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Fanfiction

Die Hogwartsrumtreiber - Kapitel 23 - Ausbrüche

von Vistin

Review Antworten:
Eigentlich wollte ich Reviews im Forum beantworten, aber bei den wenigen Kommentaren lohnt es sich nicht, daher wird es hierher verlegt.

@PinkEngel
Danke für das Lob. Vorallem seitdem Band 7 raus ist, sagen einige Leser es wäre eine Umgewöhnung. Aber ich freue mich immer wenn es sich dann lohnt und die Leute Spaß an der Geschichte haben.

@Rest
Auch an alle Anderen, vielen Dank für die Kommentare! Freue mich auf mehr. *eg*

* * * ~ ooOoo ~ * * *

Auch Severus freute sich auf die Osterferien. Das war nämlich die schöne Zeit, in der die meisten Schüler weg waren und man nicht wie ein Dieb durch den Aufenthaltsraum schleichen musste, wenn man nicht gesehen werden wollte. Dass er nicht gesehen werden wollte, hatte weniger mit den Schulregeln zu tun – es war erst sieben Uhr – er durfte den Aufenthaltsraum verlassen, er wollte aber nicht, dass gewisse Personen wussten, dass er ihn verließ. Es hatte etwas mit „den richtigen Anschein erwecken“ zu tun.

Draußen in den Gängen war es einfacher. Er hatte sich eine jener Stunden ausgesucht, die so günstig zwischen den Anfangszeiten von AGs und Clubs und der Sperrstunde lagen, dass kaum Schüler unterwegs waren. Hogwarts hatte seinen eigenen Rhythmus, bestimmt von der Schulglocke und dem Glockenspiel der Turmuhr, das die Essenszeiten ankündigte. Severus hatte schnell herausgefunden, wann welche Flure von Schülern förmlich gestürmt wurden und wann man sich unbemerkt im Schloss bewegen konnte. Das Einzige, was Severus an Hogwarts nämlich nicht leiden konnte, waren die anderen Schüler. Es war nichts Persönliches, es lag eher daran, dass sie einfach da waren, dass sie herumliefen, im Wege standen, Lärm machten, redeten, wenn sie schweigen sollten. Aber er konnte sie nicht loswerden, also ging er ihnen aus dem Weg.

Im ersten Stock des Ostflügels öffnete sich der Gang zum Foyer der Krankenstation. Links war der Wartebereich und rechts, mit Säulen abgetrennt, die Aufnahme. Dahinter lag direkt der Krankensaal. Er hatte keine Tür, sondern nur einen schweren, blauen Vorhang, wie eine bewegliche Wand.

Severus sah mit Hilfe eines Spiegels um die Ecke zu Madam Pomfreys Büro. Die Tür war geschlossen und die Heilerin saß weit weg von der Glasscheibe im hinteren Teil des Raumes am Schreibtisch über ein Buch gebeugt. Trotzdem streute er sich eine Prise des Scheinpulvers über den Kopf und wartete, bis man nur noch einen Schatten von ihm sehen konnte. Dann huschte er in die Krankenstation.

Lily war die einzige Patientin und lag in einem Bett am Ende des Hauptsaals. Severus hörte sie schon von weitem vor sich hin plappern. Madam Pomfrey hatte den Konfusionszauber also rückgängig gemacht, aber anscheinend noch nicht herausgefunden, was Lilys Verhalten wirklich verursachte.

Lily bemerkte nicht, dass er hinter den Vorhang schlüpfte. Wie auch, er war doch nur ein Schatten. Ihre Hände waren ans Bett gefesselt, doch das schien ihre gute Laune nicht zu stören.

„Dummes Mädchen“, flüsterte Severus und holte eine kleine Phiole hervor. Um das Gegengift zu brauen, hatte er das Mittagessen ausgelassen und sich auch noch zu Verwandlungen verspätet. Unter dem Strich hatte ihn die ganze Aktion zwölf Punkte und drei Stunden Lagerraumfegen gekostet. Ein vergleichsweise lächerlicher Preis für den dreifachen Vorteil, den er daraus ziehen konnte. Die Geschichte hatte sich wie ein Lauffeuer in der ganzen Schule verbreitet und schon beim Abendessen hatte Lestrange ihm unaufgefordert den Brotkorb gereicht. Ein erstes Zeichen, dass es funktionierte. Jetzt galt es aber dafür zu sorgen, dass die Sache nicht aufflog, und dass Lily nicht bis zu ihrem Lebensende eine sabbernde Irre blieb.

Er tröpfelte etwas von dem Gegengift auf Lilys Lippen. Automatisch leckte sie die Flüssigkeit ab, fing jedoch im selben Augenblick an zu spucken.

„Silencio!“, flüsterte Severus und Lilys Ekelschrei blieb stumm. Sie wand sich angewidert.

Severus löste ihre Fesseln gerade noch rechtzeitig und Lily übergab sich neben das Bett. Er hob den Schweigezauber auf, während auch das Scheinpulver seine Wirkung verlor.

„Geht es dir wieder besser?“, fragte er Lily leise. Lily schlug sich die Hand vor den Mund und rülpste.

„Mir ist schlecht“, brachte sie schwach hervor.

„Selber schuld, wieso hast du das Zeug genommen?“

Lily sah ihn verwirrt an. „Was genommen?“

„Den Ignoriertrank, oder hat man dir das Zeug unter-geschoben?“

Lily lief rot an. Langsam sortierten sich die Erinnerungen in ihrem Kopf.

„Ich dachte, der würde dafür sorgen, dass mich der ganze Ärger nicht mehr so trifft, dass ich lockerer mit der ganzen Zauberei umgehen kann, dass mich meine Schwester nicht mehr ärgert ... oder du.“

Lily sah Severus prüfend an. „Woher weißt du überhaupt von dem Ignoriertrank?“

„Ich habe den Harmonietrank auch versucht, aber ich habe das Rühren nicht durchgehalten, dabei habe ich auch von dem Ignoriertrank gelesen. Aber ich hätte das Zeug nie genommen, es steht auf der roten Liste, es verursacht bleibende Schäden und hört von selbst nicht auf. Hast du das nicht gelesen?“

Lily starrte ihn erschrocken an. „Nein, das stand da nicht. Nur dass man gleichgültig gegenüber Sachen wird, die einem nicht passen, dass man sich nicht mehr ärgert und dass einem schlimme Dinge egal werden.“

„Nein, dir wird alles egal und du ignorierst jede Tatsache. Es war dir egal, dass du dich im Unterricht wie eine Irre aufgeführt hast. Du hast Slughorn gesagt, dass es Zauberei nicht gäbe und so getan, als ob der Kerker eine Wiese wäre. Und wenn das noch länger so geblieben wäre, hättest du das für immer geglaubt.“

Lily überlegte, ob das nicht besser gewesen wäre. Auch wenn sie sich komisch aufgeführt hatte, sie hatte sich den ganzen Tag über so gut gefühlt, wie schon lange nicht mehr. Jetzt, als die Erinnerung wiederkam, war ihr der Tag peinlich, aber ... Lily stutzte und sah Severus unsicher an.

„Du hast mich in der Zaubertrankstunde verhext und irgendeinen Müll über Muggel erzählt, was sollte das?“

„Ich musste doch dafür sorgen, dass man dich auf die Krankenstation schafft. Naomi und Sarina waren völlig ratlos.“

„Du hättest sagen können, dass ich einen falschen Zaubertrank getrunken habe.“

„Spinnst du? Der Ignoriertrank steht auf der roten Liste, du wärst von der Schule geflogen!“

Lily spürte, wie sie schwach wurde, und legte sich wieder hin. Dass der Zaubertrank verboten war, stand nicht in dem Buch und sie hatte so etwas auch gar nicht bedacht.

„Rotschopf?“ Severus' Stimme klang besorgt als er sich leicht über Lily beugte.

„Mir geht es gut, danke“, antwortete sie immer noch in Gedanken.

Eine Tür wurde geöffnet und man hörte Schritte. Severus streute schnell Scheinpulver über sich und winkte Lily zum Abschied, bevor er sich an der Wand entlang wieder hinausschlich.

Kaum war Severus verschwunden, öffnete Madam Pomfrey den Vorhang.

„Oh“, stutzte sie, als Lily sie aus den Kissen verwirrt angrinste.

„Mir geht es wieder gut, Madam Pomfrey, ich habe aber leider Dreck gemacht, tut mir Leid.“

Madame Pomfrey ließ das Erbrochene mit einem Wink des Zauberstabes verschwinden und griff mit der anderen Hand nach Lilys Stirn.

„Sie sind heiß, meine Liebe. Ich weiß zwar nicht, was ihr merkwürdiges Verhalten ausgelöst hat, aber anscheinend hat sich Ihr Körper erfolgreich dagegen gewehrt. Doch wir sollten seine Leistungen würdigen und ihm noch etwas Ruhe geben. Ich bringe Ihnen etwas zur Stärkung.“ Sie drehte sich um und ging. Nach ein paar Schritten blieb sie jedoch stehen und sah zurück: „Wie haben sie die Fesseln gelöst?“

Lily sah zu ihr auf und ihr verwirrtes Gesicht schien Madam Pomfrey Antwort genug zu sein. Sie machte nur ein leises Geräusch des Erstaunens und ging in ihr Büro.

* * *

Remus war in den wenigen verbliebenen Tagen bis zu den Osterferien äußerst misstrauisch. Er beobachtete James und seine Freunde in den Unterrichtsstunden und blieb im Gemeinschaftsraum in ihrer Nähe, sprach aber kein Wort mit ihnen.

Sie hatten sich zwar darauf geeinigt, dass sie Remus nicht verraten würden, aber mehr wäre zu viel verlangt gewesen: „Er hat mich Schoßhündchen genannt, erinnerst du dich noch? Es mag ja sein, dass es dir egal ist, aber ich nehme ihm so etwas übel. Das hat mir nämlich kein haariges Tier an den Kopf geschmissen, sondern ein Mensch, der auch zu Neumond bissig war“, erklärte Peter, als James ihm vorgeschlagen hatte, sich im Gemeinschaftsraum zu Remus zu setzen.

Wie Sirius dazu stand, konnte James nicht beurteilen. Sirius hatte alle Hände damit zu tun, mit mehr oder weniger mysteriösen Zwischenfällen zurechtzukommen. Die Ferien standen vor der Tür, wodurch langfristige Strafarbeiten unwahrscheinlich wurden und auch die weniger geschickten Slytherins versuchten ihr Glück bei der Jagd nach dem ausgestoßenen Black.

Adalina und Evan bekamen fünf Punkte Abzug, als sie nach einer ganzen Serie von Klebeflüchen endlich erwischt wurden. James war sich sicher, dass einige der Zauber auch von Snape gekommen waren, aber den schien Professor Fermat übersehen zu haben.

Lily war am Mittwoch wieder zum Unterricht gekommen und benahm sich normal, außer, dass sie sich dauernd im Flüsterton mit ihren Freundinnen zu streiten schien. James war das herzlich egal, er hatte mit Leuten, die ihm näher standen, genug zu tun, zum Beispiel mit Jaqueline. Sie war, wie erwartet, nicht sehr begeistert davon, dass Sirius jetzt mit ihnen Hausaufgaben machte und auch ansonsten irgendwie dazu gehörte. Von James' Geschichte über die ekelhaften, derben Gespenster in der Heulenden Hütte war sie hingegen begeistert gewesen und James hatte sie beim Erzählen immer weiter aufgebauscht, so dass es am Ende alles, nur keine kleine Notlüge war. Und als Sirius ihr dann auch noch auf der Kutschfahrt zum Zug seine letzte Packung Bertie Botts Bohnen aller Geschmacksrichtungen schenkte, war für Jaqueline die Welt wieder in Ordnung.

* * *

„Und du bist dir wirklich sicher?“ Naomis Stimme klang besorgt, doch Lily grinste breit und drückte ihr einen dicken Kuss auf die Wange.

„Ja, mach dir keine Sorgen. Bei mir zuhause ist es so, als würde man auf rohen Eiern laufen. Jeder versucht, nichts Falsches zu sagen, und jeder tut interessiert, versteht aber kein Wort und meine Schwester ... Glaub mir, es ist besser, wenn ich diese Ferien im Schloss bleibe. Und ich muss wirklich noch so viel lernen.“ Naomi umarmte Lily zum Abschied.

„Mach's gut, Lily. Pass auf dich auf und wenn er dir blöd kommt, verwandle ihn in eine Kröte!“

„Mach ich. Hab schöne Ferien!“

Lily hatte den Entschluss, über die Osterferien im Schloss zu bleiben, ganz spontan auf der Krankenstation getroffen. Professor McGonagall war von der Entscheidung nicht begeistert, weil sie meinte, Lily mache sich zu viel Stress mit dem Lernen. Doch Lily wehrte ab und erklärte: Sie käme inzwischen gut zurecht, bräuchte nur eben Zeit, um den Stoff nachzuholen. McGonagall schien zu ahnen, dass hinter Lilys Entscheidung mehr steckte, aber sie hakte nicht nach.

* * *

Die Osterferien hatten James nicht weitergebracht. Er hatte gehofft, die Kopfschmerzen, die ihn seit der letzten Vollmondnacht plagten, würden während der zwei Wochen zuhause aufhören. Er hatte gehofft, Lösungen für all die Probleme zu finden, die in seinem Kopf tobten. Aber er hatte keine Lösungen gefunden, und sein Kopf fühlte sich immer noch so an, als wäre er vor Gedanken angeschwollen. Zum ersten Mal in seinem Leben wünschte sich James, von allen Menschen in Ruhe gelassen zu werden.

Er hatte gehofft, mit der Zeit würden die Dinge einfacher werden, aber das wurden sie nicht, ganz im Gegenteil: Seit Tagen wurde alles nur komplizierter.

Wie nicht anders zu erwarten war, war Remus auch nach den Osterferien immer noch ein Werwolf und obwohl James jetzt wusste, dass seine schlechte Laune mit dem näher rückenden Vollmond zusammenhing, änderte es nichts daran, dass Remus ekliger war als eh und je. Die Prüfungen, die jetzt nach den letzten Ferien unaufhaltsam auf sie zukamen, ließen Peter die Wände hochgehen. Er saß tagelang in der Bibliothek und fauchte jeden an, der ihm zu nahe kam. Sirius' Laune war nach seinem Besuch zuhause auf einem Tiefpunkt und seine Sippschaft hatte die Feiertage genutzt, um sich besser zu organisieren. Die Angriffe kamen so geballt, dass selbst Camille sich offen auf Sirius' Seite stellte, um ihn vor den Flüchen seiner beiden älteren Cousins zu beschützen.

Das Schlimmste war aber, dass auch er, James, zum Abschuss frei gegeben worden war. Inzwischen machte sich James nicht einmal mehr die Mühe, seine Hausaufgaben fertig zu machen, denn sie erreichten ohnehin nie ihr Ziel. Und zu guter Letzt war da noch Jaqueline: Ihre Eltern hatten es ihr nicht erlaubt, James in den Ferien zu besuchen, weil sie Angst hatten, ihre Tochter allein in einem Zaubererhaushalt übernachten zu lassen. Das hatte Jaqueline schwer getroffen und zu einem gewaltigen Streit zwischen ihr und ihren Eltern geführt. Seitdem war Jaqueline nur noch nachdenklich und trübsinnig. Für James war das der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Er kam sich so dämlich vor! Remus hatte Recht gehabt. Er hatte sich wirklich so verhalten, als ob sich alles um ihn drehen würde. Das war so dumm gewesen. Er war das Muttersöhnchen, das verwöhnte, glückliche Einzelkind, für das alles nur ein großes Abenteuer war. Diese Erkenntnis hatte James wie der Feueratem eines Drachens getroffen und sie machte all die Probleme nur noch schlimmer.

Als seine Hausaufgaben für Verwandlungen - die er zum zweiten Mal machen musste, weil ihm beim ersten Versuch jemand Verschwindende Tinte untergeschoben hatte - am Tisch festklebten, konnte er die Tränen des Zorns nicht länger unterdrücken. Am liebsten wäre er zu Lucius gegangen und hätte ihm gesagt, dass er Sirius die Freundschaft kündigen würde.

Die Tränen schoben sich brennend zwischen seine zusammengepressten Augenlieder. Zu seinem Hass über seine eigene Dummheit und der Wut auf die dämlichen Slytherins kam ein schlechtes Gewissen, weil er darüber nachdachte, Sirius zu verraten.

Hogwarts sollte ein gigantischer Spaß sein, ein Abenteuer-spielplatz, auf dem man sich die Knie aufschürfte und die Finger verbrannte. Er sollte hier nicht über das Schicksal von Menschen entscheiden müssen, er sollte hier nicht kämpfen müssen oder Entscheidungen treffen, es war Schule, es sollte eigentlich nichts mit dem richtigen Leben zu tun haben!

James stieß wütend seine Bücher vom Tisch und ignorierte Professor Customarys Rufe als er aus dem Hausaufgabenraum stürmte.

Draußen nieselte es, aber es war erstaunlich warm. James wäre aber auch dann nicht umgekehrt, um sich einen Mantel zu holen, wenn es geschneit hätte. In ihm kochte es, all die Gedanken und Erfahrungen, die im letzten Monat auf ihn eingestürzt waren, vermischten sich zu einem explosiven Brei.

James rannte los, er wusste nicht wohin, er wollte nur weg, weg von Hogwarts, weg von Remus, dem Werwolf, Sirius, dem Blutsverräter, Peter, dem Streber und Jaqueline, dem Muggelkind. Weg von dem Grinsen seines Großvaters, der ihn fragte, welchen Schabernack er angestellt hatte, weg von seinem Vater, der alles richtig machte, und weg von seiner Mutter, die ja so stolz auf seine schulischen Leistungen war.

* * *

„Lily?“ Naomis Stimme kam aus der Wand, noch bevor die Leiter erschien. Das geisterhafte Erscheinen der Leute in Slytherins Werkstatt verlor für Lily nichts von dem Grusel, der ihr kalte Schauer den Rücken hinunter trieb. Besonders, wenn Severus durch das massive Tor trat, konnte Lily das Schaudern nicht verhindern. Sie mochte seine schlangenhaften Bewegungen nicht. In ein Buch vertieft hatte er etwas Andächtiges, fast Würdevolles, doch sobald er aufstand und umherging, bekam seine dürre, lange Gestalt in der schwarzen Schuluniform etwas Bedrohliches.

„Du solltest hochkommen“, flüsterte Naomi. Naomi flüsterte immer, wenn Severus in der Nähe war.

„Potter ist verschwunden. Alle Schüler müssen sich sofort in ihren Schlafsälen melden. Ich habe die Tür blockiert, aber das wird nicht lange halten, komm schon.“ Die letzten Worte zischte sie fast. Lily sah zu Severus hinüber, der ein Rezept studierte. Er sah auf und nickte ihr zu, dass er es gehört hatte. Das war auch eine Eigenschaft, die sie an Severus nicht mochte: Er hörte alles, selbst wenn man einen Raum weiter flüsterte. Doch jetzt war das egal, Lily löschte mit einem Schwenker des Zauberstabes die Feuerstellen und folgte Naomi zur Leiter.

Zehn Minuten später war die Bettenkontrolle vorbei und die Gryffindors durften wieder in den Gemeinschaftsraum. So voll hatte Lily den runden Raum noch nie gesehen. Keiner der Schüler war zu Bett gegangen, alle saßen an den Tischen und in den Sesseln und schienen zu warten. Leise Gespräche erfüllten die Luft mit nervösem Rauschen.

„Das ist doch nicht das erste Mal, dass ein Schüler nach der Sperrstunde fehlt. Remus ist doch dauernd verschwunden, und auch James treibt sich immer wieder herum, wieso machen die plötzlich so einen Aufstand?“

Naomi zuckte mit den Schultern.

„Vielleicht wissen sie diesmal nicht, wo er ist. Als die drei versucht haben, das Eingangstor aufzubrechen, ist ihnen McGonagall gefolgt. Bei ihrem Ausflug auf den See hat Eridanus sie von seinem Turm aus gesehen ...“

Ein nahes Schluchzen unterbrach sie: Crystal lag in Beekjes Armen und weinte bitterlich.

„Sie werden ihn schon finden, Crystalchen“, tröstete sie Anna und strich über ihren Rücken. Naomi und Lily sahen sich an und verdrehten die Augen.

Das Interesse an Potters Schicksal hielt an, doch um Mitter-nacht kamen auch die anderen Mädchen in den Schlafsaal zurück. James war noch immer spurlos verschwunden und eine Vertrauensschülerin aus der Sechsten meinte, die Lehrer würden ihn im Dorf suchen.

Lily lag grübelnd wach. Es hatte sie überrascht, dass James weggelaufen war. Wenn es jemanden gab, der Hogwarts im Griff hatte, so hätte Lily auf James getippt. Er war in fast allen Fächern Jahrgangsbester, hatte Freunde in allen Häusern, selbst einige Slytherins hielten zu ihm, obwohl er gegen dieses Haus offen feindselig war. Er schien jede Ecke des Schlosses zu kennen und strahlte eine Aura von Arroganz aus, als würde er über alles Bescheid wissen.

Aber vielleicht konnten nur die, die sich auskannten, weglaufen. Sie wäre auch gerne weggelaufen, aber wohin sollte sie schon gehen? Für sie gab es kein Zurück. Neugierig und auch etwas neidisch dachte Lily an die Lösung, die James vielleicht gefunden hatte.

* * *

„Liebchen! Wach auf! Die ganze Nacht haben sie nach dir gesucht und du schläfst hier in meinem Stroh.“ Eine sonnige, volle Stimme weckte James aus einem traumlosen Schlaf. Er wusste nicht genau, wo er war. Den gestrigen Abend verband er nur mit klammer Kälte und auch seine verkrampften und schmerzenden Muskeln machten ihm das Denken nicht gerade leicht. Er hob den Kopf und versuchte, seine verklebten Augen zu öffnen. Sein Nacken war steif und er stöhnte leise.

„Ich habe dir Frühstück gemacht und heißen Kakao gibt es auch.“

James rieb sich die Augen und sein Blick wurde langsam schärfer. Der Zauber, der seine Sehschwäche korrigierte, funktionierte kurz nach dem Aufstehen nie so wirklich gut und es wurde auch langsam wieder Zeit, ihn zu erneuern, daher erkannte James die Frau vor sich nicht sofort. Sein erster, klarer Blick fiel in ein pralles Dekolleté, das von lindgrüner Spitze umgeben war. Das Gesicht über dem Ausschnitt passte irgendwie nicht zu dem freizügigen Kleid. Es war ein freundliches, rundes Gesicht, ungeschminkt und von ordentlich frisiertem, rotbraunem Haar umgeben.

Sie zog ihn aus dem Stroh und führte ihn über einen kleinen Hof zu einer Hintertür. James stutzte, als er dahinter den Flur erkannte, durch den er erst vor ein paar Wochen zur Heulenden Hütte geschlichen war.

„Professor Dumbledore hat sich Sorgen um dich gemacht und ist gleich gekommen, als ich dich gefunden hatte“, erklärte die Frau weiter und schob James über den Flur in den Schankraum.

Das Lokal war sehr gemütlich, mit rot gepolsterten Sitzbänken, runden Tischen und einem bunten Sammelsurium an Stühlen und Hockern.

Das Lokal war leer, bis auf Dumbledore, der an einem Tisch in der Mitte saß und sich die Hände an einer dampfenden Tasse wärmte. James spürte einen Kloß im Hals und war sich sicher, kein Wort sagen zu können. Seine Beine streikten und blieben einfach stehen. Außerdem konnte er Dumbledore nicht ansehen.

„An deiner Stelle würde ich auf Madam Rosmertas Pfannkuchen nicht verzichten. In Hogwarts schmecken die Pfannkuchen nicht so gut. Ich weiß nicht genau, woran das liegt. Meine Mutter hat immer gesagt, dass in Pfannkuchen Liebe hineingehört, vielleicht hängt es damit zusammen. Damit will ich nicht gesagt haben, dass Hogwarts' Hauselfen nicht auch Liebe in die Speisen stecken würden, aber sie müssen für so viele Menschen kochen, da ist vielleicht nicht genug Liebe in jedem einzelnen Pfannkuchen, damit man sie rausschmecken kann.“ Dumbledore klang, als würde er vor sich hinplappern, er sah James dabei nicht einmal direkt an, nur ganz kurz hatte er ihm einen prüfenden Blick über den Rand der Halbmondgläser seiner Brille zugeworfen.

James' Beine waren immer noch auf stur geschaltet und er konnte nicht weitergehen, versuchte aber, etwas zu sagen.

„Es tut mir Leid“, brachte er krächzend hervor und räusperte sich. Dumbledore sah auf und lächelte.

„Ich bin derjenige, dem es Leid tun sollte. Ich habe dich zwischen den ganzen Fronten allein gelassen.“ James sah den Schulleiter verwirrt und neugierig an; was wusste Dumbledore genau?

Der Geruch frischer Pfannkuchen und der süße Duft von Sirup stiegen James in die Nase und sein Magen knurrte laut.

„Na, setz dich schon!“ Zarte Frauenhände legten sich von hinten auf James' Schultern und schoben ihn zu Dumbledores Tisch.

„Ich würde sie mit Pfefferminzsirup probieren, köstlich“, empfahl Dumbledore, nahm einen Schluck aus seiner Tasse und lehnte sich zurück. James hatte das Gefühl, dass der Schulleiter nicht weitersprechen würde, bevor er etwas gegessen hatte.

Die Pfannkuchen waren wirklich hervorragend und James versuchte alle Siruparten. Erst als er den neunten Pfannkuchen verspeist hatte und sich kugelrund zurücklehnte, redete Dumbledore weiter: „Wusstest du, dass Professor Eridanus und Professor Pericul sehr gute Schachspieler sind?“

Was hatte das mit dieser zugegebenermaßen merkwürdigen Situation zu tun? James schüttelte verwirrt den Kopf.

„Sie sind beide besser als die meisten anderen Zauberer, aber leider sind sie gleich gut.“ Dumbledore gluckste belustigt.

„Ihre Spiele dauern oft Wochen und enden in unendlichen Belagerungen, wenn nicht gar im Remis. Ihnen beiden macht das nichts aus, sie haben eine geradezu magische Geduld. Aber ihre Figuren ...“, Dumbledore grinste James an, „ihre Figuren finden die Spiele schrecklich aufreibend, sie wollen nicht wochenlang auf einem Feld stehen und darauf warten, welche der gegnerischen Figuren sie wann vom Feld schlägt. Daher laufen sie oft weg. Bei den ersten Ausbrüchen musste Professor Eridanus alle Regale verrücken, um die Figuren hinter ihnen hervorzuziehen und Professor Pericul fand seinen Springer in der Eulerei.“ James glaubte zu verstehen: Remus war Eridanus' Projekt, es war seine Idee, es jemanden herausfinden zu lassen. Aber was war mit Pericul? Wahrscheinlich half der mit. Die Tür mit dem Türklopfer! Sollten sie durch die zur Heulenden Hütte kommen? Er war irgendwie in die Entscheidungen und Pläne anderer geraten und keiner hatte ihn gewarnt.

„Dieses Schuljahr ist eine knifflige Partie“, sagte Dumbledore, und sah James so an, als könnte er seine Gedanken lesen.

„Hat dir der kleine Ausflug geholfen, Lösungen zu finden?“

James nickte nachdenklich. Ja, er hatte Lösungen gefunden, sie waren nicht sehr kreativ und eher langfristig, aber jede Alternative erschien ihm feige. Er war ein verwöhntes Einzelkind, er konnte nichts dafür und es war auch kein Grund, sich zu schämen. Es war ein Glücksfall, eine liebevolle Familie und ein behütetes Leben zu haben, und jetzt, da er wusste, dass andere dieses Glück nicht hatten, konnte er versuchen zu teilen.

„Sehr gut!“ Dumbledore klatschte in die Hände und stand schwungvoll auf. „Dann sollten wir jetzt aufbrechen. Deine Mitschüler machen sich große Sorgen, wir sollten ihnen erzählen, dass du wohlauf bist.“


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