
von Bianca Black
Etwa eine Woche vor den letzten Geschehnissen:
Er war schon ewig unterwegs und endlich, er war seinem Ziel so nahe – London. Es waren nur noch einige Kilometer, die er zurückzulegen hatte. Beinahe den ganzen Weg war der junge Mann mit irgendwelchen Autos per Anhalter gefahren und davor hatte er sich einen Portschlüssel gezaubert, der ihn von Montreal nach Südengland gebracht hatte, wo er seine Suche beginnen wollte. Lucas war gerade wieder aus einem Auto ausgestiegen, dass ihn bis zu der Raststätte kurz vor London mitgenommen hatte. Er beschloss, die restlichen Kilometer zu Fuß zu gehen. Jedoch über Feldwege und kleinere Dörfer, schließlich wollte er hier in der Gegend nicht auffallen, da er sich hier nicht auskannte und nicht wusste, wer Gut und Böse war. Nun machte er sich schweigend auf den Weg in Richtung eines kleinen Waldes. Lucas war in seiner schwarzen Jeans und der dunklen Strickjacke sehr unscheinbar. Seine Sachen wiesen schon einige Kratzer auf, die sie durch Sträucher im Wald erlitten hatten, genauso wie sein Gesicht. Nach etwa ein paar Stunden, kam er im Stadtzentrum vor einem alten Pub zum Stehen. „Der Tropfende Kessel“ hört sich nicht nach etwas muggelartigem an, dachte er sich und betrat den unscheinbaren Pub. Er hatte sich seine Kapuze, die an der Strickjacke festgemacht war, über den Kopf gezogen und begab sich auch gleich vorn an den Tresen. Der alte Wirt Tom kam gerade auf ihn zu.
„Na, was kann ich dir bringen?“ fragte der Wirt an Lucas gewandt.
„Einen Tee.“ Gab er zurück. „Und vielleicht auch etwas Suppe“.
Jedoch dachte er an das wenige Geld in seiner Tasche und sagte: „Ach vergessen sie die Suppe, nur den Tee“.
Und Lucas sammelte die restlichen kleinen Münzen aus seiner Tasche und zählte sie zusammen.
„Hier, das müsste für den Tee reichen“ sagte er zu Tom. Dieser zählte das Kleingeld genau und kam zu dem Schluss, dass noch etwas fehlte. Bei dem mitleidigem Anblick des jungen Mannes, sagte er dies jedoch nicht und gab ihm den Tee.
Lucas begann in seiner Tasse zu rühren und dachte über die letzten Wochen nach. Er war soweit gereist und London war groß. Vielleicht würde er sie hier nie finden. Aber er wurde in seinen Gedanken von Tom unterbrochen, da Lucas bisher noch der einzige Gast war.
„Hast du schon einen Platz zum Schlafen? Denn du bist nicht von hier.“ Das hatte Tom gleich bemerkt, da dieser Junge einen leichten Akzent besaß.
„Ähm. Nein. Ich kann mit kein Zimmer mehr leisten. Das war mein letztes Geld.“ Gab er Tom zurück.
„Kannst du Kochen?“ wollte Tom nun von Lucas wissen.
„Naja, ein bisschen. Suppe und Nudeln und noch ein paar andere Gerichte“
„Dann kannst du, wenn du willst, hier arbeiten und ich gebe dir dafür ein kleines Zimmer hier im Pub“ bot ihm Tom nun an, natürlich nur mit Hintergedanken, da am heutigen Abend wieder eine Versammlung in seinem Pub angesetzt war.
„Wirklich?“ Lucas konnte es gar nicht glauben. „Ich würde gern hier arbeiten“ denn die Aussicht auf ein warmes, bequemes Bett war für ihn einer seiner sehnlichsten Wünsche.
„Gut, komm mit“ und Tom stapfte los, um Lucas sein Zimmer zu zeigen.
„Mach dich ein wenig fertig und komm dann wieder runter, heut wird wieder viel los sein.“ Sagte Tom nun wieder und ging aus dem Zimmer.
Lucas war wieder allein und konnte gar nicht glauben, dass er soviel Glück gehabt hatte. Er setzte sich auf sein Bett und war froh, als allererstes hier hinein gegangen zu sein. Jetzt wurde ihm aber wieder klar, was Tom ihm gesagt hatte und so ging er in das kleine Badezimmer, um sich fertig zu machen. Als er wieder rauskam, fühlte er sich so sauber, wie schon lange nicht mehr. Er hatte, nun da er Wasser und Seife zur Verfügung hatte, gleich seine Kratzer gesäubert und sie mit etwas Creme aus dem Badezimmerschrank eingecremt.
Jedoch hatte er immer noch zerrissene Kleidung, aber dass schien Tom nicht weiter gestört zu haben. Also machte sich Lucas wieder auf den Weg zum Schanksaal.
Es waren jetzt schon ein paar Leute anwesend, allesamt Zauberer, da sie Umhänge trugen. Bis auf einen, der riesengroß war, obwohl er schon auf einem Hocker vor dem Tresen saß. Dieser Mann war auf jeden Fall viel größer als Lucas selbst, der schon ein Meter achtundachtzig groß war. Er ging hinter den Tresen, um nachzusehen, ob schon jemand etwas zu essen bestellt hatte, was jedoch nicht der Fall war.
Und so ging er zu dem Mann am Tresen und bemerkte, dass fast sein ganzes Gesicht von seinen Haaren verdeckt wurde, bis auf die große Nase und die kleinen schwarzen Augen.
„Möchten sie noch etwas trinken, Sir?“ fragte Lucas nun nach.
„Ja. Gern. Ein Whisky wäre nicht ...“ doch als der Mann Lucas ins Gesicht sah, verschlug es ihm die Sprache. Er erinnerte sich nur an zwei Menschen, die diesem jungen Mann bis aufs Letzte glichen.
Lucas war durch das aprupte Stoppen schon sehr verwundert, nahm es jedoch einfach so hin.
„Also einen Whisky. Kommt sofort“ und er nahm sich ein Glas aus dem Regal und fand, nach kurzem Suchen, auch schon die Whisky-Flasche, die bereits vor dem Tresen stand. Er schob dem Mann das Glas zu und wandte sich nun den anderen Gästen zu.
Nach etlichen gekochten Suppen, Whiskys und ausgeschenktem Bier wurde es im Pub wieder ruhiger. Bis nur noch der große Mann am Tresen übrig war.
„Möchten sie noch etwas, Sir?“ fragte Lucas nach.
„Nein, danke. Ich glaube das reicht für heute. Aber nenn mich doch bitte Hagrid, das machen alle hier“.
„Gut. Ich bin Lucas B. Powell.“ Antwortete Lucas Hagrid.
„Schön dich kennenzulernen, Lucas. Aber ich muss jetzt auch los. Tschüss“ und so verließ Hagrid den Pub und Lucas begann nun die Tische abzuwischen und die Stühle hochzustellen. Währenddessen hatte er einen Zauber ausgesprochen, durch den sich die Teller und Gläser selbst abwuschen.
Tom kam jetzt zu ihm rüber und meinte, dass er schlafen gehen könne. Dass ließ sich Lucas nicht zweimal sagen, ging auf sein Zimmer, legte sich direkt auf sein Bett und träumte wenige Sekunden später einen traumlosen Schlaf.
Am nächsten Morgen wurde er von einem Pochen an der Tür geweckt.
„Ja“ rief er noch leicht verschlafen.
Die Tür öffnete sich und herein trat....Hagrid. Jedoch war dieser nicht allein gekommen, er hatte noch einen alten Mann mit einem langen silbernen Bart, einer Brille mit Halbmondgläsern und einem Spitzhut mitgebracht.
„Ich wünsche dir einen wunderschönen guten Morgen. Ich bin Albus Dumbledore und wie ich gehört habe bist du seit kurzem hier in London.“ Sagte der alte Mann, der obwohl er so alt war, eine Stärke ausstrahlte, die Lucas noch bei keinem anderen gesehen hatte.
„Ja. Ich bin gestern hier angekommen.“ Dabei richtete er sich noch etwas auf, um diesen Dumbledore genauer betrachten zu können.
„Aber was wollen sie von mir?“ Lucas war nun wirklich neugierig geworden.
„Hagrid kam gestern Abend noch ziemlich spät zu mir und machte mich auf dich aufmerksam, da du ihm sehr bekannt vorkamst. Und so bin ich gleich mit ihm hierher gekommen, um mich selbst davon zu überzeugen“ antwortete Dumbledore auf Lucas´ Frage.
„Und, komme ich ihnen auch bekannt vor?“ das war Lucas jetzt doch zuviel. Diese beiden Wildfremden kamen so früh am morgen zu ihm und weckten ihn auf, nur weil er ihnen bekannt vorkam?
„An wen erinnere ich sie denn, wenn ich fragen darf?“
„Für was steht das B in deinem Namen, Lucas?“ wollte Dumbledore wissen, ohne zuvor auf Lucas´ Frage zu antworten.
Etwas verwirrt antwortete er ihm aber „Für Lucas Black Powell, wieso?“
„Und von wo kommst du, Lucas?“ Dumbledore ignorierte immernoch Lucas´ Fragen.
„Könnten sie erst einmal meine Fragen beantworten, ehe ich die ihren beantworte?“ sagte Lucas nun schon etwas schroff.
„Alles zu seiner Zeit. Nun?“
„Ich komme aus Montreal. Dort habe ich in einem Heim gewohnt. Kurz nach meiner Geburt wurde ich unter einer Brücke in Montreal ausgesetzt. Jedoch war ich vor kurzem bei einer Seherin, die mir sagte, ich sei hier in London geboren und von dunklen Gestalten nach Montreal gebracht worden. Da habe ich mich sofort auf den Weg gemacht.“
„Aber du beherrscht Zauber?“ fragte Dumbledore weiter.
„Ja, ich war auf einer Zauberschule. Die Leiterin des Heims hat von dieser Welt gewusst, da es noch mehr Kinder gab, die Zauberer oder Hexen waren, die in ein Heim gebracht worden waren.“
„Also Lucas, du wolltest wissen, wieso wir dich aufgesucht haben. Das hat natürlich seinen Grund. Hagrid hat in dir einen alten Freund von uns wiedererkannt, was eigentlich gar nicht sein konnte. Du gleichst ihm wie ein Ei dem anderen. Hagrid dachte erst, unser Freund selber wäre es, aber du warst zu jung.“
„Von wem sprechen sie, Sir?“ Lucas war nun wirklich neugierig geworden.
„Der Name wird dir nicht viel sagen. Sirius Black. Er trägt denselben Namen, wie du, da ich denke, du hast Powell nur zum Schutz mit angefügt.“ Stellte Dumbledore fest.
„Ja. Aber wer war dieser Sirius?“ er konnte es kaum fassen, endlich ein paar Antworten zu finden.
„Sirius. Nun ja, er war dein Vater. Und ich glaube, die Antwort zu kennen, die du schon so lange suchst. Wieso bist du also in Montreal gelandet? Deine Mutter war vor neunzehn Jahren schwanger ins Krankenhaus eingeliefert worden, da es Komplikationen gab. Sie hatte das Kind geboren, man war sich aber nicht sicher, ob es die Geburt überlebt würde. Es blieb zur Beobachtung im Krankenhaus, bis auf einmal, eines Nachts das Baby verschwunden war.
Keiner konnte sich das erklären und alle nahmen an, dass Baby sei tot gewesen und jemand hatte es verschwinden lassen. Doch nun bin ich mir sicher, dass dich jemand aus dem Krankenhaus gebracht haben muss, um dich entweder zu schützen oder loszuwerden.“
„Mich loswerden? Aber wieso?“ Lucas war von dieser Erzählung sichtlich schockiert und konnte es nicht fassen.
„Ich weiß es nicht, mein Junge. Aber eines kann ich sicher sagen, dass du Sirius und Emily Blacks Sohn bist, der vor knapp neunzehn Jahren aus dem St. Mungos Krankenhaus verschwand.“ Stellte Dumbledore nun fest.
„Du siehst haargenauso aus wie dein Vater, natürlich bis auf die klaren blauen Augen, die hast du von deiner wunderbaren Mutter.“
„Aber wieso haben sie mich nicht gleich zu ihnen gebracht oder sie mit hierher?“ Lucas war nun wirklich mit der Situation überfordert.
„Da ist genau der Punkt. Leider muss ich dir mitteilen, so ungern ich dies auch tue, dass deine Eltern dieses Jahr verstorben sind.“ Sagte Dumbledore.
„Was..“ es war mehr ein kleiner Hauch Atem, der Lucas´ Mund entwichen war, als eine Frage.
Er musste sich erst einmal etwas fassen.
„Sie sind tot? Beide? Wann?“
„Ja, mein Junge. Deine Mutter wurde kurz vor Weihnachten ermordet und dein Vater erst vor ein paar Wochen“ sagte Dumbledore nun mit sehr viel Mitgefühl in der Stimme.
„Nein. Hätte ich mich doch nur schon eher auf die Suche gemacht. Jetzt habe ich nach wie vor keine Familie, zu der ich gehöre.“ Sagte Lucas ziemlich traurig und schon beinahe verzweifelt.
„Naja, ich würde nicht sagen, dass du keine Familie hast. Deine Eltern waren zwar sehr traurig über dein Verschwinden, jedoch bekamen sie zwei Jahre später noch einen Sohn, Chris. Dieser lebt nun bei eurer Tante väterlicherseits. Und du besitzt noch eine Cousine, die für unser Zaubereiministerium als Aurorin arbeitet“
„Wirklich?“ etwas Hoffnung lag wieder in seiner Stimme.
„Ja, wenn du willst, bringen wir dich ersteinmal zu deinem Bruder.“ Schlug Dumbledore vor.
„Ähm, ich will nicht unhöflich sein, aber ich brauche noch etwas Zeit, um das alles zu verarbeiten. Vielleicht in ein paar Tagen.“
„Gut. Wir werden ab und zu nochmal vorbei schauen und sehen, wie es dir geht.“ Sagte Dumbledore, bevor er und Hagrid sich für diesen Tag verabschiedeten.
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