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Fanfiction

Die Hogwartsrumtreiber - Kapitel 2 - Ein neues Zuhause

von Vistin

Ein ehrfürchtiges Raunen ging durch die Reihen der Erstklässler, als sie über den See hinweg zu der dunklen Silhouette eines gewaltigen Schlosses blickten.

Unzählige erleuchtete Fenster, das knallende Geräusch der flatternden Fahnen, die unzähligen Türme, die sich bis zu den Wolken zu erheben schienen: Der Anblick war atemberaubend.

„Hast du eine Ahnung, wie wir dort rüberkommen?“ unterbrach Peter das ehrfürchtige Schweigen.

„Ich weiß nicht.“ James zuckte mit den Schultern. „Vielleicht fliegen wir.“

„Oh! Ein wenig windig ist es schon.“ Peter sah etwas besorgt zu den Bäumen, die über ihnen schaukelten.

„Wir fahren mit Booten“, widersprach Remus, der, die Hände in den Hosentaschen, an ihnen vorbeitrat.

„Wie kommst du denn darauf?“, fragte James, durch die Sicherheit dieser Aussage verwirrt.

Remus deutete mit einem Kopfnicken nach Links. Dort lagen, etwa zehn Meter von ihnen entfernt, dunkle Schatten am Strand, wie reglose Riesenschildkröten.

„Das ist auch nicht viel besser“, seufzte Peter. „Wieso musste es überhaupt ein See sein? Wiesen wären doch auch hübsch.“ James lachte, er hatte Peters Abneigung gegen Wasser nie verstehen können: „Der Wildhüter von Hogwarts wird wohl mehr Ahnung haben als der alte Fährmann von der Themsefähre. Ich hab mir dieses Abflussrohr von einem Fluss auch schon vom Grund aus anschauen dürfen - der Fährmann bekommt den Transportzauber nur jedes zweite Mal richtig hin.“

Peter lächelte bitter: „Ich wär über jedes zweite Mal glücklich! Ich kann mich nicht daran erinnern, diesen Fluss je mit trockenen Füßen überquert zu haben.“

Hagrid trat an ihnen vorbei und das Gespräch endete, als sein riesiger Schatten, den er vor dem hellen Mond warf, auf die Jungs fiel.

Hagrid, der mit zwei gewaltigen Schritten das Ufer erreicht hatte, blickte sich nun verstohlen um und als alles in Ordnung zu sein schien, holte er einen rosa Regenschirm hervor und stupste eines der Boote damit an. Es erhob sich geschmeidig in die Luft, drehte sich und setzte sanft aufs Wasser auf. Die restlichen folgten in einer La-Ola-Welle; Hagrid brummte zufrieden und winkte den Erstklässlern aufmunternd zu.

James stutzte - weniger wegen der tanzenden Boote, aber: ein rosa Regenschirm?

„Einsteigen bitte! Immer nur vier Schüler pro Boot. Und behaltet eure Arme und Beine an Bord, sonst hält euch der Riesenkrake noch für ein Spielzeug.“ Hagrid lachte bärig und half einem blonden Mädchen beim Einsteigen. James setzte sich an den Bug, um einen freien Blick über den See zum Schloss zu haben. Peter, Remus und Frank folgten. Als Frank als letzter an Bord ging, schwankte das Boot bedenklich und Peter klammerte sich heftig schluckend an den Holzplanken fest.

„Eine Unmenge an Wasser, ein Riesenkrake und wackelige Boote. Ich bin begeistert!“ James achtete nicht darauf, in ihm brodelte Vorfreude. Das Boot setzte sich zuerst schaukelnd in Bewegung, wurde dann schneller und glitt schließlich ruhig in Richtung des Schlosses. Das aufgeregte Geplapper der Schüler ebbte immer mehr ab, je näher die Boote dem eindrucksvollen Bauwerk kamen. Dann glitten sie an einer mit Efeu bewachsenen Felswand entlang, bis sich der Vorhang aus Efeu öffnete und sie in einen Felsentunnel einbogen.

„Passt auf eure Köpfe auf! Wir sind gleich da“, durchbrach Hagrids tiefe Stimme die ehrfürchtige Stille, und schon erreichten sie eine Art unterirdischen Hafen. James betrachtete staunend die gigantischen Stalaktiten, die in bunten Farben von der Decke herabhingen. Das stete Tropfen spielte eine Symphonie auf der schillernden Wasseroberfläche, und die Geländer, mit deren Hilfe sie aus den Booten stiegen, schienen aus Salzkristallen gewachsen zu sein.

* * *

Aus dem unterirdischen Hafen führte Hagrid die Schüler durch einen schummrig beleuchteten, schmalen Felsgang und über eine gewundene Treppe nach oben. Sie traten durch einen Torbogen aus Bäumen, deren Äste über ihnen wie Arme ineinander griffen, ins Freie. Dann gingen sie über eine Wiese, die nach nassem, frisch gemähtem Gras roch, und während sie eine breite Steintreppe zu einem mächtigen Eichenholzportal hinaufstiegen, blickte James die unendlich hohen, dunklen Mauern hinauf und sein Hals wurde trocken.

Hagrid strich seinen Maulwurfsfellmantel zurecht und klopfte dann dreimal kräftig an das Tor. Den dröhnenden Schlägen folgte ein Ruck und die mächtigen Flügeltüren öffneten sich mit einem Knarren. Dahinter stand eine streng dreinblickende, dunkelhaarige Hexe.

Hagrid räusperte sich mit ernster Miene.

„Die Neuzugänge, Professor McGonagall“, stellte er die staunend glotzenden Schüler vor.

„Danke, Hagrid. Ich übernehme sie jetzt“, erwiderte McGonagall und wandte sich an die Erstklässler: „Willkommen in Hogwarts!“ Mit einer ausladenden Geste forderte sie die Schüler auf einzutreten. Hinter ihr lag eine gigantische Eingangshalle, so hoch, dass man die Decke im schummrigen Licht der Fackeln nur erahnen konnte.

„Folgt mir, bitte“, forderte sie die Erstklässler auf und schritt durch die gepflasterte Halle voran. Ihr Haar fiel in einem straff geflochtenen Zopf auf den Rücken, wobei es sich nur die Spitze erlaubte, leicht hin und her zu wippen, während sie ging. Die Lehrerin führte die neuen Schüler durch einen Säulengang im linken Flügel der gigantischen Halle. Im Halbdunkel links erkannte James Türen und Treppen verschiedenster Formen. Auf der rechten Seite hinter dem breiten Mittelgang war ein zweiter Säulengang und James vermutete, dass auch da unendlich viele Treppen abgingen. Allein durch die Anzahl der Türen bekam James das Gefühl, winzig klein in diesem gewaltigen Schloss zu sein, und gleichzeitig wuchs sein Verlangen, jede einzelne von ihnen zu öffnen.

* * *

Als sie das dem Eingangstor gegenüberliegende Ende der Halle erreicht hatten, bemerkte James etwas weiter rechts in der Wand vor ihnen eine große, leuchtende Flügeltür. Die Lehrerin führte sie jedoch in eine kleine, leere Kammer links davon. Professor McGonagall hielt inne und sah sich um. Unter ihrem Blick verstummte jedes Flüstern.

„Ihr werdet hier warten, bis ich euch zur Einführungszeremonie in die Große Halle hole“, erklärte sie dann mit fester Stimme. „Bei dieser Zeremonie werdet ihr auf die vier Häuser von Hogwarts verteilt werden. Sie heißen Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw und Slytherin. Jedes der Häuser hat seine eigene ehrenvolle Geschichte. Das Haus, dem ihr zugeteilt werdet, wird in den folgenden sieben Jahren, nach seiner eigenen Tradition und Sitte, für euch Heimat sein. Ihr werdet mit den Mitgliedern eures Hauses unterrichtet werden, am selben Tisch essen und eure Freizeit im Gemeinschaftsraum verbringen. Eure Leistungen bringen Punkte für euer Haus, und können bei Fehlverhalten eurerseits auch abgezogen werden. Am Ende des Schuljahres entscheidet der Punktestand darüber, welches Haus den Hauspokal erlangt.“ Einige der Schüler begannen wieder zu tuscheln, erstarrten jedoch sofort unter dem strafenden Blick von Professor McGonagall.

„Die Einführungszeremonie beginnt in wenigen Minuten. Nutzt die kurze Zeit, um euer Äußeres diesem bedeutenden Anlass anzupassen.“ Mit diesen Worten verließ sie den Raum und überließ die aufgeregten Schüler sich selbst.

Peter warf einen skeptischen Blick auf James’ zerzaustes Haar und fragte, McGonagalls Stimme nachahmend: „Findest du denn, dass diese Frisur dem Anlass angemessen ist?“ James grinste schief und versuchte, seine Haare etwas zu glätten, obwohl selbst seine Mutter das schon vor langer Zeit aufgegeben hatte.

„Wie wird entschieden, in welches Haus wir kommen?“, hörte James eine schüchterne Mädchenstimme hinter sich fragen. Er drehte sich um und sah das rothaarige Mädchen aus dem Zug, das nun nervös an seinem Umhang zupfte.

„Der Sprechende Hut von Godric Gryffindor entscheidet, wer wohin kommt. Es ist wirklich nicht schlimm“, antwortete ihre weißhaarige Freundin lächelnd.

James lächelte bitter: von wegen, nicht schlimm. Als ihm sein Vater vor Jahren von der Auswahlzeremonie erzählt hatte, hatte er aufgeschrien und trotzig behauptet, dass er sich nicht einteilen lassen würde, er würde einfach zum Gryffindortisch gehen und sich da hinsetzen. Natürlich würde er das heute nicht tun; er war älter geworden, aber es passte ihm immer noch nicht, dass ein Hut bestimmen sollte, in welches Haus er gehöre.

McGonagall riss ihn aus diesen Gedanken. Sie stellte die Schüler in einer Doppelreihe auf und führte sie nach draußen. Das Tor, das James zuvor bemerkt hatte, stand nun weit offen. Es bestand aus Kristall und zwischen den funkelnden Flügeltüren fiel ein breiter Lichtschein in die düstere Eingangshalle.

* * *

James trat wie in Trance durch die glitzernde Pforte in das warme, flackernde Licht dahinter. Das Getöse hunderter von Schülern, die aufgesprungen waren, um klatschend, pfeifend und johlend die Erstklässler zu begrüßen, empfing ihn. Er ging zwischen vier Tischen voller Schüler in schwarzen Umhängen durch die legendäre Große Halle von Hogwarts.

Sie war mit Bannern, Blumen und schwebenden Kerzen geschmückt. Der Tisch ganz rechts außen quoll über vor rotem Mohn, darüber hing ein Wappen mit einem mächtigen, goldenen Löwen. Auf dem Tisch daneben standen Körbe voller blauer Veilchen und darüber ein Banner mit einem weißen Raben. Auf der anderen Seite der Halle stand ein Tisch mit Bändern aus gelben Rosen und auf der Fahne war ein schwarzer Dachs zu sehen. Der Tisch dahinter war der Tisch mit Lorbeeren und Efeu geschmückt und das Wappen zeigte eine silberne Schlange.

James merkte, dass sein Mund offen stand, und klappte ihn zu, nur um ihn erstaunt wieder zu öffnen, als sein Blick auf den Lehrertisch vor ihm fiel. Quer zu den Häusertischen stand eine mächtige Tafel mit hohen Lehnstühlen, an dem die Professoren von Hogwarts saßen, und in ihrer Mitte stand ein hagerer Zauberer mit weißem Haar und einem langen Bart. Er klatschte energisch und strahlte die Erstklässler über eine silberne Halbmondbrille an. James wusste sofort, wer dieser Mann war: Albus Dumbledore, der neue Schulleiter von Hogwarts.

* * *

James fasste sich erst, als Professor McGonagall sie anwies, sich in zwei Reihen vor den Schultischen aufzustellen. Unendlich viele Augenpaare beobachteten ihn neugierig und James hatte das Gefühl, dass es eine unendliche Blamage sein musste, wenn der Hut ihn vor all den Leuten nicht nach Gryffindor schicken würde. James schloss die Augen und warf seinen Kopf in den Nacken. Er atmete tief durch, und dann blickte er durch die verzauberte Decke in einen samtschwarzen, wolkenlosen und sternenübersäten Himmel. Die alte Selbstsicherheit kehrte zu ihm zurück; natürlich würde er nach Gryffindor kommen, keiner passte besser in dieses Haus als er.

Professor McGonagall trat mit einem Stuhl nach vorne und legte einen alten, verschlissenen Hut darauf. Einige Sekunden vergingen in vollkommenem Schweigen. Dann tat sich ein Riss oberhalb der Krempe auf und der Spitzhut begann zu singen:

Ich bin vielleicht nur ein sehr alter Hut,
Doch um mich zu tragen, braucht Ihr Mut.
Zu Eurer Bestimmung werde ich Euch führen
Und an meiner Entscheidung gibt es nichts mehr zu rühren.

Ich verteile Euch auf die Häuser hier
Nach ihren Gründern benannt sind es an der Zahl vier.
Junge Hexen und Zauberer, nur Mut, tretet vor,
Ich schicke Euch nach Ravenclaw, Hufflepuff, Slytherin oder Gryffindor.

Ravenclaw ist der Turm der Weisen,
Nach Gryffindor nur die Tapfersten reisen.
In Slytherin herrscht Schläue und List,
Während in Hufflepuff Treue angesagt ist.

Nicht lange werde ich Euch testen,
Es liegt in Euch, wohin Ihr passt am besten.
Jedes der Häuser hat seine Schwächen und Stärken,
Doch das werdet Ihr noch früh genug merken.

Viele von Euch wird meine Wahl verwirren,
Aber Euer alter Hut wird sich nicht irren.
Seit 1000 Jahren bis zu dem Tage heut'
Hat nie jemand meine Entscheidung bereut.

Nun los, tretet vor und setzt mich auf,
Damit das Schicksal kann nehmen seinen Lauf.

Als der Hut sein Lied beendet hatte, brach tosender Applaus in der Halle los. Abermals trat Professor McGonagall vor, in den Händen eine lange Pergamentrolle.

„Erstklässler, ich werde nun Ihre Namen alphabetisch aufrufen. Sie werden dann vortreten und diesen Hut aufsetzen, der Sie Ihren Häusern zuweisen wird. Nehmen Sie dann am Tisch des entsprechenden Hauses Platz.“ Professor McGonagall räusperte sich und erhob die Papyrusrolle.

„Archer, Tom.“

Ein schmaler Junge mit rotem, geschniegeltem Haar trat vor und setzte den Hut auf. Einen Moment tat sich gar nichts, dann verkündete der Spitzhut mit lauter Stimme: „Gryffindor!“ Die Gryffindorschüler klatschten und johlten, als Tom aufstand und sich an ihren Tisch setzte.

„Alent, Sarina.“

„Slytherin!“

Das weißhaarige Mädchen sprang vom Stuhl und ging zu dem Tisch ganz rechts, an dem applaudiert, gejubelt und mit den Bechern geklopft wurde.

„Auscultar, Nathan.“

„Hufflepuff!“

Der Tisch daneben brach in Jubelrufe aus und beantwortete damit Nathans fragenden Blick.

„Black, Sirius.“

Ein großer Junge mit einer missmutigen Miene und etwas längerem schwarzen Haar, das ihm in die Augen fiel, trottete hinüber zum Hut und hatte ihn noch gar nicht richtig auf, da rief dieser schon:

„GRYFFINDOR!“

Doch der Junge schien es nicht gemerkt zu haben, denn er ließ sich den Hut weiter über die Stirn gleiten und blieb sitzen. Es entstand eine ratlose Pause. James bemerkte, wie sich am Tisch der Slytherins Unruhe breitmachte und die Schüler aufeinander einredeten. Er konnte nicht verstehen, was dort getuschelt wurde, aber die böse funkelnden Blicke, die dem schwarzhaarigen Jungen zugeworfen wurden, waren nicht zu übersehen. McGonagall beendete den Tumult, indem sie Black den Hut vom Kopf nahm und ihn zu den vorsichtig klatschenden Gryffindors schickte. Kaum hatte Sirius seinen Platz am richtigen Tisch besetzt, fuhr sie fort, Namen aufzurufen.

„Cristen, Camille.“

„Slytherin!“

„Evans, Lily.“

„Entschuldigung“, vernahm James eine leise Stimme hinter sich und trat rasch zur Seite, um das rothaarige Mädchen vorbeizulassen, das wenige Sekunden später eine Gryffindor wurde.

Kurz darauf setzte sich auch Frank, den der Hut nach einigem Überlegen nach Hufflepuff schickte, zu seinen klatschenden Mitschülern. James merkte, dass er nicht der Einzige war, der immer nervöser wurde. Peters Gesicht war vor Aufregung rot gefleckt, als er James zuflüsterte: „Jetzt sind wir schon bei L. Es sind sicher nicht mehr viele, bevor wir dran sind! Ich will bloß nicht nach Slytherin!“

James grinste. Wenn es jemanden gab, der nicht nach Slytherin passte, dann war es der freundliche und herzensgute Peter.

„Ach was, der Hut weiß schon, was er tut. Wenn du vorne bist, denkst du einfach ganz fest an dein Haus. Das klappt schon!“

Er hatte keine Zeit, noch mehr zu sagen, denn schon rief Professor McGonagall Peters Namen auf. Der fuhr erschrocken zusammen, atmete dann tief durch und trat tapfer nach vorne, um den Hut aufzusetzen, der ihm sofort über die Augen rutschte. James hielt den Atem an und wartete gespannt auf die Entscheidung. Der Hut schien nicht so genau zu wissen, was er mit Peter machen sollte, denn es dauerte eine ganze Weile, bis er schließlich „Gryffindor“ rief.

James applaudierte mit aller Kraft, als Peter mit puterrotem Gesicht in Richtung Gryffindortisch rannte.

„Potter, James.“

Er hätte sich fast verschluckt, versuchte jedoch, siegessicher zu wirken, als er auf den Hocker zutrat und sich den Hut über sein widerspenstiges Haar zog. Kaum hatte die Krempe seinen Kopf berührt, hörte James den Hut in seinem Kopf sprechen: „Soso. Du bist also James Potter. Ich kann mich gut an deinen Vater erinnern, ein wahrer Gryffindor. Und auch bei dir gib es keinen Zweifel - Gryffindor!“

James fiel ein Stein vom Herzen und es kam ihm lächerlich vor, dass er eben noch so nervös gewesen war. Übers ganze Gesicht strahlend lief er zum Gryffindortisch und ließ sich auf den Stuhl neben Peter fallen. Sein Herz klopfte noch immer wild in seiner Brust, doch nicht mehr in Sorge, sondern vor Freude.

* * *

Professor McGonagall beendete die Auswahl, nachdem „Wilkes, Adalina“ zu einer Slytherin wurde. Und ein drahtiger Junge mit Brille lehnte sich zu den Gryffindorerstklässlern herüber: „Ich bin Rupert. Als Vertrauensschüler“, er deutete auf ein silbernes „V“ auf seinem Umhang, „werde ich mich in den nächsten Tagen etwas um euch kümmern. Ihr habt echt Glück, nach Gryffindor gekommen zu sein“, ergänzte er noch schnell und deutete dann zum Lehrertisch.

Albus Dumbledore hatte sich erhoben und Stille legte sich wie ein Schleier über die Halle. Der Schulleiter warf einen liebevollen Blick auf seine Schüler und breitete die Arme aus, als würde er seine etwas zu groß geratene Familie begrüßen.

„Willkommen, meine Lieben. Willkommen. Ich freue mich, euch alle zu sehen, und habe euch auch viel zu berichten, doch da ich mich nicht imstande sehe, gegen das Knurren eurer Bäuche anzureden, sage ich jetzt nur eines: Haut rein!“

Breit lächelnd ließ er sich wieder auf seinen Platz zwischen Professor McGonagall und einem verträumt dreinblickenden, platinblonden Lehrer sinken. Die Schüler klatschten und jubelten, während sich die vier Tische von Zauberhand mit unendlich vielen Platten voller duftender Speisen füllten.

Begeistert griff James nach einer Platte mit Brathähnchen, neben der aus einem ihm völlig schleierhaften Grund eine Schüssel Pfefferminzbonbons stand. Peter, der neben Remus saß, dessen Auswahl James völlig verpasst hatte, war begeistert: „Ist das nicht spitze, dass wir alle drei nach Gryffindor gekommen sind?“ Er belud sich den Teller mit Kartoffelbrei und Erbsen. „Schade, dass es Frank zu den Hufflepuffs verschlagen hat, wir wären sicher ein tolles Gespann.“

James hörte ihm nur mit einem halben Ohr zu. Nachdem er seine Zähne in einem saftigen Hühnerbein versenkt hatte, galt seine Aufmerksamkeit dem Lehrertisch, an dem Dumbledore seinen Bart gerade in den Kragen seines strahlend blauen Umhangs stopfte, damit er ihm nicht ins Essen fiel. Zu seiner Rechten unterhielt sich Professor McGonagall mit einer rundlichen Hexe, die aussah, als würde ihr ein blonder Strauch unter dem Hut hervorwachsen. Daneben saß ein stämmiger Zauberer, mit einem Gesicht, das an einen kahlrasierten Bernhardiner erinnerte. Zu Dumbledores Linker saß jener verträumte Zauberer mit langem, platinblondem Haar und einem schönen Gesicht mit hellblauen Augen, die zur Decke blickten. Sein Teller war immer noch leer und er machte auch keine Anstalten, dies in näherer Zeit zu ändern.

„Willkommen, meine Lieben. Willkommen in Gryffindor“, unterbrach eine erhabene Stimme James' Beobachtungen.

„Ah, der Fast Kopflose Nick!“, begrüßte Peter das herbeischwebende Gespenst und erntete einen missbilligenden Blick.

„Ich wäre Ihnen äußerst verbunden, wenn Sie mich Sir Nicolas de Mimsy-Porpington nennen würden.“

James grinste den Geist an: „Hallo, Sir Nicolas. Mein Vater lässt Sie grüßen und fragen, ob die Gilde der wahrhaftig leidenden Toten ihren fatalen Fehler endlich eingesehen und Sie in ihre Reihen geholt hat.“ Ein erfreutes Lächeln huschte über das fast durchsichtige Gesicht des Geistes.

„Alamdus Potter. Ja, er war ein wahrer Gentleman und es freut mich, dass er seinen Anstand auch an seinen Sohn weitergeben konnte - was wohl nicht jedem Vater gelungen ist.“ Er warf Peter einen strafenden Blick zu, dessen Wangen dadurch zwar rosa anliefen, ihn aber nicht davon abhielten, über das ganze Gesicht zu grinsen.

Der Geist nickte zum Abschied, schwebte an ihnen vorbei und ließ sich zwei Plätze weiter neben Anna Mitchell nieder, die ihn begeistert anstarrte und gleich über Gryffindor auszufragen begann.

James nahm sich noch mehr Bratkartoffeln, als ihm auffiel, dass schräg gegenüber von ihm Sirius Black saß. Der Junge, der bei der Auswahl nicht mitbekommen hatte, dass sein Haus schon ausgerufen worden war. Nun starrte er teilnahmslos auf seinen leeren Teller und wirkte irgendwie verwirrt.

Etwas neben James klirrte, und er sah, wie Remus im letzten Moment nach Peters Glas griff, das gewaltig schwankte, und einen Teil seines weinroten Inhalts bereits auf dem weißen Tischtuch verteilt hatte. Remus blickte resigniert drein: „Ist ja schon gut! Hast ja Recht, vier Gryffindors in der Nationalmannschaft sind viel. Aber kein Grund, alles umzuschmeißen.“

James hatte gerade die zweite Portion Vanillepudding verputzt und fühlte sich nun satt und zufrieden, da erhob sich Albus Dumbledore erneut.

„Da sich das Rumoren eurer Mägen gelegt zu haben scheint, heiße ich euch nochmals herzlich willkommen zu einem neuen Schuljahr in Hogwarts. Wie die älteren Schüler hoffentlich schon wissen, und wie die neuen nun erfahren, darf der Wald hinter der Schule unter gar keinen Umständen von Schülern betreten werden. Außerdem hat Professor Sprout eine seltene Peitschende Weide erworben, die auf dem Schulgelände eingepflanzt wurde. Dieser Baum ist etwas ... temperamentvoll, und ich würde daher davon abraten, ihm zu nahe zu kommen. Besonders freue ich mich, ausnahmsweise verkünden zu dürfen, dass der Unterricht in Verteidigung gegen die dunklen Künste dieses Jahr pünktlich und ohne Einschränkungen stattfinden wird. Denn unser geschätzter Professor Pericul hat es geschafft, in einem Stück von seiner diesjährigen Forschungsreise zurückzukehren.“ Ein zurückhaltendes Kichern durchlief die Halle und Professor Dumbledore blickte lächelnd auf einen dunklen, hageren Zauberer an der Lehrertafel, der ihm mit unbewegter Miene zunickte.

„Wie einige von euch bereits wissen, werde ich in diesem Jahr nicht mehr unterrichten, sondern muss mich schweren Herzens der Aufforderung des Elternbeirates fügen und mich ganz den Aufgaben eines Schulleiters widmen. Doch für euch soll dies kein Verlust sein, denn Professor McGonagall hat sich bereiterklärt, den Posten des Lehrers für Verwandlungen zu übernehmen. Sie ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Transmutation. Und für ihre bisherige Stelle haben wir einen wundervollen Ersatz gefunden. Ich freue mich, euch euren neuen Lehrer für Zauberkunst vorstellen zu dürfen.“ Er wies auf einen leeren Platz an der Tafel.

„Professor Flitwick.“

Ein verwirrtes Murmeln erklang, begleitet von vereinzeltem, vorsichtigem Klatschen. Da erschien ein grüner Buckel auf dem Stuhl und kurz darauf richtete sich ein winziger Mann mit leicht ergrautem, wildem Haar auf. Er stand auf dem Stuhl und reichte Dumbledore doch kaum bis zur Schulter. Der Applaus wurde etwas lauter, da die Schüler den neuen Lehrer nun sahen, wurde aber immer noch vom allgemeinen Gemurmel übertönt. Dumbledore klatschte herzlich und nachdem sich der kleine Professor vor allen vier Tischen verbeugt hatte, setzte der Schulleiter seine Rede fort.

„Des Weiteren hat mich unser Hausmeister, Mr. Filch, darum gebeten, euch darüber zu informieren, dass 'lautes Lachen auf den Fluren' und das 'Werfen mit Knallnüssen' seiner Liste verbotener Handlungen hinzugefügt wurden. Natürlich hängt die äußerst vollständige Liste vor seinem Büro aus, wo sie jederzeit eingesehen werden kann. Abschließend darf ich euch noch verraten, dass die Auswahlspiele für die Quidditchmannschaften am Freitag stattfinden. Und nun wird es Zeit, unsere gesättigten Leiber ins Bett zu bringen. Ich wünsche euch eine gute Nacht und ein erfolgreiches Schuljahr.“

Stürmischer Applaus erhob sich. Rupert sprang auf und rief mit gebieterischer Stimme über den Lärm der Aufbrechenden hinweg: „Gryffindorerstklässler, hier lang! Folgt mir bitte und immer schön zusammenbleiben!“ Er lotste sie über einige steile Treppen, die je nach Laune ihre Richtung wechselten, und schwach beleuchtete Korridore, in denen Rüstungen knarrend spazierten und Geister ihrem Geisterleben nachgingen. Sie gingen durch Türen, die vorgaben, Teppiche oder eine feste Wand zu sein, und über hohe Galerien, an denen Hunderte von magischen Bildern hingen.

„Am Anfang ist es ziemlich schwer, sich hier zurechtzufinden, aber das geht schnell vorbei. Bald kennt ihr euch im ganzen Schloss aus. Achtet besonders darauf, wohin ihr tretet. Da zum Beispiel ist wieder so eine elende Trickstufe. Die müsst ihr überspringen. Vorsicht, Crystal!“ Doch da war es schon zu spät. Das blonde Mädchen ließ einen schrillen Schrei hören und ihr Bein versank bis zum Knie in der Treppenstufe. Rupert kam ihr zu Hilfe und zog das erschrockene Mädchen hoch.

„Euch kann nichts wirklich Schlimmes passieren“, erklärte er, während sie den Weg fortsetzten, „doch so manchen Schrecken kann man sich besser ersparen.“ Unterwegs wurden sie von den Porträts gegrüßt, die ihnen unter Verbeugungen und mit freundlichen Worten ein schönes Schuljahr wünschten. James fand die Bilder hier viel sympathischer als die zu Hause, die zeigten nämlich nur seine Tanten und Urgroßmütter, die an allem, was man tat, etwas zu meckern fanden.

Rupert blieb vor dem Bild einer fetten Dame in einem rosa Kleid, die auf einer gepolsterten Liege saß und prüfend die Ankömmlinge betrachtete, stehen. Er drehte sich zu den Schülern um und erklärte: „Das ist der Eingang zum Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Nur, wer das Passwort kennt, kommt an diesem Bild vorbei. Im Moment lautet es 'Minzblatt'. Wenn ihr hinein wollt, stellt ihr euch einfach vor das Bild ...“ Er baute sich vor dem Portrait auf und schien zu warten. Und tatsächlich seufzte die fette Dame nach einigen Sekunden und fragte leicht genervt: „Passwort?“

„Minzblatt“, verkündete Rupert, woraufhin das Porträt zur Seite schwang und den Blick auf ein großes Loch in der Wand freigab. Der runde Gemeinschaftsraum wirkte mit dem prasselnden Feuer im Kamin einladend. Er war mit zerschlissenen, weichen Sesseln und Sofas, Tischen und Hockern sowie mit reichlich Kissen vollgestellt. Rechts und links ging jeweils eine Treppe ab, und durch mehrere hohe Fenster sah man die Sterne funkeln. James fühlte sich auf der Stelle wohl.

„Die Mädchen nehmen die Treppe rechts und die Jungs die linke. Eure Schlafsäle sind mit der Nummer eins markiert. Euer Gepäck ist bereits auf den Zimmern. Ich wünsche euch eine gute Nacht und hole euch morgen früh hier zum Frühstück ab.“ Damit verabschiedete er sich und verschwand über die linke Treppe.

* * *

James, Peter und Remus folgten ihm die Wendeltreppe empor und standen tatsächlich bald vor einer schweren Tür, an der eine goldene Eins befestigt war.

„Hier stehen unsere Namen“, stellte Peter fest und deutete auf ein kleines Schild rechts neben der Tür. Es war aus Messing, die Buchstaben waren eingestanzt, und sah aus, als würde es da schon ewig hängen.

„Tom Archer, James Potter, Remus Lupin und Peter Pettigrew“, las Peter andächtig vor, als der rothaarige Junge näher trat.

„Habe ich hier meinen Namen gehört? Ist das unser Schlafsaal?“, erkundigte er sich etwas steif.

„Scheint so“, antwortete James und öffnete die Tür. Der Raum war nicht sonderlich groß, aber ebenfalls rund, und bot ausreichend Platz für vier Himmelbetten, an deren Fußenden ihre Koffer standen. Auf einem der Betten lag ein blauer Umschlag.

„Das ist wohl meins.“ Tom betrat als erster den Raum und steuerte auf seinen großen dunkelgrünen Koffer zu.

„Ich bin übrigens Tom Archer“, stellte er sich unnötigerweise vor, während er Nachtzeug aus seinem Koffer holte.

„Ich wohne in Dover. Meine Eltern sind zwar Muggel, aber meine Tante ist eine Hexe, daher war es kein allzu großer Schock, als ich den Brief bekommen habe. Und woher kommt ihr?“

„Ich bin Peter und das ist James, wir kommen aus Zaubererfamilien und wohnen in London“, erklärte Peter. James war schon wieder abgelenkt.

„Was ist das für ein Brief?“, fragte er Remus, der am Bett neben ihm stand und das blaue Kärtchen studierte. Remus sah ihn finster an.

„Nicht deine Sache“, antwortete er, als der Brief in seiner Hand zu qualmen begann und sich in Luft auflöste.

„Na komm schon, wir sind jetzt Zimmerkameraden!“

„Schlimm genug“, murrte Remus, warf sich aufs Bett und zog die Vorhänge zu.


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