
von ChantalMoody
Ich war froh, als ich das Grenzhaus durchschritten hatte und mich wieder in Beauxhavre befand. Sofort ging ich zurück ins „Les Flamants“ und begab mich in mein Zimmer. Merkwürdigerweise empfand ich kaum Trauer über den Tod meiner Mutter. Sie war mir im Laufe der Jahre wohl doch zu fremd geworden. Und dies nicht erst seit meinem Weggang aus Saintes-Maries. Ich sah auch ein, dass ich für meine Halbbrüder nichts tun konnte. Wahrscheinlich hatten sie mich ohnehin bereits vergessen, und wenn nicht, würden meine Großeltern ihnen schon so viel Schlechtes über mich erzählt haben, dass sie vor mir Angst haben würden, genau wie damals die Dorfkinder. Es war einfach besser, wenn ich sie in Ruhe ließ.
Als Pa zurückkam, sah er mir sofort an, dass ich schlechte Nachrichten bekommen hatte. Als ich ihm erzählte, was ich von meiner früheren Nachbarin erfahren hatte, war er schockiert. „Das tut mir leid, Kleines“, sagte er. „Aber ich habe einfach kein Verständnis für Menschen wie deine Großeltern. Du sagst, sie haben schon lange davon gewusst, was bei euch los war. Und trotzdem haben sie euch nicht geholfen. Solche Hartherzigkeit ist mir einfach zuviel.“ „Mir auch“, erwiderte ich. „Ich will mit ihnen jedenfalls nichts mehr zu tun haben. Für mich gibt es dort nichts mehr, wohin ich noch einmal zurückkehren möchte.“ „Das sehe ich genauso, Kleines“, sagte Pa. „Sie haben dich einfach nicht verdient. Aber du weißt, dass du noch andere Menschen hast, die dich so lieben, wie du bist. Du brauchst diese Leute nicht.“ „Da hast du recht, Pa“, sagte ich. „Solche Menschen brauche ich nicht.“
Die restlichen Tage, die Pa noch im französischen Zaubereiministerium zu tun hatte, blieb ich in Beauxhavre. Ich schrieb an Fabian einen Brief, in dem ich ihm alles erzählte, was ich erfahren hatte, und dass ich endgültig mit meiner Vergangenheit abgeschlossen hätte. Ich freute mich schon wieder darauf, wieder nach Hause zu kommen.
Drei Tage später reisten wir zurück, und ich war froh, wieder zu Hause zu sein. Am späten Nachmittag kam Fabian zu uns. Auch er war ganz erschüttert darüber, dass meine Reise einen so traurigen Verlauf genommen hatte. „“Kaum zu glauben, so etwas!“ sagte er. „Mit so einer Familie ist man wirklich gestraft.“ Er nahm mich in den Arm. „Aber jetzt sind wir ja wieder zusammen.“
Wie schon in den Ferien davor, waren Fabian und ich fast täglich zusammen. Allmählich begann ich, über die schlechten Nachrichten, die ich erhalten hatte, hinwegzukommen. Es gab aber auch so viele Dinge, die mich davon ablenkten. Wieder begannen die Besuche bei uns. So sah ich auch die Weasleys wieder. Molly hatte ihr drittes Kind inzwischen bekommen. Es war wieder ein Junge. Er hieß Percy. Bill und Charlie waren seit dem letzten Jahr ein ziemliches Stück gewachsen und inzwischen noch ungebärdiger geworden, und Molly hatte wie immer alle Hände voll zu tun, sie zu bändigen.
Natürlich bekam ich auch regelmäßig Briefe von meinen Freunden. Remus schrieb mir, dass er sich auch während der Ferien mehrmals mit Milena getroffen hatte. Aber er hatte ihr noch immer nichts von seinem Geheimnis erzählt. Er hatte Angst, dass sie sich von ihm trennen würde, wenn sie die Wahrheit erfahren würde. Auch ich war deswegen besorgt, besonders gerade deswegen, weil ich Remus dazu überredet hatte, mit Milena zu gehen.
Je näher das Ende der Ferien rückte, desto nervöser wurde ich, denn es war nun jeden Tag damit zu rechnen, dass die Schuleule kam und den Brief mit meinen Prüfungsergebnissen brachte. Anfangs war ich noch so zuversichtlich gewesen, gut abgeschnitten zu haben, aber inzwischen hatten die Zweifel wieder begonnen. Würde es wirklich reichen, oder musste ich meinen Wunsch, mich an der Aurorenschule zu bewerben, aufgeben? Pa und Fabian taten alles, um mir meine Selbstzweifel auszureden.
Als schließlich die Schuleule ankam, war ich so nervös, dass meine Hände zitterten und ich große Schwierigkeiten hatte, den Brief loszubinden. Ich öffnete ihn sofort. Nachdem ich den Brief gelesen hatte, atmete ich erleichtert auf. Ich hatte in allen Prüfungsfächern bestanden, in Verteidigung gegen die dunklen Künste, Zauberkunst und Zaubertränke mit Ohnegleichen, in Verwandlung, Pflege magischer Geschöpfe und Kräuterkunde mit Erwartungen übertroffen, und in Geschichte der Zauberei und Astronomie immer noch mit Annehmbar. Dies würde auf jeden Fall reichen, um mich an der Aurorenschule zu bewerben.
Pa war auch mehr als zufrieden, als ich ihm meinen Brief zeigte. „Da hast du besser abgeschnitten als ich“, gestand er. „In Zauberkunst habe ich es nur auf Erwartungen übertroffen gebracht.“ Auch Fabian freute sich für mich. „Na siehst du, ist doch ein Super- Ergebnis!“ meinte er und umarmte mich.
Am nächsten Tag erhielt ich einen Brief von James. Was er mir schrieb, damit hätte ich niemals gerechnet: Er war Schulsprecher geworden! ‚Na, toll!’ dachte ich. ‚Jetzt wird er sich wohl noch angeberischer verhalten als ohnehin schon.’ Denn James hatte manchmal wirklich eine Art an sich, die mich nervte.
Wenige Tage später war auch das Ende der Ferien wieder herangekommen, und wir befanden uns wieder auf dem Gleis 9 3/4. Wieder fiel uns der Abschied schwer. „Noch zwei Jahre, Liebes“, sagte Fabian. „Dann werden wir uns öfter sehen können. Denn an der Aurorenschule kannst du an den Wochenenden nach Hause. Und danach, wenn du deinen Abschluss dort gemacht hast, werden wir uns im Ministerium täglich sehen.“ „Ich kann es kaum erwarten, seufzte ich. „Muss Liebe schön sein!“ hörte ich hinter mir eine Stimme. Es war Sirius. „Du hast gut reden, Sirius!“ schimpfte ich. „Du kannst deine Freundin während des ganzen Schuljahres jeden Tag sehen. Bei Fabian und mir sind es jetzt wieder Monate, wo wir uns nicht sehen und uns nur schreiben können
.“ Im gleichen Moment kam James an, und, genau wie ich es schon befürchtet hatte, stolzierte er regelrecht daher und wirkte arroganter denn je. ‚Das kann ja heiter werden’, dachte ich im Stillen.
Mittlerweile waren es von uns also schon drei, die ins Vertrauensschüler-Abteil mussten. Sobald wir aber das Abteil betraten, blieb James vor Erstaunen der Mund offen stehen, denn diejenige, die mit James das Schulsprecher-Amt teilte, war niemand anderes als Lily Evans.
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