
von Vistin
„Mensch, Remus! Man sollte von der Krankenstation gesünder wiederkommen, als man hingegangen ist.“ Remus war erst zum Mittagessen wieder in die Große Halle gekommen und sah mit den eingefallenen Wangen und den dunklen Ringen unter den Augen aus wie ein Untoter. Doch sein Blick huschte sehr lebhaft zwischen James und Sirius hin und her, die nebeneinander am Tisch saßen und ihn erwartet hatten.
„Ist der Weltfrieden ausgebrochen, während ich krank war?“, fragte Remus misstrauisch und setzte sich den beiden gegenüber. James warf Sirius einen unsicheren Blick zu, doch für diesen schien die Situation das Normalste auf der Welt zu sein.
„Wir haben gemeinsame Ziele, zumindest fürs Erste. Lange Geschichte“, erklärte Sirius und lehnte sich über den Tisch, um leiser weitersprechen zu können: „Zuerst musst du erzählen, was Pericul auf der Krankenstation gesagt hat.“
Remus sah ihn verwirrt an.
„Pericul auf der Krankenstation? Wovon redest du?“
James und Sirius tauschten einen unsicheren Blick. James hatte sich heute früh nicht aus dem Bett bewegen lassen, in vollster Überzeugung, die erste Stunde Verteidigung gegen die Dunklen Künste würde eh ausfallen. Doch Pericul war pünktlich um acht im Klassenraum gewesen, und Peter hatte zwei Gryffindorpunkte verschenkt, weil er vorgab, seinen Aufsatz im Schlafsaal vergessen zu haben, um James zu holen. Die Ausrede, Peeves hätte Schlafpulver in ihrem Saal verstreut und James hätte die volle Ladung abbekommen, kaufte Pericul ihnen erstaunlicherweise ab, und so kam James mit nur drei Punkten Abzug um eine Strafarbeit herum.
„Es kann doch nicht sein, dass sie dich nicht geweckt haben. Pericul sah halb tot aus. Pomfrey muss die ganze Nacht gezaubert haben, um ihn zu acht Uhr wieder herzurichten“, überlegte Sirius verwundert und so etwas wie Vorwurf klang in seiner Stimme mit.
Remus hatte den Blick gesenkt und knibbelte an dem Schorf einer breiten Schramme auf seinem Handrücken.
„Mich hatte der Husten ziemlich im Griff“, fuhr Remus dann fort, ohne aufzusehen.
„Kann sein, dass mir Pomfrey ein Schlafelexier gegeben hat. Ich bin erst vor einer Stunden oder so aufgewacht. Dass Pericul auf die Krankenstation gekommen sein soll, habe ich nicht mitbekommen.“
„Mist!“ Sirius ließ sich zurückfallen. „Das wäre die Chance gewesen! Sie haben sich sicher über das Labor unterhalten und über das Vieh, das ihn so zugerichtet hat.“
Auch James lehnte sich zurück und ließ einen interessierten Blick über Black gleiten. Obwohl sie seit der Strafarbeit kaum ein Wort gewechselt hatten, hatte sich etwas zwischen ihnen geändert. Vielleicht lag es daran, dass James eingesehen hatte, dass es unnötig gewesen war, sich einzumischen und er an Blacks Stelle wohl ähnlich eingeschnappt reagiert hätte. Auf jeden Fall war es Blacks vernichtender Blick gewesen, der heute früh verhindert hatte, dass Tom die Geschichte mit dem Schlafpulver richtigstellte. Und es war James recht selbstverständlich erschienen, sich beim Essen neben Sirius zu setzen, um die Sache mit Periculs Labor weiter zu erörtern.
James' Verdacht gegen Lily hatte sich weder bestätigt, noch war er widerlegt worden, jedoch war mit Tom, der sie direkt nach der Stunde wegen der Lüge angefahren hatte, ein weiterer Verdächtiger auf der Bildfläche erschienen. Doch James war die Suche nach einem Schuldigen ohnehin nicht mehr so wichtig. Durch den gelungenen Ausflug in die Eingangshalle und die vielversprechende Beobachtung hatte James das Gefühl bekommen, bei dem Hogsmeade-Plan alles falsch gemacht zu haben. Vor allem hatte er Remus gegenüber ein schlechtes Gewissen; er hatte ja eigentlich nicht mitkommen wollen und jetzt hatte er nicht nur eine Strafarbeit, sondern auch eine Grippe abbekommen.
„Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich da hin will, wo Pericul fast draufgegangen wäre“, unterbrach Peter James' Gedanken. Es folgte nachdenkliche Stille, in der Remus auf dem Steakteller nach einem besonders blutigen Stück suchte. Nach den ersten gierigen Bissen wurde es ihm dann aber doch zu blöd.
„Nur nebenbei, ich weiß immer noch nicht, wovon ihr redet, denn falls es euch nicht aufgefallen ist: Ich war krank, und der Informationsgehalt euer wirren Rede tendiert gegen null. Klärt ihr mich also darüber auf, was passiert ist, oder soll ich lieber gehen?“
* * *
Remus ins Bild zu setzen, dauerte bis in den Nachmittag, sie wurden ja immer wieder von Unterrichtstunden und allem, was dazugehörte, unterbrochen. Erst auf dem Weg zur Bibliothek, wo sie mit der Strafarbeit für McGonagall anfangen wollten, kam James zu der Stelle mit der Peitschenden Weide.
„Potter, du solltest aufhören, diese billigen Krimis zu lesen. Eine Peitschende Weide ist vielleicht das garstigste Gewächs Britanniens, das jeden Dummen umlegen kann, der in seine Reichweite kommt. Aber glaubst du wirklich, dass Pericul, der Hogwartslehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste, der drei Bücher über die Monster und Ungeheuer der Welt geschrieben hat, sich von einem Baum halb tot prügeln lässt?“ Remus Stimme klang, als wäre er um James Geisteszustand ernsthaft besorgt. James hätte gerne etwas Geistreiches erwidert, aber ihm fiel nichts ein, und dummerweise hatte Remus mal wieder recht. Daher schwieg er einfach, was nicht weiter auffiel, weil sie die Bibliothek erreicht hatten und Madam Pince, die Bibliothekarin, sie bereits misstrauisch beäugte.
„Wie viel Blatt sollten das noch mal sein? Und hat sie was über die Blattgröße gesagt?“ James hantierte mit seinem Schreibblock und überlegte, wie er die wenigen ersten Notizen zu einem Aufsatz zusammenfügen konnte.
„Versuch’s hiermit.“ Remus ließ drei in dickes Leder gebundene Bände auf den Tisch fallen.
„Das sind doch nicht etwa die Schulregeln?“ Aus Peters Gesicht war die Farbe gewichen.
„Nein“, grinste Remus. „Die eigentlichen Regeln umfassen nur vier Seiten. Das sind Bilanzen der letzten dreißig Jahre, in denen protokolliert ist, wie diese Regeln entstanden sind und wann sie wie durchgesetzt wurden. Ich glaube zwar kaum, dass wir in den letzten dreißig Jahren was finden, was man in den Aufsatz aufnehmen kann, aber die ersten Bände sind auf Gälisch und an irgendeinem Ende mussten wir ja anfangen.“
James schlug eins der Bücher in der Mitte auf und begann zu lesen. „Hier geht es um die Besitzklärung eines beißenden Frisbees. Wie viele solcher Bände gibt es?“ fragte er verzweifelt, als er wieder aufblickte.
„Eins für zehn Jahre, bei der tausendjährigen Geschichte von Hogwarts also so um die hundert.“
James’ Kopf schlug hart auf die schweren Pergamentseiten des Buches.
* * *
„Unglaublich“, flüsterte James nach einigen Stunden dröger Arbeit. „1403 nach Merlin hat man doch tatsächlich vorgeschlagen, auf Hogwarts ein magisches Überwachungssystem über die Schüler einzuführen, so dass die Lehrer jederzeit über deren Aufenthaltsort informiert wären. Obwohl es gegen die Zaubererrechte verstößt, hat der Schulrat es mit gerade mal einer Stimme Mehrheit abgelehnt.“
Remus grinste schief. „Wie gut, dass wir heutzutage hier zur Schule gehen, wo uns die Lehrer auch ohne Überwachungssystem ertappen.“
Ein Schrei einige Regalreihen weiter würgte James’ Erwiderung ab.
* * *
Lilys Bücher fielen zu Boden. Severus Snape stand nur zwei Schritte vor ihr, den Zauberstab in der Hand. Lilys Herz pochte wie wild in ihrem Hals, und etwas hatte sich um ihre Brust geschlungen, so dass sie nicht mehr atmen konnte, dabei versuchte sie es so verzweifelt. Sie schien alles sehr deutlich zu sehen: die große, scharfe Nase, die dunklen Augen, die Haarsträhnen, die ihm ins Gesicht fielen, und doch hatte sie das Gefühl, nichts mitzubekommen. Sie stand nur da - unfähig sich zu rühren, unfähig zu atmen, ihn nur mit offenem Mund anstarrend.
„Miss Thores, Sie wollen mir doch nicht wirklich sagen, dass Sie ein solches Gebrüll wegen dieser kleinen Spinne veranstalten!?“, hörte Lily Madame Pince' Stimme einige Regalreihen weiter. Snapes Zauberstab war verschwunden, er trat auf sie zu, doch sie konnte ihm nicht ausweichen, nicht weglaufen. Ihre Beine waren wie erstarrt. Er bückte sich in einer sehr geschmeidigen Bewegung und hob ihre Bücher auf. Wie ferngesteuert hob sie die Hände und nahm die Bücher wieder. Er sagte kein Wort, ging an ihr vorbei und verschwand in der Regalreihe mit den Verteidigungszaubern. Lily flüsterte ein Danke, obwohl er schon längst außer Hörweite war. James’ misstrauische Blicke in ihrem Rücken bemerkte sie nicht.
* * *
Der Oktober begann sonniger, als man es hätte erwarten können, und Lily war sehr froh, dass einer der ersten Spannend-zu-sehen-Würmer Sarina und sie an einen abgelegenen und von Efeu umwachsenen Kieselstrand zu Füßen der Klippen am Westufer geführt hatte. So lagen sie vor Mitschülern und Lehrern verborgen auf dem warmen Kies, lauschten dem plätschernden See und genossen die wahrscheinlich letzten warmen Sonnenstrahlen.
„Worüber redest du eigentlich immer mit Severus?“, unterbrach Lily die Stille, als ihre Gedanken zum vergangenen Freitag zurückschweiften.
„Unterschiedliches. Am Mittwoch haben wir über den Ikkefryse-Trank gesprochen, der muss wohl mit Gletschereis angesetzt werden, und das gibt es in dieser Gegend nicht gerade häufig.“
Sie schwiegen wieder. Sarina würde nicht misstrauisch werden, wenn Lily weiter fragen würde. Rückfragen wie: „Was geht dich das an?“ oder „Hast du dich in Snape verguckt, oder wie?“ gehörten einfach nicht zu Sarinas Denkweise. Hintergedanken waren ihr fremd, sie ging immer vom offensichtlichen Motiv aus. Wenn Lily fragte, worüber sie mit Severus redete, dann dachte Sarina, dass Lily eben wissen wollte, worüber sie redeten. Sarina dachte nicht darüber nach, wozu Lily das wissen wollte. Einige ihrer Mitschüler hielten Sarina deswegen für dumm oder beschränkt, aber Lily wusste es besser. Es lag an Sarinas Charakter. Sarina war einfach nicht neugierig und bodenlos ehrlich und sie ging davon aus, dass alle anderen Menschen genauso waren. Sarina glaubte, dass Lily nichts fragen würde, was sie nichts anging, und dass sie offen sagen würde, wenn sie sich verguckt hätte. Lily bemühte sich so zu sein, daher fragte sie nicht weiter, obwohl Lily mehr als nur neugierig war. Sarinas Vertrauen war Lily aber wichtiger, sie vertraute darauf, dass Lily ehrlich und offen zu ihr war, es war ihre stumme Absprache: Sarina half Lily dabei die magische Welt zu verstehen und Lily rettete Sarina aus Fettnäpfchen, in die sie all zu häufig geriet, weil sie Dinge viel zu wörtlich nahm.
Doch im Moment machte sich Lily eher weniger Gedanken über Sarina. Was sie beschäftigte, war eben das, was Sarina so fremd war: Hintergedanken. In der letzten Woche, seit ihrem Treffen in der Bibliothek, hatte Lily sich bemüht, Severus unauffällig zu beobachten, doch wirklich erfolgreich war sie dabei nicht gewesen. Die meiste Zeit traute sie sich nicht, in seine Richtung zu sehen, außerdem spürte sie immer James' Blicke auf sich, was es ihr noch schwerer machte, den Slytherin etwas genauer zu betrachten. Daher verstand sie sein Verhalten in der Bibliothek immer noch nicht.
„Es hat vier Räder, ist wohl aus etwas metallischem, kann verschiedene Farben haben und Muggel sitzen drin. Solche Dinger kamen oft an unserem Grundstück vorbei“, sagte Sarina nach einer Weile, und Lily unterbrach ihre Grübeleien, um Sarina das Auto zu erklären.
* * *
Erst Stunden später unterbrach Camilles glockenklares Lachen ihre Diskussion, die sich inzwischen in der Frage verbissen hatte, ob Metalldinger auf Rädern getrieben* werden konnten. Camille und Naomi kamen den schmalen Steg, der über die Felsen zum Kieselstrand führte, herunter und unterhielten sich angeregt.
„Ja, lauter, ihr beiden, die andere Hälfte des Schlosses hat euch noch nicht gehört!“, rügte Lily sie, als sie nah genug waren.
„Nein, Lily. Das ganze Schloss hat es schon gehört“, lachte Camille sie an und setzte sich auf einen größern Felsen.
„Der gute Tom hat soeben seinen ersten Punkteabzug bekommen“, berichtete Naomi und machte nicht mal einen Versuch, sich das gigantische Grinsen vom Gesicht zu wischen.
Lily wurde neugierig: „Wie ist das denn passiert? Der kann doch alle Schulregeln auswendig und hält sich auch eisern dran.“
„Ja, Snape kennt sicher nicht alle Regeln, aber er hat ein deutlich besseres Timing.“ Lily schaute Camille jetzt unverhohlen neugierig an.
„Es kam wohl zwischen Gryffindor- und Slytherinschülern zu einem lautstarken Wortwechsel, in den sich Tom einmischte. Als aber Pericul dazukam, brüllte nur noch Tom, während Snape schon drei Gänge weiter und eine Etage tiefer sitzend ganz unschuldig tat.“
„Mit den verlorenen fünf Punkten hat Gryffindor jetzt wieder drei Punkte weniger als Slytherin und ist damit Letzter, aber das ist es mir wert gewesen, Toms Gesicht zu sehen, als Pericul ihm die Punkte abknöpfte“, erklärte Naomi immer noch breit grinsend.
„Ich hab Zauberstabschnapp dabei, wollen wir eine Runde spielen?“, wechselte Camille spontan das Thema. Es war klar, dass sie jetzt, wo das Wichtigste prägnant berichtet worden war, das Interesse an Tom verlor. Sie war nie an Details interessiert.
* * *
Zauberer sind allesamt irre, dachte Lily und ließ sich aufs Bett fallen. Allein schon Severus; auf der einen Seite betrieb er Muggeljagd auf der anderen war er geradezu höflich. Und seine Schwester Alisya passte so gar nicht ins Bild. Sie war Schulsprecherin und betreute den Zusatzunterricht für Muggelstämmige, aber sie konnte ja nichts für ihren kleinen Bruder. Lily lächelte bitter, so dachte Petunia wahrscheinlich auch: Immer diese missratenen kleinen Geschwister.
Potter war bestimmt ein Einzelkind, so arrogant wurde man nicht in einer großen Familie. Lily fand, dass er ein Ekel war. Er schnüffelte ihr dauernd nach, und wenn er sie ansah, lag dieses Misstrauen in seinen Augen, als ob er darauf warten würde, dass sie sich eine Blöße gab. Wusste Potter etwa von den Verwandlungsaufsätzen? Hatte er einmal beobachtet, dass Sarina oder Naomi ihr halfen und wartete nur auf eine Gelegenheit, es zu beweisen? Potter war der beste Schüler in Verwandlungen, er hatte bestimmt bemerkt, dass ihre Aufsätze deutlich besser waren als ihre praktische Zauberei. Aber eigentlich war Potter das kleinere Problem, wenn es um Verwandlungen ging. Schlimmer war: Lily schämte sich vor ihren Freundinnen, dass sie einfach nicht besser wurde, obwohl sie ihr so viel halfen.
Sie bemühte sich wirklich, aber es gab noch so viele andere Dinge, die anderen Fächer, die vielen neuen und merkwürdigen Leute. Wenn sie aufhören könnte, über Snape und Potter nachzudenken ... Wenn das mit den Häusern, Familien und Blutständen nicht so ein Chaos wäre, wenn sich ihre Mitschülerinnen nicht so komisch benehmen würden, wenn sie diese Welt besser verstehen würde, dann könnte sie sich völlig aufs Lernen konzentrieren. Aber vielleicht würde sie dann feststellen, dass sie wirklich nicht zaubern konnte, vielleicht wäre das sogar besser, sie könnte dann nach Hause und sagen, dass alles nur ein Irrtum war, dass sie normal war. Lily dachte an ihre Eltern, ihre Schwester und ihre Freunde zuhause und spielte gedankenverloren mit einem Spannend-zu-sehen-Wurm. Die kleinen Biester hatten es ihr angetan. Sie waren grün und ganz samtig. Zwar hatten sie keine Augen, aber sie hatten ein Vorne, das sie wie einen Kopf hoben, um umherzuschnuppern. Manche tasteten herum, und andere schienen an den Dingen zu knabbern, die sie umgaben. Der Sud hatte sich in Dutzende solcher Würmchen verwandelt, die man laut Buch in einem Glas mit einem immer feucht zu haltenden Lappen aufbewahren sollte. Jeder Wurm führte zu einem anderen, besonderen Ort, dort angekommen verdampfte das Würmchen dann. Der Wurm krabbelte über Lilys Finger, und sie bemerkte kaum, wie er von ihrer Hand runter auf den Bettbezug plumpste.
„Oh, nein!“, jammerte Lily, denn hatte der Wurm erst einmal den Boden oder einen zu einem Raum gehörenden Gegenstand berührt, suchte er los, und man konnte ihn nicht mehr stoppen. Doch was sollte der Wurm im Schlafsaal der Mädchen schon finden. Lily glaubte das Würmchen schon verschwendet, als es zielstrebig zum Kopfende ihres Bettes krabbelte und sich am Pfosten der Vorhänge hochschlängelte. Dann glitt der Wurm zwischen zwei Steine und verschwand in der Wand. Lily starrte die Wand misstrauisch an. Bisher hatte keiner der Würmer einen Weg gewählt, auf dem man ihm nicht hätte folgen können, also war diese Wand wohl nicht das, wonach sie aussah. Lily berührte die Steine. Sie fühlten sich sehr nach massiver Wand an. Das musste sie Naomi erzählen, schoss es ihr durch den Kopf. Aber dann hielt sie inne. Was genau sollte sie Naomi sagen? Dass ein Wurm in der Wand verschwunden war? Sollte sie Naomi wirklich zur Hilfe holen, weil sie mit einem kleinen Rätsel nicht zurechtkam? Lily verließ den Schlafsaal, doch sie ging an der im Gemeinschaftsraum sitzenden Naomi vorbei und in die Bibliothek. Sie wollte alleine herausfinden, was Wände in der magischen Welt so alles konnten.
* to drive, wie in „you drive me crazy“: jemanden oder etwas in eine Richtung treiben/drängen. Im Kontrast zu „drive a car“, was lenken oder fahren bedeutet, und in der Zaubererwelt in Ermangelung von lenkbaren Fortbewegungsmitteln nicht zum Grundwortschatz gehört.
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