
von salatblatt
Aufgeregt fummelte er an seinem Umhangssaum rum. Noch ein paar Minuten bis es dreizehn Uhr war. Wann würde Angelina Johnson wohl endlich kommen? Er knabberte auf seiner Unterlippe rum.
Er war ganz schön nervös. Niemals hätte er zusagen dürfen! Was wenn ihm irgendjemand etwas vorwerfen würde. Wer sollte mir etwas vorwerfen, redete er sich beruhigend zu, alle haben viel zu großen Respekt vor mir.
Dann sah er auch schon Angelina. Um Punkt eins. Und wie sie sich herausgeputzt hatte. Wundervoll.
Nun stand sie vor ihm. „Nun Professor, ich dachte mir, wir gehen in den Drei Besen.“.
Normalerweise war er es gewohnt, jemanden etwas vorzuschreiben, doch wenn sie wollte.
„Meinetwegen“, sagte er kalt. „Schön!“, sie hakte sich bei ihm unter.
Er schaute sich um, ob auch niemand guckte.
Gott, wie peinlich; er, als Lehrer, mit einer Schülerin, und dann wohl bemerkt noch einer Gryffindor, eingehakt. Zum Glück beachtete sie keiner. Filch hatte nur Augen für Erstklässler, die sich rauszuschmuggeln versuchten, also schlich Snape mit Angelina im Schlepptau an ihm vorbei.
„Aber ich muss doch noch meine Erlaubnis vorzeigen!“, zickte die los. „Sie sind in meiner Begleitung!“, erwiderte er knapp. Angelina rümpfte die Nase sagte jedoch nichts weiter.
Auf dem Weg nach Hogsmeade begegneten sie niemanden, was ihn erleichtert stimmte.
Eine leichte Brise wehte. Angelina knüpfte ihre Jacke zu und sagte: „Brr, ist das kalt. Da freue ich mich schon auf ein schönes, warmes Butterbier!“.
Dazu klimperte sie fröhlich mit dem Gold in ihrer Hosentasche. Er grummelte vor sich hin.
Wenn sie es sagte. Er hatte nicht allzu große Lust sich unter die Leute zu mischen, die sich dann fragten, was er mit einer Schülerin hier machte.
In Hogsmeade herrschte großes Treiben, denn viele Erstklässler hatten es geschafft, sich an Filch vorbeizuschleichen. Er musste sich zusammenreißen sie nicht anzuschreien, sie sollten gefälligst machen, dass sie nach Hogwarts zurückkommen, doch immerhin war er in Begleitung einer Dame. Oh mein Gott, in Begleitung einer jungen Dame! So sehr verdrehte sie ihm wohl schon den Kopf, doch bald würde sie sicher zu weit gehen und dann war es aus damit, das schwor er sich.
Im Drei Besen war es laut und relativ voll. Er und Angelina nahmen sich einen freien Tisch in der hintersten Ecke, in der es nicht so laut war, so dass sie noch verstehen konnten, was sie sagten.
Sie bestellte jeweils ein Butterbier, die schnell gebracht wurden.
„Ich freu mich immer wieder hier zu sein!“, sagte Angelina fröhlich und nippte an ihrem Butterbier.
Er sagte nichts, sondern versuchte immer wieder sich ein wenig zu verstecken, wenn er meinte, jemand würde zu ihnen hinüberschauen.
Angelina lächelte und verfolgte für einige Minuten dieses belustigende Schauspiel, dann sagte sie betont mitfühlend: „Sollen wir woanders hingehen, Professor?“.
„Na ja, also...“, er zog den Kopf ein, denn Draco Malfoy war an ihnen vorbeigezischt, hatte jedoch nicht am entferntesten auf sie geachtet.
Er sah die noch immer lächelnde Angelina den Kopf schütteln. Sie leerte ihr Butterbier in großen Zügen. Dann stand sie auf, warf etwas Geld auf den Tisch und sagte: „Kommen Sie!“.
Er zögerte, stand auf und folgte Angelina, sein unberührtes Butterbier zurücklassend, aus dem Drei Besen.
Angelina wartete an der Tür. Sie hakte sich erneut bei ihm ein und schlenderte mit ihm Richtung Heulende Hütte, an Zonko und dem Honigtopf vorbei. Es fing an dicke Schneeflocken zu schneien. Nun standen sie einige Meter von der Heulenden Hütte entfernt, von einem Zaun getrennt. Er setzte sich auf einen umgekippten Baumstamm, der da schon seit seiner Schulzeit lag und auf dem er schon früher immer mit Lily gesessen hatte. Dort hatte sie sich unterhalten und er hatte die Zeiten genossen in denen sie noch nicht immer an James gehangen hatte, in denen ihre Freundschaft noch vollkommen intakt gewesen war.
Nun saß er hier mit einem anderen deutlich jüngeren Mädchen. Er hatte das Gefühl, dass es eine Beleidigung an die tote Lily war, diesen Platz mit jemand anderen außer ihr zu besuchen. Es wäre ihm um einiges lieber, Lily neben sich zu haben. Er hatte das Gefühl, sie geradezu zu riechen, ihre Anwesenheit zu spüren. Er war sich fast sicher, dass sie neben ihm saß, ihn anlächelte und fragte wie es ihm gehe. Doch als er seinen Kopf drehte schauten ihn nicht Lilys grüne Augen an, sondern Angelinas rehbraune. Ja, er hing noch immer sehr an Lily und mit Sicherheit würde es nie eine andere Frau in seinem Leben geben.
Er schaute Angelina enttäuscht an. „Was haben Sie denn, genießen sie diesen Ausflug denn nicht?“.
„Doch, doch“, murmelte er, doch es war natürlich nicht die Wahrheit. Mit jemand anderen an seiner Seite würde es unter Garantie mehr Spaß bringen: Lily! Er kam jetzt mit seinen Gedanken einfach nicht mehr von ihr weg.
Angelina schüttelte sich, sicher vor Kälte. Sie rückte dichte an ihn heran. Er schielte von der Seite her zu ihr hinüber. Der Schnee war schnell gefallen und lag schon ziemlich hoch.
Angelina zögerte, dann legte sie ihren Arm um seine Schulter und kuschelte sich an ihn.
Er drückte sie von sich weg. Gryffindor, dachte er und aus ihm unerfindlichen Gründen wurde ihm übel. Angelina sah etwas säuerlich drein. Doch jetzt war es Snape genug. Er stand auf: „Nun, ich gehe jetzt zurück!“. „Och“, murmelte Angelina traurig und stand ebenfalls auf. Sie ging auf ihn zu, legte ihre Arme um seinen Hals und presste ihre Lippen auf die Seinen.
Er schubste sie unsanft von sich.
„Waah- ?“, machte Angelina verblüfft. „Das war zu viel, Miss Johnson!“, schnarrte der andere. „Fünfzig Punkte Abzug für Gryffindor und Strafarbeiten! Und natürlich wird Professor Dumbledore von diesem Vorfall, so wie von dem in Ihrer Nachhilfestunde informiert. Hoffen Sie, nicht von der Schule verwiesen zu werden!“, sagte er höhnisch grinsend. Er war wieder ganz der Alte. Angelina griff, ohne groß nachzudenken nach ihrem Zauberstab, doch er war schneller: „Expelliarmus! Und ich dachte, sie wären klüger! Noch mal fünfzig Punkte Abzug für das arme Gryffindor. Wenn das mal noch für den Hauspokal reicht!“, er grinste noch höhnischer, wenn das überhaupt möglich war. „Ich werde mich für Ihren Schulverweis stark machen!“, dann stampfte er durch den inzwischen knietiefen Schnee davon, während Angelina mit wütend rot glühendem Gesicht im Schnee nach ihren Zauberstab suchte.
Das war ihr hoffentlich eine Lehre, dachte Snape. Und keine Zaubertranknachhilfe mehr! Dann würden Miss Granger, Miss Johnson, Miss Weasley und Miss Bell hoffentlich Ruhe geben
Wie sehr er sich irrte...
Ich freu mich schon riesig auf eure Kommis :-)
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