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Fanfiction

Hogwarts nach der Schlacht - Eine Lehrerin erzÀhlt - Die ErstklÀssler

von ChantalMoody

Die ErstklÀssler

Nach der Stunde mit den SiebtklĂ€sslern hatte ich zunĂ€chst Pause bis nach dem Mittagessen, danach sollte ich die ErstklĂ€ssler unterrichten, und zwar Gryffindors und Slytherins zusammen. Ich seufzte, als ich an die Unruhe beim Empfang der neuen SchĂŒler dachte. Hoffentlich kam es nicht bereits jetzt zu Feindseligkeiten. Es musste doch möglich sein, dass irgendwann die Menschen aus ihren eigenen Fehlern lernten! Aber ich wĂŒrde schon ein paar passende Worte mit den SchĂŒlern reden, wenn es notwendig wĂ€re.

Beim Mittagessen blickte ich zu den Haustischen hinĂŒber. Die Stimmung war im Großen und Ganzen friedlich. Jedenfalls war von Streitereien nichts zu erkennen. Minerva folgte meinem Blick. „Ich habe heute in meiner Verwandlungsstunde schon erklĂ€rt, dass so ein Benehmen, wie es gestern bei der Einteilung gelaufen ist, hier nicht geduldet wird und dass wir aus unseren alten Fehlern lernen mĂŒssen. Vielleicht kannst du ja deinen SchĂŒlern nachher auch noch ein paar passende Worte sagen. Immerhin bist du selber eine Slytherin gewesen und bist nicht nur niemals auf der Dunklen Seite gewesen, sondern hast gegen das Böse gekĂ€mpft, genau wie dein Vater und schon Generationen von Moodys vor dir.“

„Und ich bin auch niemals eine Muggelhasserin gewesen“, ergĂ€nzte ich. „Schließlich sind nicht alle Muggels wie meine charakterschwache Mutter, mein brutaler Stiefvater und meine bigotten Großeltern.“ „Ja, du hast GlĂŒck gehabt“, entgegnete Minerva. „Wer weiß, was fĂŒr ein Mensch du geworden wĂ€rest, wenn Alastor nicht bereit gewesen wĂ€re, dich anzuerkennen. Auf dich alleine gestellt, und das auch noch in Slytherin, hĂ€ttest du dich vielleicht ganz anders entwickelt.“

„Ich darf gar nicht daran denken, Minerva“, sagte ich. „Mir vorzustellen, ich wĂ€re böse geworden und hĂ€tte vielleicht, ohne es zu wissen, gegen meinen eigenen Vater und meinen Cousin gekĂ€mpft, ist fĂŒr mich ein absoluter Horrorgedanke. Einen liebevolleren Vater hĂ€tte ich gar nicht haben können. Und Remus hat seine Aufgabe, sich um mich zu kĂŒmmern, sehr ernst genommen. Er war fĂŒr mich wie ein großer Bruder.“

„Alastor mag seine Fehler gehabt haben, Chantal“, erwiderte Minerva. „Und seine Frauengeschichten in jungen Jahren mögen einer davon gewesen sein. Ich habe dir ja schon kurz vor deinem Schulabschluss davon erzĂ€hlt, dass schon zu unserer gemeinsamen Schulzeit die MĂ€dchen hinter ihm her waren. Aber er hĂ€tte dich niemals im Stich gelassen. Er war nicht der Mann, eine Verantwortung einfach abzulehnen. Und Remus, er war immer der VernĂŒnftigste von den Rumtreibern. Nur schade, dass es ihm nie gelungen ist, auch seinen Freunden mal ein bisschen mehr Vernunft beizubringen. Aber fĂŒr ihn war es Ehrensache, sich um seine kleine Kusine zu kĂŒmmern.“

„Ja, ich bin mit ihm und seinen Freunden zusammen im gleichen Abteil gereist, als ich das erste Mal nach Hogwarts kam“, erzĂ€hlte ich. „Seine Freunde waren zunĂ€chst gar nicht besonders begeistert davon, ganz besonders Peter nicht. Aber das hat sich bei James und Sirius schnell geĂ€ndert. Vermutlich fanden sie mich interessant, wegen meiner Lebensgeschichte und meinen FĂ€higkeiten, die ich bereits damals besaß. Mit Peter wurde ich nie richtig warm, obwohl er mir manchmal leid tat. Aber dass ausgerechnet er zum VerrĂ€ter wurde, hĂ€tte ich ihm trotzdem niemals zugetraut.“

„In mancher Beziehung konnte Peter einem auch leid tun“, erwiderte Minerva. „James und Sirius brauchten ihn vor allem als Publikum fĂŒr sich selber. Und so wird in all den Jahren ein Groll auf seine Freunde herangewachsen sein. Aber Peter ist das beste Beispiel dafĂŒr, dass nicht nur Slytherins auf die Dunkle Seite wechseln.“ – „Ja, und Barty Crouch jr.“, ergĂ€nzte ich. „Ein Ravenclaw und ein exzellenter SchĂŒler. Und böser als er konnte ein Mensch nicht mehr sein. Wenn ich daran denke, was er Vater angetan hat.“

„Und welch ein toller Schauspieler“, meinte Minerva. „Albus und ich haben uns noch lange die allergrĂ¶ĂŸten VorwĂŒrfe gemacht, weil wir nichts gemerkt haben. Schließlich haben wir Alastor schon seit vielen Jahren gekannt.“ – „Und ich habe auch nichts gemerkt“, erwiderte ich. „Seine Briefe klangen so echt. Über einige Dinge habe ich sogar schallend gelacht. Vielleicht wĂ€re mir etwas aufgefallen, wenn wir uns in diesem Zeitraum einmal von Angesicht zu Angesicht gegenĂŒbergestanden hĂ€tten. Aber dies hĂ€tte ich wahrscheinlich nicht ĂŒberlebt. Er war schließlich sogar skrupellos genug, seinen eigenen Vater umzubringen, da hĂ€tte er vor einem weiteren Mord garantiert nicht zurĂŒckgeschreckt.“ - „Ganz bestimmt nicht vor dem Mord an einer der am besten ausgebildetsten Aurorinnen des Zaubereiministeriums“, ergĂ€nzte Minerva. „Vermutlich hĂ€tte er dich schneller umgebracht, als wie jemand Quidditch sagen kann.“ Danach schwiegen wir beide, jeder von uns mit den Gedanken an die uns nahestehenden Menschen beschĂ€ftigt.

Nach dem Mittagessen machte ich mich auf zu meiner ersten Unterrichtsstunde mit den ErstklĂ€sslern. Sobald ich das Klassenzimmer erreichte, sah ich, dass sie alle schon vor der TĂŒr standen und warteten. In den Gesichtern dieser Kinder war die pure Neugier geschrieben, und ich war bereits darauf gefasst, eine Menge Fragen beantworten zu mĂŒssen.

Kaum dass wir das Klassenzimmer betreten hatten, eilten die Kleinen sofort auf ihre PlĂ€tze. Es war mucksmĂ€uschenstill im Raum, als ich mich schließlich vorstellte. „Ihr habt es gestern Abend schon gehört, ich bin Chantal Moody und ab heute eure Lehrerin in Verteidigung gegen die Dunklen KĂŒnste. Und da ihr offenbar eine Menge Fragen habt, die ihr mir stellen wollt, dann stellt sie am besten jetzt.“

Sogleich erhoben sich eine Menge HĂ€nde, und die Fragen prasselten nur so auf mich ein. „Sind Sie eine Verwandte von Alastor Moody?“- „Ja, das ist richtig. Ich bin Alastor Moodys Tochter.“

„Und Sie waren auch eine Aurorin?“ – „Ich bin es immer noch. Das Zaubereiministerium hat mich zwar auf eigenen Wunsch langfristig an Hogwarts als Lehrerin ausgeliehen, allerdings bin ich dort nicht vollstĂ€ndig ausgeschieden. Ich arbeite noch immer fĂŒr das Ministerium, indem ich mittwochs weiterhin als Aurorenausbilderin tĂ€tig bin. Deswegen gebe ich mittwochs auch keinen Unterricht in Hogwarts. Ich unterrichte in der Aurorenschule Duellieren und FlĂŒche. Das konnte ich dem Zaubereiminister nicht abschlagen, da es mittlerweile, bedingt durch die beiden Kriege, nicht mehr allzu viele Auroren gibt. Bereits im ersten Krieg sind viele Auroren gefallen. Durch diese Probleme, die es in Hogwarts damit gegeben hat, wirklich gute Lehrer fĂŒr Verteidigung gegen die Dunklen KĂŒnste zu finden, waren sie zu einem großen Teil nicht ausreichend ausgebildet. Die Trainer an der Aurorenschule taten was sie konnten, aber jahrelange RĂŒckstĂ€nde konnten einfach nicht wettgemacht werden. Mich hat mein Vater bereits wĂ€hrend meiner Schulzeit selber ausgebildet, hinter dem RĂŒcken des Ministeriums, damit ich frĂŒhzeitig lernte, mich zu schĂŒtzen. Und in der zeit nach dem Krieg wurden zu wenige neue Auroren ausgebildet, da sich im Zaubereiministerium einige Leute zu sicher fĂŒhlten.“

„Stimmt das, was man erzĂ€hlt, dass Ihr Vater in den letzten Jahren seines Lebens verrĂŒckt war? Dass er unter Verfolgungswahn gelitten hat?“, fragte schließlich ein MĂ€dchen aus dem Haus Slytherin.

Ich seufzte. Fing das schon wieder an? Einige Tage nach dem Kampf um Hogwarts war erst auf Kingsleys Betreiben hin ein Artikel ĂŒber meinen Vater im Tagespropheten erschienen, in dem sein Tod, den das Zaubereiministerium bis dahin verschwiegen hatte, bekannt gegeben wurde. In diesem Artikel wurde auch ĂŒber die Machenschaften berichtet, mit denen das Zaubereiministerium zu den Zeiten, als Cornelius Fudge noch Zaubereiminister gewesen war, meinen Vater nur deswegen in Verruf gebracht hatte, weil er nicht im gleichen Maße den Kopf in den Sand steckte, wie es zu viele andere taten. Von vorneherein hatte er gesagt, dass mit dem unerklĂ€rlichen Verschwinden Voldemorts in der Halloweennacht von 1981, als James und Lily Potter von Voldemort getötet wurden und ihr Sohn Harry wie durch ein Wunder ĂŒberlebt hatte, keineswegs alles vorbei und Voldemort nicht tot war. Es war einfach viel bequemer, meinen Vater, angeblich wegen seiner Verletzungen, in den Ruhestand abzuschieben und im Anschluss daran mit GerĂŒchten ĂŒber seinen geistigen Zustand seinen Ruf zu untergraben. Einige Jahre wiederholte sich fast dasselbe Spiel mit Harry und Dumbledore nach den VorfĂ€llen beim Trimagischen Turnier. Als Fudge schließlich erkennen musste, dass sowohl mein Vater als auch Dumbledore und Harry recht hatten, war es lĂ€ngst zu spĂ€t.

„Er war keineswegs verrĂŒckt“, antwortete ich daraufhin. „Nicht verrĂŒckter als Dumbledore und Harry, ĂŒber die auch solche GerĂŒchte im Tagespropheten verbreitert wurde. Wie ihr an der jĂŒngsten Geschichte erkennen könnt, hatten alle drei nicht unrecht, als sie erklĂ€rten, dass der Horror keineswegs vorbei war. Wahrscheinlich könnten viele von den Menschen, die im zweiten Krieg gefallen sind, noch leben, wenn man auf sie gehört hĂ€tte.“ Ich schwieg fĂŒr einen Moment, da in mir ein Teil der alten Verbitterung wieder hochkam, wenn ich an all die Verstorbenen dachte, von denen ich viele gut gekannt hatte.

„Und was den Verfolgungswahn angeht, es ist zwar richtig, dass mein Vater in den letzten Jahren seines Lebens ĂŒbervorsichtig und schreckhaft wurde, oder kauzig, wie manche sagen. Aber ich wĂŒrde manche von diesen LĂ€stermĂ€ulern gerne sehen, wenn auf sie im gleichen Maße ausgesprochen reale AnschlĂ€ge verĂŒbt wĂŒrden. Das, was vor vier Jahren passiert ist, war nicht der erste Anschlag, der in Zeiten von angeblichem Frieden von Todessern auf meinen Vater verĂŒbt wurde. Ihr wart zu der Zeit, als gegen die verhafteten Todesser vor dem Zauberergamot verhandelt wurde, noch nicht geboren, daher könnt ihr nicht wissen, dass einige der Verletzungen, die mein Vater erlitten hat, keineswegs aus dem Krieg stammten.“

Nach diesen Worten hielt ich einen alten Artikel aus dem Tagespropheten hoch, in dem ĂŒber die Verhandlung gegen die Lestranges und Barty Crouch jr. Berichtet wurde. Neben einigen anderen Bildern war ein Bild der Zuschauer der Verhandlung zu sehen. „Hier, schaut, mein Vater sitzt dort direkt neben Dumbledore. Schaut genau hin, und sagt mir dann, was euch auffĂ€llt.“

Ein Junge aus dem Haus Gryffindor hob die Hand. „Auf diesem Bild hatte er dieses seltsame Auge noch nicht“, sagte er. „Richtig“, erwiderte ich. „Und zum Zeitpunkt der Verhandlung war der Krieg schon lange vorbei. Es ist auf diesem Bild nicht erkennbar, weil die Zuschauer alle sitzen, aber zu dem Zeitpunkt hatte mein Vater auch noch zwei heile Beine. Mich selber hat der gleiche Fluch, der uns wahrscheinlich beide von unseren Besen fegen sollte, nur gestreift.“ Mit diesen Worten hob ich meinen Umhang soweit an, dass die SchĂŒler die Narben an meinen Beinen sehen konnten.

Ich sah, dass einige der Kinder ziemlich erschrocken auf meine Beine starrten. Ich konnte es gut verstehen, denn da mein Gesicht bis auf eine kleine Narbe an meiner rechten Wange unversehrt war, musste dieser Anblick natĂŒrlich ein Schock sein. Ich wartete ab, bis die Klasse sich wieder ein wenig beruhigt hatte. Dann fragte ich: „Möchte noch jemand von euch etwas fragen? Ansonsten wĂŒrde ich nĂ€mlich gerne erklĂ€ren, was ich in der nĂ€chsten Zeit mit euch durchnehmen werde.“

Das Slytherin-MĂ€dchen, das mich gefragt hatte, ob mein Vater verrĂŒckt gewesen war und das Susanna Wilding hieß, hob noch einmal die Hand. „Ja, Miss Wilding?“ – “Warum haben Sie eigentlich den Posten als Leiterin der Aurorenzentrale abgelehnt?“ Ich zwang mich zu einem LĂ€cheln, als ich diese Frage beantwortete. „Warum hĂ€tte ich einen Posten annehmen sollen, den mein Vater zweimal abgelehnt hat? Dieser Posten ist ein reiner Schreibtischjob, und Kriege werden nicht am Schreibtisch gewonnen. Ich wollte viel lieber etwas nĂŒtzliches tun.“ Dies war nur die halbe Wahrheit, aber ĂŒber die andere HĂ€lfte war ich noch nicht bereit, mit diesen Kindern zu reden. Den vier SchĂŒlern, die ich fĂŒr den Nachmittag in mein BĂŒro eingeladen hatte, wĂŒrde ich natĂŒrlich auch das andere erklĂ€ren. Sie kannten mich immerhin ein wenig besser und wĂŒrden vermutlich meine GrĂŒnde verstehen.

Da anschließend keine Fragen mehr kamen, erlĂ€uterte ich meinen SchĂŒlern zunĂ€chst den Unterrichtsstoff der nĂ€chsten Monate. Diese Kinder mussten zunĂ€chst die grundlegenden Dinge erlernen, denn es gab in der Zaubererwelt auch im Alltag Gefahren, denen sie begegnen und vor denen sie sich schĂŒtzen mussten, wie beispielsweise Doxys, Irrwichte und Ähnliches. Mit diesen Dingen wĂŒrde ich anfangen. Ich sah, dass einige Gryffindor-SchĂŒler mich erstaunt ansahen, als ich von diesen Alltagsgefahren sprach. Vermutlich handelte es sich um muggelstĂ€mmige Kinder, die von all diesen Dingen noch nie gehört hatten. Ich konnte ihr Erstaunen sehr gut verstehen, denn auch ich hatte, da ich in den ersten elf Jahren meines Lebens in der Muggelwelt gelebt hatte, lernen mĂŒssen, dass auch in der Welt der Zauberer nicht alles eitel Sonnenschein war


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