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Fanfiction

Die Hogwartsrumtreiber - Kapitel 7 - Enttarnt

von Vistin

AN:
Noch mal ein ganz liebes Danke für die Reviews und vielleicht eine kleine Bitte. Ich weiß, dass Reviews nicht jedermanns Sache sind, aber ich habe inzwischen 26 Abonnenten, ich würde gerne wissen wer so meine Geschichte liest, könnten die Abo-Leute die bisher noch kein Review geschrieben haben irgendwie Piep machen? Per Kommentar oder PM, es muss nicht viel drin stehen nur Name, Geschlecht und Alter vielleicht, sofern das nicht in eurem Profil drinsteht. So aus statistischem Interesse ;-)

Beste Grüße,
Vistin

~ * * * ooOoo * * * ~


„Es war ein Gargoyle.“ Remus legte die dritte Ausgabe von Monster heute aufs Bett. Das geflügelte Wesen auf dem Hochglanzfoto war überhaupt nicht angsteinflößend, aber es hatte tatsächlich eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit dem Monster der letzten Nacht.

„Das Verhalten war dem Heft nach aber absolut untypisch. Gargoyles sitzen auf Dächern und fressen Tauben, sie klauen keine Koffer“, erklärte Sirius als er den Artikel kurz überflogen hatte.

„Ich frage mich immer, wieso er gerade den Koffer von Brix geklaut hat. War da etwas drin, das er haben wollte? War es Zufall?“, überlegte Remus.

„Gibt es in Hogwarts Gargoyles?“, fragte Peter unvermittelt und blätterte in einem dicken, abgegriffenen Buch. James zuckte mit den Schultern. Er hatte nie darauf geachtet, ob auf den Dächern des Schlosses Gargoyles saßen. Er hatte zwar gewusst, dass es solche Wesen gab, aber sie gehörten nicht gerade zu seinem Alltag.

„Na ja, viele Tauben habe ich hier noch nicht gesehen“, scherzte Sirius.

„Raus hier, Black.“ erstickte Toms schneidende Stimme das Lachen. Er hatte den Schlafsaal betreten und sich sofort in der Raummitte postiert, kaum dass er Sirius bemerkt hatte.

„Wieso sollte er gehen?“, fragte Remus fast genauso schneidend. „Schämst du dich, vor ihm deine Hühnerbrust zu präsentieren? Keine Angst, ich halte ihm die Augen zu.“

Tom warf einen vernichtenden Blick auf Remus. „Ich habe mit Professor McGonagall gesprochen. Sie hat bestätigt, dass sich zimmerfremde Personen nur mit der Erlaubnis aller Bewohner in einem Schlafsaal aufhalten können. Und ich will ihn hier nicht haben!“

Remus hievte sich genervt vom Bett hoch und baute sich vor Tom auf.

„Sirius. Zimmer. - Zimmer. Sirius. Jetzt ist Sirius dem Zimmer nicht mehr fremd, kannst du also aufhören zu nerven?“ Tom war rot angelaufen und seine Hände waren zu Fäusten geballt.

„Du solltest dich raushalten, Lupin“, zischte Tom durch die zusammengebissenen Zähne. „Black schmeiße ich nur aus dem Zimmer, dich von der Schule.“ James spürte förmlich, wie die Temperatur im Raum schlagartig sank. Remus wurde blass, obwohl er seinen herablassenden Gesichtsausdruck beibehielt.

„Du spuckst ganz schön große Töne“, kommentierte Remus nach einigen Sekunden absoluter Stille.

„Und du nimmst dir ganz schön was raus für einen Werwolf.“ James' Gedanken rasten. Sie hatten Remus' Problem nie angesprochen, sich nie darüber unterhalten, wie war Tom da drauf gekommen? Er musste etwas sagen, die Lage entschärfen, Tom verunsichern. Aber wie? Peter kam ihm mit schallendem Gelächter zuvor. Sein Lachen war so offen, so spöttisch, so ehrlich, dass Sirius miteinstimmte, James folgte dem Beispiel.

„Du spinnst ja total!“, spottete Peter und stand, noch immer breit grinsend, vom Bett auf.

„Remus soll ein Werwolf sein? Dann bin ich der Gargolye von letzter Nacht.“ Peter blies die Wangen auf und tat so, als wäre er ein muskelbepacktes Monster.

„Uh ahhh“, ahmte er das Gebrüll nach und tat so, als wollte er einen der Koffer hochstemmen. Dann lachte er wieder, trat zwischen Tom und Remus und sagte, während seine Nase fast die von Tom berührte: „Glaubst du wirklich, dass Dumbledore einen Werwolf an der Schule erlauben würde? Abgesehen davon: Du als Muggelkind hast ja keine Ahnung von den Zauberergesetzen. Da ist unendlich viel Bürokratie hinter, Werwölfe und andere Halbmenschen rennen bei uns nicht einfach so herum, die werden kontrolliert. Und ein Besuch der Schule gehört nicht gerade zu den Grundrechten eines Monsters.“ Tom hatte sich ganz auf Peter konzentriert, James' Aufmerksamkeit galt jedoch Remus. Remus war ganz langsam zurückgetaumelt, sein Gesicht sah aus wie aus Wachs und seine Lippen standen leicht offen. James sprang auf, legte Remus den Arm um die Schultern und drehte ihn von Tom weg.

„Hast recht, Remus. Auf so einen Blödsinn fällt mir auch keine Antwort ein“, sagte er laut genug, um von Tom gehört zu werden. Peter stand immer noch grinsend wenige Zentimeter vor Tom und versperrte ihm den Blick, wodurch sich Tom in der Situation nicht orientieren konnte. Außerdem hatten ihn Peters Worte sichtlich verunsichert. Er stammelte etwas vor sich hin, drehte sich dann energisch um und stürmte zu seinem Koffer, um ein Handtuch und seine Zahnbürste zu holen, dann stampfte er aus dem Schlafsaal.

„Wie hat er das herausbekommen?“, flüsterte Sirius.

„Wahrscheinlich die Mondtabellen. Wir arbeiten ja seit Anfang des Schuljahres in Astronomie damit“, vermutete Peter.

„Wir müssen etwas unternehmen. Wir müssen ihm einreden, dass er sich irrt.“ James begann zu überlegen, was sie tun konnten, doch Remus unterbrach seine Gedanken: „Aber er irrt sich nicht.“ Remus saß auf seinem Bett und starrte ins Nichts.

„Ich bin ein Werwolf. Wegen mir wurde das halbe Dorf umgebaut. Wegen mir schiebt Madam Pomfrey Nachtschichten und Eridanus hockt sogar jeden Vollmond in einem Baum. Es wird einfach zu viel Aufwand wegen mir getrieben. Ich sollte mit Dumbledore reden und ihm sagen, dass sein kleines Experiment gescheitert ist.“

James spürte, wie er mit jedem Wort, das Remus sagte, wütender wurde, obwohl er sich nicht erklären konnte, wieso.

„Geh schlafen, du redest schon denselben Müll wie Tom“, fuhr er Remus gepresst an. Er würde nicht aufgeben und er würde nicht zulassen, dass Remus aufgab.

* * *

Am nächsten Morgen wachte James als erster auf, was ihn selbst sehr überraschte. Er sprang aus dem Bett, zog sich an und war aus dem Gemeinschaftsraum, noch bevor der erste Weckruf durch die Zimmer schallte. Einen richtigen Plan hatte James nicht und eigentlich wusste er nicht einmal, wieso er auf die Idee gekommen war, noch vor dem Frühstück mit einem Lehrer reden zu wollen. Wieso er sich an Pericul wenden wollte, wusste er hingegen schon, es war wegen des Flüsterns. Pericul bestrafte und belohnte nicht nach gerechten Regeln, er ließ sich ... überzeugen. Bei Pericul wurde man für geschicktes Schummeln belohnt und nicht bestraft. Und genau darum ging es hier, sie mussten Tom austricksen. McGonagall wäre mit Schulregeln und Predigten vorgegangen und das würde alles nur noch schlimmer machen. In diesem Fall brauche James Hilfe von jemandem, der im richtigen Moment wegsehen konnte.

Die Bürotür war verschlossen und auch auf James' drängendes Klopfen reagierte niemand. Eigentlich hätte er es sich denken können, es war erst kurz nach sieben, wenn Pericul nicht noch seit gestern da war, war er noch nicht da. James überlegte hastig. Es gab drei Arten von Lehrern: solche, die wie McGonagall und Eridanus im Schloss lebten; solche die eine Wohnung im Lehrerwohnhaus, drüben bei der Rennbahn, hatten; und solche, die jeden Abend nach Hause apparierten, wie Professor Sprout, die mit ihrem Mann und einer volljährigen Tochter in Wales lebte.

Pericul gehörte garantiert nicht zu der dritten Gruppe, selbst seine ... Sarah! Natürlich! Sarah musste wissen, wo Pericul wohnte, vielleicht lebten sie sogar zusammen in der kleinen Wohnung hinter der Tür des Türklopfers. James rannte los, von seiner guten Idee so begeistert, dass er nicht genau hinsah, wohin er lief.

„Langsam!“ Professor Eridanus packte James an den Schultern und verhinderte so James' Sturz. James hatte den Lehrer zwar nicht bemerkt, aber nachdem er schon in ihn hineingerannt war, änderte er schlagartig seine Pläne.

„Professor, können Sie mir sagen, wo ich Professor Pericul finde? Es ist wichtig, es geht um Remus.“ Eridanus musterte James aufmerksam.

„Was ist denn passiert?“, fragte er, nachdem er entschieden zu haben schien, dass James es ernst meinte.

„Tom Archer hat herausgefunden, dass ...“, James stockte und suchte nach den passenden Worten. „Er hat herausgefunden, dass Remus ein Problem hat, und ihm gedroht, ihn deswegen von der Schule werfen zu lassen.“ Eridanuns nickte nachdenklich. Dann griff er nach James Schulter und schob ihn in die Richtung, aus der James gekommen war.

Ein Stockwerk tiefer klopfte Eridanus energisch gegen eine schlichte Tür. Ein unverständliches Brummeln aus dem Inneren war die einzige Antwort. Eridanus ließ seinen Zauberstab aufblitzen und die Tür sprang auf. Mit einem selbstverständlichen Lächeln erklärte er: „Wahrscheinlich hat er uns nur nicht gehört“, und trat ein.

Die Wohnung hinter der schlichten Tür war alles, nur nicht schlicht. Die ganze gegenüberliegende Wand bestand aus durchsichtigen Ziegeln und bot einen beeindruckenden Ausblick auf den mit Nebel verhangenen Wald. Der Raum selbst war sehr aufgeräumt: An der einen Wand befand sich ein hoher Kamin, über dem ein schlicht gerahmtes Foto von Traian und Fabiane Pericul mit Sarah hing. Vor dem Kamin standen dieselben hochlehnigen Sessel wie in Sarahs unterirdischem Kaminzimmer, nur wurden sie hier von einem passenden Sofa begleitet. Neben der Tür führte eine Treppe zu einer Galerie hoch. Unter der Galerie stand ein schlichter Schreibtisch und reichlich Aquarien und Terrarien mit unterschiedlichen magischen und nichtmagischen Tieren. Auf der Galerie schien sich der Schlafbereich zu befinden, von dort kam auch das immer ungehaltener klingende Brummen.

„Wach schon auf, Vlad!“, rief Eridanus hoch und führte James zur Sitzecke hinüber. „Mr. Potter hat ein Problem, dessen wir uns dringend annehmen sollten.“

„Mr. Potter hat mir letztes Jahr bei den Problemen, die ich mit ihm hatte, auch nicht geholfen“, meckerte die verschlafene Stimme von der Galerie.

„Tut mir leid, Sir!“, entschuldigte sich James unsicher. Er fühlte sich mehr als unwohl.

Eridanus setzte sich zu James auf das Sofa und zog seinen Zauberstab. Mit einem Schlenker ließ er einen Teller mit belegten Broten und drei große Tassen auf dem kleinen Beistelltisch erscheinen.

„Kommen Sie schon, Professor!“, rief Eridanus erneut. „Ich habe auch Kaffee gemacht.“ James zuckte erschrocken zusammen. Kaum hatte er vom Tisch aufgesehen, stand da Pericul. Perfekt gekleidet und frisiert, nur die Ringe unter seinen Augen waren dunkler als gewöhnlich.

„Worum geht’s?“, fragte Pericul und ließ sich eine der Tassen reichen, während er sich in einen der Sessel setzte. Eridanus gab auch James eine Tasse, die jedoch Kakao enthielt, und bedeutete ihm zu erzählen.

„Tom Archer schläft mit Remus im selben Zimmer. Er ist ein Blödmann ...“ James stutzte, doch keiner der Lehrer schien an seiner Formulierung Anstoß nehmen zu wollen. „Er sucht dauernd Streit und mit Remus bekommt er immer welchen. Und gestern Abend hat er ihm offen ins Gesicht gesagt, dass er wüste, dass Remus ein Werwolf wäre, und dass er ihn deswegen von der Schule werfen lassen würde. Remus war total fertig, er meinte es wäre wohl das beste, wenn er wirklich gehen würde. Doch ich glaube ihm das nicht, ich habe nie jemanden gesehen, der lieber lernt als Remus. Wenn ich etwas finden würde, mit dem man Tom überzeugen könnte, dass er sich irrt, ihm vielleicht sogar beweisen könnte, dass Remus kein Werwolf sein kann, dann würde Remus seine Meinung auch ändern und dann würde auch kein anderer mehr auf die Idee kommen.“

Pericul trank gedankenverloren an seinem Kaffee und James war sich nicht einmal sicher, ob er seinem wirren Bericht zugehört hatte. Dann nickte Pericul langsam und sagte: „Vielsafttrank?“ James sah ihn verwirrt an, bevor er merkte, das Pericul mit Eridanus redete. Eridanus schüttelte den Kopf.

„Wir haben keinen auf Vorrat, und neuen zu machen dauert zu lange, in sechs Tagen ist Vollmond. Vielleicht hat Slughorn welchen?“ Diesmal schüttelte Pericul den Kopf.

„Slughorn ist nicht eingeweiht, den können wir nicht einfach so fragen. Vielleicht würde fürs erste ein Konfusionszauber reichen, aber damit würden wir das Problem nur verzögern und wahrscheinlich kommen in der Zwischenzeit klügere Köpfe als Archer auf den Trichter. Wenn das Thema erst einmal angeschnitten ist ... Wie ist Archer überhaupt auf den Verdacht gekommen?“ James brauchte wieder einen Augenblick um zu begreifen, dass diesmal er angesprochen war, Pericul starrte nämlich immer noch in die Tasse.

„Wir wissen es nicht genau. Peter glaubt, es läge an den Mondtabellen. Tom ist ein echter Streber und er hat sich immer schrecklich aufgeregt, wenn Remus unerlaubt gefehlt hat, und seitdem wir mit den Mondtabellen arbeiten, hat er anscheinend gemerkt, dass es da eine Übereinstimmung gibt.“ Pericul warf Eridanus einen herablassenden Blick zu.

„Wie war das noch mit dem Zufall? Wenn wir die Vorfälle immer anders erklären, wird keiner darauf achten wann sie stattfinden?“ Eridanus zog die Schulter hoch und hob die Hände.

„Ich habe nicht mit böswilliger Absicht gerechnet. Zumindest nicht mit so einem Mittelding. Ich war mir sicher, dass, wenn es zu negativen Reaktionen kommt, sie kollektiv auftreten, nicht so punktuell.“

„Wir reden hier über Kinder, Kilian. Nicht über Sonneneruptionen. Obwohl ich eine gewisse Ähnlichkeit nicht abstreiten kann.“

Eridanus wollte etwas erwidern, dann fiel sein Blick auf James und er verkniff es sich. Es entstand Stille. Nach einer Weile bot Eridanus James den Teller mit Broten an.

„Das kann noch dauern“, flüsterte Eridanus und nickte zu Pericul herüber der immer noch in seinen Kaffeebecher starrte. „Er ist noch nicht auf Betriebstemperatur.“ James verstand nicht, was Eridanus damit sagen wollte, doch er nahm sich ein Brot mit Käse und Schinken und biss hinein, wobei er sich bemühte, möglichst leise zu kauen.

„Kollektive Lichtillusion“, sagte Pericul nach einer Weile, die James unendlich erschienen war, und unterbrach das Schweigen. Eridanus nickte zustimmend.

„Wir werden einige Kristalle brauchen und sie müssen richtig positioniert werden. Kennen Sie den Dableib-Zauber, Mr. Potter?“

James nickte, mit diesem Zauber sicherten Remus und er die Schachfiguren gegen die Aufräumwut der Hauselfen und ungeschickte Mitschüler.

Wenige Minuten später rannte James durch die Korridore, um pünktlich zu Auswahl nicht magischer Künste zu kommen. Heute Abend würde er Astronomienachhilfe bekommen müssen und dafür das Sondertraining für Quidditch verpassen, doch er hatte einen Plan und das ließ ihn breit grinsen.

* * *

Remus war für Auswahl nicht magischer Künste bereits zu spät dran doch es war ihm egal. Er stand auf der offenen Galerie, die zum Ostflügel führte und schaute über den See nach Hogsmeade hinüber. Er konnte das Dorf nicht sehen, es war noch zu dunkel und zu neblig, doch er wusste, dass es da war. Genauso wie er wusste, dass da Menschen lebten, die ihn fürchteten, ohne es zu wissen. Es war so toll gewesen, als vor über einem Jahr der Brief gekommen war, dass er nach Hogwarts gehen konnte, und als Eridanus zum ersten Mal vor ihm stand und ihm die Hand reichte. Er hatte „Es freut mich, dich kennenzulernen“ gesagt und Remus hatte das sichere Gefühl gehabt, dass er es auch so gemeint hatte. Remus erinnerte sich an die dumme Vorfreude auf den Einkauf seiner Schulsachen. Er wäre beinah gehüpft und hatte dann den Gesichtsausdruck seiner Mutter bemerkt: verängstigt und aufmerksam, wie sie jeden Menschen, der ihnen begegnete, musterte, die Handtasche mit dem Werwolfsausweis krampfhaft umklammert, wie die einzige Waffe hinter feindlichen Linien. Er war damals ein naives Kind gewesen, das geglaubt hatte, wenn es sich nur von allen Leute fernhielte, wäre alles gut. Doch das war es nicht. Er blieb auch dann ein Werwolf, wenn er ganz allein in einer Ecke saß. Da gab es immer Menschen, die ihn fürchteten, es gab immer Menschen, die seinetwegen litten, es gab immer Menschen, die Arbeit mit ihm hatten. Er war nur ein Ärgernis.

In der Nacht, als James ihn aus der Hütte befreit hatte ... Remus erinnerte sich nicht an die Stunden, in denen er ein Wolf war, nicht in dem Sinne, wie er sich an das Frühstück oder die letzte Zaubertrankstunde erinnerte. Was am nächsten Morgen von seiner Zeit als Wolf übrig blieb, waren Gefühle, Empfindungen, kurze, verschwommene Eindrücke von Ideen. In dieser Nacht, in der er zum ersten Mal in seinem Leben einen Menschen angegriffen hatte, hatte er sich frei gefühlt. Da hatte es ganz kurz aufgehört, weh zu tun. In dieser Nacht hatte er geträumt, durch die Wälder zu ziehen, und nicht nur das, er hatte geträumt, nicht allein zu sein. In seinem Traum war da keine Hütte, kein Keller, keine Krankenhauszelle, da war der weite Wald und der andere. Der andere beobachtete ihn nicht wie die Heiler, er passte nicht auf ihn auf wie Eridanus oder seine Eltern, er lief mit. Er war immer einen halben Schritt hinter Remus, aber er verfolgte ihn nicht, er begleitete ihn. Remus hörte seinen Atem, der nicht schneller, nicht panischer wurde, sondern ruhig und rhythmisch ging.

Remus schüttelte den Kopf. Das war gefühlsduseliges Geschwätz. Er war eine Gefahr und ein Ärgernis, und wahrscheinlich wollte nicht einmal der, der ihm das angetan hatte, etwas mit ihm zu tun haben. Remus hätte am liebsten etwas über das Geländer hinunter in den Pausenhof geworfen, am liebsten etwas zerbrechliches, doch er hatte nichts zur Hand. Aus Wut trat er gegen das Geländer.

„Hat's wehgetan?“, fragte eine helle Stimme und Remus wirbelte herum. Camille stand in einer Tür, die zum Hauptgebäude führte, und beobachtete ihn.

„Musst du nicht im Unterricht sein?“, fuhr er sie an, doch Camille lächelte nur.

„Nein, ich habe frei, weil wir gestern Nacht Astronomie hatten. Das bedeutet aber, dass du sehr wohl im Unterricht sein solltest“, flötete sie und schlenderte zum Geländer der Galerie hinüber.

„Ich werde dich nicht verpetzen. Ich finde es cool, wenn jemand den Schneid hat, den Unterricht zu schwänzen, wenn ihm danach ist. Und du siehst gerade so aus, als ob dir so gar nicht nach lernen zumute wäre.“ Sie lehnte sich gegen das Geländer und musterte Remus von oben bis unten.

„Ich habe dich eigentlich für einen Streber gehalten“, gab sie ganz offen zu.

„Kennst du jemanden aus dem Haus Hufflepuff? Ich meine, ob du da jemanden etwas näher kennst.“

Remus blinzelte über den plötzlichen Themenwechsel verwirrt. „Was geht dich das an?“, antwortete er nach einigen Sekunden, in denen er die Gedanken, die ihn noch eben beschäftigt hatten, verstaute und sich auf Camille einstellte.

„Ich bin nur neugierig. Ich habe bisher kaum ein Wort mit einem Hufflepuff gewechselt. Hat sich nie ergeben. Und da wollte ich wissen, wie die so sind“, erklärte sie im Plauderton. Remus zuckte mir den Schultern.

„Ich kann dir da nicht helfen, glaube ich“, erwiderte Remus unsicher. Dann hob er seine Schultasche hoch. Hmm, er hätte ein Tintenglas zerdeppern können. Jetzt war es zu spät. Er warf sich die Tasche über die Schulter und meinte: „Ich glaube, ich sollte doch mal wieder in den Unterricht. Viel Erfolg bei deiner Völkerkunde.“

Camille grinste und hob die Hand zu einem lapidaren Abschiedsgruß.

Das war etwas, dass er an sich selbst nicht leiden konnte. Es ärgerte ihn nicht nur, dass Leute wegen ihm Ärger hatten, es ärgerte ihn auch, wenn es Leuten ganz egal war. Camille war da ein Musterbeispiel, ihr war die Heulende Hütte egal, ihr war egal, dass ein Gryffindor-Schüler jeden Monat irgendwie Ärger hatte oder machte, ihr war sein Schicksal egal. Wie es den meisten Menschen egal war, ihnen war es egal, was mit Werwölfen geschah. Hauptsache, es geschah weit weg von ihnen. Eigentlich ärgerte das Remus am meisten, es war der Grund, wieso er trotz allem in Hogwarts bleiben wollte, er wollte sich nicht abschieben lassen, er wollte es ihnen beweisen. Und plötzlich merkte er, dass er rannte, um doch noch so schnell wie möglich zum Unterricht zu kommen.

* * *

„Ich habe das ganze Schloss abgesucht. Im Lesesaal haben wir jedes Buch umgedreht und das war wohl das schlimmste an der Aktion. Wenn wir erfahren wollen, wo der Zugang zu Hufflepuff und Ravenclaw ist, müssen wir von Innen suchen“, erklärte Camille resigniert. Lily beobachtete die letzten Spannend-zu-sehen-Würmer, wie sie sich auf dem Boden des Glases um ein feuchtes Tuch ringelten.

„Und ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass ich Kingsley nichts erzählt habe, dabei wäre er eine echte Hilfe bei der Sucherei gewesen. Wir sollten die Geheimhaltungsregeln lockern. Lily hat ja auch Sev von der Werkstatt erzählt und er hockt hier dauern, auch dann, wenn er ihr nichts beibringt.“

Camille sprach so, als ob Severus nicht da wäre, dabei saß er ihr genau gegenüber und grübelte über einem Heft mit Zeitungsausschnitten. Severus sah auf und warf Camille einen bösen Blick zu, doch dann wandte er sich an den Rest der Mädchen.

„Kingsley ist doch vertrauenswürdig, es spricht nichts dagegen, ihn einzuweihen und Miss Perfekt würde aufhören zu mosern. Und was Ravenclaw angeht, ich kenne da eine sehr verschwiegene Erstklässlerin, die auch geschickt genug ist, unbemerkt nach dem Zugang zu suchen.“ Naomi sah ihn misstrauisch an.

„Du kennst Ravenclaws? Und dann auch noch vertrauenswürdige? Widerspricht sich das nicht?“

„Ich glaube, wir sollten das machen“, sagte Lily und war über die allgemeine Aufmerksamkeit überrascht, die sich schlagartig auf sie richtete.

„Ich meine das ganz praktisch. Kingsley war an vielen unserer Aktionen beteiligt, oft ohne zu fragen, um was es überhaupt ging. Als Avery Naomi und mich nach den Quidditchspiel blöd angemacht hat, hat er uns ganz sebstverständlich verteidigt. Camille hat recht, er hat es verdient, von der Werkstatt zu erfahren.“ Sarina nickte zustimmend und Camille grinste selbstzufrieden.

„Wer ist diese Ravenclaw, von der du gesprochen hast?“, erkundigte sich Sarina.

„Alice Faustus, wir waren mal Nachbarn. Sie ist echt verschwiegen und wäre mehr als begeistert, einen Geheimgang suchen zu können.“ Lily nickte.

„OK, ich spreche mit ihr, es ist immerhin mein Geheimnis, ich will wissen, an wenn ich es rausrücke.“ Severus warf Lily einen unsicheren Blick zu, er schien gar nicht damit einverstanden zu sein, doch komischerweise sagte er nichts.


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