Forum | Chat | Galerie
 
Startseite | Favoriten
Harry Potter Xperts
Harry Potter Xperts
Startseite
Newsarchiv
Link us
Sitemap
Specials
Shop
Buch 7
Buch 6
Buch 5
Buch 4
Buch 3
Buch 2
Buch 1
Lexikon
Lustige Zitate
Gurkensalat
Hörbücher
Harry, A History
Steckbrief
Biographie
Werke
Erfolgsgeschichte
Interviews
Bilder
Harry Potter & Ich
JKRowling.com
Film 7, Teil 1 & 2
Film 6
Film 5
Film 4
Film 3
Film 2
Film 1
Schauspieler
Autogramme
Galerie
Musik
Videospiele
Downloads
Lesetipps
eBay-Auktionen
Webmaster
RSS-Feed
Geburtstage
Gewinnspiele
Twitter
Fanart
Fanfiction
User-CP
Quiz
Währungsrechner
Forum
F.A.Q.
Über uns
Geschichte
Impressum

Fanfiction

Die Hogwartsrumtreiber - Kapitel 2 - Dunkle Vorzeichen

von Vistin

AN: Willmommen an die neuen Abonenten! Der zweite band ist noch nicht fertig geschrieben, daher wird es jetzt zwischen den einzelnen Kapiteln etwas dauern, ich bitte um Verständnis, natürlich will ich mich bemühen so schnell wie es geht weiterzuschreiben. Reviews wären natürlich hilfreich für die Motivation ;-)

* * * ~ ooOoo ~ * * *

„Guten Morgen!“, flötete James und warf sein Handtuch schwungvoll in den Koffer. Er war als erster aufgestanden und hatte die Ruhe im Bad für eine ausgiebige Dusche genutzt. Der Kragen seines neuen Schulumhangs kratzte am Hals und die neuen Hosen waren um zwei oder drei Zentimeter zu großzügig bemessen. Doch er fühlte sich ausgesprochen frisch und munter. Er war sich nicht so ganz sicher, woran das lag, vielleicht daran, dass die Schule angefangen hatte und er sich wirklich auf den Unterricht freute, vielleicht wollte er der düsteren Stimmung, die der Sprechende Hut gestern verbreitet hatte, entkommen, oder ...
Er will doch nur vor Dumbledore angeben“, kommentierte Sirius von der Tür her. Peter stimmte ihm verschlafen zu: „Jepp, er steht einmal vor uns auf und wird es das ganze Schuljahr lang als Ausrede benutzen, wenn er wieder verschläft. Aber Dumbledore wird glauben, James wäre der eifrigste Schüler.“
„Professor Dumbledore“, begann Tom und betonte das Wort Professor so, als wäre es eine Drohung, „stützt seine Meinung über einen Schüler nicht auf dessen einmaliges Verhalten, sondern auf die gesammelten Fakten aus der Schulakte. Und über James steht da nichts positives.“
„In deiner stehen vor allem die drei Ms in Zauberkunst, Archer“, ergänzte Remus ruhig und desinteressiert, dann ging er an allen Anwesenden vorbei in das beliebte Einzelbad.
„Hey!?“, protestierte Sirius, als er merkte, dass Remus sich vorgedrängelt hatte.
„Ich bin hier als nächster dran, geh einen Stock höher!“, fuhr er dann einen Erstklässler an, der sich vor der Badtür anstellen wollte. Sirius hob entrüstet die Arme und hätte sich wahrscheinlich noch ernsthaft aufgeregt, wenn James und Peter ihn nicht bereits ausgelacht hätten.


„Ein Werwolf“, verkündete Professor Dumbledore strahlend und James bemerkte, wie Remus zusammenzuckte.
„Werwolf ist nicht gleich Werwolf, wie Professor Pericul in seinem letzten Brief an mich festhielt. Ich weiß, dass Werwölfe erst im dritten Schuljahr behandelt werden, doch es ist in Hogwarts Tradition, dass der Vertretungslehrer über das Phänomen unterrichtet, das Professor Pericul daran gehindert hatte, rechtzeitig zum Schuljahresbeginn zu erscheinen und dieses Jahr sind das Werwölfe. Doch wie ich einleitend schon sagte: keine gewöhnlichen Werwölfe. Professor Pericul hat festgestellt, dass die Lykantropie, wie man das Phänomen des Werwolfs korrekterweise nennt, nicht nur Menschen befallen kann, sondern auch unter den Wölfen grassiert.“
Professor Dumbledore schwang den Zauberstab und auf dem Lehrerpult erschien die Rauchgestalt eines dürreren Mannes in einem abgetragenen Umhang.
„Dies ist Tarrinc Hedriak. Er lebte mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Dover und Arbeitete bei der Flohnetzwerkbehörde. Eines Tages, kurz vor Feierabend schleuderte ihn ein defekter Kamin in eine kleine Hütte im Wald. Da begegnete er einem Werwolf, also einem verwandelten Lykantop. Der Mond ging gerade unter, daher überlebte Tarrinc den Angriff schwer verletzt. Der Lykantrop, der ihn angefallen hatte, eine junge Frau, brachte ihn ins Krankenhaus und rettete ihm das Leben. Dafür wurde sie zu 8 Jahren in Askaban verurteilt.“
Dumbledor machte eine Pause und James sah aus den Augenwinkeln, wie sich rechts von ihm eine Hand hob.
„Wie lautete die Anklage?“, fragte Peter vorsichtig.
„Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, Mr. Pettigrew“, erklärte Dumbledore. „Gebäude, in die sich Lykantropen während der Vollmondzeit zurückziehen, dürfen keine Feuerstellen enthalten, weil jede Feuerstelle potenziell ans Flohnetzwerk angeschlossen werden kann.“
Wieder glitt eine Hand in die Höhe. „Dass der Mann gebissen wurde, zeigt doch, dass das alles richtig ist, hätte sie sich an die Regeln gehalten, wäre er nicht verletzt und sie nicht im Gefängnis“, kommentierte Adelina.
„Das ist richtig, Miss Wilkes. Die Einhaltung der Gesetze hätte Tarrincs Gesundheit und das Leben der Lykantropin geschützt - sie starb nach zwei Jahren in Askaban.“ Dumbledore schenkte Adelina ein lobendes Lächeln. James verstand, was Dumbledore sagen wollte, und hob die Hand.
„Passierte der Unfall im Winter, Professor?“
Dumbledore warf James einen strahlenden Blick über die Halbmondgläser hinweg zu.
„Ja, Mr. Potter, im Januar“, antwortete Dumbledore dann und lächelte erneut, doch James bildete sich ein, diesmal etwas wissendes und anerkennendes in diesem Lächeln zu sehen.
„Tarrinc überlebte“, fuhr Dumbledore fort, „und wurde ein Lykantrop. Die Registrierungsgebühr für Lykantopiekranke in London betrug damals hundertsechzig Galeonen, dreizehn Sikel und vier Knuts. Das entsprach für Tarrinc zwei Monatsgehältern. Doch Lykantropie ist eine registrierungspflichtige Krankheit, ohne die Registrierung wird ein Lykantrop sofort verhaftet. Aus Gründen der Sicherheit“, ergänzte Dumbledore und nickte Adelina zu.
„Bislang haben wir Tarrinc als Menschen kennengelernt und im allgemeinen gehören Menschen nicht zum Stoff für Verteidigung gegen die dunklen Künste.“ Dumbledore grinste und einige der Schüler kicherten.
„Tarrinc blieb auch nach dem Biss ein Mensch, zumindest 29 Tage im Monat an dem 30sten Tag verwandelte er sich in eine wolfartige Kreatur.“
Dumbledore drehte sich wieder zum Pult um und neben dem dürren Zauberer erschien ein Werwolf, mit einer langen Schnauze, breiten Schultern und klauenbewehrten langen Armen. Er stand gebückt doch eindeutig auf den Hinterbeinen, sein Fell war struppig und lang, um das Handgelenk hing ihm der Rest eines Ärmels.
„Die Lykantropen verwandeln nur sich selbst in Werwölfe, ihre Kleider werden dabei zerstört, daher entkleiden sich viele Lykantropiekranke kurz bevor der Mond aufgeht. Während sie Werwölfe sind, ist der Mensch immer noch da, der Mensch weiß, was der Wolf tut, er kann es nur nicht ändern. Die Macht des Wolfes ist den ganzen Monat über im lykantropiekranken Menschen vorhanden, doch sie kann und wird vom Geist und Charakter des Menschen kontrolliert. Je näher der Vollmond kommt, desto stärker wird der Wolf und macht sich manchmal im Verhalten des Menschen bemerkbar. Geht der Vollmond auf, ergreift der Wolf unvermeidbar die Kontrolle. Er verändert nicht nur den Körper, sondern auch den Geist und Charakter. Ein Werwolf ist nicht auf Fleisch aus, wie ein echter Wolf, ein Werwolf macht keine Jagd auf Tiere, er will nur Menschenblut. Lykantropen, die ihren Werwolf einsperren, ihn weit ab von Menschen erwachen lassen, richten diese Blutgier ganz bewusst auf den einzigen Menschen in der Nähe, auf sich selbst. Der Werwolf tobt in seiner Hülle und ohne Menschen, die er zerfleischen kann, zerfleischt er den Körper, in dem er selbst steckt.“
Dumbledore machte eine Pause und sah sich nach gehobenen Händen um, doch die Klasse schwieg und betrachtete die beiden Figuren auf dem Pult, die so gar nicht miteinander zu tun zu haben schienen. Dumbledore nickte und fuhr dann fort: „Professor Pericul glaubt, dass es sich bei der Lykantropie um einen Austausch von Energieelementen zwischen Zauberer und Tier handelt. Die Wölfe sind eine magiebegabte Tierart, obwohl sie diese nicht direkt nutzen. Die Energiesignatur zwischen Wölfen und Menschen ist jedoch sehr ähnlich, das hat ein neu gegründetes Forschungsinstitut in Dover herausgefunden. Dieses Institut unter der Leitung von Professor Damocles Belby, einem jungen und engagierten Wissenschaftler, ist auf die Untersuchung und vielleicht Heilung von Lykantropie angesetzt. Professor Pericul arbeitete dieses Jahr sehr eng mit den Forschern in Dover zusammen und unternahm mit ihnen eine Expedition nach Nordamerika. Sie wollten dort nach dem Steppenwolf suchen. Dieses auf den ersten Blick nicht sehr spektakuläre Tier weist eine für Wölfe sehr ungewöhnliche Eigenschaft auf, es ist ein absoluter Einzelgänger. Tatsächlich konnte Professor Pericul mit seiner Forschergruppe beweisen, dass es auch unter Wölfen Werwölfe gibt, die sich genauso gegen ihre Artgenossen verhalten wie Lykantropiekranke gegen ihre Mitmenschen.“
Dumbledore ließ zwei weitere Gestalten erscheinen. die eine zeigte einen recht normalen Wolf, wenn auch etwas dünn und mit schütterem Haar. Das zweite Wesen ähnelte dem menschlichen Werwolf ging jedoch auf allen Vieren, obwohl die Hinterbeine zu lang dafür waren und das Wesen das Hinterteil hochstreckte.
„Faszinierend ist, dass sich die Wölfe gegen den Werwolf anders verhalten als die Menschen. Der Steppenwolf grenzt sich selbst aus, um für seine Artgenossen nicht zur Gefahr zu werden, doch sein Rudel bleibt immer in der Nähe und gibt ihm seinen Anteil an der Beute ab. Der Mensch grenzt die Lykantropen vollständig aus und hält keinerlei Kontakt zu ihnen.“
Vor seinem inneren Auge sah James wieder das Bild aus dem Besenflug, die abgemagerten Menschen im Wald hinter hohen Zäunen. Er sah den haarigen Körper, der direkt vor ihm zu Boden schlug, im kalten Matsch. Und dann erinnerte er sich an die Briefe von Remus. James hatte gleich am ersten Ferientag ein magisches Schachbrett aufgebaut und einen Brief an Remus geschrieben:



Hallo, Remus.

bei mir zu hause spielt keiner Schach und Brix ist mit seinen Eltern am Gardasee, daher musst du mitspielen: schwarz oder weiß?


Gruß,

James



Zwei Tage später kam die Antwort:



Schwarz,

Remus



Mit jedem Zug den Christopher von Remus brachte wurden die Briefe länger, nur um ein, zwei Wörter, doch nach zwei Partien unterhielten sie sich bereits richtig. Es war unverbindlich, indirekt und es ging um alles nur nicht um Hogwarts oder Werwölfe. Es war fast wie am Anfang des ersten Schuljahres.
„Soll das heißen, dass Professor Pericul nicht da ist, weil er von einem Werwolf-Wolf gebissen wurde?“, fragte Camille verwirrt und unterbrach James Gedanken. Dumbledore lachte auf.
„Nein, Miss Cristen, habe ich das nicht erwähnt? Professor Pericul ist gesund und munter, er sitzt wegen einiger Unklarheiten in den Zollpapieren im magischen internationalen Transportzentrum New York fest. Die Amerikaner sind da eigen.“


Zur nächsten Stunde in Verteidigung gegen die dunklen Künste war Pericul wieder da und zog zum Warmwerden Gryffindor zwei Punkte ab, weil James verschlafen hatte. Ansonsten passierte nicht viel. Pericul kehrte zum Unterrichtstoff der zweiten Klasse zurück und die Schüler vergaßen die Werwölfe, da die ja nicht Prüfungsstoff werden würden. James vergaß die Werwölfe nicht, was aber eher daran lag, dass er fast jeden Abend mit einem Schach spielte. Er beobachtete den Mond und hatte sich in den Ferien ein Kalendarium besorgt. Er wollte Remus verstehen, er hatte nicht denselben Vorteil wie Sarah, nichts in James' Leben war auch nur im Ansatz mit einer Lykantropieerkrankung vergleichbar, doch er versuchte es trotzdem. Die größte Hilfe bei diesem Projekt war Sarah, James war bei der ersten Gelegenheit wieder zu ihr gegangen und hatte ihr von den Erfolgen ihres Plans erzählt. Sarah hatte recht gehabt, Remus wollte nicht allein sein, das merkte James daran, das Remus immer überpünktlich zu ihren Schachpartien erschien. Doch da war immer noch das schlechte Gewissen, Remus' Überzeugung, eigentlich allein sein zu sollen. Daher redete er nicht viel und brach die Partien immer wieder ab. James nahm es nicht persönlich, vor allem deswegen nicht, weil Remus zu James zwar oft grob war, aber zu Peter immer netter.
„Es ist ein echt komisches Gefühl“, erzählte James am ersten Wochenende des Schuljahres Sarah, „Es ist, als würde ich ein Experiment machen, Remus ist das Versuchsobjekt und ich tröpfle mal die eine, mal die andere Flüssigkeit hinein und beobachte, was passiert.“
„Das klingt, als wäre dir Remus egal.“ Es war kein Vorwurf, eher eine Frage. Die James mit kräftigem Kopfschütteln beantwortete.
„Nein, das ist es ja eben, was so komisch ist. Remus ist mein Freund, er war es seit dem Moment im Zug, als er mir den Zauberstab gab. Er hatte mir in einer schwierigen Situation beigestanden, das machte ihn zu meinem Freund und das ist er bis heute, auch wenn wir uns gestritten haben. Das Experiment betrifft nur ihn, nicht mich, für mich ist alles klar: Ich werde für Remus da sein, ich weiß nur noch nicht wie, daher das Experiment: Was muss ich zu Remus hinzugeben, damit auch er einen Freund in mir sieht.“
Sarah lachte ihr helles Kinderlachen und versank in den Kissen ihres großen Sessels.


Sirius, Peter und James genossen das noch immer warme Wetter und waren so oft draußen, wie es ihnen möglich war. James hätte es geleugnet, doch die geringere Präsenz der Lehrer auf den weitläufigen Ländereien des Schlosses spielte auch eine sehr große Rolle. Auf den Wiesen am See konnten sie an der Karte von Hogwarts arbeiten und laut reden, ohne dass es an falsche Ohren drang.
Sie grübelten gerade über eine knifflige Ecke im ersten Stock, als das Knirschen von Rädern über dem Kies der Auffahrt sie aufschreckte.
"Ist das eine Kutsche?", fragte Peter und kletterte auf eine knotige Weide in der Nähe, um bis zum Weg schauen zu können. James und Sirius sahen erwartungsvoll zu ihm hoch.
"Ja, es ist eine der pferdelosen Kutschen vom Bahnhof, sie fährt 'rüber zum Schloss", rief Peter zu ihnen herunter und machte sich an den Abstieg.
Sirius und James warteten nicht, sondern liefen direkt über die Wiese zum Schlosstor. Die Kutsche fuhr einen Bogen und hielt direkt vor der Treppe zum Schlossportal, als die beiden den Vorplatz erreichten. Zwei Personen stiegen aus und James erkannte sie sofort.
"Kestra!", rief er über den Hof und rannte auf das hochgewachsene, stämmige Mädchen zu, das sich zu ihm umdrehte und lächelte. James war vollkommen aus der Puste und verlangsamte seinen Schritt über den Schlossplatz, um reden zu können, sobald er seine ehemalige Babysitterin erreichte. Die zweite Person in der Kutsche war Lidia gewesen, Kestras jüngere Halbschwester und in Kestras letztem Schuljahr ihre verhassteste Teamkollegin im Quiddich. Doch jetzt legte Kestra Lidia die Hand tröstend auf die Schulter und bat sie, in der Eingangshalle auf sie zu warten.
"Geht es dir gut, Kestra?", bestürmte James das Mädchen, kaum, dass er nahe genug herangekommen war.
"Hallo, James!" Kestras Lippen lächelten, doch ihre Augen blieben traurig und besorgt. "Ich habe mich sehr über deinen Brief gefreut und hätte ihn auch umgehend beantwortet, doch da wusste ich schon, dass ich Lidia heute begleiten würde, und da wollte ich mich dann doch lieber persönlich bedanken."
"Ich hab mir echt Sorgen gemacht und meine Mutter gebeten, mir sofort zu schreiben, wenn es etwas neues gibt. Stimmt es, dass Lidia jetzt bei euch wohnt? Und haben die Auroren einen Verdacht, wer es gewesen ist?" James hätte noch weiter geplappert, wenn Peter sie nicht eingeholt und den Redeschwall unterbrochen hätte.
"Du musst dir um uns wirklich keine Sorgen machen. Ich kann nicht sagen, dass es uns gut geht, aber es geht. Lidia hat es natürlich am schlimmsten erwischt und meine Mutter, naja, sie macht sich Vorwürfe, weil sie ja genauso gedacht hat wie die Leute, die sie umgebracht haben. Ich verstehe das nicht, ok, Ehen mit Muggel sind nicht das Gelbe vom Ei, Zauberer sollten unter sich bleiben, aber jemanden deswegen gleich zu töten?" Kestra sah sich nach Lidia um und als sie merkte, dass Lidia sie nicht hören konnte, erzählte sie etwas leiser weiter: "Meine Großmutter war strickt dagegen, dass Lidia bei uns wohnt. Sie meinte, Schlammblüter hätten in ihrem Haus nichts zu suchen, doch Mama blieb eisern, sie meinte, das wäre kein Problem, ab sofort würden wir sie nicht mehr besuchen und sie würde das Schlammblut nie sehen."
"Wie ist es so, mit Lidia zusammen zu wohnen? Ich dachte du kannst sie nicht leiden", fragte Peter, als er wieder zu Atem gekommen war. Kestra lächelte bitter.
"Ich ... Naja, sie war die Tochter, für die mein Vater mich verlassen hat. Zumindest habe ich das gedacht, aber das stimmte nicht. In den Überresten von Lidias Haus haben wir eine Schatulle gefunden, die fast unbeschädigt war, darin waren dutzende von Briefen, die mein Vater an mich geschrieben hat. Lidia meinte auch, dass er viel von mir gesprochen hat und dass sie mich nicht leiden konnte, weil er sie immer mit mir verglich und immer wollte, dass sie sich ein Beispiel an mir nahm." Kestra schwieg und blinzelte Tränen zurück.
"Das alles hätte nicht passieren sollen."


Lucius stand am Fenster des Hausaufgabenraumes und merkte nicht, dass er hinter einer Ausgabe von Flüche des Jahrhunderts heraus beobachtet wurde. Severus achtete auf jede Regung, jede Miene und jede Geste von Lucius Malfoy, in Gedanken machte er sie nach und spielte Situationen durch, in denen er dies oder jenes wie Lucius sagen oder machen würde. Malfoys Auftritte waren nicht perfekt, das wusste er bereits, er konnte besser werden, irgendwann würde er besser sein, doch jetzt galt es noch genau hinzusehen. Da war es wieder! Der Anflug von Unsicherheit, der sofort von Arroganz überspielt wurde. Ein böses Lächeln legte sich auf Lucius' Lippen und Severus sah gerade noch rechtzeitig weg, bevor sich Malfoy mit einem dominanten Schwenk seines Umhangs umdrehte und den anwesenden Slytherins befahl, ihm zu folgen.
Sie erreichten die Eingangshalle, als eine Kutsche vor dem Eingangsportal hielt. Lucius hob die Hand und der kleine Trupp blieb schweigend stehen.
Ein Mädchen betrat die Eingangshalle, sie wirkte unsicher und erschöpft, als wäre sie vor kurzem schwer krank gewesen. Severus glaubte sie zu kennen und als sie näher trat, fiel es ihm wieder ein, sie war eine Jägerin der Ravenclaws gewesen. Er hatte sie letztes Jahr spielen gesehen, sie war ihm als keine gute Teamspielerin in Erinnerung geblieben.
Lucius kannte sie eindeutig auch, sie war sein Opfer. Seine Pupillen folgten ihr unter halb geschlossenen Liedern. Er trat ein paar Schritte zur Seite, auf den Weg, den das Mädchen anscheinend einschlug. Severus bemerkte das Manöver und erkannte auch sofort den Zweck; das Mädchen kam dadurch freiwillig auf Lucius zu. Von Außen betrachtet würde er nicht wie der Angreifer aussehen.
"Lidia!", begrüßte er jetzt das Mädchen und trat ihr gütig einen Schritt entgegen. Er hatte beide Hände ausgestreckt und ergriff die Hand des Mädchens, die sie ihm nicht gereicht hatte, in einer herzlichen Geste.
"Es tut mir so leid", verkündete Lucius etwas lauter als es nötig gewesen wäre. "Eine wahre Tragödie. Deine Mutter soll ja noch gelebt haben als das Haus abbrannte. Ein schrecklicher Tod", fügte er leiser und mit triefendem Mitleid hinzu. Aus dem Gesicht des Mädchens war der Rest Farbe gewichen, sie hatte die Lippen leicht geöffnet und atmete stoßartig durch den Mund.
Severus' Gedanken rasten, er versuchte sich jedes Wort, jedes Detail einzuprägen. Er kannte den Vorfall aus der Zeitung, es passierte am vorletzten Ferientag: Das Haus eines Zauberers, der mit einer Muggelfrau verheiratet war, wurde am helllichten Tag abgebrannt, die Tochter des Paares überlebte, weil sie zu der Zeit in der Winkelgasse mit Freunden letzte Schulsachen einkaufte. Als sie wiederkam, war von dem Haus kaum etwas übrig und ein Totenschädel aus Rauch hing über den Trümmern. Die Auroren vermuteten einen muggelfeindlichen Hintergrund. Severus hatte den Artikel ausgeschnitten und aufbewahrt. Wegen des Totenschädels, aber auch weil der Artikel seinen Großvater so zufrieden gemacht hatte. Er hatte gelächelt und gemeint, das wäre eben das Risiko, wenn man einen Muggel heiratete. Er hatte die Zeitung seiner Tochter vor die Nase gehalten und gemeint, das sie das hätte sein können. Severus hatte den Gesichtsausdruck seiner Mutter nicht deuten können, so wie er ihr Gesicht meistens nicht entschlüsseln konnte. Sie hatte in die Zeitung gestarrt, doch ihre Augen hatten sich nicht bewegt, daher wusste Severus dass sie den Artikel nicht gelesen hatte, sie hatte nur vor sich hin gestarrt.
In Lidias Gesicht konnte Severus besser lesen, das Mädchen war ein offenes Buch. Sie stand noch immer unter Schock und Lucius hatte es verstanden, die Wunde wieder gründlich aufzureißen. Severus sah die Flammen förmlich, die wieder vor Lidias Augen lodern mussten, als sie an ihr brennendes Elternhaus dachte, jetzt angereichert mit den Schmerzensschreien ihrer Mutter.
Lucius klopfte noch ein paar Beileidsfloskeln ab und sagte dann etwas, das Severus aufhorchen ließ.
"Wenn ihr nur in der Nähe irgendwelcher Zauberer gelebt hättet, man wäre euch sicher zu Hilfe gekommen."
Woher wusste Lucius, dass keine Zauberer in der Gegend lebten? Davon stand in den Artikeln nichts. Auch Lidia fiel diese Bemerkung auf, ihre Haltung veränderte sich, aus dem schockierten, vor Trauer am Boden zerstörtem Mädchen, wurde ein ängstliches Reh, das Lucius mit gigantischen Augen anstarrte und nach einem Fluchtweg suchte. Was hatte dieser Kommentar in ihr ausgelöst? Wo hatte sie diese Worte schon mal gehört? Severus trat einen Schritt näher, um Lucius besser sehen zu können. Sein Gesicht war ein perfektes Spiel; freundliche Augen und ein Mitleidiges Lächeln, das jedem Außenstehenden seine guten Absichten versichert hätte. Doch die angespannten Wangenmuskeln, die über der Nase leicht zusammengezogenen Augenbrauen, die Haltung des Kopfes und der Schultern ... Für Lidia musste er aussehen wie ein Habicht, der gleich zuschlägt und ihrem Leben ein Ende macht.
"Lidia?"
Eine junge Frau und die Pottertruppe betraten das Schloss und gingen auf Lidia zu. Lucius hatte die Hand des Mädchens losgelassen und seine Haltung war weniger bedrohlich als noch vor einem Wimpernschlag. Er ging offen auf die junge Frau zu und reichte auch ihr die Hand mit einigen Beileidsworten. Zu Potter gewandt meinte er: "Du solltest dich etwas um Lidia kümmern, ich glaube, sie hat es noch lange nicht überwunden. Ist ja auch verständlich", ergänzte er wieder zu der jungen Frau gewandt. Dann verließ er das Schloss, als ob das von Anfang an seine Absicht gewesen wäre.


Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.

Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel

Top-News
Suche
Updates
Samstag, 01.07.
Neue FF von SarahGranger
Freitag, 02.06.
Neue FF von Laurien87
Mittwoch, 24.05.
Neue FF von Lily Potter
Zitat
Während der vier Stunden, die ich in dem verspäteten Zug verbrachte, sprudelten mir alle diese Ideen nur so im Kopf herum.
Joanne K. Rowling