Lovely Ashes - Kapitel 1 - Duell mit einem Todesser
von watercave
Soooo, los geht's mit dem ersten Pitel. VictoriaJane empfiehlt beim Lesen "Strange Times" von The Black Keys anzuhören. ^^
Kapitel Eins
Duell mit einem Todesser
Montag, 26. April 1998
16:15 Uhr
Klatsch!
In dem Moment, als sie auf dem harten Boden auftraf, konnte Audrey Lovecraft den bitteren Geschmack von salzigem Blut in ihrem Mund schmecken. Obwohl ihr Kopf schwirrte und sich aufgrund eines heftigen Schlages gegen ihren Unterkiefer ein unangenehmes Gefühl von ihrem Magen her ausbreitete, gelang es der 17-jährigen Ravenclaw Schülerin, ihre Augen von dem Steinboden zu lösen und in die vergnügten Augen von Amycus Carrow, ihres neuen Professors in Verteidigung gegen die dunklen Künste, zu sehen.
„Und 50 Punkte Abzug von Ravenclaw sollten zu ihrer Bestrafung genügen!“, höhnte er gönnerhaft. „Sollten sie mir je wieder widersprechen, Lovecraft, so werde ich den Cruciatus – Fluch benutzen, um meinen Standpunkt klar zu machen!“, dann wandte er sich wieder den duzenden geweiteten Augen vor sich zu und keifte: „Klasse entlassen!“
Mit einem plötzlichen, lauten Kratzen von Stühlen und entsetzten Flüstern, verließ die Klasse hinter einem sich freuenden Amycus den Raum. Audrey stöhnte und rollte sich schwerfällig auf den Rücken, um sich für das Kunststück namens Aufstehen bereit zu machen, doch da wurde sie von zwei starken Armen unter ihren Achseln auf ihre Füße gehoben. „Was hast du dir bloß dabei gedacht?“, flüsterte eine entsetzte, jedoch vertraute männliche Stimme ungeduldig. „Hast du einen verdammten Todeswunsch, Audrey?“, die Stimme packte einen ihrer Arme und hängte ihn sich über die Schultern, während jemand anderes das Gleiche auf der anderen Seite tat.
Eine Runde Übelkeit und einen schmerzhaften Schwächeanfall abschüttelnd, erkannte sie, dass sie von Dean Thomas und Seamus Finnigan aus dem Verteidigung gegen die dunklen Künste Klassenzimmer geführt wurde. Beide waren aschfahl und sahen alarmiert aus.
„Vielleicht einen ganz kleinen!“, sagte sie heiser und lächelte, zuckte aber sofort zusammen, als ein scharfer Schmerz durch ihren in Mitleidenschaft gezogenen Kiefer schoss: „Ich nehme an, dass wir auf dem Weg zum Raum der Wünsche sind, oder?“ Dean nickte und während Seamus und er sie die Treppe zum 7. Stock hochhievten, schickte er ihr einen verstohlenen Blick: „Wir werden das Blut aufwischen und etwas Eis für deinen Kiefer holen!“
Audrey nickte schwach, da sie wieder eine Welle von schwindelnder Übelkeit aus ihrem Magen durchlief. Sie war kurz davor, umzukippen. „Hört sich gut an!“, murmelte sie durch ihre vernebelte Sicht hindurch.
Wenige Augenblicke später, so schien es; obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass sie in Ohnmacht gefallen war, sehr groß war, hörte sie wie Ginny Weasleys laute Stimme ihre Sinne überfiel, während sie auf einem provisorischen Bett im Raum der Wünsche lag. Sie schloss die Augen und versuchte, die Geräusche auszusperren, während jemand mit einem nassen Handtuch ihr Gesicht reinigte, aber Ginnys Stimme war bald schwer zu ignorieren.
„Was in Merlins Namen ist denn mit dir passiert?“, rief sie, während sie sich neben Audrey auf das Bett setzte und ihre Hand nahm.
Audrey öffnete ihre Augen erneut und fixierte ihren Blick auf die Rothaarige und aus den Augenwinkeln sah sie, wie Michael Corner, ebenfalls ein Siebtklässler aus Ravenclaw, ihr Blut aufwischte. Sie machte sich eine mentale Notiz, ihm später zu danken!
Es war Dean, der an ihre Stelle antwortete: „Amycus war gerade dabei uns zu erklären, wie wir den Cruciatus Fluch nächste Woche zu Übungszwecken an einander anwenden sollten, und Audrey, wie sie nun einmal ist, konnte ihre verdammt große Klappe nicht halten und hat ihm widersprochen!“ Er klang empört, doch Audrey konnte nicht genügend Kraft aufbringen, um ihren Kopf zu drehen und nachzusehen, ob er wirklich wütend war.
Ginny sah entsetzt aus. „Bist du verrückt geworden?“, rief sie empört.
Audrey zuckte halbherzig mit den Schultern: „Wahrscheinlich!“ Dann, mit einer plötzlichen Zufuhr an Energie, drehte sie sich zu Dean. „Mach dir mal keine Sorgen, denn ich werde nach dem heutigen Tag wahrscheinlich für eine Weile nicht mehr in der Lage sein, meine verdammt große Klappe zu benutzen!“, fügte sie sarkastisch hinzu.
Er schien gegen ein Grinsen ankämpfen zu müssen. „Gut.“, sagte er ausdruckslos: „Dann wird Amycus nicht mehr den Anreiz bekommen, dich zu verletzen!“
Wieder zuckte Audrey fast ohne die geringste Bewegung mit ihren Schultern: „Ich war überrascht, dass er es im Muggel – Stil gemacht hat… Ich dachte, er würde sie hassen!“
Plötzlich, obwohl nur fünf Leute im Raum waren, entstanden hektische Bewegungen nahe der Türe und, ehe Audrey die Folgen ihrer Aktion überdenken konnte, drehte sie ihren Kopf schnell herum, um etwas sehen zu können- und bereute das sofort!
Eine Welle intensivsten Schmerzes schoss durch ihren ganzen Hals, Nacken und Kiefer und ihr wurde wieder schwindelig.
Hannah Abott, eine Hufflepuff Schülerin mit pinkem Gesicht raste mit geweiteten Augen und einem Stück Pergament fest umklammert in ihrer Hand in den Raum. „Schaut euch das an!“, rief sie ihnen zu, blieb aber wie angewurzelt stehen, als sie Audrey bewegungslos und blutüberströmt auf dem Bett liegen sah: „Woah Merlin, Audrey! Was ist passiert?“ Dean unterbrach sie sofort: „Gleich!“, sagte er: „Was ist das?“, und deutete auf das Stück Pergament, das Hannah immer noch in der Hand hielt. Ihr schien erst jetzt wieder einzufallen, weswegen sie in erster Linie gekommen war, also entrollte sie das Pergament und las laut vor: „Am kommenden Samstag Abend wird unter der Leitung von Amycus und Alecto Carrow, den Professoren in Verteidigung gegen die dunklen Künste und Muggelkunde, ein Duelier -Club stattfinden. Dieser wird von jetzt an verpflichtend für alle Schüler des 6. und 7. Jahrgangs jede Woche stattfinden… Spezielle Kurse…herausragende Teilnehmer…bläht, bläht, bläht!“ Ihre Augen wanderten Zeile für Zeile weiter runter: „Oh! Hier: Sollte ein Schüler aus unakzeptierbaren Gründen nicht teilnehmen, wird er oder sie dementsprechend bestraft werden!“ Sie blickte auf und stieß zitternd einen Luftstoß aus: „Ich bin auf dem Weg hierher in Anthony Goldstein hineingerannt- er war auf dem Weg zu Slughorn zum Nachsitzen –und er wusste auch schon davon, also wurde es höchstwahrscheinlich auf den schwarzen Brettern in allen Gemeinschaftsräumen ausgehängt.“ Ginny sah über die Nachricht sehr entsetzt aus: „Verbindlich? Warum machen sie einen Duellier – Club verbindlich?“
Michael musste aufhören, Audreys blasses Gesicht von Blut zu reinigen, denn sie hatte sich mit solch einer Geschwindigkeit aufgesetzt, wobei sich ihr Kopf anfühlte, als ob er nicht auf ihrem Hals verankert wäre. „Training“, sagte sie schwach, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern, aber trotzdem wandten sich alle Köpfe zu ihr: „Es wird ein Duellier – Club mit dunklen Künsten… Sie trainieren uns, um Todesser aus uns zu machen!“
Hannah blickte aufgrund dieser Einsicht entsetzt drein, eine Hand vor ihren Mund geschlagen, ihre Augen vor Schreck geweitet.
Dean erbleichte erheblich, bevor er das Stück Pergament der nervösen Hufflepuff Schülerin abnahm, um es mit eigenen Augen zu lesen; sein Gesichtsausdruck verlor mit jeder weiteren Zeile mehr an Hoffnung. Dann reichte er es Audrey –die ihre Hand schon lange Zeit ausgestreckt hatte, auf diese Weise andeutend, dass sie es gerne für sich selbst lesen würde- diese las das Schreiben ebenfalls sehr sorgfältig durch.
Duellier – Club
Von 20:00 Uhr bis Mitternacht
Am kommenden Samstagabend wird unter der Leitung von Amycus und Alecto Carrow, den Professoren in Verteidigung gegen die dunklen Künste und Muggelkunde, ein Duellier - Club stattfinden. Dieser wird von jetzt an verpflichtend für alle Schüler des 6. und 7. Jahrgangs jede Woche stattfinden. Spezielle Kurse, geleitet von zwei mit der Duellierkunst sehr wohl vertrauten und selbst sehr hervorragende Duellisten, werden separat für herausragende Teilnehmer aus der Abschlussklasse der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei angeboten.
Wie oben angekündigt, ist Anwesenheitspflicht! Sollte ein Schüler aus unakzeptierbaren Gründen nicht teilnehmen, wird er oder sie dementsprechend bestraft werden!
- Amycus Carrow
Verteidigung gegen die dunklen Künste Professor und stellvertretender Schulleiter
„Ich glaube, wir müssen hingehen!“, sage Dean hoffnungslos. Audreys Augen weiteten sich. Machte…Machte er Witze? „Und ihr alle haltet mich für verrückt!“, zischte sie wütend. Er betrachtete sie verwirrt. „Wir werden nicht an einem Training teilnehmen, um verdammte Todesser zu werden!“ Seamus nahm auf einer der vielen bunten Sofas im Zimmer Platz, sein Gesichtsausdruck düster: „Aber du hast es selbst gelesen, Audrey! Sie werden uns ‚dementsprechend bestrafen’, sollten wir uns weigern zu kommen!“
„So lasst sie uns doch bestrafen!“, knurrte sie, griff nach einem Eisbeutel und hielt ihn an die linke Seite ihres Kiefers.
Dean stand von dem Sofa auf und sah ihr in die Augen, erneut erbost. Sein normalerweise attraktives Gesicht war vor Wut verzerrt: „Schau Audrey, das ist nicht so leicht, wie einfach nicht hingehen! Wir können nicht zulassen, dass Leute deswegen verletzt werden!“ „Er hat recht!“, sagte Seamus, ebenfalls aufstehend: „Als Strafe werden sie uns alle bestrafen, egal wie viele sich weigern. In der Tat, ich denke, dass es ihnen Spaß machen wird, uns zu bestrafen!“
Audrey konnte spüren, wie von ihrer Kehle eine Hitzewelle bis in ihr Gesicht aufstieg und sie rot wurde: „Nein! Nein! Ich weigere- weigere! –mich, an einem Duellier – Club teilzunehmen, der von Todessern geschmissen wird-“ „Warte einen Moment!“, Ginny schnitt ihr das Wort ab, einen seltsamen Ausdruck auf ihrem hübschen Gesicht. Sie sah halb erfreut und halb unentschlossen aus: „Dean und Seamus haben Recht… Vielleicht sollten wir doch gehen…“ Audrey glotzte ihre Freundin an und versuchte, all die bösen Flüche und Verwünschungen zurückzuhalten, die sie loswerden wollte: „Ginny, bitte, bitte sag mir, dass du das nicht ernst gemeint hast!“
Die Gryffindor Schülerin schüttelte den Kopf und lächelte: „Nein, hör mir zu, Audrey, das ist perfekt!“ Viele im Raum waren komplett verwirrt über das Lächeln der Rothaarigen. Jetzt war ganz klar nicht der richtige Zeitpunkt für Frohsinn! „Das ist eine Gelegenheit, die wir nicht verpassen dürfen; denk doch mal darüber nach! Hast du denn nicht erkannt, was sie uns in dem Duellier – Club beibringen werden?“ „Dunkle Magie!“, murmelte Audrey unglücklich. „Richtig!“, sagte Ginny, die jetzt von Ohr zu Ohr grinste: „Die Carrows werden uns all das lehren, was sie wissen, vielleicht sogar Magie, die Du-weißt-schon-wer benutzt! Wir alle können ihr Zeug lernen und uns dann in der D.A. (Dumbledores Armee) Strategien einfallen lassen, wie wir uns gegen sie verteidigen können!“
Dean sah erstaunt und gleichzeitig erfreut drein: „Verdammt noch mal Ginny, das ist genial!“
Sie warf ihre lange rote Mähne zurück: „Tja, ich bin bekannt dafür, ab und zu auch einmal einen Geistesblitz zu haben!“ Audrey entfernte das Eis von ihrem Kiefer, denn plötzlich fühlte sie sich besser, jetzt, da der Duellier – Club als Vorteil für die D.A. genutzt werden konnte.
„Also gut!“, sagte sie und nickte zustimmend: „Wir werden nach der Pfeife der Carrows tanzen und sobald wir das Gefühl haben, dass wir genug wissen, werden wir uns wehren!“ Audrey grinste, ohne auch nur ein Mal auf den stechenden Schmerz in ihrem Unterkiefer zu achten und ließ ihren Rosenholz Zauberstab ihre Finger entlang wirbeln. „Und vielleicht kann ich das sogar als Chance nutzen, um mit Amycus abzurechnen!“ Das klang sehr erfreulich!
Seamus schnitt eine Grimasse in ihre Richtung: „Verletz dich nicht schon wieder, okay Audrey? Das ist es nicht wert!“ „Danke für deine Besorgnis Seamus, aber das ist es sehr wohl wert! Und du könntest mich sowieso nicht anderweitig überzeugen!“ Ihr Zauberstab hörte immer noch nicht auf zu wirbeln: „Außerdem wäre es ein fairer Kampf, wenn wir dieses Mal beide unsere Zauberstäbe benutzen würden, anstelle eines ausgewachsenen Mannes gegen ein 17 Jahre altes Mädchen!“, fügte sie heftig hinzu.
Ginny, Seamus und Dean runzelten die Stirn in tiefer Missbilligung, aber Audrey war viel zu beschäftigt damit, an Zaubersprüche für den Duellier - Club zu denken, um das zu bemerken.
Samstag, 1. Mai 1998
19:56 Uhr
Samstagabend kam schneller, als irgendjemand in der D.A. erwartet hätte. In ihrem Wunsch, den Duellier – Club so lange wie möglich vor sich herzuschieben, war die Zeit eine grausame Herrin geworden und hatte die Zeit erheblich beschleunigt, sodass der Freitagsunterricht und der Samstagvormittag wie in einem Rausch an ihnen vorbeigezogen war.
Eines der Highlights in Audreys Woche war, dass sie seit Montag Nachmittag in keiner Verteidigung gegen die dunklen Künste Stunde gewesen war und infolgedessen hatte sie den Anblick von Amycus Carrow nicht ertragen müssen, seit er sie mitten in der Unterrichtsstunde geschlagen hatte. Leider hatte sie eine Doppelstunde Verwandlung am Freitagmorgen gehabt und Professor McGonnagal hatte natürlich die abstoßenden lila Blutergüsse bemerkt, die mittlerweile erfolgreich Audreys linken Unterkiefer fast komplett bedeckt hatten. Die Aufmerksame Verwandlungs-Professorin hatte Audrey nach der Stunde noch dableiben lassen, um diese zu erklären.
„Es war ein Lähmungs-Zauber, der schief gegangen ist, Professor!“, erklärte sie sehr unglaubwürdig: „Ich habe ihn anstelle von Seamus Finnegan auf mich selbst angewendet und als ich hinfiel, habe ich mir mein Gesicht angehauen.“
Professor McGonnagal hatte ihr nicht ein Wort geglaubt und hatte während des Unterrichts zahllose Male versucht, Audrey dazu zu bringen, ihr die Wahrheit zu erzählen, aber schlussendlich war es ihr nicht gelungen zu erfahren, woher sie diese blauen Flecken hatte. Also blieb ihr nichts anderes übrig, als Audrey gute 45 Minuten später aus ihrem Klassenzimmer zu entlassen.
Audrey hatte sich geweigert etwas zu erzählen, weil sie Amycus nicht die Genugtuung bereiten wollte, ihn bei McGonnagal zu verpetzten! Einer der größten Mängel in ihrem Charakter war, dass sie viel zu stolz war.
Als 20 Uhr an diesem kalten Samstag Abend immer näher rückte, versammelten sich die Sechst- und Siebtklässler vor der Großen Halle und warteten darauf, dass sich die Türen öffneten und somit der gefürchtete Duellier – Club beginnen würde.
Audrey verweilte im hinteren Teil der Menge, wo sie hoch oben auf dem Geländer der steinernen Treppe mit Luna Lovegood, der seltsamsten und unglaublichsten Hexe, der sie je begegnet war - ihrer besten Freundin auf der ganzen Welt, an ihrer Seite.
Träumerisch seufzend platzierte Luna ihren Zauberstab hinter ihrem Ohr und neigte den Kopf zu Audrey. Ihre verträumten grauen Augen waren glasig, ob vor Müdigkeit oder vor Langeweile konnte Audrey nicht sagen. „Bist du über diese Sache genauso besorgt, wie ich es bin?“, fragte sie, ihre Stimme ein weicher irischer Tonfall. Audrey schüttelte den Kopf, ihre Augen immer auf die hölzernen Türen der Großen Halle gerichtet. „Nein“, sagte sie ausdruckslos. „Und außerdem, Luna, die Chancen ausgewählt zu werden um Amycus oder Alecto zu duellieren stehen eins zu hundert; es ist viel wahrscheinlicher, dass du gegen einen Freund kämpfen musst!“ „Ja, da hast du Recht!“, stimmte sie mit einem raschen Nicken ihres blonden Kopfes zu: „Aber so wie ich mein Glück kenne, bin ich mir sicher, dass ich der Duellierpartner von Alecto werde!“
Audrey lachte laut auf, aber die Freude wurde durch das unangenehme Geräusch von Holz auf Stein übertönt, als die Türen der Großen Halle von den Carrows geöffnet wurden. Das gedämpfte Flüstern der Sechst- und Siebtklässler hörte auf einmal auf, sobald sie begriffen hatten, was los war. Aber Audrey war überrascht zu sehen, dass Snape sie begrüßte. „Seid leise!“, sagte er gedehnt in einem monotonen, gelangweilten Ton. Er schien überhaupt nicht erfreut zu sein, dass er hier war: „Ich möchte, dass ihr alle eine ordentliche Linie bildet und still hineingeht. Habe ich mich klar ausgedrückt?“
Es war schwer, nicht zu gehorchen. Wissend, dass der ehemalige Meister der Zaubertränke ihren früheren Schulleiter mit dem tödlichen Fluch getötet hatte. Er verlangte, dass jeder Anweisung von ihm ohne ein Wort Folge zu leisten war. Audrey sprang von dem steinernen Geländer hinunter und schlurfte in die sich bildende Reihe hinter Luna und vor Zacharias Smith- ein Hufflepuff Siebtklässler, den sie nur vage kannte und der wie sie auch einen Hang zur Rebellion hatte –ganz am Ende der Schlange.
Während sich die Schlange langsam aber sicher in die Große Halle bewegte, spürte Audrey plötzlich einen leichten Stups auf ihrer Schulter, also wandte sie sich vorsichtig um und sah in Zacharias Gesicht. „Die blauen Flecken“, sinnierte er interessiert flüsternd, um nicht gehört zu werden, seine Augen auf ihr Gesicht fixiert: „Sind die Gerüchte wahr, wie du sie bekommen hast?“
Audrey hob fragend eine dunkle Augenbraue und bemühte sich um einen desinteressierten Ausdruck: „Nun, das hängt ganz davon ab, was du gehört hast, Smith!“
„Hat Professor Carrow dich geschlagen?“ Audrey gefiel es gar nicht, dass der Hufflepuff Amycus Professor nannte; der Psychopath verdiente diesen Titel nicht! Sie beschloss ihm trotzdem die Wahrheit zu sagen, also murmelte sie: „Ja, hat er!“ Als sich Zacharias Augen vor Überraschung weiteten, fügte sie leise hinzu: „Nicht, dass es wichtig wäre, aber er wird nicht so glimpflich davonkommen wie ich…“
Gerade in dem Moment als Luna, Audrey und Zacharias die Schwelle der Großen Halle überquert hatten, knallten hinter ihnen die Türen auf magische Weise zu und kreierten ein ohrenbetäubendes Krachen in der Stille, als Holz auf Holz schlug.
Es verbreitete das gleiche hoffnungslose Gefühl, das Audrey bei einer Inhaftierung erwarten würde.
Sie blieb neben Luna im hinteren Teil der Menge stehen und beide wandten ihre Aufmerksamkeit auf die lange, rechteckige Bühne, an deren Stelle normalerweise der Gryffindor – Haustisch stand. In der Mitte der Bühne standen Amycus und Alecto Carrow, die beide sehr zufrieden mit sich selbst aussahen, und ihre traditionellen schwarzen Todesser – Roben trugen.
Snape stand zwar an der Seite, aber alle Augen ruhten auf ihm als er zu sprechen begann: „Da dies das erste Treffen eines neuen Duellier – Clubs ist, gegründet von Professor Carrow-“, er deutete auf Amycus mit einem Wink seiner Hand, sein Gesicht ausdruckslos: „wird dieses Treffen auf Demonstrationen beruhen, um zu verdeutlichen, was für euch wichtig ist und für eure Fähigkeiten. Nächste Woche werden wir euch paarweise aufteilen und die Methoden, die heute gezeigt werden, einüben.“ Seine schwarzen Augen überflogen die Menschenmenge und er blickte die Schüler an seiner grässlichen Hakennase vorbei an: „Jetzt werden die beiden Professoren mit einer Demonstration beginnen!“
„Eigentlich“, warf Amycus mit einem höhnischen Lächeln ein, seine Augen streiften die Menge ebenfalls, wie eine Schlange bereit zum Angriff: „Wenn es Ihnen nichts ausmacht, Schulleiter, würde ich es sehr genießen, wenn ein Schüler freundlich genug wäre, mit mir diese Demonstration durchzuführen!-“, für einen kurzen Moment flackerte eine Regung über Snapes Gesicht, obwohl diese so schnell wieder verschwand, sodass Audrey sie nicht identifizieren konnte –„nur zu Übungszwecken, natürlich!“
Der Schulleiter überlegte für einen kurzen Moment, bevor er kurz mit dem Kopf nickte: „Nun gut!“ Ein Schwall von verwirrten Stimmen begann sich vorsichtig in der Halle zu erheben. „Das ist lächerlich!“, sagte Zacharias neben Audrey, der aufgrund der Neuigkeiten erblasst war: „Es ist absolut unmöglich, dass wir uns gegen Todesser verteidigen können!“ Audrey wandte sich ihm mit einem steinernen Ausdruck zu. War er wirklich so naiv? „Nun, das ist es, was sie wollen, oder Smith? Es geht nicht nur darum, uns kämpfen zu lehren, es geht darum, dem zu gehorchen, was sie sagen, indem sie uns zeigen, wozu sie fähig sind!“
Der Hufflepuff nickte schweigend, während die Stimmen lauter wurden und er sah so aus, als würde er sich wünschen, ganz woanders zu sein. „Ruhe!“, rief Alecto mit zusammengekniffenen Augen. Ihr Tonfall war bösartig: „Ruhe, ihr alle! Es ist an der Zeit, den glücklichen Schüler auszuwählen, der zusammen mit Professor Carrow demonstrieren wird!“
Jeder kam dem ohne Zögern nach, wobei der Lärm langsam leiser wurde und schließlich ganz in das ursprüngliche Schweigen verfiel. Auf der anderen Seite sprang Amycus mit einem lauten Geräusch von der Bühne vor die Masse der Schüler, seine schwarzen Roben bauschten sich hinter ihm auf.
Er inspizierte alle nervösen Gesichter vor ihm, bevor er sich an den vordersten Reihen der Schüler vorbeidrängte- offenbar sah er nicht auf den ersten Blick, was er wollte –und bewegte sich mit einer üblen Grimasse durch die Menge.
Audrey packte ihren Zauberstab und hielt ihn ganz fest, ihre Knöchel wurden ganz weiß, während sie sich an das Stück Holz klammerte, das ihr letztendlich das Leben retten könnte.
Amycus pflügte durch die Menge und ohne Reue, wobei er einige der fragileren Schüler zu Boden stieß, und irgendwie wusste Audrey tief unten in ihrem Magen, dass er nach jemand ganz bestimmten suchte…
Nach eineinhalb Minuten unangenehmen Wartens verengten sich seine Augen schließlich in ihre Richtung am Ende der Menge, wo sie mit Luna und Zacharias stand. Er marschierte nun mit solch direkten und berechnenden Schritten, dass sich ihr Verdacht zu bestätigen schien, dass er wirklich nach jemand ganz bestimmten suchte! Nach ihr!
Zacharias neben ihr war angespannt als Amycus, groß und schwarzhaarig und sein Gesichtsausdruck komplett böswillig, schließlich vor ihnen stand: „Lovecraft“, höhnte er finster. Dann packte er sie grob am Oberarm und zerrte sie durch die Menge, auf die Bühne zu.
Sie konnte hören, wie Luna hörbar erschrocken nach Luft schnappte und dann einen Chor von Entsetzensschreien, als sie von dem ausgewachsenen Todesser auf die Bühne gehievt wurde. Er schob sie grob auf die linke Seite der schmalen Plattform, bevor er selbst in die andere Richtung ging.
Während sie sich auf den Weg zu ihrer Seite zum Duellieren machte, warf Audrey ihren schwarzen Umhang ab, sodass sie nur noch mit ihrer weißen Bluse, ihrem Rock und marineblauer Ravenclaw – Krawatte dastand.
Am Ende ihrer Seite der Plattform stand Snape stocksteif und mit einem nicht lesbaren Gesichtsausdruck da. Als sie sich ihm näherte, sagte er in einer hämischen Stimme und so laut, dass die Schüler in den ersten reihen ihn ohne Zweifel hören konnten: „Versuchen sie bitte, möglichst nicht getötet zu werden, Miss Lovecraft!“ Audrey schnaubte, bevor sie mit einer gestellt höflichen Stimme sagte: „Gott, vielen Dank für diese Ermutigung, Sir!“
Auf der einen Seite der Bühne verbeuget sich Amycus mit einem abfälligen Grinsen, bevor er sich wieder aufrichtete um mit dem Duell zu beginnen, seinen sperrigen Eichenholz- Zauberstab in der Hand. Auf der anderen Seite tat Audrey das gleiche, wenn auch widerwillig und die Geste konnte man kaum mehr als ein leichtes Nicken mit dem Kopf bezeichnen. Sie hatte keine Lust dem böswilligen Amycus jegliche Zeichen von Respekt zu zeigen!
Hinter ihr vernahm sie schon wieder Snapes tiefe Stimme, aber dieses Mal war sie so leise, dass sie Audrey nur für einen kurzen Moment hören konnte. „Versuchen Sie es mit Averte Secura!“, murmelte er und Audrey war durch den Hinweis so schockiert, dass sie nicht wusste, ob er versuchte sie hereinzulegen, oder nicht.
Alectos schrille und durchdringende Stimme durchbrach die Stille, die die Große Halle ausgefüllt hatte: „Auf drei werden wir beginnen! Eins…zwei…dr-“, aber bevor sie das Signal zum Start erteilt hatte, wurde sie von Amycus unterbrochen, der Audrey bereits einen Fluch auf den Hals jagte. „Crucio!“, brüllte er.
Bevor sie überhaupt realisieren konnte, was passierte, wurde Audrey von einem hellen Strahl getroffen, der sie mit einem unvergleichlichen Schmerz auf den Boden der Bühne warf. Ihr ganzer Körper fühlte sich an, als ob er brennen würde- als würden heiße Messer mit unerbittlicher Wut in ihre Haut stechen- und der intensivste Schmerz, den sie je empfunden hatte, erfüllte sie gänzlich.
Sie stieß einen Schrei nach dem anderen aus, als der Fluch Besitz von ihr ergriff.
Nach gefühlten Jahren, obwohl es in Wirklichkeit nur wenige Sekunden gedauert haben musste, hörte der Schmerz plötzlich auf und Audrey sah hoch in Amycus grinsendes Gesicht. Überrascht, dass sie noch ihren Zauberstab in der Hand hatte, stützte Audrey sich mit den Händen auf und erhob sich schwankend.
Als sie über den Rand der Plattform sah, erblickte sie das Meer an Schülern, die Gesichter aschfahl aufgrund dessen, was gerade passiert war.
Amycus, der sie im Moment für keine Bedrohung hielt, drehte sich zu seiner Schwester Alecto, der er ein verschmitztes Lächeln schenkte. Audrey machte sich, während er abgelenkt war, bereit und, obwohl sie keinen Grund sah, Snape zu vertrauen, entschloss sie sich dazu, seinen Zauberspruch zu verwenden. „Averte Secura!“, schrie sie und, zu ihrer großen Freude, wurde Amycus wie von einem kräftigen Windstoß erfasst, von den Füßen gerissen und knallte mit einem scheußlichen Knacken in die steinerne Wand hinter ihm. Er rutschte an der Wand hinunter und landete mit einem dumpfen Schlag auf der Bühne.
Audrey hatte die vage Hoffnung, dass er sich ein oder zwei Knochen gebrochen hatte, während sie darüber nachdachte, warum ihr Snape einen Zauber gegeben hatte, der ihren Gegner quer über die Bühne fliegen lassen würde.
Und als Amycus sich wieder erholt hatte und mit einem drohenden Gesichtsausdruck erneut auf den Beinen war, rief Audrey klar und deutlich: „Locomotor Mortis!“, bevor er die Zeit dazu hatte, ihr erneut den Cruciatus Fluch auf den Hals zu hetzen.
Er ging mit einem überraschten Ausruf zu Boden und konnte nicht mehr aufstehen, seine Beine waren aufgrund ihres Zaubers wie zusammengeklebt, aber nur eine Sekunde später hob er seinen Zauberstab und brüllte: „Sectumsempra!“
Sie erinnerte sich lebhaft daran, was mit Draco Malfoy passiert war, als Harry Potter im letzten Jahr diesen Zauberspruch auf ihn abgefeuert hatte, darum sprang sie mit einer so hohen Geschwindigkeit, von der sie selbst nie gedacht hätte, solch eine aufbringen zu können, zur Seite – aber obwohl sie sofort sprang, war sie nicht schnell genug!
Das Ende des Zaubers erwischte einen Teil ihres Rückens und eine Welle des Schmerzes durchzog sie. Sie spürte, wie drei große Wunden auf ihrem Rücken entstanden; rot und quälend schmerzhaft. Blut begann durch ihre weiße Bluse zu sickern.
Schwach erhob sie sich erneut und sah, wie Amycus Zauberstab ein weiteres mal erhoben war, aber bevor er auch nur ein Wort über die Lippen bringen konnte, schrie Audrey: „Mobilicorpus!“, und warf ihn damit erneut kopfüber gegen die Wand.
Als er dieses Mal zu Boden fiel, konnte sie einen tiefen Schnitt in seinem Kopf erkennen; der keinen Zweifel von ihrem Wurf gegen die Wand herrührte! Mit seinen Beinen von ihrem Zauber noch unbeweglich, kniff er seine Augen zusammen: „Avada-“
Oh, Merlin! Audrey wusste genau, was jetzt kommen würde; sie konnte kaum glauben, dass er den Todesfluch auf eine Schülerin abfeuern würde; also schrie sie ohne das Gefühl von Reue: „Stupor!“
Amycus konnte den Todesfluch nicht vollenden, als er von einem roten Lichtstrahl getroffen wurde, bewegungslos nach vorne fiel und ohnmächtig wurde.
Bevor sie begreifen konnte, was passiert war, wurden Audreys Beine weich und sie fiel mit ihren Knien auf die Bühne. Blut lief von ihrem Rücken zu ihren Knöcheln hinunter.
Ich war gute zwei Sekunden vom Tod entfernt…
Bevor irgendjemand etwas sagen konnte, noch bevor die Menge anfangen konnte, aufzuschreien, schritt Snape an ihr vorbei, sein schwarzer Mantel wehte wie immer in einem fledermausartigen Stil hinter ihm her, und blieb vor Amycus und Alecto stehen; letztere hatte sich mit einem überraschten Ausdruck zu ihrem Bruder hinabgebeugt.
„Alecto.“, sagte Snape in einem ausdruckslosen Tonfall: „Heben Sie den Lähmungs-Zauber von Amycus auf und machen sie ihn sauber!“ Seine Lippen kräuselten sich zu einem höhnischen Grinsen: „Außerdem sollten sie ihn vorwarnen, dass der Dunkle Lord von seinem Mordversuch an einer reinblütigen Schülerin erfahren wird!“
Alecto nickte stumm und murmelte immer noch über ihren leblosen Bruder gebeugt: „Enervate!“ Er begann sich zu rühren.
Snape wandte sich an die Menge aus Sechst- und Siebtklässlern und rief: „Ich denke, das ist völlig ausreichend für diesen Abend! Jeder kehrt in seinen Gemeinschaftsraum zurück und zwar in einer zivilisierten Art und Weise, keine Umwege und in absoluter Stille!“
Fast jeder huschte sehr schnell weg, aber Audrey sah aus dem Augenwinkel, wie Dean, Luna, Ginny und Seamus nahe dem Eingang der Großen Halle herumlungerten; jeder sah erstaunt und auch erwartungsvoll aus.
Sie schaffte es, sich irgendwie auf die Füße zu ziehen und wollte sich gerade auf den Weg zu ihren Freunden machen, als eine kalte Hand auf ihrer Schulter sie daran hinderte.
Ihr Herz fing an wie wild zu klopfen, beruhigte sich aber sofort, als ihr einfiel, dass Amycus immer noch ohnmächtig auf der anderen Seite der Bühne lag.
„Nicht so schnell, Miss Lovecraft!“ Es war Snapes kühle und tiefe Stimme. Dann drehte er sich zu ihren vier Freunden an der Türe um und rief: „Verschwindet, ihr vier, oder 14 Tage Nachsitzen!“
Sie alle verließen nun die Halle, als Audrey lautlos nickte; ihnen somit mitteilend, dass es okay war, sie alleine zu lassen; wobei die vier ihr fragende Blicke zuwarfen.
Sie drehte sich zu Snape mit dem Schuldgefühl einer Sünderin um. Zwar gab es in ihrem kopf keinen Zweifel, dass Amycus nur wenige Sekunden davon entfernt gewesen war, den tödlichen Fluch zu benutzen, aber sie war sich sicher, dass sie dafür bezahlen würde, einfach so einen Lehrer auszuknocken!
Snape neigte den Kopf in Richtung der Türe der Großen Halle. „Hinauf in mein Büro, Miss Lovecraft!“, sagt er emotionslos: „Ich denke, dass wir diesen Abend noch einiges zu diskutieren haben werden!“
Ja, das wars auch schon. Was sagt ihr?
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Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Robert Pattinson ist die Rolle Cedrics praktisch auf den Leib geschrieben; er ist ein typischer Engländer mit dem attraktiven, gut geschnittenen Gesicht eines Privatschulzöglings.
Mike Newell