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Fanfiction

Gäb' es mehr als dieses Leben - Gäb' es mehr als dieses Leben

von Federica

Gäb’ es mehr als dieses Leben

unserem Alter denkt man nicht über den Tod nach, in unserem Alter lebt man einfach für den Moment. Wenn man die Schule beendet hat und am Anfang des eigenen, richtigen Lebens steht dann fühlt man sich unbesiegbar. Nichts und niemand können einen stoppen, keine Herausforderung erscheint zu groß oder unmöglich. Kein Traum ist unerreichbar, man denkt die ganze Welt hat nur auf einen gewartet und hält einem alle Möglichkeiten offen. Selbst in einem Krieg fühlt man sich unverwundbar, schließlich sterben nie die jungen Menschen. Um zu sterben muss man alt sein, muss man gelebt haben, muss man etwas erlebt haben. Man kämpft bis zum Umfallen und steht immer in vorderster Front, weil man sich so lebendig und überlegen fühlt. Selbst in diesen Momenten schafft man es noch Pläne zu schmieden, selbst dann glaubt man noch fest an seine eigene Zukunft.
Niemand sollte mit 20 sterben müssen, immerhin hat man da noch sein ganzes Leben vor sich. Niemand ist da schon bereit zu sterben und niemand ist bereit, da schon einen Menschen gehen zu lassen. So etwas reißt einem den Boden unter den Füßen weg, nimmt einem die Luft zum Atmen und den Willen selbst weiterzukämpfen und zu überleben.
Man verliert den Glauben an die Gerechtigkeit, die so etwas verhindern sollte. Man wird unsagbar wütend, sodass man nicht mehr weiß was man tut. Der Schmerz frisst einen auf und macht unfähig zu handeln. Am liebsten würde man gar nichts mehr fühlen.


Das schwarzhaarige Mädchen sah geschafft aus, tiefe Ringe lagen unter ihren dunklen Augen, die durch den Schmerz, der in ihnen zu erkennen war, tiefschwarz wirkten. Das Gesicht war blass und sah leicht eingefallen aus, sie hatte während der Beerdigung nicht eine Träne vergossen und doch erkannte man die Verzweiflung in ihrem starren Blick und in ihren steifen Bewegungen. Keine Menschenseele befand sich mehr auf dem Friedhof, der mittlerweile in helles Mondlicht getaucht war. Nass bis auf die Haut war sie durch den anhaltenden Dauerregen geworden, trotzdem hatte sie nicht gehen können, noch nicht. Würde sie sein Grab verlassen und in ihre Wohnung zurückkehren wäre sein Tod, sein Fortgehen endgültig und sie wusste nicht, ob sie schon bereit war ihn loszulassen. Eigentlich wusste sie genau, dass sie dazu nie bereit sein würde, weil er einfach aus ihrem Leben, aus ihren Träumen und Plänen gerissen worden war.
Fred hatte nicht gehen wollen, voller Eifer und Ehrgeiz war er in die Schlacht gegangen, sein Ziel war es gewesen mehr Todesser zu erledigen als George. Der Tod hatte ihn überrascht, ein Lachen hatte noch auf seinem Gesicht gelegen und dann war er gestorben. Die ehemalige Gryffindor ging in die Knie und legte eine einsame Rose auf das frische Grab. Ihr Freund war ohne sie gegangen, an einen Ort, an den sie ihm nicht folgen konnte.
Angelina hatte es für einen winzigen Moment in Erwägung gezogen, der Moment als sie von seinem Tod erfahren hatte. Hätte sie sich kurz danach duelliert, hätte sie sich nicht gewehrt. Ihr Leben war ihr mit einem Schlag gleichgültig geworden, weil sie ihren Lebensmittelpunkt verloren hatte. Doch ihre Freunde hätten es ihr nie verziehen, wenn sie den einfachen Weg gewählt hätte und ebenfalls gegangen wäre. Niemals hätte sie ihren Freunden noch mehr Schmerz zufügen können. Ganz davon abgesehen, dass Fred sie nicht freundlich empfangen hätte, er wollte sie glücklich sehen. Angelina fragte sich wie lange er darauf wohl noch würde warten müssen.
Seit Tagen hatte sie mit niemandem gesprochen, die Beerdigungen hatten eine Woche nach der Schlacht stattgefunden und in dieser Woche hatte sie sich einfach nur in ihrem Bett vergraben. Meistens war einer ihrer Freunde mindestens einmal am Tag vorbeigekommen, aber sie hatte mit keinem von ihnen geredet. Diesen Schmerz, diesen Verlust, den sie fühlte konnte ihr niemand erträglicher machen. Es fühlte sich so an als wäre ein Teil von ihr mit ihm gestorben, als würde ihr etwas Wichtiges fehlen um wieder die alte Angelina zu werden. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute fehlte er ihr, immer wieder wartete sie nur darauf, dass er in ihre Wohnung apparieren würde und sie mit irgendeinem dummen Spruch aufziehen würde, bei diesen Gedanken traf sie der Schmerz dann erneut mit voller Wucht, denn er würde nie wiederkommen. „Wie soll ich es nur ohne dich schaffen?“, murmelte sie mit erstickter Stimme und sah für einen kurzen Moment in den dunklen Himmel hinauf. Keine Sekunde hatte sie daran gedacht ihn zu verlieren, sie hatte sich nicht darauf vorbereitet ihr Leben ohne ihn zu leben. Fred war immer ein fester Bestandteil ihrer Zukunftsplanung gewesen. Nach dem Krieg hatten sie sogar heiraten wollen und jetzt war das alles nicht mehr möglich.
Während der Beerdigung hatte sie keinen einzigen Moment zu George gesehen, seinen Anblick hätte sie nicht ertragen können. Außerdem schämte sie sich für einen Gedanken, den sie gehabt hatte. Die Gryffindor hatte wirklich im ersten Moment gehofft, dass George gestorben war und eben nicht Fred. Natürlich wünschte sie sich nicht George tot zu sehen, aber sie war so verzweifelt gewesen und es wäre einfacher gewesen den anderen Zwilling zu verlieren. Zumindest hatte sie das in einer kurzen Sekunde gedacht, denn es wäre so oder so nicht einfach gewesen einen Freund zu verlieren. Angelina würde alles dafür geben um die Zeit zurückdrehen zu können und dann hätte sie irgendetwas anders machen müssen. Ihr war durchaus bewusst wie irrational ihre Gedankengänge waren, nichts ergab irgendeinen Sinn und nichts würde etwas an den Geschehnissen ändern.
Fred Weasley war in der Schlacht von Hogwarts am 02. Mai 1998 für ein Leben ohne Angst umgekommen.
Angelina erinnerte sich noch wie er ihr von seinem Eintritt in den Orden erzählt hatte und wie sie beide begonnen hatten aktiv zu werden. Ihm hatte es natürlich nicht gefallen sie an der Front zu sehen, aber er kannte sie zu gut, er wusste sie konnte nicht untätig sein. Er hatte immer gesagt, dass sie etwas hatten wofür es sich zu Kämpfen und auch zu Sterben lohnt. Jedes Mal hatte sie ihm dann die Haare zerzaust und gesagt zu sterben sei keine wählbare Option und seine Antwort war ein Lachen verbunden mit einem zärtlichen Kuss gewesen.
Eine einzelne Träne lief über ihre Wange und verwundert wischte Angelina sie weg, in der ersten Nacht war sie zu erschöpft gewesen um zu weinen, danach hatte sie drei Tage geweint und am vierten Tag war sie erstarrt. Diese Leere in ihr hatte sie noch nie gespürt und es hatte ihr unbändige Angst gemacht sich so zu fühlen, so verloren und verzweifelt.
Auf der ganzen Welt hatte es nur einen Menschen gegeben, dessen Anwesenheit ihr immer geholfen hatte, aber durch seinen Tod fühlte sie sich so alleine.

Die ganze Zeit hatte sie die Blicke ihrer besten Freundinnen auf sich gefühlt, Alicia und Katie hatten sie festgehalten und doch war es dadurch nicht erträglicher geworden. Lee hatte sich um George gekümmert, aber nur eine Person hatte ihn dazu bewegen können sich vom Grab wegzubewegen – Alicia. Schon immer hatten Fred und sie versucht die beiden zu verkuppeln, vermutlich war es etwas ironisch, dass er es durch seinen Tod vielleicht schaffen könnte. Ihre beste Freundin hatte sich um George gekümmert, er musste sich noch verlorener fühlen als sie sich selbst und Angelina war froh gewesen Alicia bei ihm zu wissen. Lee hatte stumm den leeren Platz neben ihr eingenommen und glücklicherweise hatte sie beide abwimmeln können, in dem sie ihnen versprach später zu dem Leichenschmaus nachzukommen. Alicia hätte gewusst wie leer dieses Versprechen gewesen war, aber Lee und Katie schienen sich einfach daran klammern zu wollen, dass sie langsam wiederkam. Fred und Alicia waren immer die einzigen Menschen, die sie ohne Worte verstanden hatten.
Langsam erhob sie sich und ging einige Schritte zurück, wahrscheinlich würde ihre beste Freundin ihr Fehlen allmählich bemerken. Für eine Konfrontation mit ihr fehlte ihr jedoch der Mut, sie wollte keinen Trost, kein Mitgefühl. Einen letzten Blick warf sie auf den Grabstein und sie musste schlucken um nicht zu schluchzen, ruckartig wandte sie sich ab und lief gehetzt zum Ausgang des Friedhofes. Dort angekommen holte sie tief Luft und hielt sich am Zaun fest, ihr war ganz schwindelig und sie wusste nicht wo sie jetzt hingehen sollte.
Zu ihren Eltern wollte sie nicht, die hatte sie seit ihrem Abschluss nicht gesehen und eine Reise nach Amerika war nicht ganz nach ihrem Geschmack. Ihre Wohnung kam ihr so leer vor, obwohl Fred dort nicht mit ihr gelebt hatte, aber er war oft da gewesen und irgendwie kam es ihr so vor als wäre er nach wie vor in jedem Raum. Normalerweise würde sie zu Alicia gehen, doch sie wollte nicht reden und lange würde sie ihre beste Freundin nicht mehr hinhalten können, außerdem sollte sie sich um George kümmern. Er brauchte ihre Gesellschaft nötiger als sie selbst.
Angelina schloss ihre Augen und konzentrierte sich auf den einen Ort, an dem sie niemand suchen würde, weil sie nie wieder dorthin hatte zurückkehren wollen.
Mit einem Ploppen verschwand sie kurz bevor eine blonde Hexe am Friedhofstor auftauchte.

Ihre Füße spürten wieder festen Boden und Angelina taumelte leicht, Appararieren tat bei leerem Magen wirklich nicht sehr gut. Vor allem, wenn man seit einigen Tagen kaum etwas zu sich genommen hatte. Vermutlich sollte sie wieder mehr essen, aber sie hatte einfach keinen Appetit. Unentschlossen ging sie ein paar Schritte auf der verlassenen Straße von Hogsmeade vorwärts, sie war sich nicht sicher ob es die richtige Entscheidung gewesen war herzukommen. Es war alles erst eine Woche her und trotzdem fühlte sie sich so unglaublich alt und erschöpft. Ohne genau darüber nachzudenken stand sie mit einem Mal vor der Tür zum Eberkopf und sie betrat den schäbigen Pub kurzerhand, würde sie wirklich zum Schloss hochgehen könnte etwas Alkohol nicht schaden. Aberforth musterte sie argwöhnisch, natürlich wusste er von der Beerdigung, die von Fred war die letzte an diesem Tag gewesen und doch lag sie schon Stunden zurück. Besonders gesund sah sie nicht aus und als sie sich eine Flasche Feuerwhiskey bestellte, überlegte der Wirt wohl auch erst ob sie den wirklich noch benötigte um den absoluten Tiefpunkt zu erreichen. Andererseits war Angelina schon längst volljährig und es war nicht seine Aufgabe sich um sie zu kümmern und so bekam sie ihren Alkohol. Bleiben wollte die Schwarzhaarige jedoch nicht in dieser dunklen Kneipe und verließ sie durch die Tür. Schließlich wollte sie keine Gesellschaft haben und auch wenn nicht viele im Eberkopf saßen, es waren für die 20-jährige trotzdem mehr als genug.
Mit der Flasche in der Hand machte sie sich auf den Weg, den sie schon so oft in ihrem Leben gegangen war. Die Nachmittage in Hogsmeade waren immer voller Lachen gewesen, die Jungs deckten sich bei Zonko’s ein und am Ende tranken sie ein Butterbier in den Drei Besen. Vermutlich ging sie jetzt zum allerersten Mal alleine von Hogsmeade aus nach Hogwarts.
Auf den Ländereien angekommen bot sich ihr immer noch der deprimierende Anblick von vor einer Woche.
Hogwarts war zu einem Großteil zerstört worden, sogar das Quidditchstadion hatten die Todesser abgebrannt. Aber da hätte sie eh nicht hingehen wollen, denn Quidditch war eine Sache, die sie zu sehr mit Fred verband und der sie sich noch nicht wieder stellen konnte.
Entmutigt ließ sie sich unter einen Baum am See nieder und zog die Beine an. Die Flasche Feuerwhiskey lag unberührt neben ihr, die Lust zu Trinken war schneller verflogen als sie gekommen war. Angelina fand keinen Trost im Alkohol und sie hatte nicht vor ihn da zu suchen, diesen Weg würde wahrscheinlich George wählen.
Ihre Arme umschlangen ihre angezogenen Beine und ihren Kopf legte sie auf ihre Knie, den Blick hatte sie auf den See gerichtet.

„FREDERICK GIDEON WEASLEY – WAG‘ ES JA NICHT!“, die Stimme der Gryffindor klang laut und deutlich über die Ländereien, es war an einem Nachmittag kurz vor den Abschlussprüfungen gewesen und das Wetter hatte ihnen schon mal einen heißen Sommertag beschert. Natürlich hatte Fred nicht auf seine Freundin gehört, sondern hatte sie gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder in den See geschmissen, mitsamt ihren Klamotten. Wenigstens war er hinterher gesprungen und Angelina hatte sich rächen können, indem sie ihn erst mal ordentlich untertauchte. Ihre beste Freundin hatte feixend auf dem Steg gestanden, allerdings nicht lange, denn nach einem eindringlichen Blick von Fred und Angelina zu George, hatte dieser die blonde Gryffindor mit in den See genommen. Laut kreischend war diese, ebenfalls in Klamotten, im Wasser gelandet und schenkte ihren Freunden einen giftigen Blick. Katie hatte Glück, dass Lee zu faul gewesen war ins Wasser zu kommen und sie hatte sich eh angewöhnt ständig irgendwelche Fotos zu machen, zur Erinnerung an eine unvergessliche Zeit wie sie immer zu sagen pflegte.

Die Bilder schossen unvorbereitet auf sie zu, wo sie hier saß erinnerte sie sich an so viele Momente mit Fred und ihren Freunden, die sie in der letzten Woche versucht hatte zu verdrängen. Erinnern tat so unglaublich weh und sie wollte sich nicht ständig sagen müssen, dass er gegangen war und nicht zurückkommen würde. Sein Lachen klang ihr noch so wahrhaftig in ihren Ohren und in jeder Situation wartete sie auf seinen passenden Spruch – doch er kam nicht und würde nie wieder kommen.

Händchenhaltend liefen die beiden Gryffindors am See entlang, Fred hatte sie gezwungen an die frische Luft zu gehen, weil sie seiner Meinung nach zu viel am Lernen gewesen war und dann immer ungenießbar wurde. „Und jetzt raus mit der Sprache, du hast mich ganz sicher nicht ohne Grund ins Freie gejagt!“, Angelina sah ihren Freund argwöhnisch an, sie kannte ihn gut genug um zu bemerken, dass er ihr etwas verheimlichte. „Wieso merkst du eigentlich immer alles?“, lachend gab er ihr einen kurzen Kuss auf die Lippen und Angelina sah ihn abwartend an. Fred würde es ihr schon erzählen, zumindest hoffte sie es. Der Gryffindor richtete seinen Blick auf den See und drückte ihre Hand. „George und ich haben einen Laden in der Winkelgasse gemietet und werden so bald wie möglich einen Scherzartikelladen eröffnen!“ In seinen Augen lag dieser freudige Glanz, den Angelina so liebte. „Wow, das ist toll! Ihr werdet die Winkelgasse ganz schön aufmischen!“ Die 7. Klässlerin freute sich wirklich für die Zwillinge, denn sie hatten definitiv ein Talent dafür und mit ihrem Charme würden sie auch einen guten Umsatz machen. „Das Problem ist nur, wir werden die Schule vorzeitig verlassen und die Prüfungen nicht mitschreiben“, zerknirscht blickte er seiner Freundin in die Augen, die gerade realisierte, dass sie die nächsten Wochen dann ohne ihren Freund auskommen müsste. Die Gryffindor öffnete den Mund um etwas zu sagen und schloss ihn dann doch wieder. Gerade jetzt, wo Hogwarts nicht mehr Hogwarts war, wollte er sie alleine lassen. Sie entzog ihre Hand der seinen und verschränkte die Arme vorm Oberkörper. „Ihr haut einfach ab?“, natürlich verstand sie ihn irgendwo, aber sie konnte nicht verhindern, dass ein leicht anklagender Ausdruck in ihren Augen zu sehen war. Fred nickte daraufhin und senkte den Blick, weil sie ihm ein schlechtes Gewissen gemacht hatte, denn er wollte sie nicht im Stich lassen.

Erstaunlicherweise hatten sich die beiden nicht oft gestritten, die paar Mal, wo es wirklich um etwas gegangen war konnte Angelina an einer Hand abzählen. Der Rauswurf aus dem Quidditchteam, wo sie ihm Verantwortungslosigkeit vorgeworfen hatte. Sein Abgang aus der Schule, wo sie sich im Stich gelassen gefühlt hatte, obwohl sie ihn verstanden hatte. Und dann ihr Eintritt in den Orden, den Fred nicht akzeptieren wollte weil er Angst um sie gehabt hatte.
Natürlich hatten sie sich permanent gekabbelt, aber richtig gestritten hatten sie sich nur diese dreimal und mehr würde nicht dazukommen.

Voldemorts Stimme hallte noch in ihrem Kopf nach, ein vorläufiger Waffenstillstand falls sich Harry ihm ausliefern würde. Angelina lehnte sich für einen kurzen Moment an den Wandteppich hinter ihr und schloss die Augen, sie war erschöpft und doch würde sie bis zum bitteren Ende weiterkämpfen. Nach einem Moment des Ausruhens bahnte sich Angelina ihren Weg zur Großen Halle, sie musste sehen ob es ihren Freunden gut ging. Fred, George, Lee, Alicia, Katie und Oliver. Alle waren sie anwesend und alle konnten sie sterben.
Doch sie hatten etwas wofür es sich zu kämpfen und auch zu sterben lohnte. Ein ungutes Gefühl beschlich sie beim Betreten der Halle. Sie hatte kaum ein paar Schritte gemacht als Alicia auf sie zugelaufen kam, die Blondine hatte Tränen in den Augen und sah sie mit einem Ausdruck an, der ihr die Knie weich werden ließ vor Angst. Wortlos drückte sie ihre beste Freundin an sich und blickte ihr dann ins Gesicht, irgendjemand war gestorben und ihr Herz klopfte bis zum Hals, weil sie noch nicht wusste wer. Die Schwarzhaarige sah genau, wie sich Alicia zusammenreißen musste um nicht richtig zu weinen und das konnte eigentlich nur bedeuten, dass einer der Zwillinge gestorben war. „Wer ist tot?“, fragte sie schließlich mit erstickter Stimme, ihre Augen verweilten auf dem Gesicht der anderen, sie hatte zu viel Angst sonst zu sehen um wen es ging. Alicia schluckte mehrmals, bevor sie den Mund öffnete und ihr mit einem Namen den Untergang ihrer Welt verkündet hatte. „Fred“, tonlos war ihre Stimme gewesen und Angelina hatte nur schockiert die Augen aufgerissen und nicht bemerkt, wie ihr ihre Beine den Dienst versagt hatten und sie schließlich am Boden hockte und hemmungslos weinte. Das hätte nicht passieren sollen, niemals.


Der Schock dieses Verlustes saß nach wie vor tief, Angelina hatte noch nichts verarbeitet und jetzt wieder am Ort des Geschehens zu sein machte es nicht leichter, nicht besser. Überrascht stellte sie fest wie die Tränen über ihr Gesicht rannen, egal wie leer man sich fühlte, Tränen hatte man wohl immer genug. Angelina machte sich gar nicht erst die Mühe, die Tränen wegzuwischen, denn sie merkte so bald würde sie nicht aufhören zu weinen.
„Lina?“, das Mädchen blickte nicht auf als sie ihren alten Spitznamen hörte, doch sie hörte die schnellen Schritte und spürte wie sich Alicia neben sie setzte und sie an sich zog.
Mit einem Mal schien es so als würde alles aus ihr herausbrechen und ihr Körper wurde von heftigen Schluchzern geschüttelt.
Die beiden Freundinnen saßen einfach nebeneinander in der Dunkelheit und hielten sich aneinander fest, die Schwarzhaarige vergrub ihr Gesicht an ihrer Schulter und Alicia strich ihr unaufhörlich über die leichten Wellen in ihrem Haar.
Eigentlich hatte sie gedacht gar nicht mehr weinen zu können, sie hatte gedacht den größten Schmerz schon losgeworden zu sein. Doch sie hatte sich getäuscht, so bitter getäuscht, denn gerade in diesem Moment fühlte sie sich wieder genauso wie vor einer Woche. Die Schluchzer wollten nicht aufhören und sie hatte keine Luft mehr zum Atmen. Am liebsten hätte sie Alicia gesagt, dass sie alleine sein wollte, obwohl es nicht stimmte. Seit seinem Tod fühlte sie sich unglaublich verloren und einsam, aber in diesem Moment, wo ihre beste Freundin sie einfach nur festhielt, fühlte sie sich zum ersten Mal nicht mehr allein.
Angelina konnte nicht sagen wie lange sie schon im Dunkeln an dem Baum gelehnt hatten, bis ihre Tränen fürs Erste versiegt waren.
„Findest du es nicht auch irrsinnig?!“, Angelinas dunklen Augen suchten die von Alicia, „Wir haben den Krieg gewonnen und er ist jetzt einfach nicht mehr da…“
Ihre Stimme klang rau und erstickt, eine Woche hatte sie kaum etwas gesagt und Alicia hatte Angst wieder nicht zu ihr durchdringen zu können. Die andere Gryffindor hatte so recht, dies alles war der reinste Irrsinn. Niemals hätten sie einen aus ihren Reihen verlieren sollen, ihre Freundschaft untereinander war so unanfechtbar gewesen, dass man leicht glaubte, es würde ewig so weitergehen. Seit seinem Tod befanden sie sich alle wie in einer Starre, doch bei George und Angelina war es weit mehr als das. Die beiden hatten das Gefühl, dass ein Teil von ihnen mit Fred gestorben war und sie waren hilflos, wie sie ohne weitermachen konnten.
Sieben Tage lebten sie schon wie in Trance und man merkte deutlich, dass sie in Gedanken ganz woanders waren. Alicia hoffte einfach nur sie nicht auch noch zu verlieren, denn das würde sie nicht aushalten. „Ich weiß, ich weiß“, murmelte sie und suchte nach Angelinas Hand, die sie sanft drückte. Heute war hoffentlich der schlimmste Tag, sie hatten Fred zu Grabe getragen und jetzt war er endgültig fort. Die ganze Zeit hatte sie sich erst um Angelina und dann um George gekümmert und sie hatte sich einmal auf Katie und Lee verlassen. Die beiden hätten Angelina zum Fuchsbau mitnehmen sollen, damit sie nach einer Woche vielleicht endlich mal mit einem von ihnen geredet hätte oder wenigstens etwas gegessen hätte. Nur schien keiner Angelina so gut zu kennen wie sie, nie im Leben hätte sie sich von der Schwarzhaarigen vertrösten lassen und nie wäre sie ohne sie vom Friedhof weggegangen. Bis ihr aufgefallen war, dass Ange gar nicht im Fuchsbau war, war es schon später Abend gewesen und dann hatte Alicia hektisch nach ihr gesucht. Nirgendwo war sie aufzutreiben gewesen und für einen Moment hatte die blonde Hexe damit gerechnet ihre beste Freundin nie wieder zu sehen, weil sie sich das Leben genommen hatte. Eiskalt durchfuhr sie ein Gefühl von Panik und sie war alle Plätze noch einmal abgelaufen, der Friedhof, Angelinas Wohnung, sogar beim Laden von Fred und George hatte sie nachgesehen. Und dann war sie nur einem Gefühl nach, nach Hogwarts appariert und hatte sie dort tatsächlich gefunden. Die Flasche Feuerwhiskey neben Angelina hatte sie zunächst alarmiert, normalerweise betrank sich ihre beste Freundin nicht einfach so. Glücklicherweise schien sie aber keinen Schluck getrunken zu haben, mit einer betrunkenen und verzweifelten Angelina hätte selbst sie sich heute überfordert gefühlt.
„Er fehlt mir so wahnsinnig“, leise hatte sie gesprochen und doch waren diese Worte ganz ruhig von ihr gekommen. Alicia musste heftig schlucken, der Schmerz von ihr war so greifbar und es machte sie selbst fertig, weil sie nicht helfen konnte. Dies würde ein langer Kampf werden, den Angelina hauptsächlich mit sich selbst austragen müsste. Nur sie würde wissen, wann sie bereit sein würde ihn vollkommen loszulassen und sie würde wissen wann sie wieder glücklich sein könnte, wann sie wieder an ihrem Leben teilnehmen konnte. Dies waren alles Dinge, die Alicia nicht für sie entscheiden oder übernehmen konnte, aber sie konnte für Angelina da sein. In diesem Fall würde sie dafür sorgen, dass Ange mal das Haus verließ und an die frische Luft und unter Menschen kam. Sie würde ihr jederzeit ihre Couch zum Übernachten anbieten, falls die Wohnung zu einsam für sie ist. Natürlich würde sie alles dafür tun, nur damit es Angelina ein wenig besser ging, auch wenn sie das vielleicht alles nicht wollte und sich dagegen wehren würde. Allerdings wusste die Blondine genau, wie sie ihre beste Freundin zu gewissen Dingen bekam.
„Lisha, denkst du, dass man sich irgendwann wieder besser fühlt?“
Angelina zog wieder ihre Beine an und blickte auf den See, der Mond spiegelte sich in der glatten Wasseroberfläche und die ganzen Regenwolken am Himmel hatten sich wieder verzogen. Man konnte die Sterne sehen und wenn sie im Astronomieunterricht besser aufgepasst hätte, dann könnte sie jetzt auch einzelne Sternbilder erkennen und zuordnen. Die 20-Jährige blickte mit stoischer Ruhe auf den See und wartete auf eine Antwort ihrer besten Freundin. Mit Sicherheit erwartete jeder von ihr möglichst schnell wieder auf die Beine zu kommen, schon immer hatte sie nichts aus dem Gleichgewicht bringen können. Nur mit Fred hatte sie ihren kompletten Halt verloren und auch wenn man immer sagte, die Zeit könne alle Wunden heilen, so wusste Angelina nicht ob sie daran glauben sollte.
Die Blondine warf einen mitfühlenden Blick auf ihre beste Freundin, bei dem ganzen Trostspenden der letzten Tage hatte sie selbst noch gar nicht richtig getrauert, aber für sie standen im Moment ihre Freunde im Vordergrund, um sich selbst konnte sie sich später noch kümmern. Sanft strich sie Angelina ein paar Strähnen aus dem Gesicht, der Regen hatte aufgehört, doch die Haare der ehemaligen Gryffindor waren klitschnass, zu lange war sie im Dauerregen draußen gewesen. Es wurde Zeit, dass sie Angelina nach Hause bekam und unter die heiße Dusche stellte. Ihre beste Freundin war vermutlich bis auf die Unterwäsche durchgeweicht ohne es zu merken. Angelina bemerkte in den letzten Tagen ohnehin nicht sehr viel, sie ließ einfach alles kommentarlos an ihr vorbeiziehen und wenn man zu ihr sprach, dann hatte man das Gefühl sie hörte einen gar nicht richtig. Manchmal erschien es Alicia so als lebte Ange in ihrer eigenen Welt, in der sie einfach alles ausblendete was wehtat. An diesem Tag war dann alles wieder hochgekommen, Angelina hatte seinen Tod nicht länger verdrängen können, sie hatte ihn akzeptieren müssen. Ihre Augen waren verquollen und rot, sie musste viel geweint haben, alleine an seinem Grab. Fast überkam sie ein schlechtes Gewissen, weil sie nicht da gewesen war. Fred hätte dafür sicher milde mit ihr geschimpft, schließlich konnte sie doch nicht an allen Stellen gleichzeitig sein. Wie Recht er damit hatte und wie sehr sie sich trotzdem wünschte, sich manchmal aufteilen zu können, Alicia hatte das Gefühl an allen Ecken gebraucht zu werden. Außerdem beschlich sie immer mal wieder die Angst, vielleicht zu spät zu kommen, wenn sie nicht da war. Instinktiv wusste sie aber, dass Angelina ihr das nicht antun würde und George hatte immerhin seine Familie häufig um sich rum und er wusste, welchen Schmerz seine Mutter durchmachte. Bei all dem Schmerz, den er selbst verspürte, könnte er ihr nicht noch größeren Kummer bereiten. Angelina jedoch hatte ihre Eltern schon länger nicht mehr gesehen, schließlich lebten diese wieder in Amerika. Einen engen Kontakt hatte sie immer nur zum Vater gehabt und auch der war irgendwann abgeebbt, sie bekam Geld und das war’s. Ihre beste Freundin hatte immer nur ihren Freundeskreis gehabt in den letzten Jahren und diesen auch als ihre Familie bezeichnet. Nun fehlte ein wichtiges Stück und sie brauchte wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich Halt. Nie hatte Alicia gedacht Angelina einmal so gebrochen zu erleben, schließlich war sie immer die Taffe und Starke gewesen.
Alicia verlor sich immer mehr in ihren Gedanken, jedoch würde Angelina nicht bemerken, dass sie ihr noch eine Antwort schuldig geblieben war. Natürlich hoffte sie darauf, dass es ihnen allen irgendwann besser gehen würde. George sollte den Laden weiterführen, Angelina sollte ihre Quidditchkarriere in die Hand nehmen, Lee den Sportteil des Tagespropheten wieder mit Komplimenten für Ange füllen und Katie und Oliver sollten glücklich sein. Sie selbst sollte ihre Heilerausbildung beenden, doch zunächst würde sie hauptsächlich Hände halten, tröstende Umarmungen spenden und vermutlich immer mal wieder Angelina auf ihrer Couch übernachten lassen.
„Ich hoffe es sehr, Ange, doch das wird wohl noch einige Zeit dauern“, murmelte Alicia leise und drückte sanft die Hand ihrer besten Freundin, „Lass uns nach Hause gehen!“
Die blonde Hexe stand auf und zog Angelina sacht auf die Füße, beide blickten wie automatisch zum zerstörten Quidditchfeld. Wie viele glückliche Momente hatten sie dort miteinander verbracht, in einem Team zu sein hatte die Freundschaft zwischen ihnen nur noch verstärkt. Alicia fragte sich, wann Ange wohl wieder Quidditch spielen würde. Seitdem sie dieses Mädchen kannte und ihre beste Freundin nannte war dieser Sport ihr Traum, ihr absolutes Lebensziel. Schon in der ersten Klasse hatte sie ihr stolz erzählt, wenn sie groß sein würde, dann würde sie Jägerin in einem erfolgreichen Team werden. Mit den Zwillingen hatten sie sich schnell angefreundet, ebenso wie mit Lee, der jedoch lieber kommentierte als spielte. Fred und George hatten auch gespielt und eben über diesen Sport waren besonders Fred und Angelina schnell ebenfalls beste Freunde geworden. Außerdem hatte er nach dem Schulabschluss, genau wie der Rest der Bande, immer auf der Tribüne gesessen und Angelina angefeuert. Quidditch lag ihr einfach im Blut und doch wusste Alicia, dass sie vielleicht noch eher mit Freds Tod zurechtkommen würde als wieder mit dem Sport anzufangen. Dabei wurden einfach immer zu viele Erinnerungen wach, sie musste nicht in das Gesicht ihrer besten Freundin blicken um zu merken welche Gedanken durch ihren Kopf wuselten. Es waren dieselben wie ihre, die Trainings bei Oliver, das erste Mal den Quidditchpokal gewinnen und dann in ihrem letzten Jahr erneut. Alicia wünschte sich diese Zeiten zurück, damals waren einem Hausaufgaben oder Liebeskummer als die schlimmsten Probleme vorgekommen. Jetzt sah alles ganz anders aus, viel zu schnell waren sie in der Welt der Erwachsenen angekommen und viel zu schnell hatten sie bemerken müssen, wie es war einen wichtigen Menschen zu verlieren.
Bestimmt wandte sich Alicia vom Quidditchfeld ab und zog Angelina mit sich, schweigend gingen sie gemeinsam den Weg nach Hogsmeade. Ihre Hand war so unglaublich kalt und Alicia überlegte schon welchen Tee sie ihr in ihrer Wohnung vorsetzen würde. Am besten würde sie etwas Erkältungssaft dazugeben, bevor sie sich noch eine Grippe oder Lungenentzündung einfing. Im Zaubererdorf angekommen, nahm Alicia die Schwarzhaarige fest in die Arme und disapparierte mit ihr in ihre Wohnung.
Erst dort merkte Angelina wie kalt ihr eigentlich war, denn bei Lisha war die Wohnung immer kuschelig warm, bei ihr war es eh urgemütlich. Bevor sie sich jedoch auf die bequeme Couch fallen lassen durfte, wurde sie energisch von Alicia in ihr Badezimmer geschoben. Alicia legte ihr Sachen zum Wechseln hin und Angelina ließ das warme Wasser über ihren ausgekühlten Körper prasseln und fühlte sich zum ersten Mal seit einer Woche wieder in irgendeiner Weise lebendig. Nachdem sie sich mit einem Handtuch trocken gerubbelt hatte und ihre Haare mit Hilfe ihres Zauberstabes wieder trocken und lockig über ihre Schultern fielen, ging sie in einen kuscheligen Hausanzug ihrer besten Freundin hinunter ins Wohnzimmer.
Angelina hatte sich gerade auf das Sofa fallen gelassen, als Alicia mit zwei dampfenden Teetassen den Raum betrat. Obwohl ihre Hände gar nicht mehr wirklich kalt sein konnten, tat es trotzdem so unglaublich gut sie an der heißen Tasse zu wärmen. Richtig warm wurde ihr sowieso seit einer Woche nicht mehr, alles fühlte sich immer kalt und klamm an, aber gerade waren es nur ihre Finger. Von Alicia ging immer ein Gefühl aus, bei dem sich Angelina wohl fühlte, egal wie schlecht es ihr ging oder wie wütend sie auch war, Lisha konnte sie immer beruhigen. „Danke“, sprach Angelina mit heiserer Stimme mehr in ihren Teebecher als zu ihrer besten Freundin, doch Alicia würden schon wissen an wen dieses Wort gerichtet war.
Alicia hatte eigentlich gehofft, dass sie endlich richtig reden könnten, aber Angelina war ruhig und wirkte relativ gefasst. Sie beschloss es für diesen Abend gut sein zu lassen und einfach nur neben ihr zu sitzen und da zu sein. Viel mehr brauchte Angelina nicht, zum Reden fehlte ihr der Mut. Sie hatte Angst davor, wie Alicia manche ihrer Entscheidungen aufnehmen würde. Immerhin würde sie ihren Posten in ihrem Quidditchteam aufgeben, das Gespräch mit ihrem Trainer hatte sie gestern gehabt und er hatte ihr alle Zeit der Welt gegeben, solange sie irgendwann zurückkehren würde. Ihr war bewusst, dass sie nicht auf Dauer ohne Quidditch überleben könnte, aber die Angst auf einen Besen zu steigen und einfach so weiter zu machen mit einem Sport, den sie solange mit ihm geteilt hatte war viel zu groß. Ihre zweite Entscheidung, die sie an diesem Tag getroffen hatte, würde Alicia nicht befürworten, sie würde sie verstehen, aber es würde sie traurig machen. Angelina hatte beschlossen zu George auf Abstand zu gehen, die 20-Jährige konnte ihn nicht einmal mehr ansehen, dabei waren sie jahrelang so gute Freunde gewesen. Die ganze Woche hatte sie darüber nachgedacht mit ihm zu reden, wo er doch noch einen größeren Schmerz als sie verspüren durfte. Doch sie, die mutige und vorlaute Gryffindor hatte sich nicht getraut. Ihr graute es davor in dieses allzu vertraute Gesicht zu blicken, schon seit dem zweiten Schuljahr hatte sie beim Unterscheiden der Zwillinge keinen Fehler mehr gemacht und sie wusste genau wie anders die Zwillinge aussahen, obwohl sie so gleich waren. Fred hatte sie natürlich mit einem ganz anderen Ausdruck angesehen als George und sie fürchtete sich davor in Georges Gesicht nach Fred zu suchen, auch wenn dieser für immer fort gegangen war. Vielleicht war es herzlos ihn zu meiden, doch für Angelina bedeutete es so etwas wie Selbstschutz, schließlich würde es nicht für immer sein, gewiss nicht.
Alicia war aufgestanden um die Tassen in die Küche zu bringen und Angelina einen kleinen Snack zurechtzumachen, aber als sie zurück ins Wohnzimmer kam, war ihre beste Freundin, eingerollt wie ein Embryo im Mutterleib, auf ihrem Sofa eingeschlafen. Selbst im Schlaf sah Angelina unglaublich erschöpft und blass aus, früher hatten sie sie immer aufgezogen, denn wie konnte eine Dunkelhäutige schon blass wirken. Heute allerdings sah sie sehr bleich aus und die Augenringe waren nicht zu übersehen. Die Blondine holte eine Decke von einem Sessel und deckte ihre beste Freundin sorgsam zu, den Teller mit dem Sandwich stellte sie auf den Couchtisch, vielleicht würde sie nach dem Aufwachen ja endlich etwas essen.
Sie verließ leise das Wohnzimmer und trete sich im Türrahmen noch einmal um, mit einem Schlenker ihres Zauberstabes lag das Zimmer nur noch im Mondlicht da und Alicia seufzte leise. Eine Träne trat aus ihrem rechten Augenwinkel und sie wischte sie energisch weg, es war jetzt ihre Aufgabe stark zu sein und sie würde es durchhalten, komme was wolle. Mit einem kleinen Lächeln auf dem Gesicht wandte sie endgültig den Blick von der schlafenden Angelina ab, sie wirkte zwar erschöpft und hilflos, doch auch ein bisschen entspannter als sonst und diese Kleinigkeit ließ Alicia hoffen, dass sich ihre beste Freundin irgendwann von diesem Verlust erholen würde. Sie hatten doch alle ihr Leben noch vor sich und Fred würde es ihnen mehr als übel nehmen, wenn sie die Chancen, die er nicht mehr hatte, einfach so verstreichen lassen würden. „Gute Nacht, Fred“, murmelte sie leise, ihre Augen blickten durch ihr Schlafzimmerfenster zum Mond und sie wusste genau, dass er sie nie ganz verlassen würde.


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