
von Vistin
„Hier, ich habe Periculs Feder geklaut, damit sollte es sich einfacher schreiben lassen als mit McGonagalls Haarnadel.“ Sirius präsentierte eine lange Rabenfeder und setzte sich zu Peter und James.
„Klasse, damit haben wir alle Lehrer zusammen.“ Peter faltete die Karte auseinander und beobachtete, wie ein besonders krakeliger Schriftzug, der nur erahnen ließ, dass es „McGonagall“ heißen sollte, in den Zauberkunstkorridor einbog und sich mit einem „Flitwil“ traf – James hatte aus Versehen Peter beim Schreiben von Flitwicks Namen mit einem zum Stift zusammengerollten Kalenderblatt angestoßen und der Name hatte sich nicht mehr korrigieren lassen.
„Wieso sind wir nicht früher auf die Idee gekommen, immer die Federn der Lehrer zu klauen, dann könnte man die Einträge in der Karte zumindest alle lesen.“
Sirius sah James schief an. „Du hättest dich getraut, McGonagalls Feder zu klauen? Du bist schon ins Schwitzen gekommen, als du die Haarnadel, die vor ihrem Schreibtisch lag, aufheben solltest.“
James verzog eine Grimasse und wollte etwas erwidern ...
„Hey, was soll das!?“, erklang da plötzlich Toms Stimme einige Tische weiter. Seine Bücher lagen auf dem Boden und das Tintenfass färbte einen bunten Läufer langsam schwarz.
„Ich habe dir gesagt, dass dieser Tisch besetzt ist und du hast nicht darauf gehört. Selber schuld“, blaffte ihn Remus an, der auf der anderen Seite des Tisches saß.
„Der Posten des Klassenekels wechselt wirklich schnell“, kommentierte Peter und warf Sirius einen misstrauischen Blick zu.
„Remus konnte schon immer fies sein. Kurz vor eurem Ausflug in die Strafarbeit hat er mir einen Knallfrosch in das Zaubertheoriebuch gelegt. Das gab vielleicht eine Beule, als das Buch gegen meinen Kopf geschleudert wurde“, erzählte Sirius und ignorierte Peters Seitenhieb.
„Seit Weihnachten ist er trotzdem irgendwie anders. Ich habe mir auch dauernd seine Sprüche anhören dürfen, aber das war irgendwie ... cool. Jetzt hockt er die ganze Zeit allein in den Ecken und fährt jeden an, der sich ihm nur nähert.“ James beobachtete, wie Tom seine Sachen wieder aufhob und die Tinte trockenzauberte, aus dem Teppich bekam er sie allerdings nicht mehr heraus.
Offensichtlich stimmte etwas mit seinem Jahrgang nicht: Sirius' Launen und seine andauernden Duelle mit dieser Camille, Remus' komisches Verhalten und sein ständiges Kranksein und Verschwinden. Dieses grünhaarige Mädchen, bei dem man das Gefühl hatte, sie wäre auf dem Mond aufgewachsen und die mit einer Gryffindor zusammenhing, als ob es das Normalste auf der Welt wäre - wobei Lily weder etwas normales noch etwas von einer Gryffindor hatte.
Sein Vater und sein GroĂźvater hatten solche Klassenkameraden nicht gehabt. Dass sich gleich so viele komische Leute in seinem Jahrgang fanden, konnte kein Zufall sein.
* * *
Dass Gryffindor am Samstag von Slytherin in den Boden gestampft wurde, war auch kein Zufall.
Die Slytherin-Jäger hatten einen guten Tag: Obwohl der neue Treiber Basil Avery den Eindruck machte, sich dem ganzen Spiel einfach nur zu verweigern, umflogen sie die Klatscher mit einer solchen Geschicklichkeit, dass James sich dabei erwischte, bei einem Tor der Slytherins mitzujubeln.
Die anderen Gryffindors auf der Tribüne warfen ihm zwar böse Blicke zu, aber keiner konnte leugnen, dass Slytherin verdient führte, als Damian, einer der Jäger, den abstürzenden Quaffel durch ein gewagtes Manöver einen halben Meter über dem Rasen abfing, den beiden Klatschern auswich und punktete, noch bevor der Gryffindor-Hüter merkte, dass seine Ringe angegriffen wurden.
„Wo warst du denn?“, fuhr James Jaqueline ungeduldig an, als sie zur Halbzeit auf die Tribüne kam und James die Tüte mit Schokofröschen klaute.
„Entschuldige, ich habe mich mit Aileen verquatscht, sie hatte die Sache mit dem Duell noch nicht gehört.“
James hielt in dem Versuch, ihr die TĂĽte wieder abzunehmen, inne und sah sie mit groĂźen Augen an.
„Was denn für ein Duell?“
„Sag bloß, du weißt es nicht, sie sind doch in deinem Schlafsaal.“
James schĂĽttelte nur verwirrt den Kopf.
„Es gab ein Duell zwischen Remus und Tom, gestern Abend. Es ging wohl um die Punkte“, begann Jaqueline zu erzählen, noch immer unsicher, ob James wirklich keine Ahnung hatte oder sich nur dumm stellte.
James war am gestrigen Abend ein gewisser Aufruhr im Gemeinschaftsraum aufgefallen, aber er hatte an den Hausaufgaben fĂĽr Zaubertheorie gesessen und nicht darauf geachtet.
Doch jetzt galt seine ganze Aufmerksamkeit Jaqueline, darĂĽber verpasste er sogar einen Angriff der Gryffindors, den Marvin Pons nur mit knapper Not abwehrte.
„Nein, ich habe wirklich noch nichts davon gehört. Was ist denn passiert, erzähl schon!“ Die Frösche hatte er auch bereits vergessen.
„Remus hat sich im dritten Kellergeschoss rumgedrückt und Tom hat ihn dabei gesehen. Er stellte ihn zur Rede und plötzlich flogen die Flüche. Ich war dummerweise gerade im Zaubertrankraum mit Professor Slughorn. Remus hat den ganzen Flur mit einem ekelhaften Matsch vollgehext und Slughorn vermutete, dass es das Gleiche gewesen ist, was in seiner Klasse Schüler angefallen hatte, und behielt mich stundenlang da.“
„Wie ist es ausgegangen?“, bohrte James nach, als Jaqueline innehielt, um sich einen Schokofrosch in den Mund zu stecken.
„Ich war ja nicht dabei, aber jemand meinte, Remus wäre die Treppe runtergefallen und zum Krankenflügel gebracht worden.“
James versuchte, sich zu erinnern, ob er Remus im Schlafsaal gesehen hatte, doch er musste sich eingestehen, dass er gar nicht mehr darauf achtete. Remus' ständiges Kommen und Gehen, vor allem aber seine Launen hatten James völlig durcheinandergebracht und sein Interesse an Remus verfliegen lassen. Dabei hatte er am Anfang des Schuljahres sehr gerne Zeit mit ihm verbracht.
* * *
„Das ist nicht dein Ernst, Lily, oder?“ Der Winter hatte einen letzten Ansturm auf das Schloss unternommen und es unter einer dicken Decke aus nassem Schnee vergraben. Daher konnte Lily Naomis Gesicht zwischen dem Pelz ihrer Kapuze kaum sehen, doch ihre Stimme klang entrüstet.
„Kannst du mich denn wirklich nicht verstehen? Severus hatte sich falsch verhalten, die Sache zwischen James und mir ging ihn nichts an und er hat James auch noch verletzt. Es wäre an ihm gewesen, sich zu entschuldigen, aber stattdessen schaut er mich nicht einmal mehr an. Und dann, wenn es ihm in den Kram passt, lässt er sich herab und wirft mir eine milde Gabe zu, wie einem Hund.“
„Lily, ich weiß, dass du auf Snape sauer bist - dein gutes Recht. Aber er sollte dir egal sein, er hat den Vertrag gebrochen, als er nicht mehr im Hausaufgabenraum aufgetaucht ist. Du bist ihm nichts schuldig und dank der Formel brauchst du auch nie wieder etwas mit ihm zu tun zu haben. Es ist nicht wichtig, wie du zu der Formel gekommen bist, hätte er sie nicht gefunden, hätte ich sie früher oder später gefunden, oder Sarina.“
„Das ist es ja eben.“ Lily blieb stehen, obwohl der kalte Wind auf dem Schulhof besonders schneidend war.
„Wir hätten die Formel nie gefunden, ich habe in der Bücherei nach diesem Buch gesucht. Madam Pince hat es nicht, es gehört Severus. Und selbst Professor Flitwick wusste nur, dass eine solche Formel existiert, nicht aber, wie man sie verwendet oder wo man sie finden könnte. Wenn ich die Formel nutze, ist es klar, dass ich sie von Severus habe.“
Naomi schĂĽttelte den Kopf und winzige Wassertropfen flogen von ihrer Kapuze.
„Nein, Lily. Nur er weiß es und er wollte ja, dass du die Formel bekommst. Und es kann dir egal sein, was er über dich denkt, du wirst nie wieder etwas mit ihm zu tun haben. Und jetzt komm weiter - mir frieren die Füße ab.“
Lily nickte und folgte Naomi ĂĽber den Hof zum Zauberkunstraum.
Es war erstaunlich, wie einfach zaubern war, wenn man die Fokus-Formel benutzte. Es hatte nur mit Denken und mit Körperbeherrschung zu tun. Die Kraft kam aus einem Muskel, den Lily anspannte, den Zauberstab richtete sie nur auf den Gegenstand. Was mit ihm passieren sollte, musste sie einfach wollen, sich kurz konzentrieren und den Zauber sprechen. Kein inneres Auge, kein Wedeln und Schnippen mit dem Zauberstab, keine geistigen Materialisierungen. Nur Kraft, Wille und Gegenstand.
Natürlich war es kein Allheilmittel: Die ersten Versuche waren recht holprig, die Orange, die sie nur rot färben sollte, fing an, rot zu leuchten, und die Tomate, die sie schälen sollte, wurde zu Tomatensauce. Doch Professor Flitwick hüpfte ganz aufgeregt um sie herum und lobte ihre Fortschritte.
„Es ist nicht schlimm, wenn am Anfang noch nicht das erwünschte Resultat eintritt“, erklärte der kleine Professor und wischte sich Tomatenmark von der Brille. „Es ist wichtig, dass die Richtung stimmt. In der Sauce ist kein Stückchen Haut mehr, das ist doch schon sehr gut.“
Lily konnte sich ĂĽber den Erfolg nicht freuen. Es war zwar toll, dass endlich jeder Zauber auch sofort eine Wirkung zeigte, aber es war nicht ihr Verdienst.
Naomi irrte sich, es ging nicht darum, was Severus ĂĽber sie dachte, es ging darum, dass er sie manipulieren konnte. Er gab ihr die Formel und sie konnte zaubern. Doch solange Lily nicht wusste, wieso er es tat, musste sie damit rechnen, dass er auch die Macht hatte, es ihr wieder wegzunehmen oder sie damit unter Druck zu setzen.
* * *
„Erkläre mir das bitte noch einmal, wieso machen wir das hier?“
Es war Wochenende und obwohl es draußen stürmte, hätte sich jeder Schüler eine angenehmere Beschäftigung vorstellen können als in der Bibliothek zu hocken.
„Wir wälzen unendliche Mengen an Büchern, um zu überprüfen, ob die Verwendung der Fokus-Formel nicht gesetzlich verboten ist, Nebenwirkungen hat oder sonst irgendeinen Haken“, erklärte Naomi mürrisch in einem Buch blätternd. Camille gab sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden: „Schon klar, aber wieso?“
„Wenn du mir nicht helfen willst, dann geh.“ Lilys Stimme klang hart und sie warf Camille einen bösen Blick zu.
„Ganz ruhig, Rotschopf. Ich werde schon gehen, wenn mir die alten Schinken aus dem Hals raushängen, so weit ist es aber noch nicht. Ich will nur wissen, wieso dir das so wichtig ist.“
„Sie traut Severus nicht und will wissen, ob an der Formel ein Haken ist“, erklärte wieder Naomis gelangweilte Stimme.
Camille sah zu Sarina, die in einem besonders alten Buch las und daher jedes zweite Wort in einem Wörterbuch nachschlagen musste.
„Sarina hat dir doch gesagt ...“
„Das zählt nicht, Camille. Ich werde mich nicht länger manipulieren lassen, von niemandem“, schnitt ihr Lily das Wort ab.
„Das verstehst du also unter Freundschaft? Zählt Sarinas Wort gar nicht?“ Lily sah erstaunt auf, sie hatte nicht erwartet, dass Camille so klar Stellung bezog.
„In solchen Sachen zählt es wirklich nicht, Camille“, antwortete Sarina leise.
„Ich mag Severus und ich kann die Geschichten, die über ihn erzählt werden, nicht glauben, aber es ist auch unwahrscheinlich, dass sie nur Lügen sind. Und ich bin nicht die richtige Person, um ein Urteil über seine Beweggründe zu fällen. Wenn die Fokus-Formel Lily helfen soll, muss Lily der Formel vertrauen, das ist schon richtig. Also hilf uns, bitte.“
Die Mädchen wechselten stumme Blicke, dann zog Camille ihren Stuhl näher heran und schlug eins der Bücher auf.
Sie arbeiteten mehrere Stunden fast schweigend, bis Camille sich plötzlich mit der Hand gegen die Stirn schlug.
„Hast du etwas gefunden?“, fragte Naomi hoffnungsvoll.
„Ja, den Eingang zu Slytherins Werkstatt.“
Die drei anderen blinzelten Camille verwirrt an.
„Hier geht es um Regelungen bei dem magischen Umbau historischer Gebäude. Demnach sind Kamine geschützte Elemente der Architektur, sie dürfen nicht verändert werden. Wir haben im Kerker alle Wände abgesucht, aber nicht den Kamin. Wir haben im Gemeinschaftsraum so einen gigantischen, der ist noch aus Slytherins Zeiten.“
Lily war deprimiert. Einerseits, weil ihre Freundinnen ihre Sorgen ganz eindeutig nicht ernst nahmen, aber auch, weil sie seit Stunden nichts gefunden hatte, was ihr den Haken an der Fokus-Formel hätte erklären können. Daher gab sie die Suche auf.
Camille und Sarina steckten die Köpfe zusammen, um zu überlegen, wie sie den Gemeinschaftsraum leer bekommen könnten, um den Kamin zu untersuchen. Naomi verabschiedete sich für ein heißes Bad und Lily räumte nachdenklich die Bücher zurück in die Regale.
Es hatte etwas von einem Déjà vu als sich Lily umdrehte und plötzlich Severus vor ihr stand. Sie schrak zusammen und das oberste Buch rutschte von ihrem Bücherstapel. Severus hob es wie damals auf, doch seine Bewegungen wirkten diesmal unsicher.
„Tut mir Leid“, murmelte er hinter einem Schleier aus fettigem Haar. Lily hatte diesmal keine Angst, doch sie wusste nicht, was sie erwidern sollte, daher nickte sie nur.
„Funktioniert die Formel?“, fragte er nach einigen Sekunden, ohne sie anzusehen.
„Ja, tut sie“, antwortete Lily, die ihn im Gegensatz genau beobachtete.
Er nickte und murmelte etwas, das Lily für ein „gut“ hielt und wandte sich dann zum Gehen.
„Wieso hast du mir die Formel nicht selbst gegeben?“, hörte Lily sich plötzlich fragen. Severus blieb stehen, drehte sich aber nicht wieder zu Lily um. Nach einer erneuten kurzen Pause antwortete er so leise, dass Lily es kaum verstand: „Weil du mir nichts schuldig sein solltest.“
* * *
Was Sirius' Gesinnungswechsel auch immer ausgelöst hatte, es hielt an. Obwohl seine Auseinandersetzungen mit Camille immer häufiger und heftiger wurden, er die Punkte, die er durch seine Leistungen in Zauberkunst eingenommen hatte, allesamt wieder verloren hatte und Professor Pericul inzwischen stur wegsah, wenn er ihm auf dem Flur begegnete, war Sirius' Laune unverändert sonnig. Und James entdeckte jeden Tag mehr Gemeinsamkeiten zwischen ihnen.
„So, und jetzt der Koboldstaub. Vorsichtig dosieren, James, das Zeug ist arg teuer.“
James nahm eine winzige Prise des silbernen Pulvers und blies es gegen das Standbild von Gregor dem Kriecher. Die Statue nieste und stieß dabei mit ihrem gigantischen Hinterteil gegen die Wand, die sich dadurch öffnete.
„Oh, wie simpel“, kommentierte Sirius enttäuscht. „Da hätten wir den Aufwand mit dem Erkennungszauber gar nicht veranstalten müssen.“
„Achtung, Filch ist nur noch zwei Gänge entfernt“, meldete Peter, der die Karte beobachtet hatte.
James sah den Gang entlang und nickte dann in Richtung der offenen GeheimtĂĽr.
„Versuchen wir es. Es ist noch reichlich Zeit bis zur Ausgangssperre.“
Kaum waren sie durch die Öffnung gehuscht, schloss sich die Wand wieder und das Licht ihrer Zauberstäbe beleuchtete einen schmalen Gang, der nur wenige Stufen weiter in eine Wendeltreppe überging.
Die Wendeltreppe führte zwei Stockwerke ab wärts. Inzwischen wussten sie, wie hoch welches Stockwerk war und wie vielen Treppenstufen das entsprach und auf welcher Seite das Schloss wegen der Hanglage ein Stockwerk mehr hatte.
Sie hielten immer wieder inne, um mit dem Vier-Punkte-Zauber die Himmelsrichtungen zu bestimmen und die Abschnitte des Ganges richtig in die Karte einzutragen. Ihre Sorgfalt ließ erst nach, als der Gang, der vom Fuß der Wendeltreppe nach Westen geführt hatte, anfing, feucht zu werden und immer mehr Wurzeln zwischen den alten Steinen auftauchten. Hier war es merklich kälter und ein leises Geräusch wie das Knarren von Ästen schien die Luft zu erfüllen.
„Ich glaube, wir haben das Schloss verlassen. Das waren jetzt gut 400 Meter nach Westen“, erklärte Peter. Da pfiff ein eisiger Windstoß durch den Gang.
„Du hast Recht“, bestätigte Sirius und leuchtete den Gang entlang. „Und da hinten ist der Ausgang.“
Sie hielten kurz inne und sahen sich etwas unsicher an, doch James packte die Neugier. Sie hatten endlich das gefunden, wonach sie so lange gesucht hatten: Einen Geheimgang, der aus dem Schloss hinausfĂĽhrte.
„Na los, das haben wir doch gesucht“, traf er seine Entscheidung und auch auf Sirius' Gesicht zeichnete sich ein breites Grinsen ab. Sie liefen die letzten Meter, einerseits aus Neugierde, aber auch, um sich aufzuwärmen. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass gerade das Geheimnis der Statue eines fettbäuchigen und dümmlich lächelnden Diplomaten sie nach draußen führen würde und hatten nur ihre Schulumhänge an.
Der Gang endete an einer Wand aus Brombeerranken, die blätterlos doch voller Dornen den Aufstieg über eine Steintreppe blockierten.
Sirius sprach einen Zauberspruch und mit einem schrecklichen Geräusch, als würde man Segeltuch zerreißen, teilte sich der Vorhang vor ihnen.
„Wir sind im Verbotenen Wald.“ James, der vorangegangen war, flüsterte, ohne genau zu wissen, wieso. Um sie herum standen uralte, knorrige Bäume, die ihre laublosen Äste im noch winterlichen Wind hin- und herwiegten.
Peter hatte die Arme um sich geschlungen und zitterte.
„Wir müssen ganz schön tief im Wald sein, man sieht in keiner Richtung, wo die Bäume aufhören“, stellte Sirius fest, nachdem er sich umgeschaut hatte.
„Das passt auch“, ergänzte Peter und schlug die Karte mit steifen Fingern auf, „der Gang taucht hier in den Wald ein, an der Stelle, wo die Bäume fast an der Außenmauer stehen.“
Plötzlich schwoll ein merkwürdiges Getöse an. Es war an sich nicht wirklich laut, aber sehr bedrohlich. Es bestand aus dem Rascheln von trockenem Laub, dem Knacken von Ästen, dumpfen Schlägen und vielfachem Schnaufen.
Die Jungs hatten sich in ihren Beobachtungen einige Meter von dem Eingang des Tunnels entfernt und jetzt klang es so, als würde das Getöse genau aus dieser Richtung kommen.
Diesmal war es Sirius, der eine Entscheidung traf. Er griff nach Peters und James' Umhängen und zog sie weg - weg von dem näher kommenden Lärm.
„Weg hier“, flüsterte er und schon rannten sie durch den kahlen Wald. Der Lärm folgte ihnen, kam immer näher. James warf einen Blick über die Schulter; zwischen den Bäumen waren dunkle Gestalten aufgetaucht, ihre Umrisse verschwammen im trüben Licht des endenden Wintertages, doch James erkannte sie trotzdem.
„Zentauren!“, rief er den anderen zu und seine Stimme brach in der letzten Silbe.
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