
von Vistin
„Das ist nicht dein Ernst, Camille, oder?“ Lily starrte Camille misstrauisch an. Wollte die Slytherin sie auf den Arm nehmen? Camille war nicht gerade für ihr gutes Herz bekannt und sie liebte es, Leute zu veräppeln, die so etwas mit sich machen ließen. Lily hatte bisher nicht das Gefühl gehabt, zu Camilles Opfern zu gehören, aber vielleicht hatte sie es bislang nur nicht bemerkt. Dieser Vorschlag konnte einfach nicht ernst gemeint sein, außer wenn Camille sie in eine Falle locken wollte.
Naomi schien es ähnlich zu sehen: „Snape ist wohl das größte Ekel, das ich in diesem Schloss angetroffen habe, übertroffen nur noch von Potter. Ich werde nicht zulassen, dass du ihm Lily in die Fänge treibst! Sie ist der einzig vernünftige Mensch in meinem Haus, wie soll ich die sieben Jahre hier ohne sie überleben!?“
Genauso wie sich Lily und Naomi in ihrem Entsetzen einig waren, waren sich Camille und Sarina in ihrem Unverständnis einig.
„Severus ist wirklich gut und er kennt einige Tricks, um Zauber ohne Visualisierung zu wirken, das würde dir sicher weiterhelfen“, versuchte Sarina den gemeinsamen Vorschlag zu verteidigen.
„Das mag ja sein, aber ich komme aus einer Muggelfamilie. Wenn ich nicht eingeschleimt, mit Eiterpickeln übersät werden oder in eine Situation geraten will, in der ich 300 Jahre Nachsitzen bekomme, sollte ich Snape lieber meiden.“
Zwischen Camilles perfekt gezupften Augenbrauen bildete sich eine Falte, die Lily unnatürlich symmetrisch erschien. Sarina äußerte ihre Verwirrung hingegen ganz offen: „Ich verstehe das nicht. Es ist doch extrem unwahrscheinlich, dass du 300 Jahre lebst, daher wird dir kein Lehrer eine so lange Strafe auferlegen.“
Lily musste lachen und begriff gleichzeitig, dass der Vorschlag ernst gemeint sein musste, denn Sarina hätte den Zweck von „jemanden veräppeln“ einfach nicht begriffen, daher versuchte sie wieder logisch zu argumentieren.
„Hast du nicht gesagt, dass ich einen Lehrer brauche, der auch aus einer Muggelfamilie kommt? Snape ist aber ein Slytherin, ein reinblütiger Zauberer, wieso sollte er besser geeignet sein, mir zu helfen, als ihr?“
Jetzt lachte Camille: „Das ist immer noch die Broschüre, stimmt's?“
Lily warf Camille einen flehenden Blick zu. Was sollte jetzt dieser komische Themenwechsel?
„Die Broschüre von der Muggeleinführungsveranstaltung, die, in der über die Häuser informiert wird“, begann Camille zu erklären. „Die ist schon vorletzten Sommer erschienen und die meisten älteren Schüler haben sich tierisch darüber aufgeregt, weil da der größte Blödsinn drin steht. Die Hufflepuffs und Slytherins haben sogar eine Beschwerde ans Ministerium deswegen geschickt. Aber nur der alte Schulleiter bekam eine Antwort und in der stand, dass er es zu unterbinden habe, dass radikale Subjekte das Ministerium mit propagandistischen Schreiben belästigen, die eindeutig nur den Sinn hätten die Wahrheit zu verzerren. Der alte Dippet hat dem Ministerium daraufhin versprochen, dass die Schule keine Beschwerden mehr gegen das Infomaterial für Muggelfamilien erheben würde. Dumbledore konnte diese Zusage nicht mehr zurücknehmen, als er Schulleiter wurde, aber dafür hat er die Schulsprecher mit zu der Einführungsveranstaltung genommen, damit die Familien zumindest ein paar zuverlässige Informationen bekämen. Aber Alisya meinte schon, dass sie nicht hatte öffentlich sprechen dürfen und in Privatgesprächen hätte sie kaum die Hälfte der Erstklässler erreicht“, erzählte Camille. Lily fand die Vorfälle zwar sehr interessant, aber sie begriff immer noch nicht, wie das mit ihrer Nachhilfe zusammenhing. Camille deutete ihr verzweifeltes Gesicht richtig und erklärte weiter.
„Verstehst du denn nicht? Snape ist nicht reinblütig, sein Vater ist ein Muggel. Man muss nicht reinblütig sein, um nach Slytherin zu kommen. Stacy Paris ist sogar muggelstämmig. OK, das ist selten, aber es geht. Du kommst nach Slytherin, wenn du nach Slytherin passt. Und eine unserer höchsten Tugenden ist Ehrgeiz. Severus hat in einem Muggelhaushalt gelebt und ist trotzdem einer der besten Zauberer aus unserem Jahrgang.“
Dass Snape ein Halbblut sein sollte, erstaunte Lily zwar gewaltig, aber sie hatte beobachtet, wie Snape gestern bei der Zaubertrank-AG Simons Kessel in die Luft gesprengt hatte und das machte ihn ihr nicht sympathischer.
„Dann ist er noch merkwürdiger als ich gedacht hatte. Wenn er selbst aus einer Muggelfamilie kommt, wieso schikaniert er dann Muggelstämmige?“, fragte Lily.
„Tut er das?“, fragte Sarina erschrocken zurück.
„Ja, er hat gestern Simons Kessel gesprengt. Letzte Woche hat er Tom Strafarbeiten eingebrockt und in der zweiten Zaubertrankstunde Anna diesen grünen Schleim angehext. Das sind alles Kinder aus Muggelfamilien. Findet ihr nicht, dass da ein System hinter steckt?“
Es folgte nachdenkliche Stille, die Camille erst Minuten später zaghaft durchbrach.
„Du glaubst nicht im Ernst, dass die Auseinandersetzung letzte Woche gezielt gegen Tom gerichtet war, oder?“
Lily fühlte sich in die Ecke gedrängt.
„Du hast das doch erzählt, als ihr zum See runtergekommen seid“, versuchte sie sich zu verteidigen.
„Ach so, nein. James und Peter haben sich mit Snape angelegt, Tom kam erst später dazu und hielt eine seiner Predigten über die Schulordnung und Ruhestörung. Als es Tom erwischt hat, war Snape schon längst weg“, berichtigte Naomi und konnte auch noch mehr klarstellen: „Und der grüne Schleim hat eigentlich nur Crystal angesprungen, Anna bekam es erst ab, als sie versuchte, Crystal zu befreien. Das weiß ich ganz sicher, weil Madam Pomfrey noch danach gefragt hat, wen es zuerst erwischt hätte. Als sie nämlich anfing, Crystal, die schlimmer dran war, zu befreien, sprang das grüne Zeug von Anna wieder auf Crystal zurück.“
„OK, vielleicht bin ich von der gruseligen Einführungsveranstaltung für Muggelfamilien mehr geschädigt, als ich dachte“, gab Lily zu, „aber es war trotzdem nicht gerade nett, Crystal das ekelhafte Zeug auf den Hals zu hetzen.“
„Nein, nett war es wirklich nicht, aber gerecht. Ich werde es Severus wohl bald gleich tun. Gestern habe ich eine sprühbare Haaressenz zubereitet, und wenn Crystal noch einmal hinter unseren Rücken 'Trampel' flüstert, werde ich mit Genuss zusehen, wie ihr das Gesicht mit Haaren zuwächst“, zischte Camille.
„Trampel?“, fragte Naomi nach und Lily bemerkte, wie Sarina rot anlief.
„Ja, unser Mondmädchen hier“, Camille legte Sarina freundschaftlich einen Arm um die Schultern und drückte sie an sich, „hat sich trotz all unserer Mühen ein paar Fehltritte erlaubt, die Crystal mit ihrem elenden Lästermaul breittratschen musste. Ich wette, dass mehr als die Hälfte der allzu schmeichelhaften Gerüchte über Snape auch aus Crystals Plaudertasche stammen.“
„Lily, du brauchst meiner Menschenkenntnis nicht zu vertrauen, sie ist zugegebenermaßen mehr als schlecht, aber ich bin mir sicher, dass Severus dir erklären kann, worauf es beim Zaubern ankommt.“ Sarina sprach ganz leise, mit immer noch geröteten Wangen, aber ihre Augen sahen Lily fest und überzeugt an.
Bei dem Gedanken, Nachhilfe bei Severus Snape zu nehmen, schlug Lilys Herz bis zum Hals, doch ihre Angst war ja auch schon in der Bibliothek unbegründet gewesen.
* * *
James verstand nicht, wieso sie es nicht geschafft hatten, zu dritt unter dem Tarnumhang zu laufen. Jetzt, da er in einer Wandnische unweit von Periculs Büro unter dem Umhang hockte, bot dieser schier unendlich viel Platz. James hatte eine Lampe, seine Schultasche, Papier, Tinte, Feder, Lineal, mehrere aufgeschlagene Bücher und natürlich sich selbst darunter untergebracht und der Umhang hing noch immer fast bis zum Boden.
Seit Jaqueline mit Pericul gesprochen hatte, hielten sie abwechselnd Wache und beobachteten Periculs Schritte. Doch bislang ohne Ergebnis, Pericul verließ sein Büro nach dem Unterricht selten, bislang hatten sie ihm einmal in die Eulerei und zweimal in den Astronomieturm folgen können. Einmal ging er in die Kerker, wo sie ihn jedoch nach einer dunklen Biegung verloren hatten.
Jedoch konnten sie ihn nach der Ausgangssperre schwerer beobachten, vor allem, seit die Fette Dame ihnen angedroht hatte, sie nicht wieder reinzulassen, wenn sie weiterhin zu spät in den Gemeinschaftsraum kommen würden. Die Porträts petzten zwar nicht, aber es war nicht allzu günstig, es sich mit ihnen zu verscherzen.
Und es gab nur eine Ausrede, um nach 21 Uhr noch unterwegs zu sein: Nachsitzen. Sirius hatte den Bogen wegen seiner Duelle mit Camille schon mehr als überspannt, es wäre für ihn glatter Selbstmord gewesen sich absichtlich erwischen zu lassen, Remus lehnte es einfach nur kategorisch ab und Peter und James mussten zugeben, dass sie es sich so kurz nach McGonagalls Strafarbeit nicht trauten.
Da die Wachen bislang mehr als langweilig waren, wollte James diese dazu nutzen, seine Hausaufgaben für Verteidigung gegen die dunklen Künste zu erledigen, doch irgendwie waren seine Gedanken schon beim Freundschaftsspiel, das in knapp einer Stunde anfangen sollte. Er war zusammen mit Jaqueline und einem älteren Jungen aus Hufflepuff zum Jäger bestimmt worden und er grübelte über die wenigen Taktiken nach, die mit Jaqueline als einer völligen Anfängerin im Quidditch machbar waren.
Erst das Aufschlagen von Periculs Tür ließ James aufschrecken und bemerken, dass seine Feder, die er gedankenverloren über dem Blatt Papier gehalten hatte, einen dicken Klecks mitten in seinem Text hinterlassen hatte. Er fluchte lautlos und spähte an der Rüstung vorbei, die vor der Nische stand, um nach Pericul zu sehen. Es gelang ihm gerade noch, seinen Tarnumhang festzuhalten, da wehte Pericul schon an ihm vorbei, gehüllt in einen dunkelblauen Umhang und mit einem in den Schulfarben gestreiften Schal.
Erschrocken sah James auf die Uhr, von wegen in einer Stunde! Er hatte die Zeit völlig unterschätzt, es war schon zehn und um halb elf sollte das Spiel beginnen. Ungeduldig sah James Pericul nach, bis dieser hinter einer Ecke verschwunden war und warf den Umhang ab, um seine Schulsachen schneller einpacken zu können.
Er rannte schon hinter Pericul her, während er den Umhang noch in die Tasche stopfte. Als er hinter der Ecke aufblickte sah er noch den blau gewandeten Rücken, aber es war zu spät um zu bremsen.
„Sie haben es ja ganz schön eilig, Mr. Potter“, stellte Pericul mit einem Unterton fest, der James beunruhigte, nachdem er James mit festem Griff wieder auf die Füße gezogen hatte.
„Ich ... ich ...“, James versuchte sich krampfhaft daran zu erinnern, welche Räume außer Periculs Büro in dem Gang lagen, aus dem er gerade gestürmt war. Doch ihm fiel nichts ein, daher versuchte er sich anders zu retten.
„Ich bin zu spät dran, ich muss gleich spielen. Es tut mir Leid!“, rief er noch und stürmte an Pericul vorbei, in der Hoffnung, dass der Lehrer nicht weiter über den kurzen Vorfall nachdenken würde.
* * *
Der Zusammenstoß mit Pericul, wie auch die unfertigen und mit Tinte bekleksten Hausaufgaben hatte James völlig vergessen, als er nach einem aufregenden Tag mit Jaqueline vom Spielfeld zum Abendessen ging.
Es hatten sich so viele Schüler für das Freundschaftsspiel zur Saisoneröffnung gemeldet, dass die Veranstalter kurzerhand drei Mannschaften mit je einem Auswechselspieler gebildet hatten. James schaffte es, beim ersten Spiel den Pfiff und die Rufe von Professor Taurus zu überhören, so dass er gar nicht ausgewechselt wurde. Sie gewannen mit 30 Punkten Vorsprung nach einem Timeout, weil nach 80 Minuten der Schnatz noch immer nicht gefangen war und man noch zwei weitere Spiele sehen wollte.
James erzählte beim improvisierten Mittagessen mit einem großen Buffet auf dem Spielfeld stolz, dass man genau mit den vier Treffern, die er erzielt hatte, der Niederlage entronnen war.
Das zweite Spiel, an dem James' Mannschaft nicht teilnahm, war zum Glück sehr kurz, schon nach einer halben Stunde erwischte Lucius Malfoy aus der Dritten den goldenen Ball und führte seine Mannschaft mit 110 Punkten Vorsprung zum Sieg. James schaffte es, Taurus zu beknieen, dass er ihn im zweiten Spiel Sucher spielen lie0. James reizte es gewaltig, sich mit dem blonden Jungen anzulegen. Umso enttäuschter war er, als sich herausstellte, dass Malfoy im zweiten Spiel nicht mehr antrat, sondern durch Jonathan Beech, einen schmächtigen Erstklässler aus Ravenclaw ersetzt wurde.
Beech war kein ernstzunehmender Gegner, daher machte es James nichts aus, dass er den Schnatz erst kurz vor Ablauf der Zeitfrist erwischte. Seine Mannschaft gewann mit 90 Punkten und schaffte so knapp den ersten Platz. Preise gab es nicht, alle Spieler des Tages bekamen jedoch eine Überraschungstüte mit Süßigkeiten und Scherzartikeln.
James bemühte sich, sein breites Grinsen über die große Packung zischender Kirschdrops zu unterdrücken, als er beobachtete, wie Malfoy seine Tüte desinteressiert an ein kleines Hufflepuffmädchen verschenkte.
„Und was ist das?“, Jaquelines Wangen glühten noch vor Aufregung und Anstrengung des Spiels, sie war heute mehr als gut geflogen, auch wenn sie spielerisch noch viele Fehler gemacht hatte. Jetzt ging sie den Inhalt ihrer Tüte durch und freute sich diebisch über jede magische Kleinigkeit darin.
„Oh, mit denen muss man vorsichtig sein, das sind Bertie Botts Bohnen jeder Geschmacksrichtung. Die braunen würde ich generell meiden, die Wahrscheinlichkeit, dass man Kaninchenkuddel-Geschmack oder Rinde erwischt, ist da am höchsten. Bei den roten gibt es welche, die haben so kleine Knubbel, ist schwer zu sehen, das ist Roterpfeffergeschmack, wenn man da einmal draufgebissen hat, isst man die Dinger nicht mehr, ohne einen Krug Wasser in den Nähe zu haben. Aber vielleicht solltest du deine eigenen Erfahrungen mit dem Zeug machen“, James grinste sie tückisch an und sie streckte ihm frech die Zunge entgegen, doch die Bohnen ließ sie wieder in der Tüte verschwinden.
„Hättest du erwartet, dass der Mooskopf so gut fliegen kann?“, fragte Jaqueline und entpackte einen Schokofrosch, eine Süßigkeit, die sie dank James bereits kennen und lieben gelernt hatte.
„Mooskopf?“, fragte James verwirrt zurück.
„Ja, Alent, die mit den grünen Haaren. Ich finde sie mit dieser affigen Frisur und ihrer komischen Art ja total nervig, aber fliegen kann sie wirklich gewaltig. Sie hat mich im zweiten Spiel echt auf Trab gehalten mit den Klatschern, einmal hatte ich das Gefühl, sie wäre auf zwei Seiten gleichzeitig.“
„Ach, die. Ja, sie war wirklich gut. Bin gespannt, ob sie in die Hausmannschaft kommt.“
Sie hatten die große Halle erreicht, und während Jaqueline über das morgige Häuserspiel zwischen Hufflepuff und Slytherin sprach, suchte James am Gryffindortisch nach seinen Freunden. Er entdeckte nur Remus, der mit Chris und Brix zusammensaß.
„Wir treffen uns dann morgen beim Spiel“, verabschiedete sich James gedankenverloren, ohne zu merken, dass er Jaqueline unterbrochen hatte, und ging zu Remus.
„Wo ist denn Peter?“, fragte James, als er sich neben Remus in die Bank quetschte.
„Mit Sirius in deiner Sache unterwegs“, kam die merkwürdige Antwort, doch James bemerkte Remus' Blick, der sagte, dass er nicht hier und jetzt weiterfragen sollte.
James kam erst nach dem Duschen zum erneuten Fragen, da waren Peter und Sirius aber auch wieder da.
„Wir haben was“, grinste Sirius James schon von weitem an und Peter kramte strahlend in seiner Schultasche.
„Wir sind Pericul gefolgt“, begann Sirius leiser zu erzählen, als James sich zu ihm, Remus und Peter in eine der Fensternischen des Gemeinschaftsraumes gesetzt hatte.
„Er ist während des Mittagessens zurück zum Schloss gegangen. Mir ist das gleich komisch vorgekommen und wir sind ihm nach.“
„Und er hat euch nicht bemerkt?“, fragte James begeistert.
„Nein, er hatte es sehr eilig und achtete überhaupt nicht auf seine Umgebung.“
„Und wir waren sehr vorsichtig“, warf Peter ein.
„Und? Was habt ihr entdeckt? Erzählt schon!“, drängte James.
„Er ist zu einer Tür gegangen, Peter meinte, sie wäre direkt in der Westwand des Schlosses.“
Peter hatte einige dutzend Blatt Papier aus seinen Büchern und Heften herausgesucht und breitete sie auf dem niedrigen Tisch aus. James verstand nicht ganz, was die Kritzeleien sollten, doch als Peter anfing, die Seiten zu sortieren und zurechtzuschieben erkannte er langsam, wie sich die Linien zu Gängen und Räumen zusammenfügten.
„Hier“, Peter deutete auf eine merkwürdige Signatur auf einem der Blätter, „das ist die Treppe, die vom zweiten Kerkergeschoss in das dritte führt, die sind wir runtergegangen. Das dritte Stockwerk habe ich noch nicht gezeichnet, aber wir sind danach nur noch ein Stückchen geradeaus und dann links.“ Peter fuhr die Strecke mit dem Finger auf dem Papier ab und landete an einer breiten Linie, die mit einem Ziegelsteinmuster verziert war.
„Da drunter ist die Tür und genau hier sind auch die Außenmauern des Schlosses“, stellte Peter fest.
Sirius grinste triumphierend.
„Dann passt ja alles zusammen! Die Tür, durch die Pericul neulich zurückgekommen ist, liegt auch in der Westmauer. Die Heulende Hütte liegt südwestlich von hier. Also gibt es nur eine Lösung: Diese Tür ist der Eingang zu einem Geheimgang der direkt in die Heulende Hütte führt.“
Etwas knallte. James, Peter und Sirius fuhren zusammen und sahen sich um.
„'Schuldigung“, erklärte sich Remus, „ich bin über euren wilden Spekulationen wohl eingenickt.“
Er hob das Buch, das ihm aus den Händen geglitten war wieder auf.
„Und außer eurer all zu schlüssiger Vermutungen, was ist an dieser Tür so spannend?“
„Sie ist verschlossen“, antwortete Peter.
„Uhhhh, wie aufregend, das ist die zum Klo im zweiten Stock seit Neustem auch, und trotzdem kommt keiner auf die Idee, Geheimgänge hinter ihr zu vermuten. Abgesehen davon, dass Gänge hinter Türen, die wie Türen aussehen, einfach nur verschlossene Gänge sind und nicht geheim.“
„Die Klotür wird aber nicht von einem sprechenden Türklopfer bewacht, der sich verplappert hat, dass hinter seiner Tür ein blutrünstiges Monster leben würde, oder?“, beendete Sirius selbstzufrieden seinen Bericht.
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