
von angeltear
@ *Fee*: Danköööö für alles, meine Süße! Es freut mich sehr, dass diese Stelle dir so gefallen hat, denn mir liegt sie auch sehr am Herzen. Jaja, koste deinen Triumph ruhig aus, ich hab noch mehr Überraschungen für euch^^ *knutsch* hdl
@ deborah111: Haha, das ist einer der geilsten Kommis, die ich bisher bekommen hab! Solche Reaktionen wünscht man sich doch =D
@ Tonks21: Hier, lies schnell weiter, dann siehst du, was mit Pansy ist^^
@ Aranael: Uh HI, da outet sich jemand^^ Ja, ich liebe Cliffs als Schreiberin und hasse sie als Leserin *g* Hoffe, du schreibst ab jetzt öfter Kommentare!
@ Rapptor: Jaha, kannste mal sehen, wie schnell das machmal gehen kann^^ Hier kommt schon (^^) das nächste!
@ Svenji: Ja, aber jetzt ist die grausame Zeit des Wartens vorbei!^^
@ chap01: Juhu, noch ein Outing! Vielen Dank, ich freue mich sehr, dass du die FF magst^^
@ Turpin, Lisa: Tja, man muss ein Schwein sein in dieser Welt *sing* Danke fürs Lob und schon gehts weiter^^
@ Dope-D: Geile Scheiße? Was ein Kompliment aus deinem Munde, äh, deiner Hande xD (LOL klingt, wie die HANDETASCHE!) Ich Ginny sterben lassen? Das würd dir gefallen was?
@ jassi.weasley: Tut mir Leid, Süße! Aber da kann ich nur sagen: Tja, hätteste mal beim letzten Chap auch nen Kommi geschrieben *g* hdgdl *bussi*
@ sunshine16: Juhu, langer Kommi^^ Du bist geschockt? Gut, mehr wollte ich nicht^^ Vielen Dank für dein Lob und die Motivation!
@ _sAbSe_: Schon gesagt: Man muss ein Schwein sein in dieser Welt *sing* Wann Harry kommt, verrat ich nich^^
@ ALL: Vielen Dank für eure tollen Kommis, die sind so motivierend und hilfreich! Ich würd mich auch über welche im Thread freuen (den kann man auch bewerten *Anspielung mach*)^^
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Sie hörte, wie sich Schritte der Theke näherten und Pansys Atem in ein angsterfülltes Keuchen überging.
"Avada Kedavra!", brüllte André und Pansys Körper ging leblos neben Ginny zu Boden.
Mit rasendem Herz versuchte Ginny zu begreifen, was gerade geschehen war. Das konnte nicht sein; das musste der schlimmste Albraum sein, den sie je gehabt hatte. Gleich würde Jade sie aufwecken und mitleidsvoll ansehen...
Wie aus dem nichts tauchten Schuhe vor ihrem Gesicht auf und die Person ging in die Knie, um ihr einen Zauberstab vor die Nase zu halten.
"Sieh mich an, Ginny.", sagte André und obwohl er so sprach, wie immer, wie sie ihn kannte, erkannte sie ihren besten Freund doch nicht wieder.
Ängstlich hob sie den Blick zu seinem lächelnden Gesicht.
"Nun, Pansy ist tot.", meinte er, als erzählte er ihr gerade, dass sein Federkiel heruntergefallen war. " Und es ist deine Schuld. Willst du Schuld an noch mehr Unglücken sein?"
Ginnys vor Panik beinahe benebeltes Gehirn brachte erst eine Weile, um die Drohung in seinen Worten zu erkennen.
"Nein, bitte tu niemandem weh.", flehte sie und versuchte sich zu bewegen, doch ihr Körper schien dazu nicht mehr in der Lage zu sein.
"Du lässt mir leider keine andere Wahl.", sagte er mit sanfter, bedauernder Stimme. "Ich möchte doch nur wissen, wo Potter ist. Wenn du es mir sagst, muss ich auch niemandem mehr wehtun. Nicht dir, nicht deiner netten Mum oder Madame Rosmerta, die oben tief und fest schläft und nicht vor morgen Abend aufwachen wird."
"Was habt ihr mit ihr -"
"Ich stelle hier die Fragen, Ginny."
Sein Zauberstab zeigte noch immer auf ihr Gesicht und Ginny biss sich auf die Unterlippe.
Was sollte sie nur tun? So viele Menschen würden leiden und sie konnte nichts dagegen tun. Warum glaubte er ihr nicht? Alles hatte sie ihm anvertraut, doch das, was er so dringend wissen wollte, wusste sie doch selbst nicht!
"Also, wir fangen noch einmal von vorne an. Wo ist Potter?"
Sie schloss die Augen und versuchte, die Tränen zurückzuhalten, doch sie strömten bereits lautlos über ihre Wangen.
"Ich weiß es doch nicht!", schluchzte sie verzweifelt. "Er hat es mir nicht gesagt!"
Scheinbar bedauernd seufzte er, bevor er sie folterte.
Wieder durchströmte sie das Gefühl, als würde ihr ganzer Körper entzweigerissen, verbrannt, zermalmt. Sie wollte sterben, das war zu viel....
Als es vorbei war, konnte sie noch immer keinen klaren Gedanken fassen. Der Schmerz schien bis in ihr Innerstes vorgedrungen zu sein und sie konnte kaum noch ihren Blick fokussieren.
"Du glaubst nicht, wie weh mir das tut.", sagte André und strich ihr durchs Haar. Selbst diese Berührung jagte wieder Schmerz durch ihren geschundenen Körper und am liebsten hätte sie seine Hand weggeschlagen.
"Wo ist Potter?", wiederholte er zärtlich und sie hörte, wie sein Kollege ungeduldig schnaubte.
"Keine Ahnung.", wimmerte sie hoffnungslos, als sie ihre Stimme gefunden hatte und stellte sich schon auf die nächste Welle des unerträglichen Schmerzes ein, die auch promt folgte.
Warum starb sie nicht endlich? Das konnte unmöglich so schrecklich sein, wie dies hier. Sie wusste nicht, wie lange sie litt, bis sie schließlich nichts mehr spürte.
Als sie die Augen wieder aufschlug, wusste sie zunächst nicht mehr, was passiert war. Sie versuchte ihre Hand zu ihrem Gesicht zu heben, um die Haare hinter ihr Ohr zu streichen, doch als der Schmerz sie durchzuckte, fiel ihr alles siedend heiß wieder ein.
Sie ließ den Blick schweifen. Der Raum, in dem sie sich befand, war kalt und leer, bis auf eine alte Matratze, auf der sie lag. Er hatte keine Fenster und nur eine Tür. Vielleicht war sie unter der Erde?
"Oh, Scheiße.", winselte sie verzweifelt.
Wie war das alles nur geschehen? Tränen stiegen ihr in die Augen, als sie daran dachte, wie André und der andere Todesser sie gefoltert hatten und wie ihr bester Freund Pansy umgebracht hatte.
André war ein Todesser. Er hatte sie benutzt, um von ihr zu erfahren, wo Harry war. Das war alles. Alles war nur Fassade gewesen. Die Tränen liefen ihr übers Gesicht, nahmen ihr die Sicht, doch sie hatte nicht die Kraft, sie wegzuwischen.
Sie wusste nicht, wie lange sie weinend dagelegen hatte, als plötzlich die Tür aufging und André hereinkam.
Sie wünschte, sie könnte sich einfach umdrehen, um ihn nicht sehen zu müssen, doch allein das Anspannen der Muskeln bereitete ihr unerträgliche Schmerzen.
"Na, wie geht es dir?", fragte er mit einem Lächeln, das wohl freundlich wirken sollte, als er sich neben sie auf die Matratze setzte.
Unbändiger Hass für diesen Mistkerl durchströmte sie schlagartig. Wie konnte er es wagen, sie so ruhig zu fragen, wie es ihr ging, nachdem er sie in jeder Weise verletzt und gedemütigt hatte, die möglich war? Mit Abscheu funkelte sie ihn an und klammerte sich an diesem Gefühl fest. Wut und Hass waren so viel leichter zu ertragen als Schmerz und Verzweiflung...
Er ignorierte die Tatsache, dass sie ihm nicht antwortete und ihn giftig anstarrte.
"Willst du mir nicht endlich erzählen, wo Potter ist?", fragte er und am liebsten hätte Ginny in sein grinsendes Gesicht gespuckt.
"Ich hab' dir doch schon gesagt, dass ich es nicht weiß!", zischte sie mit schwacher Stimme. "Seid ihr zu dämlich, um Veritaserum zu besorgen, oder was?"
Das Lächeln verschwand sofort von seinem Gesicht und wurde von einer zornigen Grimasse abgelöst. Er sprang auf und rammte seinen Schuh mit voller Wucht in ihre Seite. Instinktiv krümmte sie sich zusammen und brüllte vor Schmerz. Nicht nur die Stelle, die er getroffen hatte, sondern ihr ganzer, gepeinigter Körper schmerzte.
"Das war aber nicht nett!", raunzte er. "Pass lieber auf, was du sagst!"
Keuchend lag Ginny auf der Matratze, die kaum gemütlicher als der Boden sein konnte. Was würde André mit ihr machen? Sie konnte ihm die Antwort, die er suchte, nicht geben. Würde er sie einfach kaltblütig töten, genau wie Pansy? Bei dem Gedanken an Pansy wurde ihr noch schwerer ums Herz. Sie waren bestimmt nicht die besten Freundinnen gewesen, aber niemandem wünschte sie ein solches Ende.
"Okay, du willst also nicht reden.", stellte André mit wieder beherrschter Stimme fest. "Dann müssen wir eben andere Saiten aufziehen."
Damit verließ er den Raum wieder und ließ Ginny in ihrer Verzweiflung allein.
Sie wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als sie wieder Stimmen hörte. Es konnten einige Minuten, aber auch Stunden sein.
"Wie bitte?", ertönte eine zornige Stimme über ihr. "Hab ich euch nicht gesagt, ihr sollt sie nicht foltern?!"
Die Stimme kam Ginny seltsam bekannt vor, aber sie konnte sie nicht zuordnen. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und Ginnys Herz blieb fast stehen, als sie Snape durch die Tür rauschen sah. Ihr alter Lehrer sah noch genauso aus, wie sie ihn in Erinnerung hatte. Sein fettiges Haar hing wie ein Vorhang um sein Gesicht und seine Hakennase stach auffällig aus seinem bleichen, ausgemergelten Gesicht heraus. Sein schwarzer Umhang bauschte sich hinter ihm, als er ging, was den üblichen Fledermauseindruck noch verstärkte.
Verächtlich sah er auf sie hinab und sie konnte sich nicht vorstellen, dass ihr eigenes Gesicht freundlicher aussah.
"Guten Abend, Miss Weasley.", begrüßte er sie mit seiner gefährlich ruhigen Stimme und sie fühlte sich, als er hätte er sie im Unterricht dabei ertappt, wie sie unter dem Tisch die Hexenwoche las.
Plötzlich verschwammen Snape und der dämmrige Raum vor ihren Augen und grelle Bilder schoben sich in ihre Gedanken.
Sie sah sich wie sie in den Geräteschuppen im Garten einbrach, um die Besen ihrer Brüder zu klauen; sah, wie sie weinend auf dem Gleis 9 3/4 stand, weil sie nicht mit all ihren Brüdern nach Hogwarts fahren konnte; sah, wie Harry das erste Mal in den Fuchsbau gekommen war und sie vor lauter Aufregung ihren Ellenbogen in die Butter gestellt hatte; nun begannen die Bilder schneller zu wechseln: Harry, der dachte, er sei von Voldemort besessen; Harry erklärte ihr im Raum der Wünsche den Patronuszauber und ging dann zu Collin Creevey, der seinen Umhang in Brand gesteckt hatte; Harry und sie lachend beim Quidditchtraining; Harry, der sich in der Kammer des Schreckens besorgt über sie beugte; Harry und sie bei ihrer Fressorgie in Bills Wohnung; Harry und sie bei einem langen Gespräch am See; Harry und sie, als sie das Muggelspiel im Garten spielten; Harry und Ron, die sich in ihrem vierten Schuljahr nicht mehr ansahen; Harry völlig aufgelöst in Grimmauldplatz; Harry und sie im Freibad; Harry, der nach der Beerdigung mit ihr Schluss machte -
"Sie weiß nichts.", sagte Snape schießlich und Ginny sah wieder den Boden des Raums, in dem sie waren und schnappte erschöpft nach Luft. Und das hatte Harry ständig ertragen müssen? Es war, als hätte Snape ihre Gedanken systematisch nach Harry abgesucht.
"Sie weiß nichts?", fragten André und der andere Todesser ungläubig im Chor.
Scheinbar gereizt, weil er umsonst hergekommen war, wandte sich Snape zur Tür und marschierte ohne einen weiteren Blick zurück aus dem Raum.
"Was machen wir denn jetzt mit ihr?"
"Wenn wir nicht zu Potter kommen, muss Potter eben zu uns kommen!", sagte der andere Todesser mit bedeutender Stimme und erinnerte sie so irgendwie an Percy. "Wir ersählen dem Orden einfach, dass wir die Süße 'ier 'aben. Die ersählen das dann Potter und er kommt mit seiner 'Eldennummer 'ier reingestürmt und wir 'aben ihn."
"Du bist ja schlau!", schnaubte André. "Was willst du machen, wenn der Orden kommt, um sie zu holen?"
"Wir sind 'ier in einem Muggelort. Sobald 'ier auch nur ein Schwein 'inappariert oder auch nur ein Tropfen magisches Blut auftaucht, werden wir es merken und dann machen wir die Kleine kalt."
Panisch versuchte Ginny eine Lücke in dem Plan der beiden zu finden. Sie zweifelte nicht daran, dass Harry sofort herkommen würde, sobald er davon erführe. Das durfte auf gar keinen Fall passieren! Der Orden... Würden sie das Risiko eingehen, dass sie sie umbrachten? Sicher würden sie nicht einfach herumsitzen und Däumchen drehen; ihre ganze Familie war im Orden!
"Dann wollen wir doch mal eine Eule an ihren Daddy schicken.", sagte André und sie konnte hören, dass er grinste. Das Zuschlagen der Tür
sagte ihr, dass sie wieder gegangen waren.
Ihre arme Familie! Sie waren bestimmt krank vor Sorge und nun würden sie sich auch noch in Gefahr bringen, um ihr zu helfen! Dabei hatten sie doch gar keine Schutzengel! Bei dem letzten Gedanken, zuckte sie zusammen und zog scharf Luft ein. Wo war Jade? In Panik beschleunigte sich ihr Atem und sie schloss die Augen, um sich zu beruhigen.
"Jade?", flüsterte sie ohne große Hoffnung. Alles war still. Wo war ihre Kleine? Warum war ihr nicht sofort aufgefallen, dass sie nicht da war? Was war mit ihr passiert? Sie konnte sie unmöglich absichtlich verlassen haben! Heiße Tränen sammelten sich in ihren Augen und rannen ihre Wangen hinab. Schluchzend vergrub sie das Gesicht in ihren Armen. Sie war verloren.
Nach einiger Zeit waren ihre Tränen versiegt und sie lag nur noch trocken schluchzend und zitternd auf der Matratze.
Wie hatte das alles nur geschehen können? Wie hatte sie sich nur so in einem Menschen täuschen können? Sie suchte in ihren Erinnerungen an André irgendeinen Hinweis, den sie übersehen hatte, aber sie konnte nichts entdecken. Nur ein einziges Mal hatte er sie nach Harry gefragt und sonst immer geduldig ihrem Gejammer gelauscht. Sie kam sich wie eine Idiotin vor und schämte sich plötzlich für ihre Naivität. Schon wieder war sie hinters Licht geführt und benutzt worden. Es würde sich nie ändern....
Einige Zeit später ging wieder die Tür auf und André kam mit einer Flasche Wasser herien. Er setzte sich neben sie auf die Matratze und drehte die Flasche auf.
"Du hast doch bestimmt Durst.", meinte er und schob einen Arm unter ihren Kopf, um sie anzuheben. Erst jetzt merkte sie, wie trocken ihr Mund war. Sie warf ihm einen vernichtenden Blick zu, war aber so durstig, dass sie gierig trank. Als sie ihren Durst gestillt hatte, legte er sie wieder ab und stellte die Flasche zur Seite. Mit einem eigenartigen Lächeln auf dem Gesicht sah er auf sie hinab.
Ginny realisierte erst, was er vorhatte, als sich seine Gesicht immer weiter ihrem näherte.
"Nein!", keuchte sie und drehte den Kopf zur Seite. Panisch hämmerte ihr Herz in ihrer Brust als ihr klar wurde, dass sie sich kaum würde wehren können.
"Komm schon, uns ist doch beiden langweilig.", meinte er und packte sanfter als erwartet ihren Kiefer, um ihn in seine Richtung zu drehen.
Langweilig? Lieber würde sie vor Langeweile sterben als sich von ihm anfassen zu lassen. Er beugte sich wieder zu ihr hinunter und Ginny stemmte schwerfällig die Hände gegen seine Brust, hatte jedoch keine Kraft ihn zurückzuhalten, geschweige denn ihn zurückzustoßen.
Seine Lippen kamen auf ihre zu und sie kniff resignierend die Augen zusammen. Hoffentlich würde es schnell vorbeigehen. Sie konnte sowieso nichts tun, um es zu verhindern.
Er presste seine Lippen auf ihre. Sie waren warm, dennoch lief Ginny ein kalter Schauer über den Rücken. Alles in ihr sträubte sich gegen die Berührung; sie dachte an Harry und fragte sich, wie Küsse so unglaublich unterschiedlich sein konnten. André war es scheinbar egal, dass sie sich nicht rührte und keine Anstalten machte, seinen Kuss zu erwidern. Er legte sich auf sie und schob seine Hand unter ihren Pullover. Ginny drehte es fast den Magen um und sie konnte an nichts anderes denken, als daran, dass er aufhören sollte. Automatisch drückte sie ihre Schenkel zusammen.
André stöhnte an ihren Lippen und begann, ihren Hals zu küssen. Sie presste die Lippen aufeinander, um die Tränen zurückzuhalten, die ihr wieder in die Augen stiegen. Auch seine andere Hand suchte sich nun ihren Weg unter ihr Oberteil und er knetete grob ihre Brüste. An ihrem Oberschenkel spürte sie, dass er bereits eine Erregung hatte. Als sie unter seinen Berührungen zusammenzuckte, sah er auf und bemerkte, dass sie weinte. Augenblicklich verdüsterte sich seine Miene und er zog seine Hände wieder zurück.
"So 'ne Scheiße!", zischte er und stand ruckartig auf, um den Raum zu verlassen.
Sobald die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war, begann Ginny laut zu schluchzen und nahm sich nicht mehr zurück. Angewidert wischte sie mit der Hand über ihren Mund, als könnte sie so den Kuss wegwischen, den er ihr aufgezwungen hatte.
Sie schlang die Arme um ihren Oberkörper und weinte haltlos bis sie vor Erschöpfung einschlief.
Sie starrte seit einiger Zeit an die Decke, ohne etwas zu denken. Ihre Augen waren geschwollen und ihr Hirn benebelt vor Tränen und Schmerz. Die Tür ging auf und Ginny befürchtete schon, es sei André, doch es war ein ihr unbekannter Mann, der mit erhobenem Zauberstab einem Tablett hereinkam. Er war klein, pummelig und hatte merkwürdig wässrige Augen. Eine seiner Hände war silbrig und Ginny konnte nicht verhindern, dass sie fasziniert darauf starrte. Er stellte das Tablett, auf dem zwei belegte Brote waren, neben sie auf den Boden und wandte sich sofort wieder um, um den Raum zu verlassen.
"Wie lange bin ich schon hier?", krächzte sie und ihr Hals brannte.
"Seit etwa zweiundvierzig Stunden.", antwortete er nach einem Blick auf seine Armbanduhr und verschwand.
Zweiundvierzig Stunden! Das waren fast zwei Tage! Wie lange war sie bewusstlos gewesen, wie lange hatte sie geschlafen? Ihr Magen knurrte schon seit einer Weile, also aß sie die Brote appetitlos und starrte dann weiter an die Decke.
Wie war ihre Lage? Sie hatte keinen Zauberstab, sie hatte keinen Schutzengel, sie wusste nicht, wo sie war. Ihre Lage war schlecht. Verbissen kämpfte sie gegen die Verzweiflung, die sie wieder zu übermannen drohte und setzte sich langsam auf. Ihr Körper fühlte sich merkwürdig an; als war es gar nicht ihr eigener. Vielleicht wünschte sie sich auch einfach, dass diese Schmerzen nicht zu ihrem eigenen Körper gehörten. Vorsichtig lehnte sie sich an die nackte Wand hinter ihr; die Kälte, die von ihr ausging, linderte den Schmerz und sie schloss kurz die Augen.
Dann sah sie sich noch einmal genauer um. Scheinbar war sie tatsächlich unter der Erde, denn Snapes Stimme war zuvor von über ihr ertönt. Der zweite Todesser hatte etwas davon gesagt, dass sie in einem Muggeldorf waren. Sie hatte keine Waffen. Sie hatte gar nichts. Sie bezweifelte, dass sie selbst mit gesundem Körper die Kraft aufbringen könnte, einen Mann mit bloßen Händen zu überwältigen. Sie hatte keine Chance.
Für einige Augenblicke leuchtete der Schmetterling auf, doch das konnte ihr keinen Trost schenken. Wenn jetzt Harry nur bei ihr wäre, alles würde gut werden. Doch er durfte auf keinen Fall herkommen...
Wie aus dem Nichts kam plötzlich die Erkenntnis, wer der kleine Mann war, der ihr das Essen gebracht hatte. Das war dieser Peter Pettigrew! Was tat der denn hier? War er mit Snape gekommen oder war er die ganze Zeit schon hier gewesen? Hatte Harry nicht erzählt, die Ratte wuselte immer in Voldemorts Nähe herum? War Voldemort etwa auch hier?
Sie wischte ihre plötzlich schweißnassen Hände an der stinkenden Matratze ab und versuchte sich zu beruhigen. Wenn Voldemort wirklich hier wäre, dann hätten die Todesser doch sicherlich nicht erst geplant, mit ihr Harry anzulocken. Er hätte schon längst Wind davon bekommen, dass Harry Potters Freundin hier war und hätte selbst Anweisungen gegeben. Oder etwa nicht?
Warum hatte Harry dieses verräterische Mistvieh eigentlich entkommen lassen? Er hatte den Tod verdient, für das, was er getan hatte. So viele Leute hatten leiden müssen, nur damit er seinen Hintern retten konnte!
Je mehr Zeit sie in diesem kalten Raum verbrachte, desto mehr schwand ihre Hoffnung, dass alles gut werden würde. Sie würde sterben oder jemand aus ihrer Familie oder Harry oder sie alle. Pansy war bereits tot und was mit Jade war, wusste sie nicht. Sie wusste auch nicht, was ihr Familie gerade machte. Vielleicht war ihnen bei dem Versuch, ihr zu helfen, bereits etwas zugestoßen.
Aber am bedenklichsten war wahrscheinlich Harry. Er war der einzige, bei dem sie sich nicht so sicher war, ob er erst denken würde, bevor er handeln würde. Genau, wie der Todesser vermutet hatte, würde Harry sofort zu ihrer Rettung eilen, sie wusste es genau. Das einzig Beruhigende war, dass Hermine und Ron bei ihm waren und es hoffentlich schaffen würden, ihn von Dummheiten zu bewahren.
Aber auf gar keinen Fall durfte sie hier bleiben und darauf warten, dass jemandem etwas passierte. Sie durfte nicht zulassen, dass die Menschen, die ihr wichtig waren, wegen ihrer Dummheit und Naivität in Gefahr gerieten. Sie würde sich selbst retten müssen. Aber wie?
Einge Zeit war vergangen, in der sie an der Wand lehnend vor sich hingestarrt hatte. Langsam wurde ihr Körper wieder schwer, aber sie konnte sich unmöglich wieder hinlegen und schlafen. Wie, um sie wieder aufzuwecken, kam plötzlich André wieder in den Raum. Auf die falsche Freundlichkeit, die zuvor in seinem Gesicht gewesen war, hatte er nun verzichtet. Stattdessen blickte er sie mit kalter Abneigung an und verschränkte die Arme vor der Brust, nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte.
"Du bist jetzt seit Neunundvierzig Stunden hier.", stellte er fest und schwieg dann einen Augenblick. "Du kannst dich also wieder bewegen."
Fast hätte Ginny etwas Schnippisches entgegnet, doch sie verkniff es sich, als ihr wieder einfiel, wie er das letzte Mal reagiert hatte. Da sie schwieg, fuhr er schließlich fort.
"Falls du dich fragst, wo deine kleine Begleiterin ist", begann er und Ginnys Herz setzte einen Schlag aus. Meinte er etwa Jade? Aber wie konnte er von ihr wissen? "Die ist erledigt."
Sie wusste, dass er etwas Wichtiges gesagt hatte, doch die Information schien nicht zu ihrem Hirn vordringen zu wollen. Wie meinte er das? Was sollte das heißen, sie war erledigt?
"Ich versteh' nicht-", stammelte sie verwirrt. Ihr Mund war trocken und sie versuchte zu schlucken. Was war mit Jade?
"Du bist doch sonst nicht so doof.", fuhr er sie schroff an und betrachtete sie, als wäre sie geistig unterbelichtet. "Dein Schutzengel ist tot."
Die Worte trafen sie wie ein Schlag ins Gesicht und es war, als hätte er sie tatsächlich körperlich verletzt. Jade konnte nicht tot sein. Das war unmöglich. Woher wusste er überhaupt von ihr?
"Du lügst!" Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauchen.
"Dich würde ich doch niemals anlügen, Ginny.", sagte er, plötzlich wieder mit sanfter Stimme.
Sie schaffte es tatsächlich verächtlich zu schnauben.
Sein Gesicht wurde wieder hart und er kam in vorgebeugter Haltung auf sie zu.
"Glaubst du vielleicht, du bist die einzige, die einen Schutzengel hat?", fragte er mit hochgezogenen Augenbrauen. "Ich hab auch einen. Der kleine Onyx ist wirklich ein Segen. Er gehört sogar zur gleichen Einheit wie die süße Jade. Dir ist bestimmt aufgefallen, dass sie beide Namen von Edelsteinen tragen. Ganz so blöd bist du ja nun auch nicht."
In Ginnys Kopf schwirrte alles. André hatte auch einen Schutzengel? Das konnte nicht sein. Wie konnte ein Todesser einen Schutzengel haben?
"Beweis es.", hörte sie sich selbst mit zittriger Stimme fordern. Sie würde es nicht glauben, bevor sie ihn nicht sah.
André lachte, doch es war ein anderes Lachen, als das, das sie kannte; es war kalt. "Onyx!"
Ein plopp ertönte und neben André tauchte tatsächlich eine kleine Gestalt auf. Er hatte blaue Haare, die in alle Richtungen abstanden, blitzende, schwarze Augen und lächelte sie beinahe süß an. Hätte sie es nicht besser gewusst, hätte Ginny gedacht, er sei ebenso nett und lieb wie Jade.
"Erzähl ihr, was du mit Jade gemacht hast."
Das Lächeln wurde zu einem bösartigen Grinsen und Onyx begann mit einer klaren Stimme, die nur einem Schutzengel gehören konnte, zu reden.
"Als ich mit André und Sebastien in die Drei Besen kam, hat sie mich sofort gesehen. War wohl ein wenig verwirrt und hat es gar nicht kommen sehen, als ich sie angegriffen habe." Er machte eine dramatische Pause, in der Ginny ihn entsetzt anstarrte und einerseits darauf brannte, zu hören, was weiter passiert war, sich andererseits aber auch die Ohren zuhalten wollte. "Wir Schutzengel haben ja unsere eigene Magie, wie du sicherlich weißt. Sie hat sich ganz gut gewehrt, war aber davon abgelenkt, dass du ihre Hilfe brauchtest. Sie zu töten war nicht schwer. Sie musste auch gar nicht leiden."
Einige Augenblicke lang starrte Ginny den fremden Schutzengel an, bevor sie realisierte, was geschehen war. Er hatte ihre Kleine einfach getötet. Jade war gestorben, weil sie sie hatte beschützen wollen.
"Nein!", schluchzte sie und erst da wurde ihr bewusst, dass sie weinte. Es war, als war die Welt stehen geblieben. Als wäre sämtliche Kraft in ihrem Körper, die sie in den vergangenen Stunden gesammelt hatte, mit einem Schlag wieder entwichen, fiel sie wie ein nasser Sack seitwärts auf die Matratze und blieb dort einfach heftig weinend und bebend liegen. André setzte sich neben sie und strich über ihre Haare, als wollte er sie trösten. Ginny konnte seine Hand nicht einmal wegschlagen.
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