
von ChantalMoody
Das neue Schuljahr begann für mich also gleich mit meinen neuen Pflichten als Vertrauensschülerin. In der Hauptsache hatten wir uns um die neuen Erstklässler zu kümmern und ihnen zu helfen, wenn sie sich nicht zurecht fanden. Dies begann bereits im Hogwarts-Express. Einige von diesen Kleinen schienen Angst zu haben, was sie in Hogwarts erwarten würde. Es waren dies wohl die Kinder aus Muggelfamilien, die natürlich kaum darauf vorbereitet waren. Ich erzählte diesen Kindern so viel wie möglich von Hogwarts, von den Lehrern und vom Unterricht. Mit großen, erstaunten Augen hörten sie mir zu. Im nachhinein war ich meinem Vater und Remus sehr dankbar, dass sie mir doch schon vorher viel von meiner Angst genommen hatten.
Plötzlich hörte ich hinter mir eine gehässige Stimme: „Eine Slytherin, die sich mit den Schlammblütern abgibt? Das kann doch nur Chantal Moody, das französische Halbblut, sein.“ Ich drehte mich um, und was ich sah, ließ meine gute Laune schlagartig verschwinden. Denn ich sah niemanden anderes als Avery, einen von den Jungen, die, wie ich wusste, öfter mit Severus abhingen. Ausgerechnet der war mit mir zusammen Vertrauensschüler von Slytherin. Das konnte ja heiter werden! In mir kam wieder die Wut hoch, ich bemühte mich jedoch, ruhig zu bleiben, um die Kinder nicht noch mehr zu ängstigen. „Was soll das? Was für einen Eindruck sollen diese Kinder bekommen, wenn sie solche Sprüche hören? Auch diese Kinder haben ein Recht darauf, in Hogwarts unterrichtet zu werden, auch wenn sie nicht unter Zauberern groß geworden sind. Und außerdem: Ich bin tausendmal lieber ein französisches Halbblut als dass ich mit so einer Einstellung herumlaufen würde wie du sie hast.“ Und damit wandte ich mich von ihm ab und kümmerte mich wieder um die Kinder, von denen eines zu weinen begonnen hatte. Innerlich jedoch war ich lange nicht so ruhig. Das Schuljahr fing ja schon gut an!
Remus legte mir die Hand auf die Schulter. „Reg dich nicht auf“, meinte er. „Solche Leute sind es nicht wert.“ Auch Remus war natürlich, genau wie ich, mit Vertrauensschüler-Pflichten beschäftigt. Und diese gingen natürlich weiter, als der Hogwarts-Express anhielt und wir die Erstklässler zu den Booten führten, wo Hagrid bereits wartete. Als dieser mich mit dem Vertrauensschüler-Abzeichen sah, lachte er. „Die kleine Chantal als Vertrauensschülerin! Wer hätte das gedacht? Wirst du jetzt noch ein braves Mädchen werden? Hattest es ja immer faustdick hinter den Ohren, genau wie deine Freunde.“ Ich lachte. „Ob ich jemals wirklich brav werden kann? Keine Ahnung.“ Und danach hielt ich Ausschau nach meinen Freunden, die bereits auf dem Weg waren, in eine der Kutschen zu steigen.
Als James und Sirius mich sahen, begannen sie wieder damit, mich aufzuziehen. „Jetzt bist du wohl zu brav geworden für uns, oder wie sehe ich das?“ fragte Sirius. „Unsinn!“ rief ich aus. „Ich bin immer noch dieselbe, und ich mache auch noch Späße mit. Aber was ihr euch im letzten Schuljahr erlaubt habt, das geht zu weit. So etwas mache ich nicht mit.“ „Hast ja recht“, murmelte Sirius. Zumindest wirkte er doch schuldbewusst.
In Hogwarts angekommen, mussten wir uns sofort in die Große Halle begeben. Das Auswahlverfahren der neuen Erstklässler begann, und danach das Essen. Wie dachte ich wieder daran, wie ich selber als kleine Erstklässlerin den Sprechenden Hut aufsetzen musste. Freundlich redete ich die kleinen Mädchen an, die nach Slytherin eingeteilt worden waren, denn ich wusste, dass es meine Aufgabe war, mich um sie zu kümmern. Natürlich hatten sie viele Fragen, auch wenn sie aus Zaubererhaushalten kamen. Slytherin nahm ja keine Muggelstämmigen auf. Zwischendurch beobachtete ich, wie Avery mir finstere Blicke zuwarf. Vermutlich würde es nicht angenehm sein, ausgerechnet mit ihm zusammen Vertrauensschüler zu sein.
Meine nächste Aufgabe bestand darin, die Erstklässlerinnen nach dem Essen zum Gemeinschaftsraum der Slytherins zu führen. Wieder hatte ich viele Fragen zu beantworten, aber es machte mir nicht das Geringste aus, während ich merkte, dass Avery, der sich um die neuen Jungen zu kümmern hatte, bereits genervt wirkte.
Nachdem ich die Erstklässlerinnen in ihren Schlafsaal geführt hatte, blieb ich noch im Gemeinschaftsraum sitzen und schrieb einen langen Brief an Fabian. Ich vermisste ihn schon jetzt.
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