
von ChantalMoody
Eine furchtbare Nachricht
Drei Tage nach der Hochzeit war ich wieder in Hogwarts und voll in den Schulalltag eingespannt. Meine Tage waren ausgefüllt mit Hausaufgaben, Vertrauensschülerpflichten und dem Beantworten der Briefe, die ich bekam. Zum Glück hatten wir in diesem Jahr in Verteidigung gegen die Dunklen Künste einen recht fähigen Lehrer. Professor Tomms ging mit uns alle Zauber und Flüche durch, von denen er sagte, dass sie UTZ-relevant wären. So kam ich zumindest in diesem Schuljahr nicht in einen Rückstand mit meinem Training.
Meine Mitschüler schmiedeten bereits Pläne für ihre Zeit nach Hogwarts. Jennifer würde als Verkäuferin bei Flourish und Blotts arbeiten, Louella und Arabella wollten sich um Ausbildungsstellen im Zaubereiministerium bewerben. „Natürlich nicht so was Zeitaufwändiges wie deine Aurorenausbildung, Chantal“, sagten sie. „Noch mal drei Jahre Schule, das wäre doch zuviel des Guten.“ Evalina meinte: „Ich brauche mich mit so etwas wie Berufsausbildung zum Glück nicht herumzuschlagen. Meine Eltern haben schon einen passenden Mann für mich ausgesucht. Das ist in manchen reinblütigen Familien noch immer üblich.“
Als wir das hörten, konnten wir es nicht fassen, am allerwenigsten ich. „Sie haben einen Mann für dich ausgesucht?“, fragte Jennifer. „Und damit bist du einverstanden?“ Evalina zuckte mit den Schultern. „Es ist halt so bei uns“, meinte sie. Ich hatte zwar schon durch Sirius davon gehört, dass die Männer, die seine Kusinen Bellatrix und Narzissa geheiratet hatten, auch von der Familie ausgesucht worden waren, aber es auf diese Weise bestätigt zu bekommen, schockierte mich doch. Und noch schlimmer war es meiner Meinung nach, wie gleichmütig Evalina offenbar damit abfand.
„Ich würde mich nie gegen meinen Willen mit irgend jemandem verheiraten lassen“, erwiderte ich. „Du bist ein Halbblut“, meinte Evalina herablassend. „Und noch dazu ziemlich fragwürdiger Abstammung. Hätte Moody dich nicht anerkannt, was gar nicht so selbstverständlich ist, würde jeder dich für ein Schlammblut halten. Du dürftest sowieso in keine der reinblütigen Familien, die was auf sich halten, einheiraten.“ – „Ach, bin ich froh, dass mir das erspart bleibt!“, spottete ich. „Ich kann dir eines versichern, Evalina, ehe ich zu so etwas mein Einverständnis gäbe, würde ich eher davonlaufen.“ Und mit diesen Worten ließ ich sie einfach stehen.
Zwei Monate nach der Hochzeit von James und Lily erhielt ich von Pa eine schreckliche Nachricht. „Dieser Wahnsinn nimmt kein Ende“, schrieb Pa. „Gestern Nacht wurden die Potters von einer Gruppe Todesser überfallen. Es waren mindestens zehn Mann. Voldemort selber war unter ihnen. Lily hat es noch geschafft, über das Flohnetzwerk die Auroren zu alarmieren, aber als wir eintrafen, hatten sie Charles bereits getötet. Clarissa wurde schwer verletzt. Sie liegt im St. Mungo´s, und es ist sehr fraglich, ob sie durchkommen wird. James und Lily konnten mit knapper Mühe entkommen. Es ist uns gelungen, vier Todesser zu verhaften, zwei weitere wurden getötet, der Rest, einschließlich Voldemort selbst, konnte uns durch Apparieren entkommen. Ich habe dir ja in den Weihnachtsferien von diesen Drohbriefen erzählt. Zwei Tage vor der Hochzeit haben Charles und Clarissa wieder einen bekommen. Sie wurden übelst beschimpft, wegen James´ Hochzeit mit einer Muggelstämmigen.“
Ich war sprachlos vor Entsetzen. Zum ersten Mal erlebte ich, dass einer der Überfälle, von denen wir ständig hörten, Menschen betraf, die ich kannte. Ausgerechnet die Potters, nette Leute, die keinem Menschen etwas zuleide getan hatten! Ich schrieb sofort einen Brief an James, in dem ich ihm alles Gute für seine Mutter wünschte. Zwei Tage später erhielt ich dann von James eine Antwort, dass sie ihre schweren Verletzungen nicht überlebt hatte. „Glaube es mir, Chantal“, schrieb James. „Ich werde alles dran setzen, dass diese Schweine ihrer gerechten Strafe nicht entgehen werden. Und wenn es mich das Leben kosten sollte.“ Ich hatte volles Verständnis für James, denn auch ich empfand puren Hass. Dabei hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Ahnung, wie viel Wut und Hass ich im Laufe der nächsten Jahre noch entwickeln würde.
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