
von Miss Snowy
Ich schlage meine Augen auf und würde sie am liebsten gleich wieder zu schlagen und nie wieder öffnen. Ich blicke an die Decke meines Doppelbettes, die gruselige Fratze eines Monsters, was in das Holz geschnitzt ist, scheint mich auszulachen als ich seufze und versuche an meinen Traum zu erinnern. Ich glaube, es war eine Szene aus meiner Kindheit, aber an diese Zeit will ich mich gar nicht erinnern. Also setze ich mich langsam auf und lasse meinen Blick durch mein Zimmer gleiten. Bin ich jetzt erwachsen? Nur weil ich kein Kind mehr bin? Schätze, dass nennt man dann Teenager. Verwirrt schüttele ich den Kopf um die wirren Gedanken weg zu kriegen und stehe auf. Vor meinem dunkelbraunen Doppelbett mit dunkelroter Bettwäsche liegt ein dunkelroter Flauschteppich, der jetzt meine Sohlen kitzelt, so dass ich schnell weiter auf die dunkelbraunen Dielen trete, die den Boden meines kleinen Zimmers bedecken. An der linken Wand sind drei Bücherregale und mittendrin ist eine dunkelbraune Tür zum Flur. Gegenüber meines Himmelbettes steht ein wuchtiger, dunkelbrauner Schrank mit goldenen Verzierungen. Daneben steht ein Schreibtisch. Ebenso wuchtig und ebenso dunkel. Die beiden einzigen Fenster sind noch mit den dunkelroten Vorhängen zugezogen, so dass der ganze Raum in schummeriges Licht getaucht ist. Ich laufe ohne einen Blick an den Spiegel neben der Badezimmertür zu verschwenden in mein angrenzendes Bad und ziehe mir schnell das schwarze Seidennachthemd aus, steige unter die Dusche und lasse das warme Wasser auf meinen Rücken prasseln. Ich entspanne mich ein wenig und wasche mich, bevor das Wasser zu sehr anfängt weh zu tun und ich wieder austrete, mich in einen schwarzen Bademantel eingehüllt dann wieder in mein Zimmer begebe. Ich öffne die beiden schweren Vorhänge und befestige sie mit der goldenen Kurdel. Die Fenster reichen bis zur Decke und ich kann sie öffnen und dann auf den kleinen Balkon treten, der die beiden Fenster miteinander verbindet. Aber dieser Balkon ist eher ein Schmückstück, weil es von außen toll aussieht. Als ob irgendjemand mehr als einen kurzen Blick auf diese schaurige Villa wirft, bevor ihm ein Schauer über den Rücken läuft und ihn so gut wie schreiend davon laufen lässt. Meine Fenster reichen zum Glück raus in den weitläufigen Garten. Aber so groß, wie der Park bei meiner französischen Familie ist er nicht. Das weiß ich noch, dass der Park riesig war. Ich runzele die Stirn, schon wieder denke ich an meine Kindheit. Was ist heute doch nur für ein merkwürdiger Tag. Und dann fällt mein Blick auf meinen, natürlich schwarzen, Lederkalender, der auf meinen Schreibtisch liegt. Langsam trete ich näher und betrachte das eingekreiste Datum. 30. August 1996. Der Tag, an dem ich ihnen meinen Wunsch vortrage. Naja, eigentlich eher ihnen sage, was sie tun sollen, aber das sind nur Details. Ich bin gestern erst spät von einem Auftrag wieder gekommen. Abwesend streiche ich über das neue Tatoo, ein Handabdruck auf meinem linken Unterarm. Ich trete an meinen Kleiderschrank und öffne die schweren Türen. Am Ende trage ich einen schwarzen Spitzenrock, mein Kiss-World-Tour-T-shirt mit V-Ausschnitt, den goldenen Wirbel als Kette und meine schwarzen Boots. Ich werfe mir noch eine schwarze Lederjacke über und seufzend rubbele ich meine Haare trocken. Selbst ich muss mich an die Gesetze des Ministeriums halten. Obwohl ich bezweifele, dass die überhaupt wissen, dass ich existiere. Schließlich habe ich vor 5 Jahren auch keinen Hogwartsbrief bekommen obwohl ich reinblütig bin. Ob Bellatrix das weiß? Dass ich reinblütig bin? Wahrscheinlich macht das eh keinen Unterschied und mit einem letzten Blick in den Spiegel, zu dem schwarzhaarigen und braunäugigen Mädchen wende ich mich ab und trete in den Flur. Während ich den mir bekannten Weg zum Salon runter laufe, fahre ich mir immer wieder durch die Haare und schüttele sie, damit sie schneller trocknen. Dann zwirbele ich mir eine kleine Locke in meine sonst eher mäßig welligen Haare, bevor ich die letzte Treppe zur Eingangshalle antrete. Unten an der Treppe steht wie immer ein Diener, wahrscheinlich unter dem Imperius, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass hier jemand freiwillig arbeiten würde. Villa Lestrange ist auch ohne die Besitzer schon gruselig genug. „Guten Morgen, Lady Rosemary Paulet.“, begrüßt er mich und ja, richtig gehört, ich bin zum Glück keine von diesen Lestrange/Black-Affen, sondern eine echte Adlige der englischen Gesellschaft. Leider hat mein Vater seit 8 Jahren, seit ich von zu hause weg bin, nicht einmal versucht mich zu finden oder zu kontaktieren. Aber eigentlich hatte ich auch nichts anderes erwartet. Von meiner französischen Familie ganz zu schweigen, die mich mit 6 Jahren einfach in ein fremdes Land geschickt hat zu einem Mann, der sich mein Vater schimpft. Zum Glück ist meine Mutter seit meiner Geburt tot, noch eine Person, die mich enttäuscht, hätte ich in meiner Kindheit echt nicht gebrauchen können. Ohne den Diener zu beachten, trete ich in den Salon und unterbreche wohl Bellatrix und Rodolphus gerade in ihrem Gespräch, den beide blicken auf. Bellatrix steht vor Rodolphus, der auf dem Sofa sitzt. „Guten Morgen.“, begrüße ich beide und nicke ihnen zu. Beide antworten: „Guten Morgen, Lady Rosemary.“, und leise lächelnd gehe ich zu der Kommode, auf der eine Obstschale steht und nehme mir einen Apfel. „Ich habe euch etwas zu sagen.“, ich drehe mich um und beiße in den Apfel. Bellatrix seufzt und lässt sich in einen der dunkelgrünen Sessel mit hoher Lehne fallen. „Was ist?“, fragt sie forsch. Ich hebe eine Augenbraue und sie senkt den Blick. Ich weiß, dass eigentlich ich die Waffe der Lestrange‘s bin, der Joker, den sie immer ausspielen, wenn Bellatrix sich mal wieder vor dem Dunklen Lord behaupten will, aber ich bekomme alles was ich will von ihnen. Ich würde es nie wagen, sie mit meiner Gabe zu foltern, denn ich habe Angst. Vor was genau, sorry, keine Ahnung, aber ich habe Angst vor ihnen, glaube ich. Der Cruciatus ist nun doch etwas schmerzhaft. Außerdem, wer würde sich schon mit Lord Voldemort anlegen und ein so großzügiges zu Hause aufgeben, wie die Villa Lestrange? Naja, außer man kann es gegen ein noch großzügigeres Haus tauschen. Wie Hogwarts. „Ich will nach Hogwarts.“, sage ich und beiße noch einmal ab, kaue langsam und beobachte das Mienenspiel meiner Aufpasser. Bellatrix schüttelt den Kopf und lacht dann ungläubig auf, während Rodolphus leise seufzt und sich durch die schulterlangen, schwarzen Haare fährt. Anders als sein Bruder, ist er eher ernst und weniger gut aussehend. Leider habe ich Rabastan schon seit einigen Monaten nicht mehr gesehen. „Nein.“, keucht Bellatrix und zieht meine Aufmerksamkeit von Rodolphus wieder auf sie. Ich fahre mir durch meine Haare, die mittlerweile ein wenig getrocknet sind und anfangen ihr dunkelbraun anzunehmen, dass sie normalerweise haben. „In zwei Tagen stehe ich am Gleis 9 ¾, egal, ob ihr es mir erlaubt oder nicht.“, lege ich fest und drehe mich wieder um, nicht ohne mein linken Unterarm zu kratzen. Frische Tattoos tun immer ein wenig weh. Vor allem Handabdrücke. Schließlich bedeuten sie nicht ohne Grund Rache, oder, dass dir jemand auf die Schliche kommt. Vorne an der Rechten Hüfte habe ich noch einen, ebenso wie auf der linken Schulter und der linken Hüfte, vom Rücken aus. Ich habe außerdem auf meinen Schlüsselbeinen je eine Schlange, deren Köpfe zur Brust zeigen. Hier liegt das Herz meiner Tattoos. Das chinesische Zeichen für Angst prangt direkt auf meiner Brust und meine goldene Kette liegt direkt in der Mitte davon. Außerdem habe ich noch an der linken Seite von der Hüfte aufwärts eine weitere Schlange, diese ist aber kleiner. Scheinbar war die Angst, hintergangen zu werden hier nicht so groß. Insgesamt bedecken 4 Crufixe meinen Oberkörper. Auf je einem Oberarm, auf meinem Zwerchfell und am linken Handgelenk. Ja, vor dem Tod haben die Menschen die meiste Angst. Bei dem Stichwort an meiste Angst, fängt mein Rücken wieder an zu stechen. Dort prangt das schlimmste und gruseligste und schrecklichste Tattoo, dass jemand haben kann. Voldemort‘s Fratze bedeckt meinen Rücken und ist an den Rändern ausgefranst, so dass es aussieht, als würde es sich erweitern. Ich bin nur froh, dass die Menschen, die Angst vor Voldemort haben, einfach nur dazu führen, dass das Tattoo verstärkt wird, nicht, dass ich weitere Fratzen auf meinen Oberkörper finde, wie es sonst der Fall ist. Neben den Crufixen, Schlangen, Handabdrücken und den bescheurten Lord Voldemort, ist an meinem rechten Unterarm noch eine Spinne, ebenso wie auf meiner linken Schulter. Insgesamt also 5 Ängste. Und das ist es, was meine Gabe ist. Es ist kompliziert zu erklären. Also mit 6 Jahren habe ich das erste Mal meiner angeheirateten Cousine Lucinda ihren schlimmsten Albtraum geschickt. Das war mein erster. 3 Stunden lang lag sie ruhig da und als sie aufwachte, war sie nicht mehr die selbe. Später lauschte ich wie langsam hervor stotterte, dass sie in einem unendlichen, nie endenden Kreislauf von ihrer größten Angst gefangen war. Sie hatte kein Hoffnung, war ihr aber immer, immer und immer wieder ausgesetzt. Sie konnte nicht fliehen, nicht bevor ich den Zauber abbrach. Seit dem prangt das chinesische Zeichen für Angst auf meiner Brust. Es war mein erster Albtraum. Und es sollte aber nicht der letzte bleiben. Seitdem habe ich 8 Menschen fast zu Tode gefoltert, jeder mit unterschiedlichen Ängsten, und 11 Menschen, die Angst vor Lord Voldemort haben. Vielleicht bin ich jetzt die Böse, aber Lucinda, sie ist Schuld. Sie ist der Anfang. Der Grund, warum es begonnen hat, der Grund und ich hasse sie. Ich hasse meine ganze französische Familie für das, was sie getan haben und ich hasse meinen Vater und seine Frau und ich hasse Bellatrix Lestrange ebenso sehr wie Lord Voldemort. Es gibt keine guten Menschen auf dieser Erde. Jeder hat eine dunkle Seite und selbst die, die sie zu unterdrücken versuchen, sind nur Heuchler in einer Welt des Bösen. Mit einem letzten Gedanken, an die Menschen die mich seit 8 Jahren großgezogen haben, die ihre dunkle Seite präsentieren, als wäre es das Beste, trete ich aus dem Salon und lasse die Tür hinter mir zu knallen.
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