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Fanfiction

Guardians and Butterflies - Schuld

von angeltear

@ *Fee*: *schnief* Sei doch nicht so gemein zu mir! Glaubst du mir ist das leicht gefallen? Hoffe, du magst meine FF trotzdem noch... *knutsch*

@ Dope-D: Hey, danke! Schutzengel können schon sterben, aber nicht durch Magie, die Menschen benutzen. Und das Chap musste heftig werden, denn ich mach nichts halbes^^

@ Turpin, Lisa: Tut mir Leid, dich enttäuschen zu müssen, aber Schutzengel haben nur ein Leben... Danke fürs Lob^^

@ deborah111: Haha, ja das war Kamikaze Kaito Jeanne^^ Wahrscheinlich habe ich die Idee zu Jade unbewusst da her, aber irgendwo ist das bei mir ja auch ganz anders. Vor allem war Jade auch nicht böse! Ja, ich hasse André auch^^

@ _sAbSe_: Keine Sorge, der kommt schon noch^^

@ Gaby Longoria: Teil 1^^ jaja, André ist schon ein ***** und ja ich freue mich tierisch, dass ich dich jetzt wieder in das Snape-Rätsel stürze, muhahaha^^

@ Rapptor: Oh mann, du glaubst einfach nicht wie wahnsinnig ich mich darüber gefreut hab, dass du DH für meine popelige FF zur Seite gelegt hast! Vielen Dank für dieses riesige Kompliment! Und André kann ich selbstverstädnlich nicht ungeschoren davonkommen lassen^^

@ Aranael: Ginny/André? Uuuups, jetzt haste mich erwischt ;)

@ Gaby Longoria: Teil 2^^ Vielen Dank für dein Lob und deine Gefühlsausbrüche, das bedeutet mir echt viel *knutsch*

@ sunshine16: Wäähh, schon wieder so ein fieser Kommi, ich bin doch nicht unmenschlich! *schnief* Danke für das Lob^^

@ Chap01: Vielen Dank, hier kommts ja schon^^

@ jassi.Weasley: Okay, gut zu wissen, ich dachte schon, du würdest ihn jetzt trotzdem noch mögen ;) Wie er sich verstellen konnte? Er ist ein Mann^^ *kuss*


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Ginnys Körper fühlte sich ausgelaugt und taub an. Mit trockenen Augen starrte sie vor sich in die Leere und tat ihr möglichstes, um nicht zu denken. Denken war einfach zu anstrengend, zu schmerzhaft. Seit sie erfahren hatte, was mit Jade geschehen war, hatte sie geweint, sie hatte keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen war. Ihre Tränen waren unaufhörlich über ihre Wangen geflossen, irgendwann in die müffelnde Matratze gesickert und waren schließlich versiegt. André war in der Zwischenzeit einige Male da gewesen, um ihr etwas zu essen zu bringen, doch sie hatte nichts essen wollen. Als er dieses Mal in den Raum kam, wurde sie halbwegs aus ihrer Lethargie gerissen und sah ihn an
"Geht es dir wieder besser?"
"Verschwinde!", spie sie ihm entgegen, doch ihre Stimme war zu schwach, um den gewünschten Erfolg zu erzielen.
"Ich möchte aber so gerne mit dir plaudern.", meinte er und setzt sich im Schneidersitz auf den Boden. "Ich rede gerne mit dir."
Sie hätte nie gedacht, dass sie ihn eines Tages so verabscheuen könnte, wie sie es jetzt tat. Alles an ihm war ihr plözlich zuwider. Seine unreine Haut, seine Augen, die unentwegt auf sie gerichtet waren, sein leichter Akzent, die künstliche Freundlichkeit, mit der er redete.
"Ich habe dir ja noch gar nicht erzählt, wie ich Onyx kennengelernt habe.", stellte er nebensächlich fest und schob gemütlich seine Ärmel hoch. Ein kleiner Teil des Dunklen Mals wurde sichtbar und Ginny konnte den Blick nicht davon nehmen. Da hatte sie den Beweis. André war ein Todesser. Er war nicht unter dem Imperiusfluch und er schlafwandelte auch nicht. Er war ein Todesser. Er bemerkte ihren Blick und schob den
Ärmel wieder ein wenig runter, sodass es bedeckt war.

"Also, vor ein paar Monaten, als ich nach England kam und in die Wohnung in Hogsmeade zog, wusste ich noch gar nicht, was ich eigentlich machen wollte.", begann er in einem begeisterten Tonfall, als hatte er ein ganz tolles Märchen zu erzählen. "Ich hatte erstmal noch genug Geld und ich ließ es mir gut gehen. Ich spazierte eines Tages durch das Dorf, als Sebastien mich ansprach. Er sagte, er habe mich schon einige Zeit beobachtet und ich freute mich, dass ich einen weiteren Franzosen hier gefunden hatte. Wir tranken ein Bier zusammen. Er erzählte mir von den Todessern und was er erzählte, klang gut. Es dauert nicht lange, bis ich mir durch verschiedene Leistungen ihr Vertrauen verdient hatte und das Dunkle Mal erhielt." Es klang, als sprach er von einer Auszeichnung und Ginnys Abneigung wuchs mit jedem weiteren Wort.
"Ich arbeitete bereits im Laden deiner Brüder, als ich Onyx das erste Mal traf. Ich konnte ihn merkwürdigerweise sehen und da ich zum ersten Mal einen Schutzengel sah, konnte ich nicht anders, als ihn anzustarren. Das bemerkte er natürlich und er war wohl genauso überrascht wie ich. In der Nacht suchte er mich, um mit mir zu reden. Er wollte der Sache auf den Grund gehen und ich war ebenso neugierig. Er erzählte mir von den Schutzengeln und ich erzählte ihm alles über mich. Er war absolut fasziniert von meiner Geschichte und ich von seiner. Mir war sofort klar, wie großartig und vorteilhaft es sein musste, einen Schutzengel an der Seite zu haben. Ohne mir große Hoffnungen zu machen fragte ich ihn, ob er sich mir anschließen wollte. Überraschenderweise sagte er sofort zu und kehrte nie wieder zu seinem eigentlichen Schützling zurück. War wohl ein ziemliches Weichei."

Wie konnte er es wagen, ihr von seiner tollen Begegnung mit seinem Schutzengel zu erzählen, wenn sie gerade ihren eigenen verloren hatte? Er konnte es wohl nicht ertragen, ihr nicht auf jede erdenkliche Weise wehgetan zu haben. Hin und hergerissen zwischen Schmerz und Wut biss Ginny sich auf die Unterlippe.
"Als wir euch beide getroffen haben, war uns auf der Stelle bewusst, dass das eine glückliche Fügung war. Du bist nicht nur die Freundin von Harry Potter, den der dunkle Lord unbedingt in seine Gewalt bringen will, du hast auch noch einen Schutzengel an deiner Seite! Das konnte doch kein Zufall sein! Es gab keinen perfekteren Weg, um an Potter zu gelangen; es war geradezu vorherbestimmt!"
Er schien wirklich zu glauben, was er da sagte. Was für ihn völlig logisch zu sein schien, machte für Ginny überhaupt keinen Sinn. Es war also vorbestimmt, dass ein Schutzengel und sein Schützling einen anderen Schutzengel hinters Licht führten und quälten, sogar töteten, um an eventuelle Informationen zu kommen? Angewidert wandte sie den Blick ab.
"André!", ertönte ein ungeduldiger Schrei von oben.
"Oh, ich muss leider schon wieder gehen.", meinte André entschuldigend. "Sebastien und ich haben noch etwas zu erledigen. Wurmschwanz wird so lange auf dich aufpassen."
Er zwinkerte ihr zu und verließ dann den Raum.

Ginnys Puls hatte augenblicklich angefangen zu rasen. Sie würden weggehen? Nur Wurmschwanz würde hier bleiben? Das war ja geradezu eine Aufforderung zu einem Fluchtversuch! Auf einmal spürt sie ihren Körper wieder; ihr Kopf war klar und sie versuchte aufzustehen. Vorsichtig belastete sie zunächst das eine Bein und stemmte sich dann langsam mit beiden hoch. Haltsuchend lehnte sie sich an die Wand. Ihre Knie zitterten, aber sie stand. Als sie versuchte einen Schritt zu machen, knickte sie ein, als sie vor Schmerz zusammenzuckte, konnte aber verhindern, dass sie hinfiel. Mit zusammengebissenen Zähnen versuchte sie es weiter und setzte behutsam einen Fuß vor den anderen. Langsam wurde sie sicherer auf den Beinen und das erste positive Gefühl seit Stunden durchströmte sie. Vielleicht hatte sie tatsächlich eine Chance.
Sie lief einige Schritte im Raum umher und ging vorsichtig in die Knie, um sich wieder aufzurichten, wobei sie allerdings auf dem Boden landete. Nicht bereit, ausgerechnet jetzt aufzugeben, stemmte sie sich wieder hoch und lief noch einige Schritte. Nach mehreren Minuten fühlten ihre Beine sich wieder lebendig an und auch den leichten Schmerz konnte sie nun ignorieren. Konnte sie es wagen? Wie zur Ermutigung leuchtete in diesem Augenblick der Anhänger auf. Harry. Sie musste schnell handeln, bevor er den Todessern in die Falle gehen konnte.

Aus Angst, dass André und Sebastien früh wieder zurückkehrten, nahm sie ihren ganzen Mut zusammen und ging auf die Tür zu.
Plötzlich kam ihr der fürchterliche Gedanke, dass das alles unmöglich so einfach klappen konnte. Sie waren bestimmt nicht so blöd und ließen auch nur die geringste Möglichkeit bestehen, dass sie entkommen könnte.
Ihre Hand zitterte, als sie sie auf die Türklinke legte und sie herunterdrückte. Vor Anspannung hielt sie den Atem an, zog an der Tür und atmete erleichtert wieder aus, als sie sich öffnete.
Jetzt musste sie vorsichtig sein; bei jedem Schritt, den sie machte, konnte sie auffliegen. Sie lugte durch den Türspalt. Alles war dunkel. Mit hämmerndem Herz öffnete die die Tür ganz und sah sich im nun einfallenden Licht um. Direkt vor ihr führte eine Tür nach oben; sonst war nichts weiter zu sehen.
Ginny atmete tief ein, verließ den Raum, in dem sie so viele Stunden verbracht hatte und zog sicherheitshalber die Tür zu. Instinktiv griff sie nach ihrem Zauberstab, um sich Licht zu machen, doch er war natürlich nicht da. Sich über sich selbst ärgernd tapste sie so leise sie konnte durch die Dunkelheit und stieg langsam die Treppe hinauf. Erst als sie oben angekommen war, konnte sie endlich etwas erkennen. Sie befand sich in einem Flur, der durch ein kleines Fenster von Mondlicht erhellt wurde. Es war also Nacht. Drei Türen führten aus dem kleinen Flur und unsicher sah Ginny von einer zur anderen. Keine der Türen sah aus wie eine Haustür und hinter jeder konnte also Wurmschwanz sitzen.
Ihr Herz schlug wie wild in ihrer Brust, als sie eine der Türen öffnete.
Leise lachte sie ein zittriges Lachen und sah erleichtert auf die vollkommen harmlose Toilette, die vor ihr stand. Sobald sie die Tür wieder geschlossen und sich den anderen beiden wieder zuwandte, war ihr nicht mehr nach lachen. Noch zwei Türen, die sie entweder in die Freiheit oder ins Verderben führen konnten. Sie fand seltsamen Trost in dem Gedanken, dass es kaum noch schlimmer werden konnte. Aus dem Bauch heraus entschied sie sich für die Tür zu ihrer Rechten und drückte die Türklinge mit angehaltenem Atem herunter.

Ihr Herz setzte aus, als sie Wurmschwanz sah. Panisch wollte sie die Tür wieder zuschlagen und davonrennen, als ihr auffiel, dass er schlief. Ungläubig starrte sie ihn an. Das konnte nicht sein. Er sollte sie bewachen und er schlief? Hatte er denn keine Angst, dass sie ihn töteten?
Auf der anderen Seite des Raums war eine weitere Tür und es schien, als müsste sie durch sie hindurch. Ginny konnte ihr Glück kaum fassen, als sie an Wurmschwanz vorbeischlich, der in einem Ohrensessel vor dem Kaminfeuer schlief. Seine Hand umfasste seinen Zauberstab und er schnarchte leicht.
Sie erstarrte in ihrer Bewegung, als ihr klar wurde, dass er zwei Zauberstäbe in der Hand hielt. Da war ihr Zauberstab, sie hatte ihn sofort erkannt. Sie schüttelte den Kopf und wandte sich ab, um ihren Weg fortzusetzen, doch ihr war nicht wohl. Wieder blickte sie auf ihren Zauberstab, der in den Wurstfingern des Todessers lag. Sie konnte ihn doch nicht einfach zurücklassen! Das war ihr Zauberstab, der sie seit fast sechs Jahren begleitete! Unentschlossen stand Ginny im Wohnzimmer des ihr unbekannten Hauses und starrte auf ihren Zauberstab. Aber was war, wenn er wach würde? Dann wäre sie verloren. Andererseits wäre sie dann bewaffnet...
Zögerlich ging sie auf Wurmschwanz zu und streckte die Hand aus. Sollte sie den Zauberstab mit einer schnellen Bewegen herausziehen oder langsam? Bei ersterem würde er wahrscheinlich aufwachen, aber er würde überrascht sein. Bei zweiterem würde er vielleicht nur langsam erwachen, aber genug Zeit haben, um zu begreifen, was geschah. Sie hatte nur Sekunden. Sie spürte, dass ihre Hände feucht wurden und wischte sie an ihrer Hose trocken. Sie würde ihren Zauberstab ruckartig herausziehen und flüchten so schnell sie konnte. Ihr Herz schlug so heftig, dass sie beinahe befürchtete, es würde Wurmschwanz wecken. Sie befeuchtete ihre trockenen Lippen mit der Zunge und griff mit spitzen Fingern nach ihm Zauberstab. Hätte sie keine Angst gehabt, zu laut zu sein, hätte sie nun tief Luft geholt. Ihr ganzer Körper war angespannt, bereit, sofort loszurennen. Bevor sie es sich anders überlegen konnte, riss sie ihren Zauberstab aus Wurmschwanz' Hand und rannte los, als er die Augen aufschlug.

Hektisch stürzte sie auf die Tür zu und zuckte zusammen, als ein roter Fluch die Wand neben ihr traf. Ohne zu überlegen zog sie die Tür auf und eilte aus dem Raum. Sie befand sich wieder in einem Flur und am Ende dieses sah sie eine breite Tür, die die Haustür zu sein schien.
"Alohomora!", rief sie und richtete den Zauberstab auf die Tür. Sofort flog sie auf und Ginny spürte, wie die kalte Luft ihr entgegenkam. Triumphgefühl durchströmte sie und sie beschleunigte ihre Schritte. Gleich hatte sie es geschafft.
Plötzlich spürte sie wie ihre Füße zusammengezogen wurden und sie stürzte zu Boden. Sie schaffte es gerade noch sich mit den Ellbogen abzufangen, doch ihr gerade erst zurückergatterter Zauberstab flog aus ihrer Hand.
Als sie sich auf den Rücken drehte, sah sie Wurmschwanz auf sich zukommen. Er hatte den Zauberstab auf sie gerichtet und atmete schwer.
"Wo wolltest du denn hin?", japste er und wischte sich mit dem Ärmel über die Stirn.
Panisch versuchte Ginny ihren Zauberstab zu erreichen, doch er war außerhalb ihrer Reichweite. Wie konnte sie nur so dumm sein? Sie hätte ihm auch seinen eigenen Zauberstab abnehmen sollen! Wo war nur ihr Verstand geblieben? Da sie nicht wusste, was sie tun sollte, begann sie sie schreien.
"Hilfe! Ich brauche Hilfe!"
Vielleicht würde ein Muggel sie hören und etwas unternehmen.

Als Wurmschwanz den Zauberstab auf die Tür richtete, um sie zuschlagen zu lassen, nutzte Ginny die Gelegenheit und griff nach ihrem Zauberstab, den sie sofort auf den rattenartigen Mann richtete.
Er richtete den seinen wieder auf sie und seine Augen zuckten nervös hin und her.
"Ich möchte dir nicht wehtun, Kleine.", sagte er und seine Stimme klang irgendwie schleimig. Als würde er ständig in einem möglichst schmeichelnden Tonfall reden.
Ein verächtliches Schnauben verließ Ginnys Lippen. Er wollte ihr nicht wehtun? Sie alle hatten ihr schon mehr als genug Schmerzen zugefügt!
"Was willst du dann tun, um mich aufzuhalten?", fragte sie und überraschte ihn und sich selbst mit der Sicherheit in ihrer geschwächten Stimme. "Du darfst mich nicht töten und wenn du mir nicht wehtun willst, bleibt nicht mehr viel."
"Sei lieber ruhig, wenn du weißt, was gut für dich ist.", blaffte er und seine Hand krampfte sich um seinen Zauberstab.
"Was willst du mir jetzt antun, Wurmschwanz?", fuhr sie ihn an. Plötzlich hatte sie das Bedürfnis all ihre Wut an ihm auszulassen. "Willst du mich und auch Harry ins Verderben schicken? So wie du es mit den Potters und Sirius gemacht hast?"
Sie sah wie sich seine Augen weiteten und sein Blick immer unruhiger wurde. Anscheinend hatte sie einen wunden Punkt getroffen. "Sei still, du weißt nicht, wovon du redest!"
"Und ob ich das weiß! Du bist ein egoistisches Mistvieh!" Der Zauberstab in ihrer Hand begann zu zittern; sie versuchte ihre Wut zu kontrollieren, sonst würde sie etwas Dummes tun und alles wäre umsonst gewesen. "Ich weiß überhaupt nicht, warum Harry dich am Leben gelassen hat!"
Wurmschwanz schien leicht zusammenzuzucken, als hätte sie ihn geschlagen. Verunsichert sah er sie an, nahm den Zauberstab jedoch nicht herunter. Vorsichtig machte Ginny einen Schritt nach hinten, in Richtung Tür.
"Ist dir klar, dass Harry sterben wird, wenn er herkommt, um mich zu retten?", fragte sie ihn und machte einen weiteren Schritt, ohne ihn aus den Augen zu lassen.
"Und ich werde sterben, wenn ich dich entkommen lasse.", sagte er und Ginny konnte seine Panik fast schon spüren.
"Aber wirst du damit leben können, dass du an Harrys Tod Schuld bist?", bohrte Ginny weiter und hoffte, ihn genug verunsichern zu können, sodass er den Zauberstab senkte. "Dann ist es nicht nur deine Schuld, dass James und Lily Potter so jung gestorben sind, sondern auch noch, dass ihr Sohn stirbt, den sie durch ihren Tod gerettet haben. Du wirst die Potters ausgerottet haben."
Sie wusste nicht genau, was es ausgelöst hatte, doch als sie das Wort "ausgerottet" sagte, schloss er in scheinbarem Entsetzen die Augen und senkte den Zauberstab.
Ohne nachzudenken rannte Ginny auf die Tür zu, riss sie auf und stürzte in die Nacht hinaus.

Nur von dem Wunsch geleitet, dieses Haus so schnell wie möglich hinter sich zu lassen, eilte sie kopflos die Straße hinunter und hielt nicht einmal an, um nach links oder rechts zu sehen. Sie war draußen! Der kalte Wind wehte durch ihr Haar, als sie ziellos durch das Muggeldorf eilte und frische Luft strömte in ihre Lungen. Plötzlich hatte sie das eigenartige Bedürfnis, auf ihren Besen zu steigen und zu fliegen.
Schließlich konnte sie nicht mehr und sie hielt an einer Straßenecke heftig keuchend inne. Wo war sie eigentlich? Sie sah sich um, doch nichts kam ihr auch nur im Entferntesten bekannt vor. Wo sollte sie nur hingehen? Sollte sie einfach ein die Tür eines dieser Muggelhäuser klopfen und um Hilfe bitten? Wahrscheinlich würden sie die Tür sofort wieder zuschlagen, sobald sie sie erblickten. Beim Anblick ihrer Kleidung war Ginny froh, dass sie ihr Gesicht nicht sehen konnte.
Ihr Herzschlag und ihre Atmung kamen langsam wieder zur Ruhe, als sie plötzlich einen lauten Knall hörte. Erschrocken fuhr sie herum und versuchte die Geräuschquelle auszumachen. Sie hatte das beunruhigende Gefühl, dass der Knall genau aus der Richtung kam, aus der sie gerade gekommen war. Angst durchströmte sie bei dem Gedanken, dass André und Sebastien zurückgekehrt und ihre Abwesenheit bemerkt hatten und sie begann wieder zu rennen.

Wo sollte sie nur hin? Am besten verließ sie erst einmal das Dorf, doch was sollte sie dann tun? Sie konnte nicht apparieren und keine Nachrichten mit ihrem Patronus verschicken. Noch ein Knall ertönte. Wenn doch nur Jade bei ihr wäre.
Beim Gedanken an die Kleine überflutete sie plötzlich eine neue Welle der Trauer und sie konnte die Tränen nur mit Mühe zurückhalten. Kaum noch in der Lage zu denken und zu sehen hastete sie durch die Straßen, den Zauberstab in der erhobenen Hand. Warum hatte ihre Kleine sie nur verlassne müssen?
Plötzlich packte sie eine hand von der Seite und sie schrie überrascht auf. Nein! André hatte sie gefunden!
Wieder ertönten mehrere Knallgeräusche.
"Psst!", zischte er und legte eine Hand auf ihren Mund. Wie wild begann Ginny um sich zu treten und zu schlagen. Sie wollte nicht wieder zurück!
"Ginny! Ginny sieh mich an, ich bin's! Chester!"
Chester? In Ginnys Kopf drehte sich alles. Chester hatte sie ganz vergessen! Jetzt trachteten ihr also nicht nur André und Sebastien nach dem Leben, sondern auch noch Chester! Zögerlich löste sich die Hand von ihrem Mund und sie begann, ihn anzubrüllen.
"Nimm die Hände von mir, du stinkender Todesser!"
"Was? Ginny, ich bin kein Todesser!", brüllte nun auch er und Ginny zuckte erschrocken zusammen. Zum ersten Mal sah sie ihn an und er erwiderte ihren Blick ruhig mit seinen strahlend blauen Augen.
"Was?"
Er sah sie noch einen Moment kritisch an, bevor er seine Arme von ihren Handgelenken löste und seine Ärmel hochkrempelte, um ihr seine Unterarme zu zeigen.
"Ich bin kein Todesser, Ginny.", erklärte er völlig ruhig und seine Stimme hatte wieder diesen angenehmen Klang, der ihr bei ihm sofort aufgefallen war. "Ich gehöre zum Orden."
"Zum Orden?", wiederholte Ginny stumpf und betrachtete ihn entgeistert. Erleichterung durchströmte sie schlagartig und ihre Knie sackten ein. Chester fing sie geschickt auf und hob sie dann auf seine Arme. Der nächste Knall erschreckte sie nicht mehr.
Sie hatte es geschafft. Sie war den Todessern entkommen. Vollkommen erschöpft schmiegte sie sich an Chesters breite Brust und merkte erst wie kalt es war, als sie seine Wärme spürte.
Er hob den Zauberstab und ein Patronus in Form eines großen Vogels brach daraus hervor, doch Ginny konnte nicht genau erkennen, was es war.
"Ich bring' dich nach Hause.", flüsterte Chester und Ginny merkte, wie ihre Lider immer schwerer wurden.

Als Ginny wieder erwachte, spürte sie, dass ihre Hand warm war. Sie hatte das schwache das Bedürfnis, ihre Augen zu öffnen, doch ihre Lider waren so schwer. Sie versuchte ihre Hand zu bewegen, doch der Druck war zu stark; jemand hielt ihre Hand. Sie spürte eine Bewegung.
"Ginny?"
Jetzt war es unmöglich, die Augen nicht aufzureißen. Die Stimme war sanft und wunderbar vertraut.
"Bill?"
Sie blinzelte gegen das Tageslicht und versuchte, etwas zu erkennen. Langsam sah sie das Gesicht ihres Bruders vor sich und noch nie war sie so froh gewesen, ihn zu sehen. Mit einem Keuchen warf sie die Arme um seinen Nacken und zog ihn an sich.
"Okay, dir geht's gut.", lachte er und erwiderte ihre Umarmung.
Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit war Ginny leicht ums Herz. Sie war bei Bill, alles würde gut werden.
"Ich bin so froh, dass du wieder bei uns bist.", murmelte er nun wieder ernst und Ginny nickte einfach, unfähig auch nur ein Wort rauszubringen. Sie konnte nicht verhindern, dass plötzlich Tränen in ihre Augen stiegen und unaufhaltsam über ihre Wangen rannen. Zitternd vergrub sie ihr Gesicht in Bills Schulter, um ihr Schluchzen zu dämpfen und er drückte sie fester an sich.
Nach einigen Minuten hatte sie sich wieder ein wenig beruhigt und er löste sich wieder von ihr. Erst als er sie sanft auf das Kissen zurückdrückte, wurde ihr bewusst, dass sie in ihrem Bett lag.
"Ich hol kurz Mum, okay?"

Ginny nickte und schloss die Augen, um sich zu beruhigen. Sie lag in ihrem Bett im Fuchsbau und ihre Familie war da. Sie hatte es überstanden.
Aus dem Poltern, das plötzlich von unten ertönte, schloss sie, dass Bill ihre Mutter gefunden hatte. Sekunden später folg die Tür auf und sie kam zum Bett gestürmt.
"Oh Ginny!", schniefte sie und zog sie in eine innige Umarmung, wobei Tränen der Freunde und der Erleichterung über ihr müde wirkendes Gesicht strömten. Ginny bekämpfte erfolglos den Kloß in ihrem Hals und begann ebenfalls haltlos zu weinen.
"Mum.", unterbrach Bill schließlich zögerlich das Schluchzen seiner Mutter. "Kann ich jetzt mit ihr reden? Ich halte das für ziemlich wichtig."
Ginny spürte einen Stich der Enttäuschung, als ihre Mutter sich von ihr löste, ihr gequält zulächelte und aus dem Zimmer verschwand.
Bill kam langsam zu ihr herüber und setzte sich zu ihr aufs Bett. Wieder nahm er ihre Hand in seine und lächelte sein warmes Lächeln.
"Was willst du mit mir besprechen?", fragte sie vorsichtig und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, obwohl sie noch nicht versiegt waren. Dass er ihre Mutter hinausgeschickt hatte, kam ihr merkwürdig vor. Was sollte sie nicht hören?
"Es geht um Harry.", sagte er und ihr Herz setzte einen Schlag aus.
"Was ist mit ihm?", fragte sie panisch und ignorierte die Tatsache, dass ihre Stimme schrill klang. Hatte sie etwa zu lange gezögert? War Harry etwas zugestoßen? Nur wegen ihr?
"Beruhige dich, es geht im gut.", erwiderte er schnell und legte beschwichtigend eine Hand auf ihre Schulter. "Denke ich mal."
"Wie meinst du das? Bill, sag mir endlich, was los ist!"
"Wir haben Harry nichts davon erzählt, dass du entführt wurdest.", erklärte er. "Wir dachten, er würde vielleicht blindlings in ihre Falle laufen. Du weißt doch wie er ist."
"Ja, das weiß ich.", seufzte sie erleichtert und ein kleines Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, als sie an ihn dachte. Sie hatten ihm nichts gesagt. Er hatte sich nicht für sie in Gefahr bringen müssen.
"Du hast vielleicht ein Timing.", meinte Bill nun kopfschüttelnd. Irritiert sah sie ihn an. "Als du gerade dort abgehauen bist, haben wir angefangen, sie anzugreifen."
"Habt ihr diesen Lärm gemacht?"
Er grinste wieder. "Ja, Wurmschwanz hat anscheinend um Hilfe gebeten, denn plötzlich kamen fast ein Dutzend Todesser von allen Seiten. Wahrscheinlich hätten wir den Kürzeren gezogen, wenn Chester dich nicht so schnell gefunden und uns benachrichtigt hätte."
"Und ich dachte, Chester sei ein Todesser.", schniefte Ginny bedrückt. Sie kam sich so einfältig vor. Mit ihrer Dummheit und Naivität hatte sie wieder eine Katastrophe ausgelöst.
"Ja, das hat er mir schon erzählt.", nickte Bill ernst. "Das hat ihn ganz schön getroffen."

Schweigend sah Ginny auf ihre Bettdecke und ließ den Tränen wieder freien Lauf. Wie konnte sich ihr Leben in nur so wenigen Tagen nur so verändert haben? Ihr bester Freund war ein Todesser, vermeintliche Todesser gehörten zum Orden und sie hatte Jade für immer verloren.
"Du solltest vor noch ein wenig schlafen, Ginny.", meinte Bill und strich mit einer Hand sanft über ihre feuchte Wange. "Morgen wird ein harter Tag."
"Warum?"
"Morgen ist Pansys Beerdigung und außerdem du wirst mir alles haarklein erzählen müssen."
"Bitte, lass mich nicht allein.", wimmerte sie, als er Anstalten machte, sich zu erheben und klammerte sich an den Arm ihres Bruders. Besorgt sah er sie an. Die Verzweiflung und die Angst mussten ihr ins Gesicht geschrieben stehen, denn er nickte und rückte auf dem Bett weiter nach hinten, sodass er sich mit dem Rücken an die Wand lehnen konnte. Ginny drehte sich, legte ihren Kopf auf seinen Schoß und ließ sich von ihm zudecken.


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