
von ChantalMoody
Mein Stiefvater war schon mit sehr schlechter Laune von der Arbeit nach Hause gekommen. Er sprach beim Abendessen kaum ein Wort, nur warf er mir immer wieder finstere Blicke zu. Meine Mutter und meine beiden kleinen Halbbrüder wagten kaum ein Wort zu reden. Die beiden Kleinen wirkten ohnehin schon die ganze Zeit so, als wenn sie ein schlechtes Gewissen hätten. Ganz bestimmt hatten sie wieder was angestellt, und ich würde es wieder ausbaden müssen, weil es wieder heißen würde, ich hätte nicht genug auf sie aufgepasst. Schließlich stand er vom Tisch auf und ging in sein Arbeitszimmer.
Keine Minute später hörte ich seinen Schrei: „Chantal!“ Ich erschrak. Langsam stand ich auf und ging zum Arbeitszimmer. Mein Stiefvater stand vor seinem Schreibtisch. Sein Gesicht war knallrot und wutverzerrt. Er zeigte auf einen Stapel Papiere sowie auf ein leeres Tintenfass, das umgekippt war. Die Tinte war über den ganzen Stapel ausgelaufen. „Das warst du wieder, nicht wahr?“ schrie er. „Tollpatschig und zu nichts nütze, das bist du. Ein unnützer Esser. Aber was kann man von einem Bastard wie dir schon erwarten. Schlimm genug, dass ich dich auch noch mit durchfüttern muss, und dann auch noch so was. Aber ich werde dir die Flausen und die Träumereien schon austreiben. Stundenlang in deinem Zimmer sitzen und Bücher lesen, das gibt es nicht mehr. Du wirst ab jetzt jeden Tag, solange Ferien sind , bis abends deiner Mutter im Haushalt und im Garten helfen, das wird dich wohl auf andere Gedanken bringen, so dass du besser aufpasst.“
Ich hörte seinem Wortschwall ganz erschrocken zu. Ich hatte doch gar nichts getan. Ich öffnete gerade den Mund, um zu erklären, dass ich die Tinte nicht umgestoßen hätte, da redete er auch schon weiter: „Deine Bücher werde ich dir gleich wegnehmen und im Ofen verbrennen.“ „Nein!“ schrie ich entsetzt. „Was hast du gesagt?“ brüllte er mich an. Er war es so gar nicht gewohnt, dass ich ihm widersprach. „Nein!“ schrie ich noch einmal. Im gleichen Moment fiel eine Blumenvase von seinem Schreibtisch und zerbrach auf dem Fußboden. Gleichzeitig fielen mehrere Bücher aus dem Bücherregal. Mein Stiefvater kam auf mich zu, mit erhobener Hand, als wollte er mich schlagen. „Was tust du? Was machst du da?“ schrie er mich an. „Martine!“ rief er dann nach meiner Mutter.
Mama betrat das Arbeitszimmer. Immer mehr Bücher fielen aus den Regalen, mehrere trafen meinen Stiefvater, der immer wütender wurde. Die Papiere, die auf dem Schreibtisch gelegen hatten, flogen in alle Richtungen, als ob ein Windstoß sie herumfegen würde. Die Vorhänge flatterten wie wild, lösten sich schließlich von der Stange und fielen zu Boden.
Meine Mutter und mein Stiefvater sahen entsetzt auf all das Chaos, das um sie herum entstand. Schließlich zerrte meine Mutter mich am Arm aus dem Arbeitszimmer. „Mach, dass du in dein Zimmer kommst, und da bleibst du, bis ich dir sage, dass du rauskommen kannst!“ herrschte sie mich an. Ich floh sofort die Treppe hinauf und schloss mich in meinem Zimmer ein. Wenigstens hatte niemand mehr daran gedacht, mir meine Bücher wegzunehmen. Ich las doch so gerne! Ich war selber ganz erschrocken. Was hatte ich da getan? Und wie hatte ich es getan? Es konnte keinen Zweifel geben, dass ich irgendwie dieses Chaos bewirkt hatte, denn es hatte schon viele ähnliche Vorfälle gegeben, jedoch nie so heftig.
Am nächsten Morgen war die Stimmung zu Hause eisig. Mein Stiefvater hatte gar nicht erst gefrühstückt, sondern nur eine Tasse Kaffee getrunken und war dann zur Arbeit gegangen, nicht ohne mir noch einen wütenden Blick zuzuwerfen. Meine Mutter sprach auch nicht mit mir. Statt dessen warf sie mir immer wieder Blicke zu, jedoch nicht wütend, sondern als wenn sie Angst vor mir hätte. Ich selbst wagte überhaupt nicht, den Mund aufzumachen. Wenn doch wenigstens Schule wäre! Dann wäre ich wenigstens einige Stunden am Tag aus dem Haus. Ich lernte sehr gerne und war eine gute Schülerin. Allerdings mochten mich auch die anderen Kinder nicht so recht. Es hatte immer schon Getuschel gegeben, da niemand wusste, wer mein Vater war. Von meiner Mutter hatte ich auf Fragen auch nie eine Antwort bekommen. Und dann: Irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass die anderen Kindern vor mir Angst hätten, seitdem ich zwei anderen Mädchen einmal gezeigt hatte, dass ich kleine Gegenstände zum Schweben bringen kann.
Plötzlich wurde ich aus meinen Gedanken aufgeschreckt, als ich aus der Küche den Schrei meiner Mutter hörte. Ich rannte die Treppe hinunter und sah, wie meine Mutter auf den Küchentisch starrte, auf dem zwei Eulen saßen. Meine Mutter versuchte, die Eulen vom Tisch zu scheuchen. Dies blieben jedoch ganz ruhig sitzen. Als ich genauer hinsah, bemerkte ich, dass jede Eule an einem Bein einen Brief festgebunden hatte. So etwas hatte ich noch nie gesehen, obwohl in den Geschichten, die ich so gerne las, oft die Rede davon war, dass Hexen und Zauberer auf diese Weise ihre Post beförderten. Instinktiv band ich die Briefe ab. Bevor ich sie jedoch lesen konnte, hatte sie mir meine Mutter aus der Hand gerissen und geöffnet.
Plötzlich wurde sie so blass, wie ich sie noch nie gesehen hatte. „Ich habe ja immer gewusst, dass mit dir irgend etwas nicht stimmt! Und hier habe ich den Beweis!“ „Was ist denn los?“ fragte ich und versuchte, meiner Mutter die Briefe aus der Hand zu nehmen. „Fass mich nicht an!“ kreischte sie. „Rühre mich ja nicht an, du....Hexe!“ Mit diesen Worten warf sie mir die beiden Briefe ins Gesicht. Ich las sie und konnte es nicht fassen. Die Briefe waren von Schulen, aber von was für seltsamen Schulen! Für Hexerei und Zauberei? So etwas gab es doch nicht, oder doch?
Meine Mutter war noch immer kreideweiß. Sie sagte: „Natürlich wirst du in eines dieser Internate gehen. Vielleicht kannst du ja in einer dieser Schule auch in den Ferien bleiben. In meinem Haus will ich dich jedenfalls nicht mehr haben, oder glaubst du, ich will noch einmal so etwas erleben wie gestern?“ Ratlos blickte sie um sich. „Wie kann ich an diese Schulen schreiben und fragen?“ „Schau doch mal“, antwortete ich. „Die Eulen sitzen immer noch da. Vielleicht nehmen sie auch Briefe mit zurück.“
Meine Mutter sah mich nur böse an , holte dann aber ihre Schreibmappe und begann, in aller Eile zu schreiben. Nachdem sie die Briefe geschrieben hatte, fürchtete sie sich jedoch, den Eulen die Briefe an die Beine zu binden. Schließlich musste ich es tun, und es gelang mir, als wenn ich es immer schon getan hätte. Die Eulen flogen dann durch das Küchenfenster davon. Ich ging zum Fenster und sah ihnen noch lange nach.
Sehr viel gibt es über die zwei Tage, die ich noch in der Muggelwelt verbracht habe, nicht zu erzählen. Meine Mutter und mein Stiefvater sprachen kein Wort mit mir und behandelten mich, als wäre ich aussätzig. Sie ließen nicht mal mehr meine Halbbrüder in meine Nähe, obwohl ich vorher häufig auf sie aufpassen musste. Ich bekam wortlos mein Essen hingestellt. Die meiste Zeit verbrachte ich in meinem Zimmer und beschäftigte mich mit meinen Büchern. Ich habe früh lesen gelernt, und vor allem liebte ich Bücher, die von Hexen und Zauberern handelten. Diese Geschichten faszinierten mich. Meiner Mutter war mein Lesen immer ein Dorn im Auge. Sie meinte dann, ich sollte lieber etwas Nützliches tun. Nützliches hieß Hausarbeit oder auf meine kleinen Halbbrüder aufpassen.
Ich hatte viel Zeit nachzudenken, was passiert war. Ich sollte eine Hexe sein? So fremd mir der Gedanke war, irgendwie erklärte es vieles, was um mich herum passierte: Das schmutzige Geschirr, das sich von selbst säuberte, wenn ich es nur anfasste, die Gläser, die zersprangen, die Gegenstände, die durch die Luft flogen, wenn ich wütend war, alle diese Dinge, die meiner Mutter so unheimlich waren.
Am dritten Tag klingelte es an der Tür. Ich saß, wie die letzten Tage fast immer, in meinem Zimmer und beschäftigte mich mit meinen Büchern. Plötzlich hörte ich, dass meine Mutter sich mit einem Mann stritt. Die Stimme dieses Mannes war irgendwie knurrig, wie ich es noch nie gehört hatte. Dann hörte ich Schritte auf der Treppe. Die Tür zu meinem Zimmer ging auf, und der Mann stand in meinem Zimmer. Er war nicht mehr jung, aber er wirkte auf mich irgendwie überlebensgroß. Er musterte mich von Kopf bis Fuß, dass es mir fast unangenehm war. Dann sagte er zu mir: "Chantal, pack deine Sachen. Ich bringe dich zu deiner neuen Schule. Nach Hogwarts. Nimm nur die Sachen mit, die du gerne behalten willst. Für Hogwarts brauchst du andere Sachen, und die wirst du bekommen. " Sein Französisch klang irgendwie unbeholfen. Ich konnte nur fragen: "Wer sind Sie?" Er antwortete: "Ich muss dir etwas sagen. Ich bin dein Vater."
Ich glaubte nicht richtig zu hören. Mein Vater? So oft war ich als kleines Mädchen gehänselt worden, mit Sprüchen: "Du hast ja keinen Vater!" Und nun kam dieser Mann daher und behauptete, mein Vater zu sein? Ich konnte ihn nur anstarren. Er sagte: "Ich erkläre es dir später. Es ist jetzt wichtiger, dass du zusammenpackst, was du mitnehmen willst. Es ist nicht mehr lange bis Schulanfang, und wir haben noch einiges zu tun." Ich fragte: "Was ist Hogwarts für eine Schule?" Seine Antwort: "Die allerbeste. Eine Schule für Hexen und Zauberer".
Irgendwie glaubte ich jetzt vollkommen zu träumen. Ich packte ein paar Sachen zusammen, etwas Kleidung, meine Bücher und verschiedene Kleinigkeiten, an denen ich hing. Wir gingen hinunter Richtung Haustür. Meine Mutter stand an der Tür. Ich sagte "Auf Wiedersehen", aber meine Mutter würdigte mich keines Blickes. Sie sagte nur: "Alastor, hierher kommt sie nicht mehr zurück." Der Mann, der sich als mein Vater vorgestellt hatte, warf ihr einen verächtlichen Blick zu. Er sagte nur zu ihr: "Ich bin mir sicher, dass sie das auch nicht will. Und das braucht sie auch nicht. " Und damit verließ ich das Haus meiner Mutter endgültig
Ich war wie vom Donner gerührt. Hatte meine Mutter wirklich gesagt, ich dürfte nie mehr nach Hause kommen? Mein Vater hatte wohl gemerkt, wie mir zumute war. Er sagte zu mir: "Deine Mutter hat gesagt, für eine Hexe sei kein Platz in ihrem Haus. Sie müsste an ihre beiden kleinen Söhne denken, denen du Schaden zufügen könntest." "Muss ich dann jetzt immer in der Schule bleiben?" fragte ich , immer noch ganz erschrocken. "Während des Schuljahres wirst du in Hogwarts sein", antwortete er. "Und während der Ferien werde ich mich um dich kümmern. Ich heiße übrigens Alastor Moody. In Hogwarts bist du übrigens als Chantal Moody angemeldet. Deinen bisherigen Nachnamen könnte dort kaum jemand aussprechen." Ich wurde immer verwirrter. Nun auch noch ein anderer Name! Und in England würde ich nun zur Schule gehen! Ich hatte zwar auf meiner bisherigen Schule schon etwas Englisch gelernt, aber trotzdem würde es für mich nicht einfach sein.
"Wir müssen leider auf Muggelart reisen", sagte mein Vater. "Fliegen kannst du ja noch nicht." "Fliegen?" fragte ich erstaunt. "Ja, auf Besen", erklärte er mir. "Die üblichste Art und Weise für Zauberer und Hexen, zu reisen." Ich fühlte mich allmählich, als wenn ich in eines der Märchen hineingeraten wäre, die ich immer so gerne gelesen hatte. Wir gingen also zum Bahnhof.
An die lange Reise erinnere ich mich nur noch wie an einen Traum. Er wollte alles darüber wissen, wie es mir in den elf Jahren bei meiner Mutter ergangen war. Besonders interessiert war er, als ich von den vielen kleinen Vorfällen erzählte, die mir immer wieder passierten und dass andere Kinder immer Angst vor mir gehabt hätten. "Mach dir keine Sorge", meinte er. "In Hogwarts wirst du viele Kinder kennen lernen, die genauso sind wie du." Als ich die Geschichte mit dem verwüsteten Arbeitszimmer erzählte, begann er schallend zu lachen. "Das hast du fertiggebracht? Ganz ohne Zauberstab? Alle Achtung! Jetzt kann ich mir vorstellen, dass das für diese Muggel zuviel war." Er selbst erzählte auch von sich. Ich erfuhr, dass er ein Auror sei, dass es seine Aufgabe wäre, dunkle Magier zu jagen. "Davon gibt es viele, und du wirst auch in Hogwarts lernen, dich davor zu schützen. Und einiges werde ich dir auch beibringen. "
Er erzählte mir auch, dass er meine Mutter kennen gelernt hätte, als er sich beruflich in der Nähe meines Heimatorts aufgehalten hätte. Es gäbe auch dort eine Zaubererwelt, ähnlich wie die, in der ich zukünftig leben würde. Von meiner Existenz habe er aber all die Jahre nichts gewusst. Dumbledore, der Schulleiter der Hogwarts-Schule, hätte ihm von dem Schreiben erzählt, das meine Mutter geschickt hätte und von ihrem Wunsch, dass ich auch während der Ferien dort bleiben könnte, was natürlich nicht möglich wäre. Er hätte sich daraufhin auf den Weg zu meiner Mutter gemacht, um mich kennen zu lernen, nur um zu erfahren, dass ich bei ihr nicht mehr erwünscht sei. Sie hatte mich förmlich an ihn abgeschoben. Obwohl ich in den letzten Tagen zu Hause fast nur noch ignoriert worden war, schockierte diese Eröffnung mich doch. "Mach dir keine Sorgen", sagte mein Vater daraufhin. „In der Zaubererwelt bist du besser dran, du wirst es sehen. "
Als wir in London ankamen, schwirrte mir bereits der Kopf von all dem Neuen, was ich erfahren hatte. Mein Vater hatte mir eine Menge über Hogwarts erzählt und dass ich dort Dinge lernen würde wie Fliegen, Verwandlung, Zauberkunst, Herstellung von Zaubertränken und Verteidigung gegen die dunklen Künste. Es wäre sehr wichtig, dass ich dies gut lernen würde, denn es gäbe üble Dinge, die Zauberer einander antun könnten. Obwohl ich wegen der Art und Weise, auf die meine Mutter mich abgeschoben hatte, noch ziemlich verstört war, faszinierte der Gedanke, alle diese Dinge zu lernen, mich immer mehr. Zumindest wusste ich nun, dass ich kein „Monster“ war und dass es viele andere Kinder wie mich gab.
Nie werde ich meinen allerersten Besuch in der Winkelgasse vergessen. All diese Geschäfte mit merkwürdigen Sachen, wie ich sie noch nicht gesehen hatte. Ich wusste kaum, wohin ich zuerst schauen sollte. Und all die Menschen, die dort herumliefen! Vor allem viele Kinder sah ich. „Sie kaufen für Hogwarts ein“, erklärte mein Vater mir. „Und das werden wir jetzt auch tun.“ Er kaufte mir eine Menge Dinge: Zauberumhänge, Schulbücher, Federn und Pergament und noch anderes, und ich bekam auch meinen Zauberstab. Dann fragte er mich plötzlich: „Deine Mutter erzählte, du kennst dich mit Eulenpost aus?“ , und dabei lachte er ein wenig.
Ich begann auch zu lachen, als ich mich an die Angst und den Ekel im Gesicht meiner Mutter erinnerte, als ich die Eulen angefasst hatte. Ich konnte dies selbst nicht nachvollziehen, denn ich fand an den beiden Eulen nichts Schmutziges oder Ekelhaftes. Im Gegenteil, ich fand sie sehr hübsch. „Irgendwie schien es so richtig zu sein, wie ich es gemacht habe“, antwortete ich. „Du bekommst eine eigene Eule“, sagte er. „Ich möchte, dass du mir regelmäßig schreibst. Ich möchte alles wissen: Wie es dir geht, was du gelernt hast, ob du Freunde gefunden hast, einfach alles. Und ich werde dir auch schreiben.“ Und so bekam ich ein hübsches Käuzchen, ein Weibchen. Ich nannte sie Jolanda.
Mir fiel auf, dass mein Vater unterwegs sehr häufig angesprochen wurde. Mir wurde sehr schnell klar, dass er ein bekannter Mann sein musste. Auch mich sprachen die Leute immer an und stellten mir viele Fragen. Ich wusste auf Vieles gar nicht, was ich antworten sollte, und mein noch recht holpriges Englisch machte es für mich nicht eben leichter.
Allmählich waren wir ziemlich bepackt und ich war überwältigt. So viele Sachen hatte ich noch nie auf einmal bekommen.
Vor allem konnte ich meinen Blick nicht von Jolanda wenden. „Sie gefällt dir, nicht wahr?“ fragte mein Vater. „Und wie“, antwortete ich. „Ich wollte immer ein eigenes Tier haben. Aber meine Mutter hat es mir nie erlaubt. Tiere würden Schmutz und Arbeit machen, sagte sie immer.“ Ich erzählte ihm von zwei Mädchen, die in der Nachbarschaft wohnten und mit denen ich manchmal gespielt hatte, als ich noch jünger war. Sie hatten einen großen schwarzen Hund, und ich konnte nie genug davon bekommen, mit ihm zu spielen. Leider war die Freundschaft mit den beiden Mädchen eines Tages zu Ende, nur weil ich ihnen einmal gezeigt hatte, dass ich kleine Gegenstände zum Schweben bringen konnte. Sie waren nicht nur schreiend davongelaufen, sondern hatten allen anderen Kindern erzählt, was ich getan hatte. Und seitdem wollte niemand mehr mit mir spielen, weil alle Angst vor mir hatten.
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Mein Vater konnte sich kaum fassen. „Diese Muggel werde ich nie verstehen lernen. Wegen so einem kleinen Schwebezauber bekommen sie schon Angst. Das lernen die Kinder in Hogwarts bereits in der ersten Klasse. Es wird dir bestimmt Spaß machen, da du ja so gerne Sachen bewegst.“ Ich wurde ein bisschen verlegen, weil ich an das Arbeitszimmer von meinem Stiefvater denken musste. Denn es stimmte: Irgendwie hatte ich ein gewisses schadenfrohes Vergnügen dabei gespürt.
Wir mussten nun noch einmal eine Eisenbahnfahrt machen, aber nur noch eine kurze. „Wir haben nur noch den heutigen Abend für uns, denn morgen wirst du nach Hogwarts fahren“, sagte.mein Vater. Es ist eine sehr kurze Zeit, die uns noch bleibt, um uns richtig kennen zu lernen. Deswegen finde ich es wichtig, dass wir uns regelmäßig schreiben. Zwar werde ich auch hin und wieder verreisen müssen, aber deine Eule wird mich überall finden.“
Kurze Zeit später waren wir beim Haus meines Vaters angekommen, und ich konnte mir zum ersten Mal ein Bild davon machen, wie Zauberer leben. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, als ich beobachtete, wie mein Vater mit Hilfe seines Zauberstabs Licht machte und den Kamin anzündete. „Alle Dinge wirst du auch lernen und noch mehr. Und morgen wirst du auch zum letzten Mal auf Muggel-Art reisen. Im nächsten Jahr werden wir zusammen fliegen können. Ich bin sicher, dass du es schnell lernen wirst.“
Ich war überzeugt, vor lauter Aufregung, in die sich bereits einige Vorfreude mischte, gar nicht schlafen zu können. Dennoch war ich, nachdem ich zu Bett gegangen war, schnell eingeschlafen.
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