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Fanfiction

Die Hogwartsrumtreiber - Kapitel 9 - Feste feiern, wie sie fallen

von Vistin

AN: Hy, Moony_Child, Hy, 2 of the Marauders, besten Dank für die Reviews, es hat zwar etwas gedauert aber jetzt geht es weiter, viel Vergnügen!

~* * * ooOoo * * *~

„Das war also Evans.“ Alice hockte auf dem Geländer des Pavillons und grinste Severus an. „Sie wirkte wirklich nett, ich hätte fast mit ihr geredet, aber bevor ich mich von dir in einen Sumpfling verwandeln lasse ... Was wollte sie eigentlich, klang interessant.“

„Es wäre nichts passiert, wenn du mit ihr geredet hättest, aber so war es besser“, sagte Severus. „Lily wollte dir von Slytherins Werkstatt erzählen.“ Alice sprang vom Geländer runter und ging auf ihn zu, während sie ihn misstrauisch betrachtete.

„Slytherins Werkstatt?“

Severus hatte plötzlich das merkwürdige Gefühl, dass er diese Unterhaltung zu leicht genommen hatte. Aus Alice' Sicht waren die geheimen Räume der Gründer ein gewaltiger Spaß und wahrscheinlich erwartete sie, darüber umgehend informiert worden zu sein. Ja, das war wahrscheinlich der Grund für ihren schiefen Blick und das bedeutete, dass er jetzt gewaltig in der Klemme steckte, aber vielleicht konnte er sich noch herausreden.

„Ja“, fuhr er schnell fort und achtete genau auf jedes Wort. „Lily hat einen geheimen Raum gefunden, der nach der Aussage eines alten Bildes Salazar Slytherins Werkstatt ist. Die Wohnbereiche der Gründer waren anscheinend mit Geheimgängen verbunden. Slytherins Werkstatt ist verschollen, genauso wie Ravenclaws Lesezimmer, aber aus Gryffindors Galerie wurde der Schlafsaal der Mädchen, so hat Lily die Tür gefunden. Sarina und Camille haben dann den Zugang von Slytherin aus entdeckt. Wir vermuten daher, dass es auch Zugänge in den beiden anderen Häusern gibt, und du sollst den von Ravenclaw aus suchen.“ Mist, es klang immer noch spannend. Severus beobachtete beunruhigt, wie Alice Pupillen immer kleiner wurden und ihre Augen immer mehr zu schmalen Schlitzen, die Lippen presste sie fest aufeinander und auf ihren Wangen entstanden kleine, rote Punkte. Severus musste sich zusammennehmen, um nicht die Augen zuzukneifen.

„Wann hast du von der Werkstatt erfahren?“, fragte Alice beunruhigend ruhig und langsam.

„Vor den Osterferien?“ Sie hatten sich zu Ostern nicht gesehen, vielleicht ... Doch seine Hoffnung augenblicklich zerstört.

„Und du hast mir nichts davon gesagt?“ Alice' Stimme war schrill geworden und sie presste die Worte zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

„Lily hat mich versprechen lassen, dass ich nichts sage“, versuchte Severus sich zu retten, doch er wusste, dass es zu spät war.

„Na und?!“, schrie ihn Alice an. „Seit wann ist das ein Grund? Wir erzählen uns alles! Das hast du mir versprochen! Und Geheimräume in Hogwarts gehören zu den fünf Dingen, über die ich immer Bescheid wissen will! Das Wort gegenüber so einer dahergelaufenen Gryffindor zählt doch nicht! Wir sind beste Freunde, ich riskiere dauernd meinen Kopf für dich, ich verdiene es, so etwas zu wissen!“

Severus verzog das Gesicht und kniff die Augen zusammen. Er musste sich sehr beherrschen, um sich nicht auch noch die Ohren zuzuhalten. Alice' Stimme erreichte beim Schreien eine Frequenz, die Glas zum Splittern bringen konnte, sie ließ seine Ohren klingeln und Ameisen über seinen Rücken laufen. Alice versorgte ihn noch mit einer ganzen Reihe neuer Schimpfwörter aus der Zauberersprache, drehte sich dann beleidigt um und ging.

„Alice!“, rief ihr Severus nach und sie wirbelte mit einem zischenden „Was?“ herum.

„Kannst du trotzdem überlegen, ob wir den Brief nächste Woche nicht doch holen können?“

„Überlege ich mir“, fauchte sie wütend. „Aber dass ich die Geheimtür suche, kannst du vergessen!“

* * *

„Du hättest ihn sehen sollen! Er hätte sich fast in die Hosen gemacht!“, berichtete Sirius lachend. Sie waren im dritten Kerkergeschoß unterwegs und die Karte zeigte ihnen Filch in einer Toilette im vierten Stock, also achteten sie nicht darauf, leise zu sein.

Der Rücktausch am Morgen hatte problemfrei funktioniert. Remus und James gingen los, um Peter zu besuchen, und kamen mit ihm wieder. Dass Remus etwas angeschlagener wirkte als noch Minuten zuvor, fiel niemandem auf, vor allem Tom nicht, der sich vor Scham nicht traute, ihn anzusehen. James hatte den ganzen Tag darauf gebrannt, über das gelungene Täuschungsmanöver zu sprechen, daher hatte er vorgeschlagen, das letzte Stück des dritten, unterirdischen Stockwerks zu erforschen. In den Eingeweiden des Schlosses konnten sie sich über alles unterhalten, ohne Gefahr zu laufen, belauscht zu werden, vor allem, seitdem die Karte sie vor unerwünschtem Besuch warnte.

„Es freut mich, dass ihr Spaß gehabt habt, aber das war nur ein Vollmond, der nächste kommt schon in einem Monat und was wollt ihr da machen?“ Remus konnte eine gewisse Schadenfreude über Toms Blamage nicht verbergen, doch so wirklich glücklich schien er nicht zu sein.

„Nichts“, erklärte Peter. „Nächsten Monat bleibt alles beim Alten, Eridanus und Madam Pomfrey denken sich eine Ausrede aus und du verschwindest wieder. Tom wurde ja widerlegt, die halbe Schule hat dich gesehen, während der Vollmond am Himmel stand, wie sollte man das erklären?“

„So, wie es auch wirklich passiert ist? Indem man behauptet, dass jemand anderes meinen Platz eingenommen hat?“

Sirius und Peter winkten den Einwand ab, wer sollte schon glauben, dass jemand wollen sollte, dass ein Werwolf auf der Schule bleibt, meinten sie. Doch James konnte es nicht so einfach abtun. Remus hatte Recht. Wer genau genug hinsah, würde das Manöver durchschauen. Remus war zwar da, aber Peter hatte gefehlte. Jedes Mal, wenn sie Remus tarnen wollten, würde einer von ihnen fehlen müssen. Da sie inzwischen fast dauernd zu viert unterwegs waren, würde das früher oder später auffallen. James erinnerte sich an Periculs Worte: „Und in der Zwischenzeit kommen vielleicht klügere Köpfe dahinter“. Tom hatte den ersten Verdacht geweckt und obwohl sich jetzt keiner traute, ihm weiter zuzustimmen, würde man es nicht so einfach vergessen. Was würde passieren, wenn Snape es herausfand? Oder Lucius? Würde Lucius überhaupt auf so etwas achten? Und wenn ja, würde er Remus verraten? Seit dem Streit mit Sirius, wegen Lucius' Besen, hatten sie nicht mehr über Lucius Malfoy gesprochen, doch Sirius' heftige Reaktion hatte James verunsichert. Lucius war zu ihm sehr nett und James konnte nicht leugnen, dass er Lucius bewunderte, doch bedeutete das gleich, dass Lucius ein ... guter Mensch war? Viele Zauberer lehnten die sogenannten Halbmenschen ab und obwohl James einen großen Unterschied zwischen Zentauren und Werwölfen sah, behandelte das Zauberergesetz beide gleich. James' gute Laune war verflogen, das gestern war vielleicht ein gelungener Streich gewesen, doch das Problem dahinter blieb eine ernste Sache.

„Wartet mal!“ James war durch seine Überlegungen zurückgeblieben und sein gesenkter Blick fiel auf ein Mosaik im Boden, über das die anderen einfach drüber gelaufen waren.

Das Mosaik war sehr verdreckt und schwer zu erkennen, doch James waren sofort die Flügel und ausgebreiteten Arme aufgefallen.

„Ist das ein Gargoyle?“, fragte Peter und wischte über die farbigen Steine. Remus zog den Zauberstab und sprach einen Reinigungszauber der zumindest den gröbsten Belag von dem Bild entfernte. Dargestellt war tatsächlich ein Gargoyle, der mit ausgebreiteten Flügeln und Armen auf einer Brücke stand, die zu einem schwarzen Tor führte. Auf dem Tor glaubte James das Hogwarts-H zu erkennen, doch um sicher zu sein, war das Mosaik zu abgetreten.

„Notier das hier“, wies James Peter an, der die Karte immer bei sich hatte. Dann sprang er auf und lief zur nächstliegenden Treppe die nach oben führte. Sirius und Remus folgten ihm, Peter rief ihnen noch nach, dass sie warten sollten, doch James wollte den Gedanken, der ihm gerade gekommen war, nicht verlieren.

„Was ist los?“, fragte Remus, als er James auf dem Pausenhof endlich eingeholt hatte.

„Es gibt hier keine Gargoyles“, erklärte James und deutete auf die sie umgebenden Dächer.

„Keinen einzigen, noch nicht einmal Wasserspeier.“

„Und?“, fragte Sirius verwirrt.

„Gargoyles sitzen normalerweise oben, auf Dächern, auf Torpfosten, auf Mauern, oben eben. Sie haben Flügel zum Fliegen. Sie gehören nicht in Kerker. Wieso gibt es im Kerker also ein Mosaik von einem Gargoyle, wenn noch nicht einmal auf den Dächern welche sind?“ Inzwischen hatte auch Peter sie eingeholt und funkelte James böse an.

„Vielleicht gab es hier mal Gargoyles, immerhin ist das Schloss tausend Jahre alt. Und das Mosaik ist ja nur eine Abbildung. Es wäre doch sinnlos eine Abbildung neben das Original zu hängen. Natürlich kommen Abbildungen dorthin, wo das Original eben nicht ist“, erklärte Sirius. James schüttelte den Kopf.

„Das glaube ich nicht. Schau dir die Dachrinnen an, sie sehen wirklich alt aus und es gibt nirgends Vorsprünge oder Säulen, auf denen Gargoyles hätten sitzen können, das Dach wurde gemacht, um genau so auszusehen wie es aussieht.“

„Ich glaube, du bist da voreilig, James“, unterbrach ihn Remus. „Das Schloss wurde schon immer mit magischen Mitteln umgebaut, von den größten Magiern Großbritanniens. Ich glaube nicht, dass man sehen würde, wo etwas geändert wurde, wenn man sich erst dazu entschlossen hatte, es zu ändern. Aber ich gebe dir schon Recht: Das Mosaik im Kerker ist recht merkwürdig.“

„Das mit den Gargoyles steht sicher in der Geschichte Hogwarts'. Remus und ich gehen in die Bibliothek und schlagen nach. Außerdem sollten wir das Mosaik magisch untersuchen. Ihr beide solltet ein paar der Enttarnzauber vorbereiten.“ James nickte. „Das ist ein guter Plan, Peter. Machen wir uns ran.“

* * *

James stand in der Tür zu Sirius' Schlafsaal und sah zu, wie Sirius mit dem Kragen seines Festumhangs kämpfte. Er war erstaunt gewesen, wie viele Freizeit- und Festumhänge seine Mutter ihm eingepackt hatte, dabei trug er eigentlich nur die schwarzen Schulumhänge, doch wenn er gewollt hätte, könnte er sich jeden Tag zur Himmelfarbe passend anziehen. Doch Sirius' Koffer war noch reicher gefüllt, inklusive eines minzgrünen Umhangs aus Seide, der wie das Nachthemd einer alten Gräfin aussah.

Sie hatten sich beide für die schlichtesten Ausführungen entschieden, und das nur, weil auf den Aushängen, die den Halloweenball ankündigten, ausdrücklich stand, dass Schulumhänge unerwünscht waren.

„Pink?“ Peter kam aus seinem Schlafsaal und hielt einen pinkfarbenen Umhang aus glänzendem Satin hoch. Im Hintergrund bog sich Remus vor Lachen.

„Das kann nur Nanny gewesen sein! Welcher vernünftige Mensch kauft pinke Festumhänge?“ Sirius grinste breit und warf den widerspenstigen Kragen zurück in seinen neuen Koffer.

„Wenn du den nicht tragen willst, kannst du meinen grünen haben“, bot er Peter an und hob das Seidennachthemd hoch. James schüttelte lachend den Kopf.

„Dagegen hat meine Mutter ja noch richtig Mitgefühl mit mir bewiesen. Die Umhänge in meinem Koffer kann man allesamt tragen, ohne vor Scham im Boden zu versinken.“

„Du glaubst doch nicht wirklich, dass meine Mutter den Koffer gepackt hat, oder? Das war die alte Hauselfe, die hat schon den Schulkoffer meines Großvaters gepackt und sie tut noch heute die selben Sachen hinein. Den hier habe ich mir selber ausgesucht und auch selber eingepackt, sonst würde ich jetzt apricot tagen oder etwas ähnlich krankes.“ Sirius öffnete den obersten Knopf des Umhangs, was dem glänzend schwarzen Kleidungsstück so ohne Kragen etwas Verwegenes verlieh.

„Ich glaube, ich ziehe den blauen Freizeitumhang an und frage Anna, ob sie pink mag“, kommentierte Peter.

Irgendwie war es merkwürdig: Im Grunde war es nur ein Konzert und ein Buffet mit Knabberzeug. Die meisten Schüler freuten sich darauf nur, weil sie länger draußen bleiben durften und am nächsten Tag zwei Unterrichtsstunden ausfielen. Doch die Ausnahmesituation blieb auf James nicht ohne Wirkung. Er zog sich sorgfältiger an und versuchte etwas bemühter, seine Haare in Ordnung zu bringen und er wollte Jaqueline nicht warten lassen.

„Ich muss in die Kerker, wir treffen uns gleich in der Eingangshalle, in Ordnung?“

„Wieso musst du in die Kerker?“, fragte James verwirrt, als Sirius an der Kreuzung zum Ravenclawturm in die falsche Richtung abbog.

„Camille holen, Kingsley kann die Zauberhüte nicht ausstehen und sie wollte nicht alleine hingehen.“ James blinzelte verwirrt, nickte dann aber und Sirius verschwand über die Treppe zu den Kerkern.

„Wollte Sirius nicht auch mit?“, fragte Jaqueline und zupfte ihr Muggelkleid zurecht.

„Er holt Camille ab, wir treffen uns in der Eingangshalle mit ihnen“, erklärte James und hatte das Gefühl, als würde sich bei diesen Worten ein Schatten auf Jaquelines Gesicht legen.

„Du hingegen musst mit einer Garde aus Trotteln vorlieb nehmen“, scherzte Remus und bot Jaqueline in übertriebener Höflichkeit den Arm an. Jaqueline grinste, machte einen schiefen Knicks und hakte sich betont kumpelhaft bei Remus ein. Lachend gingen sie zur Eingangshalle hinunter und da stockte James der Atem.

Camille trug ein langes Kleid aus demselben schwarzen Stoff wie Sirius' Umhang. Es war völlig schlicht und gerade, mit langen enganliegenden Ärmeln und einem niedrigen Kragen am Hals, doch mit den locker hochgesteckten Haaren sah Camille darin aus, wie eine Sechzehnjährige. Was auch unter den Sechzehnjährigen nicht unbemerkt blieb und Camille sonnte sich merklich zufrieden in den eifersüchtigen Blicken der älteren Schülerinnen.

„Ihr seid ein wunderschönes Paar“, lobte Jaqueline und kämpfte gegen das Lachen.

„Zufälle gibt's“, grinste Camille und James hatte den Eindruck, als würde Sirius etwas rot werden.

* * *

„Ich dachte, ihr seid wie alle anderen bei der Halloweenfeier?“, wunderte sich Severus, als Lily und Naomi durch die Wand in Slytherins Werkstatt traten.

„Wenn du Naomis Festumhänge gesehen hättest, wärst du auch nicht hingegangen“, erklärte Lily und fing sich einen Rippenstoß von Naomi ein.

„Verstehe, keine passende Garderobe für so einen großen Abend“, stichelte Severus.

„Ne, kein Anlass für die Garderobe“, konterte Lily und kletterte auf einen der hohen Stühle am Labortisch.

„Hm, Potter geht hin, ist das nicht Anlass genug? Das große Nachwuchstalent der Quidditchmannschaft, das Vorbild für magische Fähigkeiten und an Charme und Höflichkeit“, spottete Severus sarkastisch und übertraf sich dabei an Gesprächigkeit. Naomi imitierte währenddessen Würggeräusche, was Severus zu einem zustimmenden Nicken veranlasste und er kommentierte: „Treffende Aussage, Naomi. Bin ganz deiner Meinung.“ Lily kicherte, sie hatte Severus noch nie so gut gelaunt erlebt, aber es gefiel ihr.

„Wenn ich noch einmal höre, dass James ganz alleine das Spiel gegen Hufflepuff gewonnen hat, falle ich tot um. Das ist der Beweis, dass Menschen nur das sehen, was sie sehen wollen. Der kleine Angeber fliegt den schnellsten Besen, natürlich ist er der erste an den Ringen, das ist aber nicht seine Leistung! Und er trifft nicht öfter als die anderen. Ach, hätte ihn der eine Klatscher doch nur umgehauen. Aber nein, der Angeber hat auch noch Glück und dreht sich genau in dem Moment um, als der Ball auf ihn zuschießt. Und was erzählt der dämliche Kommentator? 'Potter weicht grandios aus!' Von wegen! Der hat den Klatscher noch nicht einmal gesehen! Hoffentlich holt Sarina ihn beim nächsten Spiel vom Besen, dann werde ich als einzige auf der Gryffindor-Tribüne aufstehen und jubeln.“ Severus grinste breit, während sich Naomi immer weiter in ihre Tirade steigerte. Dann lehnte er sich zu Lily hinüber und meinte mit gespieltem Bedauern: „An dem Mädel ist eine großartige Slytherin verlorengegangen.“

Lily tat erschrocken: „Und ich soll ganz alleine zwischen Crystal und Anna verrotten?“

„Wolltest du nicht sowieso nach St. Clare?“, fragte Naomi spitz und warf Lily einen schnippischen Blick zu. Lily verschränkte betont eingeschnappt die Arme.

„Ach, ihr seid alle so gemein zu mir.“

„Apropos, Beekje“, unterbrach Severus Lilys theatralisches Schmollen und spielte auf die ständig beleidigte Beekje Smith an, die sich dauernd beschwerte, als Halbblut hintenan zu stehen. Severus stopfte ein paar Briefbögen in einen Umschlag und räumte eine Zeitung beiseite, um darunter ein schmales Heftchen hervorzuziehen.

„Transparentes Haftpulver. Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, ob Eve und Beekje es merken würden, wenn man sie zusammenklebt?“ Naomi prustete los, in diesem Moment ließ eine tiefe Vibration die Gläser in den Regalen erzittern.

„Was war das?“, fragte Lily und sah sich unsicher um. Sie hatte nie darüber nachgedacht, dass sie hier niemand finden würde, wenn etwas passieren würde, zum Beispiel wenn die Decke einstürzte oder so.

„Das war nur der Anfangsakkord der Zauberhüte“, beruhigte sie Naomi. „Sie arbeiten seit Jahren daran, ihn so laut und tief zu bekommen, dass eine ganze Stadt mitbekommt, dass sie anfangen.“

„Ich mag solche Musik im Radio, wenn ich sie leise stellen kann“, erklärte Lily.

„Was ist eigentlich mit dem Weihnachtsball? Wird da auch eine Band spielen? Oder hat man da auch Chancen auf Beethoven und Strauß? Ich stelle mir das schön vor, die winterlich dekorierte Große Halle und ein Walzer von Strauß, ich kann keinen Walzer tanzen, aber es wäre trotzdem schön, dabei zuzusehen.“

Severus starrte nachdenklich auf die Papiere, die vor ihm auf dem Tisch lagen. Dann stand er ruckartig auf und schlug mit den Händen auf den Tisch.

„Die Gryffindor-Hühner können wir noch ein andermal zusammenkleben, heute ist ja eigentlich ein Feiertag.“ Lily und Naomi beobachteten ihn skeptisch. Severus' gute Laune war Lily etwas unheimlich. Sie mochte ihn inzwischen sehr gerne und sie kannte ihn gut genug um zu wissen, dass er keineswegs so gemein war, wie er erscheinen wollte. Doch sie hatte sich auch an seinen Sarkasmus und seine Zurückhaltung gewöhnt. Dass er summend eine der großen Schubladen in einem der Materialschränke durchsuchte, war mehr als unüblich.

„Helga? Wie finde ich in diesem Chaos einen Walzer?“, fragte Severus ohne von dem Inhalt der Schublade aufzusehen. Das Bild von Helga Hufflepuff veränderte sich und zeigte sie nun mit nach oben gedrehten Augen.

„Sag bloß, du kennst keinen Ordnungszauber? Die Tongabeln sind doch beschriftet, lass sie sich nach den Titeln sortieren und schau unter W wie Walzer.“

„Wo du Recht hast ...“ Severus hob den Zauberstab und lautes, metallisches Klirren erfüllte den Raum. Als es wieder still wurde, fuhr Severus mit dem Finger über den Inhalt der Schublade und seine Lippen bewegten sich lautlos, während er die Aufschriften las.

„Das ist gut“, verkündete er endlich und holte eine schlanke Stimmgabel aus der Schublade. Lily stutzte. Er stellte die Gabel auf einen Tisch und schnippte sie leicht an, zuerst erklang ein hoher, vibrierender Ton, der dann in einen langsamen Walzer überging. Lily lachte auf, sie hatte außer magischen Radios noch nie gesehen, wie Zauberer Musik wiedergaben, und fand verzauberte Stimmgabeln einfach zu niedlich. Severus streckte ihr die Hand entgegen und verbeugte sich leicht.

„Darf ich bitten?“, fragte er und in seiner Stimme lag weder Spott noch Sarkasmus. Lily spürte, wie ihr das Blut in den Kopf schoss, und sie hob abwehrend die Hände.

„Ich kann nicht tanzen“, wiederholte sie und musste sich zusammen nehmen, um nicht zu kichern. Severus zuckte nur mit den Schulter.

„Ich bringe es dir bei, komm schon.“ Lily wechselte einen verwirrten Blick mit Naomi, doch dann kletterte sie von ihrem Hocker und legte ihre Hand in die von Severus, nachdem sie ihre Handfläche so gut und unauffällig, wie es ging, an ihrem Umhang abgewischt hatte. Severus ergriff ihre Finger und zog sie etwas näher an sich heran. Ihre linke Hand legte er sich auf die Schulter und berührte sie leicht am Rücken.

„Stell die Füße gerade nebeneinander“, wies er sie an. Zwischen ihnen war genug Platz, dass Lily ihre Füße gut sehen konnte, und das nutze sie auch, bis Severus seine Hand von ihrem Rücken nahm und sie am Kinn packte.

„Auch wenn es dir schwer fällt, schau mich an“, grinste er sie an. Lilys Wangen wurden noch einen Hauch heißer.

„So, und jetzt mach einen kleinen Schritt nach vorne links.“ Lily hatte das Gefühl, vorwärts zu stolpern, und versuchte, wieder nach unten zu sehen, doch Severus vernehmliches Räuspern ließ sie wieder aufblicken. Zwei, drei Schritte und Lily entspannte sich endlich so weit, dass sie auf die Musik hören konnte. Severus lächelte sie an und sie musste wegsehen, doch dieses Mal nicht auf ihre Füße. Eine weitere Drehung und sie wusste, wo sie ihren Fuß als nächstes hinstellen musste. Ihre Bewegungen wurden immer flüssiger und schneller, passten sich immer besser der Musik an, Naomi klatschte begeistert.

* * *

James klingelten die Ohren. Gerade die unteren Klassen, die noch nicht so oft an den Schulfeiern hatten teilnehmen dürfen, nutzten den Abend aus und feierten bis kurz vor Mitternacht. Jaquelines Zöpfe waren vom Tanzen zerzaust und auf ihren Wangen zeigten sich rote Flecken. Camille hatte ihre Frisur bereits beim zweiten Lied aufgegeben und schüttelte nun ihren wilden Lockenkopf. Remus war vor einer Stunde eingefallen, dass er noch nicht alle Hausaufgaben gemacht hatte, und Peter hatte ihn zurück in den Gemeinschaftsraum begleitet.

„SO RAUS HIER!“, ertönte nun die magisch verstärkte Stimme von Professor Pericul über den letzten feiernden Schülern und die Musik wurde abrupt abgebrochen. Sirius und Camille liefen schwatzend an James vorbei, ohne ihn überhaupt zu bemerken, und plötzlich fand sich James auf der Treppe zum Ravenclawturm mit Jaqueline am Arm.

„Ich glaube, ich werde ein echter Fan der Zauberhüte werden“, erzählte Jaqueline, während sie langsam den Gang zur Geheimtür entlang gingen. „Wobei, vielleicht ist das voreilig. Ich kenne ja keine anderen Gruppen aus der Zaubererwelt. Zu Weihnachten wünsche ich mir auf jeden Fall ein Radio, ein magisches natürlich. Kann ich das eigentlich auch in den Ferien hören? Oder ist das auch verbotene Magie?“ James hörte nicht richtig zu, er war plötzlich furchtbar müde und gar nicht glücklich über den Umweg zu Ravenclaw, doch Jaqueline störte sich nicht daran, dass er nicht antwortete. Sie erzählte einfach weiter über die Zauberhüte und den Abend und die Festumhänge der anderen. Vor einer Bücherwand im dritten Stock blieben sie stehen, Jaqueline drehte sich zu James um und lächelte ihn an.

„Danke für den schönen Abend, James“, flötete sie lächelnd und dann drückte sie ihm einen Kuss auf die Wange. James konnte nicht einmal reagieren, da war sie schon durch die Bücherwand verschwunden.


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Im Buch wird sie als hässliche Kröte beschrieben. Als man mir dann sagte: ,Du wärst toll in der Rolle‘, antwortete ich: ,Herzlichen Dank!‘ Aber natürlich habe ich mich gefreut, als man mich darum bat, denn die Rolle ist ein echtes Juwel, es ist einfach traumhaft, in dieser Welt mitmischen zu dürfen … ganz abgesehen davon, dass ich in der Achtung meiner zwölfjährigen Tochter deutlich gestiegen bin.
Imelda Staunton