
von Laurena
Es war kurz vor Mitternacht, als Hermine ihre Wohnung betrat.
Sie ging in die Küche, schöpfte sich ein bisschen von dem Essen, das Ginny zubereitet hatte, auf den Teller, ging ins Wohnzimmer und schaltete das Radio an. Während sie gedankenverloren kaute, öffnete eine verschlafene Ginny ihre Zimmertüre.
„Hey, Mitbewohnerin“, murmelte sie verschlafen und rieb sich die Augen, die sich offensichtlich noch nicht ans Licht gewöhnt hatten.
„Hey“, sagte Hermine mit vollem Mund, „noch wach?“ „Ich finde es nicht gut, das du in letzter Zeit so spät von der Arbeit kommst“, überging die Rothaarige diese Frage, „dein Engagement in allen Ehren – aber was zu viel ist, ist zu viel!“
Hermine zuckte die Schultern. „Es gibt eben viel zu tun. Und das ist ja nur vorübergehend. Wenn ich dieses Gesetz erst mal durchgesetzt habe, kann ich wieder etwas länger als vier Stunden am Tag schlafen und etwas mehr als nur eine Mahlzeit am Tag essen. Versprochen!“, bekräftigte sie, als Ginny ihr einen ungläubigen Blick zuwarf.
In diesem Moment erregte das Radio, mit der Erwähnung eines dritten Jahrestages, ihre Aufmerksamkeit:
„… aber wie Sie sicherlich wissen, steht bald ein noch größeres Event an. Das 3. Jahr nun, in dem wir stolz behaupten können, eine freie Zauberergemeinschaft zu sein. Hiermit also lade ich alle ehemaligen, sowie die Eltern der Hogwarts-Schüler herzlich zu unserer Siegesfeier in unserer großen, legendären Schule ein. Mögen wir die gewonnene Schlacht und die damit erworbene Freiheit noch einmal feiern, all‘ die Helden, die tapfer gekämpft haben, ehren, und all jene Gefallenen betrauern. Der große Harry Potter höchstpersönlich hat auch dieses Jahr wieder sein Kommen angekündigt -“ Hermine schaltete mit einem Schwenk ihres Zauberstabs das Radio aus. Sie wandte sich an Ginny, die betroffen auf den Boden starrte. „Ich hab vollkommen vergessen, dass in ein paar Tagen schon der 1. Mai ist“, gestand die Jüngere, „er ist … ich meine, sie sind schon seit fast drei Jahren tot. Die ganzen Kämpfe… die ganzen Toten.. ich realisiere Freds Tod immer noch nicht.“ Ihr lief eine Träne über das Gesicht. „Ich kann diesen Tag einfach nicht feiern. Ich bin froh, dass es gut ausgegangen ist. Aber ich kann ihn nicht feiern.“ Hermine umarmte sie. „Das verlangt keiner“, beruhigte sie ihre beste Freundin, „niemand! Hörst du? Wenn du trauern willst, dann tu es; wenn du dich eines Tages freuen kannst, ohne traurig zu sein, dann tu auch das! Niemand schreibt dir vor, wie du dich zu fühlen brauchst.“ Sie nickte. „Ich weiss.“ Ginny zog sich aus der Umarmung der Braunhaarigen und lächelte gequält. „Wenn ich mir aber Georges Gesicht ansehe, dann kann ich gar nicht anders fühlen.“ Hermine nickte wissend.
Einige Minuten war außer Hermines Kaugeräuschen nichts zu hören, Ginny war in Gedanken versunken und ihre Mitbewohnerin wusste schlichtweg nicht, was sie sagen sollte.
Dann, mit einem Male, war Ginnys schlechte Laune wie weggewischt: „Ich muss dir was sagen!“ „Ahja?“, erwiderte die Braunhaarige einwenig irritiert. „Ron kommt dieses Jahr auch“, verkündete Ginny breit lächelnd.
Diese Information war zu viel: Hermine, die gerade einen großen Schluck von ihrem Butterbier genommen hatte, verschluckte sich aufs heftigste, fuchtelte mit ihren Armen herum und konnte sich vor lauter Husten nicht mehr einkriegen. Erst eine Minute später war sie imstande, etwas zu erwidern – sie wusste nur nicht, was. „Ahja?“, wiederholte sie, diesmal deutlich verunsichert. Ihr schossen tausend Gedanken durch den Kopf. Ihr Herz begann zu Rasen. Ihre Hände zitterten. Mist!, dachte sie, du hättesst ruhig desinteressierter klingen können! „Ja“, bekräftigte Ginny, „diesmal hat er frei bekommen. Er ist ja so gut wie fertig mit seinem Praktikum, das heißt, bald kommt er sowieso nach Hause.“
Hermine achtete darauf, weder zu essen noch zu trinken, während Ginny sie informierte – noch so einen Hustanfall hätte ihre Arme Lunge wohl nicht durchgestanden.
„Ich glaube, Mum wird es dann viel besser gehen“, plapperte sie munter weiter, „nach Freds Tod hatte sie echt Probleme, uns gehen zu lassen. Du weisst, was für Schwierigkeiten sie hatte, mich ausziehen zu lassen. Aber das ich dich nicht sich selbst überlassen durfte, war wohl ein Argument. Obwohl wir mit ihrem, das du einfach bei uns wohnen sollst, echt zu kämpfen hatten.“ Hermine nickte beipflichtend. Sie konnte sich noch sehr gut an Mrs. Weasleys traurigen Gesichtsausdruck erinnern, als Ginny letztendlich ausgezogen war. „Naja, dann ist es ja wirklich schön, dass er wiederkommt“, erwiderte sie, „für deine Mutter“, fügte sie noch rasch hinzu. Ginny seufzte. „Und für Dad, Georg, und Harry auch. Und für-“ „Ich weiss was du jetzt sagen willst“, unterbrach Hermine sie, „lass es. Es wird sicher schön sein, Ronald wiederzusehen, genauso wie… z.B Professor McGonagall.“ Ginny hob eine Augenbraue. „Du vergleichst Ron mit deiner Lehrerin?“ „McGonagall war meine Lehrerin, und sie war weit mehr als nur eine Lehrerin.“ „Das ist doch lächerlich, Hermine!“ „Nein, es entspricht der Tatsache.“ „Ich sehe, vier Stunden Schlaf und eine Mahlzeit pro Tag machen dich leicht dickköpfig“, bemerkte die Mitbewohnerin belustigt, „also werde ich nun wieder schlafen gehen.“ „Dickköpfig? Was ist denn mit dir, Mrs. On-Off-Beziehung? Wie geht’s Harry?“ „Ich denke gut“, sagte Ginny kühl, „und du weisst, das ist nicht meine Schuld!“ „Natürlich, es ist nie deine Schuld“, bemerkte Hermine sarkastisch, nun auch etwas belustigt. „Wirklich witzig! Also du kannst dich ja weiter amüsieren, oder du denkst mal darüber nach, was du anziehen könntest, wenn du Ronald wieder begegnest.“ Sie rollte die Augen. „Natürlich, ich werde mir die ganze Nacht den Kopf zerbrechen!“ Ginny kicherte. „Morgen hast du frei und kannst dich endlich ausschlafen - also wenn dir danach ist, mach es ruhig - Nacht!“ Mit diesen Worten erhob sie sich und hüpfte fröhlich ins Zimmer.
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