
von ChantalMoody
Wieder einmal musste ich auch an einer der kleinen Parties von Slughorn teilnehmen. Auch wenn ich mittlerweile oft eingeladen worden war, hielt sich meine Begeisterung dafür immer noch sehr in Grenzen. Auch James und Lily waren wieder dabei. Sie hatten sich möglichst weit auseinander gesetzt und redeten kein Wort miteinander. Ich bemerkte, dass James immer wieder zu Lily blickte und dass Lily jedes Mal, wenn sie es bemerkte, woandershin guckte.
Professor Slughorn war wieder voll in seinem Element. „Miss Moody! Wie schön, dass Sie wieder vorbeigekommen sind! Sie machen sich ja großartig als Vertrauensschülerin!“ Und so ging Slughorns Geschwätz endlos weiter. „Haben Sie sich auch schon Gedanken um Ihre Zukunft gemacht? Sie wissen ja, demnächst findet ja die Berufsberatung statt, dann können wir uns noch ausführlich darüber unterhalten.“ Und natürlich wurde ich auch wieder herumgeführt und einigen jüngeren Schülern vorgestellt, die neu im Slug-Club waren. „Darf ich Ihnen Miss Chantal Moody, die Tochter von Alastor Moody, dem bekannten Auroren, vorstellen? Eine der besten Schülerinnen ihres Jahrgangs und Vertrauensschülerin von Slytherin. Von ihr wird man noch Großes hören.“ So ging das in einer Tour. Ich kam mir immer mehr wie ein Ausstellungsstück vor, das vorgeführt wurde. „Wie geht es eigentlich Ihrem Vater, Miss Moody?“ fragte Slughorn schließlich. „Ich habe ihn schon mehrmals eingeladen, einmal als mein Ehrengast zu einer meiner Parties zu kommen, aber bisher hat er immer abgelehnt, weil er keine Zeit hätte.“ „Papa geht es gut“, antwortete ich. „Aber er ist sehr beschäftigt. Für Einladungen hat er einfach keine Zeit.“ Im Stillen musste ich mir ein Grinsen verkneifen. Pa hatte mir nämlich einmal von Slughorns Einladungen erzählt. „Könntest du dir mich auf einer dieser Parties zusammen mit Slughorns Günstlingen vorstellen?“ fragte er, und er begann zu lachen. Allein bei dieser Vorstellung konnte ich nicht anders als ebenfalls lachen. „Schon schlimm genug, dass ich das ertragen muss“, antwortete ich. „Aber immerhin stehe ich bei ihm Ohnegleichen, und dafür kann ich das schon aushalten.“
Ich ergriff die erste Gelegenheit, mich zu verabschieden, ohne unhöflich zu sein, und erklärte, noch Hausaufgaben machen zu müssen. Dies war nicht einmal gelogen, denn an manchen Tagen bekamen wir soviel auf, dass ich tatsächlich auch noch am Abend über meinen Büchern sitzen musste.
Zwischenzeitlich war es Oktober geworden, und mein sechzehnter Geburtstag stand bevor. Dieser fiel unmittelbar mit einem der Hogsmeade-Besuchstage zusammen. Daher hatte ich geplant, mit den Jungs und den Freundinnen von Remus und Sirius nach Hogsmeade in die „drei Besen“ zu gehen und dort zu feiern. Mit den Mädchen in meinem Schlafsaal würde ich dann eine eigene kleine Feier machen. Sie legten keinen Wert darauf, mit den Jungen zusammenzukommen, obwohl ich mehr als einmal beobachtet hatte, dass Evalina Sirius nachgeblickt hatte. Aber Sirius hatte nie irgendwelches Interesse an Evalina gezeigt und sogar geäußert, sie wäre ihm zu eingebildet. Und dies konnte man von Penelope wirklich nicht sagen. Und auch mit Milena verstand ich mich gut. So waren wir nun häufig alle zusammen unterwegs.
Ich unterhielt mich darüber mit meinen Freunden, und sie waren von meinem Plan begeistert. „Dann können wir auch wieder einkaufen gehen“, meinte Sirius. „Ich war schon so lange nicht mehr bei Zonko´s.“ „Wieder Streiche im Kopf?“ fragte ich und kicherte. „Irgendwie haben wir Filch zu lange in Ruhe gelassen“, antwortete Sirius. „Ich musste vorgestern schon wieder Putzdienst ohne Zauberstab im Pokalzimmer machen, nur wegen einem bisschen Zaubern auf dem Korridor.“ „Ja, und mich hat er nach wie vor auf dem Kieker“, ergänzte ich. „Ich musste gestern den Korridor im ersten Stock putzen, weil ich Mrs. Norris in das Mädchenklo der Maulenden Myrte eingesperrt habe. Die blöde Katze war klatschnass, als Filch sie endlich gefunden und befreit hat, weil Myrte wieder mal das Klo geflutet hat. Dabei habe ich gar nicht gemerkt, dass dieses Katzenvieh mir nachgeschlichen ist. Es war also noch nicht mal meine Schuld. Aber zum Glück weiß Filch noch immer nicht, dass ich mich beim Putzen nicht anstrengen muss.“ „Was wolltest du denn bei Myrte?“ fragte James. „Ach, nichts weiter. Ich war nur neugierig, als ich von ihr gehört habe“, erzählte ich. „Aber ich werde mich hüten, dieses Klo noch mal zu betreten. Das ist ja eine Heulsuse der schlimmsten Sorte.“ „Ja, deswegen geht dort auch kaum jemand hin“, sagte James.
Wir unterhielten uns weiterhin über den nächsten Besuchstag in Hogsmeade. Auch ich hatte vor, einkaufen zu gehen. Besonders der Honigtopf war immer eines meiner Ziele, denn ich war eine Naschkatze. Und außerdem wollte ich auch für meine kleine Party im Schlafsaal einkaufen. Und ein paar Scherzartikel wollte ich natürlich auch besorgen, denn auch ich stellte immer noch gerne was an.
Mein Geburtstag begann damit, dass direkt drei Eulen zu meinem Platz am Frühstückstisch kamen. Außer Jolanda erkannte ich die Eule meines Vaters und die von Onkel Malcolm und Tante Viola. Jede der Eulen trug einen Brief und ein Paket. Ich öffnete zuerst das Päckchen, das Jolanda brachte. Es war von Fabian. Es enthielt eine Kette mit einem Medaillon, in dem ein Bild von Fabian war. In seinem Brief schrieb er: „Damit du mich nicht vergisst, wenn wir uns so lange nicht sehen können.“ Ich legte mir die Kette gleich um. Als wenn ich Fabian je vergessen könnte! Ich hatte solche Sehnsucht nach ihm!
Als nächstes öffnete ich das Paket von Pa. Von ihm erhielt ich einige Bücher, die ich mir gewünscht hatte. Von Tante Viola erhielt ich einen hübschen Umhang, den ich sehr gut zum Ausgehen tragen konnte. Anscheinend hatte meine Tante auch bemerkt, dass ich mich inzwischen mädchenhafter kleidete. Ich beschloss, den Umhang an meinem Hogsmeade-Ausflug zu tragen.
In bester Stimmung brach ich später mit den anderen nach Hogsmeade auf. Zuerst gingen wir zu Zonko´s. James und Sirius kauften natürlich wieder im großen Stil ein, wobei sie immer wieder miteinander tuschelten und grinsten. Bestimmt hatten sie wieder allerlei Unfug vor. Aber auch ich nahm einige Dinge mit, von denen ich annahm, dass sie mir für das Schuljahr noch nützlich sein würden. Von einer Musterschülerin war ich immer noch weit entfernt.
Unsere nächste Station war natürlich der Honigtopf. Hier war ich voll in meinem Element. Während ich mir meine Naschereien sowie allerlei Sachen für meine Schlafsaal-Party zusammensuchte, hörte ich hinter mir eine gehässige Stimme: „ Hallo, Moody! Wie fett willst du eigentlich noch werden?“ Ich drehte mich um und erkannte Avery. Bei ihm waren Mulciber, Crabbe, Goyle und Snape. Alle feixten. Ich merkte, dass ich wieder ärgerlich wurde. Mussten diese Rüpel mir jetzt den Tag verderben?
Sirius legte mir die Hand auf die Schulter. „Lass dich nicht ärgern. Heute wollen wir Spaß haben. Und das lassen wir uns von diesen Trotteln nicht versauen.“
Wir gingen weiter in die „Drei Besen“. Sofort belegten wir einen der größeren Tische, bevor es zu voll wurde. Madame Rosmerta kam zu unserem Tisch. „Butterbier für euch alle?“ fragte sie. „Na klar doch!“ riefen wir. Wir amüsierten uns großartig.
Plötzlich wurden mir von hinten die Augen zugehalten. „Sirius, lass den Blödsinn!“ rief ich. „Seit wann heiße ich Sirius?“ hörte ich eine Stimme, die ich nur allzu gut kannte. Ich fuhr herum. „Fabian!“ rief ich und fiel ihm um den Hals. „Wie kommst du denn hierher? Ich dachte, du müsstest arbeiten.“ Fabian küsste mich zuerst lange und zärtlich. Dann sagte er: „Dein Vater hat mir für heute freigegeben, damit ich den Tag mit dir verbringen kann. Wir haben dir absichtlich nichts davon geschrieben, um dich zu überraschen.“ Ich kuschelte mich in Fabians Arme. „Die Überraschung ist euch gelungen“, sagte ich. „Du ahnst nicht, wie sehr ich mich darüber freue.“ Und ich küsste ihn wieder.
Fabian und ich blieben noch eine Weile bei meinen Freunden, dann verließen wir die „Drei Besen“, um noch ein wenig miteinander allein zu sein. Eine Weile spazierten wir durch Hogsmeade. Schließlich landeten wir in Madame Puddifoot's Café, einem Lokal, das ein beliebter Treffpunkt für Pärchen war. Hier blieben wir, bis es für mich Zeit war, nach Hogwarts zurückzukehren. Fabian begleitete mich noch bis zu den Ländereien. „Ich wünsche, ich könnte noch einmal Schüler hier sein“, seufzte Fabian. „Dann müssten wir uns jetzt nicht trennen.“ „Ja, das wäre schön“, seufzte ich. „Bis zu den Ferien ist es noch so lange.“ Der Abschied fiel uns beiden schwer, aber schließlich ging Fabian dann zurück. Ich sah ihm noch lange nach, bis ich ins Schloss hineinging.
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