
von Schneeflocke
'Dem Slytherin…?' Sirius wiederholte diese beiden Worte mehrmals in seinem Kopf, um diesen leicht zu schütteln, nachdem einige Sekunden vergangen waren. Wohl wissend, dass die Person, zu der die zu ihm sprechende Stimme gehörte ihn nicht sehen konnte. Sein erster Instinkt war, ganz deutlich zu sagen, dass er niemals einem Slytherin würde trauen können, doch die Vernunft gebot ihm, genau das besser nicht zu tun. “Ich weiß es nicht”, brachte er schließlich gepresst hervor. “Ich weiß nicht, ob ich einem Slytherin vertrauen kann, von wem auch immer Sie sprechen…”, fügte er leise an, wobei er doch eine vage Ahnung hatte, die er jedoch selbst nicht auszudenken wagte.
“Sirius… du weißt doch, dass ich von mir spreche, nicht wahr? Warum sonst sollte ich hier sein, warum sonst hätte ich all die Jahre hier auf dich gewartet? Wenn ich auch zugeben muss ein wenig erstaunt zu sein, dass es ausgerechnet ein Black sein würde…”
Fast glaubte Sirius, dass diese Stimme ein klein wenig nachdenklich wurde, ehe der Sprecher eine kurze Pause einlegte. Nun ja, die Blacks waren nicht unbedingt das, was man als typische GryffindorschĂĽler ansehen wĂĽrde, da konnte er nur voll und ganz zustimmen.
“Wer sind Sie?”, wiederholte er seine zuvor schon mehr als einmal gestellte Frage, dieses Mal nun jedoch eindringlicher.
“Du willst es also unbedingt hören, obwohl du es weißt? Slytherin ist mein Name, Salazar Slytherin.”
Sirius glaubte für einen Moment seinen Ohren nicht trauen zu können, anschließend an einen schlechten Scherz. Alle Möglichkeiten, dass diese Behauptung nicht zutreffen kann ging er im Geiste durch, um dann nur zu fragen: “Wie… wie soll das möglich sein?”
“Durch Magie vielleicht Sirius?”, gab die Stimme mit leicht spöttischem Unterton zurück. “Nur weil wir der dir bekannten Welt den Rücken gekehrt haben, verschwinden wir doch nicht einfach… Auch wenn ich dir sagen kann, dass es nicht leicht ist mit anzusehen was aus unseren Kindern geworden ist, wie Fehler sich wiederholen, Hass genährt wird und dem Bösen über so viele Jahre hinweg der Weg geebnet wurde. Einen Weg den ich vorgegeben habe und du… du Sirius hast ihm die letzte Tür geöffnet.”
Kopfschüttelnd folgte Sirius mit immer noch heftig klopfendem Herzen den Worten dieser Stimme… Hatte er es hier wirklich mit der Stimme Salazar Slytherins zu tun? Alles in ihm sträubte sich dagegen das zu glauben. “Ich?” Erstaunt riß er die Augen auf, was sollte er damit zu tun gehabt haben? “Ich habe gar nichts getan. Ich gehöre nicht zu Voldemorts Anhängern. Ich habe ihm niemals in irgendeiner Weise geholfen…”
“Sirius…”, nun hatte diese Stimme fast einen bedauernden Tonfall, “haben all die Jahre nichts gebracht? Haben dir all die Jahre nicht geholfen deine Fehler zu erkennen?”
“Fehler…”, wiederholte Sirius widerwillig. “Na schön… ich… habe Fehler gemacht, aber das hatte nichts, rein gar nichts mit Voldemort zu tun!”
Ein tiefes Seufzen hallte durch den Raum, dem ein leises “Ich sehe, es braucht Zeit…” folgte. Nur Sekunden später fühlte Sirius leichten Schwindel in sich aufkommen, begann sich alles um ihn herum zu drehen. Sein Blick wurde unscharf, verklärt, ehe er glaubte zu fallen, einfach nur tief zu fallen…
Das Erste, das Sirius wieder bewusst wahrnehmen konnte, war eine Hand, die er warm und kräftig auf seiner Schulter spürte. Nur langsam öffnete er die Augen, in dem sicheren Glauben, dass alles nur ein Traum war. Alles, was mit ihm geschehen war, seit er Bellatrix gegenüber gestanden hatte, konnte nur ein Traum gewesen sein. Erschreckend, als er durch den Vorhang fiel, beängstigend in dieser Dunkelheit, irrsinnig mit der Stimme die er zu hören geglaubt hatte.
“Willkommen Sirius Black”, richtete sich der Mann, der neben ihm auf dem Bett saß an ihn. Sein Blick war ruhig, doch ernst und undurchdringlich.
Sirius sah sich in dem Raum um, in dem das ebenso schmale wie einfache, aber dennoch gemütliche Bett stand in welchem er lag. Leicht richtete er seinen Oberkörper auf. Der Raum war hell und freundlich, eindeutig das Zimmer einer Hexe oder eines Zauberers, denn überall zeugten magische Artefakte vom Leben des Bewohners.
“Wo bin ich?”, erkundigte er sich leise und faßte sich flüchtig an den schmerzenden Kopf. Vielleicht hatte er beim Kampf im Ministerium einen Schlag abbekommen? Aber wie war er hierher gekommen, wo waren Harry und all die anderen?
“Ich habe dich zu Helga gebracht… Manche Menschen reagieren sehr empfindlich, wenn sie die Grenze durchtreten”, erklärte nun eine weitere Stimme, die Sirius fast das Blut in den Adern gefrieren ließ.
Kein Traum… keine Wahnvorstellung… es war dieselbe Stimme, die in dieser Dunkelheit zu ihm gesprochen hatte. Sofort trieb die Vorstellung, dass tatsächlich alles wahr gewesen war, seinen Puls wieder in die Höhe. Hastig flog sein Blick zwischen den beiden Männern hin. Jener, welcher bei ihm auf dem Bett saß, sah ihn nur mit ruhigen, dunklen Augen lächelnd an, um dann seinen Blick zum Fenster zu wenden, von wo die Stimme des anderen Mannes gekommen war, welcher nun aus dem Schatten trat.
Sirius’ Augen weiteten sich unwillkürlich. War der Mann bei ihm auf dem Bett groß, athletisch, kräftig, mit hohen Wangeknochen und markant ausgebildeten Gesichtszügen, war dieser Mann den er nun zu sehen bekam, das genaue Gegenteil. Ein verhältnismäßig kleiner, fast schmächtig wirkender Mann trat auf ihn zu, mit fahlem Haar und einer einfachen dunkelgrünen Robe, die mit Silberstreifen durchwirkt war.
“Slytherin…?”, brachte Sirius fast keuchend hervor, den Blick noch immer ungläubig auf den Mann gerichtet.
“Ich sagte dir, er würde es nicht glauben”, begann der Angesprochene sich an jenen Mann zu wenden, welcher noch immer auf Sirius’ Bett saß, dessen Hand noch immer auf Sirius’ Schulter ruhte und nun mit einem Lächeln zu sprechen begann.
“Salazar kennst du ja bereits Sirius…, ich bin Godric Gryffindor.”
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