
von Dracodormiens
Das hier ist eins meiner lĂ€ngsten Kapitel... Viel SpaĂ!
34. Grimmauld Place II
Hastig zogen Draco und Hermine sich wieder einige Schritte zurĂŒck. Pettigrew klopfte an die TĂŒr zum Arbeitszimmer. Als diese sich öffnete, verbeugte er sich tief. âMein Lord, Ihr wolltet mich sprechen?â
âIch habe eine ehrenvolle Aufgabe fĂŒr dich, Wurmschwanz!â sagte Voldemort mit spöttischer Stimme. âBellatrix hatte ihren SpaĂ, jetzt töte das Schlammblut!â Hermine zuckte zusammen. Pettigrew war blass geworden. âAber sie ist doch der Köder, damit dieser Junge Harry Potter herbringt...â Voldemort lachte mit seiner hohen Stimme. âAber Wurmschwanz... Du hast doch nicht erwartet, dass wir den Jungen und das Schlammblut danach gehen lassen?!â âNein... nein, mein Lord, natĂŒrlich nicht.â Pettigrew schĂŒttelte heftig den Kopf. âNatĂŒrlich werde ich... selbstverstĂ€ndlich...â Er verbeugte sich erneut und machte sich langsam auf den Weg zur Kellertreppe. Lautlos zogen Draco und Hermine sich noch weiter zurĂŒck.
âDen schnappen wir uns! Wir mĂŒssen nur aufpassen, dass er sich nicht verwandelt!â zischte Draco leise. Hermine nickte kurz, dann verschwanden die beiden in dem Raum, in dem vor kurzem noch Sinead gefangen gewesen war. Sie stellten sich zu beiden Seiten der TĂŒr auf, und Hermine legte einen Muffliato auf die TĂŒr.
Zögernd kamen Pettigrews Schritte nĂ€her. âEr scheint keine groĂe Lust dazu zu haben...â, murmelte Draco. âEr ist ein erbĂ€rmlicher Feigling, der sich nicht selbst die Finger schmutzig machen will!â sagte Hermine hart und hob ihren Zauberstab höher, als die Schritte vor der TĂŒr verstummten.
âAlohomora!â Pettigrew trat langsam in den Raum und sah sich suchend nach Sinead um, und Draco gab der TĂŒr einen energischen StoĂ. âPetrificus totalus!â Steif fiel Pettigrew vornĂŒber aufs Gesicht. Hermine rĂŒhrte keinen Finger, um zu verhindern, dass er sich bei dem Sturz die Nase brach. Erstaunt sah Draco sie an. âWarum hasst du ihn so?â fragte er leise, wĂ€hrend er Pettigrew fesselte und das Blut aus dessen Nase stillte, damit sie keine Spuren hinterlassen wĂŒrden. âEr hat zwar einen groĂen Teil dazu beigetragen, dass der Dunkle Lord wieder zurĂŒckgekehrt ist, aber eigentlich fand ich ihn immer eher bemitleidenswert...â
âEr hat Harrys Eltern verraten.â Draco hielt inne und sah zu ihr hoch. âDas wusste ich gar nicht...â Er richtete sich auf und sagte: âMobilcorpus!â Pettigrew begann zu schweben. Hermine richtete ihren Zauberstab auf Pettigrews Gesicht. âVerbinden wir ihm lieber auch die Augen.â Draco nickte. âJetzt mĂŒssen wir nur noch heil hier herauskommen...â Hermine schlich die Treppe hinauf und Draco folgte dicht hinter ihr mit dem schwebenden Todesser. Die Halle war menschenleer, und sie eilten rasch zur KĂŒche. Doch als sie Pettigrew in den Geheimgang hatten schweben lassen, hörten sie plötzlich eine Stimme auf dem Korridor. âLucius, deine Hauselfen sind absolut unfĂ€hig! Denen muss man mal Manieren beibringen! Uns so lange auf den Feuerwhiskey warten zu lassen...â Schon stieĂ Bellatrix die TĂŒr zur KĂŒche auf. âLucius!â brĂŒllte sie dann nach dem ersten Ăberraschungsmoment.
Pettigrew stĂŒrzte auf den Boden des Geheimganges, als Draco herumwirbelte und seinen Zauberstab auf seine Tante richtete. Hinter Bellatrix tauchte jetzt Lucius Malfoy auf. Als er seinen Sohn erblickte, verzerrte sich sein Gesicht vor Wut. Die Hauselfen disapparierten Ă€ngstlich aus der KĂŒche, als die vier begannen, FlĂŒche aufeinander abzufeuern. âHermine! Verschwinde!â brĂŒllte Draco und versuchte, sie vor einem Fluch seines Vaters abzuschirmen. Ein abgelenkter Spruch traf den altmodischen Herd, und glĂŒhende Kohlen flogen in alle Richtungen durch die KĂŒche. Hermine schrie auf, als eine davon sie im Gesicht traf und ihr die Wange versengte. Draco beschwor einen festen Schutzschild herauf und versuchte, ihn lange genug aufrechtzuerhalten, dass Hermine sicher in den Geheimgang klettern konnte. Dann setzte er alles auf eine Karte, löste den Schutzschild auf und hechtete im selben Moment ebenfalls in den Gang. Sofort drehte er sich um und richtete seinen Zauberstab auf die TĂŒr. âBombarda!â Krachend stĂŒrzte der Eingang in sich zusammen. Hermine saĂ auf dem Boden und presste leise wimmernd eine Hand ans Gesicht, doch Draco riss sie hoch. Rasch sprach er den Schmerzlinderungszauber. Dann zog er sie, so schnell es in dem engen dunklen Gang möglich war, mit sich. Pettigrew lieĂ er vor sich herschweben und kĂŒmmerte sich nicht darum, dass dieser bei dem Tempo stĂ€ndig an die WĂ€nde stieĂ.
Kaum hatten sie die WildhĂŒterhĂŒtte erreicht, griff Draco nach Hermines Hand und packte Pettigrews Ărmel. Dann disapparierten sie zurĂŒck nach GodricÂŽs Hollow.
Ginny erwartete sie in der TĂŒr. âWo bleibt ihr denn? Was ist mit Hermines Gesicht passiert? Und wer ist das?â Draco lieĂ Pettigrew achtlos in eine Ecke plumpsen und rannte zu seinem Rucksack, um den Lacrimosa-Trank zu holen. Erst nachdem er Hermines Brandwunde damit versorgt hatte, wandte er sich zu Ginny und den anderen um, um ihre Fragen zu beantworten. In diesem Moment griff Harry sich jedoch mit einem Aufschrei an die Stirn. Gleichzeitig fassten Draco und Blaise nach ihren Unterarmen. Erschrocken sahen sie alle an, doch als sich ihr schmerzverzerrter Gesichtsausdruck wieder zu entspannen begann, konnte Hermine sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen. Sie sah in die Ecke des Raumes, in der Sinead mit dem Kopf in Blaises SchoĂ auf dem Boden lag. âScheint so, als ob das alte Schlangengesicht gerade gemerkt hat, dass ihm seine Geisel abhandengekommen ist...â Leise begann Ginny zu kichern. Dann fielen auch die anderen ein.
Als alle sich ein wenig beruhigt hatten, berichteten Hermine und Draco abwechselnd, was in der kurzen Zeit, nachdem Seamus, Sinead und Blaise verschwunden waren, noch geschehen war. In stillem EinverstĂ€ndnis verschwiegen sie jedoch, wie knapp Sinead dem Tod entkommen war. Dann wanderten Harrys Blicke zu Pettigrew. âWurmschwanz!â murmelte er. Es wurde still im Raum, als er langsam zu dem Mann hinĂŒberging, der den Tod seiner Eltern zu verantworten hatte. Harry kniete neben ihm nieder und zog die Binde von seinen Augen. âWeiĂt du, wo du bist, Wurmschwanz? Du kennst das Haus, oder?! Wahrscheinlich war es allerdings noch heil, als du es das letzte Mal gesehen hast. Hier sind sie gestorben, Wurmschwanz. Lily und James, die dir vertraut haben... Wie fĂŒhlt sich das an? Bist du stolz darauf? Bist du stolz auf deine lĂ€cherliche Silberhand? Oder hast du noch so viel Menschlichkeit in dir, dass du dich wenigstens schĂ€mst, so ein Feigling zu sein?â Pettigrews wĂ€ssrigblaue Augen sahen zu Harrys grĂŒnen auf, doch Harry konnte nicht darin lesen. Er wollte es auch gar nicht mehr. Harry richtete sich auf und wandte sich ab. Draco stand auf. âIch bringe ihn zum Orden...â Harry nickte dankbar. âJa, schaff ihn mir aus den Augen...â
Fred schob seinen Stuhl zurĂŒck. âSoll ich das lieber machen? Du bist heute doch schon so oft appariert.â âHm, na gut...â stimmte er zögernd zu.
âVielleicht sollten wir lieber alle von hier verschwindenâ, schlug Sinead leise vor. âSie wissen nĂ€mlich, wo wir sind...â Sie schluckte und sah schuldbewusst in die Runde. Blaise strich ihr ĂŒber die Wange. âNiemand macht dir einen Vorwurf!â
Harry sah in die Runde. âAlso, wisst ihr... Die Horcruxe sind ja nun alle zerstört, bis auf Nagini. Und was Sinead passiert ist... Ich finde, ich bringe euch bei weitem zu sehr in Gefahr. Ihr solltet verschwinden, so lange ihr noch könnt. Den Rest muss ich wohl alleine erledigen...â
Ginny verdrehte die Augen. âHarry, wie oft mĂŒssen wir diese Diskussion noch fĂŒhren?! Wir sind alle freiwillig hier, wir werden das mit dir durchstehen.â Die anderen stimmten ihr lautstark zu.
âAlso, nachdem das geklĂ€rt ist, bringe ich jetzt erstmal dieses StĂŒck Dreck hier weg.â Fred griff widerwillig nach Pettigrew, doch Hermine hielt ihn zurĂŒck. âWollen wir nicht wirklich alle nach London?â Harry wollte protestieren, doch sie sprach schon weiter. âHarry, wir bleiben bei dir, das steht auĂer Frage. Aber wir sollten wirklich langsam den Phönixorden einweihen. Warum strĂ€ubst du dich so dagegen, Hilfe anzunehmen?â âDu weiĂt doch genau, was passieren wird. Sie werden uns den Kopf tĂ€tscheln und sagen ÂŽFein gemacht, aber jetzt lasst mal die Erwachsenen ran`!â âDas wĂŒrde Tonks nie tun. Und Lupin auch nicht.â âAber meine Eltern ganz sicherâ, warf Fred ein, âda hat Harry recht.â
Er hatte Pettigrew wieder losgelassen und sah abwartend zu Harry hinĂŒber. Plötzlich schloss sich die Silberhand um seinen Knöchel und drĂŒckte zu. Erschrocken schrie Fred auf und bĂŒckte sich, um die Hand von seinem Bein zu lösen, doch die Finger lieĂen sich nicht bewegen. âVerdammt, warum ist die Hand denn nicht auch versteinert?!â schrie er und versuchte einen Finger zurĂŒckzubiegen. âLiberare!â rief Hermine, die sich an den Kraken erinnerte, doch nichts geschah. Auf Freds Hosenbein erschienen die ersten Blutstropfen, als sich die Finger tief ins Fleisch gruben.
Ginny und Ron eilten ihrem Bruder zur Hilfe, und auch die anderen sprangen auf. âPettigrew!â brĂŒllte Harry wĂŒtend. âLass ihn los, verdammt!â Er zog seinen Zauberstab und löste rasch den Petrificus totalus. Pettigrew krĂŒmmte sich Ă€ngstlich zusammen, angesichts der vielen ZauberstĂ€be, die auf ihn deuteten, doch seine Hand lockerte ihren Griff nicht. âIch weiĂ nicht, warum sie das tutâ, quiekte er. âSie hat einen eigenen Willen...â âSo ein Quatsch!â brĂŒllte Harry. Mit Ron zusammen griff er nach der Silberhand und versuchte mit aller Kraft, die Finger auseinanderzubiegen, wĂ€hrend Ginny besorgt in Freds schmerzverzerrtes Gesicht mit den zusammengepressten Lippen sah und seine Hand nahm. Beinahe hĂ€tte sie selbst vor Schmerz aufgeschrien, so fest drĂŒckte er dann ihre.
âSilber hilft gegen Werwölfe und Vampire, aber was zum Teufel hilft gegen magisches Silber?!â fragte Hermine verzweifelt. âEisenâ, rief Draco. Er sah sich suchend um, dann sprang er zum Kamin und griff nach einer Kohlenzange. Harry riss sie ihm aus der Hand, doch bevor er sie zwischen die Silberfinger zwĂ€ngen konnte, brĂŒllte Fred doch endlich auf. Sein Schienbein war gebrochen, und immer noch lieĂ die Hand nicht locker. âSorry, Fred, wahrscheinlich mĂŒssen wir dir noch mehr wehtunâ, stieĂ Harry zwischen den ZĂ€hnen hervor. Fred nickte nur kurz. âLos, macht schonâ, stieĂ er hervor. Harry zögerte kurz, dann schob er mit Rons Hilfe die Zange zwischen Zeige- und Mittelfinger und wollte die Hebelwirkung ausnutzen.
Doch sie mussten gar nicht viel Kraft aufwenden. In dem Moment, als das Eisen das Silber berĂŒhrte, verfĂ€rbte es sich schwarz, und die Finger lockerten sich. Ron versetzte der Hand einen wĂŒtenden Tritt, dann kniete er sich neben seinen Bruder. Seamus versteinerte Pettigrew wieder, und alle achteten darauf, nicht mehr in Reichweite seiner Silberhand zu kommen. Fred umklammerte mit beiden HĂ€nden sein gebrochenes Bein. Draco war schon an seinem Rucksack und kramte darin. Dann eilte er mit dem Lacrimosa-Trank zu Fred hinĂŒber. Hermine half ihm, das Bein zu schienen, nachdem er den Schmerzlinderungszauber angewendet hatte. Dann tropfte er die kĂŒnstlichen PhönixtrĂ€nen auf die Wunden. âDen Knochen heilt das aber nichtâ, sagte er kurz. âZu Snape, oder noch besser, ins St. Mungo`s!â Ron griff nach dem Arm seines Bruders. âDann los, ins St. Mungo`s.â âIch komme auch mit!â Ginny nahm Rons anderen Arm. âUnd wir bleiben im Grimmauld Place, bis es Fred besser geht.â Bevor Harry Ginny widersprechen konnte, waren die drei schon verschwunden.
Dann sah Draco zu Harry hinĂŒber. âDann bringe ich Pettigrew wohl doch weg. Oder hast du es dir inzwischen anders ĂŒberlegt, wollen wir doch alle nach London?â Harry schĂŒttelte den Kopf, doch Neville kam zu Hermine hinĂŒber und flĂŒsterte ihr zu: âKann ich dich kurz mal sprechen?â Erstaunt nickte sie, und die beiden gingen in den Hausflur. Neville setzte sich auf die Treppe und sah sie an. âAlso, du weiĂt ja, dass meine Eltern... im St. Mungo`s sind. Und ich habe doch morgen Geburtstag, und ich wĂŒrde so gern...â Hermine setzte sich neben ihn und legte ihm freundschaftlich den Arm um die Schultern. âDas kann ich verstehen.â âAber ich möchte nicht, dass die anderen davon erfahren... Nicht, weil es mir peinlich ist! Aber ich möchte einfach nicht darĂŒber reden... oder mitleidige Blicke bekommen.â Neville schluckte. âDraco weiĂ es wahrscheinlich, oder?â Hermine zuckte die Schultern. âNicht von mir. Aber immerhin war es seine Tante, also denke ich schon, dass er es weiĂ.â âEr hat mich, vor allem in ZaubertrĂ€nke, frĂŒher ganz schön fertiggemachtâ, sagte Neville zögernd. Hermine nickte seufzend. âAber ich wollte dir mal sagen, dass ich ihn dafĂŒr bewundere, dass er die Seiten gewechselt hatâ, fuhr Neville fort. âUnd ohne ihn wĂ€ren wir schon manchmal ganz schön aufgeschmissen gewesen. Also, ich bin auf jeden Fall nicht mehr sauer auf ihn, und erst recht nicht wegen dem, was seine Tante getan hat, dafĂŒr kann er schlieĂlich nichts. Meinst du, er nimmt mich mit nach London?â âSicherâ, nickte Hermine. âAber ich denke, wir werden alle gleich nach London apparieren.â Sie grinste ein wenig. âDie HĂ€lfte von uns ist ja sowieso schon dort, du möchtest hin, und Sinead könnte ein bisschen professionelle Pflege auch nicht schaden. Und ganz ehrlich, es wĂ€re eine nette Abwechslung, mal wieder eine Nacht in einem wirklich sicheren Haus zu schlafen...â Sie sprang auf und reichte Neville die Hand, um ihn hochzuziehen.
Als die beiden wieder ins Wohnzimmer kamen, stand Draco immer noch abwartend mit Pettigrew neben der TĂŒr, sorgfĂ€ltig Abstand von der etwas ramponierten Silberhand haltend. âNimmst du Neville mit?â fragte Hermine ihn. Erstaunt nickte er und sah sie fragend an, doch sie winkte ab. âErklĂ€re ich dir spĂ€ter.â
Plötzlich schlug Blaise sich mit der Hand vor die Stirn und sah Sinead bestĂŒrzt an. âDeine Eltern!â rief er. âWir mĂŒssen ihnen unbedingt sagen, dass du in Sicherheit bist!â Sinead versuchte sich ein wenig aufzurichten. âSind sie noch in Muncaster?â Blaise schĂŒttelte den Kopf. âSie wollten zu deinem anderen Bruder nach Edinburgh. Wir mĂŒssen ihnen eine Eule schicken, und wenn es dir besser geht, bringe ich dich sofort hin.â âUnd wo kriegen wir jetzt eine Eule her?â
Harry kapitulierte. âHedwig ist im Grimmauld Placeâ, seufzte er. âNa gut, dann lasst uns eben nach London!â Blaise zog Sinead auf die FĂŒĂe und hielt sie fest, wĂ€hrend Luna sich an Deans Arm klammerte und Hermine Nevilles Hand nahm. Alle drehten sich auf der Stelle und tauchten wenig spĂ€ter mitten auf dem Grimmauld Place wieder auf. Erschrocken sah Hermine sich um, doch es waren zum GlĂŒck keine Muggel in der NĂ€he. Harry teilte denen, die noch nie hiergewesen waren, das Geheimnis mit. Die HĂ€user schienen sich auseinanderzuschieben, und Draco mit Pettigrew stieg als erster die Stufen hinauf.
Nachdem Draco diesmal mit einem gefangenen Todesser auftauchte, war es auch fĂŒr Mrs. Black deutlich, dass er nicht mehr zu ihnen gehörte, und sie stimmte ihr altbekanntes Gezeter an. Die Freunde ignorierten es einfach und folgten Draco, Harry und Hermine in die KĂŒche. Erschrocken blieben sie dann stehen. Um den KĂŒchentisch saĂen nicht nur Tonks und Lupin, sondern beinahe der komplette Phönixorden. Die Weasleys waren da, Moody, Snape, Shacklebolt, und noch einige andere, die Hermine nicht so gut kannte. âMist, wir haben vergessen, dass Wochenende istâ, flĂŒsterte Harry hinter ihr.
âĂh, hallo?â sagte Draco unsicher und lieĂ Pettigrew auf den FuĂboden fallen. Erstaunt starrten ihn mindestens zehn Augenpaare an. âWas zum Merlin...â begann Molly Weasley verdutzt, doch Lupin war aufgesprungen. âWurmschwanz!â Er eilte zu seinem ehemaligen Freund hinĂŒber und beugte sich ĂŒber ihn. âVorsicht, die Hand ist nicht versteinertâ, warnte Draco rasch, und Lupin wich wieder ein wenig zurĂŒck. Dann blickte er von Draco zu Harry. âErklĂ€rungen dringend erbeten!â forderte er nachdrĂŒcklich.
Molly kam um den Tisch herum und schloss Harry in die Arme, wĂ€hrend sie Draco misstrauisch musterte. âWo sind Ginny, Ron und Fred?â fragte sie dann besorgt. âĂh, das ist so...â begann Hermine zögernd. âPettigrews Silberhand...â Hilfesuchend sah sie zu Harry hinĂŒber. âDie Hand hat... Naja, sie hat Fred das Bein gebrochen, und Ginny und Ron sind mit ihm im St. Mungo`sâ, erklĂ€rte Harry und sah Molly schuldbewusst an. Wieder einmal hatte er ihre Kinder in Gefahr gebracht. Doch Molly schien ihm keine VorwĂŒrfe zu machen. Sie streichelte ihm ĂŒber die Wange, nachdem sie sich zunĂ€chst mit einem erschrockenen Ausruf die Hand vor den Mund geschlagen hatte. âUnd euch anderen ist auch wirklich nichts passiert?â Sie wirbelte herum. âArthur! Wir mĂŒssen sofort ins St. Mungo`s!â Ihr Mann war schon aufgestanden und neben sie getreten. âGanz ruhig, Molly, ein gebrochenes Bein ist nicht lebensgefĂ€hrlich!â Er griff nach einem Beutel an seinem GĂŒrtel und schaute hinein. âNicht mehr viel drin... Harry, hast du Flohpulver im Haus?â âJa, im Wohnzimmer, neben dem Kamin...â
Die beiden Weasleys eilten aus der KĂŒche.
Moody hatte wĂ€hrenddessen Draco von oben bis unten mit seinem magischen Auge gemustert. Dieser fĂŒhlte sich Ă€uĂerst unbehaglich bei der Erinnerung an sein viertes Schuljahr, bis ihm einfiel, dass es ja gar nicht der echte Moody gewesen war, der ihn in ein Frettchen verwandelt hatte. âWas macht ihr hier alle?â fragte Tonks neugierig. âAusnahmsweise keiner zusammenzuflicken?â Snape schnaubte unwillkĂŒrlich. âUnd es ist auch gar nicht mitten in der Nacht...â meinte er sarkastisch. Tonks` Blick fiel auf Sinead, die hinter Dean und Luna stand und von Blaise und Seamus gestĂŒtzt wurde. âOh, anscheinend doch...â, meinte sie leise und lief zu dem MĂ€dchen hinĂŒber. âDu musst Sinead sein. Oh...â
Ihr geĂŒbtes Aurorenauge erkannte sofort, dass sie wieder einmal die Folgen eines Cruciatus vor sich hatte. Resolut schob sie die drei aus der KĂŒche und zur Treppe. âDu musst dich erstmal hinlegen. Kommt mal mit. Ich bin ĂŒbrigens Tonks.â
Blaise und Seamus halfen Sinead die Treppe hinauf, und mit einem Seufzer der Erleichterung lieĂ sie sich vorsichtig auf das weiche Bett sinken, das Tonks mit einem Zauberstabschlenker schnell frisch bezogen hatte. âIch weiĂ zwar nicht, was ihr angestellt habt und warum ihr hier seid, aber du wirst dich die nĂ€chsten Tage nicht aus dem Bett bewegen!â ordnete sie an. Sinead richtete sich ein wenig auf und wollte widersprechen, doch Tonks hatte den Raum schon verlassen. Einen Augenblick spĂ€ter tauchte sie wieder auf und hielt Sinead eine Phiole hin. âTrink das, das macht es ein bisschen besser...â Seamus ging leise zur TĂŒr. âIch hole euch schnell Harrys Eule...â Blaise nickte ihm dankbar zu und setzte sich zu Sinead aufs Bett. Er stĂŒtzte ihren Kopf, wĂ€hrend sie die Phiole leerte. Tonks musterte sie streng, doch als sie ausgetrunken hatte, lĂ€chelte sie. âDu kannst ruhig hierbleiben, bis sie eingeschlafen istâ, sagte sie zu Blaise. In diesem Moment kam Seamus mit Hedwig zurĂŒck.
Sinead streichelte Hedwigs weiches Gefieder. âDu bist aber eine HĂŒbsche!â Hedwig knabberte sanft an ihrem Finger. Rasch kritzelte sie einige Zeilen fĂŒr ihre Eltern auf ein Pergament. Dann griff Blaise nach dem Brief und band die Pergamentrolle an Hedwigs Bein. âBring das nach Schottland, Hedwig, nach Edinburgh, zu den OÂŽBrians.â âErschreck sie aber nicht so, es sind Muggelâ, setzte Sinead hinzu und grinste ein bisschen, bevor sie sich wieder an Blaise lehnte und die Augen schloss. Tonks und Seamus verlieĂen leise das Zimmer.
Sinead gĂ€hnte. âDu kannst ruhig zu den anderen gehen...â, murmelte sie mĂŒde, âich schlafe bestimmt gleich ein.â Blaise streichelte ihre Haare. âIch bleibe hier, bis du schlĂ€fst.â Dankbar kuschelte sie sich an ihn und schloss die Augen.
WĂ€hrenddessen mussten Harry und die anderen sich in der KĂŒche den Fragen der Auroren stellen. Noch nicht alle Ordensmitglieder wussten von Dracos Seitenwechsel. SchlieĂlich berichtete Harry widerwillig auch von den Horcruxen. Ărgerlich schlug Moody mit der Faust auf den Tisch. Aber er war nicht auf die DA wĂŒtend. âUnd das hat Dumbledore die ganze Zeit gewusst? Dass wir völlig umsonst gegen ihn kĂ€mpfen, so lange diese Dinger nicht zerstört sind?!â Hestia Jones legte Moody beruhigend die Hand auf den Arm. âNichts war völlig umsonst, Alastor, wir haben schlieĂlich nicht nur gegen ihn, sondern auch gegen seine AnhĂ€nger gekĂ€mpft, und dabei haben wir mehr als ein Leben gerettet...â Mad-Eye verschrĂ€nkte die Arme. Sein echtes Auge starrte wĂŒtend vor sich hin, wĂ€hrend das magische wie immer in alle Richtungen rotierte. âGut, dass Dumbledore gerade verschwunden ist, sonst wĂŒrde er jetzt gewaltigen Ărger bekommen!â knurrte er leise.
âDumbledore verschwunden?â fragte Harry erschrocken. Lupin beruhigte ihn. âKeine Sorge, wir wissen zwar nicht genau, wo er ist, aber er ist mit Sicherheit nicht gefangen, das wĂŒrden die Todesser aus lauter Stolz nicht verschweigen. Vermutlich hat er nur wieder irgendwelche PlĂ€ne, sie er uns nicht mitgeteilt hat...â Die Freunde waren nicht völlig beruhigt, aber sie sagten nichts mehr.
Als die Weasleys - mit Fred - aus dem St. Mungo`s zurĂŒckkamen, gab Lupin ihnen eine Kurzfassung der ErzĂ€hlungen der DA. Wie erwartet versuchte Molly, ihren Kindern zu verbieten, sich weiterhin in Gefahr zu begeben. Doch Ron, Fred und George, der natĂŒrlich sofort zu seinem verletzten Zwilling geeilt war, beriefen sich nachdrĂŒcklich auf ihre VolljĂ€hrigkeit. Ginny bekam keinen Wutanfall, als ihre Mutter ihr weitere Nachforschungen und KĂ€mpfe mit der DA untersagte. Sie stellte sich neben Harry, nahm seine Hand und sagte nur entschlossen: âIch bleibe bei Harry.â Dabei sah sie Molly offen in die Augen. Molly öffnete schon den Mund zu einer Erwiderung, da legte Arthur ihr die Hand auf den Arm. âEs ist spĂ€t geworden, lasst uns doch morgen in Ruhe darĂŒber reden, wie wir nun weiter vorgehen wollen. Ihr habt sicher alle wieder einmal einen ruhigen Schlaf in einem sicheren Bett nötig...â Molly nickte zögernd. Als sie sich zum Herd umwandte, um fĂŒr alle noch eine heiĂe Schokolade zu kochen, sah Draco, wie Arthur seiner Tochter hinter dem RĂŒcken seiner Frau zuzwinkerte. Erstaunt sah Ginny ihn an, doch dann grinste sie.
Nachdem sie ihre Schokolade getrunken hatten, machten sich langsam alle auf den Weg ins Obergeschoss, wo Kreacher inzwischen mehrere GĂ€stezimmer vorbereitet hatte.
Hermine zog die TĂŒr hinter sich ins Schloss. Draco setzte sich aufs Bett. Sie stellte sich vor den Spiegel und strich sich ĂŒber die Wange. âMeinst du, da bleibt eine Narbe?â fragte sie nachdenklich. Draco sprang auf und schlang ihr von hinten die Arme um die HĂŒften. Ihre Augen trafen sich im Spiegel. âUnd selbst wenn... du bist immer noch wunderhĂŒbsch!â sagte er nachdrĂŒcklich. Sie lĂ€chelte flĂŒchtig und betrachtete dann wieder besorgt ihr Spiegelbild. âIch weiĂ, es ist lĂ€cherlich, sich ĂŒber sowas Gedanken zu machen, wenn wir jeden Augenblick getötet werden könnten...â Draco drehte sie in seinen Armen zu sich um. Er kĂŒsste ihre Nasenspitze. âNein, es ist nicht lĂ€cherlich. Aber es gibt gerade trotzdem wichtigere Dinge. Mich zu kĂŒssen zum Beispiel...â Hermine grinste und kam seinem Wunsch nach.
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