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Fanfiction

Dschinn ex Machina - Kontraktmagie

von Hairy Otter

Hermine las die ganze Nacht hindurch bis sie am frühen Morgen überzeugt davon war, die relevanten Fakten zu kennen. Kontraktmagie benötigte, abgesehen von dem Ritual, welches die Meisterschaft über den Dschinn übertrug, keinerlei magischen Fertigkeiten, vielmehr machte das komplexe und ausgeklügelte Regelwerk ein gewissenhaftes Studium notwendig. Die Magier der Frühzeit mochten den Dschinns offensichtlich keinerlei Schlupflöcher bieten sich aus ihrem Joch zu befreien und umgekehrt sollte auch der Meister nicht in der Lage sein dies zu tun oder die Macht des Dschinns für andere üble Zwecke zu nutzen.
Penibel wurde festgehalten, welche Fähigkeiten des Dschinns durch sogenannten Handel und welche nur durch Wünsche erfüllt werden konnten. Die Unsterblichkeit war nur über einen Wunsch zu erwirken und galt als obligatorisch, was Hermine auch vollkommen nachvollziehen konnte, doch tatsächlich übte diese Fähigkeit keinen besonderen Reiz auf sie aus.
Natürlich hatte sie keine Lust in absehbarer Zeit zu sterben und mit Todesangst hatte sie bei ihrer ersten Begegnung mit Sirius Black auch schon Bekanntschaft gemacht, doch war ihre Angst geliebte Menschen zu verlieren wesentlich größer als selbst ums Leben zu kommen. Es war der Wahrheitswunsch - von den Autoren des Buches als nicht weniger wichtig erachtet – der es Hermine angetan hatte. Vornehmlich soll dieser Wunsch vor der Dummheit eines Meisters schützen, der es wagt auch nur einem Wort eines Dschinns glauben zu schenken, indem er ihn zwang, seinem Meister gegenüber stets nur die Wahrheit zu sagen. Dass dadurch im Prinzip auch alles Wissen dieser Welt zur Verfügung stand, war lediglich als angenehmer Nebeneffekt angegeben, für Hermine jedoch der wichtigste Beweggrund, sich auf einen Dschinn einzulassen.

Wissen ist Macht, war ihre Überzeugung. Auch Lord Voldemort konnte nur durch enormes Wissen zu dem gefürchtetsten Zauberer dieses Jahrhunderts werden. Umgekehrt konnte ihrer Ansicht nach nur noch größeres Wissen seine Macht brechen. Sie versprach sich, unbestreitbare Belege für seine Rückkehr vorlegen zu können, Sirius Unschuld zu beweisen und einen Weg zu finden ihn ein für allemal zu besiegen.
Darüber hinaus konnte Kontraktmagie dem Meister nicht mehr Macht oder Stärke verleihen, was Hermine auch sehr umsichtig fand, sich jedoch für ihre Absichten als Rückschlag erwies. Sie würde Lord Voldemort nicht aus eigener Kraft besiegen können, ein Kampf würde daher auf eine Pattsituation hinauslaufen. Davon ließ sie sich jedoch nicht entmutigen, denn Harry hatte bewiesen, dass der Dunkle Lord nicht unbezwingbar war, und sie würde Mittel und Wege finden ihn endgültig aus der Welt zu schaffen.
Was den dritten Wunsch betraf, so wollte Hermine diesen für den Notfall aufbewahren. Das Buch gab dafür eine Vielzahl an Beispielen an, welche die Grenzen normaler Zauberei überschritten, in ihren Augen jedoch allesamt vor dem Wunsch verblassten, einen Menschen vom Tode auferstehen zu lassen.
An Tauschgeschäften mit dem Dschinn war Hermine kaum interessiert, denn wie schon Rimière, riet auch das Buch ab, davon Gebrauch zu machen, wenn es nicht unbedingt nötig war. Überdies handelte es sich bei den Tauschgeschäften um relativ kleine Gefallen, die ein Zauberer zumeist auch aus eigener Kraft bewerkstelligen konnte.
Andererseits könnte sie dadurch notfalls auch außerhalb von Hogwarts Gebrauch von Magie machen, ohne gegen den Erlass zur Beschränkung der Zauberei Minderjähriger zu verstoßen. Außerdem würde sie zumindest einen Handel abschließen, der Harry und Ron ermöglichte, mit Loki so interagieren zu können wie sie, da es ihr merkwürdig vorkäme mit einer für die beiden unsichtbaren Präsenz zu reden.

Nur ein Punkt bereitete ihr ernsthaftes Kopfzerbrechen. Es handelte sich um die Bedingung, dass ein Vertrag mindestens fünftausend Tage Bestand haben musste, bevor die Meisterschaft über einen Dschinn an eine andere Person übergeben werden konnte. Das waren über dreizehneinhalb Jahre, für ein Mädchen von nicht einmal sechzehn Jahren war dies eine schwindelerregend lange Zeit. Frühestens im Alter von neunundzwanzig Jahren würde sie Loki loswerden können, vorausgesetzt es fand sich jemand, der in der Lage und willens war, den Vertrag zu übernehmen.
Und in all dieser Zeit würde sie fast rund um die Uhr die Gegenwart des Dschinns aushalten und auf ihre Privatsphäre verzichten müssen, was, wenn Rimière nicht maßlos übertrieb, keine angenehme Aussicht darstellte.
Außerdem würde sie in dieser Zeit nicht altern, besser gesagt, ihr Körper würde sich aufgrund seiner Fähigkeit zur Regeneration nicht verändern. Eigentlich wünschte sie sich das genaue Gegenteil, erwachsener und fraulicher auszusehen, da sie ihr Äußeres im Altersvergleich für arg kindlich hielt.
Allerdings kannte sie den zeit- und kostenaufwändigen Krieg, den ihre Mutter seit Jahren gegen die Zeichen der Zeit führte, um doch nur langsam aber sicher Schlacht um Schlacht zu verlieren. Vielleicht dachte sie in fünfundzwanzig Jahren ganz anders über dreizehn geschenkte, faltenfreie Jahre.
Von diesem kleinen positiven Aspekt abgesehen weckte eine solch lange Zeit in Hermine berechtigte Zweifel. Vielleicht hatte Rimière Recht und sie war tatsächlich zu jung um eine Entscheidung mit derart weitreichenden Konsequenzen zu treffen. Womöglich würde Loki sie mit seiner ständigen Anwesenheit wirklich in den Wahnsinn treiben. War es nicht besser einen Zauberer oder eine Hexe von größerer Reife zu suchen? Jemanden, der mit dieser großen Bürde besser zurechtkäme? Mit viel Pech könnte ein anderer sich als genauso feige und passiv herausstellen wie Rimière. Dann wäre eine einmalige Chance vertan, Voldemort das Handwerk zu legen.

Diese Gedanken beschäftigten Hermine den ganzen Vormittag und aufgrund ihrer Unschlüssigkeit war sie auch bereit ihre Eltern zu einem Restaurant in dem hübschen kleinen Ort zu begleiten, welcher nur wenige Minuten zu Fuß von ihrem Ferienhaus entfernt lag. Sie hätte es auch als sehr unhöflich erachtet, dieses Angebot abzulehnen, da sie doch nichts Besseres mit sich anzufangen wusste und sich ohnehin schon reichlich rar machte.
Und sie sollte diese Entschluss auch nicht bereuen. Die heitere Unterhaltung während des Mittagessens erwies sich als sehr angenehme Abwechslung von ihrer fortwährenden Sorge um die Vorgänge in der magischen Welt und als notwendige Ablenkung von der mentalen Sackgasse, in der sie steckte. Sie gaben lustige Anekdoten aus ihrem Arbeitsalltag zum Besten, während Hermine von den heiteren Seiten des vergangenen Schuljahres erzählte.
Etwas beschämt stellte sie fest, dass sie ihnen nur sehr wenig über Viktor erzählt hatte, nicht einmal die Tatsache, dass er Nationalspieler war, obgleich ihr das persönlich völlig gleichgültig war. Doch lernte sie an diesem Tage, dass es für eine Tochter ratsam war, den väterlichen Beschützerinstinkt mit möglichst vielen positiven Eigenschaften ihres Freundes zu beschwichtigen.
Um so schlimmer war es, eine Liaison zu verteidigen, die im Prinzip der Vergangenheit angehörte. Sie hatten sich zwar versprochen zu schreiben, doch sie wartete nun schon seit einer Woche auf eine Antwort zu ihren zweiten Brief. Ihr war klar, dass er nicht auf Dauer an dem Schulmädchen aus Hogwarts festhalten würde, jetzt da er sich voll auf seine Profikarriere konzentrieren konnte, wie auch sie kein Interesse an einer Fernbeziehung hatte. Sie mochte Krum und wollte gern mit ihm in Kontakt bleiben, doch war ihr immer klar gewesen, dass ihre Beziehung zusammen mit dem Trimagischen Turnier enden würde. Auch deswegen hatte sie ihren Eltern nicht mehr erzählt, doch täuschte das nicht über die Tatsache hinweg, dass Hermine sie kaum noch an ihrem Leben teilhaben ließ und das schon lange bevor sich Voldemorts finsterer Schatten über die magische Welt erhoben hatte und ihr Herz umklammerte wann immer sie nach jemandem gefragt wurde, der ihr lieb und teuer war.
Indes machten ihre Eltern keine Vorwürfe, sondern hatten schon früh akzeptiert, Hermine auf ihrem Weg nicht begleiten zu können, und brachten umso stärker ihren Stolz darüber zum Ausdruck, dass Hermine dieses Leben auch ohne ihre Hilfe mit Bravour meisterte. Und Hermine liebte sie für das Vertrauen, das sie ihr entgegen brachten.
Als ihre Mutter sie schließlich fragte ob Hermine Interesse habe, sie auf einer kleinen Rundfahrt an der Küste zu begleiten, hatte diese ihre Entscheidung bereits getroffen. Sie lehnte dankend ab und erzählte ihnen, dass sie am vorigen Tag eine Schulkameradin aus Hogwarts getroffen habe. Sie erwähnte keinerlei Absicht, diese erneut zu treffen, die Implikation allein genügte jedoch als Ausrede.

Eine halbe Stunde später winkte Hermine ihren Eltern zum Abschied, als diese mit dem Auto aus der Einfahrt fuhren, begab sich zurück ins Haus, packte das Buch über Kontraktmagie in ihre Tasche und stieg wenig später in den großen Kamin, welchen sie gleich zu Anfang des Urlaubs mit dem französischen Flohnetzwerk hatte verbinden lassen.
„La Gaufre, Poststation!“ rief sie und stolperte im nächsten Moment in die große Halle eines Eulenpostamtes, welches, mit etwa zwanzig aneinandergereihten Kaminen, auch der zentrale Knotenpunkt des Flohnetzwerks war.
Die drückende Hitze des Vortages war nichts im Vergleich zu der regelrecht bleiernen Luft, die träge durch die fast menschenleeren Gassen schwamm. Hermine machte dennoch keinen Abstecher zu einem der mit kühlen Getränken lockenden Cafés sondern eilte sie, von dem schier unerträglichen Wetter unbeirrt, auf kürzestem ihrem Ziel entgegen. Als sie Rimières Antiquariat schließlich erreichte war sie dementsprechend außer Atem und von Kopf bis Fuß nass geschwitzt.
Dieses Mal vernahm sie die Macht des Dschinns noch bevor sie die Türschwelle betrat, und als sie den Laden betrat erwartete sie kein höflicher Empfang.
„So früh habe ich Sie nicht zurück erwartet,“ sagte Rimière kühl, der wie tags zuvor mit der Eleganz eines Rezeptionisten in einem Luxushotel hinter seinem Tresen stand. „Mit Sicherheit haben Sie das Buch noch nicht vollständigen gelesen, oder haben Sie es sich gar anders überlegt?“
„Ich lese und lerne schnell,“ erwiderte Hermine in dem selben kühlen Tonfall. „Ich habe Fragen - Loki betreffend.“
„Nun, dann folgen Sie mir bitte.“
Mit diesen Worten machte er mit seinem Zauberstab eine kleine wischende Bewegung und das Schild an der Tür, auf welchem gerade noch geöffnet gestanden hatte, zeigte nun die Aufschrift geschlossen.
Rimière führte Hermine in den hinteren Bereich des Antiquariats, vorbei an den Bücherregalen bis sie in einer Ecke eine hölzerne Wendeltreppe erblickte, welche zu den oberen Stockwerken des Gebäudes führte. Sie wunderte sich bereits, weshalb sie Loki noch nicht begegnet war.
Oben angekommen öffnete Rimière eine Tür, die in einen langen breiten Flur führte, dessen Wände bis auf den letzten Zentimeter von Regalen voll Büchern verdeckt waren. Im nächsten Raum, in welchen Rimière sie führte und welcher wohl das Wohnzimmer sein sollte, bot sich ein ähnliches Bild.
Bücher über Bücher wohin sie auch blickte. Selbst vor dem Kamin standen stapelweise Folianten, was darauf schließen ließ, dass Rimière ihn wohl seit Jahren nur als Ablagefläche nutzte. Der Raum war in zwei funktionelle Bereiche gegliedert. Auf der einen Seite befanden sich eine Vielzahl edlen Sitzgelegenheiten von Sofas über Sesseln und schönen Lehnstühlen, die auf Hermine allesamt mehr als einladend wirkten. Der andere Bereich wurde von einem prachtvollen Schreibtisch dominiert, der vor einem der großen hohen Fenstern stand und dessen aufwändige Intarsien in der einfallenden Mittagssonne in gold und silber leuchteten.

Es ließ sich für Hermine nicht von der Hand weisen, dass Rimière einen exzellenten Geschmack besaß; ihr eigenes Heim stellte sie sich genau so vor. Dennoch konnte das ihre Meinung über ihn nicht verbessern. Welchen Nutzen hatte all dieses Wissen, wenn es nur der Befriedigung des Wissensdurstes diente?
„Setzen Sie sich,“ forderte Rimière sie auf und deutete auf einen der Sessel. „Kann ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?“
„Ja, danke,“ antwortete Hermine und setzte sich. „Ein Glas Wasser wäre angenehm.“
Rimière schwang seinen Zauberstab und erzeugte aus dem Nichts eine Karaffe voll Wasser und ein Glas, welche mit einem leisen Scheppern auf dem Beistelltisch neben ihr landeten.
„Nun, was genau möchten Sie denn wissen?“ sagte er und nahm ihr gegenüber Platz.
„Naja, zunächst einmal frage ich mich wo Loki ist?“
„Ich habe ihn davon überzeugen können, von Ihnen fern zu bleiben und sich nicht in ihren Entscheidungsprozess einzumischen, da er diesen nur zu seinen Ungunsten beeinflussen würde.“
„Das klingt so, als seien Sie doch mit mir einverstanden,“ sagte Hermine überrascht.
„Ich halte noch immer nicht viel davon einer Fünfzehnjährigen die Verantwortung für eine solche Kreatur zu überlassen. Doch ich habe... sagen wir mal Nachforschungen über Sie angestellt und bin darüber zu dem Entschluss gekommen, dass es auch wesentlich schlechter qualifizierte Kandidaten geben könnte. Sie haben in der Tat eine sehr interessante Persönlichkeit und Ihre Motive sind vollkommen untadelig...“
„Sie haben mich vor Lokis bösartigem Wesen gewarnt,“ drängte Hermine. „Das Buch beschreibt Ähnliches, bleibt dabei aber recht vage.“
„Es gibt in der Tat nur sehr allgemeine Ratschläge im Umgang mit den Dschinns und ich beabsichtige es in naher Zukunft durch meine persönlichen Erfahrungen mit Loki zu erweitern, da dieser sich von seinen Brüdern erheblich unterscheidet. Es gibt insgesamt fünf von ihnen und alle zeichnen sich durch reine Verachtung gegen Sterbliche aus. Alle, bis auf Loki.
Aber um Ihnen sein Wesen begreiflich zu machen muss ich schon ein wenig weiter ausholen. Nach menschlichem Maßstab kann man ihn durchaus als bösartig betrachten, doch ist er mit Nichten mit einem Menschen oder irgendeinem anderen intelligenten Lebewesen zu vergleichen. Wir sprechen hier schließlich von einem Wesen, das in anderen Kulturen als Gottheit betrachtet wurde. Er war schon immer und wird noch sein solange die Welt sich dreht. Dabei verfügt er über unvorstellbare Macht und Wissen. Diese Art der Existenz macht ihn jedoch unfähig, das Wesen der Sterblichen zu begreifen, auch wenn er in seiner Überheblichkeit natürlich anders darüber denkt.
In Wahrheit fasziniert ihn unsere Sterblichkeit jedoch; unser Streben nach Selbsterhaltung und Selbstverbesserung, genau so wie unsere Angst vor dem Tode und unsere Bereitschaft zur Selbstaufopferung. Wir sind für ihn nur ulkige Zwitter aus Tier und Geist, stets bestrebt unsere Triebe dem Geiste zu unterwerfen obwohl wir doch größtenteils von Instinkten geleitet werden.
Ein Dschinn besitzt keine Instinkte, nur Wissen. Loki ist von Natur aus frei von Trieben, doch genießt er es sich treiben zu lassen, auch deswegen nimmt er gern menschliche Form an; um zu fühlen wie wir es tun und sich gleichzeitig seine Überlegenheit zu bewahen, da er davon nicht beherrscht wird wie wir.“

„Das klingt für mich so als wäre Loki gern menschlicher,“ sagte Hermine, die nicht so recht verstand, was daran nun falsch sein sollte.
„Ja und nein. Er würde sich das niemals eingestehen, denn obgleich er sich selbst als Freund aller Lebewesen bezeichnet, betrachtet er jede Form von Existenz, die der seinen unterlegen ist als lächerlich.“
„Und inwiefern äußert sich das nun in seinem Verhalten?“
„Darauf komme ich gleich zu sprechen,“ sagte Rimière geduldig. „Es ist wichtig, dass sie sein Wesen verstehen um sein Verhalten ertragen zu können. Menschen und andere vernunftbegabte Kreaturen faszinieren ihn, weil er vieles an ihnen nicht verstehen und erfassen kann, sich seiner Ignoranz gleichzeitig jedoch nicht bewusst ist.
Er glaubt uns besser zu kennen als wir uns selbst, was auch gewissermaßen der Wahrheit entspricht. Deswegen macht er sich einen Spaß daraus uns den Spiegel vorzuhalten und uns zu zeigen was wir wirklich sind. Er will, dass wir alles in Frage stellen woran wir glauben, nur um ihn in seiner Überzeugung zu bestätigen, dass all dies so nichtig ist wie unsere Existenz selbst. Er wird versuchen Ihre Werte und Überzeugungen zu kompromitieren, wie auch ihr Verhältnis zu allem, das Ihnen wichtig ist.
Sein vornehmliches Ziel ist nicht Schaden anzurichten, sondern seine Neugier zu befriedigen. Er beobachtet gern die Wirkung seines Handelns, als wären wir für ihn nicht mehr als soziologische Forschungsobjekte. Wenn er Sie mit einem Konflikt konfrontiert, so ist es ihm egal ob sie diesen bewältigen oder scheitern, es geht ihm vielmehr darum ob das Resultat seiner Vorhersage entspricht. Und tatsächlich glaube ich, dass unerwartete Ergebnisse ihm weit größere Befriedigung verschaffen, weil er dadurch dem Verständnis für das menschliche Wesen einen Schritt näher kommt.“
„Können Sie mir nicht konkrete Beispiele nennen mit denen ich zu rechnen habe?“
„Bedaure, das können nur Sie selbst beantworten,“ sagte Rimière. „Was betrachten Sie als Ihre größten Stärken oder Schwächen? Woran glauben Sie? Was ist Ihnen wichtig im Leben? Wie ist Ihr Verhältnis zu Sexualität?“
„Wie bitte?“
„Ich erwähne es, da Loki all dies zum Gegenstand seiner gemeinen Spielchen machen könnte. Ich finde zwar, dass Sie für Ihr junges Alter über ein außerordentlich gefestigtes Gemüt verfügen, aber wie jede Seele hat auch die Ihre gewisse Abgründe und Loki wird versuchen Sie über den Rand zu stoßen, nur um zu sehen ob Sie beim Aufprall zerbrechen oder wieder aufstehen.“
Hermine hatte keine Ahnung von welchen Abgründen Rimière sprach. Sie konnte sich nichts vorstellen, dass nutzen konnte um sie zu zerbrechen. Natürlich bekam sie ein mulmiges Gefühl als sie seine Erzählung Revue passieren ließ, doch nichts davon schreckte sie vor ihrem Vorhaben zurück, im Gegenteil, Rimière hatte sogar ein wenig Neugier in ihr wecken können.
„Ich bin nicht hergekommen um einen Rückzieher zu machen,“ sagte sie schließlich mit entschlossener Miene.
„Und Sie sind sich vollkommen sicher?“ seufzte Rimière
„Ja.“
„Habe ich doch gesagt!“ hörte Hermine Lokis Stimme unmittelbar neben sich, was sie fürchterlich zusammenfahren ließ. Mit einem winzigen Plopp erschien der Dschinn auf ihrer Armlehne und grinste sie an.
„Das ist die beste Entscheidung deines Lebens,“ sagte er.


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Selbst Muggel wie wir sollten diesen freudigen, freudigen Tag feiern! Jenen nämlich, da sich der Londoner Verlag Bloomsbury entschloss, die Manuskripte der britischen Autorin Joanne K. Rowling zum Druck anzunehmen und sie der breiten, nichtmagischen Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Susanne Gaschke, Die Zeit