
Die nächsten Tage blieb ich in meinem Zimmer. Ich hatte Angst vor der Reaktion der Malfoys, wenn ich ihnen erzählen würde, dass kein Versuch geklappt hat und ich ein Muggel bleibe.
Sehr warscheinlich würden sie mich vor die Türe setzen und dann würde ich auf der Strasse leben, hungern und mit zehn oder elf Jahren sterben. Wenn ich schon sterben sollte, könnte ich es ja beschleunigen.
Dieser Gedanke setzte sich in meinem Kopf fest. Tag und Nacht nagte er an mir bis ich eine Woche darauf das Zimmer verliess. Ich blickte mich im Flur um um sicher zu gehen, dass mich niemand sah. Stockwerk für Stockwerk stieg ich hoch, bis ich auf das Dach gelangte. Doch dort war ich nicht allein.
„WAS HAST DU GETAN?!“, brüllte Lucius. Ich duckte mich hinter eine Kiste, damit er mich nicht erblickte.
Bellatrix war bei ihm.
„Sie werden dich nach Askaban schicken! Für den Rest deines Lebens!“
„Ich habe keine Angst vor Askaban.“, gackerte Bellatrix. „Ich war schon mal dort und hab’s durchgestanden.“
Lucius schwieg. Sein Kopf war hochrot. Dann nach zwei Minutenn brachte er endlich ein Wort raus: „Ich gehe. Viel Glück in Askaban.“ Er liess Bellatrix im Winde stehen. Leise schlich ich zur Treppe, mein Selbstmordplan wurde abgeblasen. Vielleicht auch nur verschoben.
Ich näherte mich Draco’s Zimmer und klopfte an.
„Warte!“ Ich hörte einen dumpfen Aufschlag und zehn Sekunden später öffnete er die Türe und lächelte verschmitzt. „Was willst du?“
„Was hast du da drin gemacht?“ „Öhmm... Nur ein paar neue Zauber ausprobiert... aber erzähl Mom und Dad ja nichts davon, verstanden?“ Ich nickte. Er führte mich hinein. Ich setzte mich auf sein Bett und sah mich in seinem Zimmer um. „Was ist Askaban?“
„Askaban? Das ist das grösste und schlimmste Gefängnis für Zauberer. Da wird einem die Seele ausgesaugt. Von Dementoren, hat mein Dad gesagt.“ Das ganze Blut wich aus meinem Gesicht. Das würde ja bedeuten, dass man Bellatrix die Seele aussaugen würde. Das konnte ich nicht zulassen! „Was ist los, Muggelmädchen?“, grinste Draco.
Ich schüttelte den Kopf und versuchte die Tränen zurückzuhalten. Sie konnten mir nicht meine Tante wegnehmen, die ich erst gerade kennen gelernt hatte und die mich mit offenen Armen empfangen hatte.
Ich verliess sein Zimmer schleunigst und geriet geradewegs in die Arme von Narzissa. „Wo ist Bellatrix?“, fragte ich, obwohl ich schon eine Vermutung hatte.
„Sie wird uns für ein paar Tage verlassen. Sie ist leider schon gegangen. Komm mit mir runter in die Küche, ich will was mit dir besprechen.“
Stumm lief ich ihr hinterher.
Lucius sass am grossen Tisch. Er hatte einen Brief in der Hand.
Ich setzte mich ihm gegenüber und Narzissa setzte sich neben ihn. Lucius legte den Brief auf den Tisch und schob ihn zu mir rüber. Der Umschlag war bereits geöffnet worden. Ich holte den Brief hervor.
Liebe Laura
Ich weiss, dass du jetzt bei den Malfoys bist und das beruhigt mich sehr. Du kannst ihnen voll und ganz vertrauen. Nun aber zu meiner eigentlichen Angelegenheit, warum ich dir diesen Brief schreibe:
Deine Mutter und ich, wir haben uns getrennt. Wir hielten es für das beste. Deine Mutter hat das Haus behalten und ich wohne jetzt in Bulgarien. Ich unterrichte an der Zaubererschule namens Durmstrang. Wenn du willst, kannst du auch zu mir ziehen. Ich habe ein sehr schönes Haus gefunden. Aber du kannst natürlich auch bei den Malfoys bleiben. Die Möglichkeit zu deiner Mutter zu ziehen gibt es leider nie mehr – nicht nur, weil sie dich nicht mehr sehen will. Es ist so, ich habe vor zwei Tagen die Nachricht aus London bekommen, dass deine Mutter tot ist.
Ich blickte vom Brief auf, direkt in das gespannte Gesicht der beiden Erwachsenen. Ich hatte mein Pokerface aufgesetzt, aber tief in mir drin herrschte ein Gefühlschaos.
Ich las weiter:
Ich finde nicht, dass du wissen musst, wie deine Mutter gestorben ist.
Schreib mir zurück, wenn dich dieser Brief erhalten hat.
In Liebe
Dein Papa
Ich legte den Brief beiseite. Wutentbrannt starrte ich auf den Brief. Wir konnte mein Vater nur denken, dass ich nicht wissen muss, wie meine eigene Mutter gestorben war?
Der Brief ging in Flammen auf und ich zuckte zusammen.
„Ich hasse Briefe, die sich selbst zerstören.“, murmelte Narzissa und schaufelte die Asche weg.
„Ihr wisst, wie sie gestorben ist, nicht wahr?“
Beide schwiegen.
„Ihr wisst es! Ich habe ein Recht darauf es zu erfahren!“ Das war das erste Mal, dass ich jemanden anbrüllte.
„Sie hat recht, Lucius...“ Narzissa strich Lucius sanft über die Hand und wandte sich dann zu mir.
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