
von ChantalMoody
Pa erwartete mich schon am Bahnhof. Ich lief auf ihn zu und umarmte ihn stürmisch. „Hallo, Kleines“, sagte er. „Alles gut gelaufen?“ „Ja, ich glaube, ich habe ganz ordentlich abgeschnitten“, antwortete ich. Dann sah ich mich um. „Wo ist Fabian? Warum ist er nicht mitgekommen?“ „Hier bin ich doch“, hörte ich eine Stimme hinter mir. Blitzschnell drehte ich mich um und umarmte und küsste ihn. „Ich habe dich so vermisst“, sagte ich. „Ich dich auch“, antwortete Fabian. „Jetzt haben wir ja eine lange Zeit für uns.“ Eine ganze Weile standen wir eng umschlungen, froh, dass wir wieder zusammen waren. Schließlich löste ich mich behutsam von ihm, um mich von meinen Freunden zu verabschieden. James und Sirius standen mit den Potters zusammen, und ich beobachtete, wie Sirius sich gerade mit einem Kuss von Penelope verabschiedete, bevor sie mit ihren Eltern davonging. Daneben standen Onkel Malcolm und Tante Viola und bei ihnen Remus und Milena. Tante Viola und Milena unterhielten sich miteinander. Vermutlich hatte Remus sie seinen Eltern gerade vorgestellt. Peter stand mit etwas abseits. Wieder einmal hatte ihn niemand abgeholt. Ich ging zu den Jungen hin und verabschiedete mich von ihnen. Dann ging ich zu Pa und Fabian zurück, und wir machten uns auf den Heimweg.
Zu Hause musste ich Pa und Fabian natürlich gleich ausführlich von den ZAG-Prüfungen erzählen. „Wie es aussieht, habe ich wohl nicht schlecht abgeschnitten“, meinte ich. „Na, siehst du!“ antwortete Pa. „Und hinterher fandest du es dann gar nicht mehr so schlimm, habe ich recht?“ „Das ist wahr“, sagte ich. „Ich fand es eigentlich halb so wild. Übrigens, meine Prüfung in Verteidigung gegen die dunklen Künste habe ich bei Professor Merrythought, deiner früheren Lehrerin, abgelegt.“ „Und, war sie mit dir zufrieden?“ fragte Pa. „Ja, das war sie“, antwortete ich. „Sie meinte, besser könnte man es nicht machen. Allerdings hat sie irgendwie an der Art und Weise, wie ich meine Zauber ausgeführt habe, erkannt, dass ich wohl vieles von dir gelernt habe. Sie hat aber versprochen, mit niemandem darüber zu reden. Hoffentlich hält sie Wort, sonst bekommen wir alle beide mächtigen Ärger.“ Vor Fabian konnten wir offen darüber reden, dass wir in den Ferien trainierten, denn wir hatten ihn darüber eingeweiht.
„Du kannst dir ziemlich sicher sein, dass sie kein Wort darüber sagen wird“, meinte Pa. „Schließlich hat sie es oft genug beklagt, wie sehr es mit dem Unterricht in Verteidigung gegen die dunklen Künste abwärts gegangen ist. Beim Ministerium hat sie sich ziemlich unbeliebt gemacht damit, dass sie angesichts der Tatsache des ständigen Lehrerwechsels in diesem Fach gefordert hat, dass Eltern ihre Kinder zu Hause unterrichten dürfen, sofern sie es können. Natürlich hat das Ministerium sich stur gestellt, und das trotz der Tatsache, dass es jederzeit zu einem Krieg kommen kann und jeder in die Lage kommen kann, angegriffen zu werden und sich verteidigen zu müssen. Allerdings bin ich mir sicher, dass auch andere Eltern, die sich der Gefahr bewusst sind, ihren Kindern einiges zu ihrem Schutz beibringen, soweit sie es können.“
„Ja, Gideon und ich haben auch mit unseren Eltern zu Hause geübt“, erzählte Fabian zu meiner Überraschung. „Aber so gute Kenntnisse wie du, Alastor, hatten sie natürlich nicht. Wir mussten in der Aurorenschule auch noch eine ganze Menge aufholen.“ „Ja, und es müsste diesen Sturköpfen beim Ministerium doch allmählich auffallen, wie sehr die Ausbildung der Kinder zu wünschen übrig lässt“, ergänzte Pa. „Ich wage nicht, mir vorzustellen, wie es erst sein wird, wenn es einmal zu einem Krieg kommen sollte.“ Besorgt hörte ich diesem Gespräch zu. „Glaubt ihr wirklich, dass es dazu kommen kann?“ fragte ich. „Ich fürchte, dass es jederzeit dazu kommen kann“, antwortete Pa. „Aber der Zaubereiminister steckt immer noch seinen Kopf in den Sand, obwohl inzwischen auch innerhalb des Ministeriums immer mehr Stimmen laut werden, dass endlich mehr unternommen werden muss.“ „Ja, und zwischenzeitlich können wir auch nichts weiter tun, als Augen und Ohren offen halten und Informationen sammeln“, ergänzte Fabian. „Wir haben zwar inzwischen sowohl innerhalb als auch außerhalb des Ministeriums unsere Leute sitzen, aber es sind einfach noch zu wenige.“ „Ja, und wir müssen so vorsichtig sein, wen wir einweihen und wen nicht“, meinte Pa. „Solange wir nicht wissen, wo innerhalb des Ministeriums die undichten Stellen sitzen, müssen wir aufpassen, wem wir vertrauen können.“ „Was hältst du zum Beispiel von diesem Dawlish?“ fragte Fabian. „Ich kann mir nicht helfen, aber ich mag den Mann einfach nicht.“ „Ganz offen gesagt, ich traue ihm nicht von hier bis da“, antwortete Pa. „Aber bisher habe ich noch nichts herausgefunden, was darauf hinweist, dass er der anderen Seite Informationen weitergibt. Bisher habe ich nur herausgefunden, dass er ein Muggelhasser ist, aber da gibt es im Ministerium gar nicht so wenige.“ „Ja, teilweise nimmt die Hetzerei gegen Muggel und Muggelgeborene sehr zu“, meinte Fabian. „Und ich vermute, dass dahinter Methode steckt.“
„Ich habe übrigens von Professor Dumbledore etwas erfahren“, wandte Pa sich an mich. „Und zwar soll es im Lauf dieses Schuljahres wesentlich mehr zu Geläster und Schikanen gegen Muggelgeborene gekommen sein. Die Slytherins waren zwar immer gegen Muggelgeborene eingestellt, aber in der letzten Zeit soll es schlimmer geworden sein. Wie siehst du das?“ „Ja, das kann ich nur bestätigen“, antwortete ich. „Es hat genaugenommen bereits bei der Hinfahrt nach Hogwarts angefangen. Ich hatte mich als Vertrauensschülerin natürlich vor allem um die Erstklässler zu kümmern. Und es waren einige dabei, die recht ängstlich wirkten, als wenn sie nicht wüssten, was sie erwartet. Und dies war tatsächlich der Fall, denn es handelte sich um muggelstämmige Kinder. Ich habe mich dieser Kinder angenommen und ihnen von Hogwarts erzählt, und dabei hat mich Avery, der mit mir zusammen Vertrauensschüler ist, gestört und ziemlich wortwörtlich gesagt, dass es doch nur eine Slytherin fertig bringen würde, sich mit Schlammblütern abzugeben, nämlich das französische Halbblut Chantal Moody . Er benutzte diese verächtlichen Ausdrücke tatsächlich vor den Kindern.“
„Avery? Das muss der Sohn von diesem Daniel Avery sein, der auch zu dem Kreis von Schülern gehörte, mit denen sich dieser Riddle während seiner Schulzeit abgegeben hat. Bisher konnten wir ihm allerdings nichts nachweisen, außer dass er gerne Hetzreden gegen Muggelstämmige führt, und das reicht natürlich nicht aus. Aber dazu passt es natürlich, dass sich sein Sohn jetzt an der Schule genauso verhält. Und bei den Slytherins mit ihrer Einstellung, die sie oft genug bereits von klein an von ihren Eltern mitbekommen haben, finden solche Leute eben ein offenes Ohr.“ „Ja, das ist wahr“, sagte ich. „Ich selber habe auch in der letzten Zeit so einiges an dummen Sprüchen zu hören bekommen. Und das sogar von den Mädchen in meinem Schlafsaal. Aber da stehe ich drüber. Ich bin, was ich bin, und wem es nicht passt, dem kann ich auch nicht helfen.“
„Eine sehr vernünftige Einstellung“, meinte Fabian. „Ganz ehrlich gesagt, mich wundert es wirklich, dass ausgerechnet du eine Slytherin geworden bist. Du bist völlig anders als jede Slytherin, die ich je gekannt habe.“ „Ich wundere mich bis heute, dass du ausgerechnet nach Slytherin eingeteilt wurdest“, sagte Pa. „ Und, das muss ich heute zugeben, anfangs war ich deswegen auch ein wenig besorgt. Gerade mit dem, was du unter den Muggels durchgemacht hast, hättest du dich leicht zu einer Muggelhasserin entwickeln können. Und, ich muss gestehen, auch Dumbledore teilte zunächst meine Befürchtungen.“
„Ja, ich erinnere mich“, antwortete ich. „Er sah irgendwie so besorgt zu mir herüber. Und ich wusste damals nicht einmal, warum.“ „Ja, wir befürchteten, dass du unter den Einfluss von diesen Muggelfeinden geraten könntest“, erklärte Pa. „Aber allem Anschein nach hast du dich während deiner ganzen Schulzeit von diesen Leuten ferngehalten, obwohl sie immer mehr Anhänger finden.“ „Ich mochte sie einfach nicht“, erwiderte ich. „Und außerdem bestimme ich immer noch selber, mit wem ich mich anfreunde und mit wem nicht. Schließlich habe ich mich mit den Jungs bereits bei der ersten Fahrt nach Hogwarts angefreundet, ich konnte wohl schlecht zu ihnen sagen, dass ich nicht mehr mit ihnen befreundet sein will, nur weil ich eine Slytherin geworden bin. Und ich würde sagen, wir haben im Laufe der Jahre hinreichend bewiesen, dass auch zwischen den Mitgliedern verschiedener Häuser Freundschaften möglich sind.“
„Ja, das habt ihr, und das ist sehr selten“, meinte Pa. „Wenn es nicht heißen würde, dass der Sprechende Hut sich nie irrt, würde ich sogar denken, du wärest im falschen Haus gelandet.“ „Du wirst es kaum glauben, diese Gerüchte gab es tatsächlich schon“, sagte ich. „Halbblut, halbe Ausländerin und noch dazu Aurorentochter, untypischer kann eine Slytherin wohl kaum sein. Noch dazu, wenn sie dann auch noch ständig mit Gryffindors abhängt.“ „Es gab vereinzelt immer wieder einmal Fälle, in denen es hieß, der Sprechende Hut hätte sich wohl geirrt“, meinte Pa. „Und letztendlich weiß niemand ganz genau, wonach er seine Entscheidungen trifft. Na klar, es geht um die verschiedenen Charaktereigenschaften, auf die die vier Gründer von Hogwarts besonderen Wert gelegt hatten. Aber natürlich ist es praktisch nie so, dass der eine Mensch ausschließlich diese und der andere ausschließlich jene Eigenschaften besitzt. Und außerdem können sich so junge Menschen immer noch nach der einen oder der anderen Seite hin entwickeln. Und ich habe meine Zweifel, dass der Hut in die Zukunft sehen kann. Er sieht wahrscheinlich die Schüler nur, wie sie in dem Moment sind, in dem sie ausgewählt werden.“
„Hauptsache, du bleibst so, wie du bist“, warf Fabian ein. Geradeheraus, manchmal ein kleiner Hitzkopf, aber genau die Frau, die ich liebe.“ „Ich liebe dich auch, Fabian“, antwortete ich. „Um so schlimmer war es für mich, so lange von dir getrennt zu sein. Aber jetzt haben wir ja meine ganzen Ferien für uns.“
„Hm, da gibt es noch etwas, worüber wir reden müssen, Chantal“, sagte Pa. „Ich muss nächste Woche noch einmal eine kürzere dienstliche Reise machen. Nach Frankreich. Nichts Aufregendes, ich muss lediglich ein paar Gespräche mit dem Leiter des französischen Aurorenbüros führen. Es geht um Zusammenarbeit bei länderübergreifenden Fahndungen. Ich muss also auf jeden Fall selber hinreisen. Ich habe zuerst daran gedacht, dich wieder zu Malcolm und Viola zu schicken. Aber dann habe ich mir gedacht, vielleicht würdest du gerne mitkommen. Wir würden in Beauxhavre wohnen, das ist das Magierdorf, von dem ich dir schon einmal erzählt habe. Du hast es nie gesehen, obwohl es an deinen Heimatort grenzt. Aber ich habe mir gedacht, du würdest es vielleicht gerne einmal kennenlernen. Wir würden etwa eine Woche bleiben. Was hältst du davon?“
Damit hatte ich nicht gerechnet. Und ich war hin- und hergerissen. Einerseits würde es mir schwer fallen, mich schon wieder von Fabian trennen zu müssen, wenn auch nur für so kurze Zeit. Andererseits war ich neugierig und hätte das französische Gegenstück zu Hogsmeade zu gerne einmal gesehen. Ich wusste zunächst nicht, wofür ich mich entscheiden sollte. Aber schließlich sagte ich: „Ja, ich möchte gerne mitfahren. Ich hoffe, Fabian, du hast nichts dagegen. Aber ich möchte zu gerne nach all den Jahren meine Heimat einmal wiedersehen.“ „Fahr ruhig, Liebes“, antwortete Fabian. „es sind ja nur ein paar Tage, dann kommst du ja wieder. Und dann haben wir immer noch eine längere Zeit für uns.“
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