
von Dracodormiens
Auflösung zu der Frage nach dem kleinen Fehler:
Ich hab ja die Dornröschen-Geschichte nochmal aufgegriffen im letzten Kapitel, die Hermine und Sinead den Jungs in Kap. 16 erzählen im Zusammenhang mit Millicents Katze. Aber wenn man es ganz genau nimmt, meinen sie da eigentlich nicht Dornröschen, sondern den Froschkönig! Die Katze schäft schließlich nicht. Ist mir damals aber nicht aufgefallen, und als ich es hier wieder verwenden wollte, passte Dornröschen besser, so dass ich es nicht mehr ändern konnte... Okay, nur ein kleiner Fehler. Ich nehme an, die Logik-Schnitzer in Bezug auf die Bücher sind viel größer...
28. Der Kessel
Ein paar Stunden später wurden sie von ihren knurrenden Mägen geweckt, schließlich hatten sie seit dem Frühstück nichts mehr gegessen. Achtlos zauberte Hermine etwas Essbares zusammen. Alle waren in Gedanken noch bei den Ereignissen in der Höhle, und schweigend saßen sie sich am Tisch gegenüber. Hermine warf Draco einen Blick zu. „Lass uns noch ein bisschen spazieren gehen...“, schlug sie vor. „Ich brauche frische Luft!“
Die beiden schlenderten zum Strand hinunter. Die Sonne stand schon tief und färbte das Meer orange. Hermine setzte sich in den Sand und blickte aufs Wasser. „Das sieht so wunderschön und friedlich aus.“ sagte sie leise. „Man mag gar nicht glauben, dass so etwas Böses wie Voldemort wirklich existiert...“ Draco setzte sich hinter sie, und sie lehnte sich an ihn. Er legte die Arme um ihren Bauch und seine Wange an ihre. Gemeinsam sahen sie wortlos aufs Meer hinaus. Diese so harmlos und idyllisch aussehende Insel verbarg mehr Gefahren, als sie erwartet hatten. Beim ersten Horcrux hatten sie sehr viel Glück gehabt, das hatte sie sorglos gemacht. Schon zweimal waren sie hier nur um Haaresbreite einer Katastrophe entgangen. Was würde das nächste Mal passieren?
Sie blieben sitzen, bis die Sonne fast unter dem Horizont versunken war.
Als sie zum Zelt zurückkamen, hörten sie noch leise Stimmen aus Blaises und Sineads Zimmer. Hermine gähnte. „Lass uns schlafengehen...“ Doch in dem Moment kam Blaise ins Wohnzimmer und schloss die Tür hinter sich. Er setzte sich aufs Sofa und stützte den Kopf in die Hände. Hermine sah Draco an, dann setzte sie sich neben Blaise und legte ihm die Hand auf die Schulter. „Ist alles ok?“ fragte sie leise. Blaise schüttelte den Kopf.
„Ich mach mir Sorgen um Sinead. Ich glaube, ihr geht es schlechter, als sie zugeben will, sie überspielt das nur durch ihre flapsige Art.“
Hermine seufzte. „Das hab ich auch schon befürchtet. Ich meine, immerhin wäre sie fast ertrunken... Es ist doch völlig normal, wenn sie das mitnimmt.“
„Kannst du nicht mal mit ihr reden? Auf mich hört sie nicht, da will sie immer ihren Dickkopf durchsetzen. Am liebsten wär es mir, wenn sie morgen gar nicht mitkäme... Aber sie behauptet ja, es ginge ihr prima!“ Hermine nickte. „Mach ich. Aber erst morgen früh... Ich bin nämlich auch ziemlich fertig, ich will jetzt nur noch ins Bett...“ Blaise seufzte und stand wieder auf. „Ok, ich muss auch schlafen, glaube ich. Gute Nacht!“
Doch am nächsten Morgen fiel Hermine ein, dass ihre Bootsmiete heute ablief. Sie hatten den Bootsverleiher zwar mit einem Confundus verwirrt, aber sicherheitshalber wollte sie doch einmal an Land und den Spruch erneuern. Außerdem mussten sie wieder einmal etwas zu essen besorgen. Also konnten sie sich alle erst am folgenden Tag wieder mit dem Kraken auseinandersetzen.
Diesmal machten sie ihre Pause in der Höhle mit dem Fluss, vor der anstrengenden Tunnel-Kletterei. Blaise schaute Sinead besorgt an. „Und du bist wirklich ganz sicher, dass du dir das schon wieder zutraust?“ Sinead verdrehte genervt die Augen. „Jaha... Ich verspreche dir auch, dass ich vorsichtig bin!“ Blaise sah nicht aus, als ob er ihr glaubte, aber er sagte nichts mehr. „Wir brauchen diesmal wohl einen besseren Plan... Irgendwelche Vorschläge, jetzt, wo wir alle wissen, was uns erwartet?“
„Vielleicht sollten wir uns aufteilen, vier lenken den Kraken ab, die anderen beiden versuchen den Kessel zu holen.“ schlug Draco vor. „Wenn Accio nicht geht, könnten wir es mal mit Pulsatio versuchen und das Ding anschubsen.“ „Genau, und vorher den Felsen mit Glisseo rutschig machen!“ rief Luna aufgeregt. „Das könnte klappen!“
Blaise bestand darauf, dass Sinead sich um das Horcrux kümmern sollte und nicht um den Kraken, und ausnahmsweise widersprach sie ihm nicht. Luna bot sich an, ihr zu helfen. Die beiden steckten die Köpfe zusammen, um weitere Ideen zu sammeln, wie sie den Kessel aus der Höhle in der Felswand herausbekommen sollten. Die anderen vier besprachen währenddessen die Ablenkungspläne.
„Ich glaube, es hat wenig Zweck, wenn wir den Kraken töten wollten“, sagte Draco. „An seiner dicken Haut prallt fast jeder Fluch ab. Wir sollten uns auf seine Augen konzentrieren und ihn ansonsten einfach lange genug von seiner Höhle fernhalten... Und der Relashio hat ganz gut funktioniert.“
Endlich machten sie sich auf den letzten Abschnitt des Weges. Kurz vor dem Ende des Tunnels machten sie halt. Draco schaute vorsichtig aus dem Tunnel. „Nanu? Er ist gar nicht in seiner Höhle.“ Unwillkürlich schauderte Hermine, als sie daran dachte, wie der Krake sie aus der Tiefe ergriffen hatte. Sinead drängte sich nach vorn. „Gute Gelegenheit, um etwas auszuprobieren.“ Sie sandte einen schwachen Pulsatio über den unterirdischen See, und tatsächlich schien sich der Kessel ein wenig zu bewegen. „Fantastisch! Aber wir müssen näher ran, um ihn aufzufangen, wenn er ins Wasser fällt. Unbegrenzt tief können wir auch mit den Kopfblasen nicht tauchen...“ Entschlossen schwamm sie los, und Luna folgte ihr. Schnell steckten Blaise und Draco die Köpfe unter Wasser, um zu sehen, ob der Krake sich von unten näherte, und die vier schwammen langsam hinter den Mädchen her in die Höhle. Sie bildeten einen Kreis und richteten ihre Zauberstäbe in die Tiefe. „Wie Synchronschwimmer...“ dachte Hermine gerade, als sie plötzlich Dracos entsetztes Gesicht sah. Eine Welle heißes Wasser schwappte an ihr vorüber, und sie schrie erschrocken auf und drehte sich um. Doch der Krake ignorierte sie. Er tauchte unter ihr hindurch und steuerte direkt auf Draco zu. Sein linkes Auge war dick geschwollen, und er schien genau zu wissen, wem er das verdankte.
Draco tauchte blitzschnell in die Tiefe, denn hinter ihm war nur die Wand der Höhle, doch der Krake folgte ihm. Draco richtete den Zauberstab auf seine Füße und beschwor sich Schwimmflossen herauf, um schneller zu sein. Durch den Druck in der größeren Tiefe begann seine Kopfblase sich zu verformen, und er bemühte sich verzweifelt, wieder nach oben zu gelangen. Aber der Krake versperrte ihm den Weg und spielte ganz offensichtlich mit ihm. Hermine, Blaise und Ron zielten von oben mit Relashios nach dem Tier, und Blaise unternahm verschiedene Vorstöße auf das verbleibende Auge, doch der Krake wich mühelos aus.
In ihrer Verzweiflung hatte Hermine eine Idee. Sie richtete den Zauberstab auf einen Arm des Kraken und schrie: „Adhaesio!“ Das gleiche wiederholte sie mit dem benachbarten Arm, dann beschrieb sie mit dem Stab einen Bogen um die beiden Arme und rief triumphierend: „Coniuncte!“ Die beiden Arme bewegten sich aufeinander zu und klebten fest zusammen. Verdutzt versuchte der Krake die Arme auseinanderzureißen. Den kurzen Augenblick der Verwirrung benutzte Draco, um an ihm vorbei wieder in ungefährlichere Tiefen zu schwimmen. Hermine klebte währenddessen einen weiteren Arm an die ersten beiden, und Blaise nutzte die Gelegenheit, sich noch einmal auf das Auge zu stürzen.
Währenddessen waren Luna und Sinead auf die Felswand mit der Höhle des Kraken zugeschwommen und versuchten den Kessel herabzuholen. Leider funktionierte der Pulsatio doch nicht, es war wohl eine optische Täuschung gewesen. Seufzend sagte Sinead: „Ich muss da rauf!“ Die Felswand war nicht hoch, nur etwa zwei Meter über dem Wasserspiegel, aber nur ein Tier mit vier Meter langen Armen konnte sich problemlos hinaufziehen. Sinead probierte aus, ob sie sich auf Lunas Schultern stellen konnte, aber da Luna im Wasser keinen Halt unter den Füßen hatte, klappte das nicht. „Ok, also Magie. Kann man mit Wingardium leviosa auch Menschen schweben lassen?“ Luna richtete ihren Zauberstab auf Sinead. Die fühlte sich zwar ein bisschen leichter, aber zum Schweben reichte die Kraft des Spruches nicht aus. „Verdammt!“ Sinead tauchte ab und schnellte dann mit Schwung aus dem Wasser, doch sie erreichte die Kante nicht ganz und fiel mit einem Platschen neben Luna zurück in den See. „Mach das noch mal!“ sagte Luna aufgeregt. „Ich hab eine Idee.“ Gehorsam tauchte Sinead wieder ab.
Als sie erneut hochschnellte, spürte sie, wie sich ihr Sprung plötzlich verlängerte. Sie ergriff rasch die Kante der Höhle, doch sie hatten den Glisseo vergessen, und ihre Hände rutschten wieder ab. Beim dritten Versuch konnte sie sich endlich festkrallen und hing dann mit einem schmerzhaften Ruck an der Wand. Luna klatschte erfreut in die Hände. Sinead zog sich mühsam in die Höhe. Dann saß sie auf dem Rand und verschnaufte erst einmal. „Was hast du gemacht?“ rief sie zu Luna hinuter. „Impetus! Deinen Schwung verstärkt!“ „Klasse!“ Sinead stand auf und sah sich um. Als sie die Überreste von verschiedenen Tieren sah, die der Krake verzehrt hatte, schüttelte sie sich. Dann ging sie langsam auf den Kessel zu. „Sei vorsichtig!“ rief Luna von unten. Sinead richtete ihren Zauberstab auf den Kessel und prüfte, ob Gefahren von ihm ausgingen. Dann fluchte sie und ging zurück zur Felskante. „Da ist ein magischer Ring drumherum, den ich nicht übertreten kann!“
„Hilf mir mal hoch!“ Luna tauchte ebenfalls ab, und Sinead legte sich platt auf den Bauch und streckte die Hände aus. Luna schnellte aus dem Wasser, und Sinead griff nach ihren Händen, aber sie rutschte ab, und Luna fiel zurück. „Noch mal!“ Beim zweiten Versuch klappte es, und Sinead zog Luna in die Höhle.
Dann betrachteten die beiden den Kessel und den magischen Kreis, der nach Sineads Zaubersprüchen sichtbar geworden war und jetzt bläulich leuchtete. Er war nicht groß, nur ein Meter im Durchmesser.
„Und jetzt?“ fragte Sinead ratlos. Luna überlegte scharf. Dann stellte sie sich Sinead gegenüber auf die andere Seite des Kreises. Sie streckte die Hände aus, und Sinead ergriff sie. „Wir müssen ebenfalls einen magischen Kreis heraufbeschwören, und zwar einen stärkeren. Der hebt diesen hier dann auf. Das Problem ist, dass der hier von Du-weißt-schon-wem stammt. Aber wir sind dafür zu zweit, das könnte helfen. Und wir haben die Kraft der Freundschaft zur Verfügung!“ Sinead lächelte und drückte Lunas Hände. „Hast du sowas schon mal gemacht?“ Luna schüttelte bedauernd den Kopf. „Leider nicht. Ich weiß nur theoretisch, wie es geht.“ Sie begann verschiedene Beschwörungen zu murmeln, die Sinead dann wiederholte. Dabei gingen sie im Kreis um das Horcrux herum. Ihre Freunde im Wasser hatten sie völlig aus ihren Gedanken verbannt. Nur der Kessel zählte.
Die vier im Wasser hatten inzwischen die Oberhand gewonnen im Kampf gegen den Kraken. Das Tier war mehr damit beschäftigt, sich mit seinem einzigen nicht verklebten Arm davor zu bewahren, in der Tiefe zu versinken, als die Freunde anzugreifen. Erschöpft schwammen sie wieder an die Wasseroberfläche. „Meine Güte, was für ein nachtragendes Vieh...“ scherzte Draco außer Atem. Doch der Schreck saß ihm noch in den Gliedern, und er umarmte Hermine fest. „Das war eine tolle Idee, Süße!“ Hermine erwiderte seine Umarmung. „Wir sollten uns trotzdem beeilen, den Kessel hier herauszuschaffen, der Klebezauber ist nicht dauerhaft.“ „Wie lange hält er denn etwa?“ erkundigte Blaise sich besorgt. Hermine zuckte die Schultern. „Ich befürchte, höchstens eine halbe Stunde...“ „Na, dann sollten wir schleunigst Sinead und Luna helfen.“ Blaise warf einen Blick zu der Höhle in der Felswand. „Was machen die denn da?!“ fragte er erstaunt.
Die vier sahen einen Moment lang zu, wie die beiden Mädchen sich an den Händen hielten und im Kreis um den Kessel gingen. Dann ging Draco ein Licht auf. „Ein magischer Kreis!“ rief er. „Aber zu zweit? Das reicht doch nicht...“ Die vier schwammen auf die Felswand zu. Sinead und Luna ließen endlich frustriert die Arme sinken. Es klappte nicht, Voldemorts magischer Kreis war zu mächtig. In diesem Moment rief Draco von unten: „Wie seid ihr da rauf gekommen?“Sinead lief zum Rand. „Wo ist der Krake?“ „Etwa für eine halbe Stunde außer Gefecht gesetzt! Wir kommen rauf und helfen euch!“ Sinead streckte die Arme aus, und Blaise sprang als erster hoch. Er erreichte die Kante jedoch ohne ihre Hilfe und zog sich hoch. Die anderen folgten ihm.
Dann umstanden sie das Horcrux. „Hast du sowas schon mal gemacht?“ fragte Draco jetzt ebenfalls Luna. Die schüttelte den Kopf. „Ich kenne nur die Theorie. Wahrscheinlich hat es deshalb nicht geklappt...“ Draco schüttelte den Kopf. „Wahrscheinlich brauchen wir mehr Mitglieder in dem Magischen Zirkel.“ Alle fassten sich an den Händen, und Draco begann mit den Beschwörungen. Hermine bekam eine Gänsehaut.
Plötzlich hielt Draco inne. „Irgendwer konzentriert sich hier nicht richtig!“ sagte er stirnrunzelnd. Hermine wurde rot. „Tut mir leid...“ murmelte sie. Sie hatte an den Kraken gedacht. Draco schenkte ihr einen etwas vorwurfsvollen Blick, doch dann begann er erneut mit den Beschwörungen.
Als Hermines Konzentration schon wieder zu versiegen drohte, da sie sich Sorgen machte um die Zeit, die ihnen noch blieb, bis der Krake wieder erschien, begann endlich das bläuliche Licht des Kreises zu verblassen. Stattdessen fing ein größerer grünlicher Kreis an zu leuchten. „Toll!“ sagte Sinead bewundernd. „Können wir jetzt an den Kessel heran?“ Draco schüttelte den Kopf. „Noch nicht.“ „Woher kannst du sowas?“ fragte Ron.
„Ist mein Vater Todesser oder nicht?! Wahrscheinlich hat Luna auch die Standardvariante der Beschwörung benutzt und nicht die schwarzmagische.“ Luna nickte und sah neugierig zu, wie Draco wartete, bis der blaue Kreis völlig verschwunden war und dann mit ein paar Zauberstabbewegungen den grünen an einer Seite öffnete. Vorsichtig fasste er hinein und ergriff den Henkel des Kessels. Mit einem Aufschrei riss er den Kessel heraus. „Das verdammte Ding ist heiß!“ „Schnell ins Wasser!“ rief Hermine. Draco sprang mit einem Satz von der Felskante. Die anderen folgten ihm. Ohne den Kessel loszulassen, war Draco in den Tunnel geschwommen. In aller Eile bemühte er sich, in der Nachbarhöhle ans andere Ufer zu gelangen, um den Kessel dort loszuwerden. Das Wasser kühlte seine Hand ein wenig, aber als er den Kessel endlich ans Ufer geworfen hatte, sah er dicke Brandblasen in seiner Handfläche. „Verdammt!“ fluchte er, das Gesicht schmerzverzogen. Natürlich hatte er den Kessel ausgerechnet mit der rechten Hand angefasst, so dass er den Schmerzlinderungszauber jetzt mit der linken Hand vollführen musste.
„Lass mich das machen“, unterbrach Hermine seine Versuche. Die anderen waren jetzt auch angekommen. „Ich bin kein besonders guter Zauberer mit links...“ Draco verzog das Gesicht. Dann seufzte er erleichtert, als Hermine mit dem Zauber fertig war. „Wir müssen sofort ins Zelt, du brauchst diesen Lacrimosa-Trank...“ Hermine starrte entsetzt auf die Brandblasen.
„Und wie kriegen wir den Kessel mit?“
„Lasst das mal unsere Sorge sein! Ihr beide geht schon mal vor und verarztet Dracos Hand!“ sagte Ron. Gehorsam verschwanden Draco und Hermine im Wasser.
„Schade, dass wir den Zahn nicht mitgenommen haben“, seufzte Blaise. „Dann bräuchten wir das Ding gar nicht mehr zu transportieren.“ Er richtete seinen Zauberstab auf den Kessel. „Locomotor!“ Doch nichts geschah. Er zuckte die Schultern. „Naja, unter Wasser hätte der ja sowieso nicht funktioniert.“ Luna beschwor wieder einmal eine Schnur herauf, die sie um den Henkel des Kessel band. Doch als sie ihn daran hochheben wollte, riss die Schnur sofort durch, sie war durchgekokelt. „Wir brauchen etwas Festes, einen Haken aus Metall oder so...“ meinte Ron. „Der Bootshaken!“ rief Sinead. „Ich hol ihn!“ Sie sprang ins Wasser, noch bevor einer anbieten konnte sie zu begleiten. Stirnrunzelnd sah Blaise ihr hinterher, aber dann setzten die drei sich hin und warteten. Ab und zu warfen sie unbehagliche Blicke zu dem Horcrux hinüber.
Als Draco und Hermine auf das Zelt zukamen, sahen sie eine Eule vor dem Eingang sitzen. Doch Hermine ignorierte sie vorläufig, sie schob Draco vor sich her ins Zelt und suchte in seinem Rucksack nach dem Fläschen Lacrimosa phoenicium imitatum. „In der Seitentasche!“ Draco streckte ihr auffordernd die Hand hin. Schnell zog sie den Korken aus dem Fläschchen und tropfte ihm den Inhalt auf die Hand. Zischend stieß er den Atem durch die Zähne, als die Haut sich wieder zusammenzog und die Blasen kleiner wurden. Die Eule war hinter ihnen her ins Zelt gehüpft und zerrte jetzt energisch an Hermines Hosenbein. „Verdammt!“ fluchte Hermine und sah die letzten Tropfen auf Dracos Hand fallen. Sie schüttelte das Fläschchen, aber sie konnte nur noch wenige Tropfen herausholen. „Du musst ins St. Mungo`s!“ sagte sie und wollte ihn mit sich ziehen. „Warte doch mal! Das ist doch Tonks` Eule!“ Draco bückte sich, doch die Eule hackte nach ihm. Der Brief an ihrem Bein war an Hermine adressiert. „Mach ihn auf! Bitte“, fügte er hinzu. „Vielleicht schreibt sie etwas über Lucius...“ Zögernd warf Hermine noch einen Blick auf seine halb verheilte Hand, doch dann nahm sie der Eule den Brief ab und riss ihn auf.
Hermine überflog den Brief, dann stopfte sie ihn in die Tasche, obwohl Draco sie gespannt ansah. „Lass uns zum Phönixorden, nicht ins St.Mungo`s, Snape hat sicher auch diesen Trank. Und du kannst direkt mit Tonks sprechen.“ Sie zog Draco energisch hinter sich her aus dem Zelt, nachdem sie eine schnelle Nachricht für die anderen gekritzelt hatte. Die Eule folgte ihnen. Sehnsüchtig sahen sie ihr nach, als sie die Flügel ausbreitete und davonflog. Dann eilten sie zum Tunnel und schwammen zum Boot. Zwischendurch erneuerte Hermine noch einmal den Schmerzlinderungs-zauber. Dann apparierte sie mit Draco zum Grimmauld Place.
Hermine sah sich vorsichtig um, dann zog sie Draco mit sich. „Das Hauptquartier des Phönixordens befindet sich im Grimmauld Place Nr. 12.“ Vor Dracos staunenden Augen schoben sich die Häuser auseinander. Hermine klingelte, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass niemand in der Nähe war. Die Tür sprang auf, und sie legte den Finger auf die Lippen. Doch zu spät, Draco hatte schon begonnen, neugierige Fragen zu stellen. Die Vorhänge vor dem Porträt von Mrs. Black rauschten beiseite, und Hermine hielt sich schon die Ohren zu. Doch sie hörte kein Geschrei. „Hallo. Du bist der Sohn von Narcissa, oder?“ fragte Sirius` Mutter freundlich. Draco nickte. „Nette Frau.“ stellte Mrs. Black fest und verschwand wieder hinter ihren Vorhängen. Verwirrt starrte Hermine vom Bild zu Draco, doch sie verkniff sich die Fragen, bis sie in der Küche waren. „Wieso war die denn so freundlich zu dir?!“ Draco grinste. „Meine Mutter war ihre Lieblingsnichte. Und anscheinend hat ihr noch niemand verraten, dass ich übergelaufen bin...“ „Aber immerhin warst du in Gesellschaft eines Schlammbluts...“ Hermine schüttelte verständnislos den Kopf, doch dann konzentrierte sie sich wieder auf das nächstliegende. „Tonks!“ brüllte sie lauthals.
Ein Poltern aus dem oberen Stockwerk zeigte ihr, dass Tonks sie gehört hatte. Sie kam die Treppe hinunter und stieß die Küchentür auf. Ein Strahlen breitete sich über ihr Gesicht unter den pinkfarbenen Haaren. „Draco! Endlich treffe ich dich auch mal!“ Sie fiel ihrem Cousin um den Hals, doch Hermine unterbrach das kleine Familientreffen. „Tonks, ist Snape da?“ fragte sie drängend. „Wir brauchen...“ „Ja, Snape ist da, Miss Granger“, erklang eine kühle Stimme hinter Tonks im Hausflur, und Snape schaute ihr über die Schulter. „Oh, hallo Draco.“ Seine Stimme wurde um etliche Nuancen freundlicher. „Professor, wir brauchen...“ begann Hermine wieder, doch Snape unterbrach sie. „Das kann mir sicher auch Mr Malfoy sagen...“ Draco warf ihr einen entschuldigenden Blick zu. Hermine rollte verstohlen mit den Augen über Snapes kindisches Verhalten, doch sie ließ Draco erklären, was sie brauchten.
Snape nahm Draco mit in sein kleines Labor, das er sich hier eingerichtet hatte. Hermine ließ sich auf einen Stuhl am Tisch fallen, und Tonks setzte sich ihr gegenüber. „Tut mir leid, ich hatte gar nicht gesehen, dass Draco verletzt ist. Ich dachte, ihr seid wegen meinem Brief hier. Wie ist das denn passiert mit seiner Hand?“ „Ach, das ist eine lange Geschichte...“ wich Hermine aus. „Sind Malfoy und Avery eigentlich noch hier oder habt ihr sie nach der Befragung weggebracht?“ fragte sie dann. „Avery ist weg, aber Lucius ist oben in Regulus` altem Zimmer eingesperrt“, sagte Tonks. Neugierig sah sie Hermine an. „Das hätte ich nie gedacht, dass du und mein Cousin...“ Sie lächelte. Hermine sah nachdenklich auf den Tisch. „Ja, das hätte wohl niemand gedacht. Am wenigsten wir selbst.“ Sie sah wieder auf. „Ich habe Draco noch nicht erzählt, was in deinem Brief stand.“ Tonks seufzte. „Das kann ich verstehen. Soll ich?“
In diesem Moment kam Draco wieder in die Küche. Zu Hermines Erleichterung war Snape nicht dabei. Er setzte sich zu ihnen an den Tisch. „Ist deine Hand wieder in Ordnung?“ fragte Hermine besorgt. Draco nickte. „Kann ich jetzt den Brief lesen?“ Hermine sah hilfesuchend zu Tonks. „Ich kann dir auch erzählen, was drinstand...“ sagte diese zögernd. „Also, langer Rede kurzer Sinn, dein Vater... wollte dich tatsächlich umbringen.“ Hermine hatte ihre Hand auf Dracos gelegt und spürte jetzt, wie er fast unmerklich zusammenzuckte. Doch seine Stimme war ruhig, als er jetzt fragte: „Wie hat er uns gefunden?“ Tonks schluckte. „Er hat... die Hauselfe gefoltert, als sie in den Garten kam, um Gemüse zu holen.“ „Toady?!“ rief Draco erschrocken. „Wie geht es ihr?“ Tonks schwieg. Hermine lief eine Träne über die Wange. Draco sah von einer zur anderen. Dann schlug er wütend mit der Faust auf den Tisch. „Verdammt, verdammt, verdammt!“
Er sprang auf. „Ich will mit ihm reden!“ „Glaubst du, das ist eine gute Idee?“ fragte Tonks vorsichtig. „Wo ist er?“ fragte Draco nur. Tonks wies nach oben. „Dritte Tür links, erster Stock...“ sagte sie leise. Draco stürmte die Treppe hinauf.
Hermine und Tonks sahen sich an. „Wie kann ein Vater so etwas tun...“ sagte Hermine leise, ohne eine Antwort zu erwarten. Tonks zuckte nur hilflos die Schultern. „Die arme Hauselfe...“ sagte sie dann. Hermine wischte wieder eine Träne weg. „Sie war so hilfsbereit... Und so froh, als sie hörte, dass Draco nicht mehr Voldemort dient! Und so glücklich, als ich herausgefunden habe, dass Malfoy Manor nicht mehr Lucius gehört!“
„Ihr habt Riesenglück gehabt, dass Malfoy nur Avery als Begleitung hatte. Der ist ja nicht der Hellste. Und zum Glück wollte Malfoy noch die Genugtuung, Draco zu beleidigen, und hat nicht sofort einen Avada auf ihn abgefeuert...“ Hermine schauderte beim Gedanken daran, was hätte passieren können.
Aus dem ersten Stock hörten sie Dracos wütende Stimme. Dann polterte er die Treppe hinab und ließ sich wieder auf einen Stuhl fallen. Sein Gesicht war kreidebleich, und Hermine sah ihn besorgt von der Seite an.
„Was hat er noch verraten?“ fragte Draco Tonks kurz angebunden. Sie lehnte sich zurück. „Im wesentlichen hat er das bestätigt, was Avery schon gesagt hatte. Dass Voldemort weitere Anhänger rekrutiert und das Ministerium übernehmen will. Und wir hatten vergessen, Avery zu fragen, wo Voldemort sie neulich zusammengerufen hatte, das haben wir nachgeholt. Anscheinend hatte er sein Hauptquartier kurzfristig bei Yaxley aufgeschlagen, aber da wollte er nicht lange bleiben. Sie wissen leider beide nicht, wo er jetzt ist. Und sie wussten auch beide nichts Konkretes, was er in Bezug auf Harry plant...“
Draco schob seinen Stuhl zurück und stand auf. „In Ordnung. Danke für die Hilfe“, sagte er bemüht höflich, doch Tonks nahm es ihm nicht übel. Hermine folgte ihrem Freund bis zur Eingangstür. Leise verabschiedete sie sich von Tonks. Draco wartete ein wenig ungeduldig. Hermine ergriff seine Hand, winkte Tonks noch einmal zu und verschwand dann mit einem Plopp in Richtung Insel.
So, ich bin aus dem Urlaub zurück, Ägypten war toll. Und gute Nachrichten: Ich habe im Urlaub die Geschichte so gut wie fertig geschrieben, es wird also keine dieser unvollendeten Story-Leichen werden. Genau weiß ich es noch nicht, weil ich das handgeschriebene erst abtippen und in Kapitel unterteilen muss, aber ich denke mal, es werden insgesamt so ungefähr 38 bis 40 Kapitel werden. Viel Spaß noch!
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