
von angeltear
@ *Fee*: Eifersüchtig auf Ginny? Soll ich dir nen Harry basteln?^^ Vielen Dank mal wieder für deine Hilfe! Bei diesem Chap war mir das nämlich sehr wichtig und ohne dich wäre das Chap bestimmt nicht so toll geworden. *kuss*
@ Tonks21: Hey, vielen Dank für das Lob. Ehrlich gesagt hatte ich gehofft, dass es so gut ankommen würde. Ich bin so froh^^
@ Dope-D: Ich find das so toll, dass du meine Charas authentisch findest. Eins der besten Komplimente bisher! Dankeschön! Und ja, ich weiß Bescheid ;)
@ gigaharry: Vielen Dank für deine 2 Kommis und die PMs; das ist echt süß. Dann weiß ich, dass ich nicht vergessen werde xD
@ fabi1991: Danke! Ja, ich denke auch, dass Harry der reinste Balsam für die Seele ist^^
@ bright_sunshine: Lass dich mal überraschen, wie lange es dieses Mal dauert ;)
@ Yuna20: Vielen dank fürs Lob. Aber warum eigentlich "schnief"? Ich hatte den Eindruck, dass es ein relativ positives Chap ist, nach alles, was ich Ginny angetan hab xD
@ Rapptor: Danke für das tolle Lob! Und außerdem danke dafür, dass du mir in den Arsch getreten hast! Hier ist deine Belohnung^^
@ Rinchen: Dankeschön. Du hast gedach, da wären Todesser? Juhu, das war auch so beabsichtigt xD
@ Turpin, Lisa: Danke! Ich hoffe, du bekommst keinen Muskelkater. weil du schon so lange nicht mehr hüpfen konntest^^
@ Gaby Longoria: Vielem dank fürs Lob und dafür, dass du meine Sucht weiter ermöglichst^^ Freu mich voll, dass es dir so gut gefallen hat! *kuss*
@ chap01: Danke! ja, die arme Ginny... Aber einen Vorteil hat es doch, am Boden zu sein: man kann nicht noch tiefer sinken^^
@ sunshine16: Es freut mich immer wieder besonders, wenn du meine Kapitel magst, wo ich doch deinen tollen Schreibstil kenne und weiß, wie toll du Gefühle ausdrücken kannst! Danke für alles!
@ Svenji: Dankeschön! Es ist mir sehr wichtig, die Gefühle realistisch und anschaulich rüber zu brigen und ich freue mich immer wieder, wenn das anerkannt wird.
@ _sAbSe_: Oh ja, er wird wiederkommen. Und jetzt geht es auch endlich weiter^^
@ Rike90: Hoffe, die Freude ist noch nicht verschwunden, denn jetzt kannste endlich lesen^^
@ alyyson sarah max stoner: Danke! Hier kommt das nächste Chap^^
@ all: Ui, Leute! Vielen, vielen Dank für die Kommis! Ihr glaubt ja gar nicht, wie toll es ist, so viele Kommis zu einem Chap zu bekommen! Es waren 20 Kommis von 18 Usern! Ich hab mich echt gefreut wie ein Schnitzel!
Und es tut mir wirklich sehr leid, dass es dieses Mal so lange gedauert hat, aber ich hatte mal wieder ne Schreibkrise und die war voll hartnäckig und wollte nicht weggehen!
Jetzt hat sie sich endlich verzogen und hier kommt mein neustes "Werk". Also, viel Spaß damit und schreibt mir bitte Kommis *g*
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Ginny stand unter der Dusche und versuchte, die Enttäuschung darüber, dass Harry bereits wieder weg war, zu verdrängen. Während sie das Shampoo in ihr Haar einmassierte, dachte sie an die vergangene Nacht, die ihr nun so unwirklich vorkam, wie ein Traum, der sich in ihr Gedächtnis eingebrannt hatte. Hätte sie an diesem Morgen nicht immer wieder seine Notiz gelesen, hätte sie wahrscheinlich gedacht, dass sie tatsächlich nur geträumt hatte.
Doch er war wirklich hier gewesen. Er hatte sich erst wie ein Idiot aufgeführt, aber das war ja nichts Neues. Als sie daran dachte, wie die Nacht weiter verlaufen war, durchströmte sie schlagartig ein warmes Gefühl und ihr Herz schien einen Hüpfer zu machen. Unwillkürlich musste sie lächeln. Sie konnte es kaum glauben! Nachdem sie sich in den letzten Tagen in einen menschlichen Wasserfall verwandelt hatte, reichte ein Besuch von Harry und sie stand dümmlich grinsend unter der Dusche! Sie presste ihren Handrücken, der nicht voller Schaum war, gegen ihren Mund, um das Kichern zu ersticken, doch es brachte nichts. Sie wartete bis sie sich wieder beruhigt hatte und nicht mehr gluckste, bis sie einmal tief durchatmete und dann das Shampoo aus ihren Haaren spülte. Es kam ihr vor, als hätte sie seit Jahren nicht mehr gelacht.
Als sie aus der Dusche stieg und sich in ein Handtuch einwickelte, überkam sie ein neuerlicher Kicheranfall, der schnell zu einem Ausbruch lauten Lachens wurde. Sie kam sich vollkommen bescheuert vor, wie sie im Bad stand und sich grundlos vor Lachen bog, aber sie konnte einfach nicht anders. Scheinbar musste sie wirklich absurd wirken, denn nach einigen Augenblicken erschien Jade vor ihr und beäugte sie mit einer Miene, die zwischen Besorgnis und Belustigung schwankte.
„Geht’s dir gut, Ginny?“
Ginny nickte nur und schnappte wie ein Fisch an Land nach Luft, während ihre Bauchmuskeln schon zu schmerzen begannen.
Schließlich verschwand der Drang zu lachen und ihr Gehirn schien wieder genug Sauerstoff zu bekommen, denn Ginny fragte sich plötzlich, ob sie den Verstand verloren hatte.
Verwirrt warf sie einen Blick in den beschlagenen Spiegel. Es sah aus, als stünde sie im dichten Nebel und könne deswegen ihr Spiegelbild nicht erkennen. Benebelt. Genau das war sie. Vollkommen berauscht vom Lachen. Oder von Harry.
„Was war das denn?“
„Ich hab’ keine Ahnung“, antwortete Ginny und schüttelte ein wenig den Kopf. Es war wirklich eigenartig, aber aus unerfindlichen Gründen fühlte sie sich nun besser. Sie streckte ihrem benebelten Spiegelbild die Zunge raus und ging in ihr Zimmer, um sich anzuziehen.
Beim Frühstück quatschte ihre Mutter sie unaufhörlich mit irgendetwas voll, das Ginny gar nicht interessierte. Gedankenversunken rührte sie in ihrem Müsli und nickte ab und zu zustimmend; das schien ihrer Mutter zu reichen. Harry hatte ihr versprochen, dass sie sich bald wieder sehen würden. Wie bald würde bald sein?
„Du scheinst gut geschlafen zu haben“, meinte ihre Mutter plötzlich und brachte Ginny ganz aus dem Konzept.
„Wie kommst du darauf?“, fragte sie irritiert und sah zum ersten Mal von ihrer Schüssel auf.
„Du hast Farbe im Gesicht und wirkst irgendwie … ausgeglichener.“
Hatten Mütter irgendwie einen zusätzlichen Sinn für so etwas? Denn, wenn sie darüber nachdachte, hatte sie tatsächlich sehr gut geschlafen.
Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. „Ja, hatte keine Albträume.“
„Das freut mich, mein Schatz“, antwortete sie und drückte Ginny einen Kuss auf die Stirn, die entspannt die Augen schloss. Beide zuckten erschrocken zusammen, als ein dumpfer Aufschlag ertönte. Alarmiert sah Ginny sich um, bis sie eine die Eule des Tagespropheten auf dem Fenstersims sitzen sah. Scheinbar war sie gegen die Scheibe geflogen.
„Ist die mit Errol verwandt?“, wunderte sie sich laut, als ihre Mutter zum Fenster wuselte, um die Eule hereinzulassen. Sie schuhute wehleidig, als sie sich auf dem Küchentisch niederließ und Ginny in ihrer Hosentasche nach Geld wühlte, um sie zu bezahlen, sodass ihre Mum sie auf den Arm nahm und mit ihr die Küche verließ. Ginny meinte, sie etwas über Kekse murmeln zu hören.
Als sie die Zeitung nahm und auf die erste Seite sah, setzte ihr Herz für einen Moment aus und ihr ganzer Körper schien sich anzuspannen. Von der Gelöstheit, die sie gerade noch verspürt hatte, war nichts mehr übrig. Sie fühlte sich, als hätte ihr jemand gerade eine ordentliche Backpfeife verpasst.
„Drei Besen wird nicht wieder eröffnen“ lautete die Schlagzeile. Wie eine Flut brachen die Erinnerungen an diesen Ort wieder über sie herein. Als hätte sie sich an der Zeitung verbrannt, stieß sie sie keuchend von sich.
„Jade, lass mich in Ruhe“, knurrte sie, bevor die Kleine auf die Idee kommen konnte, sich blicken zu lassen und sie anzusehen, als wäre sie geistesgestört. Wie in Trance erhob sie sich vom Küchenstuhl und ging hinauf in ihr Zimmer.
Sie kam sich so idiotisch vor. Wie hatte sie sich nur der Illusion hingeben können, dass es ihr gut ging? Ihr albernes Gelächter im Badezimmer war geradezu erbärmlich!
Sie fühlte sich so schwer, dass sie sich einfach der Länge nach auf ihr Bett fallen ließ, als erdrückten die Erinnerungen sie gnadenlos. André tauchte vor ihrem inneren Auge auf; wie er sie folterte, bis sie die Kontrolle über ihren Körper verlor. Bis sie sie glaube, den Verstand zu verlieren. Bis sie sich wünschte zu sterben.
Es war fast einen Monat später, als Ginny abends im Wohnzimmer saß und unter dem strengen Blick ihrer Mutter versuchte, einen weiteren Schal zu stricken.
„Nicht so schnell, Ginny, so wird dein Duftzauber schwächer.“
Ginny gab einen kurzen Laut der Verzweiflung von sich. „Ich krieg noch die Krise!“
Ihre Mutter lächelte sie nur wissend an, statt ihr zu antworten und konzentrierte sich wieder auf den Liebesroman, den sie las.
Als Ginny sich zum achten Mal verstrickte, hielt nur das Auftauchen der Zwillinge sie davon ab, vollkommen auszurasten.
„Guten Abend, Ladies“, begrüßten die beiden sie synchron. Ginny konnte sich bildlich vorstellen, wie die beiden kichernd vor der Tür gehockt hatten, um das abzusprechen.
„Hey, Jungs“, erwiderte Ginny einigermaßen besänftigt. Es tat immer gut, ihre Brüder um sich zu haben. Nur ihre Familie schaffte es inzwischen, ihr das Gefühl zu geben, dass sie nicht übergeschnappt war. Alle anderen schienen ständig damit zu rechnen, dass sie einen Nervenzusammenbruch bekam oder, noch schlimmer, etwas über Todesser sagte und somit alle an die traurige, aber wahre Tatsache erinnerte, dass die Macht Voldemorts stetig zunahm.
„Schwesterherz, ich hab’ was für dich“, offenbarte Fred mit verschwörerischer Stimme, als er sich neben sie aufs Sofa setzte und den Arm um sie legte.
„Es ist streng geheim.“ George wackelte vielsagend mit den Augenbrauen und warf einen Seitenblick auf seine Mutter, die ihre Kinder, völlig hingerissen von ihrer Liebesgeschichte, gar nicht beachtete.
Fred zog ein zusammengerolltes Pergament aus der Tasche und drückte es ihr zwinkernd in die Hand.
„Und jetzt statten wir dem guten alten Ghul mal einen Besuch ab, oder?“, wandte er sich dann an George, der sofort begeistert nickte.
„Mir steht schon lange der Sinn nach einem wirklich tiefgründigen Gespräch!“
Damit erhoben die Zwillinge sich und verließen entschlossen den Raum.
Verwirrt sah Ginny ihnen hinterher. Was war denn mit denen los? Ihre Neugier auf das geheimnisvolle Pergament war allerdings größer als die im Grunde unsinnige Verwunderung über das Verhalten ihrer Brüder. Ihr Herz stockte, als sie das Pergament auseinanderrollte und Harrys Schrift erkannte. Begierig las sie die zwei Worte, die er scheinbar in Eile niedergekritzelt hatte.
Heute Nacht
Ungläubig starrte sie auf die einsame Zeile. Was denn heute Nacht? Würde die Welt untergehen? Würde Ron endlich seine Unterhose wechseln? Oder würde Harry wieder zu ihr kommen? Beim letzten Gedanken schlug ihr Herz wieder schneller. Würde sie ihn tatsächlich heute wieder sehen? Sie hatte nicht erwartet, dass er sein Versprechen halten würde. Vor allem nicht so früh.
„Wo sind die Zwillinge denn hin?“, fragte ihre Mutter plötzlich und riss sie so aus ihren Träumereien.
„Oben“, antwortete sie aus irgendeinem Grund verwirrt. Woher hatten die Zwillinge den Brief? „Ich guck mal, was sie machen.“
Aufgekratzt raste sie die Treppe hoch und sah in jedes Zimmer, konnte ihre Brüder jedoch nirgends finden. Waren die etwa wirklich zum Ghul hochgegangen?
„Jungs?“, rief sie in Richtung Dachstuhl hinauf. Wie auf Kommando öffnete sich die Klappe in der Decke und die Treppe senkte sich vor ihre Füße.
„Immer rein in die gute Stube!“
Kopfschüttelnd kletterte Ginny die Treppe hinauf. Die beiden hatten sie doch nicht mehr alle.
Oben angekommen klopfte sie sich erst einmal den Staub von den Händen und hielt dann inne, als sie das Schauspiel vor sich bemerkte.
„Ähm.“ Etwas Intelligenteres wollte ihr bei dem Anblick einfach nicht einfallen. Ihre Brüder saßen tatsächlich mit dem Ghul an einem Tisch und spielten Snape explodiert. Der Ghul grunzte missmutig und fuchtelte mit den Karten in seiner Hand, als hätte ihr Auftauchen seine Konzentration gestört.
„Soll ich wieder gehen?“, fragte Ginny belustigt. Neben sich konnte sie Jade kurz aufjapsen hören. Die Kleine musste sich vor Lachen geradezu biegen.
„Ach, was!“, erwiderte George und bot ihr den Stuhl neben sich an. Erst als sie sich setzte, fiel ihr wieder ein, warum sie überhaupt hergekommen war.
„Woher habt ihr den Brief?“ Sie musste ein wenig albern wirken, wie sie da aufgeregt mit den Händen wedelte und auf ihrem Stuhl auf und ab hüpfte, aber mit einem Ghul Karten zu spielen, war noch alberner, also schob sie den Gedanken beiseite.
„Von Harry“, antwortete Fred gelassen und starrte angestrengt auf seine Karten.
Es kostete Ginny große Überwindung, ihm nicht an die Gurgel zu springen.
„Und weiter?“
„Potter.“
„George!“, wandte Ginny sich verzweifelt an den anderen Zwilling, nachdem sie Fred einen bösen Blick zugeworfen hatte.
„Die drei waren heute in London und haben für fünf Minuten bei uns reingeschneit, um ein bisschen Essen zu klauen“, erklärte grinsend er und ignorierte den Du-Spielverderber-Blick seines Bruders. „Da hat Harry schnell sein Liebesbriefchen geschrieben und gesagt, wir sollen ihn dir heute noch geben. Dann waren sie auch schon wieder weg. Undankbares Volk!“
„Harry hat euch tausend Galleonen geschenkt!“, erwiderte Ginny mit einer hochgezogenen Augenbraue. „Was heißt hier undankbar?“
„Schon gut, Schwester“, wimmelte Fred sie ab. „Würdest du nun die Güte haben, uns allein zu lassen? Du störst unsere Konzentration und besonders die des Ghuls.“
Zustimmendes Grunzen von den beiden anderen. Ginny verdrehte die Augen und erhob sich, um wieder nach unten zu gehen.
„Spinner!“, murmelte sie, als sie vorsichtig auf die Treppe stieg.
Unruhig ging Ginny in ihrem Zimmer auf und ab. Es war bereits nach zwei Uhr, doch sie konnte nicht einen Augenblick stillsitzen. Nervös sah sie immer wieder auf die Uhr, überprüfte ihr Spiegelbild, starrte den leuchtenden Schmetterling an, als könnte der ihr verraten, wo Harry blieb oder philosophierte über absurde Gründe, warum Harry nicht kommen könnte. Jade beobachtete das Ganze scheinbar gelassen, wenn nicht sogar gelangweilt.
„Dein Schatzi wird schon bald kommen“, gähnte sie nun zum wiederholten Mal.
„Ja, aber wann?“ Verzweifelt fuhr sie sich durch die Harre, um sie sofort wieder vor dem Spiegel zu richten. Sie fühlte sich wieder wie mit elf, als sie erfahren hatte, dass Harry Potter zu ihr nach Hause kommen und für einige Zeit dort bleiben würde. Noch nie in ihrem Leben war sie so aufgeregt gewesen, nicht einmal, als sie nach Hogwarts gekommen war. Naja, vielleicht, als sie diese bescheuerte Valentinskarte abgegeben hatte…
Plötzlich knallte etwas gegen ihre Fensterscheibe und ließ sie erschrocken zusammenfahren. Irritiert sah sie zu Jade. Was war das gewesen?
„Dein Liebster bringt die Steinchen-ans-Fenster-werf-Nummer“, meinte sie abfällig und unterstrich das mit einer wegwerfenden Handbewegung.
Ginny ignorierte sie und ging mit klopfendem Herz zum Fenster und sah hinunter auf den Hof. Zuerst konnte sie niemanden ausmachen, doch dann sah sie eine in der Luft schwebende Hand, die ihr bedeutete rauszukommen. Er musste unter dem Tarnumhang sein.
Sie hörte, wie Jade genervt seufzte und mit einem leisen Plopp wieder unsichtbar wurde. Freudig schnappte sie sich ihre Jacke, warf sie über und verließ dann leise das Zimmer, um nach unten zu schleichen. Harry war wirklich da! Vorsichtig schloss sie die Haustür hinter sich und sah sich um.
„Harry?“, flüsterte sie unsicher.
„Hier“, ertönte seine Stimme ein paar Schritte von ihr entfernt. Sie kam sich irgendwie dämlich vor, als sie die Hände ausstreckte und hoffte, ihn zu berühren. Sofort schlossen Harrys Arme sich um sie. Es war merkwürdig ihn durch den kühlen Tarnumhang zu umarmen, besonders weil sie ihn nicht sehen konnte. Er lachte leise auf und entzog sich ihr wieder, um den Tarnumhang anzuheben und ihn auch über sie zu werfen.
Jetzt, wo sie ihn sehen konnte, beschleunigte sich ihr Herzschlag wieder, als hätte sie den optischen Beweis gebraucht, dass er wirklich da war. Sie konnte spüren, wie sich das breiteste Lächeln seit Wochen auf ihrem Gesicht ausbreitete. Sie schlang die Arme wieder um seine Schultern und stellte sich auf die Zehenspitzen, um ihn zu küssen. Ihr Herz raste wie wild und in ihren Ohren schien es zu rauschen, als sie sich lange küssten. Wann immer sie seine Lippen auf ihren spürte, fragte sie sich, wie sie auch nur einen Moment ohne sie überstehen konnte. Höchst unwillig erlaubte sie ihm, wieder von ihr abzulassen und seine Stirn an ihre zu legen.
„Wir müssen los“, hauchte er und lächelte beim Anblick der Schnute, die sie zog.
„Wohin?“, presste sie hervor, denn die Überraschung, dass er irgendwo mit ihr hinwollte ließ sich nicht länger unterdrücken.
„Du wirst schon sehen.“
„Du und deine Geheimniskrämerei!“
„Lass mir doch meinen Spaß“, meinte er grinsend und drückte ihr einen Kuss auf die immer noch missmutig verzogenen Lippen. Dann nahm er ihre Hand und führte sie vom Hof.
„Apparieren wir?“
„Jap.“ Er hielt an und schloss konzentriert die Augen. Ginny hielt die Luft an und hoffte, dass das drückende Gefühl schnell nachlassen würde.
Als sie wieder auftauchten, öffnete sie neugierig die Augen. Wohin hatte er sie dieses Mal gebracht? Es war ein Wald, doch es war nicht der Verbotene, der ihr aus ihrer Hogwartszeit nur allzu bekannt war. Den hätte sie auf Anhieb erkannt.
„Wo sind wir?“
„Das ist unwichtig“, antwortete Harry einfach und schlang die Arme wieder um Ginnys Taille. „Eigentlich hab ich Ron und Hermine gesagt, ich bringe dich sofort zum Ziel unserer kleinen Reise, aber ich will dich noch ein bisschen für mich haben.“
„Sind die beiden auch da?“, fragte sie überrascht.
Freude durchströmte sie, als Harry nickte. Sie würde Ron und Hermine wieder sehen!
„Wo sind sie?“, fragte sie und begann sich umzusehen, als könnten die beiden plötzlich hinter einem der Bäume auftauchen.
„Soll das heißen, du willst nicht kurz alleine sein?“ Er hatte einen Dackelblick aufgesetzt und Ginny musste unwillkürlich lachen.
„Ich glaub’, ein paar Minuten schenke ich dir“, murmelte sie grinsend und drückte ihre Lippen wieder auf seine. Wieder schien sich alles zu drehen und Ginny versenkte ihre Hand haltsuchend in seinem Haar. Trotz der kühlen Luft und des kalten Stoffs des Tarnumhangs, wurde Ginny langsam warm. Sie drückte sich an ihn und musste beim Küssen grinsen, als er leise keuchte.
Als sie sich einige Augenblicke später wieder voneinander lösten, zog er den Tarnumhang von ihnen, nahm ihre Hand und führte sie zu einem breiten Baum, wo er sich niederließ und sich mit dem Rücken an den breiten Stamm der Kastanie lehnte. Zunächst wollte Ginny sich neben ihn setzen, entschied dann aber, sich zwischen seine Beine zu setzen, um sich mit dem Rücken an ihn zu lehnen.
„Wie? Wird jetzt nur meine Jacke schmutzig?“, lachte er vorwurfsvoll in ihr Ohr und schlang die Arme um ihre Taille. Obwohl sie erwartet hatte, dass ihr auf dem Waldboden ein gewisses Körperteil abfrieren würde, war ihr überraschenderweise gar nicht kalt.
„Offensichtlich“, antwortete sie süffisant und ließ entspannt den Kopf in den Nacken sinken, als Harry begann, ihren Hals zu küssen. Erst jetzt sah sie, dass der nächtliche Himmel wolkenfrei war und etliche funkelnde Sterne zu sehen waren. Sie versuchte, den Großen Wagen zu finden, doch bald wurde ihr klar, dass sie sich unmöglich konzentrieren konnte, während Harry die Lippen über ihren Hals wandern ließ. Unwillkürlich fragte sie sich, ob er ihren rasenden Puls spüren konnte und biss sich auf die Unterlippe, damit die blödsinnige Frage ihr nicht plötzlich über die Lippen kam.
„Wie geht’s dir?“, murmelte er an ihrer Haut, sodass sie ihn kaum verstehen konnte. Was war das für eine Frage? Wie sollte es ihr schon gehen, wenn sie bei ihm war?
„Gut.“ Das Wort hatte ihren Mund in genüsslich langgezogener Form verlassen und sie schloss die Augen. Harry hielt inne, hob aber immer noch nicht den Kopf und sein Atem strich sanft über ihren Hals.
„Nein, ich meine, wie es dir wirklich geht. Wie geht es dir?“
Überrascht schlug Ginny die Augen auf. Warum war er plötzlich so ernst geworden?
„Naja, mir ging’s schon mal schlechter…“
Jetzt hob er den Kopf doch an. Sofort spürte sie Kälte am Hals.
„Das heißt, es geht dir beschissen.“
Es war keine Frage, es war eine Feststellung. Ginny öffnete den Mund, um zu widersprechen, merkte dann aber, dass sie das nicht konnte. Es war erstaunlich, wie gut er sie kannte. Ihr Schweigen schien ihm Antwort genug zu sein, falls er überhaupt eine erwartet hatte. Einerseits hatte sie das Bedürfnis, sich zu ihm umzudrehen, aber andererseits hatte sie das Gefühl, ihn nicht ansehen zu können. Verlegen strich sie sich eine Haarsträhne hinters Ohr, obwohl sie ihr gar nicht ins Gesicht hing.
„Bitte erzähl mir, was genau damals passiert ist“, bat er plötzlich. Sie zuckte zusammen, als hätte er sie angeschrieen. Warum wollte er plötzlich, dass sie ihm alles erzählte? Jetzt, wo schon Gras über die ganze Sache gewachsen war? Jetzt, wo sie es endlich schaffte, das Geschehene aus ihren Gedanken und Träumen fernzuhalten? Meistens zumindest.
„Ich weiß, dass es hart für dich ist“, flüsterte er mit ruhiger Stimme in ihr Ohr. „Aber ich muss es einfach wissen. Der Gedanke, was diese Dreckskerle mit dir gemacht haben, macht mich wahnsinnig.“
Es dauerte einige Augenblicke bis Ginny ihre Stimme gefunden hatte.
„Warum jetzt?“ Das hätte sie sich auch sparen können. Selbst diese zwei simplen Worte hatte sie nicht ohne Beben in der Stimme herausbringen können. Harry schwieg kurz, als wüsste er nicht, ob er wirklich ehrlich antworten sollte.
„Weil ich dachte, es wäre vielleicht noch zu früh für dich, um darüber zu reden.“ Wieder zögerte er. Scheinbar hatte er noch mehr zu sagen, also konnte Ginny zum Glück weiterhin schweigen. „Aber ich glaube, in Wirklichkeit wollte ich es selbst nicht hören.“
Obwohl er jetzt offenbar ausgesprochen hatte, wusste Ginny nicht, was sie hätte sagen können. Das unangenehme Schweigen dauerte an und schließlich ergriff Harry wieder das Wort.
„Mir ist klar, dass das für dich jetzt vielleicht schwer ist und es macht mir auch keinen Spaß, dich darum zu bitten. Aber bitte erzähl es mir!“
Ginny ertrug es nicht länger, ihn nicht anzusehen und drehte sich halb zu ihm herum, um ihm in die Augen zu sehen. Er sah sie ruhig an und sie war froh, dass er keinen bittenden Blick aufgesetzt hatte. Dennoch konnte sie die aufrichtige Sorge und das Verlangen, alles zu wissen, in seinem Gesicht sehen.
„Nur, wenn du mir erzählst, was ihr in den letzten Monaten getrieben habt.“
Auf seinem Gesicht erschien ein halbes Lächeln, das deshalb nicht ganz vollkommen wirkte, weil die Sorge nicht aus seinen Zügen verschwand.
„Das machen wir gleich zu dritt, okay?“
„Okay.“
Mit gesenktem Blick erzählte sie ihm alles, was passiert war. Zunächst hatte sie einige Punkte auslassen wollen, wie die Tatsache, dass André ihr ein wenig zu nah gekommen war, aber als sie erst einmal angefangen hatte, erzählte sie einfach in einem Zug alles. Nicht einmal hob sie den Blick. Zu sehr fürchtete sie sich vor Harrys Reaktion, doch er gab keinen Mucks von sich. Hätte er seine Hände nicht zu Fäusten geballt, hätte Ginny vielleicht geglaubt, dass er vollkommen ruhig war.
Zwischendurch war sie den Tränen so nah gewesen, dass er sie wieder in die Arme geschlossen hatte, sodass die Wärme seines Körpers sie wieder etwas beruhigte. Als sie ihren Bericht beendet hatte, blieben sie noch einige Minuten schweigend auf dem Boden sitzen.
Langsam entspannte Ginny sich wieder. Es war gar nicht so schlimm gewesen, wie sie es sich vorgestellt hatte. Es tat sogar erstaunlich gut, endlich mit Harry darüber geredet zu haben. Bei seinem letzten Besuch hatten sie ja nicht übermäßig viel geredet…
Irgendwann küsste Harry ihre Stirn und stand auf, wobei er sie mit sich hochzog.
„Wir haben die beiden wirklich lange genug warten lassen“, meinte er mit tonloser Stimme.
Sie nickte einfach, weil sie verstehen konnte, dass er sich nach diesem Gespräch nicht vor guter Laune überschlug.
Er setzte sich zielstrebig in Bewegung und führte sie durch den Wald, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Aus irgendeinem Grund wagte Ginny nicht, das Schweigen zu brechen und so lief sie neugierig neben ihm her. Endlich würde sie die anderen wieder sehen! Sie waren eine Weile gegangen, als sie Stimmen hörte. Sie merkte erst, dass sie ihre Schritte freudig beschleunigt hatte, als Harry an ihrem Arm zog, um sie zu bremsen. Überrascht hielt sie inne und sah ihn an. Er hatte den Zauberstab gezogen und sein Gesicht hatte einen konzentrierten Ausdruck angenommen. Sie kannte diesen Ausdruck. Er konnte nichts Gutes heißen.
„Was ist los?“
„Zieh deinen Zauberstab.“
Irritiert sah sie ihn an. Wozu brauchte sie denn ihren Zauberstab?
„Nur für alle Fälle. Bitte.“ Die ganze Zeit hatte er sie nicht angesehen, sondern nur nach vorne gestarrt, wo etwas sein musste, von dem sie nicht wusste. Sie versuchte, seinen Blick aufzufangen, doch er reagierte nicht. Ihre Gedanken wirbelten verwirrt umher, als sie ihre Hand aus seiner nahm, um ihren Zauberstab hervorzuholen.
Er nickte und setzte seinen Weg durch den Wald weiter fort. Dieses Mal lief Ginny hinter ihm. Irgendetwas stimmte hier nicht. Sie konnte verstehen, dass er genau wie sie etwas trübselig war, nachdem sie in furchtbaren Erinnerungen gewühlt hatten. Doch warum war er jetzt so…Wie war er? Sein Gesicht hatte den typischen Ausdruck angenommen, den es immer trug, wenn es um Voldemort und seine Todesser ging. Ernst. Unnahbar. Hasserfüllt. Was hatte das ausgelöst?
Sie traten durch einige Bäume und fanden sich in einer Lichtung wieder. Erschrocken schlug Ginny ihre freie Hand vor dem Mund. Vor ihr standen in einiger Entfernung Ron und Hermine. Sie wusste nicht genau, was sie erwartet hatte. Vielleicht, dass sie Harrys Abwesenheit ebenso ausnutzten wie er die ihre und sich ausgiebig küssten. Oder dass sie etwas aßen, während sie auf die Rückkehr der beiden warteten. Aber ganz bestimmt nicht, dass sie verächtlich auf einen Mann am Boden herabsahen und ihn abwechselnd in den Bauch und den Rücken traten.
„Was macht ihr da?“, kreischte sie entsetzt, bevor sie sich beherrschen konnte.
Hermine sah auf und der hässliche Blick, der auf ihrem Gesicht so unpassend erschien, wich einem freudigen Lächeln.
„Ginny!“, japste sie und kam herübergerannt, um ihr um den Hals zu fallen. Ginny war in diesem Moment viel zu schockiert, um sich aufrichtig zu freuen. Einige Sekunden zu spät erst erwiderte sie halbherzig die Umarmung ihrer Freundin. Das war dieser natürlich nicht entgangen und sie löste sich wieder von ihr, um sie mit gerunzelter Stirn zu betrachten.
„Stimmt was nicht?“
Ungläubig starrte Ginny sie an. Merkte sie denn gar nichts?
„Ob was nicht stimmt? Ich freu mich riesig, euch wiederzusehen und dann komm ich her und stelle fest, dass ihr jemanden foltert! Wisst ihr eigentlich-„
„Jetzt halt mal die Luft an, Ginny!“, unterbrach Ron sie erbost. „Vielleicht solltest du erstmal einen Blick auf dieses Stück Dreck werfen, bevor du dich noch dazwischen wirfst, um ihn zu retten!“
Ginny sah in die so vertrauten und in diesem Moment doch so fremden Gesichter ihrer drei Freunde, ihrer Familie. Ihre Irritation nahm stetig zu und sie war kurz davor, sich zu fragen, ob sie träumte.
Sie trat einige Schritte vor, um sich ihrem Bruder und dem wimmernden Mann zu nähern. Sie warf einen weiteren unsicheren Blick auf Ron und ging dann um den Mann herum, um sein Gesicht sehen zu können. Entsetzt schreckte sie zurück. Sein Gesicht war übel zugerichtet. Die Lippen waren angeschwollen und aufgeplatzt, das linke Auge war ebenfalls angeschwollen und von einer intensiven, dunkelvioletten Farbe und die Wangen wiesen mehrere Kratzer auf. Trotz der offensichtlichen Schmerzen, die er litt, schaffte der Mann es tatsächlich noch, seinen Mund zu einem gehässigen Grinsen zu verziehen, als er sie sah.
Vor ihren Füßen lag André.
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