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Fanfiction

Die Hogwartsrumtreiber - Kapitel 21 - In der Heulenden Hütte

von Vistin

Der Fluch warf Camille gute drei Meter weit zurück und wirbelte sie wie einen Kreisel herum, bis sie zu Boden sank.

„Beeindruckend“, staunte James und beobachtete, wie Camille überprüfte, ob ihre Hände wirklich zu ihrem Körper gehörten.

„Ein Konfusionszauber“, erklärte Peter stolz. „Hoffentlich muss sie nicht aufs Klo - wie das funktioniert, wird sie erst in zwei Stunden wieder wissen.“

„Dann lassen wir der Natur mal freien Lauf“, lachte James und betrachtete seine Beute. Das Glas war zur Hälfte mit sich ringelnden, grünen Würmern gefüllt.

„Was glaubst du, was das ist?“, fragte James und reichte Peter das Glas. Peter warf nur einen flüchtigen Blick hinein, dann sondierten seine Augen wieder den Flur.

„Ich habe keine Ahnung, aber wir sollten später darüber nachdenken. Camille wird uns wahrscheinlich nicht verpetzen können, aber wir sollten uns hier nicht erwischen lassen.“

* * *

„Ist hier irgendwo ein Nest? Ich dachte, der Gemeinschaftsraum der Slytherins wäre im Kerker.“ Sie waren nicht weit gekommen, nur zwei Gänge weiter stand eine Gruppe von fünf Slytherins. James kannte nur zwei von ihnen und irgendwie überraschte es ihn, gerade die beiden miteinander reden zu sehen.

Neben Lucius Malfoy, dem blonden Drittklässler, der beim Quidditchwochenende ein so hervorragendes Spiel als Sucher hingelegt hatte, sah Snape aus wie ein buckliger Hauself. Um so erstaunter war James, als er bemerkte, dass in Malfoys Gesicht echtes Interesse und kein Funken Spott stand.

Peter war einen Schritt hinter James zurückgeblieben, doch James sah nicht ein, wieso er an den Slytherins nicht einfach vorbeigehen sollte. Immerhin hatten sie nichts miteinander zu schaffen. Dass er sich irrte, merkte er erst, als ein breitschultriger Junge Peter am Umhang packte und zurückzog.

„Wen haben wir denn da? Wenn das nicht die kleinen Freunde unseres lieben Vetters sind.“

„Lass ihn los!“, rief James und zog seinen Zauberstab, doch Lucius war schneller.

„Was sind das für Manieren, Rodolphus“, wies er den Jungen zurecht, der sofort Peters Umhang losließ.

Malfoys schlankes, blasses Gesicht wandte sich an James.

„Du bist doch der Sohn von Alamdus Potter, oder?“

James nickte und reichte Malfoy die Hand.

„Ja, ich heiße James.“

„Ich weiß.“ Auch Malfoy nickte und drückte James' Hand so fest, dass es fast weh tat.

„Meine Familie hält große Stücke auf die Arbeit deines Vaters und seiner Abteilung. Es ist wichtig, die Gesetze der magischen Welt aufrecht zu erhalten.“

„Ja, das sagt mein Vater auch immer.“ Malfoy war nur zwei Jahre älter als James und doch spürte James Respekt für den Jungen in sich wachsen. Sein Auftreten war selbstsicher und seine Erscheinung strahlte Macht aus.

„Du scheinst mir ganz nach deinem Vater geraten, James. Daher bin ich mir sicher, dass du auch einsehen wirst, dass es für dich nicht von Vorteil sein kann, dich mit Sirius Black zusammen zu tun.“

James stutzte und sah Malfoy verwirrt an.

„Das verstehe ich nicht“, gab er unter dem fordernden Blick der blassblauen Augen zu.

„Sirius Black ist ein Unruhestifter. Er ist nicht im Geringsten daran interessiert, Gesetze oder Regeln zu befolgen. Seine Mutter - übrigens wie deine ein Mitglied des Vereins der Londoner Hexen - hat schon seit Jahren ihre liebe Mühe mit ihm. Ihre ganze Hoffnung hat sie in die strenge Erziehung im Hause Slytherin gesetzt, doch der Hut entschied anders.“ Malfoys Stimme klang bedauernd und etwas entschuldigend.

„Sirius Black hat dem Hause Gryffindor bislang nur geschadet, das wirst du nicht abstreiten können. Seine Treue gilt nur ihm selbst und auch dich wird er verraten, sobald er einen Vorteil daraus schlagen kann. Er ist wechselhaft und launisch und ohne die Traditionen Slytherins kann er sogar gefährlich werden.“

Obwohl sich James der Faszination, die Malfoy auf ihn ausübte, nicht entziehen konnte, hegte er Zweifel an diesen Worten. Malfoy schien dies zu bemerken, lachte hell und legte James freundschaftlich die Hand auf die Schulter.

„Als junger Gryffindor hättest du das Herz am falschen Fleck, wenn du dich auf die Seite Slytherins stellen würdest. Doch jedes Haus hat seinen Zweck zu erfüllen und wenn dieser Zweck nicht edel und angemessen wäre, hätte man es längst abgeschafft. Bewahre dir deine Ablehnung gegen Slytherin, sie schürt den Ehrgeiz und bringt Motivation, doch stelle sie nicht über die Ziele des wahren Lebens. Sirius Black ist ein Verräter an seiner Familie und er wird es auch an seinem Haus und an denen, die sich für seine Freunde halten, werden. Doch genug gepredigt“, wieder lachte er leise auf und klopfte James zum Abschied auf den Arm.

„Ich muss los, wir sehen uns bestimmt bald wieder, James. Kommst du, Severus?“, wandte er sich an Snape, der die ganze Zeit über schweigend daneben gestanden hatte. Auch jetzt erwiderte er nichts, nickte nur und folgte Malfoy.

Die drei anderen gingen nur ein paar Schritte mit. Als Malfoy hinter einer Ecke verschwunden war, drehten sie sich wieder zu James und Peter um.

„Vielleicht meint Lucius es ja gut mit euch, mir ist das recht schnuppe“, begann einer von ihnen und funkelte James böse an.

„Wer sich auf Sirius' Seite stellt, stellt sich gegen uns, und glaubt mir: Das wollt ihr nicht.“

Ein mächtiger Fluch traf James mitten auf die Brust und schleuderte ihn gegen die Wand des Ganges. Vor Schmerzen stöhnend sank er zu Boden. Neben ihm landete Peter, vom selben Zauber getroffen.

James hatte sich so sehr auf den blonden Rädelsführer konzentriert, dass er nicht bemerkt hatte, dass die beiden anderen ihre Zauberstäbe gezogen hatten. Jetzt kamen sie alle drei mit erhobenen Zauberstäben auf sie zu.

„So funktioniert das nicht, Rodolphus!“

Eine kalte Stimme ließ die drei Angreifer innehalten und sich umsehen. Sirius kam mit erhobenem Zauberstab auf sie zu. Sein Gesicht war steinern und seine Augen funkelten gefährlich.

„Ich kann mir gut vorstellen, dass Lucius das duldet, aber wie wird Professor Slughorn reagieren, wenn herauskommt, dass ihr drei Jahre jüngere Schüler angegriffen habt? Das wird Cristens Aufgabe nicht erleichtern und Slytherin sicher einige Punkte kosten.“

Rodolphus richtete sich zu seiner vollen Größe auf.

„Ja, dir verräterischer Petze traue ich das glatt zu. Aber glaub nicht, dass du immer so leicht davonkommst, dein Stündchen wird noch schlagen.“

Er nickte seinen Gefährten zu und ging an Sirius vorbei. Sie konnten es aber nicht lassen ihn dabei provokativ anzurempeln.

Sirius biss die Zähne zusammen und sah ihnen nicht einmal nach, dann trat er zu James und reichte ihm die Hand zur Hilfe.

„Alles OK?“ fragte er und zog auch Peter auf die Beine.

„Mein Schädel brummt, aber ansonsten ist ...“, James unterbrach sich und starrte zu seiner Tasche hinunter. Kleine grüne Würmer krabbelten aus ihr heraus und verschwanden in der Wand.

„Was ist das?“, fragte Peter.

„Das Glibberzeug, das wir Camille abgenommen haben. Es scheint zu denken“, antwortete James und schob die Tasche mit dem Fuß zur Seite. Glassplitter rieselten aus der Tasche und noch mehr kleine Würmer schlängelten sich zu einer ganz bestimmten Stelle in der Mauer.

Sirius hob den Zauberstab und sprach eine Zauberformel. Auf der Wand erschien ganz kurz ein leuchtender Strich, der zu wackeln begann, zu einer Wellenlinie wurde und dann wieder verschwand.

„Ein Spaltenzauber!“, riefen Sirius und Peter gleichzeitig.

„Weißt du noch, wie man die Dinger benutzt?“, fragte Sirius und berührte die Stelle, an der der Strich erschienen war.

„Klaro“, strahlte Peter und zog Sirius zur Seite.

„Man berührt die Wand mit der Hand, geht einen Schritt zurück, zwei vor und dann in den Spalt.“

Peter führte das, was er beschrieben hatte gleich vor und tatsächlich verschwand er nach den letzten Worten in der Wand. James hatte seinen brummenden Schädel bereits vergessen und machte nach, was Peter vorgemacht hatte. Auf der anderen Seite der Wand erwartete ihn ein schmaler Gang und ein grinsender Peter.

Der Gang führte in beide Richtungen entlang der Wand und bog an beiden Seiten nach ein paar Metern von ihr weg.

„Wo lang?“, fragte Sirius als auch er sich den Gang angesehen hatte.

„Den Würmern nach“, antwortete Peter und deutete auf die Würmer, die geschlossen nach Süden krabbelten.

„Wo hatte Camille die Dinger her?“, überlegte James laut und hob einen der Würmer auf, in seiner Hand zerplatzte er jedoch sofort zu feinem, grünem Staub.

„Wieso habt ihr Camille das Glas überhaupt abgenommen?“, fragte Sirius und seine Stimme klang besorgt, was James an Malfoys Worte erinnerte: „Er wird auch dich verraten.“

Peter erzählte Sirius, was vorgefallen war, während sie den Knick des Ganges erreichten und die Treppe dahinter hinabstiegen.

James beobachtete Sirius im schwachen Licht ihrer Zauberstäbe und in seinem Kopf überschlugen sich die Gedanken. Schon Jaqueline hatte ihn gewarnt, dass Sirius sie verraten haben könnte und jetzt kam dieselbe Warnung von Malfoy. Aber konnte er Malfoy glauben? Immerhin hatte Malfoy mit Snape geredet, es hatte ausgesehen, als hätten sie sich da verabredet. Sirius Verhalten war tatsächlich mehr als verdächtig, aber sie hatten auch so viel gemeinsam. Die Karte machte riesige Fortschritte seit Sirius mit ihnen zusammenarbeitete und ihnen mehr Zauber gezeigt hatte als Peter und James je allein gefunden hätten. Sirius verschaffte ihnen dadurch einen Vorsprung, den sie auch gegen ihn verwenden könnten. Wenn er vorgehabt hätte, gegen sie zu arbeiten, hätte er ihnen das alles doch verschwiegen, um ihnen überlegen zu sein.

„Ihr habt sie mit einem Konfusionszauber belegt? Geht es ihr gut? So etwas ist doch gefährlich!“, rief Sirius gerade und blieb in einem kurzen Übergang zwischen zwei Treppen stehen.

„Was soll das alles überhaupt?!“ James platzte jetzt endgültig der Kragen.

„Sie ist deine schlimmste Feindin, ihr duelliert euch andauernd, sie hat dir Schluckaufpuder untergeschoben, du hast ihr den Warzenfluch verpasst. Und plötzlich bist du um ihre Gesundheit besorgt?“

James hatte den Zauberstab gegen Sirius erhoben und da er immer noch den Lumos-Zauber wirkte, malte das Licht bizarre Schatten in Sirius' Gesicht. Trotzdem glaubte James zu sehen, wie Sirius' Augen mild wurden und so etwas wie Scham in sein Gesicht trat.

„Camille ist schon ok. Wir haben geredet.“

James sah ihn nur verständnislos an.

„Mir haben die Kabbeleien schon bald Spaß gemacht. Weißt du, ich werde nicht nur von Camille fertiggemacht - meine Hausaufgaben verschwinden, meine Bücher kleben zusammen, jedes Mal, wenn ich an einem Slytherin vorbeigehe, passiert etwas und ich weiß nie, wer es war, das ist echt nervig. Gegen Camille konnte ich mich wehren, daher habe ich es ihr wohl nicht so übel genommen wie dem restlichen Pack. Und dann, letzten Monat hatten wir diesen gewaltigen Zoff. Da als Kurt aus der Zweiten den Zungenschwellzauber abbekommen hat.“

Auch Peter hatte das Licht seines Zauberstabes in Sirius' Gesicht gerichtet, wodurch man sehen konnte, wie sich Sirius' Wangen leicht röteten.

„Wir saßen allein in Dumbledores Büro und ich glaube, wir hatten beide Schiss und waren wütend und ... naja, zuerst war es ein Streit, doch dann haben wir geredet. Camille hat erzählt, dass schon bei der Auswahlzeremonie entschieden wurde, mich fertigzumachen. Als sie ihnen zuvorgekommen war, hatte Malfoy Basil, diesen bulligen Treiber der Slytherins, zurückgepfiffen. Sie hat mir irgendwie einen Gefallen damit getan. Und irgendwie macht es Spaß, sich mit Camille zu duellieren. Sie ist echt gut, ich habe dadurch viel gelernt und solange sie ganz offen gegen mich kämpft, halten sich viele Slytherins zurück.“

Sirius sah zu Boden und seine Stimme klang belegt, als er weitersprach.

„Ich wollte nicht nach Slytherin, aber ich hatte gedacht, ich hätte eh keine andere Wahl. Als der Hut dann „Gryffindor“ sagte ... Ich hab es einfach nicht geglaubt, ich dachte: Das ist zu gut, um wahr zu sein. Und das war es auch. Malfoy und die anderen setzten alles daran, mich diese Wahl bereuen zu lassen und vor Weihnachten hatten sie es dann geschafft.“

Er sah wieder auf und seine Augen waren feucht, doch er lächelte.

„Camille hatte sich für mich eingesetzt, auf eine verdrehte Art, ja, aber auf eine wirksame. Wenn sie mir Schluckaufpuder und Felderwichtflüche verpasste, hörten die anderen auf, mich unter der Hand zu verhexen. Dumbledore ließ uns zwei Stunden allein in seinem Büro warten und wir haben über alles Mögliche geredet, uns Grenzen gesetzt, Zeichen vereinbart, uns Tricks verraten. Dann kam Dumbledore herein, reichte uns eine Schüssel mit Zitronenbrausebonbons und meinte: „Wo man nicht überall Freunde findet.“ Ich glaube, er hat sogar gekichert. Er hat uns nicht bestraft oder so, sondern uns nur gesagt, in welchem Zimmer Kurt liegt. Das war echt beeindruckend. Ich hatte noch nie Freunde, ich habe meine Kindheit mit meinen Cousinen und den Malfoys und Lestranges verbracht, bis auf Andy sind das alles Spinner. Bei Camille hatte ich aber plötzlich das Gefühl, dass sie mich mochte. Daher habe ich auch über das, was du über das „Gryffindor-Sein“ gesagt hattest, nachgedacht. Aber vielleicht war das ein Fehler. Wenn ihr meine Freunde seid, werden die Slytherins euch genauso fertigmachen wie mich.“

James merkte, dass sein Hals trocken geworden war. Er hatte nie darüber nachgedacht, was es für Sirius, der aus einer Slytherin-Familie kam, bedeutete ,nach Gryffindor gewählt zu werden. Für James war es ganz einfach gewesen, sein Vater war ein Gryffindor, seine Mutter eine Ravenclaw und die Potters waren eine alte Zaubererfamilie, er hätte in jedes Haus kommen können und es wäre in Ordnung gewesen. Aber die Blacks, sie waren alle Slytherins, seit Generationen.

„Ich habe keine Angst vor Malfoy.“ Peters Stimme unterbrach James' Überlegungen.

„Wenn du nichts dagegen hast, dass ich deinen Vater nicht leiden kann und wenn du mit mir befreundet sein willst, dann bin ich einverstanden. Auch wenn es gelogen war, dass ich vor Malfoy keine Angst hätte, aber ich bin mir sicher, dass ich ihm aus dem Weg gehen kann.“ Peter grinste und reichte Sirius die Hand.

„Meinen Vater kann ich auch nicht leiden, also ist das ok und ich werde alles tun, damit Malfoy dich in Ruhe lässt. Also Freunde!“ Sirius grinste auch und schüttelte Peters Hand.

James musste lachen und legte die Arme um die Schultern der beiden Jungs.

„Ich bin auch dabei. Mir musst du nur versprechen, mich vor Jaqueline zu beschützen, mit Malfoy komme ich schon zurecht.“

Sirius' Gesicht verzog sich zu einer gespielt erschrockenen Grimasse.

„Da würde ich mich lieber mit Lestrange duellieren. Reicht es schon, wenn ich zur Abwechslung nett zu ihr bin?“

„Für den Anfang wird es reichen müssen“, lachte James. „Aber lasst uns weitergehen, hier wird es langsam kalt.“

„Dem kann abgeholfen werden“, flötete Peter und zog einen kleinen Beutel aus der Hosentasche, schnürte ihn auf und zog einen ganzen Mantel daraus hervor.

„Etwas zerknittert, aber warm. Nach der Sache im Wald habe ich dazugelernt“, erklärte Peter und zog einen zweiten Mantel aus dem winzigen Beutel.

„Ich habe leider nur zwei Mäntel, aber ein Pullover tut es sicher auch.“ Peter zog einen dunkelgrünen Pullover heraus und reichte ihn Sirius.

„Ein Verkleinerungszauber?“, fragte James und betrachtete interessiert den Beutel.

„Nein, ein Volumenzauber, oder?“, spekulierte Sirius. Peters Wangen liefen so rot an, dass man es sogar im Halbdunkel sehen konnte.

„Ich habe keinen Schimmer, ich habe ihn aus dem Krempelladen am Piccadilly Circus, er hat nur neun Sickel gekostet.“

* * *

Der Gang führte tief hinunter in den Bauch des Schlosses und dann in einen Erdgang, der mit Holzbalken abgestützt war. Überall tropfte Wasser von der Decke und der Boden war von knöcheltiefem Matsch bedeckt.

„Ich glaube, wir sind unter dem See, genauer unter der schmalen Stelle zum Dorf hin“, flüsterte Peter und zeichnete die letzte Biegung des Ganges ein.

James spürte, wie ihm mulmig zumute wurde. Tief unter der Erde, unter dem See, Unmengen an Wasser und einen Riesenkraken über sich. Sein Herz hämmerte immer schneller und heftiger gegen seine Brust.

„Gehen wir weiter?“, fragte James und versuchte das Ende des geraden, feuchten Ganges vor ihnen zu erspähen.

„Wir sind schon mal hier,“ überlegte Sirius laut. „Der Weg führt fast genau auf Hogsneade zu, wir sind warm angezogen und es ist noch nicht sehr spät, wir könnten versuchen, zur Heulenden Hütte zu kommen. Es war zwar nicht geplant, aber es ist eine einmalige Chance.“

Peter nickte zustimmend und sie gingen mit schmatzenden Schritten weiter.

Der Gang führte zweihundert Meter geradeaus und machte dann eine kaum merkliche Biegung, bald darauf tauchten Balken auf dem Boden auf. Zuerst noch halb im Matsch versunken, dann auf einem immer höher werdenden Podest, bis sie zu einer Treppe wurden. Am Ende der Treppe lag eine Tür oder genauer ein Bretterverschlag, der in zwei verrosteten Angeln hing, ohne Klinke oder Schloss. Sirius versuchte die Tür zu öffnen, doch sie schwang nur einen Spalt breit auf und stieß dann gegen ein Regal, in dem Flaschen klirrten.

„Wir sind im Keller eines Hauses“, flüsterte Sirius und zog seinen Zauberstab. Mit einem Zauberspruch ölte er die Scharniere, dann hob er mit dem Locomotor-Zauber das Regal an und verschob es um einen halben Meter. Gerade genug Platz, damit sie hinter ihm hervorschlüpfen konnten.

„Butterbier!“ Peter nahm eine der Flaschen aus dem Regal. „Und hier ist Feuerwhisky und Met. Wir sind im Vorratskeller einer Schenke.“ James nickte zustimmend, legte sich dann aber den Finger auf die Lippen, um zu zeigen, dass sie jetzt leise sein sollten. Er ärgerte sich, dass er den Tarnumhang nicht mitgenommen hatte, doch jetzt musste es eben auch ohne gehen.

Er schlich zu der Treppe, die nach oben führte, und hinauf zur Tür. Durchs Schlüsselloch sah er einen Gang, der zu den Toiletten zu führen schien, links von der Tür war das Lokal. Eine helle gemütliche Kneipe, gut besucht und gut geheizt. James meinte sogar im Gewirr der Stimmen Hagrids bäriges Lachen zu hören.

Er winkte Sirius und Peter zu. Flüsternd erklärte er ihnen, dass sie geradeaus in den Gang laufen mussten, sobald sie die Tür öffneten. Wieder nur einen Spalt breit, gerade genug, damit sie sich durchquetschen konnten.

Sirius ging zuerst, es gelang ihm, ungesehen an den trinkenden und redenden Zauberern in den Gang zu schlüpfen, Peter blieb an der Klinke hängen und ganz kurz glaubte James, man hätte ihn bemerkt, doch das Stühlerücken gehörte nur zu einer Gruppe von älteren Hexen, die ihre Plauderstunde beendeten. Mit ihrem Aufbruch boten sie James die geeignete Ablenkung und er schlüpfte im Schatten ihrer Mäntel in den Gang und konnte sogar ihre nassen Fußspuren verdampfen lassen.

Diesmal hatten sie Glück. Der Gang endete an einem Fenster, das einen Spalt weit offen stand. Sie öffneten es ganz und stiegen hinaus.

Draußen nieselte es, der Boden war weich und schlammig. Hier machten die Fußabdrücke mehr Ärger, sie kannten keinen Zauber, der die tiefen Stapfen hätte verschwinden lassen. Daher schnitt Sirius einen zweigreichen Ast von einem Strauch ab und verwischte damit notdürftig die Spuren, die vom Fenster aus gesehen werden konnten.

Sie liefen hintereinander nah an den Hauswänden entlang, in den Schatten. Es war erst Nachmittag, die Sonne war noch nicht untergegangen, doch durch die Wolken kam nur wenig Licht. Daher gelangten sie auch unentdeckt an den Rand des Dorfes.

James hatte befürchtet, sie würden die Hütte nicht finden, doch seine Angst war unbegründet. Die ersten Schilder standen schon am Dorfrand: „Gefährlicher Spuk! Nicht betreten!“

Sie mussten über einen hohen Zaun klettern, weil er ihren Zaubern nicht nachgab und als sie den Hügel mit der Hütte erreichten, kannte James die Warnungen der zahlreichen Schilder schon auswendig.

„Habt ihr mal darüber nachgedacht, dass das hier gefährlich sein könnte?“, fragte Sirius und seine Stimme hatte etwas Ironisches.

„Wenn etwas passiert, ist Pericul schuld.“ James und Sirius sahen Peter fragend an.

„Na ja, er hat es ja zu Jaqueline gesagt, nur ein verbitterter Geist, nichts Schlimmes.“

James grinste, obwohl ihm die Knie zitterten.

„Dann lasst uns nachsehen, ob ein Geist diesen Schilderwald wert ist.“

Die Hütte sah gespenstisch aus, so im trüben Licht der untergehenden Sonne, deren wenige, durch die Wolken brechende, rote Strahlen sich in den Tropfen des Nieselregens brachen.

Obwohl die Hütte zwei Stockwerke hatte, war sie winzig. Die Tür war zugemauert und die Fenster waren mit dicken Brettern doppelt vernagelt.

„Wir machen es von Weitem“, erklärte James, während sie über die nasse Wiese zum Haus gingen; „Ich kenne einen Zauber, mit dem man auch Bretter von einem Fenster entfernen kann. Dann sehen wir weiter.“

Zwei Meter vor der Hütte blieben sie stehen und James hob seinen Zauberstab, das erste Brett wurde knirschend abgerissen. Eine Windböe trieb kalte Luft durch James' Mantel und ließ ihn frösteln. Zumindest hoffte James, dass es der Wind war und nicht das Bild der Hütte, mit dem Vollmond am Horizont. Das zweite Brett löste sich und gleich darauf das dritte.

Ein schmaler Spalt entstand.

Die Jungen warteten, doch nichts geschah. Man hörte nur den pfeifenden Wind. James merkte gar nicht, dass er sich bewegte. Er legte die Hände auf das nasse Holz der Bretter und spähte in den kleinen Raum. Etwas bewegte sich in der Dunkelheit, doch James konnte es nicht erkennen. Etwas kratzte über Holz und schnüffelte, dann sprang es.

James kippte zurück, er bekam keine Luft und konnte sich nicht bewegen. Er starrte nur panisch auf die grässlich verzerrte Schnauze, die zwischen den Brettern nach ihm geschnappt hatte und jetzt versuchte, zu ihm nach draußen zu gelangen. Rote Augen funkelten durch die Spalten der Bretter und James hörte die Krallen am Holz. Das Monster fauchte wütend und stieß die Schnauze erneut zwischen die Bretter. Blut lief ihm ins Maul, doch die Verletzungen schienen es nur noch mehr anzustacheln. Eins der Bretter brach und das Wesen nahm erneut Anlauf, um seinen Kopf gegen die geschwächte Barrikade zu rammen.

Peter und Sirius hatten James an den Armen gegriffen und schleiften ihn von der Hütte weg. Er konnte sich immer noch nicht bewegen, starrte nur auf die verzerrte Fratze des Monsters, das bereits den haarigen Kopf durch das Fenster geschlagen hatte. Seine Pranken zerschmetterten das Holz und James glaubte sein Schnaufen direkt neben sich zu hören.

„Los, James komm hoch!“, schrie Peter außer Atem. James versuchte, seine Beine zu bewegen, doch er konnte nicht, seine Augen hingen noch immer an dem Monster, das sich unaufhaltsam durch die Bretter arbeitete. Peter stolperte und riss auch Sirius zu Boden.

James zitterte am ganzen Körper und versuchte wegzukommen, egal wie, doch seine Hände rutschten immer wieder im nassen Gras ab. Wie Käfer krabbelten sie auf dem Boden, während sich das haarige Monster aus der Hütte befreite und auf den Rasen sprang.

Wie ein riesiger Hund hockte es da und schnüffelte, die Augen genau auf die drei Jungen gerichtet.

„Wir werden sterben“, fuhr es James durch den Kopf.

Das Monster fauchte und sprang.


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