
von angeltear
@ sunshine16: Danke! Freut mich, dass es dir gefallen hat. Na, wenn du nichts zu kritisieren hast, dann ist ja alles gut^^
@ Aranael: Danke fürs Lob, auch wenn ich mir das irgendwie gar nicht vorstellen kann xD Sehr motivierend!
@ Rapptor: So dein Postfach hat heute wieder nen guten Tag^^ Hoffe, jetzt bin ich nicht wieder so einfach zu durchschauen^^
@ Tonks21: Ja, ich bin auch sehr froh, ich liebe Jade^^ Tja, sei mal gespannt...
@ Dope-D: Ich olle WAS????^^ Und ja, Tonks war selbst Schuld, vielleicht schreib ich dir ja mal ein Extra dazu, wenn mir langweilig ist :D
@ chap01: Dankeschön! Ich verrate nicht, wann Harry kommt! Da könnt ihr mich NOCH so anbetteln^^
@ Rinchen: Ja, Jade ist die Niedlichkeit in Person^^ ich freue mich richtig, dass sie so beliebt ist!
@ Turpin, Lisa: Nanana, benimm dich doch mal, so vertreibst du mir meine Leser^^ Vielen Dank fürs Lob!
@ *Fee*: Echt, du kennst ne Jasmine? Unglaublich^^ Vielen Dank für dein Lob und deine Hilfe! *knuddel*
@ Gaby Longoria: OMG, danke fürs Kompliment, der Satz war "edward" *rotwerd* Vielen Dank für das Lob und die "Kritik"^^
@ Svenji: Dankeschön! Das mit dem Blut war ne ganz spontane Idee! Cool, dass das so gut ankommt^^
@ all: Dieses Kapitel ist schon sehr lange in Arbeit, weil ich mich schon so lange darauf freue! Ich hoffe wirklich es gefällt euch und ich würde mich über Kommis unendlich freuen, weil mir das Chap so am Herzen liegt! Vielen Dank für eure Treue!
Eure angel
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Einige Tage später saß Ginny nachts im Wohnzimmer. Der Schmetterling an ihrem Hals hatte schon geleuchtet, als sie aufgewacht war und hatte bis jetzt nicht aufgehört. Ohne an etwas Bestimmtes zu denken, starrte sie in den Kamin und fummelte an den Zotteln der warmen Decke herum, in die sie sich eingewickelt hatte. Die tanzenden Flammen zu beobachten war merkwürdigerweise eine gute Art, den Albtraum zu verdrängen, der sie vor einer Weile aus dem Schlaf gerissen hatte.
Seit sie wieder Zuhause war, hatte sie nicht eine ruhige Nacht gehabt, außer die, die Bill bei ihr verbracht hatte. Es war schwer, sich das einzugestehen, doch sie brauchte diese Sicherheit, um ruhig bleiben zu können. Tagsüber sorgte sie dafür, dass sie nie allein war, doch nachts, wenn alle schliefen, war das nicht machbar. Außerdem konnte sie ihre Familie unmöglich bitten, ihr ganzes Leben auf den Kopf zu stellen, damit sie nicht in Panik verfiel.
Jade, die schlafend auf ihrem Schoß lag, murmelte etwas Unverständliches und drehte sich auf die andere Seite.
Früher hatte die Kleine ihr immer diese Geborgenheit gegeben. Was auch immer los gewesen war, auf Jade hatte sie sich verlassen können, denn sie ließ sie nie im Stich. Sie war ihre innere Stütze und manchmal sogar ihre körperliche. Doch seit den schrecklichen Ereignissen der letzten Woche, hatte Jade sich verändert. Sie sagte zwar nichts, aber Ginny konnte ihre Hoffnungslosigkeit dennoch erkennen. Scheinbar hatte sie jeden Glauben an sich selbst und ihre Fähigkeiten verloren. Ihr fehlendes Selbstvertrauen wirkte sich auch auf Ginny aus und machte es ihr unmöglich, sich in Jades Gegenwart entspannt und sicher zu fühlen.
Sie hatte keine Ahnung, wie sie die Kleine wieder aufbauen konnte, denn ihre Verzweiflung tat ihr weh und sie wusste nicht, wie lange sie sie ertragen konnte.
Plötzlich hörte sie ein Klopfen. Alarmiert sah sie sich um, konnte aber nichts Ungewöhnliches ausmachen.
"Jade?"
"Ja?" Sofort schlug sie die Augen auf und erhob sich wieder in die Luft, wo sie das Gefühl zu haben schien, alles unter Kontrolle zu haben.
"Hast du das gehört?"
Wie, um ihre Worte zu untermalen, ertönte das Klopfen ein weiteres Mal. Sie hatte es sich also nicht nur eingebildet. Ginny zog die Decke von ihrem Körper und wischte ihre plötzlich schweißnassen Hände an dem großen Shirt ab, das sie trug.
"Ich seh' mich mal um", meinte Jade konzentriert; es war erstaunlich, wie schlagartig sie aus ihrem Schlaf in diese professionelle Haltung gekommen war. "Beweg dich nicht vom Fleck."
Am liebsten hätte Ginny ihr gesagt, sie solle sie nicht allein lassen, doch das wäre ihr unsinnig vorgekommen. Ängstlich zitternd stand sie im Wohnzimmer und sah sich hektisch um, auf der Suche nach der Geräuschquelle; in der Hoffnung, dass es falscher Alarm war. Ein Gartengnom, der sich einen Scherz erlaubte. Oder eine besonders dumme Eule.
"Ich finde nichts", murrte Jade nach einer Weile, die nun neben ihr zu schweben schien, jedoch unsichtbar blieb.
"Vielleicht ist ja auch gar nichts", meinte Ginny. Versuchte sie Jade oder sich selbst zu überzeugen?
Wieder ertönte das Klopfen, dieses Mal lauter.
"Es kommt von der Hintertür." Starr vor Angst stand Ginny noch immer an der selben Stelle und war nicht imstande, sich zu rühren. Hätte sie doch nur ihren Zauberstab mit nach unten genommen! Aber wer rechnete denn schon damit, nachts um eins im eigenen Haus den Zauberstab zu brauchen?
Diese Angst. Würde sie je wieder vergehen? Waren Gryffindors nicht eigentlich mutig und tapfer? Warum stand sie dann hier und ließ sich von einem Klopfen in Todesangst versetzen? Sie atmete tief durch und umfasste mit einer Hand ihren immer noch leuchtenden Anhänger. Sie würde sich doch nicht einfach so aufgeben!
Entschlossen ging sie auf die Hintertür zu, bevor sie es sich wieder anders überlegen konnte.
"Was machst du da? Bist du bescheuert?", zischte Jade und klang so entgeistert, dass Ginny froh war, dass sie ihr Gesicht nicht sehen konnte.
"Das ist doch nur ein blödes Klopfen!", entgegnete sie mit fester Stimme. "Deswegen mach ich mir doch nicht in die Hose!"
Wenn sie sich bloß wirklich so sicher wäre...
"Du hast keinen Zauberstab!", fauchte Jade eindringlich, doch Ginny beachtete sie nicht. Sie stand vor der Tür und ignorierte ihr unsicher dreinblickendes Spiegelbild in der Glasscheibe, um nach draußen zu sehen. Sie konnte nichts erkennen.
"Wer ist da?", fragte sie mit möglichst fester Stimme. Sie würde nicht zeigen, dass sie Angst hatte. Nicht mit ihr.
Sie erhielt keine Antwort. Langsam wurde sie wütend. Wollte sie da jemand zum Narren halten? Kurzentschlossen griff sie zur Türklinke, überging Jades "Nein!" und zog die Tür einfach auf.
Dann ging alles so schnell, dass sie gar nicht wusste, wie es dazu gekommen war. Die Tür flog wieder zu, ein Rascheln war zu hören, etwas kam auf sie zu; instinktiv kniff sie die Augen zusammen und wollte sich absurderweise auf den Boden sacken lassen. Bevor sie auch nur daran denken konnte zu schreien, spürte sie, wie Arme sich um sie schlossen. Erstarrt stand sie da, in einer gefühlten Umarmung.
"Na endlich!"
Die Stimme ließ die Haare auf ihrem Arm zu Berge stehen. Das konnte nicht sein. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie die Luft anhielt, also atmete sie zittrig ein. Der allzu vertraute Duft stieg ihr in die Nase und ein Gefühl, dass sie seit Monaten nicht verspürt hatte, durchzuckte sie.
"Harry", hauchte sie und schlang die Arme um seinen Hals, wagte aber aus irgendeinem Grund noch nicht, die Augen zu öffnen. Vielleicht befürchtete sie, dann feststellen zu müssen, dass es nur Einbildung war oder dass sie in Wirklichkeit jemand anderes umarmte.
Schweigend verharrten sie so einige Augenblicke, während Ginnys Herz heftig in ihrer Brust hämmerte, das Blut in ihren Adern rauschte und in ihrem Magen schien ein Wirbelsturm zu wüten. Zum ersten Mal seit Tagen fühlte sie sich wieder lebendig.
"Hab' ich dir Angst gemacht?", fragte er schließlich.
"Ein bisschen", musste sie zugeben und drückte ihr Gesicht an seinen Hals.
"Tut mir leid", murmelte er. "Ich musste dich einfach sehen. Ich konnte aber schlecht einfach so durch die Gegend fliegen."
"Ich weiß."
Er nahm ihr Gesicht in die Hände und sah ihr einige Momente in die Augen. Ginny befürchtete, ihr Herz würde gleich durch ihre Rippen hindurchbrechen.
Am liebsten hätte sie ihn mit den Augen aufgesogen. Seine grünen Augen leuchteten und um seine Lippen spielte ein eigenartiges Lächeln, das wirkte, als hätte er einige Zeit nicht mehr gelächelt. Seine Haut war blass und seine Wangen schienen hohler zu sein als das letzte Mal, als sie ihn gesehen hatte; er sah ungesund aus. Auch schien er sich schon einige Tage nicht mehr rasiert zu haben, denn als sie mit der Hand über seine Wange strich, spürte sie Stoppeln.
"Wie geht es dir?", fragte er mit besorgter Stimme und sein Gesicht verzog sich etwas, als hätte sie eine schmerzende Wunde berührt.
Sie wollte "gut" antworten, doch dieses Wort schien einfach nicht über ihre Lippen kommen zu wollen. Dies schien ihm Antwort genug zu sein, denn er gab ihr nicht die Gelegenheit, noch etwas zu sagen.
Seine Lippen waren auf ihren und Ginnys Verzweiflung löste sich augenblicklich in Luft auf. Der Kuss war sanft und schon bald wurde Ginny schwindelig. Sie hatte dieses unbeschreibliche Gefühl, das er bei ihr auslöste, längst vergessen und nun traf es sie mit überwältigender Wucht. Der Nebel, der in ihrem Kopf zu sein schien, war ganz anders als der Nebel, der von den Schmerzen der Folter verursacht worden war.
Als er sie wieder zu Atem kommen ließ, bettete sie ihr Gesicht wieder an seinen Hals.
Plötzlich versteifte sich sein Körper und er schubste sie fast grob von sich, um sie an den Schultern zu packen.
"Warum hat mir niemand etwas gesagt?", fragte er mit bitterer Stimme.
Entsetzt starrte sie ihn an; woher kam diese Grobheit? Ihr Herz schien plötzlich langsamer zu schlagen, als pumpte es statt Blut Öl durch ihre Adern. Erst nach einem Moment drang seine Frage zu ihr durch. Nun setzte ihr Herz einen Schlag aus. Es bestand kein Zweifel daran, was er meinte. Er wusste, was in den letzten Tagen geschehen war.
"Sie wollten dich nicht beunruhigen", stammelte sie.
"Ich musste vorhin, als Ron irgendwo den Klitterer geklaut hat, lesen, dass du am Montag von Todessern entführt, mehrere Tage gefangen gehalten und gefoltert wurdest und zwar, um mich zu ködern", erzählte er schnell, aber mit scheinbar mühsam beherrschter Stimme. Hätten seine Finger sich nicht in ihre Schultern gebohrt, hätte sie ihm diese Gelassenheit vielleicht geglaubt. "Ron, Hermine und ich sind fast durchgedreht vor Sorge und wir wollten alle hierher, um nach dir zu sehen. Aber dann hat Hermine gesagt, es wäre idiotisch, wenn wir alle hier auftauchen würden, wo wir uns doch seit Monaten verstecken. Natürlich hatte sie Recht. Also haben wir gelost und ich hab' geschummelt. Jetzt bin ich hier und das Einzige, was mich davon abhält, total auszurasten, ist die Tatsache, dass ich es nicht riskieren kann, deine Eltern zu wecken!"
"Harry, beruhige dich!", wisperte sie, wie sie hoffte, beschwichtigend. Sie wollte nicht, dass er sich so aufregte.
"Ich soll mich beruhigen?!", wiederholte er und konnte seine Stimme dieses Mal nicht beherrschen. Wie ein Peitschenhieb durchbrach sie die Stille und schien in ihren Ohren widerzuhallen. Wieder warf sie einen besorgten Blick zur Tür. Harry verdrehte schnaubend die Augen und zog seinen Zauberstab, um ihn auf die Tür zu richten. Einen Augenblick später senkte er ihn wieder und sah sie mit immer noch angespannten Gesichtausdruck an. Wann war er so gut in ungesagten Zaubern geworden?
"Du sagst, ich soll mich beruhigen?", platzte es dann aus ihm heraus. "Wie soll ich mich beruhigen, wenn eine der wichtigsten Personen in meinem Leben unglaublich verletzt wurde? Mal wieder wegen mir! Und keiner hält es für nötig, mir das zu erzählen! Ginny wurde entführt und gefoltert? Ach was! Das interessiert Harry bestimmt nicht!"
Sprachlos beobachtete Ginny Harrys Ausbruch, bei dem er immer lauter geworden war und begonnen hatte, im Wohnzimmer auf und ab zu gehen. Warum rastete er nur so aus? Monatelang hatte sie sich ausgemalt, wie es sein würde, ihn wieder zu sehen und nun war alles anders. In ihrer Vorstellung war er mit Ron und Hermine vor der Tür des Fuchsbaus aufgetaucht und hatte sie, die vor Freude quietschte, in den Arm genommen und sie nie wieder allein gelassen. Angesichts des frustriert herumbrüllenden Harry, der gegen ihren Schreibtisch trat, kam ihr diese Vorstellung einfach lächerlich vor.
"Warum bist du überhaupt hergekommen, wenn du doch nur herumbrüllst?", fragte sie schließlich und sie musste feststellen, dass ihre Stimme belegt klang.
Harry zuckte zusammen, als hätte sie ihm eine Backpfeife verpasst. Abrupt hörte er auf, hin und her zu gehen und sah sie mit undefinierbarem Gesichtsausdruck an. Ginny versuchte, seinem Blick standzuhalten, doch dann wandte sie doch das Gesicht ab, als sie spürte, wie ihre Augen anfingen zu brennen. Warum ging ihr das bloß so nah? Wann war sie so schwach geworden?
Einige Sekunden herrschte bedrücktes Schweigen, das sie nicht zu durchbrechen wagte. Das Schweigen und die Kälte, die plötzlich im Raum zu herrschen schienen, breiteten sich unaufhaltsam aus. Ginny fühlte sich fast, als würde es sie tatsächlich erdrücken. Harry seufzte und fuhr sich mit den Fingern durch die zu langen Haare; seine Augen waren geschlossen, als müsste er sich um innere Ruhe bemühen.
"Es tut mir leid", flüsterte er schließlich mit noch immer geschlossenen Augen. "Du kannst nichts dafür."
Erleichterung durchströmte Ginny, doch obwohl das bedrückende Gefühl gewichen war, war die Distanz zwischen ihnen noch immer nicht überbrückt. Hoffte er, dass sie den nächsten Schritt machen würde?
"Nein, ich kann nichts dafür", bestätigte sie mit möglichst ruhiger und fester Stimme. "Aber vielleicht solltest du aufhören, immer nur an dich zu denken."
Scheinbar geschockt riss er die Augen auf, um sie anzustarren. Er öffnete den Mund und Ginny war sich sicher, dass er widersprechen würde; behaupten würde, dass er nur an sie gedacht hatte. Doch stattdessen biss er nur auf seine Unterlippe und schwieg. Ginny war ehrlich überrascht; hatte sie ihn etwa wirklich getroffen?
Wortlos durchschritt er den Raum zwischen ihnen und nahm sie in die Arme.
Es war, als wäre Ginny plötzlich aus der kalten Winterluft in ein warmes Haus getreten. Aufatmend schmiegte sie sich an Harry und allein schon die Wärme, die von ihm ausging, war tröstlich. Er entschuldigte sich nicht für seinen Egoismus, doch eine Entschuldigung wäre auch wertlos gewesen. Sie wusste, dass es ihm leid tat und die Worte hätten nichts daran geändert, dass sie am Ende war.
"Ich bin so froh, dass es dir gut geht." Seine Stimme klang heiser und gequält. Als er ihre Haare küsste, meinte sie fast spüren zu können, wie sehr er litt. Wie er litt, weil sie gelitten hatte und weil er ihr noch dazu Unrecht getan hatte.
Aus irgendeinem Grund hatte Ginny nicht das Bedürfnis seiner inneren Qual ein Ende zu setzen. Es fühlte sich falsch an, aber irgendwie befriedigte es sie. Obwohl er schon so viel hatte durchmachen müssen, gönnte sie ihm nun keinen Seelenfrieden. War es so verwerflich, sich jemanden zu wünschen, der mit einem litt?
Harry fuhr mit seinem Daumen über ihre Wange und erst jetzt bemerkte sie, dass sie weinte. Schon wieder.
"Ich bin so schwach", murmelte sie; ob zu sich selbst oder zu Harry, wusste sie nicht.
"Du bist nicht schwach", widersprach er schlicht. Merkwürdigerweise baute sie diese einfache Vertrauensbekundung mehr auf, als jedes Argument oder Bespiel, das er hätte aufführen können.
Sie hob den Kopf, um ihn anzusehen. Er erwiderte ihren Blick mit noch immer etwas geplagtem Gesichtsausdruck und plötzlich wurde Ginny klar, wen sie da vor sich hatte. Harry war hier; Direkt vor ihr. Ruckartig beschleunigte sich ihr Herzschlag und dieses Gefühl, das sie gerade noch so bedrückt hatte, war wie weggeblasen.
"Du bist wirklich hier", flüsterte sie und kam sich dabei unglaublich blöd vor.
Doch ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus und er nickte, als konnte er es selbst kaum glauben.
Ganz sanft berührte er ihre Lippen mit seinen und Ginnys Kopf schwirrte jetzt schon. Wie selbstverständlich vergrub sie ihre Hände in seinen Haaren, während er sie küsste. Schon bald war ihr Atem unregelmäßig und ihr Herz raste, als wollte es all das schöne Herzklopfen nachholen, das es in den vergangenen Monaten versäumt hatte.
Harry schob langsam seine Hände unter ihren Po und hob sie an, sodass sie automatisch die Beine um seine Hüfte schlang. Ginny entfuhr ein Laut der Überraschung, doch sie löste sich nicht von ihm. Gierig drückte sie sich an ihn, erwiderte seinen Kuss heftig. Ihr ganzer Körper schien plötzlich in Flammen zu stehen und dennoch zitterte sie.
"Bett", keuchte sie an seinen Lippen und er bewegte sich augenblicklich Richtung Tür. Ginny hatte keine Ahnung, wie er es schaffte, die Tür mit ihr auf dem Arm zu öffnen und die Treppe hochzusteigen, doch es war ihr auch egal. Alles, was zählte, war dass sie seinen Körper an ihrem spürte.
Scheinbar waren sie bereits in ihrem Zimmer, denn er löste seine Lippen kurz von ihren, um sie sanft aufs Bett zu legen. Sofort zog sie ihn an den Schultern wieder zu sich und schlang ihre Arme und Beine um ihn.
Er hörte nicht auf, sie zu küssen und Ginny hatte das vertraute Gefühl, bald den Verstand verlieren zu müssen. Sie hatte schon ganz vergessen, wie ihr Körper auf ihn reagierte, aber nun erschien es ihr selbstverständlich.
Sie schnappte heftig nach Luft, als er schließlich von ihren Lippen abließ und sich ihren Hals hinunterküsste. Sie konnte sich kaum vorstellen, dass er ihr Herz nicht hören konnte. Langsam drang der Gedanke in ihr benebeltes Gehirn, dass ihre Eltern sie hören könnten. Sie zog Harrys Zauberstab aus seiner hinteren Hosentasche und richtete ihn auf die Tür.
"Muffliato." Sie japste leise, als er leicht in ihren Hals biss.
"Also, ich kann nicht mehr denken", murmelte er anerkennend und sein warmer Atem hinterließ eine Gänsehaut auf ihrem Hals.
"Gut", keuchte sie und schmiss seinen Zauberstab achtlos auf den Boden, wo allerhand anderes Zeug lag. Ungeduldig drängte sie ihre Hände unter sein T-Shirt und schob es hoch, damit er den Kopf anhob und sie es ihm ganz abnehmen konnte.
Er senkte die Lippen wieder und küsste die Kuhle unter ihrem Hals.
Aus einem Impuls heraus wälzte sie sich herum, sodass sie auf ihm lag und schüttelte sich die Haare aus dem Gesicht.
"Wow."
Grinsend beugte Ginny sich hinunter und küsste ihn. Das Gefühl, die Oberhand zu haben, war geradezu berauschend und sie kostete es voll aus. Seine Hände fuhren ihre Oberschenkel hinauf und er drückte sie am Po an sich. Sie löste sich von seinen Lippen, fuhr mit ihren über seine nackte Brust und schloss genüsslich die Augen. Seine warme Haut fühlte sich perfekt an. Er ließ seine Hände unter ihr Top gleiten und kurzerhand richtete sie sich auf, um es sich über den Kopf zu ziehen und in die Ecke zu schmeißen. Der BH folgte spontan.
Bevor sie wusste, wie ihr geschah, lag sie plötzlich wieder auf dem Rücken und Harry auf ihr.
"Hey! Was-"
Er brachte sie mit einem stürmischen Kuss zum Schweigen und Ginny vergaß schnell, worüber sie sich hatte beschweren wollen. Obwohl sie kaum noch etwas anhatte, war ihr ziemlich heiß. Er keuchte an ihren Lippen, als sie die Beine wieder um ihn schlang und ihn fest an sich zog.
Sie konnte kaum glauben, dass Harry tatsächlich hier war, bei ihr. Am liebsten hätte sie ihn nie wieder losgelassen.
Nun fuhren seine Lippen über ihren Oberkörper, küssten den riesigen blauen Fleck an ihrer Seite, wo André sie getreten hatte und sie fühlte sich, als stünde sie unter Strom. Er schob seine Hände weiter runter, hörte aber nicht auf, eine bestimmte Stelle auf ihrem Bauch zu küssen und Ginny konnte ein leichtes Beben in ihrer Atmung nicht verhindern. Seine Berührungen lösten Empfindungen in ihrem geschundenen Körper aus, von denen sie fast vergessen hatte, dass sie existierten. Wie schön Nähe doch sein konnte, wenn man ihre negativen Seiten kennengelernt hatte. Viel langsamer, als sie es getan hätte, zog er die alten Boxershorts von ihren Hüften und ließ sie auf den Boden fallen.
Nach einigen Augenblicken wurde es ihr zu viel und sie wälzte Harry wieder auf den Rücken, bevor sie wahnsinnig würde. Er protestierte nicht, sondern zog sie wortlos zu sich hinunter und küsste sie wieder, bis sie sich von ihm lösen musste, um Luft zu bekommen. Sie bewegte sich auf seinem Schoß leicht nach hinten, was ihn zusammenzucken ließ und öffnete seine Jeans.
"Ich hab keine-", setzte er an, doch sie unterbrach ihn atemlos.
"Ich hab' mich schon drum gekümmert."
Verwirrt sah er sie an, aber sie nickte ihm beruhigend zu und er entspannte sich wieder. Sie zog die Hose von seinen Hüften und entledigte ihn dann von allem weiteren, was er trug, um sich dann wieder auf seinen Schoß zu setzen. Sie sah ihm an, dass er am liebsten wieder die Kontrolle übernommen hätte, beugte sich aber grinsend zu seinem Gesicht hinunter und küsste ihn. Das Glückgefühl, das ihren Körper durchströmte war so herrlich, so intensiv, dass sie wünschte, es würde nie vorbei gehen.
"Ich bin so froh, dass du hier bist", flüsterte sie und sah in seine Augen.
"Und ich erst", wisperte er zurück und strich mit der Hand über ihre Wange.
Mit rasendem Herz küsste sie ihn wieder drängend. Diese Nacht gehörte ihnen und sie würde sie in vollen Zügen genießen.
Entspannt lagen sie in Ginnys Bett, er auf dem Rücken und sie mit dem Kopf auf seiner nackten Brust. Er spielte mit einer ihrer Haarsträhnen und sie genoss es an nichts als Harry zu denken, solange es ihr noch möglich war.
Sein Herzschlag hatte sich inzwischen wieder verlangsamt und auch Ginnys Puls fühlte sich wieder normal an. Sanft drückte sie einen Kuss auf seine Brust.
"Ich schlaf gleich ein, aber ich will nicht", flüsterte er und klang wirklich müde.
"Nein, dann rede mit mir!" Ginny richtete sich etwas auf, um in sein Gesicht zu sehen. Er erwiderte ihren Blick lächelnd und wickelte weiter ihre Haarsträhne um seinen Finger.
Sie senkte den Blick und unwillkürlich fiel ihr etwas an seiner Schulter auf. Mit gerunzelter Stirn beugte sie sich über seine Schulter und stellte fest, dass es eine Narbe war. Nachdenklich strich sie mit der Hand darüber; sie war deutlich zu spüren und zog sich von dem Äußersten der Schulter etwa fünfzehn Zentimeter hinunter zur Brust.
"Was ist dir passiert?", fragte sie erschrocken und sah ihn wieder an. Warum war ihr diese riesige Narbe nicht sofort aufgefallen?
"Sectumsempra", antwortete er knapp und schürzte die Lippen. "Aber lass uns bitte nicht davon reden."
Verwirrt sah sie ihn an, schwieg aber und küsste die Narbe. Es schien nicht mehr weh zu tun.
Harry hob seine Hand zu ihrem Kopf, strich zärtlich über ihre Haare und drückte sie mit dem anderen Arm fest an sich.
"Da verletze ich dich erst, indem ich dich verlasse, um dich zu schützen und verletze dich dann noch einmal, indem ich dich zurücklasse, um dich zu schützen und das war alles umsonst", knurrte er, die Frustration in seiner Stimme war nicht zu überhören. "Ich hätte dich genauso gut auch mitnehmen können! Dann hätte ich es wenigstens mitbekommen, wenn dir etwas passiert wäre!"
Da war es wieder. Dieses Etwas, das sie nicht verdrängen konnten. Diese Bedrücktheit, die es ihnen unmöglich machte, vollkommen glücklich zu sein. Es war nun einmal nicht alles in Ordnung, so sehr sie sich das auch wünschen mochten.
Sie sah ihn an und fühlte ihr Herz schwerer werden, da er wütend und verbittert wirkte.
"Ich liebe dich", sagte er leise und ein irgendwie schiefes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Bei diesen Worten durchzuckte sie für einen kurzen Moment dieses wunderbare Glücksgefühl, das nur er auslösen konnte.
"Ich liebe dich mehr", erwiderte sie und küsste sanft seine Lippen.
Sie sahen sich kurz schweigend an und sie legte den Kopf wieder auf seine Brust. Es gab noch so vieles zu sagen, Deprimierendes, Trauriges, Entmutigendes. Doch nun war nicht die Zeit dafür.
Als sie am Morgen die Augen aufschlug, fiel ihr sofort auf, dass er nicht neben ihr lag. Panisch setzte sie sich auf und sah sich um. Neben sich auf dem Kissen entdeckte sie ein zusammengefaltetes Stück Pergament und sie wusste, dass er fort war.
"Nein!", keuchte sie unwillkürlich und drückte ihr Gesicht ins Kissen, um zu verhindern, dass sie losweinte. Sie hatte doch gewusst, dass er nicht bleiben konnte. Warum war sie dann jetzt so enttäuscht? Sie hörte ein plopp und wünschte, Jade würde sie in Ruhe lassen.
"Als er aufgestanden ist und sich rausgeschlichen hat, hätte ich ihm am liebsten die Augen ausgekratzt", meinte die Kleine leidenschaftlich. "Aber dann hätte ich meinen Job verloren."
Ginny erwiderte nichts. Als sie sich wieder unter Kontrolle hatte, griff sie nach dem Pergament und las.
Es tut mir so Leid,
aber ich konnte dich einfach nicht wecken.
Danke für den tollen Schal!
Doch ich werde ihn nicht lange brauchen.
Ich werde dich nämlich schon bald wiedersehen.
Das ist ein Versprechen.
Harry
Sie warf einen Blick auf ihren Schreibtisch und sah, dass die Geschenke, die dort tagelang gelegen hatten, weg waren. Genau wie Harry.
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