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Fanfiction

Die Tochter des Kriegers - Ferien

von ChantalMoody

Schließlich war es soweit, dass wir uns zum Aussteigen fertig machen mussten. Wir legten unsere Zaubererumhänge ab, Spielkarten und Zauberutensilien wurden weggepackt, und so trafen wir am King´s Cross an. Auf dem Bahnsteig warteten schon viele Eltern. Ich sah meinen Vater zusammen mit den Lupins, einem weiteren Paar und einer merkwürdig gekleideten Frau zusammenstehen.

„Da sind meine Eltern“, rief James. „Und meine auch“, sagte Remus. „Mich holt niemand ab“, murrte Sirius. „Die Mühe macht sich meine Mutter nicht für mich.“ „Und meine hat keine Zeit, sie muss arbeiten“, sagte Peter. „Wer ist denn die Frau in diesem grünen Kleid und diesem komischen Hut?“ fragte ich. „Das ist Mrs. Longbottom“, antwortete James. „Die Mutter von Frank, der geht auch in unsere Klasse. Er hat es mit seiner Mutter auch nicht leicht. Egal, was für gute Noten er heimbringt, sie hat noch was dran auszusetzen. Und immer schimpft sie wegen seiner Schludrigkeit.“

Inzwischen hatten wir die Gruppe erreicht. „Chantal!“ rief mein Vater. Er umarmte mich. „Schön, dass wir diesmal während deiner Ferien zusammen sein können. Sicher hast du viel zu erzählen.“ James unterhielt sich inzwischen lebhaft mit seinen Eltern. Auch Remus stand mit seinen Eltern zusammen. In dem Moment bekam ich mit, wie Mrs. Longbottom zu ihrem Sohn sagte: „Nur ein Annehmbar in Kräuterkunde? Und wie siehst du überhaupt wieder aus? Hättest dich ja wenigstens kämmen können.“ Ich sah zu James, er grinste. Auch ich konnte mich nur mühsam beherrschen, nicht zu lachen. Schließlich ging das allgemeine Abschiednehmen los. Remus versprach mir zu schreiben. „Aber wir sehen uns ja sowieso während der Ferien“, meinte er. Ich bekam mit, wie Mrs. Lupins Gesicht irgendwie besorgt wurde. Mr. Lupin und mein Vater unterhielten sich leise, und ich bekam mit, wie sie zu mir hinsahen.

Zu Hause musste ich meinem Vater zunächst alles von der Schule, von meinen Freunden und von allem erzählen, was ich gelernt hatte. „Gut gemacht“, sagte er zu mir. „Ich wusste gleich, dass du sehr begabt bist. Und mir scheint, das Lernen fällt dir auch leicht. Trotzdem, ich finde es wichtig, dass du auch während der Ferien in Übung bleibst. Wir werden regelmäßig üben.“ „Aber ich darf doch während der Ferien nicht zaubern“, erwiderte ich. „Unsinn“, entgegnete mein Vater. „Auch so ein Blödsinn, den sich das Zaubereiministerium ausgedacht hat. Es gibt für diese Vorschriften einen Grund, das ist richtig. Es ist, damit Muggels keine Zauberei mitbekommen. Aber hier gibt es weit und breit keine Muggel, und wenn wir zusammen sind, kann niemand feststellen, wer von uns beiden gezaubert hat. Und du hast dich gut mit Remus und seinen Freunden verstanden?“

„Ja, sehr gut“, antwortete ich. „Jedenfalls mit Remus, James und Sirius. Peter ist irgendwie komisch. Er schien mich nicht zu mögen, sagte jedoch nie etwas zu den anderen, dass er mich nicht dabei haben wollte.“ „Über Peter Pettigrew weiß ich nicht viel. Irgendwie scheint er nicht zu den anderen zu passen“, meinte mein Vater. „James Potter kenne ich von klein an. Die Potters sind gute Freunde von mir. Sirius habe ich voriges Jahr bei den Potters kennen gelernt. Netter Junge. Aber seine Familie... Immer wieder gab es über die Blacks Gerüchte, dass sie mit dunkler Magie zu tun hätten. Heiraten nur Reinblütige. Und wenn mal jemand anders, normaler, ist, wird er aus der Familie ausgestoßen.“

„Ich weiß“, antwortete ich. „Sirius hat mir von seiner Kusine erzählt. Andromeda wurde ausgestoßen, weil sie einen Muggelstämmigen geheiratet hat.“ „Ja, Ted Tonks“, erwiderte mein Vater. „Netter Mann. Weißt du, es gibt reinblütige Familien, die geradezu versessen darauf sind, ihr Blut rein zu halten. Das geht so weit, dass sie nur untereinander heiraten, so dass sie alle in irgendeiner Weise miteinander verwandt sind. Aber so sind nicht alle. Die Potters zum Beispiel nicht. Und auch die Longbottoms nicht. Du hast Augusta Longbottom heute ja gesehen.“

„Die Mutter von Frank Longbottom?“ fragte ich. Ich musste dabei an die seltsame Kleidung der Frau denken, die ich am Bahnsteig gesehen hatte, und musste mir das Lachen verbeißen. Mein Vater bemerkte es und fing seinerseits an zu lachen. „Über Augusta Longbottom könnte ich dir Geschichten erzählen“, meinte er. „Ist mit mir in die gleiche Klasse gegangen. Und schon damals lief sie unmöglich gekleidet herum. Wir haben uns immer über sie lustig gemacht und ihr Streiche gespielt. Versagte total in Zauberkunst. Brachte nicht mal einen simplen Aufrufezauber zustande. Ihr Sohn hat es mit ihr nicht leicht. Sie beklagt sich ständig über ihn, wie unordentlich und vergesslich er wäre, und nie sind ihr seine Noten gut genug, obwohl er kein schlechter Schüler ist.“

Mein Vater schwieg einen Augenblick. „Aber ich muss dir noch etwas anderes sagen. Es geht um Remus.“ „Um Remus?“ fragte ich. „Mit Remus habe ich mich immer sehr gut verstanden. Er ist wirklich nett. Mit ihm kann man sich gut unterhalten.“ „Ich weiß“, erwiderte mein Vater. „Ich habe eben mit Malcolm und Viola, Remus´ Eltern, gesprochen, und wir kamen zu der Entscheidung, dass du Beischeid wissen musst, speziell im Hinblick darauf, dass Remus einen Teil von euren Ferien hier bei uns verbringen soll. Es ist ein Geheimnis, das außerhalb unserer Familie nur wenige wissen, und ich hoffe, dass du auch nichts weitererzählst. Also, kurz und gut.“ Mein Vater seufzte. „Remus ist ein Werwolf.“

Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen und starrte meinen Vater an. „Ein Werwolf?“ fragte ich. „Remus ein Werwolf? Das ist doch nicht möglich.“ „Leider ist es so“, erwiderte mein Vater. „es war eine furchtbare Geschichte. Remus wurde als kleiner Junge von einem Werwolf gebissen. Und seitdem ist für ihn und seine Eltern nichts mehr, wie es war. Jeden Monat in der Vollmondnacht verwandelt er sich, und dann ist er eine Gefahr für andere, und es gibt keine andere Möglichkeit, als ihr in diesen Nächten einzusperren. Sowohl bei seinen Eltern als auch hier im Haus gibt es einen Kellerraum, in dem Remus dann bleiben muss, wenn es soweit ist. Eine Heilung ist bisher nicht möglich, obwohl ich davon gehört habe, dass es fähige Zaubertrankbrauer versuchen, einen Trank zu erfinden, der solche armen Menschen zumindest ungefährlich machen soll. Aber bisher gibt es noch nichts derartiges.“

„Das ist ja schrecklich! Armer Remus!“ rief ich aus. Vor lauter Mitleid mit Remus hätte ich beinahe angefangen zu weinen. „Aber wieso kann er dann Hogwarts besuchen, ohne eine Gefahr für andere zu sein?“ „Ohne Dumbledores Hilfe wäre es unmöglich gewesen“, antwortete mein Vater. „Schon vor Remus´ Einschulung wurden bestimmte Maßnahmen getroffen, damit keine anderen Schüler in Gefahr geraten sollten. Du hast sicher schon einmal die Peitschende Weide gesehen?“ „Ja, kenne ich“ erwiderte ich, und dabei schüttelte ich mich. „Sie schlägt alles kurz und klein, was in ihre Nähe kommt. Beinahe wäre ich bei einer Flugübung einmal zu nahe herangekommen.“

„Ja, das hat seinen guten Grund, dass dieser Baum dort steht“, erzählte mein Vater. „Unterhalb dieses Baumes ist ein Geheimgang. Er führt nach Hogsmeade. Das ist ein Dorf ganz in der Nähe von Hogwarts, in dem nur Hexen und Zauberer wohnen. Die Schüler ab der dritten Klasse dürfen an den Wochenenden dorthin. Es gibt dort viele interessante Geschäfte, das wirst du noch sehen. Aber es gibt dort auch eine Hütte, und der Geheimgang führt dorthin. Die Hütte wird die Heulende Hütte genannt, und es gibt Gerüchte, dass es dort spukt. Das ist aber Unsinn. Es ist kein Geist, der dort heult, sondern Remus. Madame Pomfrey, die Heilerin an eurer Schule, muss ihn dort jedes Mal hinbringen und einschließen, wenn Vollmond ist.“

„Wie furchtbar!“ sagte ich, und dann begann ich tatsächlich zu weinen. „Chantal, ich weiß, es ist schlimm“, erwiderte mein Vater. „Aber abgesehen von dieser einen Nacht im Monat kann Remus ein normales Leben führen. Deswegen ist es wichtig, dass du nicht darüber redest. Er würde sonst von den anderen Kindern geschnitten, und unter Umständen würden die Eltern der anderen Kinder darauf bestehen, dass Remus Hogwarts verlassen muss. Und ich nehme an, das willst du doch nicht. Seine Freunde wissen übrigens Bescheid und akzeptieren ihn trotzdem.“

„Das tue ich auch“, erwiderte ich. „Remus kann doch nichts dafür, und ich habe ja selbst erlebt, wie es ist, wenn man anders als andere ist.“ Eine kurze bittere Erinnerung stieg in mir auf, als ich an die Worte dachte, die das Letzte gewesen waren, was ich von meiner Mutter gehört hatte.

„Ich weiß“, sagte mein Vater. „Ich wette, deine Mutter hat dir nicht einmal geschrieben.“ „Nie“, antwortete ich. „Ehrlich gesagt, ich habe es nicht anders erwartet, Chantal. Ich habe es schon geahnt, dass Martine Von dir endgültig nichts mehr wissen will. Am liebsten hätte ich dir die ganze Geschichte schon von Anfang an erzählt, aber ich habe gemerkt, in diesem Moment wäre es zuviel für dich gewesen. Du warst ja völlig am Boden zerstört, als ich dich abgeholt habe. Und schreiben wollte ich dir das nicht. Möchtest du jetzt alles hören?“ „Ja“, meinte ich. „Erzähl mir bitte alles. Einmal muss ich es ja erfahren.“

„Dann erzähle ich am besten von dem Tag, an dem ich deine Mutter kennen gelernt habe“, begann mein Vater. „Ich habe dir ja erzählt, dass ich damals beruflich in dem Magierdorf zu tun hatte, das ganz in der Nähe deines Wohnorts liegt. Muggel finden dort nicht hin. Du weißt inzwischen, dass es Plätze gibt, die von Muggeln nicht wahrgenommen werden. Die Winkelgasse zum Beispiel, und Hogwarts. Und dieses Magierdorf ist auch so ein Ort. Andererseits können sich Hexen und Zauberer, wie du weißt, in der Muggelwelt frei bewegen. Sie müssen dann nur darauf achten, nicht aufzufallen. Auroren lernen dies während ihrer Ausbildung in der Aurorenschule, das ist wichtig, denn es kommt hier und da vor, dass wir in die Muggelwelt müssen.

An jenem Tag musste ich auch in deinen Heimatort, denn es hatte Hinweise gegeben, dass dort ein Mann gesehen worden wäre, der von uns als schwarzer Magier gesucht wird. Dieser Hinweis war falsch, und ich wollte eigentlich schon ins Zaubererdorf zurückkehren. Auf dem Weg dorthin kam ich an einem Gasthaus vorbei, und da ich hungrig und durstig war, ging ich hinein. Deine Mutter arbeitete dort. Und ich muss gestehen, an den Rest des Abends erinnere ich mich nur noch dunkel. Die Getränke der Muggel sind stärker als alles, was es in der Zaubererwelt gibt, und es endete damit, dass ich mich im Zimmer deiner Mutter wiedergefunden habe. Und am nächsten Tag bin ich bereits nach England zurückgereist, da meine Aufgabe beendet war.“

Ich verstand nun das Getuschel, das es in dem kleinen Ort, in dem ich aufgewachsen war, viel besser. Meine Mutter hatte keinen guten Ruf gehabt. Immer hatte es Gerüchte gegeben, dass meine Mutter es in jungen Jahren mit Männerbekanntschaften nicht allzu genau genommen hatte. „Und weiter?“ fragte ich. „Wie gesagt, ich habe jahrelang nichts von dir gewusst. Und an Martine habe ich auch keinen Gedanken mehr verschwendet, das gebe ich zu. Und dann kam eines Tages eine Nachricht von Professor Dumbledore. Die Briefe für die Schulanfänger waren gerade herausgegangen, und deine Mutter hatte eine Antwort mitgeschickt. Ich habe den Brief selbst gelesen. Sie schrieb, dass es ihr nur recht wäre, wenn du ins Internat könntest, und wenn möglich sollte nach einem Weg gesucht werden, dass du dort ganzjährig bleiben könntest, sie wolle mit einer Hexentochter nichts zu tun haben. Ihr Geschreibsel wirkte absolut hysterisch. Wie ich von Professor Dumbledore erfahren habe, hat sie einen gleichen Brief auch an Madame Maxime, die Leiterin von Beauxbatons, geschrieben.

Jedenfalls, als ich diesen Brief gelesen hatte, wusste ich gleich, was ich zu tun hatte. Ich habe Professor Dumbledore sofort gebeten, dich offiziell als meine Tochter aufzunehmen. Nach Beauxbaton wollte ich dich nicht gehen lassen, denn dort hättest du niemanden gehabt, und ich wollte dich auf jeden Fall in meiner Nähe haben.

Als ich dann zu deiner Mutter kam, hat sie ein ziemliches Theater aufgeführt. Ich nehme an, du hast das Geschrei gehört, das sie veranstaltet hat. Sie wollte nichts weiter, als dass ich dich so schnell wie möglich mitnehmen sollte. Sie könne es nicht verantworten, weiter mit dir unter einem Dach zu leben. Sie erzählte mir davon, was du mit dem Arbeitszimmer deines Stiefvaters angestellt hast, und darüber, wie du mit den Eulen umgegangen bist, war sie völlig außer sich. Solches Getier wollte sie in ihrem Haus nicht haben, und so weiter, und so fort. Genau aus dem Grund wollte ich auch so schnell wie möglich mit dir weg.“ „Ich weiß“, sagte ich leise.

„Ich glaube, das war jetzt doch ein bisschen viel für dich“, meinte mein Vater schließlich. „Jetzt mal was ganz anderes. Du fliegst sehr gerne, nicht wahr?“ „Oh ja,“, antwortete ich. „Der Flugunterricht bei Madame Hooch hat mir viel Spaß gemacht. Aber noch lieber bin ich mit James geflogen.“ „Das habe ich mir schon gedacht“, sagte mein Vater. „Komm mit in mein Arbeitszimmer. Ich habe etwas für dich.“ Ich folgte ihm in sein Arbeitszimmer. Dieser Raum hatte mich schon bei meinem ersten Besuch fasziniert. All die vielen Bücher! Und diese seltsamen Geräte, die überall herumstanden!

Mein Vater folgte meinem Blick. „Später werde ich dir das alles erklären“, sagte er. „Aber schau mal, was ich hier für dich habe.“ Mit diesen Worten überreichte er mir einen Besen. „Ich habe dir ja versprochen, dass du einen eigenen Besen bekommst“, meinte er. „Das ist ein Nimbus 1500, einer der besten Rennbesen, die es zur Zeit gibt.“ Ich konnte nur staunen. „James fliegt auch so einen“, sagte ich. „Ich weiß“, erwiderte mein Vater. „Und morgen werden wir zusammen fliegen, darauf habe ich mich schon die ganze Zeit gefreut.“ „Ich freue mich auch, Pa“, sagte ich.

Es folgten viele interessante, abwechslungsreiche Tage. Mein Vater musste zwar tagsüber zur Arbeit, so dass ich in der Zeit auf mich alleine gestellt war. Dies machte mir aber nicht viel aus. Schon bald fühlte ich mich in unserem Häuschen rundum wohl. So friedlich war es im Haus meiner Mutter nie zugegangen. Keine Streitereien, und ich wurde auch nicht ständig wegen irgendwelcher Sachen ausgeschimpft.

Ich beschäftigte mich nach wie vor viel mit Lesen. Mein Vater hatte mir auch eine Menge Bücher gekauft, von denen er meinte, dass ich sie unbedingt lesen müsste. „Später kannst du auch die Bücher in meinem Arbeitszimmer lesen“, sagte er. „Vielleicht nicht gerade das, was Schüler so ohne weiteres lesen. Etliches davon steht in Hogwarts in der verbotenen Abteilung, wo ihr die Erlaubnis eines Lehrers braucht. Aber ich finde schon, über bestimmte Sachen solltest du Bescheid wissen. Aber jetzt noch nicht. Hast noch viel Grundlegendes zu lernen, aber das lernst du schon.“

Mein Vater hielt Wort. Wenn er von der Arbeit aus dem Zaubereiministerium kam, gehörte seine Zeit mir. Häufig flogen wir miteinander. Mein Vater flog gut, aber dank des häufigen Übens mit James war ich genauso schnell und geschickt. „Sehr gut!“ lobte er mich. „Und du möchtest wirklich nicht in der Quidditch-Mannschaft spielen?“ „Nein, das ist nichts für mich“, antwortete ich.

Sehr großen Spaß machten mir auch die praktischen Zauber-Übungen, die wir tatsächlich zusammen durchführten. „Du bist wirklich gut“, sagte er zu mir, nachdem ich mit dem Accio-Zauber mehrmals geschafft hatte, Gegenstände herbeizurufen. „Das nimmt Professor Flitwick normalerweise mit den Viertklässlern durch, und manche schaffen das in ihrem ganzen Leben nicht vernünftig. Aber du hast Talent für Zauberkunst.“

Sehr großen Wert legte er auf praktische Übungen in Verteidigung gegen die dunklen Künste. Zunächst musste ich alles zeigen, was ich in Hogwarts gelernt hatte. Mein Vater zeigte sich zufrieden. „Anscheinend hattet ihr in diesem Schuljahr einen fähigen Lehrer“, meinte er. „Aber in manchen Schuljahren ist es nicht der Fall. Ich habe dir ja schon erklärt, weshalb kein Lehrer länger als ein Jahr in Hogwarts bleibt. Viele halten es für Zufall, dass die Lehrer nach einem Schuljahr andere Posten finden oder aus sonstigen Gründen ausscheiden. Sogar zwei Fälle, bei denen Lehrer durch missglückte Zauber als chronische Fälle in St.Mungo´s gelandet sind, wurden noch als Unglücksfälle abgetan. Aber es sind keine Zufälle. Professor Dumbledore hat noch kein Mittel gefunden, den Fluch, der auf dem Posten liegt, zu brechen, und wenn er es nicht kann, kann es niemand. Er ist der fähigste Zauberer, den ich kenne. Und dabei ist es so wichtig, sich schützen zu können. Und deshalb werden wir jetzt noch ein paar Sachen üben.“

Ich musste anschließend defensive Zauber wie den Schildzauber und den Entwaffnungszauber lernen, bis mein Vater der Meinung war, dass ich sie gut genug beherrschte. „Gut gemacht“, sagte er, als es mir gelungen war, ihn zu entwaffnen. „So muss das sein. Immer schneller sein als der Feind, er wartet nicht auf dich. Und immer wachsam!“

Remus und ich schrieben uns regelmäßig. Auch von James und Sirius brachte Jolanda mir gelegentlich Briefe. Sirius hatte tatsächlich einige Zeit bei seiner Familie verbringen müssen, war aber inzwischen bei James und seiner Familie. Inzwischen hatte seine Kusine Narzissa Lucius Malfoy geheiratet. Sirius war gezwungen gewesen, bei dieser Hochzeit dabei zu sein. Er äußerte sich ausgesprochen unmutig über die Hochzeitsfeier, besonders über die Hochzeitsgäste.

„Meine Kusine Bellatrix war mir schon nie besonders sympathisch. Aber seit sie mit diesem Rodolphus Lestrange verheiratet ist, hat sie sich noch viel mehr zu ihrem Nachteil verändert. Ich würde mich nicht wundern, wenn sie auch eine Anhängerin der schwarzen Magie geworden wäre. Die Lestranges waren alle auf der Hochzeit. Und Narzissas Mann, dieser Lucius Malfoy, tuschelte ständig mit ihnen herum. Narzissa wird wohl genauso werden wie Bellatrix. Andromeda wurde von der Familie mit keinem Wort erwähnt, und dabei ist sie die Netteste von den dreien. Allerdings habe ich erfahren, dass Andromeda und Ted ein Baby bekommen. Sie sind sehr glücklich miteinander. Ich habe sie leider noch nicht besuchen können, aber wir schreiben uns regelmäßig.“

Als ich meinem Vater von Sirius´ Brief erzählte, verfinsterte sich seine Miene. „Die Lestranges sind ein ganz finsterer Haufen“, erzählte er. „Der Vater von Rabastan und Rodolphus Lestrange war bereits während seiner Schulzeit ein Anhänger von diesem Voldemort. Wir ermitteln schon seit einer ganzen Weile gegen diese Familie, aber bisher konnten wir ihnen nichts nachweisen. Und da gibt es noch andere. Avery, Dolohow, Mulciber und weitere. Teilweise hat Voldemort sie schon in der Schule kennen gelernt, aber es kommen immer neue dazu. Sie nennen sich Todesser und verbreiten Angst und Schrecken, wo immer sie auftauchen. Und diejenigen die wir festnehmen können, schweigen. Ob aus Angst oder aus Treue diesem Voldemort gegenüber, keiner weiß es genau. Wir können diejenigen dann nur nach Askaban bringen, aber an diesen Voldemort kommen wir nicht heran.“ „So schlimm sieht es aus?“ fragte ich. „Schlimm genug“, seufzte mein Vater. „Unsere größte Befürchtung ist, dass sie uns Spitzel in wichtigen Positionen im Zaubereiministerium einschleusen. Möglichkeiten gibt es da genug. Einige von uns haben mit dem Zaubereiminister bereits über unsere Befürchtungen gesprochen, sind aber nicht ernst genommen worden. Bis es eines Tages zu spät ist.“

Wir wandten uns schließlich anderen Themen zu. Am nächsten Tag sollte Remus zu uns kommen, und es war noch einiges vorzubereiten. Ich hatte bereits das Gästezimmer für Remus gerichtet. Den Kellerraum, in dem Remus während der Vollmondnacht bleiben musste, hatte ich auch bereits gesehen. Wieder stiegen mir die Tränen in die Augen vor Mitleid mit Remus. Mein Vater sah es und sagte: „Ich weiß, was du fühlst, und glaube mir, uns geht es genauso. Aber es gibt keine andere Möglichkeit. Remus ist in den Vollmondnächten nicht er selbst. Ich habe diesen Raum mit einigen Zaubern ausbruchsicher gemacht, und in seinem Elternhaus habe ich das gleiche gemacht. Und denk an eines, und das musst du mir versprechen: Egal, wie sehr in diesen Nächten heulen wird, du darfst ihn auf keinen Fall herauslassen.“

Am nächsten Tag konnte ich es kaum erwarten, dass Remus und seine Eltern zu uns kamen. Immer wieder lief ich vor das Haus, um nach ihnen Ausschau zu halten. Mein Vater hatte an diesem Tag frei. Als er meine Ungeduld bemerkte, rief er mich zu sich in sein Arbeitszimmer. „Komm mal her, Chantal, ich möchte dir etwas zeigen.“ Er zeigte mir ein Gerät, das auf den ersten Augenblick wie ein Spiegel aussah. „Schau mal hier“, erklärte er. „Das hier ist ein Feindglas. Normalerweise benutze ich es, um zu sehen, ob sich Feinde meinem Haus nähern. Damit kann ich auf so große Entfernung jeden sehen, dass ich immer noch Zeit habe, entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Genauso gut kann ich aber auch sehen, wenn sich Besuch nähert. Schau dort, da sind sie schon zu erkennen, aber noch weit weg. Es wird noch ungefähr eine halbe Stunde dauern, bis sie ankommen.“

Schließlich war es soweit. Remus und seine Eltern kamen auf ihren Besen an. Remus´ Mutter umarmte mich sogleich und bat mich, zu ihr Tante Viola und zu ihrem Mann Onkel Malcolm zu sagen. „Schließlich gehörst du jetzt zur Familie“, meinte sie. „Glaube mir, wenn wir früher von dir gewusst hätten, auch wir hätten uns um dich gekümmert. Aber wir konnten es ja selbst kaum fassen, als Alastor uns von dir erzählt hat. Aber jetzt bist du ja hier. Wie hast du dich denn in unserer Welt eingelebt?“ „Sehr gut, Tante Viola“, antwortete ich. „Anfangs war vieles so neu und ungewohnt, aber ich fühle mich sehr wohl hier, sowohl hier zu Hause als auch in Hogwarts.“

„Das kann ich gut verstehen“, erwiderte Tante Viola. „Weißt du, auch ich habe als Kind in der Muggelwelt gelebt. Ich bin nämlich muggelstämmig. Meine Eltern und ich konnten es kaum fassen, als ich meinen Brief bekam. Und dann kam ich nach Hogwarts, und dort war alles so anders. Jedes Mal, wenn ich dann in den Ferien nach Hause gefahren bin, musste ich mich erst mal daran gewöhnen, nicht zaubern zu dürfen und wie andere Menschen zu leben. Jedes Mal sehnte ich mich dann nach Hogwarts zurück. Und nach der Schule habe ich Malcolm geheiratet und bin hier geblieben. Hier und da besuche ich noch meine Eltern, aber jedes Mal freue ich mich darauf, hierher zurückzukehren.“

Ihr Blick wurde ernst. „Du weißt über Remus Bescheid?“ fragte sie. „Ja“, antwortete ich. „Und du ahnst nicht, wie leid er mir tut. Ich finde es so furchtbar.“ „Das ist es auch“, seufzte Tante Viola. „Du ahnst ja nicht, was wir seitdem durchgemacht haben. Dieser Fenrir Greyback ist der schrecklichste Werwolf überhaupt. Er beißt mit Vorliebe Kinder. Und wir tun jetzt alles, um Remus trotzdem ein einigermaßen normales Leben zu ermöglichen. Er ist so begabt, dass es eine Schande wäre, wenn er nicht seinen Fähigkeiten entsprechend unterrichtet würde. Aber ich bin froh, dass er Freunde gefunden hat, die zu ihm halten. Gerade von dir hat er auch so viel erzählt.“ „Ja, ich mag ihn sehr“, antwortete ich. „Er ist mein bester Freund. Ich mag zwar auch James und Sirius, aber Remus eigentlich am liebsten.“ „In deinen nächsten Ferien musst du uns unbedingt besuchen“, meinte Tante Viola. Das versprach ich gerne.

Wir verbrachten viele schöne Tage miteinander. Stundenlang redeten wir über Hogwarts und über alles, was wir dort erlebt hatten. Auch über Bücher konnte ich mit Remus reden, denn er las genauso gerne wie ich. Ich lernte Zauberschach zu spielen, und wir spielten manche Partie gegeneinander, obwohl es mir nur selten gelang, Remus zu schlagen. Remus nahm auch an den Zauber-Übungen teil. Ich musste dabei feststellen, dass er tatsächlich sehr begabt war.

„Es ist so schade“, meinte mein Vater einmal zu mir, als wir allein waren. „Normalerweise könnte Remus mit seinen Talenten hier in der Zaubererwelt alles werden, was er will. Aber es gibt leider ein großes Vorurteil gegen Werwölfe, und das führt dazu, dass sie selten eine gute Stelle finden. Im Zaubereiministerium zum Beispiel würde er nicht eingestellt werden. Dabei wäre er talentiert genug, ein Auror zu werden. Und das Schlimmste ist, dass dieser Greyback alles daran setzt, die Kinder, die er gebissen hat, gegen die Zauberer aufzubringen und auf die Seite von diesem Voldemort zu ziehen. Und er hat leichtes Spiel dabei, denn seine Opfer sind in der Regel in der Zaubererwelt geächtet, da jeder Angst vor ihnen hat. Genau deswegen haben wir schon vor langer Zeit all diese Vorkehrungen für Remus getroffen, um ihm ein solches Schicksal zu ersparen. Aber wie es später weitergehen soll, wenn er erwachsen wird, das weiß niemand.“

„Wie furchtbar!“ rief ich aus. „Armer Remus.“ „Aber tu mir einen Gefallen, Chantal“, bat mich mein Vater. „Sag Remus nichts davon, was ich dir gerade gesagt habe. Wir setzen alles daran, dass er zumindest eine normale Kindheit erleben kann. Damit wäre schon viel gewonnen.“ Natürlich versprach ich das.

Mit der Zeit bemerkte ich, dass es Remus offensichtlich gar nicht gut ging. Von Tag zu Tag wurde er blasser. Auf meine besorgten Fragen hin antwortete er jedoch, dass alles in Ordnung wäre. Als ich einmal mit meinem Vater allein war, sprach ich mit ihm darüber, dass ich mir Sorgen um Remus machte. „Ich weiß, Chantal“, seufzte er. „Kurz vor der Vollmondnacht geht es Remus nie gut. Es nimmt ihn sehr mit. Die Vollmondnacht ist morgen, das heißt, dass ich ihn morgen Abend einsperren muss. Ich habe Vorkehrungen getroffen, dass sein Heulen nicht nach außen dringt, damit niemand, der zufällig vorbeikommt, etwas mitbekommt. Nach so einer Vollmondnacht ist Remus dann immer vollkommen erschöpft und verschläft dann den halben nächsten Tag. Danach geht es ihm wieder besser, bis sich die nächste Vollmondnacht nähert.“ „Schlimm, dass man überhaupt nichts für ihn tun kann“, meinte ich. „Vielleicht wird es irgendwann einmal ein Mittel geben, was solche Menschen zumindest ungefährlich macht“, erwiderte mein Vater.

Am nächsten Tag war Remus noch blasser geworden. Er wirkte niedergeschlagen und nervös. Auch ich fühlte mich nicht viel besser, denn ich wusste ja, was am Abend geschehen würde.
Am frĂĽhen Abend verkroch ich mich zeitig in meinem Zimmer, denn ich wollte nicht mit ansehen, wie Remus eingesperrt wurde. Ich versuchte zu lesen, konnte mich aber gar nicht auf mein Buch konzentrieren. Die ganze Zeit musste ich daran denken, was Remus durchmachte. Ich schlief in dieser Nacht sehr schlecht.

Am nächsten Morgen sagte mein Vater zu mir: „Remus ist bereits in seinem Zimmer und schläft. Stör ihn nicht, er hat den Schlaf jetzt sehr nötig. Du siehst übrigens auch nicht danach aus, als wenn du besonders viel Schlaf abbekommen hättest. Aber jetzt ist es ja für diesen Monat ausgestanden.“

Nachdem mein Vater zur Arbeit appariert war, beschäftigte ich mich mit meinen Büchern und war sehr leise, um Remus nicht beim Schlafen zu stören. Erst am späten Nachmittag verließ er sein Zimmer, noch etwas blass, aber schon wieder viel fröhlicher als an den Tagen vorher. Wir verbrachten den Nachmittag mit Kartenspielen, und abends nahm Remus auch wieder an den Zauberübungen mit meinem Vater und mir teil.

Die Ferien näherten sich dem Ende. Remus und ich hatten beide unsere Bücherlisten für das neue Schuljahr bekommen. An diesem Nachmittag wollten wir in die Winkelgasse, um unsere Einkäufe zu erledigen. James und Sirius hatten uns geschrieben, dass sie und James´ Eltern an diesem Nachmittag auch in der Winkelgasse sein würden, wir würden sie alle treffen. Auch Tante Viola würde kommen.

Diesmal reisten wir mit Flohpulver durch den Kamin, was ich persönlich hasste. Vor Flourish und Blotts, der Buchhandlung, warteten bereits die Potters, Sirius und Tante Viola auf uns. Wir erledigten unsere Besorgungen und unterhielten uns fröhlich. Als wir am Süßwarengeschäft vorbeikamen, meinte James: „Der Honigtopf in Hogsmeade soll noch viel besser sein. Ich habe es von einigen älteren Schülern gehört.“ „Und einen tollen Scherzartikelladen haben sie dort“, ergänzte Sirius. „Dieses Jahr werden wir es ja selber sehen.“ „Echt schade, dass du dieses Jahr noch nicht mit darfst“, meinte Remus. Ich bemerkte, wie Sirius begann, auf James einzuflüstern und dass James zuerst etwas skeptisch blickte, schließlich aber nickte. Dabei blickten sie immer wieder in meine Richtung. Was hatten die beiden nur zu bereden?


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