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Dystopia - Old Version - Kapitel 6

von Wolfschatten

Das Feuer im Kamin flackerte leise und bedrohlich, als wollte es vor bevorstehender Gefahr warnen. Kleine Funken sprangen auf den Teppich um daraufhin wieder zu erlöschen. Die große Uhr an der Wand begleitete das Geschehen mit ihrem immerwĂ€hrenden Rhythmus.
Tick, Tack. Tick, Tack.
Immer und immer wieder. Naara und Lily wussten nicht, wie lange sie nun schon warteten, obwohl die Uhr nun fĂŒnf mal schlug. Seit wann waren sie hier? Seit dem Abend sicherlich, aber seit wann? War es sieben oder acht Uhr gewesen, als sie beschlossen auf Mikako zu warten? Oder doch sechs Uhr?
„Was glaubst du?“, begann das weißhaarige MĂ€dchen nach Stunden ein GesprĂ€ch.
„Wann kommt sie wieder?“
„Wenn sie sich beruhigt hat.“
„Was ist denn so schlimm daran?“
„Sag mal, verstehst du es wirklich nicht?!“, rief Lily. „Wie wĂŒrdest du reagieren, wenn man dir sagen wĂŒrde, dass deine Eltern nicht deine Eltern sind?“
„Ich wĂ€re erleichtert“, sagte Naara ernst. Lily sah sie unglĂ€ubig an. „Ach, das war nur ein Scherz.“ Das smaragdĂ€ugige MĂ€dchen wollte soeben etwas erwidern, als dann aber das Portraitloch zum Gemeinschaftsraum auf ging. Mikako war ein wenig blass und strich sich das seidig-schwarze Haar aus dem Gesicht.
„Mika!“, stieß Lily aus und ging sofort zu ihr um sie zu umarmen. Naara folgte ihr und klopfte der eben eingetretenen Freundin auf die Schultern. Mikako aber drĂŒckte sie beide weg.
„Ihr tut glatt so, als wĂ€re mir etwas schlimmes zugestoßen“, meinte sie matt lĂ€chelnd und setzte sich auf einen der Sessel am Kamin. Naara und Lily folgten ihr und setzten sich jeweils rechts und links neben sie.
„Na ja... das was du gehört hast...“
„... Ă€ndert rein gar nichts“, ergĂ€nzte die Schwarzhaarige den Satz der rothaarigen Freundin. „Meine Eltern sind immer noch Jeff und Hitomi Tzukino und Tom ist ein Freund. Mehr nicht. Die Drei haben sich bemĂŒht in ihren Rollen zu bleiben und das werden sie meinetwegen auch.“
„Bist du dir da auch ganz sicher?“, fragte nun Naara. Mikako nickte. Wenn sie einmal einen Entschluss gefasst hatte, dann wĂŒrde sich der auch nicht so schnell Ă€ndern. Und somit kehrten di Drei das Thema unter den Teppich und kramten es erst Jahre spĂ€ter wieder hervor...

„Mika?“
„Ja?“
„Ich versteh das nicht.“
„HĂ€ttest du deinen Aufsatz in ZaubertrĂ€nke gemacht, hĂ€ttest du auch kein S bekommen. Streng dich doch etwas mehr an, Sirius! Ich erklĂ€r’s dir jetzt zum allerletzten Mal!“, tadelte die vierzehnjĂ€hrige Mikako ihren NachhilfeschĂŒler. Seit zwei Wochen saßen sie nun jeden Montag und Donnerstag zusammen um ihm, Sirius Black, in die hohen KĂŒnste der ZaubertrĂ€nke einzuweisen. Nicht, dass er ein schlechter SchĂŒler gewesen wĂ€re, nein. Er und James waren nach Mikako die Klassenbesten! Allerdings konnten sie beiden Professor Slughorn nicht leiden und benahmen sich dementsprechend: Sie machten nur Blödsinn. Da Sirius nun seit der ersten Klasse mehr als die HĂ€lfte aller ZaubertrĂ€nke-Stunden mit Unfug vergeudet hatte, war es nun an Mikako ihm beizubringen, wie er auch durch das vierte Schuljahr ohne ein „S“ im Zeugnis durchzukommen.
„Ach, lass nur... ich bin heute nicht in Stimmung zu lernen“, erklĂ€rte ihr. Sie schĂŒttelte energisch den Kopf.
„Sirius“, begann die Schwarzhaarige kichernd, „das bist du doch nie!“
„Ach Ruhe, das mein ich nicht!“, fauchte er sie an.
„Was dann?“
„Na ja... ich...“
„Spuckst du’s wohl aus?“
Es herrschte Schweigen. Sirius sah aus dem Fenster und Mikako folgte seinem Blick. Die peitschende Weide stand stumm auf den LĂ€ndereien. Der Kraken im See war nirgends zu sehen. SchĂŒler tummelten sich draußen bei den ersten warmen Sonnenstrahlen dieses FrĂŒhlings. Auch James, Remus und Peter waren zu erkennen. James und Remus spielten Zauberschach und Peter sah James aufmerksam dabei zu, wobei er jedes Mal laut applaudierte, wenn James eine Figur von Remus schlug. Sirius seufzte laut.
„Es geht um meine Familie“, begann er zu erklĂ€ren. „Du kannst es dir ja vorstellen, deine kommt aus der selben ‚reinblĂŒtigen’ Ecke. Sie sind nun mal Blacks. Seit Jahrhunderten sind alle Mitglieder meiner Familie in Slytherin gewesen. Wenn nicht, wurde man ausgeschlossen.“
„Und wie ist es bei dir?“, fragte Mikako neugierig.
„Nun, fĂŒr mich gilt das gleiche. Ich bin Luft fĂŒr meine Eltern und meinen Bruder seit ich nach Gryffindor kam. Es ist egal, ob ich da bin oder nicht.“ Er seufzte laut und strich sich sein schwarzes Haar aus dem Gesicht. Mikako beobachtete ihn genau. Er tat ihr Leid. Auch wenn sie nun schon seit Jahren befreundet waren, hatte sie nie vermutet, dass der sonst lebensfrohe Junge auch Probleme haben könnte.
„Und was willst du dagegen machen?“
„Ich hab keine Ahnung“, antwortete er seufzend. Endlich sah er sie an. Seine Augen glĂ€nzten etwas weniger als sonst und irgendwie... traurig.
„Wie wĂ€r’s, wenn du abhaust?“, schlug die VierzehnjĂ€hrige vor. Sirius sah sie verblĂŒfft an. Dann lachte er so herzlich wie sonst.
„Hey! Was ist so lustig daran, es war ernst gemeint!“, murmelte sie beleidigt und verschrĂ€nkte die Arme.
„Willst du mich etwa einladen zu dir zu ziehen?“ Sirius gluckste und auf Mikakos blassen Wangen schimmerte ein Hauch von rosa.
„Ach, quatsch! Du kannst ja James fragen oder so...“ Sie stand auf. „Die Nachhilfestunde ist fĂŒr heute beendet, du kannst dich ohnehin nicht konzentrieren!“ Mit diesen Worten ging sie hinaus, doch Sirius’ Lachen verfolgte sie noch lange. Warum machte er sich nur ĂŒber sie lustig? Sie hatte ihm nur helfen wollen. Sie hatte nur ein LĂ€cheln auf seinem Gesicht sehen wollen. Dann hatte sie es auch nicht verdient ausgelacht zu werden.
Beleidigt ging sie in den Gryffindorturm und setzte sich an den Kamin. Dann... Lachen. Eine ihr vertraute Stimme lachte herzlich. Schnell und ĂŒberaus zornig drehte sich Mikako um und fixierte die rötlichen Augen ihrer Freundin. Naara war inzwischen um einiges Ă€lter geworden und hatte sich deutlich verĂ€ndert. Weder Lily noch Mikako selbst wussten weswegen. Es war ganz plötzlich geschehen. Nach den Sommerferien ihres dritten Schuljahres war Naara um einiges kĂ€lter als sonst. Ganz plötzlich spielte sie keine Streiche mehr, sackte in der Schule ab und hing mit einer Hand voll Slytherins herum. Unter ihnen waren Lucius Malfoy, Narzissa und Bellatrix Black, Rodolphus Lestrange und Schniefelus, dessen eigentlicher Name Severus Snape war, doch seit James und Sirius ihm diesen Namen gaben, wurde er ihn nicht mehr los. Das AlbinomĂ€dchen hatte sich allmĂ€hlich von ihren eigentlich besten Freundinnen abgeschottet.
„Warum lachst du denn? Mondgesicht?“, fragte Mikako bissig. Am Tag zuvor hatten sich die Beiden gestritten. Naara behauptete, dass Menschen mit „reinem“ Blut etwas besseres waren als HalbblĂŒter oder sogar als MuggelstĂ€mmige. Lily wurde dadurch natĂŒrlich ziemlich verletzt von Naara und Mikako hatte sie verteidigt, obgleich sie eigentlich auch – zumindest nach ihren Adoptiveltern – „reinen Blutes“ sein mĂŒsste. Da das schwarzhaarige MĂ€dchen wusste, dass Naara die Bezeichnung „Mondgesicht“ hasste, nannte sie sie nun aber erst recht so. Naara gefiel das natĂŒrlich ĂŒberhaupt nicht und ihr höhnisches Lachen wandelte sich sofort in eine zornige Grimasse um.
„Scheint fast so, als ob du dich aufregst... ĂŒber einen Jungen.“ Mikako wurde rot und das AlbinomĂ€dchen grinste schlagartig wieder. „Och, wer ist es denn? Einer deiner Schlammblutfreunde?“
„Erstens: Nenn sie nicht so, Naara. Sie sind auch deine Freunde – oder sie waren es bis vor kurzem. Zweitens: Halt dich endlich von den Slytherins fern. Sie tun dir nicht gut. Und drittens – “ Mikako holte tief Luft. „Ich hab mich nur ĂŒber Sirius geĂ€rgert. Mehr nicht.“ Schweigen. Naara sah zur Seite. Auch in ihren Augen lag tiefe Trauer wie zuvor bei Sirius. Sie strich sich eine weiße HaarstrĂ€hne aus dem Gesicht.
„Über Sirius... so, so.“
Dann ging sie hinaus. Ein wenig verdattert sah die ehemalige beste Freundin Naaras ihr hinterher. Was war denn nun passiert? Wahrscheinlich war sie mit dem falschen Fuß aufgestanden. Sie zĂŒckte den Handspiegel, den Naara ihr einst zu Weihnachten geschenkt hatte und öffnete ihn. Manchmal erinnerte er sie an die Zeit, in der sie, Naara und Lily noch ein Trio waren. Sie waren unzertrennlich gewesen und machten sogar den Rumtreibern – so nannte man seit kurzem Remus, Sirius, James und Peter – Konkurrenz. NatĂŒrlich keine ernsthafte, denn dafĂŒr waren Lily und Mikako zu vernĂŒnftig gewesen, aber manchmal stellten sie doch manch guten Streich auf die Beine. Und die Schulnoten litten nicht darunter. Beliebt waren sie auch und selbst die Slytherins ließen sie in Ruhe. Aber seit jenen Sommerferien war alles anders. Naara war plötzlich weg und Lily und Mikako spĂŒrten, dass sie niemals ihre beste Freundin wieder haben wĂŒrden. NatĂŒrlich hatten sie versucht mit Naara zu reden, doch sie blockte sie ab. Dennoch hofften sie, dass das einst spitzbĂŒbische MĂ€dchen irgendwann zur Besinnung kommen wĂŒrde, denn ihre Freunde aus dem Hause Slytherin hatten sie wirklich verdorben. Eins schwor sich aber das nun verbliebene Duo: Wenn Naara Hilfe benötigte, so wĂŒrde sie diese auch erhalten, schließlich waren sie Freunde fĂŒrs Leben.
„Mikako!“ Das Portraitloch öffnete sich schlagartig. Hitomi stĂŒrzte hinein. Sie war in den letzten Jahren sehr alt geworden und sogar beinahe ein wenig verwahrlost. Seit dem Aufstieg des dunklen Lords schlief sie kaum, ebenso wie Mikakos Adoptivvater, Jeff Tzukino. Demnach sah sie auch aus: Sie hatte tiefe Augenringe und das Haar war nur notdĂŒrftig zusammengebunden worden.
„Mikako, du musst mir helfen. Es geht um Leben und Tod.“


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Emma ist eine natĂŒrliche Schönheit – wenn sie also die ,normale‘ Hermine in ihrer Schuluniform spielt, mĂŒssen wir ihr Aussehen unter dem Make-up eher herunterspielen. Aber der Weihnachtsball erfordert natĂŒrlich das genaue Gegenteil – da konnten wir uns mit dem Make-up richtig austoben.
Amanda Knight, Maskenbildnerin