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Fanfiction

Die Hogwartsrumtreiber - Kapitel 24 - Besuch bei Sarah

von Vistin

AN:
Ein Herzliches Willkommen an Dea1963 und die zwei weiteren Abonenten, viel Spaß beim Lesen!

* * * ~ ooOoo ~ * * *


Kapitel 24 - Besuch bei Sarah

James wusste nicht genau, was den Ausschlag gegeben hatte. Vielleicht die gigantische Wasserbombe, die fast den ganzen dritten Jahrgang der Slytherins nicht nur vollständig durchnässt, sondern auch rosa eingefärbt hatte. Oder die explodierte Jungentoilette im Aufenthaltsraum der Slytherins. James ging das Herz auf, als er erfuhr, dass es auch Snape erwischt hatte.

Niemand hatte mit einem Angriff innerhalb des Hauses gerechnet, was die Wirkung des Streichs vervielfacht hatte. Dabei hatte Camille die Seiten ganz offen gewechselt, ab und zu machte sie sogar mit Sirius und James Hausaufgaben. Doch die Slytherins weigerten sich hartnäckig, Camille für die merkwürdigen Ereignisse in ihrem Aufenthaltsraum verantwortlich zu machen. Vielleicht lag es daran, dass sie sich immer noch spektakuläre Duelle mit Sirius lieferte. Aber eigentlich müsste jeder sehen, dass es nur Spaß war. Peter hatte sogar eine Punktetabelle angelegt, in der er die verwendeten Zauber, ihren Schwierigkeitsgrad und ihre Wirkung eintrug. Dieser Liste nach führte Camille, was Sirius gewaltig wurmte, aber das war alles egal: Sie hatten Slytherin besiegt, nur das zählte. Die hinterhältigen Attacken auf Sirius und ihn hatten aufgehört, sein Plan war aufgegangen. Gegen einen verunsicherten Außenseiter fühlte sich das ganze Haus stark, aber gegen ein selbst angreifendes Team zogen die feigen Slytherins die Schwänze ein.

James konnte nicht aufhören, das zu wiederholen. Peter hatte ihn darauf aufmerksam gemacht, dass Camille auch eine Slytherin war, und sicher nicht feige, doch das waren nur Details. Camille war anders, ihr ging es darum, möglichst effektiv Unheil zu stiften, egal zu wessen Gunsten oder Ungunsten. Und Ausnahmen gab es in jedem Haus, man musste sich nur Lily ansehen, die sich immer ängstlich wegduckte, wenn Snape auftauchte.

Snape war auch so eine Sache, er entging James' Angriffen zu gut. James hatte sich nicht gewundert, dass Malfoy den Fallen auswich, von ihm hatte er nichts anderes erwartet und irgendwie war er auch froh darüber, mit Lucius hatte er keinen Streit. Doch es war James ein Rätsel, wie Snape sich immer wieder aus der Affäre ziehen konnte.

„Schläfst du mit offenen Augen?“ James fuhr auf, als sich Sirius neben ihn auf das alte Sofa im Gemeinschaftsraum fallen ließ, er war ganz in Gedanken gewesen.

„Oh, doch wach. Also Glibberfarn, ich habe den gelben an den Felsen am See gefunden und hier ist die Nährlösung.“

* * *

„Komm zu spät zu Zaubertheorie.“

Die Buchstaben wurden zum Ende des Satzes hin immer größer und verzogen sich in einem Bogen nach oben. Lily hatte für ein Mädchen eine erstaunliche Sauklaue und sie konnte nicht blind schreiben. Severus entzifferte ihre Warnungen immer nur mit Mühe und Not. Doch er hatte es diesen Warnungen zu verdanken, dass er jetzt sicher im Schatten eines Torbogens stand und beobachtete, wie sich seine Mitschüler Glibberfarn aus den Kleidern zupften.

Als die ersten Warnungen kamen, begegnete er ihnen mit gemischten Gefühlen. Ja, er hatte Lily bei der Sache mit dem Ignoriertrank geholfen, aber er hatte nicht gewollt, dass sie aus Dankbarkeit ein anhängliches Hündchen werden würde. Doch die Befürchtung hatte sich verflüchtigt, als er plötzlich über ihren Hausaufgaben saß und sie korrigierte. Lily hatte eine weiche Mädchenseite, die sie nett sein ließ, aber ihr Verstand rechnete die erwiesenen Gefallen automatisch zusammen und spuckte am Monatsende die Rechnung aus.

Severus nahm es Lily nicht übel, es war eine klare und saubere Art des Umgangs: Gefallen gegen Gefallen. Außerdem hatte er ihre Hinweise gut einzusetzen gewusst. Lucius direkt zu warnen, wäre zu auffällig gewesen, doch er hatte es geschafft, ihm die Informationen auf Umwegen zukommen zu lassen, ohne dass man übersehen konnte, woher sie kamen. Inzwischen spürte Severus bereits den Hauch von Misstrauen und Respekt um sich herum. Seine Mitschüler unterstellten ihm einen sechsten Sinn, eine Art Händchen für Zufälle, und das war sogar besser als sein ursprünglicher Plan.

James hingegen konnte er immer weniger leiden. Zwar lieferten James' Streiche die Grundlage seines Vorankommens, doch Severus konnte James' arrogante und selbstsichere Art nicht ausstehen. Außerdem war James schuld an dem Problem mit Lily. Es hatte zwar Vorteile, mit ihr zusammenzuarbeiten, aber James lieferte ihr Tag für Tag neue Zahlungsmittel, wodurch sich ihr Kontakt immer weiter steigerte. Severus war nicht nach Hogwarts gekommen, um Freunde zu finden - die, die er hatte, waren schon problematisch genug. Aber Lily wurde immer mehr zu so etwas wie einer Freundin, obwohl er sich die letzten Wochen sehr viel Mühe gegeben hatte, besonders eklig zu sein.

* * *

„Das ist ja besonders eklig.“ Naomi hob die Wurzel mit den Fingerspitzen von Daumen und Zeigefinger und spreizte dabei die anderen Finger möglichst weit ab.

„Es ist ja auch die Wurzel des Gammelmohns. Schon der Name sagt, dass es keine Möhrchen sein würden“, erklärte Lily mit einem schiefen Lächeln. Naomi warf die Wurzel angewidert in den Kessel.

„Hast du schon gehört, dass Potter ein Pro-Muggel-Aktivist geworden ist?“, fragte sie, während sie sich die Finger abwischte.

„Ihhh, soll das heißen, dass er mich jetzt mag?“, fragte Lily mit gespieltem Entsetzen zurück.

„Nee, ich glaube, Mr. Potter ist bei seinen Muggeln wählerisch. Fürs Erste hat es die gute Jaqueline erwischt.“ Lily musste schmunzeln, weil Naomi den Namen übertrieben breit dehnte.

„Sein Vater hat ihre Eltern angerufen und sie haben sich wohl sehr lange unterhalten. Und letzte Woche waren die Potters und die Browns in einem Muggelrestaurant essen, damit Jaquelines Eltern merken, dass Zauberer nicht giftig sind oder so. Und jetzt darf James in den Sommerferien eine Woche zu den Browns kommen. Jaqueline ist so glücklich, dass sie mir die ganze Geschichte schon erzählt hatte, bevor sie merkte, mit wem sie redete, und erschrocken floh.“

Lily prustete vor Lachen und hätte fast eine Dose mit Minze vom Tisch geworfen.

„Die beiden sind aber auch füreinander geschaffen, findest du nicht auch? So, der Vorbeigeh-Sirup ist fertig. Wollen wir ihn morgen mit der Klassenzimmertür von Geschichte versuchen?“

Naomi nickte eifrig.

„Das einzig Geniale an den dummen Streichen von Potter ist, dass man selber welche spielen kann und jeder ihm die Schuld dafür gibt.“

* * *

„Wir haben es geschafft!“, brüllte Zacharias, der erste Treiber des Gryffindor-Quidditchteams, als er in den Gemeinschaftsraum stürzte.

„Gryffindor hat exakt null Punkte! Wenn wir das die zwei Tage bis zum Schuljahresende durchhalten, haben wir einen Jahrhundertrekord aufgestellt!“

Begeisterte Jubelrufe erklangen und eine Gruppe von Viertklässlern stimmte einen Chor an und wiederholte immer wieder: „Wir sind die Nummer vier! Wir sind die Nummer vier!“

James grinste, man konnte Gryffindor nicht nachsagen, sie wären schlechte Verlierer. Zuerst hatte sich James Sorgen gemacht, weil man Sirius, Peter und ihn immer wieder bei den Streichen erwischte, sie ihre Hausaufgaben immer wieder vergaßen und oft unerlaubt den Gemeinschaftsraum verließen, daher waren die Punkte des Hauses immer weiter gesunken. Doch seine Mitschüler zeigten mehr als Verständnis: Das ganze Haus gab den Hauspokal auf und wählte ein neues Ziel, den Rekord, das Schuljahr mit exakt null Punkten abzuschließen. Im Unterricht antworteten die Gryffindors nur noch auf die Fragen, die ihre persönlichen Noten beeinflussten und nutzten die Möglichkeiten, Fleißpunkte zu sammeln, nicht. Und jeder bemühte sich mit kleinen Verstößen gegen die Regeln, Punkte zu eliminieren. Vor einer Woche war das ganze Haus nach Sperrstunde vor den Gemeinschaftsraum getreten und sie hatten sogar die Steine quietschen gehört, als sich fast 200 Rubine gleichzeitig in das obere Glas zurückzuziehen versuchten.

Um James herum brach eine spontane „Null-Punkte“-Party aus, doch James' Aufmerksamkeit galt nur noch einer schmalen Gestalt, die sich durch einen Spalt im Eingangstor nach draußen schlich: Remus.

James hatte fast alles geschafft, was er sich vorgenommen hatte. Er hatte Slytherin besiegt, er hatte Peter durch die Prüfungen gebracht, ohne dass Peter sich in den See stürzte, er hatte Jaquelines Eltern dazu gebracht, ihm zu erlauben, sie in den Ferien zu besuchen, doch an Remus war er einfach nicht herangekommen. Aber vielleicht war das hier seine Chance.

Kurzentschlossen griff er nach dem Tarnumhang, den er in den letzten Wochen immer mit sich trug und schlüpfte hinter Remus in den Korridor. Er sah ihn gerade noch am Ende des Ganges verschwinden. Den Umhang fest um sich gezogen, rannte er hinterher. Immer misstrauischer folgte er Remus in das dritte Kellergeschoss und beobachtete mit weit aufgerissenen Augen, wie Remus vor der Türklopfertür stehen blieb.

„Waf haft du da?“, fragte der Türklopfer und seine Augen suchten Remus' Umhang ab.

„Schokoriegel“, erklärte Remus und fuchtelte mit einer knisternden Verpackung vor der Nase des Türklopfers.

„Aber ist es dir nicht peinlich, dass ich dich immer noch bestechen muss?“, fragte Remus und öffnete langsam die Verpackung.

„Kein Ftück, her damit!“, blaffte der Türklopfer und blähte seine Nasenflügel.

„Dann mach auf.“ Remus hielt den Schokoriegel gerade aus der Reichweite des Löwenmauls und tatsächlich ging die Tür auf, als der Türklopfer versuchte, die Schokolade zu erreichen. Remus griff beherzt in den Spalt und öffnete die Tür, während er die Schokolade am Klopfring vorbeischob.

„Und kau schön!“, mahnte Remus während er in der Dunkelheit hinter der Tür verschwand.

James stand mit offenem Mund da und starrte die wieder verschlossene Tür an. Remus hatte wirklich gewusst, wie man den Türklopfer austricksen konnte, doch eigentlich hatte James das niemals bezweifelt. Was ihn tiefer traf, war die Tatsache, dass Remus sie nie gebraucht hatte, um durch die Tür zu gehen. Das Manöver dauerte gerade mal Sekunden, dafür brauchte man keine Karte, die vor Lehrern warnte. James stand da und konnte es einfach nicht glauben: Es war ein Ablenkungsmanöver, Remus hatte sie mit der Karte von der Heulenden Hütte ablenken wollen und plötzlich ergab alles Sinn.

James überlegte, ob er Remus gleich hier und jetzt zur Rede stellen sollte. Er war wütend genug, um es sofort hinter sich bringen zu wollen, doch da war auch die Neugier, was hinter der Tür war. Remus würde ihm das nicht sagen, nachdem er ihn angebrüllt hatte. Doch er konnte sich hineinschleichen, wenn Remus herauskam. Die Neugier siegte über den Ärger und James setzte sich unter dem Umhang neben die Tür und wartete.

Etwa eine Stunde später öffnete sich die Tür wieder und Remus kam zurück. Um Haaresbreite hätte ihn James angerempelt, als er aufsprang, doch es ging gerade noch gut und James schlüpfte in den Gang, bevor sich die Tür schließen konnte.

Der Gang war nur von kleinen, matt leuchtenden Steinen auf dem Boden erhellt und James musste sich fast vorantasten. Nach etwa zehn Metern erreichte er eine weitere Tür und drückte die Klinke vorsichtig herunter. Kerzenlicht fiel in den Gang und James merkte, dass seine Handflächen feucht waren.

„Komm herein!“, rief eine Mädchenstimme und James erstarrte mitten in der Bewegung. Ein Stuhl wurde über Stein geschoben und James hörte Schritte. Er wusste nicht, ob er reingehen oder weglaufen sollte, er hatte ja immer noch den Tarnumhang an.

Die Tür wurde geöffnet und ein dunkelhaariges Mädchen von vielleicht acht Jahren stand vor ihm. Sie stutzte, doch dann streckte sie selbstsicher die Arme aus und ertastete den Umhang. James rührte sich immer noch nicht. Das Mädchen lächelte und zog.

„Hallo, James“, grinste sie ihn an.

„Woher ...“, stotterte James und sah mit offenem Mund zu ihr hinunter.

„Ich bin Sarah“, stellte sie sich vor und streckte ihm die Hand entgegen, ohne auf seine Frage einzugehen.

James kam langsam zu sich, ergriff die Kinderhand und schüttelte sie.

„Was machst du hier?“, fragte er und sah sich im Raum hinter ihr um. Es war eine Art Kaminzimmer, ähnlich eingerichtet wie das Arbeitszimmer seines Großvates. Vor dem großen Kamin aus Marmor standen zwei große Lehnsessel mit Fußbänken und ein kleiner Abstelltisch, beladen mit einem wackeligen Bücherstapel. Hinter dem rechten Sessel stand ein Kandelaber mit kleinen blauen Flammen statt Kerzen, die ein mildes Licht spendeten. Im Kamin prasselte ein kleines Feuer, die Wände des Raumes lagen im Schatten, doch James glaubte, mehrere Regale und Türen zu erkennen.

Sarah kicherte.

„Ich lebe hier, daher wäre es an mir zu fragen, was du hier machst.“

James sah das Mädchen genauer an und etwas an ihrem Gesicht kam ihm merkwürdig vor.

„Komm rein und setz' dich, dann können wir reden.“ Sie trat zur Seite und lud ihn mit einer Geste ein.

„Ich verstehe nicht“, gab James zu und sah Sarah noch einmal an. Sie war ein Kind, aber irgendwie auch nicht.

„Der Türklopfer hat gesagt, er bewache ein blutrünstiges Monster, aber du bist nur ein kleines Mädchen“, sprudelte es aus James heraus. Sarah lachte ein helles Mädchenlachen, dann sah sie James ernst in die Augen und plötzlich war sie kein kleines Mädchen mehr.

„Ich bin ein blutrünstiges Monster, James, ich bin ein Vampir.“

James spürte, wie sich ihm die Nackenhaare aufrichteten und er musste hart schlucken. Doch da lachte Sarah wieder und das Alte und Dunkle war von ihr abgefallen.

„Keine Angst, ich habe noch nie Blut getrunken. Das Gerede des Türklopfers ist nur, um die Massen an neugierigen Schülern abzuhalten. Ich bin hier keine Zirkusattraktion.“

„Aber Remus war doch hier“, erinnerte James und setzte sich neugierig geworden in den linken Sessel.

„Ja, wir sind Freunde. Ich will nicht, dass jeder herkommt und mich anstarrt. Aber es ist nett, wenn der eine oder andere das Abenteuer wagt und mich mal besucht. Vladi ist so auf Dauer langweilig.“ Sie kicherte leise. „Sag ihm nicht, dass ich das gesagt habe, in Ordnung?“

James sah sie verwirrt an.

„Wer ist Vladi?“

Wieder Gekicher.

„Tut mir Leid, du nennst ihn wohl ganz brav Professor Pericul.“

James war sich nicht sicher, ob er richtig verstanden hatte und sah Sarah nur verwirrt an.

„Glotz nicht so, ich darf meinen kleinen Bruder Vladi nennen. Doch ich muss zugeben, dass auch ich mir nicht vorstellen kann, was passieren würde, wenn ein Schüler das im Unterricht tun würde.“

„Professor Pericul ist dein kleiner Bruder?“

Sarah strahlte ihn an und nickte.

„Du hattest Vampire noch nicht im Unterricht, oder? Dann erkläre ich dir das kurz: Es gibt zwei Arten von Vampiren, geborene und getötete. Die meisten Vampire sind geborene Vampire, sie haben Eltern, die ebenfalls Vampire sind, und sie wurden geboren und sind aufgewachsen wie jedes andere Kind auch. Geborene Vampire trinken Blut, um länger zu leben. Sie können ewig leben, wenn sie das wollen, denn solange sie genug Blut zu sich nehmen, altern sie nicht, aber sie können auch ganz normal sterben. Getötete Vampire sind bereits tot, sie gehören zu der Gruppe der Untoten. Verstehe mich nicht falsch, ein geborener Vampir, der stirbt oder getötet wird, ist danach wirklich tot. Ein getöteter Vampir wird man nur, wenn man als Mensch geboren und von einem Vampir getötet wurde. Das passiert selten, weil nur wirklich böse Vampire töten. Aber für einen getöteten Vampir ist alles anders, er ist tot, er kann nicht älter werden oder endgültig sterben, außer wenn er selbst tötet."

James überlegte kurz und fragte dann: „Wenn du noch nie Blut getrunken hast, wie alt bist du dann?“

„Ich bin seit 52 Jahren ein Vampir. Als ich starb, war ich sieben, zusammen bin ich dann wohl 59 Jahre alt.“

James merkte, dass sein Mund offen stand und schloss ihn, wobei seine Zähne aufeinander schlugen.

„Aber wir haben andere Dinge zu besprechen, James.“ Sarah griff in die Luft und in ihrer Hand erschien ein Glas Kürbissaft. Sie reichte es James und rückte sich in ihrem Sessel zurecht. In dem großen, dunkel gepolsterten Stuhl sah sie aus wie eine Puppe.

„Magst du Remus?“, fragte sie offen heraus und sah ihm fest in die Augen. James wusste nicht, was er antworten sollte. Er hatte Remus am Anfang des Jahres gemocht, obwohl Remus so zickig war. Doch jetzt war er sich nicht sicher: Remus war ein Werwolf und er hatte sie angelogen und ausgetrickst. James wollte ihn nicht verraten, dazu hatte er kein Recht und noch vor einer Stunde hatte er Remus seine Freundschaft anbieten wollen, doch jetzt ...

„Ich glaube, ich verstehe ihn nicht“, sagte er dann langsam und nachdenklich. „Daher kann ich nicht sagen, ob ich ihn mag.“

Trotzdem lächelte Sarah zufrieden.

„Ich darf dir nichts über Remus erzählen, das würde er mir übel nehmen und ich schätze seine Besuche sehr. Aber jetzt, da du zu mir gekommen bist, kann ich dir etwas über mich erzählen. Was dir vielleicht hilft, Remus zu verstehen.“ Sie griff wieder in die Luft und hielt ein altes Fotoalbum in der Hand.

„Ich kenne meine Eltern nicht“, begann sie dann zu erzählen. „Vor 52 Jahren war ich ein Waisenkind in Argentinien: Das ist ein Land in Südamerika, in dem es noch viel Viehzucht und Feldbau gibt. Ich lebte bei einem Ehepaar, das Waisenkinder aufnahm und sie für Essen und Kleidung auf den Zuckerrohrplantagen arbeiten ließ. Eines Abends war ich draußen auf der Weide und hütete die Ziegen des Ehepaares, als mich ein Vampir anfiel und tötete. Die Leute, bei denen ich lebte, verscharrten mich auf einem Feld und als ich in der nächsten Nacht wieder aufwachte, war um mich herum nur Erde. Ich weiß nicht, ob du dir vorstellen kannst, wie es ist, lebendig begraben zu sein. Na ja, ich lebte nicht mehr, ich musste nicht atmen und ich hatte keinen Hunger. Aber da war überall Erde, sie rieselte mir in die Augen und Ohren und es gab Ungeziefer und es war nass. Ich weiß nicht, wie lange ich da gelegen habe, ich glaube, es waren Wochen. Meine Gedanken waren ganz wirr und ich war fast wahnsinnig vor Angst. Da grub mich Traian Pericul, Professor Periculs Vater, aus. Er war Forscher und untersuchte die magischen Völker Südamerikas. Er hat mich gerettet und mitgenommen.“

Sarah öffnete das Fotoalbum und zeigte James das Bild eines großen Mannes mit breiten Schultern und einem schelmischen Lächeln auf den Lippen.

„Traian erklärte mir, dass ich nichts Tierisches zu mir nehmen darf, vor allem kein Blut, weil es mich süchtig machen würde und ich dann auch anfangen würde zu töten. Mich vor diesem Schicksal zu bewahren, war ein großes Risiko, als er mich als seine kleine kranke Tochter in seine Heimatstadt mitbrachte. Es dauerte Monate, bis ich mich von der Zeit unter der Erde erholt hatte und auch danach hatte ich ständig Angst. Doch die Periculs waren mir gute Eltern, sie waren für mich da und präsentierten mich stolz als ihren kleinen Liebling, keiner wusste, dass ich ein Vampir war. Dann kam Traian eines Abends sehr angespannt nach Hause und ließ uns packen. Zwei Stunden später waren wir unterwegs nach England. Auch in England zogen wir immer wieder um, und als Vladi alt genug war, beschwerte er sich darüber, dass wir immer weg mussten, wenn er gerade Freunde gefunden hatte.“

Während sie sprach, blätterte sie durch das Album. Die Fotos zeigten Traian, Sarah und eine schlanke hübsche Frau immer wieder vor anderen Häusern und in anderen Gärten. Auf den späteren Bildern tauchte auch ein Baby auf, das zu einem dunkelhaarigen Jungen heranwuchs, während Sarah immer das kleine Mädchen blieb, das sie heute noch war.

„Ich glaube, du kannst dir denken, wieso wir immer wieder umziehen mussten, oder?“, fragte Sarah und beobachtete James' Gesicht. Er nickte.

„Du bist nicht älter geworden, es wäre sonst aufgefallen, dass du ein Vampir bist.“

„Genau“, bestätigte Sarah und sah die Fotos mit traurigen Augen an.

„In Rumänien, wo die Periculs vorher gelebt hatten, wurden alle Vampire, ob geboren oder getötet, verfolgt und vernichtet. In England können geborene Vampire unter strengen Auflagen leben, doch auch hier werden getötete Vampire verfolgt und eingesperrt. Meine Adoptiveltern haben es mir nie gesagt, aber ich wusste sehr bald, wieso wir dauernd auf der Flucht waren. Es brach mir das Herz, die einzigen Menschen, die mir je etwas bedeutet hatten, leiden zu sehen. Und dazu kam die Angst, dass ich eine doppelte Gefahr für sie war. Sie konnten ins Gefängnis kommen, weil sie mich versteckten, und ich war auch noch eine Gefahr für sie, ich konnte sie töten oder verletzen. Getötete Vampire, die einmal Blut geschmeckt haben, verfallen in eine wilde Sucht, sie brauchen mehr Blut, immer mehr Blut, bis sie sich selbst ausgelöscht haben. Es reichte eine Brühe aus einem noch blutigen Knochen und ich hätte meine Familie töten können. Als Vladis Gejammer, dass er nie Freunde hätte, stärker wurde, hielt ich es nicht mehr aus und lief weg. Ich lebte zehn Jahre in der Wildnis, allein. Es war wie damals unter der Erde, nur schlimmer, weil ich meine Familie vermisste. Dann stand eines Tages Vladimir vor mir. Er war siebzehn und als er mich sah, fing er direkt an, mich auszuschimpfen: Was ich mir dabei gedacht hätte, einfach so wegzulaufen, ob ich mir nicht hätte denken können, wie viele Sorgen sie sich gemacht hätten. Ich erfuhr, dass Vladimir die Schule nach den ZAGs geschmissen hatte, um mich zu suchen. Ein Jahr zuvor war Traian von einer Mantikore getötet worden, als er mich in den schottischen Wäldern gesucht hatte und Fabiane, meine Adoptivmutter, war ganz grau geworden, weil sie sich die Schuld daran gegeben hatte, dass ich weggelaufen war.“

Sarah schwieg und betrachtete ein Foto, das die drei Periculs vor einem weihnachtlich geschmückten Kamin zeigte. Sie lächelten den Betrachter gezwungen an und winkten halbherzig.

„Ich habe gedacht, dass ich ihnen zur Last fallen würde und ich ihnen einen Gefallen tun würde, wenn ich ging, doch diese Entscheidung kann man anderen Menschen nicht abnehmen. Es gibt Schicksale, die schwerer zu tragen sind als andere, aber jeder entscheidet selbst, ob und wie er es bewältigen will. Das zu erkennen ist schwer und um offen darüber zu sprechen, braucht man viel Vertrauen. Traian starb, weil ich Angst hatte, er würde sterben, wenn ich bliebe. Mein Leben ist nicht einfach, es mit anderen Menschen zu führen ist oft problematisch und schmerzhaft, doch es ohne sie zu führen, ist schlimmer. Das muss man aber erst einsehen und ich möchte nicht, dass Remus durch den Tod lernt, dass er nicht alle Menschen von sich stoßen kann und dass er ihnen damit auch keinen Gefallen tut.“

Sarah blätterte auf die letzte Seite des Albums und James musste zweimal hinsehen, bevor er in dem auf dem Boden hockenden Mann in einem wild gemusterten Pullover und einem Rentiergeweih auf dem Kopf Pericul erkannt. Er sah aus, als hätte er sich in sein Schicksal ergeben, aber in seinen Augen funkelte ein Lachen.


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