei Merlins Bart, du hast jetzt schon so oft „Master Harry“ gesagt, man bräuchte die Hände sämtlicher Hogwartsschüler, um das abzählen zu können“.
Der Elf grinste schüchtern. „Master Harry-„ setzte er an, doch Harry unterbrach ihn. „Außerdem Dobby, ich hab schon oft gesagt, dass du das „Master“ weglassen kannst, einfach „Harry“ reicht. Damit bin ich völlig zufrieden. Das gleiche gilt natürlich für meine Familie, die-„, er brach ab und das „Problem des Tages“ fiel ihm wieder ein. Wie er das überhaupt für kurze Zeit vergessen konnte. Gestresst rieb er sich die Nasenwurzel. „Schokolade haben wir keine mehr da, oder? Du weißt schon, die aus dem Honigtopf.
Vielleicht kann ich sie überreden davon zu essen, und die hilft ja immer, also warum nicht auch bei Liebeskummer.“ „Tut mir Leid, nein, Mas-, ich meine Harry, aber Mas-, Entschuldigung, Albus hat die letzte aufgegessen“. „Vielfraß“, murmelte Harry. „Hm, Dobby, was machen wir den jetzt?
Sie lässt keinen an sich ran. Ihre Zimmertür ist mit einem Zauber verschlossen, der nichtmal Alohomora wirken lässt, und ein kleines Genie wie sie ist, hat sie es auch geschafft, über ihren ganzen Raum einen Bann zu zaubern, der das Hineinapparieren unmöglich macht. Dieser Kerl muss ihr ja wirklich zugesetzt haben. Ihren Geburtstag wollt sie sonst immer feiern.
Ja, besonders auf die Geschenke hatte sie es immer abgesehen, wie wild war sie darauf, egal wie alt sie war. Tja, nur heute nicht.“ Er seufzte erneut. Er war so in seine trübseligen Gedanken versunken, dass er gar nicht bemerkte, wie sich die Kugelaugen des Elfen erhellten und sich ein schüchernes Lächeln über das Gesicht des kleinen Dieners zog.
Und so schreckte er verwundert auf, als direkt neben seinem Ohr Dobbys leise Stimme ertönte. „Harry, vielleicht sollte Dobby ja mal vorbeischauen, Sie wissen doch, Hauselfen können jeden Zauberbann durchbrechen. Er könnte direkt in ihr Zimmer hereinapparieren und naja, mal sehen, was sich dann da machen ließe.“
Dobby konnte es nicht ausstehen, wenn es den Potters schlecht ging, erst recht nicht an solch einem wichtigen Tag, und er setzte sich gewöhnlich wie kein anderer dafür ein, dass diese Probleme schnellstens aus der Welt geschafft wurden, wie auch an diesem Tag. Und so ließ er sich auch nicht entmutigen, als er in Harrys nicht gerade hoffnungsvolles Gesicht blickte. „Und Dobby könnte etwas vom Butterbier mit hinaufnehmen, das wirkt ähnlich wie Schokolade. Was sagt Master Ha-, entschuldigung, Harry dazu?“ Nun war aus dem Lächeln ein Strahlen voller Tatendrang geworden, von dem sich auch Harry angesteckt fühlte, und so zuckte er mit den Schultern, strich Dobby liebevoll über den kleinen Kopf, bevor er sich selbst durch die wie immer zerzausten Haare fuhr, dabei sagte er: „Du hast recht, Dobby, mal sehen, was sich da machen lässt.“
Er grinste den Elfen an, der sich sofort ans Werk machte und wie ein emsiger Bienenschwarm in der Küche herumsauste, hier etwas Kuchen und da noch ein Bisschen Butterbier in seine Schürze steckte und sich mit einem Knall, der sich anhörte als würde der Korken einer Sektflasche bersten in Nichts aufloste.
Während Harry die Gelegenheit nutzte und sich heimlich schon einmal etwas von der Siruptorte stibitzte, überraschte Dobby im ersten Stock eine wütente und zerzauste Lily, die inmitten einem Berg aus Papierschnipseln saß, und von trockenen Schluchzern geschüttelt wurde. Aufgeschreckt durch den Knall blickte Lily auf und Dobby sah in ein vom Weinen zugeschwollenes Gesicht, ehe sich ein, von der erregten Lily geworfener Stoffetzen über sein Gesicht legte, der sich als Unterhemd endpuppte, nachdem Dobby ihn in die Hand genommen, begutachtet, sorgfältig zusammengelegt und auf Lilys Bett gelegt hatte.
Durch ein Meer aus Kleidungsstücken, Papiertaschentüchern, Büchern und anderen diversen Gegenständen watete Dobby wie ein tapferer Krieger auf Lily zu, die versuchte ihr Gesicht zu verstecken während sich ihre hysterische Stimme überschlug bei dem Versuch Dobby anzuschreien.
„Verschwinde! Bei Merlins Bart, ich sehe grauenvollst aus!! Was machst du überhaupt hier, hat Harry dich geschickt? Ich will niemanden sehen, NIEMANDEN, kapiert? Geh weg, verdammte Schei-„ sie verschluckte sich und ein gewaltiger Hustanfall erschütterte sie. Sanft klopfte Dobby ihr auf den bebenden Rücken, bevor er sie so gut es mit seinem kleinen Körper ging in den Arm nahm.
Zu aufgelöst um sich zu wehren sank sie in Dobbys Arme der ihr über ihre tränennassen Wangen streichelte und versuchte, sie ein wenig zur Ruhe zu bringen, indem er beruhigend auf sie einredete.
„Mistress Lily soll doch bitte aufhören zu weinen, Dobby wird ja selber noch ganz traurig. Mit Mistress´ Lilys Tränen könnte man ja einen ganzen Kessel füllen, soviel hat sie heute schon geweint. Aber warum denn nur, Misstress Lily? Dobby möchte ihr doch so gerne helfen, aber er muss schon den Grund erfahren. Wir wollen doch nicht den ganzen schönen Tag hier verbringen, nicht war? Das wäre doch eine Verschwendung, oder?“
„Ha, Verschwendung!“ Lily spuckte das Wort regelrecht aus, gemeinsam mit einem Schwall neuen Schluchzern. „Verschwendung, das waren die ganzen letzten drei Jahre! Die letzten drei Jahre mit IHM! Ein verächtliches Zucken lief über ihr Gesicht.“ Dobby hielt inne und reichte ihr ein neues Taschentuch, aber da brach die ganze Geschichte schon aus ihr heraus. Sie merkte, wie gut es tat, alles erzählen zu können, und Dobby saß einfach nur da und hörte ihr zu, nicht wie Harry, der sie bestimmt alle drei Minuten unterbrochen hätte, oder Al und James, die sie sicherlich ausgelacht hätten.
Sie berichtete ihm alles, vom Anfang bis zum bitterbösen Ende. Der Schwarm von Hogwarts war er gewesen, fast jedes Mädchen stand auf ihn, und es hätte sie misstrauisch machen müssen, dass er sich ausgerechnet für sie interressierte, das wurde ihr jetzt bewusst. Aber wie heißt es so schön, Liebe macht blind, und sie war in diesem Fall auf beiden Augen blind wie ein Maulwurf gewesen.
Wie glücklich war sie gewesen, als sie sich im Cafe von Madam Pudifoot zum ersten Mals geküsst hatten, vor Freude hätte sie platzen können, als er nach dem herausragenden Quidditchsieg der Mannschaft von Gryffindor nur mit ihr am See spazieren gehen wollte, anstatt mit seiner Mannschaft zu feiern. Wäre ihm da nur nicht das kleine Büchlein aus der Tasche gefallen, beim letzten „Date“, und wenn er nicht so damit beschäftigt gewesen, ihren BH zu öffnen, hätte Lily gar keine Zeit gehabt, es sich genauer anzusehen.
Bei der Erinnerung, verfiel Lily erneut in verzweifeltes Schluchzen. „Und nur gelacht hat er, dieses fiese Arschloch, einfach nur blöd gegrinst, und dabei gesagt `Na, was hattest du denn gedacht? Dass ich mich mit dir zufrieden geben würde, mit DIR?` ! Danach wollte ich nur noch weg, weg von diesem perversem Widerling.
Fünf andere „Freundinnen“, kannst du dir das vorstellen? Ganze Fünf! Ich war Nummer Drei!“, Lily spuckte verächtlich aus.
„Im Terminkalender hat er sich alles genauestens aufgeschrieben, akribisch genau hat er in diesem lächerlichen kleinen Heftchen notiert, wann welches Treffen gewesen war, sogar Notizen über unsere Kleidung standen da, damit er auch immer über alles Bescheid wüsste, damit keine von uns Verdacht schöpfen würde! Das ist so lächerlich, so LÄCHERLICH!“ Nun kam von Lily nur noch ein hysterisches Kichern, und Dobby fand, dass nun der richtige Moment war, sie wieder in den Arm zu nehmen.
Liebevoll glättete er mit seinen langgliedrigen Fingern ihr zerzaustes Haar. Er reichte ihr vorsichtig eine Flasche Butterbier, und Lily nahm trotzig eineige tiefe Schlucke, an denen sie sich prompt erneut verschluckte.
Doch diesmal hatte sie sich besser unter Kontrolle, sie fing sich wieder, und das Butterbier hatte seine beruhigende Wirkung erzielt. „Danke, Dobby, danke.“ Sie drückte den Elfen an sich, und ihm traten Freudentränen in die Augen.
„Nein, Mistress Lily, Dobby hat zu danken. Es ist Dobby doch immer so eine große Freude wenn er Mitgliedern der Familie Potter helfen kann!“ „Ach Dobby!“, Lily seufzte. „Mum oder Dad hätte ich das niemals erzählen können, die hätten zu viele Fragen gestellt, aber bei dir ist das was ganz anderes. Und es tut doch so gut es endlich draußen zu haben. Du bist was ganz besonderes!“
Nun war es Lily die Dobby den Kopf tätschelte, und der glückliche Dobby erwiderte: „Nein, Mistress Lily ist etwas Besonderes, und deshalb sollte sich Mistress Lily niemals so leicht aus der Fassung bringen lassen.
Da gibt es hunderte von netten, jungen Zauberern, die auf so eine tolle Hexe wie Mistress Lily warten, da braucht sie sich gar keine Gedanken machen. Und auch Master Harry weiß dass, genauso wie seine Ginny, und Master Albus und Master James, sie wissen alle wie Besonders Mistress Lily ist.
Deshalb haben sie sich heute auch solche Mühe gegeben, dir den schönsten Tag deines Lebens zu bereiten, und den sollte Mistress Lily doch nicht einfach so vorbeiziehen lassen, oder?“ Dobby fasste Lily am Arm, und zog sie zur Tür, doch sie hielt ihn zurück, ihr Gesicht war nun wieder ernst, und Dobby fürchtete schon, sie würde wieder einen „Rückfall“ bekommen.
„Das bleibt unter uns, oder Dobby? Bitte erzähl von meiner Dummheit nichts Dad. Er wäre niemals so dumm gewesen und kann sich das nicht vorstellen. Wie ich es geschafft habe auf diesen schleimigen Aal hereinzufallen, der Frauen wie Pokale gesammelt hat.“ Lily stöhnte, behielt aber ihre Fassung.
Dobby war erleichtert, jetzt war sie bereit für den Tag, mal abgesehen von einer Kleinigkeit, die für jemanden wie Dobby kein Problem darstellte. Verschmitzt lächelte der Lily zu. „Natürlich bleibt das unter uns, Mistress Lily! Wie könnte Dobby jemals eine Bitte von seiner geliebten Lily abschlagen!
Aber er macht das auch nur unter der Bedingung, dass Lily jetzt mit herunterkommt und den schönsten Geburtstag ihres Lebens feiert!“ Und nach Lilys glücklichem Nicken hatte er nur noch eines zu tun.
Er winkte Lily vor den Spiegel und schnippte mit dem Finger, und Lily konnte mitverfolgen, wie die Schwellungen in ihrem Gesicht langsam zurückgingen, und mit ihrem hübschen Gesicht erschien auch das altbekannte Funkeln in ihren Smaragdgrünen Augen wieder, und mit wehendem Haar und strahlenden, vor Vorfreude glitzerndem Gesicht wandte sie sich zur Tür, bevor sie mit bebender Stimme, in der man das Glück und die Verschmitztheit förmlich spüren konnte rief:
„Hat Dad nicht vorhin etwas von Geschenken gesagt?“
- ENDE -
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