
von annakarenina
Ihr Lieben! Dieses Kapitel ist in der Nacht entstanden und mein liebstes! Ich wünsche euch viel Freude damit, und möge es euch helfen die Zeit bis zu meiner Rückkehr schneller herumzubringen^^ Alles Liebe, annakarenina
Als Jolanda aufwachte war sie allein. Im ersten Moment freute sie sich, da das bedeuten musste, dass der Zauber zwischen ihr und Izzie verfallen war. Im zweiten Augenblick erschrak sie fürchterlich. Was war mit ihren Freunden passiert? Und im dritten Moment fing sie an, sich fürchterliche Sorgen zu machen. Siedend heiß war ihr eingefallen, was ihr Vetter 3. Grades am gestrigen Abend zu ihr gesagt hatte:
„Es wundert mich, dass ihr hier zwischen gelandet seid. Wisst ihr nicht um die Gerüchte, die hier nur flüsternd weitergegeben werden können?“
„Welche Gerüchte?“, fragte Jolanda argwöhnisch.
„Na ja, die mit“, es senkte die Stimme“, „die mit dem Vampir!“
Jolanda brach in Panik aus. Waren die Eulen ge-eul-nappt worden? Was sollte sie jetzt tun? Hektisch lief sie auf und ab.( Es mag den aufmerksamen Leser vielleicht wundern, wie heftig Jolanda auf die Entführung der Eulen reagiert. Aber obwohl sie die anderen bisweilen mit ihren Kommentaren bis zur Weißglut trieb, war sie im Herzen doch eine loyale und treue Ratte.)
Gerade war ihr der Gedanke gekommen, sie könne vielleicht Zeus informieren und um Hilfe bitten, als sie ein lautes Geräusch an der Tür hörte...
„Jetzt kommen sie mich holen“, dachte sie und fing gleichzeitig an, nach einer Fluchtmöglichkeit zu suchen. In ihrer Angst stolperte sie und blieb an einem rostigen Nagel, der aus einem Brett ragte, hängen.
„Ich bin erledigt. Ich bin so gut wie tot.“ Ähnliche deprimierte Gedanken machten sich in ihrem Kopf breit. „So jung und schon dem Tod so nahe...“, dachte sie wehmütig und ein bisschen selbstmitleidig.
Die große, hölzerne Stalltür schwang auf.
Und herein trat....ein muskulöser, stämmig gebauter Mann mit einer zarten, blonden Frau im Schlepptau.
„Ich kann ihn förmlich riechen, Gwenhyfar! Der Vampir muss hier gewesen sein!“
„Aber Schatz, meinst du nicht es ist unklug,“, sie schaute sich ängstlich um, „ hierher zu kommen? Wenn doch der Vampir bereits weg ist...“ Sie sah nicht so aus, als würde sie die Abwesenheit des Vampirs bedauern.
„Mein Augenstern, ich glaube du hast unsere Mission noch nicht ganz begriffen: Wir sollen den Vampir finden und zur Strecke bringen, und deswegen sind wir jetzt hier. Ich versuche zu rekonstruieren, was er wohl wollte, in diesem Stall. Nicht umsonst bin ich der gefürchtetste Vampirjäger weit und breit!“
Jolanda fand, es war an der Zeit, auf sich aufmerksam zu machen. Sie sah, dass von den Beiden keine Gefahr ausgehen würde.(Chinesische Wanderratten können die Auren von Menschen wahrnehmen; eine Gabe die zwar nicht bekannt, aber dafür umso nützlicher ist).
Also räusperte sie sich laut, (die Frage, wie eine Ratte sich räuspert übergehe ich hiermit elegant), so dass der Vampirjäger und seine Frau erschrocken herumfuhren.
„War da was Schatz?“, fragte Gwenhyfar ängstlich.
„Ja, meine Teuerste, da hat eben eine Chinesische Wanderratte gehustet („Gehustet, pff!“, dachte Jolanda)... Siehst du, dahinten liegt sie, ich glaube sie ist gestolpert.“
Ein äußerst scharfsinniger Mann, dachte Jolanda zynisch. Sie versuchte mit ihnen Kontakt aufzunehmen, und weil es Zauberer, beziehungsweise Vampirjäger waren, sprach sie gaaanz langsam, um sie nicht zu überfordern.
„Hallo“, sie dehnte das O, „Ich bin Jooolaaandaaa“
„Och wie süß!“, quiekte Gwenhyfar, “Ich glaube sie spricht unsere Sprache!“
Warum, fragte sich Jolanda, waren Menschen immer so ignorant zu glauben, dass das speziell IHRE Sprache war? Nun ja, sie war froh das die Kontaktaufnahme geklappt hatte.
„ Meine Liebe, ich glaube sie ist ein wenig schwer von Begriff, oder warum meinst du spricht sie so langsam? Hallo Ratte!“, wandte er sich Jolanda zu, „Ich bin Hartmut Fürcht-Mich( -Nicht) und das ist mein geliebtes Eheweib Gwenhyfar Fürcht-Mich (-Schon). Wir sind auf der Spur eines grausigen Vampirs, der diese Gegend in Angst und Schrecken versetzt hat!“
Auch Gwenhyfar sah bei dem Gedanken an den Vampir in Angst und Schrecken versetzt aus. Jolanda sprach langsam und in einfachen Sätzen, um es den Beiden Vampirjägern leichter zu machen, sie zu verstehen: „Ich brauche Hilfe! Meine Freunde, drei Eulen, sind, glaube ich, von dem Vampir entführt worden!“
Nachdem sie extrem lange für das Gespräch gebraucht hatten, einigten sie sich darauf, dass Jolanda erst einmal mit den Fürcht-Michs mitkommen würde. Sie bestiegen ein seltsames Gefährt, halb Kutsche, halb Automobil, und nach kurzer Fahrt näherten sie sich einem kleinen Häuschen, dass einer Knoblauch-Zehe erstaunlich ähnlich sah. Und tatsächlich, wie Jolanda später feststellte, war das Haus von innen wie von außen mit Knoblauch tapeziert. Angewidert rümpfte sie ihr Näschen, ein paar Tage bei den Fürcht-Michs und sie würde riechen wie Aioli ( Knoblauch haltige Sauce, die man zu Kräuterbrot isst). Der Schlachtplan der Fürcht-Michs war, dass sie später am Abend, zusammen mit Jolanda, die Residenz des Vampirs (Schloss Plüschpudel) aufsuchen, die Eulen retten und den Vampir stellen wollten.
Schließlich war alles bereit zum Aufbruch und Jolandas Barthaare fingen an vor Nervosität zu vibrieren.
Izzie wachte auf. Dunkel. Alles war so dunkel. Sein Kopf hämmerte, und er hatte ein Gefühl, als hätte er tagelang auf einem harten Stein geschlafen. Verwirrt und seine schmerzenden Glieder streckend richtete er sich auf.
Schnell gewöhnten Izzies Augen sich an die Finsternis. Er blickte sich neugierig um. Er (und mit einem Seitenblick stellte er fest, auch Esmeralda und Platon) waren in einem großen Gitterkäfig gefangen, der an einer Stahlkette aufgehängt war und frei im Raum hing. Der Raum war erstaunlich groß, so groß das Izzie die hohe Decke nicht erkennen konnte. Langsam wurden auch Esmeralda und Platon munter. Der Saal war angefüllt mit allerlei seltsamen Gerätschaften, deren Bedeutung Izzie nur erahnen konnte. Manche sahen aus wie altertümliche Foltergeräte, hie und da sah man einige Waffen herumstehen und die ein oder andere verrostete Rüstung. Überall hingen Spinnenweben und auf allem lag eine zentimeterdicke Staubschicht. Der Raum sah aus, als hätte er lange keinen Wischlappen mehr gesehen. Da keiner der dreien zu einem Plausch aufgelegt war beließen sie es dabei sich anzusehen. Sie hörten Geräusche aus einer weit entfernten Ecke des Zimmers. Izzie wollte lieber nicht so genau wissen, was das war.
Plötzlich hörten die Eulen ein schauriges Lachen. Laut hallte es wieder und wieder und wieder. Und dann, hörten sie den gruseligen Lacher husten, und dann fluchen.
„So ein verdammter Fledermausdreck! Nie werde ich das hinbekommen! Diese elendige Schule für furchtbar schaurige Schurken war sein Geld einfach nicht wert!“
Sie hörten Schritte näher kommen. Dann wurde eine gewaltige Eichenholztür aufgestoßen und ein kleiner, dicklicher Mann in einem schwarzen Umhang betrat den Saal. Erst im zweiten Moment bemerkte Izzie die scharfen Eckzähne, die im Licht des durch die wenigen Fenster fallenden Mondlichts weiß leuchteten.
„Willkommen! Willkommen bei Igor dem Schrecklichen auf seinem Schloss Plüschpudel!“
Während er sein einstudiertes „böses“ Lachen abspulte, krümmte sich Platon vor Lachen.
„Hey Izzie, er hat tatsächlich „Plüschpudel“ gesagt! Plüschpudel!“, Platon japste nach Luft. Schon wieder unterbrach der Vampir sein Lachen und blickte beleidigt in Platons Richtung.
„Egal was ich mache, dieses verdammte „böse“ Lachen kommt einfach nicht an!“
„Ach,“, tröstete ihn Izzie, „Ich finde es recht gelungen! Mit ein bisschen Übung wird das schon!“
Der Vampir blickte wieder etwas glücklicher drein, soweit sein grimmiges Gesicht es eben zuließ.
„Hmm, danke! Also, wo war ich?“
„Das Schloss Plüschpudel!“, half Izzie nach. Platon grinste schon wieder.
„Ja genau! Also, willkommen, Ich bin euer schlimmster Albtraum, Igor der Schreckliche!“
„Das hatten wir doch schon! Langweilig!“, rief Platon.
„Ähm, was wollte ich jetzt noch mal sagen?“, der Vampir kratzte sich verwirrt am Kopf.
„Wir würden gerne wissen, warum wir hier sind und wann wir wieder gehen können, eure Finsternis!“, fragte Izzie vorsichtig.
„Jaah, also, ähm, ihr seid hier, weil ich ein bisschen Gesellschaft wollte...Immer ist es so dunkel und einsam, das ist echt ätzend!“
„Schon mal daran gedacht den Standort zu wechseln?“, fragte Izzie.
„Jaa, aber das Schloss ist schon seit Generationen im Besitz der Familie Plüschpudel. Ich könnte mich nie wieder auf einer Vampir-Konferenz blicken lassen, wenn ich die Burg verkaufen würde! Obwohl,“, er schaute traurig, „das kann ich so oder so nicht!“
„Warum denn nicht?“
„Na ja, ich bin einfach nicht gruselig genug für meine Sippe. Deswegen haben sie mich auch von all ihrem Konferenzen und Plänen ausgeschlossen! Und nur weil ich kein Blut mag!“ , sagte Igor weinerlich.
„Auch könnte ich nie auch nur einer Fliege etwas zu leide tun! Niemand nimmt mich noch ernst!“
„Aber die Gerüchte....“, sagte Izzie.
„Alles Propaganda!“, antwortete Igor traurig.
„Das Problem ist, eigentlich will ich gar nicht gruseliger und böser werden! Ich bin ganz zufrieden, so wie ich bin!“
Izzie schaute mitleidig. Der Vampir in der Identitätskrise tat ihm Leid.
„Igor, ich und meine Freunde würden wirklich gerne bleiben und dir Gesellschaft leisten, aber wir sind auf einer wichtigen Mission!“
„Na wenn das so ist, würde ich vorschlagen, gehe ich uns jetzt mal einen Tomatensaft machen und dann könnt ihr euch ein bisschen erholen! Es tut mir Leid, dass ihr so unkomfortabel geruht habt, aber ich konnte mich einfach nicht gegen die Fledermäuse durchsetzten, die euch da rein gesteckt haben!“
Nachdem sie seine Entschuldigung angenommen, Tomatensaft getrunken und Nudeln in Tomatensauce gegessen hatten, verabschiedeten sie sich. Gerade als Igor sie mit freundlichen Worten in die Eingangshalle geleitete hörten sie ein donnerndes Geräusch an der Burgpforte. Sie eilten an ein Fenster. Von dort aus sahen sie zu, wie ein kräftiger Mann mit einer jungen, blonden Frau im Schlepptau die Tür sprengte. Und sie hörten Jolanda brüllen:
„Izzie, Esmeralda und ähm, egal, HALTET DURCH! Ich bin gekommen, um euch zu RETTEN!“
Als sie mit Igor den drei vermeintlichen „Rettern“ in aller Ruhe entgegen traten, verschlug es Jolanda zuerst den Atem. Der Vampir! So nahe an ihren Freunden! Todesmutig wollte sich sich auf ihn stürzen, wurde aber von Izzie abgefangen.
„Jolanda beruhige dich! Igor hat uns nichts getan! Er ist eigentlich ganz nett!“
„Aber, aber...Ihr wart weg...Und, ihr... WO WART IHR? ICH HABE MIR SCHRECKLICHE SORGEN GEMACHT!“, brüllte Jolanda schließlich, am Rande eines Nervenzusammenbruches. Während Igor ihr Beruhigungstabletten gab und sich freundlich mit den beiden Vampirjägern unterhielt, machten Izzie und die anderen sich zum Abflug bereit. Dann lud Igor die Eulen und Jolanda ein, ihn jederzeit zu besuchen. Izzie warf Jolanda, die vor Erschöpfung eingeschlafen war auf seinen Rücken und hob ab. Er winkte Igor, Gwenhyfar und Hartmut (die sich entschlossen hatten, eine Weile bei Igor zu wohnen, um mit ihm die bösen Vampire zu bekämpfen) zu und flog mit frischen Mut in den Sonnenaufgang.
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