
von Schneeflocke
Zu sagen, dass er keinen Humor hĂ€tte, soweit wĂ€re Sirius nie gegangen. Die Situation in der er sich allerdings im Moment befand, oder in der er sich zumindest augenscheinlich befand - die Möglichkeit eines Traums hatte er noch nicht gĂ€nzlich unter den Teppich gekehrt -, war fĂŒr ihn keineswegs geeignet um sie lustig zu finden, wenngleich man sie fast fĂŒr einen Scherz hĂ€tte halten können.
Die Logik in ihm sagte ganz deutlich, dass das alles nicht wirklich sein konnte. Doch, war nicht alles was mit Magie und Zauberei zu tun hatte in einer gewissen Weise unlogisch? Und sein ganzes bisheriges Leben konnte wohl schwerlich nur Einbildung gewesen sein. Also war es vielleicht angebracht an die Möglichkeit der Situation zu glauben.
Diese Möglichkeit sah also so aus, dass er sich hier im Zimmer, Haus, was auch immer von Helga Hufflepuff befand. Denn wenn er diesem eigentlich irrsinnigen Gedankengang folgte, dass hier die Hand Godric Gryffindors auf seinem Arm lag, Salazar Slytherin ihm gegenĂŒber stand, so lag doch die Vermutung nahe, dass es sich bei der zuvor von Slytherin erwĂ€hnten Helga um Helga Hufflepuff handeln muĂte.
UnablĂ€ssig huschte sein Blick von Gryffindor zu Slytherin, wieder hin und wieder her. Denn wenn er nun tatsĂ€chlich glauben wollte, dass es sich hierbei um RealitĂ€t handelte, so schlussfolgerte daraus, dass er sich den zwei gröĂten Zauberern aller Zeiten gegenĂŒber sah. Diese Erkenntnis löste ein GefĂŒhl in ihm aus, das er fast mit feierlich bezeichnen wĂŒrde und die Neugierde in ihm wuchs.
âIch⊠weiĂ nicht was ich sagen soll um ehrlich zu seinâ, wandte er sich mit ratlosem Gesicht an die beiden MĂ€nner, von denen er jedoch nur ein verstĂ€ndnisvolles LĂ€cheln erntete. âSie⊠mĂŒssten tot seinâŠâ
Ein Schmunzeln legte sich in Slytherins Gesicht, als er nun nĂ€her auf das Bett zukam und auf einem der davor stehenden StĂŒhle mit einem leisen Seufzen Platz nahm.
âDas gröĂte Mysterium im Leben ist doch der Tod Sirius, nicht wahr? Weil es der einzige Ort ist, von dem noch niemals jemand zurĂŒck gekommen ist, niemand uns berichten konnte was uns erwartet, wenn wir die Welt, die fĂŒr die âLebendenâ RealitĂ€t ist, verlassen.â
Sirius konnte sich nur mit MĂŒhe ein genervtes Augenrollen verkneifen. Noch nie hatte er sich fĂŒr das, was die Muggel âReligionâ nennen, interessiert und er gedachte nicht, ausgerechnet in dieser Situation damit anzufangen. Es muĂte wohl eine ErklĂ€rung fĂŒr das alles hier geben denn seine Definition von Tod war sehr einfach: Schluss, aus, vorbei. Leere. Da das alles hierauf nicht zutraf, konnte er auch schwerlich tot sein.
Slytherins Worte, die er zuvor in der Dunkelheit gehört hatte, kamen ihm wieder in den Sinn, woraufhin sein Blick zu dem schmÀchtigeren der beiden MÀnner fiel - er konnte sich noch immer nicht vorstellen, dass das Salazar Slytherin sein sollte.
âSie haben gesagt, Sie könnten mir helfenâŠâ
âNein Siriusâ, korrigierte ihn der Mann postwendend. âDas sagte ich nicht. Meine Worte lauteten: âBist du in der Lage einem Slytherin, dem Slytherin, mir, zu vertrauen. Deine Antwort war nicht sehr positiv und aus diesem Grund Sirius, sind wir hier.â
Tief durchatmend bemĂŒhte sich Sirius seine Ungeduld zu unterdrĂŒcken. Er war noch nie gut darin gewesen zu warten, halbherzige AuskĂŒnfte hinzunehmen ohne zu hinterfragen und auch dieses Mal wollte es ihm nicht vollends gelingen. Die Persönlichkeit, die diese beiden Zauberer jedoch ausstrahlten, lieĂ ihn zumindest die Stimme gesenkt halten.
âJa, das waren Ihre Worte. Denen ich entnehme, dass es einen Weg gibt, wieder zurĂŒck zu kommenâŠâ
Godrics Blick glitt fĂŒr einen kurzen Moment zu Salazar um diesem zuzunicken, woraufhin Slytherin sich etwas aufrechter hinsetzte, um sich an Sirius zu wenden. âDen gibt es. AllerdingsâŠâ, begann er eindringlich, ehe er durch ein lautes Poltern, verursacht durch die aufgestoĂene TĂŒr des Zimmers, unterbrochen wurde.
Als die TĂŒr âgeöffnetâ wurde, konnte Sirius nicht anders als leicht zu schmunzeln ob des Ausdruckes, der sich in den Mienen der beiden GrĂŒnder festgesetzt hatte. WĂ€hrend Gryffindors Gesicht fast etwas genervtes widerspiegelte, machte Slytherin fĂŒr einen kurzen Moment den Eindruck eines kleinen Jungen, den man bei einem Streich erwischt hatte. âHimmel, Sirius, das sind zwei der GrĂŒnder und du vergleichst den einen mit einem kleinen Jungen!â, schalt er sich im Geiste selbst um sich dann leicht zu rĂ€uspern.
âWas soll das hier werden, hm? Der Junge ist gerade mal eine halbe Stunde hier, wahrscheinlich gerade mal fĂŒnf Minuten wach und ihr kommt ihm gerade wieder mit Dingen wie die Welt zu retten und so ein Zeugs, ja?â, polterte die Frau, die durch die TĂŒr hereingestampft war los, kaum dass sie den Raum betreten hatte.
Vorsichtig beĂ€ugte Sirius die Frau, die eben durch die TĂŒr getreten war. Sie trug ein einfaches, blaues Kleid, der einen wohlgenĂ€hrten, rundlichen Körper einhĂŒllte. Sie war ein wenig gröĂer als Slytherin, doch noch immer deutlich kleiner als Gryffindor. Ihr von Falten durchzogenes Gesicht strahlte eine mĂŒtterliche WĂ€rme aus und Sirius war ziemlich schnell klar, dass er hier Helga Hufflepuff vor sich hatte, die auf ihn zukam und energisch nach seiner Hand griff.
âWie geht es dir mein Junge? Noch schwindelig? Das geht so manchen so weiĂt du, vor allem wenn sie nicht freiwillig die Grenze ĂŒbertreten haben. Möchtest du einen Tee? Ein StĂŒck Kuchen?â
Etwas perplex ob des Redeschwalls der GrĂŒnderin konnte Sirius im ersten Moment gar nichts sagen, find sich jedoch recht schnell wieder.
âJa, sicher⊠MrsâŠâ
âHufflepuff, Helga Hufflepuff. Aber nenne mich ruhig Helgaâ, erwiderte die Ă€ltere Frau freundlich.
Sirius muĂte zugeben, dass sie sich fĂŒr eine Frau, die inzwischen ĂŒber 1000 Jahre alt war sehr gut gehalten hatte⊠Forschend lieĂ er seinen Blick ĂŒber sie gleiten, konnte sich ein leichtes Schmunzeln jedoch nicht verkneifen. Irgendwie hatte sie fĂŒr ihn Ăhnlichkeit mit Madame Pomfrey, der ebenso rustikalen wie gutmĂŒtigen Heilerin von Hogwarts.
âEine Tasse Tee wĂ€re sehr nett⊠vielleicht wĂ€re es möglich, dann zu erfahren von welcher Grenze hier stĂ€ndig die Rede istâŠâ
âAber sicher Junge!â, versicherte Helga, wobei sie seinen Arm ein wenig tĂ€tschelte und ihren Blick nun auf die noch anwesenden beiden MĂ€nner richtete.
âNa bewegt euch, oder glaubt ihr, ich trage euch euren Tee nach? Ihr wisst wo es lang geht, oder muss ich euch erst einen Plan vom Haus zaubern?â
Gryffindor rĂ€usperte sich leicht, erschien Sirius jedoch nicht so, als wĂ€re er diesen Ton nicht gewohnt. Slytherin hingegen hatte sich bereits mit einem LĂ€cheln erhoben und steuerte zur TĂŒr zu. Dabei konnte Sirius beobachten, wie er im VorĂŒbergehen, nur ganz flĂŒchtig mit den Fingerspitzen ĂŒber Helgas Arm fuhr. Dennoch hatte diese kleine Geste etwas vertrautes, fast zĂ€rtlich wirkendes an sichâŠ
âSchön, schön, Godric, wenn du dann auch noch so freundlich wĂ€rstâŠâ, nickte sie Gryffindor zu, der daraufhin mit einem Nicken zu Sirius ebenfalls aufstand und kurz darauf hinter Slytherin den Raum verlieĂ.
âSo mein Jungeâ, wandte sich Helga nun an Sirius, âdann steh mal auf, keine Sorge, wird schon gehen, ich bin ja da.â
Mit einem Schmunzeln schlug Sirius die Decke zur Seite, bewegte langsam seine Beine aus dem Bett und stand wenige Augenblicke spĂ€ter auf. âDer Schwindel ist wegâŠâ, stellte er leise fest, ebenso wie die Tatsache, dass er sich erstaunlich gut fĂŒhlte.
âGut, dann gehen wir runter zu den anderen. Du willst ja sicher auch noch Rowena kennen lernen!â
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